Posts mit dem Label John C. McGinley werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label John C. McGinley werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Review: 42 – DIE WAHRE GESCHICHTE EINER SPORTLEGENDE – Ein Schwarzer macht die Baseball-Liga verrückt

Keine Kommentare:


Fakten:
42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (42)
USA. 2013. Regie und Buch: Brian Helgeland. Mit: Harrison Ford, Chadwick Boseman, John C. McGinley, Christopher Meloni, Lucas Black, Andre Holland, Alan Tudyk, Nicole Beharie u.a. Länge: 128 Minuten. FSK: Ab 0 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Branch Rickley (Harrison Ford) ist Manager der Brooklyn Dodgers. In dem Baseball-Team spielen, wie in jedem anderen Team in den USA auch, nur weiße Sportler. Als er Jackie Robinson, einen talentierten, schwarzen Spieler, verpflichten will, stößt er darum auf große Widerstände. Dennoch setzt er sich durch und Robinson wird zum ersten schwarten Spieler der MLB. Jedoch herrschen im Team, in der Liga und in der Gesellschaft weiterhin große Vorurteile gegen Robinson – doch der ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen.




Meinung:
„42“ ist die wahre Geschichte über den Baseballspieler Jackie Robinson, dem ersten schwarzen Baseballspieler im 20. Jahrhundert, der in der Major League zusammen mit den ansonsten weißen Spielern spielte. Er wurde von Mitspielern und Zuschauern angefeindet, als nicht gleichwertig angesehen. Er solle doch zurück in den Urwald und hätte nichts im weißen Sport Baseball zu suchen. Doch Robinson ging seinen Weg, ließ sich nicht beirren – und wurde einer der besten Spieler der Liga. Mit seinem Engagement 1947 durch Manager Branch Rickey bei den Brooklyn Dodgers (heute übrigens Los Angeles Dodgers – jaja, in den USA zieht ein Team einfach mal so von der Ost- an die Westküste) tat er einiges für die Gleichberechtigung der Schwarzen – im Baseball und in der Gesellschaft. Auch nach seiner Karriere setzte sich Robinson für die Schwarzenrechte ein. Heute wird ihm zu Ehren das Trikot mit seiner Nummer 42 in der gesamten Liga nicht mehr vergeben, nur am 16. April, dem „Jackie-Robinson-Day“ dürfen alle Teams mit der Nummer 42 auf dem Rücken antreten. Eine größere Ehrenbekundung kann man sich im Baseball kaum vorstellen.


Jackie Robinson - der erste Schwarze in der MLB
Ein Biopic also über einen der bekanntesten Spieler der Baseball-Geschichte, der auch noch von so großer Bedeutung ist – es ist nicht überraschend, dass Hollywood hier zuschlägt. Wenn dabei noch etwas gegen Rassismus getan werden kann und so auch noch die Schulterklopfer sicher sind, nun, worauf wartet man noch? Es ist vielmehr schon sehr ungewöhnlich, dass man erst so spät auf die Idee kam, Robinsons Geschichte zu verfilmen. Aber jetzt hat man es ja getan. Dabei beschränkt man sich auf die Jahre 1946 und 1947, also nur eine recht kurze Zeit in der Karriere Robinsons. Er erzählt die Anfänge und die Widerstände, denen der schwarze Spieler ausgesetzt war, zeigt Rassenhass innerhalb der Liga und auch in der Gesellschaft. Doch gerade hier werden die Probleme des Films deutlich.


Gerade dieser Rassismus erscheint nämlich ein wenig zu oberflächlich. Natürlich, da sind die Idioten, die Robinson beschimpfen. Immer und immer wieder. Auf dem Feld, neben dem Feld. Überall. Robinson, der sowieso als sehr temperamentvoll beschrieben wurde, ist auch immer kurz vorm, kann sich aber zurückhalten. Dennoch, es wirkt alles recht oberflächlich und sich stets wiederholend. Nach 30 Minuten haben wir eigentlich alles gesehen, was wir über den Rassismus in diesem Film wissen müssen, danach wird das Ganze immer wieder halbgar aufgewärmt. Seine Stärken hingegen hat der Film bei der Baseball-Geschichte. Die Sportszenen sind spannend, teilweise auch witzig in Szene gesetzt und wissen zu unterhalten. Überhaupt lebt der Film von den Teilen im Trikot, im Alltagszwirn fällt er immer ein bisschen ab.


Fliege und Zigarre - ein wenig Exzentrik darf sein
Harrison Ford ist der bekannteste Name im Film. Er spielt Branch Rickey auf eine überraschend kauzige Art. Vehement im Auftreten, aber auch sympathisch. Nur sein Gottesfimmel nervt ein wenig. Neben den vielen bekannten Nebendarstellern wie Christopher Meloni, Alan Tudyk, Lucas Black, Brett Cullen oder John C. McGinley scheint ausgerechnet Hauptdarsteller Chadwick Boseman ein wenig unterzugehen. Zumindest hat man zuvor noch nichts von ihm gehört. Doch Boseman macht seine Sache durchaus ordentlich und schafft es sogar, im Lauf des Films immer präsenter und eindringlicher zu werden. Nachdem er den ersten schwarzen Spieler in der MLB verkörperte und ebenfalls schon als James Brown auftrat, wird er nun auch bald als „Black Panther“ den ersten schwarzen Marvel-Helden im Film spielen. Ein rasanter Aufstieg für den bisher unbekannten Darsteller.


„42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ schafft es insgesamt nie, seine Möglichkeiten vollends auszuschöpfen. Besonders im Bereich des Rassismus wiederholt sich zu viel und es wird zu wenig in die Tiefe gegangen. Punkten kann er vor allem bei den schön in Szene gesetzten Baseballszenen. Hier wird der Film auch emotional und auch wenn alles sehr vorhersehbar ist, so sieht man sich diese Episode im Leben des Jackie Robinson doch sehr gerne an.


6,5 von 10 Bälle an den Kopf

Review: AUF BRENNENDEM EIS - Auf die Fresse im Namen der Umwelt

Keine Kommentare:


Fakten:
Auf brennendem Eis (On Deadly Ground)
USA, 1994. Regie: Steven Seagal. Buch: Ed Horowitz, Robin U. Russin. Mit: Steven Seagal, Michael Caine, Joan Chen, John C. McGinley, R. Lee Ermey, Shari Shattuck, Billy Bob Thornton, Richard Hamilton, Chief Irvin Brink,  Apanguluk Charlie Kairaiuak, Elsie Pistolhead, John Trudell, Mike Starr u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Feuerbekämpfungsspezialist Forrest Taft soll auf einer Ölbohrplattform in Alaska eine Zwischenfall untersuchen, stößt dabei auf die skrupellosen Machenschaften von Konzernchef Jennings. Bevor der ehemalige CIA-Mann und Naturfreund zu ungemütlich werden kann, wird er fachgerecht entsorgt, nur leider nicht gründlich genug. Von Ureinwohnern gesund gepflegt, schlägt er zurück.








Meinung:
„Der Rauch trägt den Geist des Bärenmannes“

…und Steven Seagal voller Stolz seiner Fransen-Jacke aus dem Dritte-Welt-Laden sowie die natürlich löbliche, allerdings in dem Fall so extrem peinlich verhökerte Öko-Botschaft um Natur- und Völkerschutz offensiv zur Schau. „On Deadly Ground“ klingt so herrlich reißerisch und ist tatsächlich so spießig und verballert-albern vorgetragen, da weiß kein Mensch wo Unsinn und Ernst anfängt oder aufhört, das kann nur von Häuptling Grüner Daumen selber kommen.


Schon mal die Silberbüchse laden, falls jemand den Müll nicht trennt.
Der inszeniert sich bei seinem Regie-Debüt als ehemaliger CIA-Agent und jetziger Irgendwas vom Dienst, mit dem Herz am rechten Fleck und dem Gesicht aus Stein, welcher einer unglaublichen Sauerei auf die Spur kommt. Er kann immerhin schneller laufen als sprechen und überlebt – Gott sei Dank – das böse Attentat, wird von netten Ureinwohnern gepflegt, richtet Zopf und Mokassins, um dann gnadenlos Rache zu üben. Weder besonders spektakulär, noch großartig interessant, die hübschen Landschaftsimpressionen machen da noch am meisten her. Der Cast ist dabei erstaunlich brauchbar und noch erstaunlicher, dass man davon gar nichts merkt. Billy Bob Thornton war damals ein Niemand, nicht schlimm. John C. McGinley immer unterschätzt, hier braucht er auch nur grimmig zu gucken, nur was macht den bitte Michael Caine in dem Film? Grotesk geschminkt und (Deckhaar-) gefärbt wie ein drittklassiger Transvestit muss er sich nicht nur so zur Schau stellen, sondern sich auch noch zahlreiche Dialoge mit dem Holzkopf Seagal liefern. Welten prallen aufeinander.


"Was soll das heißen, ich würde meine Haare färben?"
Man könnte glauben, dass Caine zwischenzeitlich einfach weggenickt ist. Wenn niemand „Du bist dran!“ gerufen hat, sogar gut möglich. Seagal macht das, was er am besten kann: In spektakulärer Zeitlupe jemanden ein Bein stellen oder umschubsen und sich deshalb als großer Action-Star feiern  lassen. Wenigstens ist der Mann hier noch in Form und sieht nicht aus wie eine indianische Mettwurst, vom Hocker haut einen das dennoch nicht. Aufgewertet durch sensationelle Szenen (Seagal vermöbelt einen Raufbold und belehrt ihn pädagogisch: „Was ist nötig, um einen Mann von Grund auf zu ändern?“  Der: „Ich brauche Zeit…“ Niedlich.), dabei niemals auf Klischees aus, das wäre ja auch rassistisch („Reitest du gut?“ – „Natürlich, ich bin eine Ureinwohnerin.“), so was hat der Film nicht nötig. Der ist bestimmt auch biologisch abbaubar.


Tatsächlich ist dieser sichtlich engagierte und möchtegern-lehrreiche Film in seiner puren Naivität eigentlich ganz drollig, könnte man aber auch als penetrant und – das ist sehr fatal – als reines Genrefutter nicht knackig genug ansehen. Stimmt schon. Denn der Action-Anteil ist recht gering, dann zwar hart, aber ähnlich hölzern und ineffizient umgesetzt wie eigentlich alles, Seagal ist als Regisseur wirklich kein Stück besser als in seinem „echten“ Berufsstand. Allerdings ist die finale Ansprache so episch, da muss man schon die Tränen der Rührung zurückhalten. Aber er durfte Michael Caine instruieren, wie glorreich sieht das von der anderen Seite aus? Nun gut, wer „Der weiße Hai IV“ gedreht hat, braucht sich nicht beschweren. Er musste wohl wieder was abbezahlen. Ziemlich bekloppter Film, der aufgrund einiger unfreiwilliger Lacher noch das Mindestmaß an Unterhaltung bieten kann, wenn man es so nennen will.

4 von 10 grünen Punkten

Review: GEFÄHRLICHE BRANDUNG – Surfen für die innere Freiheit

Keine Kommentare:



Fakten:
Gefährliche Brandung (Point Break)
USA. 1991. Regie: Kathryn Bigelow. Buch: W. Peter Iliff, Rick King. Mit: Keanu Reeves, Patrick Swayze, Gary Busey, Lori Petty, John C. McGinley, James LeGros, Tome sizemore, Anthony Kiedis, Christopher Pettiet, Julian Reyes, Chris Pedersen, John Phibin u.a. Länge; 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der junge FBI-Agent Johnny Utah ist mit seinem älteren Kollegen Angelo einer Gruppe von Bankräubern auf der Spur, nach der die Polizei von Kalifornien seit einigen Jahren erfolgslos fahndet. Angelo hat die Theorie, dass die Räuber allesamt Surfer sind, was seine Vorgesetzten für Schwachsinn halten. Johnny glaubt aber daran und knöpft Undercover Kontakte zu einer Gruppe Adrenalin-Junkies, angeführt vom charismatischen Bodhi.




Meinung:
In den 1990er respektive den späten 1980er Jahren verfügte Kathryn Bigelow über ein inszenatorischen Händchen, welches vor allem im Action-Sujet zu den sichersten ihrer Klasse zählte. Schlag auf Schlag lieferte sie Filme ab, die heute nicht umsonst als Klassiker verehrt werden. Ob ihre melancholische Vampir-Entmystifizierung „Near Dark“, der Cop-Thriller „Blue Steel“ oder die visionäre Dystopie „Strange Days“: Bigelow bewies in einer von Männern dominierten Umgebung abermals mehr Eier als ihre maskulinen Kollegen. Dass mit der Trennung von Ehemann James Cameron („Aliens –Die Rückkehr“) auch eine herbe Zäsur in ihrer Karriere folgte, lässt sich wohl als äußerst schlechtes Karma titulieren, stand die Kalifornierin ihrer Existenz als Filmemacherin nach „K-19 – Showdown in der Tiefe“ nicht gerade optimistisch entgegen. Anstatt uns jetzt aber hier auf ihr glorreiches Comeback mit dem allseits zu Recht gefeierten Irak-Drama „Tödliches Kommando“ zu beschränken, gehen wir lieber noch einmal in die Blütezeit ihrer Vita, zurück in die Anfänge der 1990er Jahre, zurück zu „Gefährliche Brandung“.


So schön gucken kann nur Gary Busey
Die Synopsis liest sich wie ein handelsüblicher 80s-Actioner, der gar exzessiv mit Klischees jongliert und sich freimütig mit Schema-F-Dramaturgie brüstet: Wir hätten da den ambitionierten Grünschnabel Johnny Utah (welch namentliches Destillat jener Tage), der von seinem Vorgesetzten, natürlich ein unsympathisches Ekel in Reinform, mit einem desillusionierten, aber immer noch hartnäckig ermittelnden Kollegen auf einen schwierigen wie langwierigen Fall angesetzt wird. Dass der noch blutjunge Keanu Reeves diesen Johnny Utah gewohnt stocksteif verkörpert, ist kaum verwunderlich, schauspielerisch bewegt sich der im Libanon geborene Kanadier seit jeher auf einem doch eher ziemlich mauen Niveau. Seinen Reiz zieht „Gefährliche Brandung“ aus der Figur des Bodhi, gespielt von einem beinahe nicht wiederzuerkennenden, aber wie immer höchstathletischen Patrick Swayze, dessen arretierender Aura nicht nur Johnny Utah verfällt, auch der Zuschauer gibt sich nur zu gern der nonkonformistischen Lebensphilosophie des Surfer-Cliquen-Anführers hin. Bodhi ist der Katalysator der Handlung, der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, durch ihn greifen die einzelnen Story-Zahnrädchen flüssig ineinander und „Gefährliche Brandung“ erhält letztlich durchaus eine substantielle Ebene.


Utah und Bodhi beim Fallschirm-Daumenwrestling
Substantiell dahingehend, dass der Name „Bodhi“ natürlich nicht umsonst gewählt wurde, sondern als Verweis auf den buddhistischen Weg der Erlösung fungiert. Und Bodhi gibt den Erleuchteten, den Guru, der sein Realitätsbewusstsein, seine kathartische (Über-)Erkenntnis, in der perfekten Welle des bevor stehenden Jahrhundertsturms sucht: Surfen als transzendente Erfahrung. „Gefährliche Brandung“ spielt mit der Faszination des eigentlichen Antagonisten, er lässt den Zuschauer in den Bann des Gegenspielers fallen und baut eine emotionale, empathische Bindung sowohl zu Johnny Utah, wie auch zu Bodhi auf, der seine penibel geplanten Banküberfälle als Ex-Präsidenten immer mit Prinzipien vollstreckt und diese als Affront gegen gesellschaftliche Konventionen und Systeme deklariert. Todessehnsucht kollidiert mit Todesangst, Gesetzesbruch mit Ordnung und Recht, Freundschaft mit Rivalität, striktes Regelwerk mit überzeugter Unbeugsamkeit. Dass ist tonal und formal dann alles gewiss ganz Kind seiner Entstehungszeit und schlittert über den Scheitelpunkt der späten Achtziger und frühen Neunziger hin und her, funktioniert aber auch heutzutage noch so blendend, weil Bigelows immense Fähigkeiten als Regisseurin über die Jahre hinweg immer zu unterhalten wissen.


„Gefährliche Brandung“ ist handgemachtes, vortrefflich fotografiertes und ohne Durchhänger vorgetragenes Spannungskino der unvergänglichen Sorte. Die Verfolgungsjagden sind dynamisch, die Charaktere durchaus interessant und die Gewalt, wenn es denn mal zu Schusswechseln kommt, explodiert in bester Peckinpah-Manier in blutiger Direktheit. Ohne Zweifel gehört „Gefährliche Brandung“ im Action-Genre zusammen mit „Leathal Weapon 3“, „Stirb langsam - Jetzt erst recht“, „Face/Off“ und „Speed“ zu den Speerspitzen der Dekade. Wäre doch mal wieder schön, wenn Frau Bigelow einen echten Old-School-Kracher inszeniert, anstatt sich nochmal in mutlosem (Möchtegern-)Relevanzkino der Marke 
„Zero Dark Thirty“ zu suhlen. 


7,5 von 10 Schüssen in den Fuß


von souli

Review: SIEBEN - Sieben Schritte in den Abgrund der menschlichen Psyche

Keine Kommentare:


Fakten:
Sieben (Seven/Se7en)
USA. 1995. Regie: David Fincher. Buch: Andrew Kevin Walker. Mit: Morgan Freeman, Brad Pitt, Kevin Spacey, Gwyneth Paltrow, R. Lee Ermey, John C. McGinley, Richard Roundtree u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
In einer namenlosen Großstadt werden der kurz vor seiner Pensionierung stehende Detective Somerset (Freeman) und sein junger, hitzköpfiger Nachfolger Detective Mills (Brad Pitt) zu einem Mord gerufen, bei dem das Opfer solange zum Essen gezwungen wurde, bis es geplatzt ist. Wenig später wird eine weitere Leiche gefunden, die ähnlich gefoltert wurde und bei der das Wort „greed“ auf dem Teppich geschrieben stand – Habgier, eine der sieben Todsünden. Als Somerset daraufhin am ersten Tatort eine ähnliche Botschaft, nämlich Völlerei, findet, wird klar, dass noch fünf weitere Morde folgen werden. Und die beiden Cops müssen alles versuchen, um dies zu verhindern.




Meinung:
David Fincher schuf mit seinem zweiten Spielfilm einen Psychothriller, wie es ihn kaum jemals gegeben hat. Er pfiff auf gängige Konventionen, kombinierte Bestandteile des film noir mit Horrorelementen, verbindet die Ästhetik des Zerfalls und der Zerstörung mit schauspielerischen Glanzleistungen und verpackte das in einer Mischung aus Kriminalgeschichte und Psychodrama. Zwei Cops, ein Serienmörder, sieben Todsünden, eine trostlose Stadt und eine ebensolche Atmosphäre, das sind die Zutaten für einen der besten Thriller, die je das Licht, ach was, die je die Düsternis und den Regen der Welt erblickt haben. Eine atemlose Hetzjagd durch Regen und Nacht, Verzweiflung, Gewalt und ethischer Stillstand. Wer Menschlichkeit sucht, der muss schon ganz genau hinsehen.


Der zweite Tatort. Ob der Täter alle Spuren beseitigt hat?
Aber was ist denn eigentlich passiert? Detective Somerset (Morgan Freeman), kurz vor der Rente, und sein Nachfolger Detective Mills (Brad Pitt) werden zu einem Tatort gerufen, wo die Leiche eines dicken Mannes gefunden wurde, an einen Stuhl gefesselt, zwischen Kotze und Scheiße sitzend und scheinbar solange zum Essen gezwungen, bis er geplatzt ist. Nur etwas später wird der junge Detective Mills alleine zu einem weiteren Mord geschickt. Ein bekannter Anwalt wurde tot aufgefunden. Auch er wurde anscheinend gefoltert und sollte sich mit einem Messer Teile seines Körpers abschneiden, woraufhin der Anwalt starb. Auf dem Teppich steht mit Blut das Wort „greed“ geschrieben – Habgier. Somerset, der damit rechnete, dass der Geplatzte nicht der einzige Mord war, nimmt sich daraufhin den ersten Tatort noch einmal vor und erkennt, dass diese beiden Morde zusammenhängen. Verbunden durch sieben Todsünden. Sollten tatsächlich noch fünf weitere, grausame Morde stattfinden? Für die beiden Detectives Somerset und Mills beginnt eine fieberhafte Suche nach dem Mörder. Ein Spiel gegen die Zeit, ein Spiel gegen das Unbekannte. Und sie ahnen nicht, welche Abgründe dieses Spiel, diese Welt noch für sie bereithält.


Ja, das A und O des Films ist die Welt und ihr Aussehen. Sie beeinflusst alles und jeden in diesem Film. Es ist eine pessimistische, dreckige, düstere Welt. Die namenlose Großstadt, in der die Gesellschaft so sehr verkommen zu sein scheint, dass selbst der Himmel weint, wird zum Moloch aufgebaut. Fast pausenlos regnet es in die dunklen Straßenschluchten hinein. Trostlos und bedrückend frisst die Anonymität der Großstadt das kleinste bisschen Hoffnung und Glück erbarmungslos auf. Selbst schöne Dinge wie eine neue, hübsche Wohnung werden lediglich als Schein entlarvt, der das kurze Glück nicht lange aufrechterhalten kann.


Diese Flecken gehen wohl nicht mehr raus.
Die Menschen sind nicht viel besser. Wo man auch hinsieht sind es Egoismus und Gewalt, sind es negative Eigenschaften, die die Charakterzüge bestimmten. Aber es gibt auch Hoffnung. Junges Glück in Form von Tracy Mills (Gwyneth Paltrow), die von ihrem Mann David ein Baby erwartet. Doch sie hat Zweifel, ob sie ein unschuldiges Kind in diese schreckliche Welt setzen soll. Sie wendet sich an die einzige weitere moralische Instanz, Detective Somerset mit ihrem Problem, doch der hat bereits aufgegeben in dieser Welt. Einst wohl optimistisch und voller Tatendrang gestartet, hat ihm die Welt ein anderes Gesicht, eine andere Realität offenbart. Eine Realität, in der Morde, Gewalt, Trostlosigkeit und die fehlende Hoffnung dominieren.



Wenn nur dieses Sauwetter nicht wäre.
In dieser Umgebung passieren nun eben diese bestialischen Morde und die beiden Cops versuchen sie aufzuklären. Brad Pitt als junger Hitzkopf, der eine riesige Bandbreite extremster Emotionen präsentiert und Morgan Freeman als Ruhepol, relativ monoton aber durch kleinste Nuancen extrem viel ausdrückend. Schwer zu sagen, wer hier besser spielt, wahrscheinlich befruchten sich die beiden Darsteller mit ihrer unterschiedlichen Art gegenseitig und pushen sich zu absoluten Höchstleistungen. Mills und Somerset, diese beiden verschiedenen Typen, sind sich aber eigentlich gar nicht so unähnlich. Sie wollen Gerechtigkeit und den Mörder schnappen, nur eben jeder auf seine Weise. Sie bedienen sich dabei den Vorgehensweisen, die sie diese Welt gelehrt hat, die in dieser Welt nötig zu sein scheinen. Und beide sind somit Teil dieser Welt. Teil des perfiden Spiels, das sich der namen- und gesichtslose Mörder zurechtgelegt hat, das er perfektionistisch geplant hat und nun in die Tat umsetzt. Kevin Spacey komplettiert dieses Dreigestirn schauspielerischer Offenbarung. Obwohl er erst sehr spät überhaupt im Film zu sehen ist, so schwebt er ständig über der Szenerie. Er, sein John Doe (etwa Max Mustermann), ist die fleischgewordene Verkörperung dieses Großstadtmolochs. Und keiner kann ihm entkommen.


Die Settings sind geprägt von Finchers Detailverliebtheit unterlegt von extrem unterschiedlicher und doch immer zur Atmosphäre passender Musik. Alles wirkt so echt. Das ist einerseits toll, andererseits aber auch brutal. Fincher zeigt alles ungeschönt und ehrlich, in dieser verlogenen Welt. Der Film schockiert. Nicht, weil er übertreibt oder auf billige Effekthascherei setzen würde. Nein, es ist eben gerade die angesprochene Ehrlichkeit. Weil er schonungslos in die Abgründe der menschlichen Psyche taucht. Weil er das Innerste nach außen kehrt. In den Figuren des Films, aber auch in uns. Wir zittern, hoffen und bangen mit den Figuren. Wir verzweifeln anhand dieser Trostlosigkeit, werfen vielleicht auch unsere eigenen Prinzipien über den Haufen. Zerstören mit Hilfe der beiden Bezugspersonen Mills und Somerset unsere eigene Ordnung, unseren eigenen Rettungsanker. Müssen zusehen, wie die Welt langsam aber sicher den Bach runtergeht. Und am Ende sind wir vielleicht ratlos, vielleicht desillusioniert. Aber vielleicht stellen wir uns auch Fragen. Über uns und unser Verhalten, über das Leben, über die Welt. Tja, und selbst wenn man sich das alles nicht fragt, so hat man zumindest einen der spannendsten, brutalsten, originellsten, beeindruckendsten, nervenaufreibendsten und besten Filme aller Zeiten gesehen.


10 von 10 rätselhafte Pakete