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Review: THE OTHERS - Wer sind die Anderen?

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Fakten:
The Others
USA, ES, FR, IT, 2001. Regie & Buch: Alejandro Amenábar. Mit: Nicole Kidman, Fionnula Flanagan, Christopher Eccleston, Alakina Mann, James Bentley, Eric Sykes, Elaine Cassidy, Renée Asherson, Keith Allen, Michelle Fairley, Gordon Reid, Alexander Vince u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1945: Grace Stewart lebt mit ihren Kindern Anne und Nicholas in ihrem prunkvollen Wohnsitz auf der Insel Jersey vor der englischen Küste und wartet seit über einem Jahr auf die Rückkehr ihres Manns Charles aus dem Krieg. Die Kinder, welche von Grace mit authoritärer Strenge und bibelfest erzogen werden, leiden an einer schweren Lichtallergie, weshalb Vorhänge die Fenster bedecken und jede Tür im Haus verschlossen bleiben muss. Plötzlich verschwindet das Dienstpersonal über Nacht. Da kommt es Grace sehr gelegen, dass die herzliche Mrs. Mills, der kauzige Mr. Tuttle und die stumme Lydia vor der Tür stehen und ihre Dienste anbieten. Doch mit deren Eintreffen häufen sich merkwürdige Vorkommnisse. Anne schwört, fremde Menschen im Haus zu sehen, unheimliche Geräusche sind zu hören und langsam droht Grace an ihrem Verstand zu zweifeln.







Meinung:
Alejandro Amenábar erweißt mit „The Others“ dem klassischen Haunted-House- und Suspensefilm die Ehre und kreiert so einen der wirkungsvollsten, nachhaltigsten Genrefilme des neuen Jahrtausends, der sich trotz unverkennbarer Inspirationsquellen und indirekter Zitierung von Filmklassikern nicht seine Eigenständigkeit nehmen lässt, obwohl es lange gar nicht danach aussieht. Gerade das macht ihn rückwirkend so clever konzipiert und lässt seine wirkliche Klasse eigentlich erst bei wiederholter Sichtung vollends erkennen.


Gutes Personal ist heute schwer zu finden.
Rein formal ist hier von Anfang an alles auf höchstem Niveau, die Inszenierung ist so versiert, detailliert und eindrucksvoll stimmig wie bei den ganz großen seiner Zunft. So dicht wie der Nebel rund um das Anwesen der Stewarts ist auch die Atmosphäre von Amenábar, der mit ruhiger und fachkundiger Hand elegant durch den im ersten Augenblick so wohlbekannt anmutenden Plot führt. Parallelen und Quervergleiche zu Klassikern wie „Schloss des Schreckens“ („The Innocent“) von Jack Clayton oder „Rebecca“ von Alfred Hitchcock sind bei Kenntnis dieser unvermeidbar und womöglich auch nicht ganz unabsichtlich. Zum einen durch die mysteriösen Vorfälle, begleitet von einem zunächst nur angedeuteten und nicht näher erläuterten innerfamiliären Konflikt, in dessen Mittelpunkt etwas zwischen Grace und ihren Kindern steht, zum anderen durch den viktorianischen Wohnsitz, der mit seiner omnipräsenten Aura fast eine Art Eigenleben entwickelt und vermuten lässt, dass er in seinen zum Teil verwaisten, weitläufigen Räumlichkeiten ein dunkles Geheimnis hütet und weit mehr zu sein scheint als einfach nur Kulisse. All das ist prächtig ausgestattet, mit enormer Präzision eingefangen, von einem wunderbar unaufdringliche Score (ebenfalls von Amenábar) unterlegt und dazu sagenhaft ausgeleuchtet. Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte fast glauben, dass statt Scheinwerfen hier tatsächlich nur das Licht von Kerzen und Öllampen zum Einsatz kommen würde. Die perfekte Illusion, maßgeblich beitragend zu der stillen Sogwirkung, die „The Others“ von der ersten Minute an entwickelt und konsequent steigert, ohne sich jemals in hektische und aufgesetzte Schockmomente zu flüchten.


Grace geht langsam ein Licht auf.
Nicole Kidman - noch vor dem Botox-Super-GAU – verkörpert die ambivalente und undurchschaubare Grace mit voller Hingabe und Einsatz, lässt ihre Figur mit diesem extrem auf den Punkt gebrachten Spiel genau in der merkwürdigen Schwebe von Identifikationsfigur und doch irgendwie nicht greifbarem, offenbar innerlich zerissenen Muttertier, deren Verhaltensweisen und Charakterzüge für den Zuschauer nie gänzlich offen liegen. Was in ihr genau vorgeht, was sie antreibt und was sie so zerfrisst bleibt lange ein Geheimnis im Nebel, der sich erst im brillanten Schlussakt lüftet und dann erst erkennen lässt, was Amenábar eigentlich über 1 ½ Stunden für ein gewitztes Spiel mit seinen Figuren und dem Zuschauer betrieben hat. Was „lediglich“ wie ein handwerklich großartiger Spukhausfilm nach üblichem Muster aussieht und selbst erfahrene Zuschauer mit einem genau überlegten Timing absichtlich in Sicherheit wiegt, zieht ihnen exakt dann den Boden unter den Füßen weg, als er den erwarteten Ablauf scheinbar aufgetischt hat. „The Others“ ist ein taktisch enorm ausgeklügeltes Hantieren mit Sehgewohnheiten, Erwartungshaltungen und Perspektiven, welches ihn beim zweiten und dritten Anlauf noch sehenswerter macht, als er aufgrund seiner deutlichen Vorzüge ohnehin ist. Selten gibt es Filme, die nach der Schlusspointe nicht an Reiz für eine Neusichtung verlieren, sondern sie noch besser werden lässt. Die Nutzung bekannter Genre-Zutaten erweißt sich als viel mehr, als vorher zu erahnen war, viele kleine Einzelheiten bilden ein großes Ganzes, unauffällige Momente geben sich als wichtige Puzzleteile zu erkennen.


„The Others“ scheint „nur“ ein gut gemachter Genrefilm nach erprobter Mischung der alten Schule, ist dabei tatsächlich in Sichtweite mit den großen Vorbildern, welche letztendlich nicht kopiert werden, sondern nur im Ansatz Pate stehen. Viel zu abgeklärt und tiefgründig ist der Film in seiner eigentlichen Essenz, die er einem erst spät gänzlich ausbreitet. Ein menschliches Drama um Verzweiflung, Leid, Liebe, Schuld, Sühne, festhalten und loslassen, eingestehen und vergeben, akzeptieren statt verdrängen. Egal, wie grausam die Wahrheit doch ist. Umwerfend schön präsentiert, schaurig, spannend und traurig. Ein großer Wurf.

8 von 10 Vorhängen am Fenster.

Review: DAS GEISTERSCHLOSS - Remake des Grauens

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Fakten:
Das Geisterschloss (The Haunting)
USA, 1999. Regie: Jan de Bont. Buch: David Self. Mit: Lili Taylor, Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones, Owen Wilson, Marian Seldes, Bruce Dern, Alix Koromzay, Todd Field, Virginia Madsen, Michael Cavanaugh, Tom Irwin u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.
 

Story:
Dr. David Marrow will eine Studie über Angst durchführen. Er lädt ahnungslose Probanden, die glauben ihre Schlafstörungen würden therapiert, in das verlassene Hill-Haus ein. Auf dem prunkvollem Gemäuer soll ein Fluch liegen. Marrow hat das Haus entsprechend präpariert, doch dann läuft das Experiment aus dem Ruder. Nell scheint tatsächlich übersinnliche Erscheinungen zu haben, mit denen der Wissenschaftler nichts zu tun hat. Sie glaubt, dass Haus hätte auf sie gewartet.
 
 
                                                                                
 
Meinung:
Ob es überhaupt eine gute Idee war, ein Remake zu dem Klassiker "Bis das Blut gefriert" von Robert Wise zu drehen sei mal dahingestellt, da gibt es sicher Pro und Kontra. Etwas Staub hat das Werk definitiv angesetzt, nur lebt der Film doch eigentlich von seiner schaurigen Stimmung und seinen eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern. Man stelle sich den Film einfach nur nachkoloriert vor - würde schon deutlich weniger funktionieren. Für ein Remake wird das Eis da dünn und die Gefahr einzubrechen groß. Der Niederländer Jan de Bont begibt sich gar nicht erst auf dieses. Er schlägt direkt ein Loch rein und geht im eiskalten Wasser unter, mit Ansage.
 
 
"Bist du echt oder auch nur CGI?"

Dem gelernten Kameramann (u.a. "Stirb Langsam") gelang gleich mit seiner ersten Regiearbeit der große Wurf. "Speed" war einer der Actionknaller der 90er, der darauf folgende "Twister" noch recht erfolgreich, dann demontierte de Bont sich erstklassig selbst. Erst mit dem unsäglichen Sequel zu seinem Erstling und zwei Jahre später mit dieser Totgeburt. Hier wird gar nicht erst versucht die Stimmung des Originals einzufangen und wenn ist es weder ersichtlich und erst recht nicht gelungen. "Das Geisterschloss" kann mit gutem Gewissen gar nicht mal als Horror- oder Gruselfilm bezeichnet werden. Eine bunte Jahrmarktsattraktion, in etwa auch so spannend. Die Story und Kulisse erinnert grob an die Vorlage, der Rest ist eine Farce. Selbst losgelöst vom großen Vorbild funktioniert praktisch gar nichts. Hauptdarstellerin Lili Taylor liefert eine ihrer schwächsten Vorstellungen überhaupt ab, speziell zum Finale hin wirkt es oft unfreiwillig komisch. Liegt natürlich auch an den zum Teil schwachsinnigen Dialogen, dem passt sich die Taylor nahtlos an. Der Rest des prominenten Cast steht entweder hübsch (Zeta-Jones), deplatziert (Wilson) oder apathisch (Neeson) in der Gegend rum und wartet wohl nur auf den Drehschluss.

 
Da kann man nur blöd aus der Wäsche gucken.
Bis dahin ist es ein langer Weg, gefüllt mit gepflegter Langeweile in der ersten und einer 80.000.000 $ teuren Effektshow in der zweiten Hälfte. Das soll wohl spektakulär sein, tatsächlich eine Ansammlung plumper Effekthaschereien die im totalen Kontrast zu der subtilen Spannung des Klassikers von 1963 stehen. Viel Tam-Tam zum Kopfschütteln und Fremdschämen. Zum gruseln gibt es nichts, außer vielleicht diese desaströse Umsetzung, da kann es schon mal kalt den Rücken runter laufen. Wenn schon ein reiner Effektfilm ohne Seele und Spannung geplant war, warum sich dann dieser Vorlage bedienen? Das muss ja unweigerlich nach hinten losgehen. Unter anderen Umständen ließe sich diese schnarchig-alberne Geisterbahn eventuell einfach ignorieren und unter "ferner liefen" einsortieren. Zumindest ist die Krücke für zwei Erkenntnisse gut: Ein One-Hit-Wonder macht noch keinen guten Regisseur und manche Klassiker sollten unangetastet bleiben. Immerhin, aber wer wusste das nicht schon vorher? Die Produzenten scheinbar nicht, manche müssen es auf die harte Tour lernen. Indiskutabel.
 
 
2 von 10 Kirmes-Schockern.

Review: LANDHAUS DER TOTEN SEELEN - Wohnst du schon oder lebst du noch?

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Fakten:
Landhaus der toten Seelen (Burnt Offerings)
USA, IT, 1976. Regie: Dan Curtis. Buch: William F. Nolan, Dan Curtis. Mit: Karen Black, Oliver Reed, Lee H. Montgomery, Bette Davis, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Dub Taylor, Anthony James, Joseph Riley, Todd Turquand, Orin Cannon, Jim Myers. Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich.



 
Story:
Die Familie Rolf mietet für den Sommer ein luxuriöses Landhaus. Das Geschwisterpaar Allardyce überlässt es ihnen für einen Spotpreis, es gibt nur eine Bedingung: Sie müssen sich um ihre alte Mutter kümmern, die im Dachgeschoss lebt. Die alte Dame verlässt praktisch nie ihr Zimmer, die Pflege soll sich ausschliesslich auf das Zubereiten und Bereitstellen von Mahlzeiten beschränken. Augenscheinlich ein fairer Deal. Zunächst läuft alles prächtig. Marian, Ben, ihr Sohn Davey und Tante Elizabeth geniessen den Sommer. Dann häufen sich merkwürdige Vorkommnisse. Die sonst so lebenslustige und fidele Tante wird immer gebrechlicher, Vater Ben wird von verdrängten Erinnerungen geplagt, Mutter Marian zieht sich immer mehr zurück und Sohn Davey entkommt mehrfach nur knapp dem Unfalltod. Irgendwas stimmt nicht und die alte Dame aus dem Dachgeschoss bekommt auch niemand zu Gesicht. Bis auf Marian...


                                                                              

 

Fakten:
Der in der Regel nur für das Fernsehen tätige Regisseur Dan Curtis schuf mit "Landhaus der toten Seelen" 1976 einen oft unterschätzen Beitrag zum klassischen Haunted-House-Genre, der sich tatsächlich kaum hinter den grossen dieses Fachs verstecken muss. Im Gegenteil, denn in vielerlei Hinsicht bewegt er sich locker auf Augenhöhe mit Klassikern wie "Bis das Blut gefriert" von Robert Wise. Parallelen speziell zu diesem Werk sind klar zu erkennen, ohne als Plagiat durchzugehen.

"Sind wir schon da?"
Dort wie hier geht das Grauen nicht etwa von dämonischen Kräften oder Geistererscheinung in einem Haus aus, es ist das Gebäude selbst. Ein viktorianischer Landsitz, von dem eine unerklärliche Anziehungskraft wie diabolische Energie ausgeht, die Protagonisten verführt und gleichzeitig mit ihren innersten Ängsten konfrontiert. Von einem ruhigen, idyllischen Beginn schaukelt sich das Geschehen langsam hoch, die vorbildliche Bilderbuchfamilie entfremdet sich und verliert sich immer mehr in dem nicht greifbaren, leisen Grauen, das hinter der imposanten Kulisse des Sommerdomizils lauert. Der behutsame Aufbau von Dan Curtis mag für heutige Sehgewohnheiten nicht rasant genug sein, macht dabei jedoch erst die schleichende Faszination aus. Klassische Gruselfilmmotive, Suspense und eine immer dichter werden Atmosphäre - unterstützt durch den punktgenauen Score von Robert Cobert - schnüren ein von leiser Hochspannung getragenes Paket zusammen, das keine grossen Paukenschläge oder heute schon fast unvermeidliche Jump-Scares beinhaltet. Statt auf kalkulierte Schockmomente setzt Curtis auf die Bereitschaft des Zuschauers, sich eher dezent zu gruseln, der Figurenentwicklung und dem Handlungsverlauf konzentriert zu folgen, um ihn schliesslich erst zum Schluss mit einem kleinen Knall zu entlassen, der zwar nicht ganz überraschend, dafür ungemein konsequent daherkommt und dadurch noch einige Minuten nachwirkt.

Bitte einsteigen...
Speziell auf der Figurenzeichnung liegt - für so einen Genrefilm - ein hohes Mass an Bedeutung. Irren heute oft mindestens ein halbes Dutzend austauschbarer Pappfiguren durch ein Spukhaus, nur um im Minutentakt als Kanonenfutter herzuhalten, braucht "Landhaus der toten Seelen" gerade mal vier Hauptfiguren, deren Ableben nicht mal selbstverständlich erscheint. Das Mitfiebern mit ihnen bezieht sich nicht auf die Frage, wer von ihnen wohl überleben wird, sondern ob es sie überhaupt erwischen muss. Ihre Charakter-fokussierte Darstellung und Entwicklung während des Films lässt eine tiefere Bindung zu ihnen aufbauen, als in vergleichbaren Beiträgen üblich. Dementsprechend wichtig ist der Cast. Karen Black (mit ihrem manchmal irritierenden Silberblick) und Oliver Reed als sich in verschiedene Richtungen entwickelndes Ehepaar sind hervorragend, das Highlight ist jedoch abermals Bette Davis, obwohl nur mit einer Nebenrolle ausgestattet. Eine erneut fantastische Leistung dieser grossen Dame. Eine Extraerwähnung gibt es noch für "den Chauffeur" Anthony James, der zwar keine einziges Wort sagen darf, dafür eines der schaurigsten Grinsen an den Tag legt, das es jemals zu sehen gab.

 
Ein Film wie ein guter Wein. Liegt etwas Staub auf der Flasche, aber ruhig runterpusten, öffnen, atmen lassen und dann langsam geniessen. Ein edler Tropfen, immer noch.

 
8 von 10 Spukhäusern

Review: CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG - Olle Kamelle mit gutem Geschmack

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Fakten:
Conjuring - Die Heimsuchung (The Conjuring)
USA, 2013. Regie: James Wan. Buch: Chad & Carey Hayes. Mit: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Joey King, Mackenzie Foy, Shannon Kook, John Brotherton, Sterling Jerins, Marion Guyot u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Ab 17. Januar 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1971 bezieht die 7-köpfige Familie Perron ihr neues, abgelegenes Haus. Schnell stellen sich merkwürdige Ereignisse ein. Die Uhren bleiben jede Nacht um 3:07 stehen, Mutter Carolyn ist übersäht mit unerklärlichen Blutergüssen, alles noch recht harmlos. Bis der Terror zunimmt. Carolyn und ihre Mädchen erleben die pure Angst. Verzweifelt wenden sie sich an das Ehepaar Warren. Ed und Lorraine sind speziallisiert auf paranormale Phänomene. Auch sie stellen schnell fest, dass in dem Haus eine dämonische Präsenz herrscht. Ein Exorzismus scheint die einzige Lösung. Doch selbst die erfahrenen Warrens stossen fast an ihre Grenzen, denn mit so was haben auch sie es noch nicht zu tun gehabt.

                                             
                                  


Meinung:
Um mal eins ganz klar zu stellen: "Conjuring" ist an sich ein Haunted-House-Film wie jeder andere auch. Von der Geschichte. Originalität lässt sich dem neuen Film von James Wan nicht eine Sekunde unterstellen und wer im weiteren Verlauf noch die Hoffnung darauf hat, dürfte enttäuscht werden. Das ist so klassisch und eigentlich schon dutzendfach erzählt, warum sich also das ansehen?


Ich sehe was, was du nicht siehst...
Weil hier jemand am Werk ist, der sich absolut in dem versteht und selbst abgehangene Grusel-Klischees mit einem Wums, einer Präzision und einem Timing serviert, oft sogar um die Ohren haut, dass selbst abgebrühte, vielleicht sogar genre-müde Grusel-Muffel sich ab und an gehörig verjagen werden. Nach seinem Durchbruch mit "Saw", der im Gegensatz zu seinen unzähligen Nachfolgern nicht nur ekelig, sondern clever, spannend und wohl durchdacht war, hat sich Wan komplett dem altmodischen Gruselfilm verschrieben. Sein dritter Ausflug in die Welt der Geister und Dämonen zitiert und orientiert sich, wie schon die Vorgänger "Dead Silence" und "Insidious", fleissig bei den Grossen des Genres, beschreitet keine neuen Wege, was ihnen sicherlich als Kritikpunkt vorzuwerfen ist. Vielleicht ist "Conjuring" in der Hinsicht sogar der Mutloseste, wirklich nichts gibt es hier zu sehen, was nicht schon oft und erfolgreich erprobt wurde. Knarrende Türen, lautes Pochen, Spieluhren, gruselige Puppen, schlafwandelnde Kinder, alte Häuser, böse Flüche, Exzorzismus, einmal Standard bitte. Ist aber kein Problem, wenn jemand es wie Wan versteht, diese staubigen Laken so effektvoll auszuschütteln, das dem geneigten Fan stellenweise die Nackenhaare hochgehen und Gelegenheits-Grusel-Zuschauer sich sicher mit Druck in die Hose scheissen.

Das ideale Spielzeug, sooo süss
Wie schon bei "Insidious" und ansatzweise "Dead Silence" reizt Wan seine Schockmomente bis ins Letzte aus. Das ist so atmosphärisch, erschreckend und auf den Punkt getroffen, dass es fast egal ist, wie oft ähnliches schon gesehen wurde. Das musst du nur richtig machen, dann gefriert bei der ewig gleichen Geisterbahn immer noch das Blut in den Adern. Das sind nicht nur die teils verstörenden Bilder, die wunderbar-schauderhaften Situationen, das ist zu einem nicht geringen Anteil auch der Sound, der dröhnt und hämmert, wie gemacht für einen Kinobesuch oder ein leistungsstarkes Heimkinosystem, damit die Nachbarn auch was davon haben. Sicher, "Conjuring" braucht etwas, um aus den Puschen zu kommen, ganz leichte Ungeduld stellt sich sogar ein, doch in der zweiten Hälfte bleibt kaum Zeit, um mal entspannt die Buxe zu lüften. Da jagt ein Nägelkauer den nächsten, auch wenn alles bekannt ist. Gerade das ist erstaunlich: Niemals hätte ich gedacht, wie effizient heute noch so was funktionieren kann. Daran lässt sich prima ablesen, wie wichtig Verständniss für das Material ist, warum nicht jeder dahergelaufene Auftragsregisseur damit umgehen kann. Wan liebt so was, deutlich zu sehen, und überträgt diese Liebe durch seine Inszenierung auch auf den abgebrühten, erfahrenen Zuschauer.


Hervorzuheben ist auch der Cast, oft nicht die Stärke in einem Film dieses Genres. Wan-Liebling Patrick Wilson und besonders Vera Farmiga liefern eine starke Leistung ab, ganz oben steht die wunderbare Lili Taylor, die war schon ewig nicht mehr so gut wie hier. Ron Livingston ist eher blass, aber das ist ja nichts neues, verschmerzbar. Ungewöhnlich solide agieren die Kinderdarsteller, wenn das mal immer so wäre.


"Conjuring" ist ganz klar nicht besonders kreativ, das ist auch der einzige Haken. Sonst sehr starkes Gruselkino, altbacken, aber niemals trocken. Gerne mehr davon, aber bitte nur so, sonst wird es schnarchig.

7,5 von 10 Hexen-Häuschen

Review: THE AWAKENING - Alte Socken gut gewaschen

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Fakten:
The Awakening
GB, 2011. Regie: Nick Murphy. Buch: Stephen Volk, Nick Murphy. Mit: Rebecca Hall, Dominic West, Imelda Staunton, Lucy Cohu, Isaac Hempstead-Wright, Joseph Mawle, Richard Durden, Diana Kent, John Shrapnel, Alfie Field u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
England, 1921: Durch ihr Buch über Geistererscheinungen ist die junge Autorin Florence berühmt geworden. In ihrem Werk geht es jedoch nicht um den Beweis von paranormaler Phänomenen, im Gegenteil. Florence ist Expertin darin, Scharlatane zu überführen und angebliche Übersinnlichkeiten als Schwindel zu entlarfen. Eines Tages bittet sie Robert Mallory, Lehrer an einem Knabeninternat, um ihre Hilfe. Ein Junge ist an der Schule ums Leben gekommen. Angeblich soll er zuvor Kontakt zu dem Geist eines Kindes gehabt haben, das Jahre zuvor ermordet wurde. Die Angst geht unter den Schülern um. Florence soll das Geschehen untersuchen und geht gewohnt skeptisch und analytisch an die Aufgabe ran. Die Geschehnisse dort lassen sie jedoch bald an ihrer festen Überzeugung zweifeln.

 

                                                               


Meinung:

Haunted-House-Filme gibt es wie Sand am Meer, seit Jahrzehnten, und mit mehr oder weniger größeren Abweichungen ähneln sie sich alle. Die BBC-Produktion "The Awakening" wandelt auch auf recht eingetrammpelten Pfaden und erfindet sie selbstverständlich nicht neu. Jedoch sticht der Film von Nick Murphy erfreulich positiv aus der grauen Masse des Genres heraus, was heute nur noch selten geschieht.



 
Viel zu geistreich für Geister...
Murphy setzt von Anfang an auf eine stimmige Atmosphäre, fängt die Zeit nach Ende des ersten Weltkriegs gekonnt ein und bindet die Schatten dieses Ereignisses in die Handlung ein. Diese zeitliche Kulisse ist somit nicht zufällig gewählt, dient stattdessen als Grundlage, beispielweise für den Charakter und die Motivation von Protagonistin Florence (wirklich gut gespielt von Rebecca Hall, die auch im Blockbuster "Iron Man 3" zu sehen ist). Durch das Trauma des Krieges sind die Menschen aufgeschlossener für den vermeidlichen Kontakt mit dem Jenseits, in der Hoffnung, ihre gefallenen Lieben nicht gänzlich aufgeben zu müssen. Gleichzeitig hat Florence durch den Krieg selbst einen geliebten Menschen verloren, was sich bei ihr jedoch in das genaue Gegenteil auswirkt: Sie will endgültig einen Schlussstrich ziehen, ihr Gewissen dadurch beruhigen, dass dies alles Unfug und Schwindel ist. 

 
...aber sind sie vielleicht doch real?
Dieser Rahmen scheint zunächst der einzige Unterschied zu den bekannten Filmen dieser Art, alles weitere scheint recht bekannt. Ein altes Herrenhaus, in dem Fall eine Schule, im typisch viktorianischen Stil, Geistererscheinungen, gerne auch in Form eines Kindes, Verweise auf  Ereignisse der Vergangenheit, dessen Entschlüsselung wohl die Ursache und gleichzeitig das Ende des Spuks bedeuteten könnte. Das klingt ganz nett, aber nicht ernsthaft innovativ. Innovativ ist es auch nicht wirklich, aber "The Awakening" macht auf diesem Weg wirklich nichts falsch und setzt sogar einige clevere Momente. Es ist schön anzusehen, dass sich heute nicht in Blut, Jump-Scares und CGI geflüchtet werden muss, weil unfähige Auftragsregisseure nichts mit dem Material anfangen können. Nick Murphy versteht die Materie, setzt statt auf Effekte auf Effektivität, was ein riesiger Unterschied ist. Die Spannung ist, trotz gewohnter Muster, konstant vorhanden, lebt besonders von den leisen Momenten, ohne mit einem dicken BUH! das leicht eigenickte Publikum wieder wachrütteln zu müssen. Klar, es gibt auch die Momente zum Aufzucken, aber die kommen dann eben nicht gelangweilt aus der Dose, sondern passen einfach in den Verlauf und die vorher aufgebauten Stimmung. Handwerklich stimmt hier ohnehin viel, Sets, Kamera, Darsteller, Beleuchtung, alles auf sehr gehobenen Niveau.


Zwischenzeitlich schleift sich dann doch die erprobte Routine ein, trotz kurzer Highlights (die Puppen-Haus-Szene!), und genau genommen ist auch das Ende nicht wirklich neu. Aber: Es ist trotzdem gut aufgetischt, hat durchaus Überraschungseffekt (in den Details) und vor allem, es wird nicht als Kurz-und-Schmerzlos-Twist vorgeworfen, sondern es wird ausgiebig erzählt und beleuchtet. Kein Butze-Buh-Effekt, es wird sogar tragisch, emotional und tatsächlich berührend. Wirklich schön, da wurde sich Mühe gegeben.


Unterm Strich: "The Awakening" ist an und für sich nichts neues, aber toll verkauft und trotz seiner (teilweisen) Berechenbarkeit ein sehr ordentlicher Gruselfilm nach guter, alter Hausmacherart. Warum nicht eine glasklare Empfehlung? Das ist der Haken: Für das einmalige Ansehen würde ich dem das unterstellen, aber bei wiederholten Durchläufen dürfte das Interesse schwinden. Ich bin sehr zufrieden gewesen, aber in meinem Regal muss der nicht unbedingt stehen. Wäre aber auch keine Karteileiche.

6,5 von 10 singenden Hasen