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Review: MEMENTO – Realität ohne Gegenwart

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Fakten:
Memento
USA. 2000. Regie: Christopher Nolan.
Buch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan. Mit: Guy Pearce, Joe Pantoliano, Carrie-Anne Moss, Stephen Tobolowsky, Jorja Fox, Callum Keith Rennie, Mark Boone Junior, Larry Holden u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Leonard sucht den Mörder seiner Frau. Kein einfaches Unterfangen, denn durch eine Kopfverletzung besitzt Leonard kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Die Fakten und Hinweise die zum Mörder seiner Frau führt, lässt er sich auf den Körper tättowieren, Notizzettel und Polaroids leisten ihm weitere Dienste. Hilfe erhält er außerdem von seinem Bekannten Teddy. Doch kann er Teddy wirklich trauen?





Meinung:
Wie weit ein Mann bereit wäre zu gehen, um den Tod seiner Frau zu rächen, hat uns die Filmwelt schon in unzähligen Male vor Augen geführt. Dass sich ein solcher Film aber nicht nur in einer gar reaktionären Denke erschöpfen muss, sondern vor allem durch seine Menschlichkeit überzeugt, vergisst man angesichts dessen nur zu gerne: Rache ist letzten Endes nicht weniger nachvollziehbar, als die auslaugende Trauer um das Ableben eines nahen Verwandten. Die Frage ist nur, wie sich diese brennende Vergeltungssucht filmisch kanalisieren lässt, ob sie als Fundament stiernackiger Genre-Action dienen soll oder den moralischen Engpass aufzeigt, der den vermeidlichen Rächer nach und nach in die Selbstzerstörung geleiten wird. Beide intentionale Ausrichtungen haben ihren Reiz, ganz klar, der nachhaltigere, greifbarere Weg aber erschüttert nicht durch seine visualisierte Gewalteskapaden, sondern durch das psychische Martyrium, in das man als Zuschauer zusammen mit dem zerrütteten Hauptdarsteller absteigen wird.


Die Polaroids sind immer griffbereit
Würde man sich heute die Frage stellen, wie wohl ein Rachefilm aussieht möge, der von Christopher Nolan in Szene gegossen wurde, dann wären die Antworten wohl einhellig, egal welche Stellung man zu dem Briten bezieht: Eine bleiern Schwere scheint schlichtweg unumgänglich. Mutmaßungen aber sind an dieser Stelle überflüssig, auch wenn sich im Schaffen Nolans seither einiges verändert hat, denn mit „Memento“ hat sich der Mann bereits im Jahre 2000 mit der Thematik beschäftigt. Seiner Zeit mit jeglichen Superlativen gekrönt, resultieren etwaige Lobpreisungen primär daraus, dass Nolan seinem Film die Linearität entnommen hat. „Memento“ schreitet sowohl von A nach Z, um gleichzeitig dazu auch vom Omega zum Alpha zu führen. Das Drehbuch, verfasst von Christopher und Jonathan Nolan, verfügt über zwei elementare Erzählstränge, die sich durch ihr Kolorit gegenseitig abzweigen: Während einer in strengem Schwarz-Weiß von hinten nach vorne läuft, beginnt der farbige (Haupt-)Plot bei der ersten Szene, um das Ende des Films als Anfang der Handlung zu manifestieren.


Ist Teddy Freund, Feind oder Nutznießer?
An Komplexität scheint es der Narration in erster Linie nicht zu mangeln. Doch Christopher Nolan muss sich seit „Inception“ auch den Ruf gefallen lassen, dass seine vordergründig anspruchsvollen Konstrukte auf den zweiten, weniger verblendeten Blick recht transparent in ihrer forcierten Verschachtelung daherkommen. „Memento“ schafft es in den ersten Minuten natürlich, die Stirn in Falten zu legen, hat man das System der erzählerischen Methodik begriffen, spielt „Memento“ mit offenen Karten. Dass soll allerdings nicht bedeuten, dass nicht doch eine der Karten gezinkt sein kann, doch wenn der formale Anspruch dechiffriert wurde, die Schale gesprengt und der Kern klar ersichtlich, wird immer wieder deutlich, dass Nolan mit „Memento“ kein formalistisches Vexierspiel im Sinn gehabt hat, sondern seine umständliche Form auch als Metapher auf den Zustand seines Protagonisten versteht, der in einer Realität angekommen ist, die vollkommen auf konkrete Bezüge zur Gegenwart auskommen muss. Guy Pearce („The Rover“) spielt Leonard, einen ehemaligen Ermittler für Versicherungsbetrug, der inzwischen an anterograder Amnesie leidet. Soll heißen: Er besitzt kein Kurzzeitgedächtnis.


Alles was ihm bleibt, ist ein Polaroid, welches sich selbstredend zurückentwickelt, in seiner Hand verzerrt und verblasst, doch der Schmerz bleibt beständig in ihm haften. Sein athletischer Körper wird zum systematischen Notizblock umfunktioniert, jede Information, die Leonard erreicht, muss als vage und spekulativ abgetan werden, bis sie im nächsten Augenblick wieder verflogen ist. „Memento“ zieht den Zuschauer in den von Fragmenten rotierenden Kopf eines Mannes, der die Fähigkeit zu leben aufgegeben hat, der nur noch seiner Handschrift vertrauen kann und ständig mit der Frage konfrontiert wird, wie Wunden denn bitte heilen soll, wenn er die Zeit nicht mehr empfinden kann. Es ist die tieftraurige Essenz eines Filmes, der formal nicht aus schierem Selbstzweck mit der trügerischen Kraft von Erinnerungen spielt, der wir alle schon mal auf den Leim gegangen sind, sondern vor allem das lähmende Gefühl vermittelt, wie es ist, jeden Morgen aufzuwachen, die Hand auf die andere Seite des Bettes gleiten zu lassen und als Antwort nur eisige Kälte zu erfahren.


7 von 10 Schlägen auf den Hinterkopf


von souli

Review: INTERSTELLAR - Sind wir Götter?

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Fakten:
Interstellar
USA. 2014. Regie: Christopher Nolan. Buch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan. Mit: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, David Gyasi, Wes Bentley, Bill Irwin, Michael Caine, Casey Affleck, Mackenzie Foy, Topher Grace, Matt Damon, John Lithgow, Ellen Burstyn, David Oyelow, Leah Cairns, Collette Wolfe, William Devane u.a. Länge: 169 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.
Ab 31. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Erde stirbt. Die Ernten verderben, überall liegt Staub in der Luft und viele der uns bekannten gesellschaftlichen wie politischen Instanzen gibt es nicht mehr. Das Ende unserer Zivilisation scheint unausweichlich. Doch die NASA wagt einen letzten, großen Versuch, die menschliche Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. Ein Wurmloch nahe des Saturns scheint die Pforte in eine neue Galaxis zu sein, in der es eine Welt geben könnte, in der die Menschheit weiterleben könnte. Farmer und Ingenieur Coop tritt dieser Mission bei, muss dafür aber seine Familie im Stich lassen. Deine folgenschwere Entscheidung.





Meinung:
Christopher Nolan ist ein Familienmensch. Mit seinem Bruder Jonathan schreibt er die Drehbücher zu seinen Filmen, die seine Frau Emma Thomas dann gemeinsam mit ihm produziert. Cutter Lee Smith, Komponist Hans Zimmer und Kameramann Wally Pfister (hier, wegen seines Regie-Engagements bei „Transcendence“ ersetzte durch „Her“-Director of Photography Hoyte van Hoytema) gehören ebenfalls zu seiner filmischen Sippe, vertraut Nolan diesen doch seit gefühlten Ewigkeiten, wenn es um die Verarbeitung seines Werkes geht. Auch innerhalb seiner Werke spielt Familie oftmals eine zentrale Rolle. Sein neuster Film „Interstellar“ erinnert teilweise verblüffend an Nolans Mega-Hit „Inception“. In beiden Sci-Fi-Geschichten versucht ein Mann seine Familie wiederzufinden, bzw. wiederzusehen, in dem er in fremde Welten eintaucht, die als unberechenbar gelten, im nolan’schen Kosmos jedoch mit Regeln durchzogen sind, an denen sich die Narration entlang hangeln kann. Waren es in „Inception“ noch die Träume in denen Leonardo DiCaprio als Cobb agiert, so versucht Matthew McConaughey in „Interstellar“ als Ingenieur Coop (man achte auf die ähnlichen Namen) mittels einer galaktischen Expedition zu einem Wurmloch, den Untergang unserer Zivilisation zu verhindern.


"2001" lässt grüßen
Nolan inszeniert den Zerfall unserer Welt für die Verhältnisse eines Blockbuster fast schon obskur dezent. Statt großen Radau einzufangen ist der Kollaps längst Alltag geworden. Es sind keine feindlichen Aliens oder berstende Gebirge und Seen, die der Menschheit zu schaffen machen, sondern verdorbene Ernten, Staubluft und Ressourcenmängel. Wie Nolan dies einfängt ist durchaus beachtlich, weil er selbst Momente der Not und Gefahr kontrolliert inszeniert und nicht auf den aktuell grassierenden Overkill-Modus andere Produktionen setzt, obwohl es hier ohne Wenn und Aber um die schleichende Vernichtung unserer Existenz geht. Konträr dazu fokussiert sich Nolan aber ohne Ausnahme nur auf die Familie von Ingenieur und Farmer Coop. Im ersten Drittel - die vor allem Zuschauer entkräften wird, die gehofft haben „Interstellar“ wäre durch und durch opulentes Schauwertkino – versucht Nolan die Beziehung von Coop zu seiner Familie, im Spezielle seine kleine Tochter Murphy (Mackenzie Foy) dem Publikum näher zu bringen, schießt allerdings über das Ziel hinaus. Coop ist so auf seine Tochter fixiert, dass andere Familienmitglieder wie sein Sohn oder sein Stiefvater wie unzweckmäßige charakterliche Randnotizen erscheinen. Zumindest der Sohnemann erhält im späteren Verlauf mehr Gewicht innerhalb der Erzählung. Dennoch wirkt die emotionale Konstellation zu Beginn sehr unausgeglichen.


Die Suche nach einer neuen Heimat ist gefährlich
Dafür scheint Nolan nach „The Dark Knight Rises“ in Sachen Erzählung etwas dazu gelernt zu haben, denn obwohl „Interstellar“ mit fast drei Stunden Laufzeit  zu Buche schlägt, geht es relativ (ich wiederhole: relativ) rasch in den Weltraum. Dort erwartet das Publikum dann selbstverständlich große Bilder, die von Hans Zimmer orchestralem Orgel-Score mal gut, mal eher überladen akustisch ausstaffiert werden. Dennoch, so schöne kosmische Bilder gab es zu Letzt in Danny Boyles „Sunshine“ zu bestaunen und zu bewundern. Dass Nolan dabei auch immer wieder gerne an Stanley Kubricks Space-Meisterwerk „2001“ erinnert, sei ihm gegönnt, auch wenn Kubricks Film eindeutig die prachtvollerer Opulenz besitzt. Es lässt sich aber nicht nur optisch nicht von der Hand weisen, dass Nolan „2001“ hier und da zu Rate zieht. Dabei gelingt ihm sogar so etwas wie eine liebevolle wie kecke Parodie, denn auch „Interstellar“ muss es natürlich einen Super-Computer geben. Dieser erweist sich zunächst als dumpf aussehende Metallkiste, die, wenn sie sich fortbewegt, an einem wandelnden Cola-Automaten erinnert. Doch diese Blechkiste, genannt TARS, gelingt es etwas in Nolans Films zu integrieren, was man so von ihm gar nicht gewohnt ist: Frohsinn. Natürlich bleibt „Interstellar“ todernstes Weltretterkino, aber die aparten komödiantischen Spitzen von TARS sorgen zumindest kurzzeitig für etwas Auflockerung in einem filmischen Kosmos der großen Bedeutungen und Gefühle


Das Weltall: so mysteriös wie gigantisch
Die Bedeutungen die in „Interstellar“ auf das Publikum eindonnern sind mannigfaltig. Fragen der Philosophie, Physik und Ethik vermischen sich da schon einmal zu einem zähflüssigen Brei, der Szene für Szene vereinnahmt und die Narration teilweise so sehr ins Stocken bringt, dass sich zwei Minuten „Interstellar“ wie 20 anfühlen. Das wäre kein Problem, würde Nolan es nur schaffen die Faszination von Wurmlöchern, Zeittheorien und Opferbereitschaften ständig aufrecht zu erhalten. Doch immer wieder bricht sein Film unter seinem selbst aufgeladenen Ballast zusammen. Da helfen dann auch die mehr zweckmäßig eingesetzten money shots nichts und auch wenn Nolan die Frage nach der eigenen Courage sich selbst zu opfern in den (Welt-)Raum wirft, so ist die Antwort, die er bereit hält, weder sonderlich innovativ, noch überraschend oder gar für den Film notwendig. „Interstellar“ ist einfach überladen und stellt sich und der Faszination, die Nolans Werk ohne Zweifel besitzt, immer wieder selbst ein Bein. Das Ergebnis: ermüdendere drei Stunden wird es dieses Jahr wohl nicht mehr im Kino zu erlebe geben.


Coop muss seine Familie verlassen
Dabei besitzt „Interstellar“ durchaus Ansätze und Maßstäbe die wirklich grandios sind. Alleine das Ende hat es schon in sich. Zwar wirkt die – nennen wir es mal Auflösung – seltsam konstruiert und unnötig verdreht, aber sie macht auch klar, dass es bei Nolan keinen Gott gibt. Während bei Kubricks „2001“ alles endet mit der Wiedergeburt, also mit einer göttlicher Fügung, so sind es in „Interstellar“ die Menschen selbst, die sich über ihr eigenes Schicksal und ihre eigene Existenz hinweggesetzt haben. Das ist so passend wie herrlich grüblerisch. Gott schuf unsere Welt, wir erschufen Welten. Die großen Fragen die bleiben sind: War Gott ein Mensch und Sind wir nicht längst zu Göttern geworden? Großes Buhei für einen Blockbuster, der sich für diese Art von Fragen nicht ganz so stark interessiert, wie für die alte Leier des „Wie weit würdest du für deine Familie gehen?", aber sie immerhin populär als eine Art Endpunkt benutzt.


Dies wird wahrscheinlich auch mit ein Grund sein, warum „Interstellar“ gewiss vielen Fans des schnelllebigen Schauwertkinos aus dem Kinosaal vergraulen wird. Nolans Sci-Fi-Abenteuer positioniert sich irgendwo zwischen „2001“ und „Sunshine“. Es hat seine eigene, kleine Nische gefunden. Dort kann es sich aufblähen, zum Erretter des intelligenten Massenkinos. Auch wenn es vielleicht doch nicht mehr ist, als ein technisch herausragendes Stück Unterhaltung, dessen Defizite so unübersehbar sind, wie die Sterne bei Nacht.


6 von 10 „Klopf, Klopf“-Witzen

Trailerpark: Vorstoß in fremde Welten - Finaler US-Trailer zu INTERSTELLAR

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Der finale Trailer zu Christopher Nolans epischer Weltraum-Odyssee „Interstellar“ verspricht weiterhin ein reichlich atmosphärisches Kinoerlebnis zu werden. Wohin uns diese Reise allerdings genau verschlägt und wie tief sich der Regisseur mit der Wurmloch-Thematik beschäftigen wird, steht natürlich noch in den Sternen – Was auch gut so ist! Wir sind auf jeden Fall gespannt, was uns Christopher Nolan mit „Interstellar“ auftischen wird.  


Trailerpark: Rauf zu den Sternen - Neuer Trailer zu Christopher Nolans INTERSTELLAR

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Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was für eine Geschichte wird und Regisseur Christopher Nolan mit „Interstellar“ wohl erzählen? Auf die letzte Frage gibt der erste, vernünftiger Trailer zum heißerwarteten Sci-Fi-Film Antworten. Der Trailer ist für einen Blockbuster erstaunlich behäbig, was aber auch mal wieder ganz nett ist. Ansonsten herrschen dort große Emotionen und Worthülsen und am Ende gibt es sogar Szenen aus dem Weltall die durchaus an Kubricks „2001“ erinnern. „Interstellar“ startet bei uns am 6. November 2014. Neben Hauptdarsteller Matthew McConaughey sind auch Jessica Chastain, Anne Hathaway, Topher Grace, Wes Bentley, Ellen Burstyn, John Lithgow, David Oyelowo, Casey Affleck und Michael Caine zu sehen. Dieser Cast versüßt den Hype doch schon um einiges, auch wenn uns das interstellare Fieber noch nicht ganz gepackt hat.


Trailerpark: Die Geschichte der Raumfahrt - Erster Teaser zu INTERSTELLAR

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Zwar startet Christopher Nolans „Interstellar“ erst im November 2014, doch einen ersten Teaser Trailer hat Warner dennoch jetzt schon veröffentlicht. Viel zu sehen gibt’s es darin nicht, die Neugier auf den fertigen Film, bzw. mehr Infos und einen echten Trailer werden aber durchaus gut befeuert. Wer vom Teaser kalt gelassen wurde, der wird ja vielleicht doch noch zur Vorfreude bewegt, wenn er die Besetzungsliste sieht, die ist mit Matthew McConaughey, Ellen Burstyn, Jessica Chastain, Michael Caine und Anne Hathaway schon sehr vielversprechend. 




Review: MAN OF STEEL - Heldendämmerung

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Fakten:
Man of Steel
USA. 2013. Regie: Zack Snyder. Buch: David S. Goyer. Mit: Henry Cavill, Amy Adams, Michael Shannon, Russell Crowe, Kevin Costner, Diane Lane, Laurence Fishburne, Jadin Gould, Ayelet Zurer, Tahmoh Penikett, Antje Traute, Christopher Meloni, Richard Schiff, Henry Lennix, Michael Kelly, Dylan Sprayberry, Cooper Timberline, Richard Cetrone u.a. Länge: 143 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.
Ab 25. 10. 2013 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D.



Story:
Da ihr Heimatplanet Krypton kurz davor ist unterzugehen, rettet Vater Jor-El seinem neugeborenen Sohn Kal-El das Leben, in der ihn mit einer Rettungskapsel auf die Erde schickt. Dort wächst sein Sohn unter dem Namen Clark bei den Farmern Martha und Jonathan auf und schon bald wird klar, dass Clark außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Als Erwachsener geht Clark auf die Suche nach sich selbst, doch seine Fähigkeiten, die er geheim hält, machen ein normales Leben scheinbar unmöglich, vor allem weil Clark diese für das Gute einsetzt. Hin- und hergerissen wegen seiner Herkunft, wird er Zeuge wie General Zod, ein Überlebender von Krypton, die Erde angreift. Clark muss sich seinem Schicksal stellen.




Meinung:
Da ist er also wieder, der Mann, der seinen Schlüpper über der Spandexhose trägt, fliegen kann und eine Schwäche für seltsames grünes Gestein hat. Willkommen zurück Superman, du Archetyp aller Superhelden. Unter der Regie von Zack Snyder darf sich der Mann aus Stahl nach Bryan Singers eher belächelten als gefeierten „Superman Returns“ von 2006 wieder aufmachen um gegen das Unrecht zu kämpfen. Reboot ist dabei das Zauberwort. Also Adieu unmodische Hosen-Kombi und grünes Gestein. Aber keine Bange, fliegen kann der „Man of Steel“ noch.


Ist Superman ohne Flugschein geflogen?
Anstatt wie Regisseur Singer bei „Returns“ die bereits existierenden Filme von Richard Donner als Vorlage zu nutzen, erzählt „Man of Steel“ die Geschichte wie der junge Kal-El vom Planeten Krypton auf die Erde kam einfach noch einmal. Dabei ist diese ähnlich stark in der heutigen Popkultur verankert wir Spider-Mans Entwicklung vom Nerd hin zur menschlichen Spinne. Aber das kreative Team hinter dem Reboot, will nicht einfach nur Superman zurückbringen, nein, sie wollen einen neuen Superman erschaffen. Einen, der natürlich sich noch an die scheinbar unveränderbare Grundgeschichte hält, die im Prinzip eine Art Comic-Version der Passionsgeschichte ist, der aber im Gegensatz zu den anderen Filmen und Serien rund um den Mann von Krypton düsterer, ernster und wuchtiger sein soll. Das verwundert mit Blick auf die Credits nicht besonders. Produzent Christopher hat bereits den zweiten großen Helden aus dem legendären Verlag der DC Comics, Batman, in eine finanziell äußerst ergiebige Trilogie, für das Kino neu definiert. Nun hat also auch Superman seinen Auftritt der Marke dark & gritty. Ob das aber wirklich passt?


„Man of Steel“ ist kolossales Spektakel-Kino. Zack Snyder entwirft für den Superhelden aller Superhelden eine Ästhetik, die nichts mehr mit den Wurzeln von Superman zu tun hat. Kal-El repräsentiert eine Form des Comics, wie sie Christopher Nolan mit seiner „Dark Knight“-Trilogie unterminiert hatte. Aus dem unschuldigen Weltenrettern, dem poppig-naiven Charme des Originals ist bei „Man of Steel“ nichts mehr übrig. Die Auferstehungs- und Märtyrer-Metapher behält Snyder zwar inne, doch schustert er daraus einen oftmals entnervenden Rausch aus Symboliken, die dann ihren unkreativen und mutlosen Höhepunkt erreicht, wenn Superman Rat bei einem Priester in der Kirche seines Heimatortes Smallville sucht. Dass es sich bei dem kleinen Städtchen im Nirgendwo von Kansas wirklich um Smallville handelt (ein Tornado in der späteren Handlung lässt sogar Bezüge zum "Zauberer von Oz" zu) wird übrigens nie erwähnt. Nur ein Wasserturm bestätigt diese Vermutung. „Man of Steel“ versucht nämlich wirklich alles, um sich vom Ursprung des Comics zu lösen. Da wird Metropolis, die Großstadt in der Superman sonst getarnt als Journalist agiert, zur lieblosen Kopie des heutigen New Yorks. Zack Snyder scheut auch nicht davor zurück im überlangen Finale Menschen vor einstürzenden Hochhäusern agieren zu lassen. Gefolgt von aschbedeckten Gesichtern, die in den Trümmern die Überlebenden zu retten versuchen. Superman trifft auf 9/11. „Man of Steel“ versucht nicht den Heldenmut seiner Titelfigur zu feiern, sondern ergibt sich zu oft in der belanglosen Zelebrierung unwichtiger Randfiguren, die zwar mit Laurence Fishburne ein prominentes Gesicht als Anführer haben, die aber ähnlich substanzlos bleiben wie der große Antagonist des Films: General Zod.


General Zod macht Superman das Leben schwer
Zod, der neben Lex Luthor die Nummer zwei im Schurken-Kosmos von Superman ist, wird zwar von Charaktermine Michael Shannon („Take Shelter“) dargestellt, verkommt aber zur ärgerlichen Lachnummer. Sein weiblicher Sidekick wirkt als personifizierte Gefahr weit aus ernster und bedrohlicher als Zod selbst. Zur Vernichtung von Zods Ausstrahlung trägt aber auch die gesamte Erzählung von „Man of Steel“ bei. Autor David S. Goyer, der zusammen mit Nolan die Geschichte entwickelte, gelingt kein narrativer Rhythmus. Nach dem Epilog auf Krypton, der den Eindruck eines verfilmten Fantasy-Groschenromans hat und somit den Wurzeln von Superman noch am nächsten kommt, springt die Handlung von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit. Kal-El wird somit aber eine spürbare Entwicklung verwehrt. Durch das ewige switchen zwischen den Zeiten zieht sich „Man of Steel‘ nicht nur elendig, der Film wirkt so auch wie ein Flickwerk. Warum Kal-El sich als Fremder zwischen zwei Welten fühlt wird erst nach und nach aufgedeckt. Immer wieder schiebt der Film teils unnötige Expositionen in die Inszenierung. Eine flüssige Erzählstruktur? Nein, die gibt es hier nicht.


Von einem Comichelden-Film wird natürlich großes Spektakel erwartet und „Man of Steel“ will diese Erwartungen auch erfüllen. Da Snyders Superman-Interpretation sich aber nur auf kalte Ästhetik und dumpfen Krawall verlässt und dies vor allem im letzten Drittel so impulsiv einsetzt, dass die Leinwand im Prinzip nicht mehr wiedergibt als Explosionen und Vernichtung, ermüdet das Effekt-Gewitter schneller als Superman fliegen kann. Unterstrichen wird das alles von der Musik von Hans Zimmer. Dessen Score dröhnt inspirationslos und Dröge umher und überzieht den Film mit dem immer gleichen monotonen Epochal-Sound. Eine orchestrale Demonstration von Einfallslosigkeit. Kein Vergleich zur legendären Fanfare von John Williams, die die sonstigen Filmausflüge des Superhelden in ein optimistisches, auditives Gewand kleideten. Zimmer Musik ist aber kalt und passt so eigentlich perfekt zum modernen Mann aus Stahl. Leider.


Fürs Protokoll: Superman ist Amerikaner
Was durchaus gelungen ist, ist die Besetzungsliste. Wer allerdings erwartet, das Stars wie Amy Adams, Kevin Costner oder Diane Lane glänzen können, der wird wohl enttäuscht. Die Dialoge wirken hier wie eine lästige Pflicht und die Charaktere sind eindimensional und öd. Natürlich sollte niemand Oscar-Material erwarten, aber wenn Adams oder Lane hier etwas zu tun haben, dann meist nicht mehr als einen bestimmen, uninteressanten Rollentypus vorzuführen. Das Schicksal dieser Figuren wird dadurch in eine lethargische Ecke gedrängt. Was mit ihnen passiert scheint für den Film wichtig zu sein, es gelingt „Man of Steel“ dies aber nicht weiter zu transportieren an sein Publikum. Die zwei größten Besetzungs-Coups sind aber gewiss die Russell Crowe als Jor-El und Henry Cavill als dessen Sohn. Cavill passt das neue Superman-Outfit ausgezeichnet und seine kantige Erscheinung wirkt passend. Kein Vergleich zu den Hänflingen Christopher Reeve und Brandon Routh, die Superman zuvor in den Kino-Abenteuern verkörperten. Henry Cavill ist ein guter, ein souveräner Superman, der allerdings nur physisch beeindrucken kann, was aber mehr am Drehbuch liegt, als am Schauspieler. Vielleicht unsicher wegen Cavills Erscheinung und Präsenz, oder ganz einfach an der Star Power orientiert, darf sich Russell Crowe hier öfters zeigen, als es „Man of Steel“ gut tut. Immer wieder taucht er auf, aber seine Szenen wirken seltsam nichtig und sinnlos, auch wenn er die Rolle des zweiten, väterlichen Mentors einnimmt. Hier ergibt sich Goyers Drehbuch und Synders Regie – wie so oft - der Verlockung der Übersättigung. Es hätte „Man of Steel“ mehr als nur gut getan kürzer aufzufallen. Mit über 140 Minuten ist das Superman-Reboot mehr als nur eine halbe Stunde zu lang.


„Man of Steel“ ist eiskalt berechnendes Blockbuster-Kino im unnützen 3D-Gewand. Seelenlos wird hier alles was Superman ausmachte mit familienfreundlicher Düsterstimmung niedergewalzt. Ein Reboot ohne Charme und Ausdruck. Superman ist nicht mehr bunt. Das helle Blau ist einem carbonartigen Look gewichen. Die Unschuld, die von Superman ausgeht wurde zu einer reizlosen Heldendämmerung umgewandelt und ohne eine spürbare Huldigung vor den Wurzeln. War „Marvel’s The Avengers“ noch eine freundliche, sich seinen Wurzeln stets bewusste Jahrmarktsattraktion, so ist „Man of Steel“ wie eine Fahrt runter in ein Bergwerk. Snyder, Nolan und Goyer versuchen Superman mit einer Art von Authentizität in Verbindung zu bringen, die dem Mann mit dem roten Cape nicht steht. Was am Ende bleibt ist trostlos, metallisch und fern von jeder Faszination.


2,5 von 10 roten Capes



Unser souli, der sich sehr auf „Man of Steel“ gefreut hat, stellt euch auch noch seine Meinung zum Film vor

Na, das war doch fast schlecht, blieb seinem katastrophalen Rahmen aber letztlich mit konsequenter Beharrlichkeit treu. Da haben wir dann also unseren Clark Kent, der sich auf Mutter Erde mit Vollbart und Holzfällerhemd im Selbstfindungsmodus von A nach B schaukelt und sich in seiner omnipotenten Schale einfach nicht wohlfühlen mag. Den inneren Konflikten, der Dissonanz, Kind zwischen differenten Kulturen zu sein, denen Clark Zeit seines Lebens ausgeliefert ist, werden hingegen nie adäquate Bilder mit assoziativer Bewandtnis zugesprochen und unser übermenschlicher Jammerlappen bleibt ein stringent auf Distanz gehaltener Langweiler ohne jeden charakterlichen Tiefgang. Zack Snyders unbedingt auf generische Modernisierung getrimmte Führung ist immer auf die großen Schauwerte im Gigantomaniekorsett fokussiert, verheddert sich zunehmend in den verschiedenen Zeitebenen und lässt Superman irgendwann nur noch als rücksichtlosen wie hohlen Dampfhammer dastehen; ein postmoderner Jesus Christus, dessen Heldenstilisierung vollkommen fragwürdig angesichts seiner Handlungen und teilnahmslosen Wesenszüge bleibt.



Ziehvater und Sohn
Allgemein setzt sich das fort, was Christopher Nolan in seinem Debakel „The Dark Knight Rises“ eigentlich abgeschlossen haben sollte: Ein farbloser und monochromer Dunstschleier umhüllt jede Einstellung und das seelenlose, monotone und durchweg unspektakuläre Verlaufsschema mundet im pathetisch-lachhaften Nichts von einem Pseudo-Blockbuster. Ohne jeden packenden Erzählfluss dürfen hier wieder typische Rassendiskrepanzen aufgerollt werden und die etwas stupide 9/11-Symbolik mit Hans Zimmer „Höher, Schneller, Weiter, Lauter“-Kompositionen kollidieren, um jeden Ansatz von verblendeter Subtilität im profillosen Dauergedröhne im Keim zu ersticken. Visueller Stumpfsinn trifft auf sein auditives wie narratives Äquivalent. Wenn Snyder dann zum großen (40 Minuten oder so) Finale pfeift und der ohrenbetäubende CGI-Donnerhall jede akzeptable Grenzmarkierung sprengt, dann hat sich „Man of Steel“ endgültig als kalte, emotions- und innovationslose Materialschlacht in den Köpfen der Rezensenten eingebrannt. Hier wurde einfach nur Geld verbrannt.



Es ist ja nun nicht wirklich so, dass die Geschichte um „Man of Steel“ gar keine Substanz besitzen würde, da bleibt immer noch die Auseinandersetzung mit der schweren Bürde der Vorbildfunktion, die Akzeptanz der eigenen Ausnahmestellung, die mannigfache Verantwortung, die Superman schlussendlich übernehmen muss, um seinen gnadenlosen (und super verschenken Michael Shannon) Widersacher General Zod vor dem geplanten Genozid im Terra forming-Stil zu stoppen. Aber nein, „Man of Steel“ ist ein zerstreutes Anti-Vergnügen, in dem der Hauptcharakter an seiner auferlegten Entwicklung scheitert und sich die ruhigen Szenen als bloßer, unbedeutender Selbstzweck dekuvrieren. Jede zwischenmenschliche Dramatik wird in den staubigen Untiefen der in sich zerfallenden Wolkenkratzerschluchten begraben, jeder aufgesetzte Dialog rotiert ins Reich der unsäglichen Banalitäten und das zoomende Schnittmassaker verreckt in ihrer bierernsten Klangfarbe elendig an akuter Ideenarmut. Probleme bleiben bloße Behauptungen, „Man of Steel“ ist ein liebloser Film ohne Herz und ohne Seele. Wie schön wäre es doch mal wider, wenn man mit einem Superhelden wirklich mitfühlen und etwas Interesse an seiner Existenz zeigen könnte.



2 von 10 Küsse in Schutt und Asche