Review: THE MESSENGER - DIE LETZTE NACHRICHT - Den Krieg in die Heimat tragen


Fakten:
The Messenger – Die letzte Nachricht (The Messenger)
USA. 2009. Regie: Oren Moverman. Buch: Alessandro Camon, Oren Moverman. Mit: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Steve Buscemi, Eamonn Walker, Lisa Joyce, Peter Friedman, Halley Feiffer, Jahmir Duran-Abreau, Portia, Paul Diomede, Jeremy Strong u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der traumatisierte Soldat Will wurde im Irak-Einsatz verletzt und muss nun seine restliche Dienstzeit in der Heimat ableisten. Zusammen mit dem rauen Sgt. Stone muss er nun den Angehörigen von kürzlich gefallenen Soldaten die Todesmitteilung überbringen. Während seiner Einsätze muss sich Will mit der Trauer, Wut und Verzweiflung der Angehörigen auseinandersetzen und gerät deswegen immer öfters mit Sgt. Stone aneinander, auch weil Will eine Beziehung mit einer jungen Witwe eingeht.






Meinung:
Es ist eine Schande. Da produzieren engagierte Filmemacher gute bis herausragende Filme über die immer noch aktuellen Einsätze der US-Army, aber keiner der Filme konnte bisher ein großes Publikum ins Kino, oder zumindest in die Videotheken locken. Egal ob „Stop-Loss“, „Redacted“, das mit mehreren Oscars prämierte Meisterwerk „The Hurt Locker“ oder „Im Tal von Elah“. „The Messenger“ ähnelt „Im Tal von Elah“. Auch hier ging es um das psychologische wie physische Trauma, das die Soldaten aus ihrem Einsatz im Krisengebiet mitnehmen. Dass die Hauptfigur Will Montgomery, grandios gespielt von Ben Foster, eine traumatisierte Existenz ist, wird vom Film und vom Spiel Fosters schnell und effizient klar gemacht. Der stille Soldat mit dem kalten Blick ist ganz bestimmt kein sympathischer Typ, aber mit fortschreitender Handlung bekommt seine harte Schale einige Risse. Wer nun glaubt, Will würde nach und nach zum charmanten Helden, der irrt. Will öffnet sich zwar und es gibt auch eine Erklärung für sein äußerliche Kälte, die Rückkehr in ein normales Leben verweigert der Film Will aber, nicht aber die Chance dazu.


Sgt. Stone und Will auf dem Weg zu einer Familie
Die angesprochenen Brüche in Wills Panzerung werden dem jungen aber erfahrenen Soldaten bei seinen Einsätzen im Heimatlang beigebracht. Wenn Will eine jungen Mutter, einem Vater oder gleich der ganzen Familie erklären muss, dass einer ihrer Liebsten im Krieg gefallen ist, so zeigt der Film deutlich,  dass sich diese Schicksale in Wills Gewissen krallen und somit sein eigenes Trauma noch fester in ihm manifestieren. Dabei ist sein Vorgesetzter Stone darauf bedacht die Regeln einzuhalten. Wie Stone selbst in den emotionalsten Szenen hart und stur seine Regeln befolgt gibt „The Messenger“ zusätzliche Dramatik, die den eh schon sehr ergreifenden Film noch um einiges erschütternder macht. Die Momente, in denen Will und Stone die Todesbotschaft überbringen gehören zu den dramaturgischen und darstellerisch besten Szenen des Jahres 2009/2010. Ohne Kitsch, gnadenlos direkt und ungeschönt realistisch zeigt Regisseur Oren Moverman wie durch eine Nachricht Existenzen, Träume und Lebensplanungen wie ein Kartenhaus im Wind zusammenbrechen. Die Kunst dabei ist, dass das Drama nie voyeuristisch wirkt und seine zentralen, berührenden wie schockierenden Szenen nicht versucht mit gefälliger Emotionalität in die Länge zu strecken. So verhindert Moverman, dass sein engagierter Film an gehaltloser Durchs-Schlüsselloch-Dramatik krankt und sich in Klischees suhlt.


 “The Messenger“ ist starkes Gefühlskino, das ohne Tamtam mehrere, gut gezielte Schläge in die Magengrube abgibt. Es ist kein Feel-Good-Movie, kein Seelentröster, sondern ein äußerst einfach gestricktes aber dafür umso überwältigendes Werk das lange nachhallt und darüber hinaus auf patriotische sowie pazifistische Phrasen verzichtet. Wann auch immer man in den Krieg zieht, bringt man den Krieg auch zu sich nach Hause, so lautet ein Sprichwort. „The Messenger“ verfestigt diese Aussage so deutlich wie eindringlich.

 10 von 10

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