Mittwoch,
20. Mai: Space Cowboys (Komödie) – 22:15 Uhr – Sat 1 Sag
kein Wort! (Thriller) – 20:15 Uhr – Kabel1 Scream 2 (Horror) –
0:55 Uhr - Kabel1
Donnerstag,
21. Mai:
Spiel
ohne Regeln (Komödie) – 20:15 Uhr – Kabel1 Die Liga der
außergewöhnlichen Gentlemen (Fantasy) – 20:15 Uhr – Vox Old
School (Komödie) – 22:35 Uhr - Kabel1
Fakten: Boardwalk Empire –
Staffel 2
USA. 2011. Regie: Tim Van Patten, Brad Anderson, Allen Coulter u.a. Mit: Steve
Buscemi, Michael Pitt, Kelly MacDonald, Shea Whigham, Michael Shannon, Michael
Stuhlbarg, Michael K. White, Stephen Graham, Paz la Huerta, Dabney Coleman,
Vincent Piazza u.a. Länge: ca. 560 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf
DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Nachdem Nucky seine Ziele mit korrupter Faust durchsetzen konnte, entzweien
sich der Stadtkämmerer und sein einstiger Zögling Jimmy zunehmend. Auch der
Prohibitionsagent Van Alden hadert mit seinen Prinzipien und dringt, wie alle
anderen Beteiligten, immer tiefer in den Sumpf aus Gewalt, Lügen und dreckigen Machtverhältnissen.
Meinung: Die umfassende Themenvielfalt, die „Boardwalk Empire“ in 12 reichhaltigen
Episoden anschnitt und für einen vertieften Fortgang ganz bewusst ebnete,
werden nun in Staffel 2 nicht nur nach striktem Plan auf einen gemeinsamen
Nenner gebracht, um sich in der dritten Staffel von all dem Schmutz zu lösen,
der sich in den vorausgegangenen 24 Episoden angesammelt hat und so
anschließend neue Ufer anzupeilen. Die zweite Staffel von „Boardwalk Empire“
zeichnet sich dadurch aus, das sie Vorausgegangenes konsequent verdichtet, die
mannigfachen Diskrepanzen in allen Lagern in einem neuen, gerne auch umso
maliziöseren Licht erstrahlen lässt, aber nicht jeden einzelnen Aspekt ausformuliert,
sondern weitere dramaturgische Räume entfacht, ohne mit einer abgehakten
Narration unter Beweis zu stellen, dass die eigene Qualität doch nicht den
Glanz verspricht, wie es eigentlich zu vermuten war. Staffel 2 ist gerade
deshalb so exzellent kalibriert, weil sie aufnimmt, anstatt abzulegen, und sich
nicht erst um die eigene Achse drehen muss, um sich weiterentwickeln zu dürfen.
Nucky steht im Mittelpunkt
Die inhaltliche Agglomeration in Staffel 1 war enorm, geht es in „Boardwalk
Empire“ doch eben nicht nur um die treuen, aber größtenteils scheußlichen
Gesetze des Alkoholschmuggels und die damit verkettete simple Stilisierung von
klischeebehafteten Gangstermythen. „Boardwalk Empire“ will ebenso das tapfere
Männerbild der 1920er Jahre demaskieren und die damaligen, oftmals
romantisierten Trugschlüsse untereinander festhalten. Neben
den fundamentalen Konflikte innerhalb religiöser Weltanschauungen,
dem Rassismus, den Vertrauensbrüchen, der lechzende Gier
nach Rache und dem alles überschattende ethische Zwiespalt, in dem sich in
Staffel 2 nun wirklich jede einzelne Figur befindet, lässt sich das Szenario
nun auch als opulent bebilderter und keineswegs einfältiger Diskurs über die
Signifikanz von Moral und Amoral, wie auch den daraus entstehenden Folgen
verstehen: Ein jeder hier muss sich wiederholt seinen individuellen
Wertevorstellungen stellen und diese abermals verleugnen. Das geschieht
natürlich immer aus verschiedenen Antrieben heraus, wirkt in ihrer Verzahnung
aber nie überzogen oder realitätsfern.
Gerade spannend ist es zu beobachten, wie sich die Geschichten um Nucky
Thompson, Jimmy Darmody, Margaret Schroeder und Agent van Alden weiteren Anlauf
nehmen und sich immer extremer mit gescheiterten Prinzipien aufladen. Wo aus
Verbündeten Feinde werden und Familienmitglieder miteinander wie Fremde
agieren, da pocht das Herz der blutigen Revision. Staffel 2 beleuchtet bei
diesen Hauptcharakteren nicht nur das Hier und Jetzt, sie gräbt nuanciert in
der Vergangenheit und verleiht dem Quartett so neue Eigenschaften, die sich nicht
schlagartig eröffnen, aber vorerst sanft unter einem eleganten Schleier
verborgen blieben. Die üppige Diversität an Figuren aus den verschiedensten
Ecken Amerikas, mit der „Boardwalk Empire“ auf ganzer Linie auffährt, war schon
in Staffel 1 erkennbar, in Staffel 2 wird dieses Ausmaß ausgeprägt und bekommt
gerade mit dem entstellten Scharfschützen Richard Harrow einen ungemein
packenden Charakter geschenkt, der zwar schon in kurzen Auftritten in Staffel 1
glänzen konnte, nun aber ein emotionales Element in der Konzeption darstellt,
dem man sich nicht entziehen kann und will. Hut ab, ein echtes Meisterwerk am
Staffelfirmament.
Fakten:
Lerchenberg (Staffel 1)
BRD. 2012/13. Regie: Felix Binder. Buch: Felix Binder, Maren Lüthje, Florian
Schneider. Mit: Eva Löbau, Sascha Hehn, Karin Giegerich, Anke Sevenich,
Cornelia Gröschel, Matthias Lier, Wayne Carpendale u.a. Länge: 4 Episoden a
20Minuten. Ausstrahlung: Freitag, 5. und 12. April, um 23:00 (jeweils Doppelfolgen) im ZDF.
Story: Sybille Zarg arbeitet
auf dem Lerchenberg, dem Hauptsitz des ZDF, als Redakteurin. Als das Casting
für einen Spielfilm ansteht, für den sich Sybille in den letzten Monaten stark
gemacht hat, bekommt sie von ihrer Chefin Dr. Wolter den Auftrag Sascha Hehn zu
besetzen. Dieser erweist sich als arroganter, egoistischer aber auch
manipulativer Widerling, der beim Casting total versagt. Doch damit ist das
Thema Hehn für Sybille noch nicht vom Tisch. Dr. Wolter will das Hehn im
ZDF-Programm unterkommt, sonst war’s das mit Sybilles Karriere.
Meinung: Vor einigen Jahren war
der Ruf des ZDF klar manifestiert: Ein Sender für Senioren, der mit seinem
Sportstudio, Volksmusiksendungen und Krimis auf Quotenfang ging. Doch die
Mainzer haben sich gewandelt. Sie hoben junge Spartensender aus der Taufe
(zdf.neo, zdf.kultur), platzierten Comedy- und Kabarettformate (heute show,
Neues aus der Anstalt) in ihr Programm verpassten sich ein vitaleres Image.
Insgesamt lebt das ZDF zwar immer noch von Sport, Carmen Nebel und „Stubbe“, aber
es lässt sich nicht leugnen, dass sie mehr Vielfalt bieten als noch vor einigen
Jahren. Ein wirklich zu begrüßender Imagewechsel, der nun zum 50. Geburtstag
des Senders eine Krone, in Form einer Serie erhalten sollte. „Lerchenberg“,
eine 4 Folgen kurze, deutsche Sitcom, die einen komödiantischen Blick auf den
Haussender wirft und dafür sogar an Originalschauplätzen gedreht wurde. Feine
Sache. Natürlich, die Parallelen zu amerikanischen Erfolgssitcom „30 Rock“ von
NBC sind mehr als deutlich, aber „Lerchenberg“ versucht seinen Witz etwas
bodenständiger zu halten und so sind in Mainz die Figuren allesamt (bis auf
Sascha Hehn) um einiges gefasster als beim US-Pendant. Außerdem kreist der „30
Rock“-Kosmos nicht unentwegt um nur eine Person. In „Lerchenberg“ steht aber Sascha Hehn klar im Zentrum. Dies kann sich
gewiss noch ändern, falls das ZDF eine zweite Staffel in Auftrag gibt. Dies
wird sicherlich nach den Quoten entschieden. Die Premiere auf zdf.neo verlief
recht ordentlich, bleibt zu hoffen, dass die Ausstrahlung beim Muttersender
Zuschauer anlockt, wobei die Serie nach der „heute show“ läuft. Eine äußerst
passend Programmierung.
Sascha Hehn wird ausgebremst
Was erwartet
einen denn beim „Lerchenberg“? Klare Antwort: das satirische Einmaleins über
das Fernsehen, Prominente und die Tücken des Arbeitsplatzes. Da gibt es die
gemeinen Chefs, die hinterhältigen Kollegen, die mit fremder Arbeit punkten, die
verwöhnten Stars und kleinere wie größere interne Intrigen. Das alles
komprimiert in vier Episoden. Unterhaltsam ist dies allemal, wirklich und
durchgehend witzig aber nur hin und wieder. „Lerchenberg“ versucht erst gar
nicht eine neue, oder andere, Form der Medienschelte zu sein. Dafür zeigt das
ZDF sich gegen über keine Gnade. Früher Skandale (oder Skandälchen), z.B. über
Bestechungen werden immer wieder kurz, knackig und auf humorvolle Weise thematisiert.
So entsteht das Bild, welches der Mainzer Sender so oder so (und nicht nur er)
inne hat: hier herrscht Chaos. Mittendrin die arme Redakteurin Sybille Zarg, gespielt
von Eva Löbau. Sybille, die zur Babysitterin von Sascha Hehn degradiert wird,
ist das genaue Gegenteil ihres Klienten. Eine charakterliche Rechnung die hier
leider nur bedingt aufgeht. Löbau überzeugt darstellerisch einfach nicht genug
und die alte Leier vom hochnäsigen, überheblichen Star findet mit Hehn zwar
einen dankbaren Darsteller, aber in der ständigen Wiederholung dieser Masche
finden keinerlei Entwicklungen oder gar Überraschungen statt. „30 Rock“ geht
das ähnlich, aber hier wird der Wahnsinn des Fernsehmachens so kompromisslos
auf die Spitze getrieben, dass es genug andere Qualitäten gibt, die für
Aufmerksamkeit und Lacher sorgen. „Lerchenberg“ fehlt es einfach ein wenig an
Wahnsinn, bzw. an anderen humoresken Ausrichtungen.
Trotz seiner
Mängel ist alleine die Existenz dieser Serie etwas Schönes. Die Macher haben
eine Serie kreiert, die gerne noch ein paar Folgen/Staffeln weitergehen kann
und auch sollte. Entwicklungen lassen sich nämlich nach der ersten, sehr
kurzen, Staffel mehr als erahnen und es gibt auch noch genügend Dinge im
deutschen Fernsehen (nicht nur im ZDF) die eine satirische Abhandlung verdient
hätten. Hoffentlich muss sich Sybille Zarg also noch länger mit Sascha Hehn
herumschlagen, dann aber bitte mit etwas mehr Mut zum Wahnsinn.