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Review: ASCENSION (Die komplette Mini-Serie) – Das Leben in einer intergalaktischen Nussschale

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Fakten:
Ascension
US, 2014. Regie: Nicholas Copus, Mairzee Almas, Rob Lieberman, Vincenzo Natali, Stephen Williams. Buch: Phillip Levens, Adrian A. Cruz, Melody Fox. Mit: Tricia Helfer, Mark Camacho, Al Sapienza, Brad Carter, Lauren Lee Smith, Ryan Robbins, Andrea Roth, Brandon P. Bell u.a. Länge: 265 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während des kalten Kriegs trifft die US-amerikanische Regierung im Jahr 1963 eine bedeutende Entscheidung. Aufgrund der Angst vor einem eskalierenden Konflikt werden mehrere Hundert Männer, Frauen und Kinder an Bord eines gigantischen Raumschiffs auf eine 100 Jahre andauernde Reise ins Weltall geschickt. Nach der Hälfte der Reise wird die Besatzung zum ersten Mal schwer erschüttert, nachdem eine junge Frau ermordet aufgefunden wird. Die Menschen an Bord der Ascension werden langsam misstrauisch und hinterfragen die Mission ihres Daseins, was nach und nach zu unglaublichen Enthüllungen führt...




Meinung:
In ferner Zukunft ist es durchaus möglich, dass die Menschheit nicht mehr dazu in der Lage ist, auf der Erde leben zu können. Diese Theorie wird nicht nur regelmäßig von Wissenschaftlern aufgestellt und untersucht, sondern auch im Science-Fiction-Genre in Filmen oder Serien ergründet. Ein äußerst prominentes Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist "Interstellar". In Christopher Nolans Blockbuster wird die Erde durch gigantische Staubwolken und das Aussterben sämtlicher natürlicher Ressourcen nicht mehr lange bewohnbar sein, weshalb ein Team von Astronauten auf eine Mission durchs Weltall geschickt wird, um bislang unbekannte Planeten zu entdecken, auf denen menschliches Leben fortbestehen könnte.


Ein kleines Mädchen mit großer Bedeutung
Ein ähnliches, grundsätzlich ebenfalls äußerst interessantes Konzept verbirgt sich hinter "Ascension", einer sechsteiligen Mini-Serie des amerikanischen TV-Senders Syfy. Gleich zu Beginn der ersten Episode wird man als Zuschauer zunächst in eine gewöhnlich wirkende Gesellschaftsordnung geworfen. Die dekadente Oberschicht feiert rauschhafte Partys, in der Mittelschicht kehrt man nach einem Arbeitstag im Büro in die gemütliche Eigentumswohnung zurück und in der Unterschicht wird in schmutzigen Maschinenräumen schwer gearbeitet, um irgendwie über die Runden zu kommen. Kurz bevor das Logo der Serie zum ersten Mal eingeblendet wird, erschließt sich dem Betrachter allerdings, was "Ascension" wirklich ist. Die rund 600 Menschen in dieser Geschichte sind die Besatzung eines riesigen Raumschiffs, das im Jahr 1963 von der US-Regierung aufgrund des kalten Kriegs auf eine 100-jährige Mission geschickt wurde, um einen weit entfernten Planeten namens Proxima zu bereisen. Die Handlung der Serie setzt 51 Jahre nach Abreise der Ascension an und entwirft einen außergewöhnlichen Mikrokosmos, hinter dem sich nach und nach zahlreiche interne Regelungen, Intrigen auf der Führungsebene und faszinierende Mysterien offenbaren.


Mit optischen Schauwerten geizt die Serie nicht
Der entscheidende Stein, der nachfolgende Ereignisse ins Rollen bringt, ist der Tod einer jungen Frau, welcher schnell als Mord identifiziert wird. Während "Ascension" über die ersten zwei Episoden hinweg wie eine Mischung aus Murder-Mystery, Soap-Opera und Science-Fiction-Parabel wirkt, lässt ein gewaltiger, intelligenter Twist am Ende der zweiten Episode das gesamte Szenario in einem komplett neuen Licht erscheinen. Ohne zuviel Preis zu geben, gewinnt die Serie fortan ungemein an Tiefe, indem die Autoren Raum für philosophische Denkanstöße öffnen. Neben den Ereignissen auf der Ascension ist ein paralleler Handlungsstrang auf der Erde angesiedelt und wird entscheidend mit dem Schicksal der Figuren verwoben, die sich im Inneren des Raumschiffs befinden. "Ascension" wirft einige Fragen auf, die sich mit Selbstbestimmung, dem freien Willen und den ethischen Grenzen der Wissenschaft beschäftigen, während die zentrale Handlung in kleinen Schritten von Episode zu Episode neue Rätsel entwirft. Bedauerlicherweise war der Serie keine sonderlich lange Lebenszeit vergönnt, denn nach nur sechs Episoden der Mini-Serie zog der Sender bereits den Stecker und verzichtete auf die Bestellung einer vollen Staffel.


"Ascension" wirkt durch diesen Umstand extrem unfertig und bruchstückhaft. Auch wenn man über mehrere Episoden hinweg langsam Hinweise auf größere Zusammenhänge erhält, den Figuren näher kommt und wirkliches Interesse an den tiefergehenden Mysterien sowie Theorien entwickelt, wird man mit einem abrupten Cliffhanger völlig in der Luft hängen gelassen und verbleibt mit zahlreichen offenen Fragen. Nachdem die durchweg mit schicken Schauwerten ausgestattete Serie in der letzten Episode auf einige rasante Entwicklungen setzt, sich mancher Figuren auf überraschend kaltblütige Weise entledigt und mit einem neuen großen Mysterium aufwartet, ist einfach Schluss. Das war´s.


5,5 von 10 ungeklärte Fragen, auf die es nie eine Antwort geben wird




von Pat

Review: MIDNIGHT SPECIAL – Ein Science-Fiction-Drama der außergewöhnlichen Sorte

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Fakten:
Midnight Special
US, 2016. Regie & Buch: Jeff Nichols. Mit: Michael Shannon, Joel Edgerton, Kirsten Dunst, Jaeden Lieberher, Adam Driver, Sean Bridgers, Paul Sparks, Sam Shepard, Scott Haze u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 23. Juni 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Alton ist kein gewöhnlicher Junge, denn anscheinend besitzt der 8-jährige besondere Fähigkeiten, die ihn für religiöse Sekten ebenso attraktiv machen wie für Teile der Regierung. Um den Jungen zu beschützen und offenbar zu einem bestimmten Ereignis zu bringen, das zunächst nicht genauer erklärt wird, begibt sich sein Vater mit ihm und einem alten Freund auf die Flucht...




Meinung:
Über die letzten Jahre hinweg hat sich Jeff Nichols zu einem der momentan interessantesten Regisseure entwickelt. Den einfachen Weg ging er dafür nie, denn seine Filme vereinen meistens verschiedene Genres und Stimmungen miteinander, die noch dazu auf den ersten Blick nicht immer einwandfrei zusammenpassen wollen. In "Take Shelter" beispielsweise trafen apokalyptisch beängstigende Visionen auf eine schizophren-instabil wirkende Hauptfigur, während Nichols seine düsteren, schweren Themen mit einer unheimlich feinfühligen, bewegenden Intimität inszenierte, durch die er eine unvergleichliche Atmosphäre erzeugte, die einer gefühlsmäßigen Achterbahnfahrt entsprach.


Gemeinsam und mit Waffengewalt setzen sie sich zur Wehr
Für "Midnight Special" hat der Regisseur seinen speziellen Stil nun vollständig auf die Spitze getrieben und das in seiner bisherigen Karriere wohl polarisierendste Werk geschaffen, bei dem es extrem schwer fällt, zu einem eindeutigen Urteil zu gelangen. Zunächst ist man vom Film aber erstaunlich schnell gefesselt, denn Nichols startet mit einem Auftakt, der Fragezeichen aufwirft, über die man sich gar keine klaren Gedanken bilden kann, denn im nächsten Moment befinden sich die Hauptfiguren bereits in einer adrenalingeladenen Flucht und rasen mit dem Auto über die Straßen. "Midnight Special" handelt zu Beginn von zwei Männern, die einen kleinen Jungen offensichtlich vor irgendetwas beschützen wollen, während in sämtlichen Nachrichten davon berichtet wird, dass genau dieser Junge aus seinem Elternhaus entführt wurde. Hinzu kommt, dass eine religiöse Vereinigung ebenso an dem Jungen interessiert ist wie die Regierung, bei der sich schnell die NSA und das FBI einschalten. Über das gesamte erste Drittel hinweg sind diese Informationen beinahe alles, was sich von der Handlung erfassen lässt, denn ansonsten verlaufen zentrale Mysterien bewusst länger im Dunkeln.


In dem Jungen stecken ungeahnte Kräfte
Nichols verfolgt mit seinem Ansatz ein höchst interessantes Konzept, das sich allerdings in gewisser Weise auch als frustrierend entpuppt. Der Regisseur will sich zu keinem Zeitpunkt für eine klare Linie entscheiden, streut Science-Fiction-Elemente in die Geschichte, nur um in der nächsten Szene nach den ganz großen Drama-Lorbeeren zu greifen, wenn er Thematiken wie familiären Zusammenhalt, unausweichliche Schicksale und moralische Zweifel in einen geerdeten, zurückhaltenden Rahmen bringen will. Als wäre das nicht schon ambitioniert genug, nimmt "Midnight Special" auch immer wieder Züge eines reinrassigen Thrillers an, in dem sich die Figuren zu einem wuchtig-mitreißenden Score in Verfolgungsjagden befinden oder konzentrierte Schusswechsel liefern. In seinen besten Momenten läuft der Film dadurch zu wahrer Höchstform auf und bietet eine Reihe von Einzelszenen, die schlichtweg überwältigend sind und die Grenze zum Konventionen sprengenden Meisterwerk sowie innovativen Genre-Hybrid immer wieder streifen. Leider beschränkt sich dieser Eindruck lediglich auf Einzelszenen, denn letztlich bleibt "Midnight Special" als Gesamtwerk seltsam ungreifbar, zerbricht regelmäßig an der Last, leise Dramatik mit überbordender Fantasie zu verbinden und irritiert mit Einschüben in Form des Nebenhandlungsstrangs der Regierungsaktivitäten, die sich in bloßen Spurensuchen und trockenen Theorien erschöpfen.


Auch wenn dem Regisseur mit der Handlung eine spürbar persönliche Geschichte am Herzen lag, bei der Nichols seine eigenen Erlebnisse als Vater verarbeitete, stehen gefühlvolle Momente im Konflikt mit der ständigen Geheimniskrämerei, bei der die Motivationen und Charakterzüge der Figuren, die überwiegend stark besetzt sind, zu lange verborgen bleiben, um nachhaltig zu berühren. "Midnight Special" ist am Ende aber trotzdem nicht weniger als ein überaus interessantes Werk, das so faszinierend aus dem Ruder läuft wie schon lange kein Film mehr. Selbst in den schwächeren Momenten hält einen der Film nahe bei sich, während in den besten Momenten Potential eines brillanten Meisterwerks aufblitzt, das bedauerlicherweise nie vollständig entblättert wird. 


7 von 10 zum ersten Mal gemeinsam erlebte Sonnenaufgänge



von Pat

Review: SYNCHRONICITY – Ein Zeitreise-Trip zwischen emotionalem Leitfaden und abstrusen Sackgassen

1 Kommentar:

Fakten:
Synchronicity
US, 2015. Regie: Jacob Gentry. Buch: Jacob Gentry, Alex Orr. Mit: Chad McKnight, Brianne Davis, AJ Bowen, Scott Poythress, Michael Ironside, Claire Bronson, Sergine Dumais u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab 06. Mai 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der Physiker Jim Beale steht kurz vor einem revolutionären Durchbruch. Er ist nur noch einen Schritt davon entfernt, eine Maschine fertig zu entwickeln, die Zeitreisen ermöglicht. Unterstützung benötigt er dabei von einem reichen, ziemlich kalten Investor, der sich natürlich entscheidende Anteile an dieser Entwicklung erhofft. Auf einmal taucht auch noch die attraktive Abby auf, die Jim nicht nur den Kopf verdreht, sondern eventuell eine entscheidende Rolle in diesem gefährlichen Spiel aus Abhängigkeit und Misstrauen spielen könnte...





Meinung:
Zeitreise-Filme üben nicht ganz unbegründet eine gewisse Faszination auf den Zuschauer aus. Innerhalb dieser Variation herkömmlicher Science-Fiction-Filme ist es möglich, interessante und extrem komplexe Geschichten zu erzählen, die entweder unglaubliche Gedankenspiele ermöglichen oder aber das Gehirn auf frustrierende Weise herausfordern. Wie wäre es, wenn man in der Zeit zurückreisen könnte, dazu fähig, vergangene Fehler zu verändern oder bittere Entscheidungen auszubügeln? Wie würden diese Veränderungen in der eigentlich bereits geschehenen Vergangenheit die Ereignisse der Zukunft beeinflussen? Faszinierende Überlegungen, die in Filmen dieser Gattung oftmals auf zwei verschiedene Arten verarbeitet werden. Einerseits gibt es die emotional getriebenen Werke wie "12 Monkeys" oder "Looper", in denen ein klares Zeitreise-Konzept erklärt wird, dem sich fortan leicht folgen lässt und bei denen man stets ganz nah an den Figuren und ihren Beziehungen zueinander ist. Andererseits gibt es auch extrem kopflastige Vertreter wie die Low-Budget-Kopfnuss "Primer" von Shane Carruth, die den Betrachter massiv (über)fordert und beinahe unlösbar ist. 


Eine gefährliche Dreiecksbeziehung
"Synchronicity" von Regisseur Jacob Gentry ist ein Science-Fiction-Film mit Zeitreise-Thematik, der sich nicht so richtig zwischen diesen beiden Erzählweisen festlegen kann und daher versucht, beide Seiten zu bedienen. Das Resultat ist ein Werk, das einige durchaus erfrischende Ansätze aufweist, letztendlich aber zu viel auf einmal will und sich daher am Ende in unterschiedlich angerissenen Konzepten und Ideen verrennt und in einer Sackgasse stecken bleibt. Als Auftakt entwirft Gentry ein Szenario, in dem der Physiker Jim Beale kurz vor einem revolutionären Durchbruch steht, bei dem es ihm gelingt, Zeitreisen zu ermöglichen. Abhängig ist seine Entwicklung allerdings von der Unterstützung eines kalten Investors, der Jim eine teure, aber unverzichtbare Substanz sponsort, die dieser für das technische Gelingen benötigt. Wie aus dem Nichts erscheint zudem auch noch die wunderschöne, geheimnisvolle Abby, die Jim nicht nur den Kopf verdreht, sondern unter Umständen ganz eigene Absichten verfolgt. Ehe sich eine ausführliche Romanze zwischen diesen beiden Figuren entfaltet, entwickelt sich "Synchronicity" in eine ganz andere Richtung, welche die Hauptfigur in ein Komplott aus Betrug und Verschwörungen wirft.  


Von nun an nutzt Gentry seine Zeitreise-Thematik, um Jim auf einen Trip zu schicken, bei dem dieser vor allem aufgrund eines gebrochenen Herzens versucht, seine Zukunft in eine andere Richtung zu lenken. Hierbei kann sich der Streifen aber nie von gängigen Handlungsstrukturen lösen, die man in anderen Vertretern des Genres schon zu oft gesehen hat. Das Konzept, bei dem die Hauptfigur vergangene Stationen passiert, die er exakt so schon einmal erlebt hat, aber im Prinzip keine entscheidenden Veränderungen vornehmen darf, ohne ein fatales Paradoxon auszulösen, zerfällt nicht nur bei genauerer Überlegung in seine fragwürdigen Einzelteile, sondern lässt einen stringenten Spannungsbogen sowie glaubwürdige Charaktere aufgrund des immer chaotischer ausufernden Handlungskomplexes vermissen. Irgendwann bricht "Synchronicity" unter der inhaltlichen Last, bestehend aus Wurmlöchern, Paralleluniversen, undurchsichtigen Figuren sowie unglaubwürdigen Wendungen, zusammen und erzeugt beim Betrachter den unschönen Effekt, dass ihm in der finalen Szene die entscheidenden Charaktere und Motivationen schlichtweg egal geworden sind. Zugute halten kann man dem Film immerhin noch seine Optik. Aus dem geringen Budget hat Gentry einen Film gezaubert, der sich wirklich sehen lassen kann und aufgrund des blaustichtigen Looks sowie einem nostalgisch wummernden Synthie-Score an große Vorbilder des Genres wie beispielsweise "Blade Runner" erinnert. Ein schmaler Trost, der den inhaltlich oftmals zu abstrusen sowie festgefahrenen Film wenigstens zu einem kleinen audiovisuellen Augenschmaus macht.


5,5 von 10 Dahlien aus der Zukunft


 
von Pat

Review: HIGH-RISE – Chaos und Anarchie im futuristischen Hochhaus-Komplex

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Fakten:
High-Rise
GB, 2015. Regie: Ben Wheatley. Buch: Amy Jump. Mit: Tom Hiddleston, Luke Evans, Jeremy Irons, Sienna Miller, Elisabeth Moss, James Purefoy, Peter Ferdinando, Stacey Martin, Emilia Jones u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: Noch nicht geprüft. Ab dem 30. Juni 2016 im Kino.


Story:
In einer nicht näher bestimmten Zukunft haben sich in Großstädten gewisse Mikro-Gesellschaften gebildet. Diese leben in einem gigantischen Hochhaus-Komplex, der über zahlreiche Stockwerke hinweg ein funktionierendes System bildet, in dem unter anderem Schulen, Supermärkte und Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. Über die Zeit hinweg hat sich allerdings eine bekannte Dreiklassengesellschaft mit Unterschicht, Mittelschicht und Oberschicht gebildet, die nun kurz davor ist, die gesamte Zivilisationsordnung zur Implosion zu führen.




Meinung:
Wenn man eines an Ben Wheatley schätzen kann, dann ist es seine schiere Unberechenbarkeit. Der englische Filmemacher liebt es ganz offensichtlich, sich zwischen den Genres zu bewegen, Sehgewohnheiten schroff zu unterwandern und den ein oder anderen Zuschauer seines Publikums gehörig vor den Kopf zu stoßen. "Kill List" beispielsweise, der immer noch als einer der großen Geheimtipps der letzten Jahre gelten darf, war eine unglaublich unbequeme Mischung aus Thriller und Horror, in der schaurige Vorzeichen und merkwürdige Vorfälle schließlich in einen Gipfel blanken Entsetzens mündeten. Auch "Sightseers" darf eindeutig als ungewöhnlich eingestuft werden, denn hier treffen schwarzer Humor auf brachiale Gewalteinlagen und ein psychopathisches Hauptfiguren-Pärchen auf verschrobene Gemütlichkeit.


Tom Hiddleston im Aufzug und mit sich selbst eingesperrt
In "High-Rise" kommt nun anscheinend endlich zusammen, was wie füreinander bestimmt zu sein scheint. Die Romanvorlage von Autor J.G. Ballard, der für seine dystopischen, surrealen Geschichten bekannt wurde, gelangte in die Hände von Wheatley, der bekanntlich keine Risiken scheut, um seine Filme in Erlebnisse zu verwandeln. Der Regisseur entwirft ein Szenario, bei dem ein gigantischer Hochhaus-Komplex als in sich abgeschlossener Mikrokosmos dient, in welchem den Bewohnern von Freizeitanlagen über Schulen bis hin zu Supermärkten alles zur Verfügung steht, was als lebensnotwendig oder grundsätzlicher Bedarf erachtet wird. Verlassen werden muss dieses Hochhaus eigentlich nur noch zum Arbeiten, ansonsten gibt es keine Gründe, weshalb man sein Leben außerhalb dieser abgeschotteten Welt führen sollte. Nichtsdestotrotz hat dieser Entwurf einer zukünftigen Lebensweise seine Tücken, die sich in der mittlerweile etablierten Dreiklassengesellschaft offenbaren. Während die dekadente Oberschicht rauschhafte Partys feiert und im Luxus schwimmt, brodelt es in der Unterschicht immer stärker. Problematisch wird dieser Zustand außerdem für die Mittelschicht, in der sich unter anderem der Arzt Dr. Robert Laing befindet, welcher zunehmend zwischen die Fronten gerät und kaum noch weiß, zu wem er überhaupt Stellung beziehen soll.


Der entscheidende Stein, der die Apokalypse ins Rollen bringt
Anhand von kühl entworfenen Bildern und der präzisen Betrachtung bestimmter Einzelfiguren aus den unterschiedlichen Schichten treibt Wheatley das Geschehen leise aber spürbar auf einen gewissen Höhepunkt zu. Bis es allerdings zur unabwendbaren Katastrophe kommt, deren Konsequenzen der Regisseur direkt zu Beginn vorweg nimmt, bevor die Handlung drei Monate zurück springt, ist der Film bereits vorab ein mitunter kaum zu erfassender Rausch, in dem sich kleine Zwischenfälle, apokalyptische Symbolik und laute Konflikte zu einem zunächst unsichtbaren Kollaps vereinen. Mithilfe von unwirklichen, exzessiven Montagen, einem herausragenden Score von Clint Mansell und dem konzentrierten Spiel der Darsteller, welche zeitweise zwischen Verzweiflung, Unsicherheit, Aggression und blankem Kontrollverlust agieren, verkommt "High-Rise" zu einer malerischen Symphonie des schleichenden Wahnsinns, die in jeder Einstellung düstere Paranoia sowie die Gewissheit über das nahende Unheil verkündet. Wheatley treibt das Konzept dabei ebenso ungestüm wie rücksichtslos auf die Spitze, indem er unaufhörliche Anarchie als glorreichen Wandel zelebriert und das anfangs brüchige Fundament der ungleichen Klassengesellschaft vollständig niederreißt.


Als kaum zu beschreibendes, gänzlich unbändiges Gesamtwerk ist "High-Rise" eine zynisch-ätzende Dystopie, die inszenatorisch manchmal sogar strengstens kontrolliert wirkt, nur um sich im nächsten Moment ganz dem fiebrigen Exzess hinzugeben und Impressionen auf den Betrachter loszulassen, die so ungreifbar wirken wie sie wunderschön und einfach Kino pur sind. Ein finsterer Rausch, der den Untergang der vorherrschenden Zivilisationsordnung mit einem Lachen im Gesicht durchführt und am Ende nichts als endgültigen Wahnsinn und platzende Seifenblasen hinterlässt.


8 von 10 gegrillte Hunde



von Pat

Review: FUTUREWORLD - Die Zukunft startet jetzt.

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Fakten:
Futureworld
USA, 1976. Regie: Richard T. Heffron. Buch: Mayo Simon, George Schenck. Mit: Peter Fonda, Blythe Danner, Arthur Hill, John P. Ryan, Yul Brynner, Burt Conroy, Dorothy Konrad, John Fujioka, Dana Lee u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Zwei Jahre nach der Katastrophe in "Westworld" eröffnet der futuristische Freizteitpark "Delos" erneut. Die neueste, angeblich absolut sichere Attraktion ist "Die Welt von Übermorgen". Zur Eröffnung werden auch der damals kritische Reporter Chuck Browning und seine Kollegin Tracy Ballard eingeladen. Die Betreiber gewähren ihnen eine uneingeschränkten Einblick hinter die Kulissen. Als die Journalisten hinter die Wahrheit kommen, ist es fast zu spät....



                                                                          



Meinung:
Eine Fortsetzung zu Michael Crichton's Science-Fiction-Hit "Westworld" war naheliegend und per se keine dumme Idee, wenn das Konzept der Vorlage nicht einfach erneut abgespielt wird. Erfreulich: Das passiert auch nicht. Ernüchternd: Die Stärken des Erstlings kommen kaum zur Geltung. Der investigative Schnüffler mit der schicken Brille und sein blondes Anhängsel a.k.a. "halt den Schnabel" kommen einer riesigen Sauerei auf die Spur, die gut in das Paranoia-Kino der 70er passt, leider sehr früh zu durchschauen ist. Nur ein kleiner Makel in einer Fortsetzung, die gesamt gar nicht so verkehrt, allerdings doch enttäuschend ist. 

Die Reise ins Übermorgen, klingt super.
Sehr erdend: Das tolle Setting von "Westworld" wird fast nicht genutzt. Statt durch nachgestellte Szenarien zu irren, laufen unsere Protagonisten fast ausschliesslich durch langweilige Hintergründe, der Flair des Vorgängers ist nur grob enthalten. Hier und da werden Ideen und Ansätze aus "Westworld" verwendet, nur viel zu selten und spärlich. Immerhin wird nicht der Ablauf nur kopiert, was zu erwarten wäre. Der Gedanke ist neu und zeitlich passend, technisch astrein umgesetzt, bleibt trotzdem hinter den Erwartungen zurück. Peter Fonda und Blythe Danner dürfen sich vie zu selten in die versprochenen Traumwelten stürzen, und wenn, manchmal sehr albern. Der kultige Cowboy-Cyborg - dargestellt von Yul Brenner - gibt sich kurz die Ehre, dafür in einer lächerlichen und einzig für seine Figur geschriebenen Sequenz, die eine der größten Schwachstellen des Fims verkörpert. Crowd-Catcher, unnötig und sogar ärgerlich.


Fuck the Future!
An sich ist der Ansatz nicht schlecht und rettet ein gut inszeniertes Sequel über alle Defiztite hinweg. Zu lang, zu ineffizient, seinen Grundgedanken zu wenig nutzend und insgesamt nicht wichtig genug, aber unterhaltsam. Lässt nur wahnsinnig viel verbrannte Erde erkennen, hat zu viel unfreiwilligen Humor und simple Logikfehler, einfach verschenkt. Dennoch nicht schlecht, besser als heutige Schnarchnasen im Genre, mit mehr Kreativität und Zeitgeistkritik. Für Fans des Originals sehenswert, aber nicht auf dessen Niveau. Leider.


6 von 10 Cyborgs.

Review: DIE FLIEGE - Der verdrängte Klassiker

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Fakten:

Die Fliege (The Fly)
USA, 1958. Regie: Kurt Neumann. Buch: James Clavell. Mit: David (Al) Hedison, Patricia Owens, Vincent Price, Herbert Marshall, Kathleen Freeman, Charles Herbert, Betty Lou Gerson u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 
Story:
In der Fabrikhalle der Brüder Delambre macht der Nachtwächter einen grausigen Fund: Die Leiche von Andre Delambre, sein Kopf und seine linke Hand durch eine Presse zerquetscht. Kurz darauf gesteht dessen Ehefrau Helene, ihren Mann getötet zu haben. Eigentlich ein klarer Fall. Für Andres Bruder Francois macht dies keinen Sinn, schließlich lief die Ehe seines Bruders vorbildlich. Helene scheint traumatisiert und ist besessen von einer Fliege, die Francois für sie fangen soll. Schließlich erzählt sie ihm eine unglaubliche Geschichte: Andre betrieb wissenschaftliche Experimente, um Objekte von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Alles sah erfolgsversprechend aus, bis eine Unachtsamkeit zur Katastrophe führte.



                                                                         




Meinung:
Selten, aber gibt es auch: Der Film von Kurt Neumann galt eigentlich schon als Klassiker, doch dann kam knapp 30 Jahre später das Remake von David Cronenberg. Cronenberg gelang nicht nur das Kunststück, mit einem Remake das Original deutlich zu übertreffen, sein Film avancierte selbst zum Klassiker des Genres. Heute wird sein Film eher mit dem Titel "Die Fliege" assoziiert als das Original. Schon leicht verrückt und etwas schade für Neumann's Film, wobei Cronenberg das Material in der Tat besser nutzte. 

 
Auch Männer können Kopftuch tragen...
Die 86er-Version ist nicht nur um einiges expliziter und kann auch heute noch mit großartigen Effekten begeistern, sie greift viel deutlicher und direkter das in der Geschichte schlummernde Potenzial auf. Die Verwandlung von Mensch in Monster, der damit einhergehende psychologisch-existenzielle Konflikt und natürlich auch die sexuelle Ebene. Besonders an letzteres war in den 50ern natürlich überhaupt nicht zu denken. Das Original hat weit weniger Tiefe, konkretisiert die Aspekte von Cronenberg's Film kaum bis gar nicht, versteht sich als ganz klassisches Schauerstück zwischen Drama, Science-Fiction und Gruselfilm mit leichter Hammer-Studio Atmosphäre. Die Staubschicht ist unverkennbar dicker geworden, so verstören und erschrecken wie einst kann "Die Fliege" - auch unabhängig vom Remake - selbstverständlich nicht mehr. Dennoch, an Faszination hat das Werk kaum verloren. Interessant ist die Erzählweise, die sich nicht als klassisch linear darstellt, sondern die Ereignisse von hinten aufrollt. Heute nicht ungewöhnlich, damals nur seltener genutzt, gerade in dem Genre. Hochspannend ist "Die Fliege" dabei selten, bezieht seinen Reiz eher durch die Geschichte an sich und das Spiel mit dem, was wir (lange) nicht zu sehen bekommen. Was mit Andre Delambre geschehen ist wird schnell klar, nur das erschreckende Resultat versteckt sich lange unter einem Tuch, um erst kurz vor Schluss gelüftet zu werden. Auch ohne typische Schockmomente macht sich so Unbehagen breit, der stumme Wissenschaftler mit dem Appetit auf Milch wirkt unberechenbar und unheimlich. Wenn er schließlich seine entzückendes Antlitz präsentiert, wirkt das immer noch erstaunlich schrecklich. Für die damalige Zeit kann sich die Maske sehr sehen lassen, mit einem etwas nostalgischem Auge immer noch sehenswert.

 
Auch das Ende kommt heutzutage nicht mehr ganz taufrisch rüber, könnte beim jüngeren Publikum gar zu einem leichten Grinsen führen, ist an und für sich jedoch ähnlich wirkungsvoll wie zu seiner Zeit. Ein flaues Gefühl macht sich breit, wenn die Natur der Wissenschaft aufzeigt was es für Folgen hat, sich zu sehr einzumischen. Solche Momente vergisst man so schnell nicht wieder und machen "Die Fliege" zu einem Klassiker im Schatten des eigenen Remakes. Mit Abstrichen heute noch zu empfehlen.

 
6,5 von 10 Weißkopf-Fliegen

Review: DIE TRIBUTE VON PANEM - THE HUNGER GAMES - Harter Stoff schön weich gekocht

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Fakten:
Die Tribute von Panem - The Hunger Games (The Hunger Games)

USA, 2012. Regie: Gary Ross. Buch: Gary Ross, Suzanne Collins, Billy Ray. Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elisabeth Banks, Lenny Kravitz, Stanley Tucci, Donald Sutherland, Wes Bentley u.a. Länge: 138 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 
Story:
In dem von einem totalitären Regime regierten Staat Panem finden jedes Jahr die "Hunger Games" statt. 24 Kinder, je ein Mädchen und ein Junge aus den 12 Distrikten, werden per Losverfahren ausgewählt, um anschließend in einem begrenzten, überwachten Arial auf Leben und Tod zu kämpfen. Mit dem im Fernsehen übertragenen Spektakel soll die Macht der Regierung demonstriert werden, das Volk kleingehalten werden und es dient gleichzeitig zur morbiden Unterhaltung. Um zu verhindern, dass ihre kleine Schwester in die Arena geschickt wird, meldet sich Katniss freiwillig für den verarmten Distrikt 12. Traditionell sind die Kandidaten aus diesen Bezirken gegen die gut ausgebildeten, wohlhabenden und auf dieses Ereignis gedrillten Kandidaten der Distrikte 1 und 2 chancenlos, doch Katniss erweist sich in der Vorbereitungsphase als Geheimfavoritin. Der Regierung ist sie damit ein Dorn im Auge, schließlich soll ein Aufbegehren der verarmten Bezirke vermieden werden.



                                                                           



Meinung:
Neben Remakes, Reboots, Sequels und Comicverfilmungen stehen in den letzten Jahren besonders die aufwendigen Mehrteiler im US-Kino hoch im Kurs. Besonderes Merkmal: Das Zielpublikum scheint klar definiert. Insbesondere Serien wie "Twilight" oder "Harry Potter" richten sich vornehmlich an jüngere Zuschauer, die Jahr für Jahr wieder in die Kinos gelockt werden sollen, um den finanziellen Erfolg der meist kostspieligen Projekte nicht nur zu rechtfertigen, sondern sie zu einem lukrativen Geschäft zu machen (inklusive DVD/BR Einnahmen, Merchandising usw.). Im letzten Jahr startete mit "Die Tribute von Panem: The Hunger Games" das nächste Großprojekt, basierend auf der Romantrilogie von Suzanne Collins, die Fortsetzung "Catching Fire" steht schon in den Startlöchern. Das Feedback der Zielgruppe gibt den Produzenten recht, doch was taugt der erste Teil denn für den Rest der Filmfans?

Turteln vor der großen Schlacht.
Gerade denen dürfte eines ganz besonders ins Auge springen, was sich Autorin Suzanne Collins schon bei der Veröffentlichung ihrer Bücher als Kritikpunkt vorwerfen lassen musste: Die Story rund um die "Hunger Games" orientiert sich nicht nur stark an dem japanischen Roman (und dessen Verfilmung) "Battle Royale", sie geht in vielen Punkten eigentlich nur als reines Plagiat durch. Zumindest in diesem ersten Film, der die Todesarena in den Mittelpunkt stellt. Schon "Battle Royale" wies diverse Parallelen zu anderen Werken auf, aber was sich Collins hier erlaubt hat, ist schon ein starkes Stück. Die Story rund um das Reich Panem und seine verschiedenen Distrikte entfernt sich zwar von der etwas mehr in der Realität verankerten "Vorlage" aus Japan, die komplette zweite Filmhälfte wirkt dafür wie eine weichgespülte Milchzahn-Version von ihr. Daher ist der Vergleich fast unumgänglich und der größte Reiz am Film - die eigentlich recht packende Grundprämisse - relativiert sich gnadenlos. 


 
Die Spannung ist kaum auszuhalten.
Aber der Reihe nach. Schon die Darstellung des totalitären Dystopie-Staats kann nicht ernsthaft sein Potenzial entfalten. Der bewusst bunt-schrille Stil steht im Kontrast zur eigentlichen Handlung, wirkt eher deplatziert und mehr als einmal recht albern. Das geht bei ernsthaft bissigen Satiren auch mal voll in Ordnung, auch Kubrick's "Clockwork Orange" wirkte zum Teil so, allerdings nur optisch. "The Hunger Games" verwendet viel Zeit zur Einführung und Vorstellung der Szenerie und der Figuren, ohne das dabei viel rumkommt. Die verarmte, herzensgute und trotzdem so taffe Katniss ist die glasklare Sympathieträgerin und Identifikationsfigur, die arroganten und gnadenlosen Snobs aus den Elitedistrikten die Buh-Männer (und Frauen), die Regierung mächtig und böse, das Volk arm und gut, dafür die Hälfte der üppigen Laufzeit zu verbraten so unnötig wie uninteressant. Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence wurde vor gut drei Jahren durch ihre Leistung im kalten Drama "Winter's Bone" bekannt und (zu recht) gelobt wie Oscar-nominiert, startete danach richtig durch und gewann für "Silver Linings" Anfang des Jahres sogar die Trophäe, nur mit so einer Leistung wie hier gewinnt sie nicht mal die goldenen Steckrübe von Meppen (vom Teenie-Publikum direkt gewählte Awards mal ausgenommen). Belanglos durch die Gegend starren, zwischen drei bis vier (sehr ähnlichen) Gesichtsausdrücken wechseln und das über mehr als zwei Stunden, geht flott auf den Pinsel. Die guten Namen im Cast haben aussschließlich Nebenrollen, im Mittelpunkt stehen die Lawrence und andere Schnuckis zum anhimmeln oder richtig gemein finden, wie in einem typischen Highschool-Film. Das liebe Mauerblümchen, ihr schmachtender Möchtegern-Boy-Friend und die blöden Schnösel-Bullys. Das Schema wird zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.


 
Kurz mal setzen, gleich wird gekillt.
Wenn es nach einer gefühlten Ewigkeit endlich zur Sache kommt, kann "The Hunger Games" zwar etwas punkten, doch wie schon erwähnt, das kennt man doch irgendwo her. Nur da in richtig gut. Für das angepeilte Publikum geht es zwar schon verhältnismäßig krass zur Sache, dem Thema jedoch noch lange nicht angemessen genug. "Battle Royale" war nicht nur das zünftigere Pendant, ist auch schwer zu toppen, vor allem war es dort wesentlich galliger, bissiger, mutiger und die Figuren wie die eigentlichen Konflikte in so einer Situation klar besser ausgearbeitet. "The Hunger Games" kann und will gar nicht richtig schocken, das Thema drastisch und schmerzhaft angehen, das soll an klar definierten Punkten etwas rühren, Sympathien und Antipathien unmissverständlich verteilen, alles bitte nicht zu gewagt und noch im Rahmen. Auf ein Ende zusteuern, das allein schon durch den Mehrteilerstatus nicht überraschen kann. Typisches Problem solcher Filme: Hauptfiguren kann praktisch nichts passieren, kommen ja noch Filme, das Ende ist nur ein Zwischenstopp, der Hauptpart eigentlich nur eine Zugabe zum Prolog, denn mehr kann logischerweise nicht passieren. Das soll anfüttern, für sich gesehen satt machen praktisch unmöglich. Zumindest hier, wenn das Highlight nur eine mäßig spannende Variation einer bekannten und guten Geschichte ist.


 
Zumindest bleibt die Möglichkeit, dass die Fortsetzungen mehr zu bieten haben. Die Arena wäre abgehakt, nun können eigene Ideen kommen. Dann ist in Panem sogar was möglich. Allerdings unwahrscheinlich, dass die nächsten Teile sich mehr an das Publikum allgemein richten, auf wen das Ganze zugeschnitten ist und wohl auch bleibt dürfte kein Thema werden. Denen viel Spaß, für den Rest kommen ja auch noch andere Filme. Hoffentlich...


 
4 von 10 Teenies im Blutrausch

Review: KRIEG DER WELTEN - Viel Lärm um nichts

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Fakten:
Krieg der Welten (War of the Worlds)
USA, 2005. Regie: Steven Spielberg. Buch: Josh Friedman, David Koepp. Mit: Tom Cruise, Dakota Fanning, Justin Chatwin, Miranda Otto, Tim Robbins, Rick Gonzalez, Yul Vazquez, Lenny Venito, Lisa Ann Walter, Ann Robinson u.a. Länge:  116 Minuten.   FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich,


Story:
Ray's Rolle als Scheidungs-Vater wird auf eine harte Probe gestellt: Ausgerechnet jetzt bricht der Krieg der Welten aus. Ausserirdische Kampfmaschinen brechen aus dem Boden, die Apokalypse steht vor der Haustür.  Ray packt seine Familie ein und flüchtet in den Kampf um's Überleben.


                      
                                                                           
                                                                                

Meinung:
Das ist aus Steven Spielberg geworden, einst ein guter, sogar visionärer Regisseur. Bis Ende der 90er gab es (mit peinlichen Ausnahmen wie "Das Reich der Sonne") von ihm immer solide bis grossartige Arbeiten, "Krieg der Welten" ist ein Paradebeispiel für seinen Niedergang zum Blockbuster-Hansel ohne Flair, ohne das gewisse Etwas.



 
Nix wie weg...
Dabei hätte gerade diese Story, die seiner Zeit für eine nationale Massenpanik sorgte, Futter für ein nicht nur grosses, sondern wirklich gutes Blockbuster-Spektakel sein können, speziell wenn ein erfahrener Mann wie Spielberg das in die Hand nimmt. Hätte, hätte, Damentoilette. Da passt kaum was, in Anbetracht der mal sichtbaren Fähigkeiten des Regisseurs sogar ein teures Trauerspiel. Grob wird bei "Krieg der Welten" eine rudimentär interessante Familien-Dramaturgie aufgebaut, die neo-spielberg-typisch dann mit aller Macht am übertriebenen Kitsch-Felsen bricht, zum Teil sogar albern wirkt, obwohl das nicht hätte sein müssen. Ein gewisses Pathos-Potenzial ist grundsätzlich vorhanden und  in dem gebotenen Rahmen sogar voll legitim, nur wird der Bogen bis auf's äusserste überspannt, wie es der "neue" Spielberg erschreckend platt versteht.


Weltraum-Kraken greifen an...
Das grosse und allgegenwärtige Problem von dem neuen "Krieg der Welten": Er hat keine Seele,  nicht mal ansatzweise. Das ist kalkuliertes, blasses Blockbuster-Kino zum ausmalen, das fehlende Herzblut wird schmerzlich vermisst, etwas Farbe hätte dem gar nicht geschadet. Weil echte Emotionen nicht erzeugbar sind, rettet sich Spielberg durch optisches Plastikspielzeug, billiges Getöse, viel Lärm um nichts. Die gerne und oft bemühte CGI-Werkstatt hat viel zu tun, der Regisseur kann sich entspannt zurücklehnen, läuft ja, Geschichte, Darstellerführung und Grundspannung spielen eh keine Rolle. Ist ja laut, kühl, spektakulär, wow, mein lieber Mann, grosses Dings-Bums und Tom Cruise, ein Selbstläufer, ich würde gerne jetzt den Scheck einlösen. "Krieg der Welten" hat wahnsinnig viele Möglichlichkeiten, lässt ignorant alles liegen, um als pathetisch-peinlicher "Familien im Brennpunkt"-Zirkus zu enden, mit einfallendem Sonnenlicht, viel aufgewehtem Laub und noch mehr heisser Luft.


Ein Klassiker der Medienkultur wird zu einem kostspieligen Irgendwas, bei dem viel kaputt geht und  der extravagante Star mit dem teuren Quatschkram um die Wette spielt. Meine Güte, was wäre da möglich gewesen? So viel, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Besser nicht, das könnte bitter schmecken.

3,5 von 10 Maulwurf-Aliens

Review: DARK STAR - Gesprächige Bomben und wilde Wasserbälle

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Fakten:
Dark Star
USA, 1974. Regie: John Carpenter. Buch: John Carpenter, Dan O'Bannon. Mit: Brian Narelle, Cal Kuniholm, Dre Pahich, Dan O'Bannon, Joe Saunders u.a. Länge: 83 Minuten. FSK: ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.



Story:
Seit 20 Jahren befindet sich das Raumschiff "Dark Star" auf einer Mission im Weltall. Die Crew soll mit Hilfe intelligenter Bomben instabile Planeten sprengen, um die Kolonisation des Weltraums nicht zu gefährden. Die Stimmung war schon besser: Der Captain ist bei einem Unfall gestorben, das Klopapier ist aus, ein seltsames Alien sorgt für Unruhe und zu allem Überfluss ist ein technischer Defekt dafür verantwortlich, dass einer der gesprächigen Sprengkörper zur echten Gefahr wird.



Meinung:
Das Spielfilmdebüt von Horror-Meister John Carpenter und Science-Fiction-Spezi Dan O'Bannon war ursprünglich ihr Abschlussprojekt für die Filmhochschule, wurde nach der Kinorechteerwerbung durch Produzent Jack H. Harris nur noch etwas überarbeitet und verlängert. Das es sich hier um einen Film von (noch) Amateuren handelt und für schlappe 60.000 Dollar produziert wurde ist unverkennbar, allerdings lässt sich durchaus schon erkennen, dass die Herren Talent haben.


Auch der Rasierschaum scheint aus zu sein
Mit starken Anleihen bei Kubricks Meisterwerk "2001 - Odyssee im Weltraum" scheint "Dark Star" wie eine verspielte Hommage an diesen Klassiker. Nur in ganz günstig und äusserst schräg. Mal positiv, mal auch einfach nur merkwürdig. Das der Film ursprünglich nur ungefähr 70 Minuten ging ist deutlich zu sehen, einige Szenen wirken unnötig gestreckt oder sind reine Zeitfüller, machen für die Geschichte an sich nicht viel Sinn. Hätten sie sich lieber sparen sollen, kürzer ist nicht unbedingt schlechter. Das Drehbuch ist nun wirklich nicht die Stärke von "Dark Star", dafür hält das Ding einige kurriose Ideen parat und ist in seinem No-Budget-Look extrem charmant. Ein unglaubliches Highlight ist das Auftauchen des "Exoten", dass wohl ulkigste Alien der Filmgeschichte. Wie soll ich es beschreiben...es ist ein Wasserball. Mit Entenfüßen. Ja, das trifft es. Klingt komisch? Und wie! Das Enten-Ball-Dings macht zudem komische Geräusche und liefert sich mit Dan O'Bannon (ja, der spielt auch mit) eine Hetzjagd mit einem skurrilen Fight in einem Fahrstuhlschacht. Irre Nummer, muss selbst gesehen werden. Besagte Fahrstuhlszene, mal abgesehen von dem drolligen Ballspiel, zeigt dabei jedoch schon Carpenters Fähigkeiten als Regisseur, das sieht echt nicht schlecht aus. Ohnehin gibt es bei "Dark Star" schon viele Details, die sich in seinen späteren Werken wiederfinden lassen. Schon hier klasse ist sein komponierter Score, ein Markenzeichen aus seiner ultra-starken Phase (zwischen '76 und '82).


Das Ding aus einem anderen Pool
Neben dem ganzen liebevollen Quatsch gibt es aber auch ernsthafte, kritische Momente, die allerdings auch eher unterhaltsam verpackt werden. Die finale Diskussion zwischen Doolittle (ja, der heißt wirklich so) und "Bombe 20", die gar nicht einsehen will, warum sie denn jetzt nicht explodieren soll, ist von seiner Kernaussage gar nicht so weit entfernt von dem großen Vorbild "2001". Wenn künstliche Intelligenz so intelligent ist, dass die menschliche Kontrolle nicht mehr gegeben ist. "Dark Star" sieht aus wie astreiner Trash, ist es zeitweise auch, dahinter steckt aber doch mehr. Nur eben nicht die ganze Zeit. Zum Schluss gibt es dann nochmal einen herrlichen Ritt auf der perfekten Welle.


Extrem billiges, teilweise arg holpriges, dennoch liebenswertes Frühwerk von zwei Männern, die nur kurze Zeit später das Genrekino massgeblich prägen sollten. Eine Blick und einen kleinen Platz im Herzen jedes Filmliebhabers sollte dem dunklen Stern gegönnt sein.


6 von 10 biestigen Wasserbällen

Review: METROPOLIS - Ein deutscher Meilenstein der Filmgeschichte

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Fakten:
Metropolis
Deutschland. 1927. Regie: Fritz Lang. Buch: Thea von Harbou. Mit: Brigitte Helm, Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Rudolf Klein-Rogge, Fritz Rasp, Theodor Loos, Erwin Biswanger, Heinrich George, Olaf Storm u.a. Länge: 153 Minuten (1927). 145 Minuten (2010). FSK: Ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:

In Metropolis, einer in allen Belangen gigantischen Stadt der Zukunft und in der die Oberschicht getrennt von der Arbeiterschaft lebt, verliebt sich Freder, der Sohn Fredersens, in Maria, eine junge Frau aus der Unterstadt und stellt fest, dass Maria eine fast schon priesterhafte Erscheinung ist, auf die die Arbeiter hören. Sie sagt, dass sich die jeweiligen Seiten nicht verstehen würden und es einen Mittler brauche, der die beiden Schichten zusammenführt. Freder zumindest ist von dieser Idee überzeugt. Joh Fredersen, der durch Maria aber seine Macht bedroht sieht, nötigt den Wissenschaftler Rotwang, dem Fredersen einst die Frau ausgespannt hat und die mittlerweile verstorben ist, dass der von Rotwang entwickelte Maschinen-Mensch die Gestalt von Maria erhalten solle, um die Arbeiter besser kontrollieren zu können. Doch Rotwang nutzt seinen Maschinen-Mensch dazu, sich an Fredersen zu rächen. Die Maschinen-Maria hetzt die Arbeiter noch mehr auf. Sie wollen nicht mehr als „Sklaven“ der Oberschicht arbeiten und planen den Aufstand. Es kommt zur Revolution und die Situation droht zu eskalieren. Und Freder und die echte Maria sind unterstützt von Sekretär Josaphat mittendrin.




Meinung:
Fritz Langs Stummfilm-Meisterwerk aus dem Jahr 1927 spielt in einer nicht genannten Zukunft. Die Stadt Metropolis ist zweigeteilt. Oben wohnen die wenigen Reichen in gigantischen Hochhäusern, idyllischen Gärten, riesigen und mehrstufigen Straßenschluchten. Beeindruckende Schönheit, Protz und Luxus. Sportplätze, Partys. Und als Höhepunkt dieser Oberstadt gilt wohl der „Neue Turm zu Babel“, in dem der Stadtgründer Joh Fredersen lebt und waltet. Ganz anders sieht es in der Unterstadt aus, in der die Arbeiter leben. Der Tag für sie hat nur 20 statt der 24 Stunden für die Oberschicht, wobei die einfachen Leute 10 Stunden in Reih und Glied an einer riesigen Maschine arbeiten müssen. Nach getaner Arbeit werden sie wieder hinunter in die Tiefe gefahren, um dort ihr schmutziges, monotones und armes Leben weiterzuleben.


Gigantische Häuser- und Straßenschluchten
Obwohl die obige Inhaltszusammenfassung schon recht lang erscheint, so ist sie noch bei weitem unvollständig. Es passiert so viel, dass man gar nicht alles wiedergeben kann. „Metropolis“ ist in erster Linie eine Liebesgeschichte zwischen Maria und Freder, die von verschiedenen Seiten, gewollt und ungewollt, torpediert und verhindert wird. Aber auch eine Liebesgeschichte von Joh Fredersen und Rotwang zur gleichen, verstorbenen Frau namens Hel, der Mutter Freders. Dann ist der Film eine Science-Fiction-Geschichte, die in einer dystopischen Welt spielt. Drama und Thriller, genau wie Action und Katastrophenfilm. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf verschiedene politische Systeme, in erster Linie natürlich dem Marxismus. Auf Wirtschaft (Kapitalismus), auch Religion nimmt einen großen Part ein, wenn Maria und dann die Roboter-Maria wie eine Hohepriesterin zu den Arbeitern spricht oder die Allegorie als Hure Babylon. Sozialkritische Elemente sind ebenfalls vorhanden. Die sture Obrigkeit als Hirn und der schwer arbeitende aber oft auch dumme Plebs als Hände. Sie kommen nicht zusammen, denn „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“. Das Herz, das in dieser Gesellschaft fehlt. Herz, das man braucht, um ein gutes Zusammenleben zu schaffen. Das Herz, dass nur Freder und seine Liebe zu Maria aus der Unterschicht sein kann.


Die aufgebrachte Meute will nur eines: Vergeltung
Zentrale Themen wie Liebe, Freundschaft, Hoffnung, Trauer. Aber auch Lynchjustiz (sowieso eines der Lieblingsthemen Fritz Langs), Lust, Ekstase, Luxus, Unterdrückung, Aufstand, Sehnsucht. Der Film „Metropolis“ ist so viel. Die Bauten, die Massenszenen, die Effekte, die Musik von Gottfried Huppertz in ihrer Neuinterpretation von Frank Strobel – sie sind wahrlich epochal, gigantisch und beeindruckend. Das komplette Filmset wird geflutet, wie es selbst heute nicht viele Regisseure wagen. Lang hatte bei seinen Angestellten den Ruf eines diktatorischen Perfektionisten. So trieb er seine Darsteller bis über die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit hinaus. Oder er ließ für seine Aufnahmen von Autos in Metropolis per Stop-Motion-Technik seine Mitarbeiter die einzelnen Autos nur um wenige Millimeter verrücken, was acht Tage Arbeit für nur etwa zehn Sekunden Film. Aber mit seiner Perfektion, Akribie und Detailversessenheit macht Lang den Film zu einem unvergesslichen und packenden Erlebnis – auch und vielleicht gerade für unsere heutige Zeit, in der solche Art von Film kaum noch mit unseren Sehgewohnheiten korrespondiert.


Ist es Maria oder der Maschinen-Mensch?
Natürlich ist der Film schauspielerisch aus heutiger Sicht sehr gewöhnungsbedürftig. Mimik und Gestik, die komplette Körpersprache würde heute wohl als gigantischstes Overacting überhaupt durchgehen. Aber: Ist das dann schlecht? Sicher nicht, es ist ein normales Phänomen seiner Entstehungszeit. Wo es noch nicht möglich war, Emotionen, ja selbst die normalsten Handlungen durch Worte auszudrücken, da musste man solche übertriebenen Gesten an den Tag legen. Und ihre Wirkung haben sie trotz der Übertreibungen dennoch nicht verloren. Gerade Brigitte Helm, die die Doppelrolle der Maria und der Maschinen-Frau übernommen hat, ist hier mit ihrer Leistung hervorzuheben. Auf der einen Seite liebevoll aber entschlossen, kann man ihr auf der anderen Seite den Wahnsinn und die blinde Zerstörungswut schon an ihrem zuckenden Auge wunderbar absehen. Eine liebens- und eine hassenswerte Darstellung.


Freder und Maria wollen eine Katastrophe verhindern
Fritz Lang ist mit „Metropolis“ ein in allen Belangen gigantischer Film gelungen, für den die Menschen zu seiner Zeit anscheinend noch nicht bereit waren, der damals kommerziell ein fast genauso gigantischer Flop wurde. Schnell wurde der Film wieder aus den Kinos genommen , geschnitten, zerstört. Und auch in anderen Ländern wurde er so umgeschnitten, dass man die Aussage des Films in weiten Teilen extrem verändert hatte. Eine komplette Fassung schien man wohl nie zu erhalten, bis man vor einigen Jahren in Argentinien eine „Metropolis“-Version mit vielen fehlenden Szenen fand. Die Murnau-Stiftung in Wiesbaden konnte die stark verschmutzten Filmszenen bestmöglich restaurieren und in den bisher bekannten Film einsetzen, sodass seit wenigen Jahren der nahezu komplette Film Langs, seine Intention aus dem Jahr 1927 wieder vorhanden ist. Auch wenn Teile des Films über viele Jahre verschollen waren, "Metropolis" war dennoch schon immer ein Film, der genauso wichtig wie stilprägend war. In Filmen wie Kubricks „2001“, Scotts „Blade Runner“ oder auch Burtons „Batman“ finden wir Anspielungen, stilistische Parallelen, ja sogar Kopien ganzer Szenen.


Diese 145 Minuten der restaurierten und aktuellsten Version sind sicher nicht für jeden Filmfan geeignet. Ein Stummfilm, noch dazu mit dieser Länge und diesen für uns heute eigentümlichen Darstellungen setzt schon eine große Portion Offenheit voraus. Wer diese jedoch aufbringen kann, für den wird „Metropolis“ eine wahre Offenbarung. Ein fantastischer Film, der so vieles Anspricht, der zeitlos ist wie eh und jeh. Den man gesehen haben muss, um ihn auch nur annähernd nachvollziehen zu können. Der wahrscheinlich wichtigste deutsche Film aller Zeiten.


10 von 10 Molochs