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Review: DER GIGANT - Rasierter Kampfbart gegen Graf Drugula

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Fakten:
Der Gigant (An Eye for an Eye)
USA, 1981. Regie: Steve Carver. Buch: James Bruner, William Gray. Mit: Chuck Norris, Christopher Lee, Richard Roundtree, Matt Clark, Mako, Maggie Cooper, Rosalind Chao, Professor Toru Tanaka, Terry Kiser u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Die Drogenfahnder Kane und Pierce werden bei einer verdeckten Ermittlung in einen Hinterhalt gelockt. Pierce kommt ums Leben, Kane wird zum Sündenbock gemacht, woraufhin er den Dienst quittiert. Als dann aber noch Pierce‘ Frau Linda, die als TV-Journalistin ebenfalls im Drogenmilieu nachforschte, ermordet wird, reißt ihm die Hutschnur. Gemeinsam mit Lindas Bruder James – der ihn einst die Kunst des Kämpfens leerte – schlägt er zurück…

                                                                                   

Meinung:
„Vielleicht bin ich zu blond um perfekt zu sein.“

Naja, an der Haarfarbe liegt es eher nicht. Andere Problemchen stehen dem Perfektionismus deutlicher im Wege. Vor seiner dritten und zweiten Karriere als lebendiger Fließbandwitz und Vietnam-Dampfwalze aus dem Hause CANNON gab es tatsächlich mal eine Zeit, als Chuck Norris noch oben ohne rumlief. Der Kampfbart der 80er, glatt wie ein Babypopo und blond wie Michel aus Lönneberga, erklärt der Drogenmafia den Krieg, nachdem sie seinen Partner Dave (DER Bernie aus „Immer Ärger mit Bernie“, Terry Kiser) bei lebendigem Leibe flambiert haben. Der ist hinüber, Sonnenbrille aufsetzen und an den Schnürsenkeln festknoten hilft definitiv nicht mehr, das entspannte Grinsen aus dem Gesicht geschmort. Das lässt selbst ein Chuck Norris ohne wärmendes Winterfell nicht auf sich sitzen. Auch ohne Dienstmarke ermittelt er – im wahrsten Sinne des Wortes – auf eigene Faust, da können ihn weder sein nörgelnder Ex-Vorgesetzter (DER Shaft, Richard Roundtree), noch sein mächtiger Gegenspieler (DER Dracula und überhaupt DER Mann überhaupt, Christopher Lee) von abhalten.


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Round 1...Fight!
Mensch, klingt doch fein. Chuck Norris vs. Christopher Lee, ein Battle der Legenden. Fast gigantisch könnte man meinen, was zumindest grob den merkwürdigen deutschen Titel von „An Eye for an Eye“ erklären könnte. Gigantisch ist hier gar nichts, selbst durchschnittlich wäre geprahlt und unnötig schöngefärbt. Zu staubigen VHS-Anfangs-Zeiten - als Drogen zum besseren Hausfrauenverständnis noch als Rauschgift synchronisiert wurden - darf Chuck noch nicht alles kaputt ballern und wahllos durch die Gegend kloppen, die Action in „Der Gigant“ kommt reduziert und selbst dann nicht gerade spektakulär aus den Hausschuhen. Nach einem doch recht harten Auftakt mit feuriger Sterbeszene muss der Nullmimiker lange wenig tun, ohne die schützenden Gesichtsbehaarung fällt doppelt auf, wie wenig zwischen Stirn und Kinn vor sich geht. Um gezielt vor dem Einschlafen zu bewahren, werden gelegentlich Roundhouse-Kicks und Handkantennackenschläge – schön in Slowmotion zum Event aufgeblasen – gegen tollpatschige Kartell-Ninjas ausgepackt, die aus einem ½ Meter Entfernung mit automatischen Gewehren noch daneben schießen und aus nicht näher bekannten Gründen alle die gleichen, weißen Maleranzüge tragen. Um nicht mit derartig grandioser Action zu erschlagen, muss das Adrenalin für den leicht zufriedenzustellenden Zuschauer wohl dosiert werden, nachher wird es noch aufregend, Gott bewahre.


Keine Sorge, passiert auch nicht. Die reizenden Nebendarsteller Christoper Lee und Richard Roundtree stehen zweckdienlich in der Gegend rum und holen sich nach getaner Arbeit einen ihrer zahlreichen Pflichtaufgabenschecks in den 80ern ab, der Film ist eindeutig auf seinen Star zugeschnitten. Wäre gar nicht schlimm, wenn man ihn halbwegs in Szene setzen könnte, also ihm ein paar nette Kampfszenen spendieren würde. Lieber darf er stoisch durch die Gegend starren und sich von seinem Buddy kluge Weisheiten einverleiben, nachdem der einen der gut ausgebildeten Handlanger mit einem Telefon niedergestreckt hat („Für den wahren Kämpfer ist alles eine Waffe“). Darauf einen Sake und drei Räucherstäbchen. Selbst im Finale, als ausnahmsweise mal etwas die Kuh und munter die Kugeln fliegen, ist das insgesamt erschreckend eintönig. Natürlich kommt es nicht zum direkten Duell zwischen Norris und Lee, dafür gibt es schließlich den dicken Kung-Fu-Panda mit dem orthopädischen Schuhwerk, der vorher trotz eindeutiger Gehbehinderung eine „flotte“ Verfolgungsjagd durch die U-Bahn liefern konnte und mit spielender Leichtigkeit durch Türen boxt. Wer jetzt trotzdem noch auf einen strammen Endfight hofft, bekommt die Optimismusmedaille in Platin verliehen. Der asiatische Tanzbär kommt kurz aus der Reserve, Slowmo-Chuck, fertig. Das Gute hat gesiegt und wer noch wach ist, hat zumindest seinen Horizont mit unnötigen Filmen aus dem Kartoffelkeller erweitert. 

3,5 von 10 Roundhouse-Kicks

Review: DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN - Ein aus der Not geborener Glücksfall

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Fakten:
Dracula jagt Mini-Mädchen (Dracula A.D. 1972)
GB, 1972. Regie: Alan Gibson. Buch: Don Houghton. Mit: Christopher Lee, Peter Cushing, Stephanie Beachman, Christopher Neame, Michael Coles, Marsha A. Hunt, Caroline Munro, Janet Key, William Ellis, Philip Miller, Michael Kitchen u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Mal wieder hat Dr. Van Helsing seinem alten Widersacher Graf Dracula den Garaus gemacht, diesmal soll für 100 Jahre Ruhe sein. Im London des Jahres 1972 erweckt eine Gruppe Twens im Drogenrausch den Fürst der Finsternis wieder zum Leben. Ein Mitglied der Clique: Jessica Van Helsing. Ihr Großvater ahnt nach den ersten Todesfällen schnell, wer da wieder aufgetaucht ist. Und auf wen er es abgesehen hat…




Meinung:
„Großvater, ich will dir ein Geständnis machen, wenn es dich beruhigt: LSD habe ich noch nie geschluckt. Ich habe auch noch nie gespritzt und ich schlafe auch noch nicht mit jedem bis jetzt.“

Das „bis jetzt“ ist doch mal ein Brüller…

Ganz neue Alltagsproblematiken im Hause HAMMER, was ist denn da los? Nun, das Studio sah sich gezwungen alternative Wege zu gehen. Die Zuschauer blieben weg, das Geld wurde (noch) knapp(er) und wenn einer das sinkende Schiff noch retten konnte, dann natürlich Dracula. Christopher Lee wurde gegen seinen Willen erneut vor den Karren gespannt (er war einfach zu gutmütig: Die Studiobosse argumentierten mit bereits verkauften Rechten und wie viele Arbeitsplätze daran hängen würden, Lee gab nach) und erstmals seit dem Original von 1958 gab es einen gemeinsamen Dracula mit Peter Cushing, der nur 1960 in „Dracula und seine Bräute“ wieder als Van Helsing zu sehen war, dem einzigen Film der Reihe ohne Lee. Nur eine berechtigte Frage stellte sich: Quo vadis, Dracula?


Es ist angerichtet...
Nach nunmehr fünf Sequels mit dem immer gleichen Muster (ausgenommen „Dracula und seine Bräute“, der sich nur bedingt in die Serie einordnen lässt) – der eigentlich endgültig besiegte Dracula steht durch ein Ritual wieder auf oder ist einfach nie weg gewesen, warum auch immer – und der nicht nur daraus resultierenden, absteigenden Qualität der letzten Filme („Das Blut von Dracula“ und „Dracula – Nächte des Entsetzens“ entstanden als Fließbandproduktionen 1970 direkt nacheinander, was man deutlich merkt) war ein neues Konzept gefragt. Schon wieder den Grafen in seiner Burg und dem üblichen Drum und Dran, das wollte keiner mehr sehen. Also nun „Dracula A.D. 1972“ oder unter dem wunderschönen deutschen Titel „Dracula jagt Mini-Mädchen“, der dem Endprodukt fast gerechter wird. Nachdem der Prince of Darkness zum letzten Mal am Rad gedreht hat (herrlich theatralisch und im Sinne der folgenden 90 Minuten leicht absurd vorgetragen) und auch Van Helsing letztlich in die Kiste gekommen ist, folgt der radikale Cut: Ein Flugzeug, die roten Doppeldecker, willkommen in London, anno 1972. Kein Blitz und Donner, keine hutzeligen Bauerndörfer im Schatten der Schreckensburg und kein Heulen der Kinder der Nacht. Hier wird Dope geraucht, kesse Bienen tanzen in flotten Hotpants zu Hottentotten-Musik und es wird gegen das spießige, britische Establishment rebelliert.


Da müssen wir mal eine Blutprobe nehmen...
Hier hängt der Hammer an fremder Stelle. Schon vorher spielten Filme des Studios zwar in der Gegenwart, jedoch nie so, weit entfernt von klassischen Modellen, mitten drin im Swinging-London. Das ist ungewohnt und von Dracula lange keine Spur. Selbst als sich Christopher Lee endlich aus seinem Ruhestand erhebt (natürlich: Durch ein Ritual) wirkt er trotz seiner gewohnt erhabenen Gestalt total deplatziert. Doch gerade dieser merkwürdige Kontrast zu der eingeschlafenen HAMMER-Methodik hat einen skurrilen Reiz. Das „Dracula jagt Mini-Mädchen“ eine aus der Not geborene Verzweiflungstat ist, lässt sich kaum schön reden und ist überdeutlich zu erkennen. Offensichtlich war sich keiner sicher, was man aus der neuartigen Prämisse überhaupt machen sollte. Nüchtern ist der Film niemals konsequent, weder in seiner Inszenierung, noch in seiner kaum zu definierende Intention. Der Clash von Klassik und Moderne wird dadurch erstaunlich gut präsentiert, ob das immer freiwillig ist, bleibt zu bezweifeln. Mal total unverkrampft, locker-lässig planlos aus der Hüfte geschossen, teilweise sogar gezielt ironisch, dann aber sich wieder im Ansatz auf den Geist der alten Filme berufen wollen, was eher von einer Unsicherheit im Umgang mit der Materie zeugt, trotzdem einen ungemeinen Charme hat. Ungewollt – oder eher in der Form unabsichtlich - ist „Dracula jagt Mini-Mädchen“ dadurch die beste Fortsetzung seit dem hervorragenden „Blut für Dracula“ (1966) geworden. Selbst der Score hat keine klare Linie, wechselt von Swing und Funk stellenweise urplötzlich zu Orgel-Grusel-Musik, das passt gar nicht und gerade dadurch doch.


Christopher Lee hat zudem die kürzeste Screentime aller bisherigen Dracula-Filme (das toppte nur noch der letzte, folgende Teil „Dracula braucht frisches Blut“, bei dem sowieso alles in die Hose ging), dafür darf Peter Cushing das Feld größtenteils beackern. Kein Problem, auch wenn es dadurch relativ wenig Vampir-Action gibt, zumindest in der ersten Hälfte. Da macht „Dracula jagt Mini-Mädchen“ auch lange nicht so viel Spaß wie später, richtig zieht der eh erst in der letzten halben Stunde an. Vorher ist sehr deutlich, wie schwach das Skript eigentlich ist, das spielt hinterher gar keine Geige mehr. Durchgehend super ist Christopher Neame in der Rolle des Johnny Alucard (!), der als (zunächst) menschlicher Antagonist von Optik und Auftreten leicht an Malcolm McDowell alias Alex in „Uhrwerk Orange“ erinnert. Der macht nicht nur eine gute Figur, er liefert auch noch eine Duschszene ab, die Janet Leigh Konkurrenz macht. Also, zumindest fast. Fast ist das Stichwort: Fast ist „Dracula jagt Mini-Mädchen“ eine Parodie, fast ist er eine Hommage und fast ist er ein ernstgemeinter Gruselfilm, die Grenzen verschwimmen. Nach dem etwas zu behäbigen Start in einer schrulligen, sehr herzlichen Konstellation. Ob Draculas Augen im Finale nun diabolisch-blutrot sind oder ob zu viel Hasch in der Luft lag, es bleibt diskussionswürdig. Hier lief bestimmt nicht alles wie mal angedacht (oder es wurde nicht viel nachgedacht), aber es funktioniert. Das negative, schauderhafte Gegenbeispiel erschien im folgenden Jahr und beerdigte den HAMMER-Lee-Dracula endgültig. Fatal, dies hier wäre ein würdiger Abschluss gewesen. Ein Exot in seinem Universum, der dadurch nicht alles, aber einiges richtig macht. Definitiv zu diesem Zeitpunkt.

6,5 von 10 Spatenstichen

Der Gentleman des Grauens - Ein Nachruf für CHRISTOPHER LEE

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Dieser Tag überzieht nicht nur die Filmwelt mit einem Schleier bleierner Trauer, Christopher Lees Tod hinterlässt auch ein gigantisches Loch in selbiger. Einen wirklich großen Schauspieler zeichnet es nicht aus, in möglichst vielen Filmen mitgewirkt zu haben, sondern, hat man sein Gesicht für ein Übermaß an Produktion hergegeben, diesen eben immer auch seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken – Und darüber hinaus auch noch Spaß an der Sache freizulegen, einfach weil man seine Leidenschaft zur Berufung machen konnte. Christopher Lee gehörte definitiv zu dieser Zunft, ein Künstler mit Passion; einer, der sich immer ins Zeug gelegt hat, egal, wie unterklassig die Qualität der Produktion auch ausgefallen ist; egal, wie ungünstig die Dreharbeiten auch ausgefallen sein mögen. Durch seine gottgegebene Aura war Lee eine Autoritätsfigur, seine tatkräftige Hingabe für Generationen an Schauspielern vorbildlich, seine Rollenauswahl so verschiedenartig wie bizarr, während seine tiefe Bassstimme noch Stunden später durch die Gehörgänge raunen durfte. Christopher Lee war immer ein Erlebnis, jetzt aber hat der Gentleman des Grauens die große Bühne verlassen und kann auf eine stolze Filmographie zurückblicken, die nicht nur die „Der Herr der Ringe“-Trilogie oder unzählige Auswüchse der Hammer-Studios in sich trägt, sondern gewiss auch einige unscheinbare Perlen, für die jetzt die Zeit gekommen ist, ihnen den rechtmäßigen Tribut zu zollen. Eine ehrfurchterregende Legende verabschiedet sich, sein reichbestücktes Vermächtnis aber bleibt besteht. Das Trostpflaster eines jeden Filmliebhabers in diesen betrübten Stunden.

Review: DRACULA - Christopher Lee wird zur Legende

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Fakten:

Dracula (Dracula/The Horror of Dracula)
GB, 1958. Regie: Terence Fisher. Buch: Jimmy Sangster. Mit: Peter Cushing, Christopher Lee, Michael Gough, Melissa Stribling, Carol Marsh, Olga Dickie, John Van Eyssen, Valerie Gaunt, Janina Faye, Barbara Archer, Charles Lloyd Pack u.a. Länge: 79 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Jonathan Harker reist nach Transsylvanien, um Graf Dracula zu vernichten. Sein Plan misslingt. Harkers Lehrmeister Van Helsing kommt zu spät, um seinen Schützling noch retten zu können. Dracula hat sich bereits nach England begeben, wo er in der hübschen Mina seine Braut gefunden hat. Van Helsing setzt alles daran, seinen Erzrivalen endgültig zu vernichten.


 

                                                                          

Meinung:

Die zwar nicht unendliche, aber unendlich oft erzählte Geschichte von Graf Dracula, hier bei seinem ersten Auftritt durch die Hammer-Studios, und viel besser wäre es wohl kaum machbar gewesen. Allein personell versammelte sich hier die absolute Elite der Schmiede. Peter Cushing als Van Helsing, Christopher Lee in seiner Paraderolle als Fürst der Finsterniss, Terence Fisher auf dem Regiestuhl und Jimmy Sangster als Drehbuchautor, Hammer hatte auf keiner Position jemals bessere Leute und alles greift einzigartig ineinander. 


Van Helsings hat ein ziemlich breites Kreuz
Grob beruht es zwar auf dem Roman von Bram Stoker, allerdings nur extrem grob. Eine waschechte Romanverfilmung hätte auch gar nicht realisiert werden können, denn Hammer war immer ein B-Movie-Studio, bei dem Geld und Zeit knapp waren. Zeitlich ist es auch hier knapp, äußerst kompakte 79 Minuten lassen kaum Spielraum für Ausführlichkeiten und literarische Korrektheit. Im Prinzip stimmen hier nur die Rollennamen und gewisse narrative Fixpunke, selbst die Ausgangsposition ist eine ganz andere. Jonathan Harker reißt nicht unbedarft in die Karpaten, um ein Immobiliengeschäft abzuschliessen, er weiß was ihn erwartet und hat ein ganz anderes Vorhaben. Autor Sangster liefert eine eigene Interpretation der klassischen Story, musste es wohl auch, um das Projekt überhaupt realisieren zu können und die Länge zwingend zu straffen, was letztendlich aber überhaupt kein Problem darstellt.

Mahlzeit...
Der Film ist Hammer-Feeling pur, was ja eigentlich immer davon lebte, etwas simpel, dafür enorm charmant, stimmungsvoll und mit Herzblut gemacht zu sein. Hier werden die Stärken dieser einzigartigen Filme gebündelt und mit voller Durchschlagskraft entfesselt. Das liegt sicherlich vor allem an Terence Fisher, der es wie kein Zweiter verstand, diese Energie zum Leben zu erwecken. Inszenatorisch stimmt einfach alles. Auf das Wesentliche fokusiert, unglaublich faszinierend, grandios eingefangen in Bild und Ton. In der Tat ein Paradebeispiel für das, was die Hammer-Studios so groß gemacht hat. Aus einfachsten Mitteln wird das Maximum herrausgekitzelt, die Atmosphäre ist famos. Die enorme Präsenz der beiden Stars Cushing und Lee trägt den ganzen Film und wird sie für immer unsterblich werden lassen. "Dracula" ist jederzeit anzusehen, wie wenig Möglichkeiten eigentlich vorhanden waren, das macht es um so bemerkenswerter, wie es auch heute noch wirkt. Jede Minute zieht den Zuschauer in eine ganz andere Welt, erzeugt einen Flair, der sich nicht mehr nachstellen lässt und sorgt für wundervolles Gruselambiente der alten Schule. Vernebelte Kulissen, liebevoll ausgestattet und effizient gefilmt, mit pompös-beeindruckender Musik unterlegt, dazu die stahlblauen Augen von Cushing und der blutverschmierte Mund von Lee, ein Traum. Vielleicht der beste Hammer-Film, definitiv einer der Besten. Für Freunde des Studios eine Pflichtveranstalltung und für Dracula-Fans sowieso. 

8 von 10 Holzpflöcken

Review: DIE HERREN DRACULA - Wenn der Vater mit dem Sohne...Särge kauft

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Fakten:
Die Herren Dracula (Dracula père et fils)
FR, 1976. Regie: Édouard Molinaro. Buch: Alain Godard, Édouard Molinaro, Jean-Marie Poiré, Claude Klotz (Vorlage). Mit: Christoper Lee, Bernard Menez, Marie-Hélène Breillat, Catherine Breillat, Mustapha Dali, Bernard Alane, Claude Génia, Jean-Claude Dauphin, Anna Gaël, Gérard Jugnot u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Richtig nach Papa kommt Draculas Sohn Ferdinand nicht gerade. In über 200 Jahren hat er noch keinen Menschen getötet, um seinen Blutdurst zu stillen. Sein Vater ist schwer enttäuscht. Die rumänische Revolution zwingt die Beiden zur Flucht aus ihrer Heimat, auf der sie getrennt werden. Junior strandet in Paris, wo er sich getarnt als illegaler Einwanderer mit ehrlicher Arbeit über Wasser hält, nach Möglichkeit mit welcher, die ihm ohne schlechtes Gewissen den Zugang zu Blut ermöglichen. Senior landet in London, merkt schnell, dass es in der modernen Welt nicht so einfach ist, sich nach Belieben durch die Gegend zu beißen und wird zufällig Star einer Vampirfilmproduktion. Als Dreharbeiten ihn nach Paris verschlagen, ist die Familie endlich wieder vereint. Doch dann begegnet Dracula Nicole, dem exakten Ebenbild seiner verstorbenen Gemahlin. Sie soll für die Ewigkeit an seiner Seite sein, was Menschenfreund Ferdinand verhindern will.







Meinung:
Einige Schauspieler durften in ihrer Karriere schon in die Rolle von Graf Dracula (oder einer Variation davon) schlüpfen, doch niemand so oft wie Christopher Lee. Erstmals für die Hammer-Studios im Jahr 1958, allein für sie verkörpert er satte acht Mal den Fürst der Finsternis, was ihn zur Legende machte. 1976 waren diese Zeiten vorbei, die Hammer-Studios schon selbst so gut wie tot, dennoch legte er noch einmal Fangzähne und Umhang an. Für die französische Persiflage „Die Herren Dracula“ parodiert er selbst seine berühmteste Rolle. Im ersten Moment klingt das ehrlich gesagt wenig schmeichelhaft, eher wie ein peinliches Gnadenblut für den gestandenen Mimen. Glücklicherweise ist dem nicht so, immerhin sitzt mit Regisseur Édouard Molinaro ein Komödienfachmann am Ruder (u.a. „Oscar“ oder „Ein Käfig voller Narren“).


Auch wenn es nicht so aussieht, er ist kein Mustervampir
Zu Beginn scheint kaum ein Unterschied zu den ursprünglichen Hammer-Filmen bestehen, die ersten zehn Minuten könnten genauso gut aus jedem von diesen stammen. Erst wenn Draculas Sohnemann (der Familienname wird übrigens nur im Titel, nie im Film erwähnt, bleiben wir trotzdem einfach mal dabei) das Licht bzw. eher die Dunkelheit der Welt erblickt – ganz stilecht in einer Sarg-Wiege, sehr putzig – beginnt der lustige Teil. Mit fünf Jahren hält der Kleine seinen inzwischen verwitweten Vater ordentlich auf Trab. Spielt mit menschlichen Schädeln („Ferdinand, man kegelt nicht mit der Urne seiner Mutter!“), will sein Blutfläschchen nicht austrinken und sperrt lausbübisch die untote Nanny bei Sonnenaufgang vor die Tür, der kleine Racker. Typische Kleinkinder Probleme eben. Allerdings entwickelt sich Ferdinand nicht zu Papas ganzen Stolz: Mit 200 Jahren ist er immer noch ein Flaschenkind, das Töten von Menschen ist ihm zuwider. Der politische Umbruch in ihrer Heimat zwingt sie auch noch zur Aufgabe ihres bis dato in der Zeit nahezu stehengebliebenen Jagdgebietes, sie müssen auf die andere Seite des Eisernen Vorhanges, in den goldenen Westen fliehen. Nicht ganz einfach, auch für Vampire, und so trennen sich unfreiwillig ihre Wege. Während Ferdinand sich in Paris als illegaler Tagelöhner inkognito durchs Leben schlagen muss, irrt der einst so stolze und gefürchtete Vater durch die Nacht von London und muss feststellen, dass die moderne Welt so einige Tücken parat hält für Blutsauger, die nur das transsilvanische Hinterland gewohnt sind.


Auch auf seine alten Tage ist Papa ein Gourmét geblieben.
Allein diese Idee beinhaltet schon eine feine Ironie. Ferdinand versucht sich als Mensch zu integrieren, will Arbeiten und ein verhältnismäßig „normales“ (Menschen)Leben führen, muss jedoch irgendwie versuchen, seinen Blutdurst zu stillen. Papa hingegen will einfach weiterhin sich durch die Bevölkerung saugen, scheitert dabei an der Blutarmut von Gummipuppen oder der ihm bisher unbekannten Transparenz von Glastüren (egal wie blöd das klingt, wenn das so exakt getimt ist, ist auch so was echt lustig) und muss letztlich – wenn auch zufällig - einen menschlichen Beruf annehmen (als Darsteller in einem Vampirfilm, „Shadow of the Vampire“ lässt grüßen) um nicht zu verhungern. Ganz frei von Albernheiten ist und kann wohl ein Film wie „Die Herren Dracula“ kaum sein, dafür noch in einem angenehmen, eher gedrosselten Rahmen. Die meisten Gags funktionieren tatsächlich recht gut, manche Momente sind schlicht zum Schießen. Allein eine klassische Mann-Frau-Problematik im Schlafzimmer…pardon, im Sarg…und wie elegant der Herr sich der nervigen Situation entledigt, köstlich („Armes Schnuckilein“). Auch der Einkaufbummel von Vater und Sohn beim Bestatter kann sich sehen lassen („Darf mein Sohn ihn probieren?...Zieh‘ deine Schuhe aus!“).  


Es ist hier nicht alles pures Comedy-Gold, das braucht man nicht beschönigen, dennoch werden genug nette Situationen geboten, die für ein angenehmes Sehvergnügen sorgen. Zum Schluss baut der Film dann nur sichtlich ab, der Vater/Sohn-Konflikt um das Ebenbild von Gattin/Mutter ist kein besonderes Highlight, das schleicht sich so zum Abspann hin. Trotzdem, insgesamt macht der Film deutlich mehr Spaß, als man wahrscheinlich vorher erwartet hätte. Das ist kein „Tanz der Vampire“, aber auch kein dümmliches Kasperletheater und Christopher Lee hatte offensichtlich auch Spaß am Dreh, das merkt man. Nicht selbstverständlich, solch ein Rollenangebot hätten viele an seiner Stelle wahrscheinlich empört abgelehnt. 

6 von 10 widerspenstigen Katzen

Review: STADT DER TOTEN - Viel Nebel und leider auch Staub

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Fakten:
Stadt der Toten (The City of the Dead/Horror Hotel)
GB, 1960. Regie: John Moxey. Buch: George Baxt, Milton Subotsky. Mit: Denis Lotis, Christopher Lee, Patricia Jessel, Tom Naylor, Betta St. John, Venetia Stevenson, Valentine Dyall, Ann Beach u.a. Länge: 75 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Vor rund 260 Jahren wurde in dem kleinen Kaff Whitewood die Hexe Elizabeth Selwyn verbrannt. Seitdem soll die Gemeinde mit einem Fluch belegt sein. Die Studentin Nan Barlow hört die Geschichte von ihrem Professor Alan Driscoll und reist daraufhin nach Whitewood, um ihr auf den Grund zu gehen. Sie verschwindet spurlos. Ihr Freund und ihr Bruder machen sich auf die Suche nach ihr.


                                                                        


Meinung:
Mit sichtlich geringen Mitteln gedrehter, britischer Gruselstreifen, mal nicht aus den Hammer-Studios. Mit der Zeit sehr in Vergessenheit geraten, wenn auch heute noch von vielen Leuten sehr gelobt. Tatsächlich ist sogar beides irgendwie verständlich. Auf der einen Seite hat „Stadt der Toten“ ganz klare Qualitäten, die ihn für Fans solcher Filme auch heute noch durchaus interessant machen, auf der anderen Seite ist das schon mächtig in die Jahre gekommen (auch verglichen mit gleichaltrigen Filmen) und war sicher auch damals nicht das Maß der Dinge.


Die Vertrauenswürdigkeit in Person.
Punkten kann dieses altmodische Schauerstück ganz klar durch seinen Flair. Dabei kommen ihm seine begrenzten Möglichkeiten sogar positiv zugute. Die wenigen Kulissen – alles natürlich unverkennbar rein im Studio gedreht – können in Kombination mit der ausgiebig genutzten Nebelmaschine eine fast schon beengte, schön kompakte Grundstimmung erzeugen. Das wirkt in der Tat, trotz des leicht billigen Looks, irgendwie bedrohlich und sehr dicht. Die dazugehörige Geschichte hat den Reiz alter Horrorfilme, absolut Potenzial und der Cast ist passend gewählt. Star des Films (obwohl nicht Hauptdarsteller) ist selbstredend die Ikone Christopher Lee. Sein stechender Blick, seine donnernde Stimme und seine phänomenale Aura sind so einmalig, der Mann veredelt jeden Film, der sich mit seinem Charakterkopf schmücken darf. Doch auch die restliche Besetzung, speziell die optisch befremdlichen Dorfbewohner, kann sich durchaus sehen lassen. Was die Atmosphäre und Grundlage anbelangt, ist der Film für Genre-Freunde eine recht gute Wahl.


Auf dem Land wird noch frisch geschlachtet.
Das Problem dabei: Die Story wird viel zu schlicht und arm an Höhepunkten erzählt. Vergleichbare Werke – auch aus dieser Zeit – können da mehr packen. Schöne Stimmung hin oder her, insgesamt plätschert das Ganze irgendwie so dahin. Längen sind zwar absolut ausgeschlossen, dafür ist es mit seinen epischen 75 Minuten einfach zu kurz. Könnte man als positiv sehen, doch so bleibt natürlich auch nur Zeit für das Nötigste. Wenn der Film länger wäre, hätte eventuell die Story mehr Möglichkeiten zur Entfalltung gehabt. Oder es würde langweilig werden, schwer zu sagen. Allgemein wirkt das Werk zu hastig und eingeschränkt runtergekurbelt, wobei sich im Rahmen seiner Möglichkeiten schon Mühe gegeben wurde. Tja, schwierig zu beurteilen, da die Vorzüge das Gesamtprodukt schon sympathisch und interessant machen, nur fehlt dann das gewisse Etwas und die Abnutzungserscheinungen sind zu deutlich.


Wer so was mag, darf sicher einen Blick riskieren und liegt grundsätzlich auch nicht ganz falsch. Fans des klassischen, britischen B-Grusel und vom großen Christopher Lee sollten dem mal eine Chance geben. Seine Vorteile können bei manchen Leuten bestimmt den Ausschlag für eine bessere Bewertung geben. Mir persönlich war das etwas zu wenig. Aber nett ist der schon, hat seinen Charme und könnte irgendwann seine zweite Chance bekommen.


5,5 von 10 verfluchten Dörfern.