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Review: BIRDMAN ODER (DIE UNVERHOFFTE MACHT DER AHNUNGSLOSIGKEIT) - There's No Business Like Show Business

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Fakten:
Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)
USA. 2014. Regie: Alejandro González Iñárritu. Buch: Arando Bo, Alejandro González Iñárritu, Nicolàs Giacobone, Alexander Dinelaris Jr. Mit: Michael Keaton, Emma Stone, Edward Norton, Zach Galifianakis, Andres Riseborough, Naomi Watts, Amy Ryan, Lindsay Duncan, Merrit Wever u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 11. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Riggan Thompson ist Schauspieler und wird immer wieder mit seiner Superheldenrollen Birdman in Verbindung gebracht, die er für über 20 Jahren spielte. Um endlich als „echter“ Darsteller wahrgenommen zu werden, will Riggan am Broadway ein Stück inszenieren, sowie dort selbst mitspielen. Doch als ein Kollege von Rigga absagt, scheint das Scheitern des Projekt unausweichlich. Zum Glück springt Theater-Star Mike Shiner ein, doch damit werden Riggans Probleme nur noch mehr.





Meinung:
Wie schnell läuft man als Schauspieler doch Gefahr, immer und immer wieder auf eine markante Rolle reduziert zu werden. Hören wir beispielsweise den Namen Daniel Radcliffe, dann denken wir automatisch an seine Performance in der achtteiligen „Harry Potter“-Reihe, nicht etwa an seinen Auftritt in Nico Muhlys „Kill Your Darlings – Junge Wilde“, genau wie wir Heath Ledger nicht mit Terry Gilliams „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ assoziieren, sondern mit dem die Zunge schnalzenden und den Speichel durch die Wagentaschen schiebenden Joker in Christopher Nolans „The Dark Knight“. Die Konsequenzen dieser forcierten Gleichsetzung lassen sich in den eingefallenen Gesichtern, sowie den versiebten Karrieren vieler Künstler ablesen: Der Erwartungsdruck belästigt und bremst etwaig anvisierten Entwicklungsprozess und am Ende heißt es womöglich billige Ostblock-Reißer zu drehen, weil es ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist, sich aus dem Schatten ehemaliger Box-Office-Mirakel zu winden. Auch Michael Keaton kann davon ein Lied singen, deswegen ist „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ in erster Linie auch sein Film.


 
Riggans Tochter hat Probleme
Viel wurde vorab über Alejandro Gonzalez Inarritus neusten Streich geschrieben, überall hat man sich das Maul über die tonale Kehrtwende zerrissen, offerierte der Trailer doch ganz eindeutig, dass in „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ auf direktem Wege auch eine humoristische Komponente in das Geschehen integriert wird. Das kommt natürlich einer Art Quadratur des Kreises gleich, denn wer sich mit Alejandro Gonzalez Inarritus bisherigem Schaffen auseinandergesetzt hat, der weiß, dass bei dem Mann nicht gerade unbekümmert-legere Witzigkeit oberste Priorität inne trägt, sondern betonschwere Melodramatik, die dann auch in seiner 150-minütigen Passionsgeschichte „Biutiful“ mit Javier Bardem in erdrückender Formung kulminierte. „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist in seiner narrativen Strukturierung aber letzten Endes gar nicht so distanziert von Filmen wie „Amores Perrors – Wilde Hunde“, „21 Gramm“ oder „Babel“ anzusiedeln, sondern auch ein Film, der seine episodische Zergliederung durch seine Form beibehält und es den Akteuren sowie ihren charakterlichen Eigenarten so das Überschneiden und Differieren ihrer Wege ermöglicht.

 
Riggan und Mike Shiner bei der Aussprache
Im Mittelpunkt steht, wie erwähnt, Michael Keaton, der den abgeschlagenen „Birdman“-Darsteller Riggan Thomson verkörpert. Vor mehr als 20 Jahren hat er in der Rolle dieser Comic-Figur Weltruhm erlangt und die Kassen zum Klingeln gebracht, als er es allerdings abgelehnt hat, den vierten Teil der „Birdman“-Saga zu drehen, ging es mit seiner Karriere nur noch bergab. Die letzte Chance, um wenigstens noch einmal etwas in den Fokus der Medien zu geraten, sieht Riggan darin, Ryamond Carvers „What We Talk About When We Talk About Love“ für den Broadway zu adaptieren. Ambitioniert wie er ist, zeigt er sich direkt mal als Schauspieler, Autor und Regisseur in Personalunion: Nur einmal in seinem Leben möchte er etwas wirklich Wichtiges erschaffen; etwas, das die Menschen bereichert, anstatt sie nur durch den inzwischen so sehr verehrten Gigantismus diverser hochbudgierter Produktionen abzustumpfen. Selbstredend steckt in der fiktiven Figur des Riggan Thomson viel vom realen Michael Keaton, der einst unter der Ägide von Tim Burton in „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ glänzen durfte, danach aber doch eher ins Stagnieren geraten ist und zunehmend von der Bildfläche verschwand.

 
Birdman hebt ab
Dass Riggan nicht der einzige Knotenpunkt der Geschichte ist, der einen selbstreferenziellen Unterbau besitzt, ist bei dem Setting der Theaterbühne eindeutig. „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist auch eine mit galligem schwarzen Humor angereichte Reflexion über die Existenz als Schauspieler; eine Meditation über das Streben nach Größerem und dem permanenten Ringen mit beißenden Selbstzweifeln, die nicht zuletzt aus oftmals zutiefst verletzenden Gegenüberstellung von Selbst- und Öffentlichkeitswahrnehmung keimen. Das Theater per se ist ein Ort, an dem sich Sündenbabel und Purgatorium kreuzen und die niemals stillstehende Kamera von Emmanuel Lubezki das kreiselnd-abtastende Instrument, welches sich durch die Eingeweide der Kunst bis in den wirren Kopf des ehemaligen Superhelden bohrt. Das polternde Drum-Arrangment, welches wie eine Lawine über die Tonspur rollt, akzentuiert nicht nur die formale Dringlichkeit von „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, sie symbolisiert das Seelenleben der Protagonisten, die Ruhelosigkeit und die Mobilisierung letzter Willenskraft, den inbrünstig-schizophrenen Widerstand gegen die alles zerfressende Unbedeutsamkeit.


„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist ein Film über das Showbusiness, über die Mechanismen und das System hinter Starrummel und Werbetrommel, hinter medialen Eintagsfliegen und wahren Ikonen, was ihn vielerorts zum Eitelkeitsprojekt gemacht hat, welches sich an schierer Prätention weidet. Stattdessen aber ist Alejandro Gonzelez Inarritu die wohl virtuoseste Satire über die Unterhaltungsindustrie samt all seinen mannigfachen Abzweigungen seit langer, langer Zeit gelungen. Huldigung und Abgesang, preschende Komik und sensible Tragik, stehen sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber, Form und Inhalt gehen eine gar überwältigende Synthese ein, während Michael Keaton an forderster Front noch einmal unter Beweis, wieso man ihm so viele Jahre Unrecht getan hat – Er ist eben doch ein hervorragender Darsteller, absolut fähig nuancierte Charakter-Profile anzulegen und auszuspielen. Genau wie es Edward Norton als manierierter Method-Actor Mike Shiner endlich mal wieder vergönnt war, in einem überaus gelungenen Film zu glänzen. Wundervoll.


8 von 10 gelogene Geheimnisse


von souli

Review: BAYMAX – RIESIGES ROBOWABOHU - Das Abenteuer der Hilfestellung

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Fakten:
Baymax – Riesiges Robowabohu (Big Hero 6)
USA. 2014.
Regie: Don Hall, Chris Williams. Buch: Jordan Roberts, Robert L. Baird, Daniel Gerson, Don Hall, Duncan Touleau (Vorlage), Steven T. Seagle (Vorlage). Original Stimmen von Ryan Potter, Scott Adsit, Jamie Chung, Damon Wayans Jr., T.J. Miller, James Cromwell, Alan Tudyk, Genesis Rodriguez u.a. Länge: 108 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung.  Ab11. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Hiro Hamada liebt Roboter über alles. Der talentierte Junge ist so verrückt nach ihnen, dass er mittlerweile in diesem Bereich in seiner Heimatstadt San Fransokyo einen gewissen Ruf hat. Selbst sein bester Freund Baymax ist ein Roboter - allerdings beeindruckt dieser zunächst mehr mit seiner Statur als mit seinem Können. Ziemlich tollpatschig, aber stets um das Wohl aller bemüht, steht er Hiro immer mit Rat und Tat zur Seite - ob der will oder nicht. Als sich in San Fransokyo etwas Mysteriöses anbahnt, überschlagen sich die Ereignisse und Hiro und Baymax werden vor die größte Herausforderung ihres Lebens gestellt. Zusammen mit ihrer ebenso begabten wie durchgeknallten Clique müssen sie zu einem echten Team werden und zeigen, was sie drauf haben, um die Stadt vor einer dunklen Bedrohung zu retten.





Meinung:
Der neueste Streich aus der Walt-Disney-Animation-Studios-Schmiede ist ein erneut größtenteils-formvollendetes Glanzstück geworden, hier nun ausgiebig in der Formel des Superhelden-Genres (und sogar dessen moralischen Implikationen) wirkend, dennoch eine energetische Angelegenheit mit diesem bestimmten gelungenen Fist bump aus Spaß, Herz und Kurzweil. Thematisch wird dabei reichlich auf dem Geist der Ambition gegründet, aber auch auf den verschiedenen Stadien der Trauer. An der Hauptfigur Hiro Hamada nämlich wirkt eine charakterliche Konstellation, die wieder mal bestimmte Familienangehörige verloren hat und weitere im Verlauf des Films verlieren wird. Zudem ist er aber auch ein helles Köpfchen, das seine flink-flexiblen Roboter-Erfindungen in der futuristischen Metropolen-Mélange San Fransokyo allerdings noch eher für Straßenkämpfe einsetzt, als sich mit seinem Talent an der Forschung zu beteiligen. Sein engster Verwandter, Bruder Tadashi, redet ihm da durchgehend ins Gewissen und führt ihn eines Tages effektiv in die illustre Truppe an frischen Forschern und ihren bestimmten Fähigkeiten ein, so dass in ihm der Drang auf die nächste revolutionäre Erfindung erwacht.


Auch Helden müssen mal kuscheln
Solch ein Fortschrittsfilm über den Enthusiasmus der Technik - bewusst technisch brillant ausgestattet, von den fotorealistischen Hintergründen bis hin zu den plastisch-wirkenden Cartoon-Charakteren und den reizvoll-versierten Umgebungsdetails - kommt allerdings auch nicht ohne Barrieren einer Missbrauchsgefahr, eines potenziellen Antagonisten aus. Und da passt sich der Film schon früh einer forcierten Regelung der Dramaturgie an, die ungeniert, aber nicht unbedingt elegant Motivationen, Themen und Hinweise zur exakten Etablierung aller Sachverhalte ausspricht. Zum dritten Akt hin werden einige dieser Plot-treibenden Faktoren zwar erfreulicherweise auf den Kopf gekehrt, sie fruchten aber dennoch nicht immer auf besonders natürlichem Boden. Sei's drum, aus diesem Rahmen schlagen die Regisseure Don Hall und Chris Williams noch immer liebenswerte Ideen und Charaktere heraus, allen voran den Ballon-artigen Roboter Baymax - spezialisiert auf medizinische Hilfe, haltlos knuffig, drollig, plump und dennoch etwas unkontrollierbar, eben auch ein Hort für unschuldigen Roboter-Humor wortwörtlicher Analytik und eigensinniger Umweltsgewandtheit. Doch auch er ist upgradable für Kampfhandlungen, denn nach der niedlichen Kennenlernphase auf offenem Raum erfordert die Dringlichkeit der Geschichte erhärtete Maßnahmen, jedoch auch stets getragen von Hiros Drang nach einer Auflösung seines Verlusts und seiner Trauer - zuerst mit einem gewissen Zweifel der Verdrängung, später dann mit einem pfiffigen Schub des Gerechtigkeitssinns. Letzteren verwirklicht er zudem mit der Hilfe seiner vier Freunde aus Tadashis Labor, die Baymax in einer seiner vielen einprogrammierten Genesungs-Methoden für Hiro kontaktiert hat, umgesetzt als (mit aus-ihren-vorher-präsentierten Skills-entwickelten Gadgets) individualisiert-technifiziertes Helden-Team.


Robocop wäre verdammt stolz
Die Bindung zwischen Hiro und Baymax als Überbleibsel von Verlorenem behält aber die emotionale Oberhand, weshalb ihr erster Flug über die Stadt mit den neuen Anzügen einen freiläufigen Höhepunkt der Euphorie innerhalb der massiven bunten Welt des Films darstellt, wobei ebenso versucht werden soll, Hiro seine Trauer verarbeiten zu lassen - ein Punkt, der jedoch stets an seinem Gedächtnis nagt und im Erinnern konfrontiert. Schließlich wird er immer stärker auf die Lösung seines Umstandes gebracht, mit gemeinsamen Kräften wird dort das Gelingen versucht, doch einerseits haut das noch nicht ganz so schicklich hin und andererseits schlägt just das Stadium der Wut in Hiros Trauer aus, wobei auch hier Baymax, nun gegen seine binäre Gesetzmäßigkeit bewilligt, als Ventil herhalten muss. Doch so einfach und gewaltsam lassen sich die Probleme nicht aus der Welt schaffen, das kriegt Hiro in seinem emotionalen Sturm wiederum eindrücklich ins Gewissen geredet, sobald er bemerkt, dass jener Antagonist, seine Zielscheibe einer frustrierten Vendetta, aus denselben nachvollziehbaren Gründen wie er handelt und sich dabei auf einen zerstörerischen Pfad begibt.


Jetzt gilt es also, anhand der nochmals effizient-versammelten Technik einen Ausgleich zu schaffen, der Schlimmeres verhindern und auf gewisse Weise auch den Bösen genesen kann, so wie Baymax es seit jeher handhabt, so wie Erfindungen allgemein auch eher als Vorteil, als Hilfe und Horizonterweiterung für die Menschheit gedacht sind. Solange der herzliche Geist des Erfinderischen nämlich erhalten bleibt, werden auch die Erfinder auf ewig in Erinnerung bleiben, seien sie Pioniere, Retter oder auch Familie. In der belebenden Zusammenkunft dieser narrativen Elemente ist zwar aller Anfang auch schwer, teils zwingend in die Welt gerufen, doch auch hier machen Übung und eine Handvoll Klebebänder für den luftigen Roboter den Meister, inventive Lust die besondere Würzung und da wird eine durchweg unterhaltsame Tour für Jung und Alt erschaffen, erbaut auf einer bewährten Mixtur des knalligen Familienkinos als cineastisches und emotionales Spektakel.


7,5 von 10 Klebebändern


vom Witte

Review: DARKMAN - Rache ist hässlich

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Fakten:
Darkman
USA, 1990. Regie: Sam Raimi. Buch: Chuck Pfarrer, Sam Raimi, Ivan Raimi, Daniel Goldin, Joshua Goldin. Mit: Liam Neeson, Frances McDormand, Colin Friels, Larry Drake, Nelson Mashita, Jessie Lawrence Ferguson, Rafael H. Robledo, Dan Hicks, Ted Raimi, Dan Bell, Nicholas Worth, Bruce Campbell u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 
Story:
Wissenschaftler Peyton Westlake steht kurz vor dem großen Durchbruch. Er kann künstliche Hautzellen erschaffen, leider mit einem Haken: Bei Licht halten sie nur genau 99 Minuten, bevor sie in sich zusammenfallen. Als seine Freundin, die Anwältin Julie, in Besitz eines Memos mit brisanten Inhalt gelangt, bekommt Westlake Besuch von Gangster Durant und seinen Schlägern. Er wird übel zugerichtet, sein Labor in die Luft gesprengt, mit schwersten Verbrennungen landet er im Fluss. Westlake wird für Tod erklärt, doch er hat überlebt. In einer Spezialklinik wird eine riskante Operation an ihm durchgeführt. Er empfindet nun keine Schmerzen mehr, die unkontrollierte Adrenalinausschüttung hat jedoch Auswirkungen auf seine Psyche. Westlake flieht aus der Klinik und sinnt auf Rache. Dank der Überreste aus seinem Labor kann er sich kurzzeitig neue Gesichter zulegen, mit begrenzter Haltbarkeit.
 
                                                                  

 

Meinung:
"Der Kerl wurde völlig in Stücke gerissen, sie haben nur ein Ohr gefunden, das war alles. Hat nicht lange gedauert es zu beerdigen."
 
 
Wer so hübsch aussieht...
Mehr als 10 Jahre bevor Sam Raimi durch "Spiderman" zum Big-Budget-Blockbuster-Regisseur wurde gab er mit "Darkman" bereits seinen Einstand im Superhelden-Genre. Im Gegensatz zu der berühmten Marvel-Spinne basiert die Story um den entstellten Rächer jedoch nicht auf einer Comicvorlage, alles komplett auf Raimi's Mist gewachsen. Dennoch wirkt der Film sehr bewusst wie eine Comicverfilmung und - was ihn deutlich von Raimi's heutigen Arbeiten unterscheidet - hat diesen wunderbaren B-Movie-Charme. Eine Kreuzung aus Superhelden- und Horrorfilm, durchzogen mit garstigem Humor und diversen Anspielungen auf klassische Gruselfilme sowie Motiven aus ihnen.
 
 
...muss sich für den Spaziergang etwas zurecht machen.
Der "Darkman" erinnert rein optisch an die Hauptfigur aus James Whale's Klassiker "Der Unsichtbare" (im "gewickelten" Zustand) wie aus "Das Phantom der Oper", auch die Story rund um die Rache eines Entstellten hat Parallelen zu ihnen. Etwas "Frankenstein", eine kleine Prise "Der Elefantenmensch", Raimi zitiert fleißig und liebevoll quer durch den Genregarten. Dabei sind das alles nur Gewürze, der "Evil Dead"-Schöpfer macht mit "Darkman" einen waschechten Superheldenfilm, mit allem was dazu gehört. Überzogen bösartige Schurken, ein reicher Schmierlappen als Kopf des Verbrechersyndikats und natürlich das angebetete Weibchen in Nöten. Nur der Held ist etwas düsterer und wütender, fies verunstaltet und auf mächtig Stunk aus. Raimi inszeniert den Film nicht ganz so bunt und comicartig wie beispielsweise Tim Burton ein Jahr zuvor seinen "Batman", allerdings (und in dem Fall wirklich erfreulicherweise) nicht so verbissen und realitätsverankert wie einige Vertreter der letzten Jahre, in erste Linie natürlich Christopher Nolans Fledermaus-Trilogie. "Darkman" ist zum Teil ruppig und recht hart, doch niemals zu brutal, trotz eines fingersammelnden Fieslings und einiger derber Momente. Dafür ist es schlicht zu überspitzt, niemals zu real, und auch nicht um einige fast cartooneske Humoreinlagen verlegen. Das passt alles prima zusammen und unterhält auf eine sehr angenehme Art. Natürlich durften beim "alten" Sam auch die schönen, handgemachten Effekte nicht fehlen. So wüst wie bei seinen Teufelstänzen im Wald selbstverständlich nicht, dafür deutlich professioneller und für seine Zeit richtig gut anzusehen. Kein CGI oder sonstiger Firlefanz, schade das Raimi so was heute nicht mehr macht.
 

Übrigens: Viele Freunde und Kollegen des Regisseurs haben kleine Rollen oder sind in Cameos zu sehen. Bruder Ted Raimi spielt einen der Schläger, die Regisseure John Landis, William Lustig und Scott Spiegel haben kurze Auftritte und ganz zum Schluss gibt es auch noch ein Wiedersehen mit einem ganz besonderen, alten Bekannten. Nette Idee.
 

"Darkman" macht noch richtig viel Spaß und erweist sich als eine fast erfrischende Alternative zu den heute zahlreichen Knall-Schepper-Krachern aus der Superhelden-Gelddruckmaschine. Feine Sache, immer wieder gerne.
 
 
7 von 10 zerfledderten Helden.
 

Review: KICK-ASS 2 – Der Kampf gegen die Ungerechtigkeit geht in die zweite Runde

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Fakten:
Kick-Ass 2
USA/GB. 2013. Regie: Jeff Wadlow. Buch: Jeff Wadlow: Mit: Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Jim Carrey, Christopher Mintz-Plasse, Lindy Booth, John Leguizamo, Donald Faison, Lyndsy Fonesca, Morris Chestnut, Clark Duke, Augustus Prew, Monica Dolan, Steven Mackintosh u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Ab 19. Dezember 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Zwei Jahre sind vergangen seit sich die selbsternannten Superhelden Kick-Ass (Aaron Johnson) und Hit-Girl mit kompromissloser Härte und Tapferkeit unsterblich gemacht und eine neue Generation maskierter Verbrechensbekämpfer inspiriert haben. Angeführt von Ex-Mafiakiller Colonel Stars and Stripes fordert die Superheldentruppe Justice Forever Nacht für Nacht lichtscheues Gesindel heraus. Auch Mafiasprössling Chris D’Amico hat sein Kostüm als Red Mist an den Nagel gehängt. Er macht Kick-Ass für den Tod seines Vaters verantwortlich und schwört seinem einstigen Vorbild blutige Rache. In seiner neuen Identität als Superschurke The Mother Fucker baut er eine Armee auf, um Kick-Ass und seine Kameraden ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen.




Meinung:
Radikaler soll er sein, angeblich sogar die Grenzen des Erlaubten ausreizen, haarscharf an der FSK 18 Freigabe vorbeischrammen und mit dem nötigen Glück im Schlepptau ungeschnitten den Weg in die Kinos gefunden haben. Die Rede ist von „Kick-Ass 2“, der sehnsüchtig entgegengefieberten Adaption der beinahe nihilistisch anmutenden Comic-Vorlage von Mark Millar. Nachdem Matthew Vaughn 2010 mit dem ersten Teil für reichlich Furore sorgte, in dem er eine 11-Jährige in lasziver Lederkluft auf einen blutigen Feldzug durch des Gegners Reihen jagte, hat auch gleichzeitig dabei ein kleiner Filmhit das Licht der Welt erblickt, während der kommerzielle Erfolg ebenfalls nicht zu verachten war: Mehr als das Dreifache des 30 Millionen Dollar Budgets standen am Ende auf der Habenseite und ebneten den sicheren Weg ins tiefe Tal des Fortsetzungswahn. Dabei setzte sich auch Mark Millar erst nach dem ansehnlichen Einspielergebnis mit dem Federhalter an den Schreibtisch und modellierte mit seiner „Balls to the Wall“-Graphic Novel den Grundstein des kommenden Franchise-Pfades.



Bereit zum Kampf: Kick-Ass & Hit Girl
Aber nochmal ganz auf Anfang. Geschichten über Superhelden gibt es wie Sand am Meer, ob in der herkömmlichen Kombination aus Zeichnungen und Texttafeln, oder als inzwischen standardisierte Comic-Verfilmung. Retrospektiv betrachtet ist es schon ein ungeheureres Ausmaß an Filmen, die um die Jahrhundertwende die Kinosälen geradezu überflutetet haben und von „Spider-Man“, „X-Men“ und Christopher Nolans düsterer „Batman“-Trilogie kein Limit kannten, zu groß war der Andrang, zu vielfältig die Auswahl und die kreativen Möglichkeiten. Der Reiz an „Kick-Ass“ ist jedoch ein anderer, selbst wenn ein Bruce Wayne ebenfalls ein herkömmliche Mensch ist, der ohne Superkräfte auskommen muss: In „Kick-Ass“ geht es wirklich um – vorerst -  stinklangweilige, vollkommen herkömmliche Leute, wie sie in den akkuranten amerikanischen Wohnsiedlungen und betongrauen Hochhausfronten massenweisen zu entdecken sind. Es war dieser Ausbruch aus der Normalität, eskapistisch, aber keinesfalls verwerflich, dieser nachvollziehbare Drang etwas zu bewegen, der „Kick-Ass“ in einem so besonderen Licht aufschimmern ließ.


Und genau dieses für den Zuschauer in vollem Ausmaß verständliche Feeling konnten Matthew Vaughn und seine Co-Autorin Jane Goldman auch in „Kick-Ass“ projizieren, in dem sie den sehr gut gecasteten Aaron Johnson als sympathischen Loser Dave Lizewski in den Mittelpunkten stellten, der ähnlich unbeholfen sein High School-Dasein fristet, wie es Millionen andere Jugendliche auch tun, bis ihm einmal zu oft die Taschen von Hinterhofschlägern geplündert wurden und er seinen fiktiven Helden, die erst durch einen radioaktiven Spinnenbiss zum großen Mann des Volkes aufsteigen konnten, nacheiferte; nur ohne die übernatürlichen Fähigkeiten. Was folgt war genau das, was sich auch in der Realität abgezeichnet hätte: Dave bekommt gehörig die Fresse poliert, weil er feststellen musste, dass es nicht reicht sich in ein Kostüm zu schmeißen um die hiesige Verbrechenswelle der amerikanischen Metropolen zu bändigen. Um etwas zu bewirken, braucht es einen gezielten Angriffsplan – Und tatkräftige Gehilfen. Gehilfen, die nicht nur vertrauenswürdig sind, sondern auch das eigene Potenzial übertreffen. Damit war dann auch der heimliche Star Hit Girl aka Mindy Macready geboren, das kleine Mädchen, das die Moralapostel zur schieren Raserei animierte.



Gewalt ist nur dann richtig, wenn sie Spaß macht!
Nun haben sich die Gegebenheiten in „Kick-Ass 2“ deutlich verändert, denn wo nicht nur auf dem Regiestuhl der talentierte Matthew Vaughn durch den recht durchschnittlichen Filmemacher Jeff Wadlow („The Fighters“) substituiert wurde, schreit auch die Geschichte rundum Dave und Mindy nach einer adäquaten Weiterentwicklung, die nach ihrem siegreichen und gleichzeitig verlustvollen  Kampf gegen den Gangsterboss Frank D’Amico ihr normales Leben, wie auch die Existenz als selbsternannte Gesetzhüter unter einen Hut bekommen müssen. Und genau in dieser Charakterzeichnung offenbart das Drehbuch (ebenfalls von Jeff Wadlow verfasst) derartig grobe Schlaglöcher, dass die mehr als erforderliche Entwicklung einfach nicht stattfinden kann und den Figuren nur inkohärente Phrasen in den Mund legt, anstatt ihnen neue, ansprechende Facetten abzuverlangen. Niemand würde von „Kick-Ass 2“ wirklich Tiefgang erwarten, doch einen Hauch von Substanz in seiner Charakterkonstellation ist ein unumgängliches Muss, um den Plot über Wasser zu halten.Jeff Wadlow hingegen ist nicht am emotionalen Innenleben seiner Figuren interessiert, sondern am Blutgehalt, den sie verteilen oder abgeben können.


So lässt der Film zu Beginn lediglich verlauten, dass Dave sich eigentlich aufraffen wollte um seinem tatkräftigen Ruf als Beschützer zu untermauern, sich in Wahrheit aber vielmehr auf der Couch lümmelt und Mindy inzwischen ihrer äußerst eindrucksvollen Hit Girl-Vergangenheit abgeschworen hat, um in der High School Fuß zu fassen. Der Verlauf ist absehbar und wo sich Dave an den unzähligen Nachahmern erfreut, die sein vorgängiges Tun aufgerufen hat, und sich ihnen daraufhin anschließt um kollektiv dem Kampf gegen das Verbrechen anzustimmen, versucht sich Hit Girl im Dunstkreis der Society Bitches ihrer Schule zurecht zu finden. Man muss es mit dieser einschneidenden Vehemenz sagen: Kick-Ass und Hit Girl sind langweilig geworden. Warum? Ganz einfach: Konnte Hit Girl im ersten Teil noch beinahe ihren Milchzähnen beim Wackeln zuschauen, war Kick-Ass ein verunsicherter Jedermann. Nun sorgt die inzwischen 16-jährige Hit Girl-Darstellerin Chloë Grace Moretz mit ihren brutalen Eruptionen für keinerlei Aufsehen mehr, während auch Dave viel selbstbewusster durch die Weltgeschichte stampft und unter seinem grün-gelben Anzug einen Astralkörper vorzuweisen hat, wie man ihn eher bei Calvin Cline-Models vorfindet, als bei einem introvertierten Nerd.



Der Motherfucker und seine Kleinarmee 
Jeff Wadlow legt sein Augenmerk im Verlauf des Filmes überwiegend auf die blutigen Exzesse, auch wenn er dem extremen Härtegrad der Vorlage natürlich nicht gerecht wird, und vernachlässigt die Menschen hinter den Masken und Capes. Wo sich „Kick-Ass“ noch als Satire auf die Superheldenfilme verstehen lassen wollte, zum Ende aber genau diese Art von Film von frönten sollte, vergaß Matthew Vaughan dennoch nicht das moralische Dilemma aufzuweisen, in dem die Charaktere fortwährend steckten. In „Kick-Ass“ wird nichts mehr hinterfragt, es gibt nur pädagogisierte Floskeln, die in einem dumpfen Blutrausch wie „Kick-Ass 2“ nur als Selbstzweck fungieren. Inmitten der mehr oder weniger gelungenen popkulturellen   Referenzen und den pubertären Späßchen, weiß Wadlow gravierenderweise nichts mit seinen Nebenfiguren anzufangen, denn wo Jim Carrey als patriotisches Selbstjustizspottbild Colonel Stars and Stripes durchaus gefällt, aber viel zu wenig Screentime bekommt, ist von den anderen Darstellern wie Donald Faison als Dr. Gravity rein gar nicht zu sehen.


Glücklicherweise gibt es da noch einen vorlauten Spargeltarzan namens Christopher Mintz-Plasse, der am Endes von Teil 1 noch Rache für den Tod seines Vater schwor, nun aber nicht mehr als Red Mist auftritt, sondern als in Sadomasomontur gehüllter Motherfucker, der wenigstens noch einen gewissen Pepp in das Geschehen bringt, einfach weil er so extrem überzeichnet auftritt, sich vor seinen Mitläufern so peinlich aufbläht, um dann in der nächsten Szene an seinen eigenen Worten zu ersticken. Aber „Kick-Ass 2“ fehlt der anhaltende Drive, es fehlt der Mut, die Dynamik, der Spaß am bunten Treiben; es fehlt letztlich all das, was den ersten Teil so nonchalant ausgezeichnet hat, denn mit der Intention von einem brutalen Exzess zur nächsten Messerstecherei, Schießerei oder Schlägerei zu hüpfen, kann man vielleicht ein nettes Propagandavideo für die testosterongeladenen Stiernacken aus der Muckibude inszenieren. Für eine ernstzunehmende Comic-Verfilmung, die wenigstens ein gewisses Maß an Substanz aufweisen sollte, einfach weil es die pauschalen Umstände der Vorlage - Coming-Of-Age, Selbstfindung, etc. – so unübersehbar hergeben, reicht das nicht. Dennoch wäre es gelogen, wenn man behaupten würde, dass „Kick-Ass 2“ nicht unterhalten würde, nur hinter all der Gewalt und den Kraftausdrücken wartet ausschließlich gähnende Leere.


4,5 von 10 Bissigen Hunden