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Review: JASON BOURNE - Unnötig rehabilitiert

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Fakten:
Jason Bourne
USA, 2016. Regie: Paul Greengrass. Buch: Paul Greengrass, Christopher Rouse. Mit: Matt Damon, Tommy Lee Jones, Alicia Vikander, Vincent Cassel, Julia Stiles, Riz Ahmed, Ato Essandoh, Scott Shepherd u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 11.8. 2016 im Kino.


Story:
Der untergetauchte CIA-Flüchtling Jason Bourne wird durch eine Hacker-Aktion – die neue Fakten über seine Vergangenheit ans Tageslicht bringt – aus dem Exil gerufen. Die Agency in Form von Director Dewey ist in heller Aufregung und versucht alles, den verlorenen Sohn entweder zurück zugewinnen…oder noch lieber auszuschalten, bevor er ihre nächste Schweinerei zu ungewollter Transparenz verhilft.

                                                                                                
Meinung:
Begrabe nie ein angeblich beendetes Franchise, wenn der Markt bereit ist ein weiteres Sequel zu schlucken. Eine schwache Faustformel, die nun auch den ewige unruhigen Ex-Agenten und Teufelskerl Jason Bourne aus dem verdienten Ruhestand wiederauferstehen lässt. Nicht etwa als billiger Nachzügler, denn Paul Greengrass und Matt Damon sind gemeinsam gewillt, ihre Goldgrube frisch zu belüften. Und genau das passiert nicht, als Endverbraucher guckt man spärlich begeistert in die Röhre. Wieso, weshalb, warum und so weiter, am Ende steht nur das Dollarzeichen in den Augen und kaum bis ehe gar nicht eine sinnvolle Weiterentwicklung.


Das Wiedersehen hätte lockerer laufen können...
Es gibt nicht erstaunlich Neues zu berichten an der Agentenfront. Jason Bourne ist immer noch unzufrieden und will eigentlich auch gar nicht mehr mitmischen, aber natürlich muss er es nun, weil seine letzte verbliebene Bekanntschaft von einst ihn wieder unfreiwillig auf den Markt wirft. Kritisch beäugt vom aktuellen CIA-Häuptling (Knittervisage Tommy Lee Jones, bald mehr Krähenfüße als Restgesicht), der ihn viel lieber einfach tot als anstrengend lebendig sehen will. Wenn da nicht die ehrgeizige und noch ambitionierte Wasserträgerin Heather Lee (Alicia Vikander) wäre, die ihren „Schützling“ länger im Rennen hält als es Opa Tommy und Hitman-Kettenhund Asset (Vincent Cassel) gerne hätten. Hat nichts wirklich Relevantes zu erzählen aber könnte trotzdem noch dick auftischen, selbst dabei bleibt beim jüngsten Bourne die Küche verwunderlich kalt. Lieber wird die schon bekannte Brühe uninspiriert, lieblos wieder aufgewärmt. Inhaltlich tritt dieser kurze Ausflug durch zeitlich-aktuell angehauchte, dennoch komplett banale Stationen. Vielleicht weiß in 30 Jahren niemand mehr, warum die Griechen so wütend sind. Der Film erklärt es nicht und nutzt es nur als blanke Staffage, die als Kulisse keinen Wert besitzt, austauschbar ist.



Etwas grau, aber stets bereit: Der Dobermann der CIA
Wenn auch keine wichtige, wertvolle Geschichte erwartet werden darf, es sollte zumindest in der wuchtigen Umsetzung stimmen. Das können die hier Beteiligten und lassen es verblüffend vermissen. Matt Damon ist vom anfänglichen Bourne-Babyface zum strammen Kerl gereift, Paul Greengrass steht für solide bis großartige, handgemachte Sequenzen, nur die kommen in 137 Minuten kaum zur Geltung. Ein netter Opener, ein ziemlich sattes Las-Vegas-Destruction-Derby, that’s it. In dem gefühlt unendlichen Mittelpart passiert gerade so viel, das nicht von Arbeitsverweigerung gesprochen werden kann. Mit mehr solcher Eye-Catcher und Adrenalin-Pusher könnte auch die läppische, uninteressante Resteverwertung vielleicht über den Schnitt gedrückt werden, aber das hier Gebotene ist nur die minimale Ausbeute seiner Möglichkeiten und hinterlässt mit dem verärgerten Eindruck, dass es bis auf den wirtschaftlichen Faktor keine Gründe für die Rückkehr einer eigentlich interessanten, ambivalenten Figur gab.


„Jason Bourne“ ist selbstverständlich kein wirklich schlechter Film, der von seiner Routine getragen wird und dadurch oft langweilt. Fast verärgert, da er sich lieber entspannt von der Stange baumeln lässt und glaubt, mit seinen rar gesäten Höhepunkten bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Pustekuchen, das ist ein technisch sehr gehobener Pausenclown, viel Lärm um fast nichts.

4 von 10 gehackten Computern

Review: CAPTAIN PHILLIPS – Existenzialismus auf hoher See

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Fakten:
Captain Phillips
USA. 2013. Regie: Paul Greengrass. Buch: Billy Ray. Mit: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Cathrine Keener, Michael Chemus, Max Martini, Corey Johnson, David Warshofsky, Yul Vazquez, Issark Farah Samatar, Chris Mulkey u.a. Länge: 134 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 14. März 2014  DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach wahren Begebenheiten: Richard Phillips ist Kapitän eines Containerschiffs, welches  2009 unter seiner Führung von Oman nach Mombasa fährt. Unterwegs wird das Schiff von Piraten angegriffen. Phillips befehlt seiner Crew sich zu verstecken, während die Piraten das Schiff in Besitz nehmen.





Meinung:
Längst hat sich der ehemalige Journalist des britischen Fernsehens Paul Greengrass im Filmgeschäft etabliert, die brisanten Gefilden seines einstigen Reportage-Magazins „World in Action“ aber verließ er nie und die Wortmarke dieses symptomatischen Titels wurde zum Ausdruck auf Greengrass' Agenda in der Kinematographie. Mit der säuberlich recherchierten Semidoku „Bloody Sunday“ über den irischen Blutsonntag von 1972 oder der ebenso semidokumentarischen Rekonstruktion der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die World Trade Center in „Flug 93“, bahnte sich dieser engagierte Trend im Schaffen des Engländers seinen Weg, um in der Agenten-Trilogie um Jason Bourne neue Blickwinkel verliehen zu bekommen: Politische Beschaffenheiten und globale Verzahnung aber waren stets Motive des Kinos von Paul Greengrass, die mal mehr, mal weniger gelungen in Szene gesetzt wurden – Echte Seichtheit jedoch konnte man dem Mann wohl nie vorwerfen. Es sollte allerdings bis zum Jahre 2013 dauern, bis Paul Greengrass nicht nur seinen charakteristischen Stil perfektionierte, sondern auch die inhaltliche Ebene gekonnt wie nie auszuloten wusste. Mit „Captain Phillips“ nämlich erwartet den Zusc-hauer nicht nur die stur-zweckmäßige Aufbereitung des Piratenangriffs auf das Containerschiff Maersk Alabama, Greengrass hat hier zeitgleich intelligentes Hochspannungskino der Extraklasse inszeniert.

 
"Hat jemand von euch Jack Sparrow gesehen?"
Gleich zu Beginn legt Greengrass anhand einer pulsierenden Montage die geopolitischen Scheitelpunkte fest: Während sich Richard Phillips (Tom Hanks, „Forrest Gump“), Kapitän des US-amerikanischen Containerschiffs Maerks Alabama, von seinem gesitteten Vorstadtidyll in Vermont auf den Weg zur Arbeit macht, streifen die ausgemergelten Körper an der somalischen Küste umher und suchen irgendwo Arbeit. Handelsübliche Fischer wie zum Beispiel Muse, gespielt von Branchenneuling Barkhad Abdi, finden sich alsbald in der Rolle gefürchteter Piraten wieder und machen das Gebiet um das Horn von Afrika unsicher, um Schiffe zu kentern und Lösegelder einzustreichen. Nachdem diese Weichen gestellt wurden, wird relativ schnell deutlich, dass „Captain Phillips“ nicht daran interessiert ist, die Geschichte, die Welten, die Figuren in moralische Segmente einzugliedern. Muse und seine Gefährten hatten keine andere Wahl, weil ihnen die Existenzgrundlage bis auf Weiteres gnadenlos entrissen wurde. Bemerkenswert am pointierten Drehbuch von Billy Ray ist, wie konkret, aber niemals verurteilend mit den Charakteren umgegangen wird. Die Piraten werden zu keinem Zeitpunkt dämonisiert und fungieren nur als durchtriebene Antagonisten, während Phillips als strahlender Held aus der ganzen Sache am Ende hervorgehen darf. „Captain Phillips“ kennt in dieser Hinsicht keine stilisierten Helden, er (be-)kennt hingegen Menschlichkeit, und der letztendliche, von Weißen Haus autorisierte Triumph durch die exekutiven Mittel der Seals geht einher mit einer bitteren Tragödie.

 
Cpt. Phillips auf der Suche nach einer Lösung
Dabei lebt „Captain Phillips“ vor allem von der Greifbarkeit der Emotionen innerhalb der thematisierten Extr-emsituation, die von der Überforderung zur Entschlossenheit, von Angst zur puren Willensstärke und von der Hysterie, der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit zurück zur letzten Standhaftigkeit umherspringen. Ihre ökonomischen Differenzen sind nicht von der Hand zu weisen, hier kollidieren zwei Welten. Phillips und Muse begegnen sich – auch wenn der Titel anderes vermuten lassen möchte – dennoch auf Augenhöhe und die Verdeutlichung der Lebens- und Arbeitsumstände, der Machtverhältnisse innerhalb dieser, von Metaphorik wiederholt unterstützen, globalen Verkettung, entlädt „Captain Philipps“ auf einer ethischen Linie: Liegen die Kategorisierungen von Gut und Böse immer in den Grundlagen des Rechtssystems begraben oder zuweilen doch auch im Auge des Betrachters? Woran ist die Effizienz und Ineffizienz im Handeln der Beteiligten nun wirklich auszumachen? „Captain Phillips“ steht für ergreifenden Existenzialismus auf hoher See, Anspannung durchbebt nicht nur die Körper der Protagonisten, denn Paul Greengrass lässt seinem Film durchgehend das Wahrhaftige, in dem er seine innig geliebte Shaky-Cam nicht über die Handlung ordnet, er bestimmt sie zum erzählerischen Mittel, die die Narrative unterstreicht, intensiviert, anstatt sie in ihrer Dynamik leichtfertig zu erdrücken.


Dieses ungemeine Gefühl für Räumlichkeiten, die klaustrophobische Enge der Gänge, die beinahe transzendenten Weiten des Meeres sind derart atmosphärischen und faszinierend fixiert, dass es für den Zuschauer ein Unmögliches wird, sich dem Fotografien zu entreißen. „Captain Phillips“ ist über seine Laufzeit dabei so sensitive in seiner Bildsprache, so fühlbar in seiner Charakterisierung, und weiß die pseudo-dokumentarischen Anleihen brillant in das dramatisch-explosive Geschehen einzuweben. Tom Hanks liefert hier neben seinem Auftritt in „Der Krieg des Charlie Wilson“ nicht nur die beste Leistung seiner Karriere, ihm gehört schlussendlich mit der Behandlungsszene auch einer der eindrucksvoll gespieltesten Momente überhaupt. Genau wie sich dein Widerpart Barkhad Abdi in seiner ersten Filmrolle ebenfalls wacker schlägt und echte, authentische Emotionen erlaubt. Ein großartiger Film.


7,5 von 10 orangenen Rettungsbooten


von souli

Review: BLOODY SUNDAY – Der Staat gegen die eigenen Bürger

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Fakten:
Bloody Sunday – Butsonntag (Bloody Sunday)
UK, Irland. 2001. Regie: Paul Greengrass. Buch. Paul Greengrass. Mit: James Nesbitt, Allan Gildea, Mary Moulds, Tim Pigott-Smith, Christopher Villiers, James Hewitt, Gerard Crossan u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Anfang 1972 plant die katholische Bürgerrechtsbewegung im englisch besetzten Nordirland regelmäßige friedliche Umzüge in der Kleinstadt Derry nach dem Vorbild der Protestmärsche der Schwarzen in Amerika. Das von IRA-Attentaten aufgeschreckte britische Militär untersagt alle Demos und zieht schon mal grimmige Fallschirmjäger zusammen, um für Ausschreitungen gewappnet zu sein, oder zur Not selbst solche zu provozieren. Nach Steinwürfen fliegt scharfe Munition, die Situation eskaliert.




Meinung:
„Ich unterstütze diesen Film, da ich glaube, dass [dadurch] mehr Leute, die diesen Film sehen, das Unrecht sehen werden, die an diesem Tag erstens durch die [britische] Armee, und dann auch durch die Bemühungen der [britischen] Regierung selbst begangen wurde, die versuchten, den Schaden, den sie angerichtet hatte, zu vertuschen […] das ist die Mission meines Lebens.“ 
 Ivan Cooper, nordirischer Politiker und Bürgerrechtler.


Han shot first. Das weiß bis auf George Lucas beinahe jeder Mensch auf dieser Welt. Ja, er hat in der echten Version von „Krieg der Sterne“ zuerst geschossen. Aber diese Frage war auch relativ leicht zu klären. Viel schwieriger war es, zu rekapitulieren, wer am 30. Januar 1972 in der nordirischen Stadt Derry zuerst geschossen hat. Demonstranten der katholischen Bürgerrechtsbewegung? Oder doch das britische Militär?


Nicht schießen, wir sind unbewaffnet!
Aber halt, der Reihe nach. In Nordirland kam es Anfang der 1970er Jahre immer wieder zu, meist friedlichen, Protesten von Katholiken und Republikanern gegen die von der britischen Regierung eingeführte Internment-Politik, die es den Behörden erlaubte, politische Gegner ohne wirklichen Grund festzuhalten und einzusperren, somit Bürgerrechte mit Füßen trat und vehement zur Verschärfung des Nordirlandkonflikts beitrug. An jenem 30. Januar 1972, der als „Bloody Sunday“ in die Geschichte Nordirlands eingehen sollte, kam es zu einer Demonstration, organisiert vom protestantischen Politiker und Bürgerrechtler Ivan Cooper. Doch die friedliche Demonstratione eskalierte und einige Demonstranten, wohl überwiegend unbewaffnet, wurden von britischen Soldaten getötet oder zumindest schwer verletzt. Paul Greengrass, der aktuell mit dem Film „Captain Philipps“ in den Kinos zu sehen ist, versuchte im Jahr 2001 die Ereignisse aus der damaligen Zeit in seinem semidokumentarischen Spielfilm „Bloody Sunday“ darzustellen.


Dabei konzentriert sich Greengrass fast ausschließlich auf die Geschehnisse des 30. Januars, die Vorgeschichte und die Folgen werden nur marginal gestreift. Mit Hilfe seiner berüchtigten Wackel- oder sagen wir besser Handkamera erzeugt er ein relativ authentisches Bild der eskalierenden Gewalt zwischen den britischen Soldaten, einigen gewaltbereiten Jugendlichen und den letztlich leidtragenden Beteiligten des großen, friedlichen Demonstration, die „We shall Overcome“ singend die Straße entlangläuft. Die teilweise vielleicht zu kurzen Szenen sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig und lassen es auch nur schwer zu, schon früh eine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen, ist aber letztlich für den Stil des Films unverzichtbar. Zudem fehlt in „Bloody Sunday“ auch komplett die musikalische Untermalung, was dem Doku-Charakter noch einmal zu Gute kommt. Die Geräusche, die Schüsse, die Schreie der Menschen und manchmal auch die Stille erzeugen eine authentische und bedrückende Stimmung.



Thematisch wird nicht nur der Blutsonntag in Nordirland dargestellt, sondern auch die Unzufriedenheit der nordirischen Bevölkerung. Auch die Frage, was denn eine angemessene Reaktion des Militärs auf diverse Provokationen einiger sei, wurde beleuchtet. Ob das nun wirklich gut gelungen ist, das sei dahin gestellt, aber klar wird zumindest, dass das Massaker, das das Militär in Nordirland veranstaltet hat, ein sinnloses, brutales, übertriebenes Blutvergießen war, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt. Einigermaßen Schade ist allerdings, dass Greengrass eben nur auf den Blutsonntag selbst eingeht. Die hochbrisanten Hintergründe bleiben für Leute, die keine Vorkenntnisse über die Ereignisse oder die Politik haben, im Dunkeln. Der Einfluss der IRA in Nordirland, die politischen Repressionen der Regierung, die Konsequenzen und längerfristigen Folgen des militärischen Eingreifens – leider spielt das alles eine viel zu kleine Rolle im Film.


Die Trauer nach dem Blutbad ist unermesslich groß
James Nesbitt, der im Film Ivan Cooper, den Anführer der Bürgerrechtsbewegung spielt, schafft es durch seine Darstellung, der Bewegung auch das Gesicht zu geben, was durch die Schnitte vielleicht etwas verhindert wird. Er ist zentrale Figur und zeigt sowohl Hoffnung auf Besserung wie auch die letztlich Verzweiflung vor so viel Brutalität. Der Film macht betroffen, macht sprachlos, macht sauer wegen so viel Willkür, wegen so viel unnötiger Gewalt. 1972 wurde eines der blutigsten Jahre im Nordirlandkonflikt, die radikale IRA erhielt in Folge der Eskalation in Derry so viele Zuläufe wie selten zuvor. Die Soldaten bekamen keine Strafen für ihr Handeln. Für seinen Film erhielt Paul Greengrass auf der Berlinale den goldenen Bären 2002. Acht Jahre später wurde von der britischen Regierung ein 5000 Seiten umfassender Bericht veröffentlicht, worin die Zahlen an Todesopfern und Schwerverletzten bestätigt wurden. Worin die Schuld dem britischen Militär zugesprochen wurde. Und worin nun auch endgültig bestätigt wurde, was alle eigentlich bereits wussten: The army shot first.


„Ich möchte der britischen Regierung sagen: Das haben Sie heute getan. Sie haben die Bürgerrechtsbewegung zerstört und Sie haben der IRA einen unvorstellbar großen Sieg beschert. Überall in dieser Stadt werden Jugendliche und Männer heute Mitglied in der IRA. Sie ernten einen Sturm von Ihnen gesät.“


8 von 10 blutgetränkte Flaggen für Bürgerrechte



Review: DAS BOURNE VERMÄCHTNIS - Die Jagd geht weiter, diesmal sogar mit Kamerastativ

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Fakten:
Das Bourne Vermächtnis (The Bourne Legacy)
USA. 2012. Regie: Tony Gilroy. Buch: Tony Gilroy, Dan Gilroy. Mit: Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Dennis Boutikaris, Oscar Isaac, Donna Murphy, Louis Ozawa, , Željko Ivanek, Corey Stoll, Joan Allen, David Strathairn, Albert Finney, Scott Glenn, Paddy Considine, David Asmar, John Arcilla, Lou Veloso, Elizabeth Marvel u.a. Länge: 135 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Elite-Soldat Aaron Cross nimmt bei der geheimen Operation Outcome der CIA teil. Hier wird die physische wie psychische Leistungsfähigkeit der Probanden mittels neuartiger pharmazeutischer Mittel extrem erhöht. Während Cross in Alaska trainiert bekommt der CIA durch den scheinbar außer Kontrolle geratenen Agenten Jason Bourne Probleme. Durch seine auffälligen Aktivitäten stellt das FBI unangenehme Fragen, was die geheimen Operationen der CIA stark gefährdet. Geheimdienst-Chef Kramer beschließt deswegen alle Personen, die irgendwie mit Outcome zu tun haben zu liquidieren. Darunter zählt auch Cross, doch der erweist sich als schweres Ziel.




Meinung:
Regisseur Paul Greengrass hatte keine Lust mehr und weil Superstar Matt Damon ohne ihn kein viertes Mal in die Rolle des Superagenten Jason Bourne schlüpfen wollte, musste Universal einen anderen Weg finden, um die äußerst lukrative „Bourne“-Reihe fortzuführen. Zum Glück gab es ja Tony Gilroy, der Mann der die Romanreihe von Robert Ludlum äußerst frei fürs Kino adaptierte. Es war kein Geheimnis, dass er mit Greengrass‘ Umsetzung seiner Scripts nicht sonderlich zufrieden war und da Gilroy bereits recht erfolgreich Regieerfahrung sammeln konnte (u.a. der meisterhafte „Michael Clayton“), durfte er nun zeigen, was sich im Bourne-Kosmos ereignete, während Titelheld Jason in „Das Bourne Ultimatum“ aktiv war. „Das Bourne Vermächtis“ ist also ein Spin-Off, welches ohne Matt Damon auskommen muss und die Aktivitäten rund um CIA, Superagenten und der ominösen Geheimoperation Treadstone weiterspinnt.


Die vorherigen drei Teile waren vor allem durch den visuellen Stil von Paul Greengrass, der den zweiten und dritten Kinoeinsatz von Bourne inszenierte, geprägt. Speziell sein Hang zu einer ruhelos-hektischen Shaky-Cam-Optik brachte ihm so viel Lob wie auch Kritik ein. Für die einen war es ein akkurates Stilmittel um die Quintessenz des Actiongenre einzufangen, nämlich die Bewegung, für andere war es eine kopfschmerzenauslösende, verwirrende wie orientierungslose Prahlerei, die Bournes Abenteuer zu einem Zittern ohne Überblick machten. Tony Gilroy scheint diese Meinung zu vertreten. Sein Bourne-Film spart auch nicht mit schnellen Schnitten und Perspektivenwechseln, diese wirken aber allesamt weitaus weniger konfus Der Zuschauer behält auch in hypernervösen Szenerien den Überblick. Das hilft nicht nur bei den Actionpassagen, sondern auch bei der eigentlichen Handlung, die typisch für solch eine Couleur von Filmen, sich nicht nur auf einen Handlungsort beruht, sondern die Figuren, sowie das Publikum, einmal rund um die Welt schickt. Dieser Weltreise fehlt es hier allerdings an Charakteristik. Während es den Bond-Machern oftmals gelingt etwas Lokalorit einzufangen, wirken alle Settings in „Das Bourne Vermächtnis“ fast lieblos, gleich und austauschbar. Nur zu Beginn wenn Aaron Cross (Jeremy Renner) in Alaska unterwegs ist, weht der eisige Wind der Abwechslung.


Dieser Cross, der mit Angreifern ähnlich kurzen Prozess macht, wie seine Kollege Jason Bourne, hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger das große Glück, dass seine Geschichte im Film eine zentrale Rolle spielt. Ja, bei Bourne war dies genauso, nur wurde sein Leben, der Hintergrund warum er zu einem Killer auf Abruf wurde, gestreckt und auf drei Teile verteilt. Cross ist gewiss keine Figur, die einem im Gedächtnis bleibt, aber sein Background wird dem Zuschauer innerhalb von knapp 130 Minuten offenbart, ohne dass pseudo-spannende Schattenbereiche seiner Historie angerissen und geteasert werden, um weitere Sequels zu rechtfertigen. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass Cross ein endgültiges Ende (ob nun gut oder schlecht) spendiert bekommt.  „Das Bourne Vermächtnis“ gehört eben zu einer Filmreihe und soll fortgeführt werden, zumindest wenn das Einspielergebnis stimmt.


Gilroys Film ist abseits seiner Zugehörigkeit zum Bourne-Universum ein lupenreiner Action-Thriller über den Gejagten und seine Jäger. Nach einem stimmungsvollen Start misslingt es aber der Geschichte und vor allem einzelnen Figuren etwas Kontur zu verleihen. Eric Byers, der die „Abschaltung“ von Operation Outcome überwacht und von Edward Norton gespielt wird, bleibt unnatürlich blass und austauschbar. Er ist ein, für den Helden, stiller Antagonist, der als Patriot zwar ohne zögern Menschen töten lässt, aber dennoch nie wirklich eine akkurate Bedrohung ausstrahlt. Er repräsentiert sie nur und dies besitzt hier leider kein sonderliches Gewicht. Dies aber bei den „Bourne“-Filmen ja schon Tradition. Die wahren Bad Guys sind wohlsituierte Strippenzieher im Anzug und sitzen hinter ihren Schreibtischen, dennoch eine vertane Chance. Ebenfalls ohne überzeugendes Profil bleibt die Rolle von Rachel Weisz. Weisz, die gewiss eine großartige Schauspielerin ist, ist hier nicht mehr als ein notwendiges Anhängsel, während sich Hauptdarsteller Jeremy Renner hier nach „Marvel’s The Avengers“ erneut als Hollywoods Next Actionhero empfiehlt. Er besitzt für solch eine Rolle, wie die des Aaron Cross, genau die richtige, weil unterkühlte Ausstrahlung und seine physische Präsenz, die in den Actionszenen zu bestaunen ist, haftet eine faszinierende Grausam- und Zielstrebigkeit an und genau so inszeniert Gilroy auch die adrenalinhaltigen Momente seines Films. Klares Highlight: die finale Verfolgungsjagd per Motorrad, bei der es sich wirklich auszahlt, dass hier im Gegensatz zu den Vorgängern auch mal ein Kamerastativ im Einsatz war.


„Das Bourne Vermächtnis“ gliedert sich ohne große Mühe in die Reihe ein. Die Story wird nicht sonderlich originell fortgeführt - wer hat das schon erwartet? - und der Bourne-Ersatz Aaron Cross ist eine gelungene Kopie des Originals mit positiven Verbesserungen. Der große Wurf ist Tony Gilroys dritte Regiearbeit aber dennoch bei weitem nicht, denn eine Kopie ist eben nur eine Kopie und auch wenn Fans sich freuen dürfen, dass sie alte Bekannte aus den vorherigen Filmen in kurzen Auftritten wiedersehen können, so bleibt doch ein abgeschmacktes Gefühl zurück. „Das Bourne Vermächtnis“ gelingt es nicht sich vollends und alleinstehend zu beweisen. Ein unnötiges Spin-Off eben, welches nicht über den Status einer Notlösung hinaus kommt, weil Paul Greengrass und Matt Damon keine Lust mehr auf Geheimagenten hatten. Andererseits ist die Inszenierung beim neusten Teil greifbarer, was „Das Bourne Vermächtnis“ trotz allem zu einem soliden Entertainer im Action-Bereich macht. Das Erbe von Jason Bourne hätte durchaus enttäuschender angetreten werden.

6 von 10