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Review: ALICE IM WUNDERLAND: HINTER DEN SPIEGELN - Green Screen ohne Zauber

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Fakten:
Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (Alice Through the Looking Glass)
USA.2016. Regie: James Bobin. Buch: Linda Woolverton. Mit: Mia Wasikowska, Sacha Baron Cohen, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Rhys Ifans, Anne Hathaway, Andrew Scott, Ed Speleers, Lindsay Duncan, Matt Lucas, Geraldine James u.a. Orig. Stimmen u.a. von Stephen Fry, Alan Rickman, Timothy Spall, Barbara Windsor, Toby Jones, Michael Sheen. Länge: 108 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 26. Mai im Kino.


Story:
Alice kehrt von einer langen, abenteuerlichen Seereise heim, in der die junge Frau als Kapitän ein Schiff kommandierte. Doch in der Heimat wird sie weiterhin als weibliches Anhängsel angesehen. Als ihr früherer Verlobte sich an Alice rächen will, findet die erneut einen Weg ins Wunderland. Dort wird ihre Hilfe auch dringend benötigt, denn der verrückte Hutmacher wird von einer schwerwiegenden Traurigkeit geplagt. Um ihm zu helfen begibt sich Alice in ein gefährliches Abenteuer, in dem sie es nicht nur erneut mit der roten Königin, sondern auch mit der Zeit zu tun bekommt.




Meinung:
Knapp drei Monate nachdem James Cameron das heutige 3D-Kino mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ populär gemacht hat, erschien mit Alice im Wunderland der zweite Blockbuster, der bewies, dass das dreidimensionale Kinoformat äußerst ertragreich sein kann. Über eine Milliarde US-Dollar erwirtschaftete die Disneyproduktion. Bis heute der erfolgreichste Film von Regisseur Tim Burton, aber nach seinem „Planet der Affen“-Remake wohl auch der Film seiner Karriere, der am zwiegespaltesten aufgenommen wurde. Ist Burton normalerweise dafür bekannt, seine Filmwelten so zu realisieren, dass sie immer haptisch und authentisch wirken, versumpfte seine Adaption des Romans von Lewis Carroll in einem digitalen Sumpf auf grell-verwaschenen Bonbonfarben und seelenlosen Spektakel-Tableaus.


Mad Hatter und Alice endlich wiedervereint
Jetzt, sechs Jahre nach dem Kinostart des ersten Teils, wird die Geschichte von Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska, „Stoker – Die Unschuld endet“) fortgesetzt. In „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ kehrt die Titelheldin gerade von einem großen, wagemutigen Abenteuer auf hoher See, durch die von Stürmen und Piraten durchzogenen Gewässer des fernen Ostens, zurück. Bei einer eleganten Abendveranstaltung fällt ihr jedoch ein wunderschöner Schmetterling ins Auge, dem sie schließlich bis durch einen wundersamen Spiegel hindurch folgt. So landet sie erneut im Unterland. Kein Zufall, denn ein guter, alter Freund benötigt dringend ihre Hilfe: Der verrückte Hutmacher. Diesmal führt James Bobin Regie, der zwar noch nicht so viel Erfahrung hat wie Burton, der hier nur noch als Produzent tätig ist, doch mit seiner Serie „Flight of the Conchords“ sowie die beiden letzten Muppets-Filmen bewies, dass auch er ein Connaisseur und Liebhaber der Art des Kinos ist, in der nicht alles aus der CGI-Fabrik stammt.


Zeit kommt gebürtig aus Kasachstan und heißt eigentlich Borat
Bedauerlicherweise ist das Sequel zum 2010er Erfolg aber genauso eine pappige, klebrige und artifizielle Angelegenheit geworden. Erneut agieren die wenigen Darsteller wieder vorm GreenScreen und heben sich von diesem mehr als deutlich ab. Eine Immersion ist so nicht möglich. Das Phantastische des Wunderlands verkommt zu einem digitalen Budenzauber, der immer mehr in die Höhe getrieben wird und dabei jedwedes Gespür für Progression vermissen lässt, was die Enttarnung der Tricktechnik nur noch mehr unterstreicht. Die Charaktere, vor allem natürlich Alice, versagen bei den mannigfaltigen Versuchen die Illusion aufzubauen, sie würden tatsächlich mit ihrer Umwelt interagieren. Alles was übrig bleibt ist eine steife Simulation ohne stilistische oder gar narrative Stimulation. Denn auch erzählerisch liegt "Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln" brach. Zugegeben, es ist schön, dass Alice, die im Vorgänger wie eine Depri-Barbie auf Valium durch die digitalen Kulissen schritt, nun als starke Frau dargestellt wird, nur macht dies ihre Figur keinen Deut interessanter, weil auch diese Charakterisierung nicht mehr ist, als eine Schablone, die zu keiner Zeit vollkommen ausgefüllt wird und wie der Rest des Films an einer elendigen Über-Künstlichkeit leidet, die als Stilmittel wirklich jeden kleinsten Funken von greifbarer Phantastik überwalzt.


Immerhin, mit Sacha Baron Cohen („Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“) als Zeit besitzt Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln einen Widersacher (wobei diese Bezeichnung nicht wirklich passt), der durchaus fasziniert. Cohen spielt die Zeit als ebenso weise, unerbittliche wie allerdings auch verletzliche und naive Figur, die einige durchaus charmante Wortspielereien mit sich bringt und sich größtenteils so artikuliert, als wäre er mit Regisseur Werner Herzog verwandt. Das generiert zumindest hin und wieder die eine oder andere unterhaltsame Minute, in dieser ansonsten eher anstrengenden Ansammlung aus aneinandergereihten Digital-Panoramen und zu gewollten und sehr mutlosen, weil angepassten, Andersartigkeiten. Dass es gerade „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ ist, in dem Alan Rickman („Tatsächlich… Liebe“) seinen letzte (Sprech-)Rolle hatte, macht das Ganze nicht schlechter oder ärgerlicher, aber zumindest ein gutes Stück trauriger. Emotionen, die direkt aus dem Film stammen, bleiben hingegen Mangelware.


3,5 von 10 Henker-Spieluhren

Review: INTERSTELLAR - Sind wir Götter?

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Fakten:
Interstellar
USA. 2014. Regie: Christopher Nolan. Buch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan. Mit: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, David Gyasi, Wes Bentley, Bill Irwin, Michael Caine, Casey Affleck, Mackenzie Foy, Topher Grace, Matt Damon, John Lithgow, Ellen Burstyn, David Oyelow, Leah Cairns, Collette Wolfe, William Devane u.a. Länge: 169 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren.
Ab 31. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Erde stirbt. Die Ernten verderben, überall liegt Staub in der Luft und viele der uns bekannten gesellschaftlichen wie politischen Instanzen gibt es nicht mehr. Das Ende unserer Zivilisation scheint unausweichlich. Doch die NASA wagt einen letzten, großen Versuch, die menschliche Rasse vor dem Aussterben zu bewahren. Ein Wurmloch nahe des Saturns scheint die Pforte in eine neue Galaxis zu sein, in der es eine Welt geben könnte, in der die Menschheit weiterleben könnte. Farmer und Ingenieur Coop tritt dieser Mission bei, muss dafür aber seine Familie im Stich lassen. Deine folgenschwere Entscheidung.





Meinung:
Christopher Nolan ist ein Familienmensch. Mit seinem Bruder Jonathan schreibt er die Drehbücher zu seinen Filmen, die seine Frau Emma Thomas dann gemeinsam mit ihm produziert. Cutter Lee Smith, Komponist Hans Zimmer und Kameramann Wally Pfister (hier, wegen seines Regie-Engagements bei „Transcendence“ ersetzte durch „Her“-Director of Photography Hoyte van Hoytema) gehören ebenfalls zu seiner filmischen Sippe, vertraut Nolan diesen doch seit gefühlten Ewigkeiten, wenn es um die Verarbeitung seines Werkes geht. Auch innerhalb seiner Werke spielt Familie oftmals eine zentrale Rolle. Sein neuster Film „Interstellar“ erinnert teilweise verblüffend an Nolans Mega-Hit „Inception“. In beiden Sci-Fi-Geschichten versucht ein Mann seine Familie wiederzufinden, bzw. wiederzusehen, in dem er in fremde Welten eintaucht, die als unberechenbar gelten, im nolan’schen Kosmos jedoch mit Regeln durchzogen sind, an denen sich die Narration entlang hangeln kann. Waren es in „Inception“ noch die Träume in denen Leonardo DiCaprio als Cobb agiert, so versucht Matthew McConaughey in „Interstellar“ als Ingenieur Coop (man achte auf die ähnlichen Namen) mittels einer galaktischen Expedition zu einem Wurmloch, den Untergang unserer Zivilisation zu verhindern.


"2001" lässt grüßen
Nolan inszeniert den Zerfall unserer Welt für die Verhältnisse eines Blockbuster fast schon obskur dezent. Statt großen Radau einzufangen ist der Kollaps längst Alltag geworden. Es sind keine feindlichen Aliens oder berstende Gebirge und Seen, die der Menschheit zu schaffen machen, sondern verdorbene Ernten, Staubluft und Ressourcenmängel. Wie Nolan dies einfängt ist durchaus beachtlich, weil er selbst Momente der Not und Gefahr kontrolliert inszeniert und nicht auf den aktuell grassierenden Overkill-Modus andere Produktionen setzt, obwohl es hier ohne Wenn und Aber um die schleichende Vernichtung unserer Existenz geht. Konträr dazu fokussiert sich Nolan aber ohne Ausnahme nur auf die Familie von Ingenieur und Farmer Coop. Im ersten Drittel - die vor allem Zuschauer entkräften wird, die gehofft haben „Interstellar“ wäre durch und durch opulentes Schauwertkino – versucht Nolan die Beziehung von Coop zu seiner Familie, im Spezielle seine kleine Tochter Murphy (Mackenzie Foy) dem Publikum näher zu bringen, schießt allerdings über das Ziel hinaus. Coop ist so auf seine Tochter fixiert, dass andere Familienmitglieder wie sein Sohn oder sein Stiefvater wie unzweckmäßige charakterliche Randnotizen erscheinen. Zumindest der Sohnemann erhält im späteren Verlauf mehr Gewicht innerhalb der Erzählung. Dennoch wirkt die emotionale Konstellation zu Beginn sehr unausgeglichen.


Die Suche nach einer neuen Heimat ist gefährlich
Dafür scheint Nolan nach „The Dark Knight Rises“ in Sachen Erzählung etwas dazu gelernt zu haben, denn obwohl „Interstellar“ mit fast drei Stunden Laufzeit  zu Buche schlägt, geht es relativ (ich wiederhole: relativ) rasch in den Weltraum. Dort erwartet das Publikum dann selbstverständlich große Bilder, die von Hans Zimmer orchestralem Orgel-Score mal gut, mal eher überladen akustisch ausstaffiert werden. Dennoch, so schöne kosmische Bilder gab es zu Letzt in Danny Boyles „Sunshine“ zu bestaunen und zu bewundern. Dass Nolan dabei auch immer wieder gerne an Stanley Kubricks Space-Meisterwerk „2001“ erinnert, sei ihm gegönnt, auch wenn Kubricks Film eindeutig die prachtvollerer Opulenz besitzt. Es lässt sich aber nicht nur optisch nicht von der Hand weisen, dass Nolan „2001“ hier und da zu Rate zieht. Dabei gelingt ihm sogar so etwas wie eine liebevolle wie kecke Parodie, denn auch „Interstellar“ muss es natürlich einen Super-Computer geben. Dieser erweist sich zunächst als dumpf aussehende Metallkiste, die, wenn sie sich fortbewegt, an einem wandelnden Cola-Automaten erinnert. Doch diese Blechkiste, genannt TARS, gelingt es etwas in Nolans Films zu integrieren, was man so von ihm gar nicht gewohnt ist: Frohsinn. Natürlich bleibt „Interstellar“ todernstes Weltretterkino, aber die aparten komödiantischen Spitzen von TARS sorgen zumindest kurzzeitig für etwas Auflockerung in einem filmischen Kosmos der großen Bedeutungen und Gefühle


Das Weltall: so mysteriös wie gigantisch
Die Bedeutungen die in „Interstellar“ auf das Publikum eindonnern sind mannigfaltig. Fragen der Philosophie, Physik und Ethik vermischen sich da schon einmal zu einem zähflüssigen Brei, der Szene für Szene vereinnahmt und die Narration teilweise so sehr ins Stocken bringt, dass sich zwei Minuten „Interstellar“ wie 20 anfühlen. Das wäre kein Problem, würde Nolan es nur schaffen die Faszination von Wurmlöchern, Zeittheorien und Opferbereitschaften ständig aufrecht zu erhalten. Doch immer wieder bricht sein Film unter seinem selbst aufgeladenen Ballast zusammen. Da helfen dann auch die mehr zweckmäßig eingesetzten money shots nichts und auch wenn Nolan die Frage nach der eigenen Courage sich selbst zu opfern in den (Welt-)Raum wirft, so ist die Antwort, die er bereit hält, weder sonderlich innovativ, noch überraschend oder gar für den Film notwendig. „Interstellar“ ist einfach überladen und stellt sich und der Faszination, die Nolans Werk ohne Zweifel besitzt, immer wieder selbst ein Bein. Das Ergebnis: ermüdendere drei Stunden wird es dieses Jahr wohl nicht mehr im Kino zu erlebe geben.


Coop muss seine Familie verlassen
Dabei besitzt „Interstellar“ durchaus Ansätze und Maßstäbe die wirklich grandios sind. Alleine das Ende hat es schon in sich. Zwar wirkt die – nennen wir es mal Auflösung – seltsam konstruiert und unnötig verdreht, aber sie macht auch klar, dass es bei Nolan keinen Gott gibt. Während bei Kubricks „2001“ alles endet mit der Wiedergeburt, also mit einer göttlicher Fügung, so sind es in „Interstellar“ die Menschen selbst, die sich über ihr eigenes Schicksal und ihre eigene Existenz hinweggesetzt haben. Das ist so passend wie herrlich grüblerisch. Gott schuf unsere Welt, wir erschufen Welten. Die großen Fragen die bleiben sind: War Gott ein Mensch und Sind wir nicht längst zu Göttern geworden? Großes Buhei für einen Blockbuster, der sich für diese Art von Fragen nicht ganz so stark interessiert, wie für die alte Leier des „Wie weit würdest du für deine Familie gehen?", aber sie immerhin populär als eine Art Endpunkt benutzt.


Dies wird wahrscheinlich auch mit ein Grund sein, warum „Interstellar“ gewiss vielen Fans des schnelllebigen Schauwertkinos aus dem Kinosaal vergraulen wird. Nolans Sci-Fi-Abenteuer positioniert sich irgendwo zwischen „2001“ und „Sunshine“. Es hat seine eigene, kleine Nische gefunden. Dort kann es sich aufblähen, zum Erretter des intelligenten Massenkinos. Auch wenn es vielleicht doch nicht mehr ist, als ein technisch herausragendes Stück Unterhaltung, dessen Defizite so unübersehbar sind, wie die Sterne bei Nacht.


6 von 10 „Klopf, Klopf“-Witzen

Trailerpark: Vorstoß in fremde Welten - Finaler US-Trailer zu INTERSTELLAR

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Der finale Trailer zu Christopher Nolans epischer Weltraum-Odyssee „Interstellar“ verspricht weiterhin ein reichlich atmosphärisches Kinoerlebnis zu werden. Wohin uns diese Reise allerdings genau verschlägt und wie tief sich der Regisseur mit der Wurmloch-Thematik beschäftigen wird, steht natürlich noch in den Sternen – Was auch gut so ist! Wir sind auf jeden Fall gespannt, was uns Christopher Nolan mit „Interstellar“ auftischen wird.  


Trailerpark: Rauf zu den Sternen - Neuer Trailer zu Christopher Nolans INTERSTELLAR

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Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Was für eine Geschichte wird und Regisseur Christopher Nolan mit „Interstellar“ wohl erzählen? Auf die letzte Frage gibt der erste, vernünftiger Trailer zum heißerwarteten Sci-Fi-Film Antworten. Der Trailer ist für einen Blockbuster erstaunlich behäbig, was aber auch mal wieder ganz nett ist. Ansonsten herrschen dort große Emotionen und Worthülsen und am Ende gibt es sogar Szenen aus dem Weltall die durchaus an Kubricks „2001“ erinnern. „Interstellar“ startet bei uns am 6. November 2014. Neben Hauptdarsteller Matthew McConaughey sind auch Jessica Chastain, Anne Hathaway, Topher Grace, Wes Bentley, Ellen Burstyn, John Lithgow, David Oyelowo, Casey Affleck und Michael Caine zu sehen. Dieser Cast versüßt den Hype doch schon um einiges, auch wenn uns das interstellare Fieber noch nicht ganz gepackt hat.


Review: RIO 2 - DSCHUNGELFIEBER - (K)ein Spaß für Jung und Alt.

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Fakten:
Rio 2 – Dschungelfieber (Rio 2)
BR, USA, 2014. Regie: Carlos Saldanha. Buch: Don Rhymer, Carlos Saldanha, Jenny Bicks, Yoni Brenner, Carlos Kotkin. Original Stimmen von: Jesse Eisenberg, Anne Hathaway, Bruno Mars, Rodrigo Santoro, Jamie Foxx, Andy Garcia, Jake T. Austin, Leslie Mann, Tracy Morgan u.a. Deutsche Stimmen von: David Kross, Johanna Klum, Mr. Reedoo, Mateo Jaschik, Roberto Blanco, Christian Brückner, Annett Louisan u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 31. Juli 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Blau-Ara Blu hat sich gerade erst mit seiner Herzdame Jewel und den gemeinsamen Kindern in Rio de Janeiro so richtig eingelebt, da droht ihm schon der nächste Culture-Clash. Die Nachricht, dass sich im Dschungel des Amazonas doch noch Artgenossen befinden könnten, veranlasst Jewel ihren Lebensgefährten zu einem Ausflug dorthin zu überreden. Schließlich sollen die Kids auch ihre Wurzeln kennen lernen. Blu, immer noch verwöhnt durch seine Menschen-geprägte Vergangenheit, ist wenig begeistert von der Idee, beugt sich schließlich jedoch dem Wunsch. Tatsächlich stoßen sie im dichten Dschungel nicht nur auf irgendwelche Papageien, sondern sogar auf Jewels Vater, der den bisher unbekannten Schwiegersohn kritisch unter die Lupe nimmt. Das sind nur die geringsten Probleme, denn nicht nur ein skrupelloser Geschäftsmann, sondern auch der erneut auftauchende Erzfeind Nigel sorgen für Ärger.



                                                                                       


Meinung:
Eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn ein Film die Kinokassen weltweit ordentlich zum Klingeln bringt, ist ein Sequel beschlossene Sache. Erst recht, wenn es sich um einen Animationsfilm handelt. Die Zielgruppe wächst schließlich ständig nach und ist letztendlich mit relativ wenig voll zufrieden zu stellen. Hauptsache schön bunt, knuffig und selbst wenn alles schon mal irgendwo gezeigt und nun einfach unkreativ zusammengewürfelt wird, spielt überhaupt keine Geige, mangels Erfahrung und Ansprüchen. Genau so ein liebloser Reißbrett-Film ist „Rio 2“ geworden. Die Kleinen sind begeistert und die Großen ernüchtert, wie berechnend und austauschbar das zur puren Maßenware verkommene Animations-Genre sein kann.


Hinter dem stolzen Opa hat Blu nicht viel zu melden.
Rein Technisch gibt es hier selbstverständlich nichts zu bemängeln, die Animationen sind wie gewohnt erstklassig, dafür sind die Möglichkeiten und Mittel heute schlicht zu fortgeschritten, alles andere wäre auch inakzeptabel. Sonst ist das Schema F nach Sequel-Bauplan. Alle relevanten Figuren des Vorgängers werden wieder eingebaut – selbst wenn sie wie in dem Fall für die eigentliche Handlung eigentlich keinen Zweck erfüllen und einfach nur anwesend sind -, neue Gesichter kommen hinzu, der Handlungsort wird verlagert, zeitbezogene Elemente (Casting-Show, Fussball WM) eingestreut, fertig ist die Laube. Mehr ist das beim besten Willen nicht. An vielen Stellen wirkt der Film überfrachtet, nahezu vollgestopft. Da gibt es den (für Erwachsene) altbekannten, unzählige Male augewärmten Konflikt zwischen Schwiegersohn- und Vater (selbstverständlich darf der schnieke Nebenbulher nicht fehlen), dazu gleich zwei Bösewichte, die unabhängig voneinander agieren, sich dadurch jedoch gegenseitig eher im Weg stehen und Screentime rauben. Schade, denn gerade der zurückgekehrte Schurke Nigel ist die wohl unterhaltsamste und interessanteste Figur, kann sich allerdings kaum entfalten und gerät zwischenzeitlich fast in Vergessenheit. Viel zu viel muss abgearbeitet werden, zwischendurch kräftig geträllert und gekreischt werden (in einer für Kinder definitiv zu extremen Lautstärke, für den Kinobesuch Ohrenschützer einpacken) und die unvermeidliche Öko-Botschaft kommt auch nicht zu kurz. An und für sich geht die ja in Ordnung, nur passt das alles in dieses Plankonzept, der dem Film nur einen minimalen Restcharme lässt.


Komisch ist das Ganze kaum, es sei denn es reicht einem, wenn bunte Tierchen mit niedlichen Stimmchen vor sich hin quaken. Ganz selten kann ein guter Gag ausgemacht werden (die Schildkröten), sonst ist das pures Kinderprogramm. Die können sich sicher darüber amüsieren, aber betrachtet man mal die Anzahl der Alternativen, warum ausgerechnet sollten sie sich diesen Film anschauen? Dafür bietet „Rio 2“ eigentlich gar keine schlagkräftigen Argumente. Wenn jeden Monat ein neuer animierter Spaß kommt, braucht diesen hier in der Tat niemand. Außer die Studiobosse, die ganz sicher wieder fette Einnahmen machen werden. Wer den Sprösslingen mit einem Kinobesuch eine Freude machen will, wartet lieber ab. Die Chancen, dass man bei der nächsten Möglichkeit nicht nur gelangweilt daneben sitzt, sind definitiv höher als die, hier auch jenseits der Grundschule seinen Spaß zu haben. Um „Hudsucker“ zu zitieren: „You know...for kids.“ Kein Stück mehr.

4 von 10 Navis in der Bauchtasche.

Review: ALICE IM WUNDERLAND - Mit einer Depri-Barbie in Lethargistan

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Fakten:
Alice im Wunderland (Alice in Wonderland)
USA. 2010. Regie: Tim Burton. Buch: Linda Woolverton. Mit: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Crispin Glover, Anne Hathaway, Matt Lucas, Marton Csokas u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren.


Story:
Kurz vor ihrer Verlobung entdeckt Alice ein weißes Kaninchen, welches sie aus ihren Träumen kennt. Sie folgt dem mysteriösen Tier und findet sich alsbald im Wunderland wieder. Alice scheint in dieser kuriosen Welt schon einmal zu Gast gewesen zu sein, kann sich aber nicht mehr daran erinnern. Doch für Erinnerungen bleibt eh wenig Zeit, schließlich will der verrückte Hutmacher dass Alice die bösartige rote Königin stürzt.


Meinung:
Die 3D-Technik hatte mit James Camerons „Avatar“ ihren Durchbruch. Im Fahrwasser von Camerons Sci-Fi-Epos mauserte sich auch „Alice im Wunderland“ zum Kassengold und spielte bislang über eine Milliarde Dollar ein. Für Walt Disney ein voller Erfolg, vor allem weil die Firmenbosse sich nicht sicher waren, ob Tim Burton der richtige Regisseur für die Verfilmung des Klassikers von Lewis Carroll war. Natürlich, phantastische Stoffe liegen Burton, aber seine bisherigen Werke waren für einen Familienfilm der Marke Disney eindeutig zu düster, zu frech, zu verquert. Dennoch wagte Disney es, mit ihm zu arbeiten, immerhin waren die Abenteuer von Alice seit langem ein Traumprojekt des Regisseurs. Der finanzielle Erfolg, der die Erwartungen deutlich übertraf, dürften diesen Schritt belohnt haben.

Alice ist älter geworden und das Wunderland noch bunter
Diese Version von Lewis Carrolls Geschichte ist anders. Damit sind nicht die 3D-Effekte gemeint, von denen der Zuschauer im Fernsehen, auf DVD oder der normalen Blu-Ray freilich nicht viel mitbekommt, sondern die Geschichte selbst. Drehbuchautorin Linda Woolverton erzählt eine Art Wunderland Reloaded. Der Film zeigt, was passieren würde, wenn Alice mit 20 noch einmal ins Wunderland zurückkehren würde. Wer glaubt, die Macher gewännen damit der klassischen Geschichte Neues ab, der irrt. Da die gute Alice sich an nichts mehr erinnert, folgt der Film brav der alten Struktur und fügt lediglich ein paar Actionsegmente hinzu. Eine banale und unnötige Angelegenheit. Da wäre mehr drin gewesen. Die Filmwelten eines Tim Burton leben von jeher von ihrer Kreativität und Liebe zum Detail. Burton ist dafür bekannt, Spezialeffekte aus dem Computer nur selten einzusetzen. Bei seiner Variante von Alice’ Abenteuern pfeift Burton aber auf seine alte Tugend und präsentiert ein Wunderland, das ganz und gar aus dem Rechner kommt. Offensichtlich fehlt Burton jedoch mit solch großen, ambitionierten High-Tech-Welten die Erfahrung, denn sein Wunderland wirkt unangenehm lieb- und leblos. Unzählige Details sind zwar vorhanden, aber die Bilder wirken allesamt kalt. So hakt es hier bei einem ganz wichtigen Punkt: der Atmosphäre. Der größte Störfaktor ist jedoch die Titelheldin selbst. Newcomerin Mia Wasikowska watschelt als Alice wie eine depressive Barbie auf Valium durch den Film und versprüht den Charme einer Glühbirne. Oftmals ist es unfreiwillig komisch, wie sie auf die diversen seltsamen Ereignisse und Figuren im Wunderland reagiert. Da wäre der Titel „Alice in Lethargistan“ wesentlich passender. Was den Rest der Figuren angeht, so kann vor allem Tim Burtons Muse und Ehefrau Helena Bonham Carter überzeugen. Als rote Königin mit Riesenschädel, die zur Entspannung ihre Füße gerne auf einen warmen Schweinebauch legt, gehören ihr die meisten (gewollt) witzigen Szenen. Die anderen Stars (Johnny Depp, Anne Hathaway) fallen im weiteren Wahnsinn des Wunderlandes nicht sonderlich auf und passen sich der biederen, aber dennoch durchgeknallten Erzählung an.


Es ist wirklich schade, Regisseur Tim Burton hat zwar mit „Alice im Wunderland“ die Kassen ordentlich klingeln lassen, aber vom Phantasten, der solche Perlen wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Sleepy Hollow“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“ inszenierte, hätte etwas überzeugenderes kommen sollen, als dieses bunte, aber dafür anorganisch wirkende Abenteuer, das die Geschichte von Lewis Carroll nicht sonderlich innovativ oder gar spannend weiterspinnt. „Alice im Wunderland“ ist eine Enttäuschung. Zwar arbeitete eigentlich der richtige Regisseur am Film, aber offensichtlich hat sich Burton voll und ganz vom 3D-Fieber anstecken lassen. Schade, aber so verkommt sein Traumprojekt leider zur statischen wie seelenlosen Technikdemonstration.

3 von 10