Fakten: Die Benny Hill Show
UK. 1969 – 1989. Regie und
Buch: Benny Hill. Mit: Benny Hill, Jackie Wright, Henry McGee, Bob Todd,
Sue Upton, Patricia Hayes, Nicholas Parsons u.a. Länge: 38 Episoden á ca. 25
Minuten. FSK: freigegeben ab
12 Jahren. Auf DVD erhältlich.
Story: Ärger mit der Gattin, Tumult im Supermarkt oder seltsame Restaurantbesuche.
Kultkomiker Benny Hill bietet so einige wunderliche Sketche in seiner Show. Kein
Wunder, ist seine Show doch ein wildes Potpourri aus Alltagswahnsinn und
kuriosem Chaos.
Meinung: Die großen,
personifizierten Säulen der britischen Komik sind zweifellos Monty Python, Rowan
Atkinson und… Benny Hill. Der moppelige Hill war gefühlte Ewigkeiten, genauer
gesagt 20 Jahre, der Star seiner eigenen BBC-Show, die mehreren von spaßwilligen
Generationen ein breites Grinsen, wenn nicht sogar ein lautes Lachen, aufs Gesicht
zauberte. Alleine bei der Erkennungsmelodie der Show werden für viele Zuschauer
schöne Erinnerungen wach und selbst wer Benny Hill nicht kennt, muss doch
gestehen, dass er die Musik das ein oder andere Mal vernommen hat. Nun können
sich Fans freuen, denn endlich erscheinen mit „Der Benny Hill Show“ 38
Episoden der Kultsendung in einer DVD-Box und obendrein gibt es sogar noch nie in
Deutschland ausgestrahltes Material. Wer also Fan von Benny Hill ist, sollte
erst gar nicht weiterlesen und sofort losgehen, um sich die Box zu besorgen
Dort sah sich Hill am liebsten: Zwischen hübschen Frauen
Der Humor von Benny Hill lässt sich am ehsten mit dem jungen Dieter „Didi“
Hallervorden vergleichen. Was in Deutschland „Nonstop Nonsens“ war, war in good
old england eben „The Benny Hill Show“: Eine teils wirre Aneinanderreihung von
diversen Sketchen, die meist knackig kurz waren und ihre Komik u.a. durch
universelle Nonverbalität erreichten, die mit dafür verantwortlich war, dass
Hill nicht nur in seiner Heimat sondern weltweit zu einem Comedy-Superstar
wurde. Es gibt aber auch reinrassigen Slapstick oder Parodien. Was die Show
aber vor allem auszeichnet ist ihre teilweise fast schon ärgerliche
Sexualisierung. Hill inszeniert mit Wonne Frauen entweder als plumpe
Lustobjekte oder überzeichnete Monstrositäten. Vor allem in den späteren
Episoden fällt dies immer wieder negativ auf. Zugute halten muss man ihm dabei
allerdings, dass die Pointen dennoch meist auf seine Kosten gehen. Hill bleibt
stets in der Rolle des Dummen August und zeigt nur sehr selten mit böser Häme
auf andere. Heutzutage ist dies fast schon eine Seltenheit. Gutes Stichwort,
denn die Komik von Benny Hill hat deutlich Staub angesetzt. Moderne, britische
Komik ist weitaus schärfer, smarter und abwechslungsreicher als Hills
Nonsens-Parade. Aber gerade in Sachen Humor, sind die Geschmäcker ja
bekanntlich verschieden. Wer also diese Art der Lacherzeugung mag oder
favorisiert, kann bedenkenlos zugreifen. Alle anderen haben genügend andere
Alternativen.
Die DVD-Box von „Die Benny Hill Show“ bietet insgesamt ein durch und durch
rundes Kompaktpaket. Mit über 900 Minuten Laufzeit, der bereits erwähnten
Bonusepisode und einer knapp einstündigen Dokumentation über Hill gibt es
wirklich genügend Gründe einen Blick, bzw. Kauf zu riskieren. Wer mit dieser
Art der Komik aber eher wenig anfangen kann und mit britischem Humor vor allem
die Radikalität von Monty Python oder Little Britain verbindet, wird vielleicht
dann doch eher unzufrieden sein mit „The Benny Hill Show“.
Palo Alto
USA. 2013. Buch: Gia Coppola. Buch: Gia Coppola, James Franco (Vorlage) Mit: Emma Roberts, James Franco, Jack
Kilmer, Val Kilmer, Nat Wolff, Zoe Levin, Chris Messina, Keegan Allen, Margaret Qualley u.a. Länge: 99 Minuten. FSK:
freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 26. Juni auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story:
April (Emma Roberts) ist in ihren Sportlehrer (Franco)
verliebt und der scheint auch nicht abgeneigt zu sein. Teddy (Jack Kilmer)
versucht dagegen herauszufinden, wie man ein Erwachsener wird, was eigentlich
einen Wert hat und wie man erfolgreich Fahrerflucht begeht.
Meinung:
James Franco ist nicht nur ein Mann, der an unfassbar
vielen Filmen mitwirkt, sondern auch ein Herr, der nebenbei, als hätte ein Tag
bei ihm mehr als 24 Stunden, malt, zeichnet, als Dozent tätig ist und
Kurzgeschichten schreibt. Ein paar seiner Kurzgeschichten hat er in einem Buch
namens „Palo Alto: Stories“ veröffentlicht - benannt nach seinem Geburtsort an
der Pazifikküste in Kalifornien. Gia Coppola, die Enkelin von Francis Ford, die
Nichte von Sofia und Roman und die Cousine von Nicolas Cage und Jason
Schwartzman, hat sich dieses Buch genommen und ihr Filmdebüt auf die Beine
gestellt. Dass sie Talent hat, ist offensichtlich und so langsam macht es den
Anschein als würde man in der Familie enterbt werden, wenn man nicht ins
Filmgeschäft geht. Aber was soll’s, solange der Filmliebhaber dabei mit tollen
Streifen beglückt wird.
So einsam, aber immerhin mit Gespür für Stilistik: April
Die Regisseurin/ Drehbuchautorin ist aber nicht die einzige, die an dieser
Produktion teilnahm und verwandt mit Stars ist. Da wären noch Jack Kilmer, Sohn
von Val (in dessen Haus viele Szenen gedreht wurden) und natürlich auch Emma
Roberts, die Nichte von Julia Roberts. Und dann hält James Franco ja auch
manchmal noch sein Gesicht in die Linse. Von all den vielen bekannten Namen
muss man jedoch einzig und allein Miss Roberts hervorheben. Die ist nämlich ein
Glückstreffer und spielt ihren Charakter April liebenswert. Jedoch nicht auf
eine extrovertierte Art wie zum Beispiel Ellen Page in „Juno“, sondern in sich
gekehrt, still, beobachtend, behutsam und dennoch nicht minder komplex. Das ist
ganz groß, was die junge Dame hier hinbekommt und das rettet nicht nur einige
Szenen, es erhebt sie zum Highlight des Films. Eine solche Natürlichkeit ist
genau das, was diese Thematik braucht. Es unterstützt den Film und nimmt
Coppola einiges an Arbeit ab, was diese sonst hätte kompensieren müssen. Die
restlichen Darsteller sind leider weniger erwähnenswert: Jack Kilmer ist
relativ uninteressant, Nat Wolff ist der Buhmann und James Franco ist eben
James Franco. Keiner erreicht in dem, was sie da anstellen auch nur zu einem
Punkt die Klasse, die Emma Roberts den ganzen Film über durchzieht.
"Okay Jungs, nach dem Spiel drehen wir 'Interior. Leatherbar 2'"
Gia Coppolas Vorbild ist natürlich, das ist zu keiner Zeit zu verleugnen, ihre
eigene Tante Sofia, die mit „Lost in Translation“ und „Somewhere“ sehr intime
und gefühlvolle, stille Filme abgeliefert hat, mit „The Bling Ring“ und „The
Virgin Suicides“ sogar Filme, die sich ebenfalls mit Jugendlichen auseinandersetzen,
wenn auch auf eine andere Art und Weise. Und Gia Coppola zeigt durchaus, dass
sie es versteht, diese bestimmte Atmosphäre, die so manchen Indie-Film einfach
sehenswert macht, einzufangen. Es ist ruhig, es knistert aber gleichzeitig ist
es seltsam bedrohlich. Als würde man auf den Abgrund zusteuern, was auch viele
Jugendliche denken mögen, obwohl sich der Abgrund dann letztendlich als das
Erwachsenenleben herausstellt. Viele Vertreter des Indie-Kinos bemühen sich,
offensichtliche Vorbilder abzukupfern. Frei nach dem Motto: Was einmal
funktioniert, funktioniert auch zweimal. Dabei geht jedoch die lockere Freiheit
und der sympathische Humor oft flöten, weil es auf Teufel-komm-raus zu
krampfhaft erzwungen werden soll. Dies geschieht hier jedoch nicht, Gia Coppola
behält die Ruhe und nimmt den Zuschauer an die Hand, führt ihn durch die Häuser
von Jugendlichen, heraus in den Garten und runter vom Grundstück. Mit der Zeit
fällt allerdings immer stärker auf, wie sehr sich einige Szenen wiederholen;
der Film scheint sich festzufahren.
"Lonely. I'm so lonely. I have nobody..."
Und das ist mit Abstand das größte Problem bei Coppolas Debüt. Sie traut sich
nicht, den Rahmen zu sprengen. Links und rechts zu gucken, Dinge zu
hinterfragen. Stattdessen bedient sie sich stets der einfachsten Strecke, sucht
den kürzesten Weg zum Ziel. Das ist schade und lässt so manche Szene nicht nur
redundant, sondern auch fast schon gebetsmühlenartig heruntergekurbelt
erscheinen. Das bedeutet nicht, dass der Film auf der inszenatorischen Ebene
nicht funktionieren würde, das tut er nämlich. Aber es reißt eben nicht aus dem
Hocker und es drückt einen auch nicht in den Sitz. Es lässt größtenteils kalt.
Es sind schablonenhafte Abziehbilder, die hier aneinandergereiht werden.
Absoluter Durchschnitt. Auf dramaturgischer Ebene sieht es nicht wirklich viel
besser aus. Die Geschichte verliert sich im Mittelteil immer mehr, sodass sich
Wiederholungen häufen und sogar Handlungsstränge komplett redundant erscheinen.
Das ist sehr schade und total unnötig. Vor allem, weil es sich um relativ
altbekannte Geschichten handelt. Man entdeckt sich selbst, man zerstört sich
selbst, man wird zerstört, man hat Freunde, die einem aufhelfen,… Neu ist das
alles nicht. Und dann wird zu allem Überfluss auch noch über so manchen Punkten
derart herumgeritten, als ginge es darum, die 90 Minuten mit wenig Material zu
füllen.
Mit „Palo Alto“ erfindet Gia Coppola das Rad nicht neu. Zu gebetsmühlenartig
werden hier einige Montagen abgerattert, zu bekannt sind die einzelnen
Geschichten. Jedoch muss man ihr auch zu Gute halten, dass sie die Regeln des
Indie-Kinos durchaus kennt und die imaginäre Regie-Check-Liste auch brav
abarbeitet. Laute Musik, verwirrte Jugendliche, Drama, tragische Blicke aus dem
Autofenster. Nur überraschen, das tut sie uns zu keiner Zeit. Trotz allem ist
dieser Film jedoch nicht als schlecht zu bezeichnen. Dass Gia Coppola neu im
Regiefach ist, hilft ihr ganz deutlich dahingehend, dem Film ein Gefühl zu
verpassen, das in einigen Szenen liebevolle Frische, zu anderen Momenten sanfte
Melancholie ausdrückt. Andererseits wird bei ihren ersten Versuchen, ein Film
auf die Beine zu stellen auch überaus deutlich, wie schwierig es sein kann,
eine Geschichte bis zum Ende zu erzählen. Im Mittelteil verlaufen die
Handlungsstränge oft und bleiben für einige Zeit im Treibsand stecken, bevor
sie sich am Ende notgedrungen wieder befreien. Wackelig, uninspiriert und vor
allem altbacken sind da so einige Momente. Allerdings hat die Gia auch das
Glück, mit Emma Roberts eine Schauspielerin in ihren Reihen zu haben, die eine
unglaublich starke Natürlichkeit ausstrahlt und so jeder Szene, in der sie zu
sehen ist, die nötige Glaubwürdigkeit und dazu noch eine ordentliche Portion
Charme zufügt. Man wünscht sich nur, dass die Geschichte besser gewesen wäre.
Ein nettes Debüt.
USA. 2014. Regie: Henrik Ruben Genz. Buch: Kelly
Masterson, Marcus Sakey. Mit: James Franco, Kate Hudson, Tom Wilkinson, Omar
Sy, Anna Friel, Sam Spruell. Michael Jibson, Diana Hardcastle, Oliver Dimsdale
u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 29. Mai 2015 auf
DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story:
James Franco und Kate Hudson sind arme Schlucker, die
sich ohne zu fragen dem Geld annehmen, das ihr verstorbener Untermieter
hinterlassen hat. Problem: Das Geld gehört eigentlich anderen Männern, die man
auch als Gangster bezeichnen könnte.
Meinung:
James Franco ist ein fleißiger Bub’. Allein im Jahre
2015 hat er an 11 Produktionen teilgenommen. Für die gleiche Zahl von Filmen
braucht ein Daniel Day-Lewis ganze 23 Jahre. Der Vergleich ist total dämlich
und ungestüm und ist gerade deshalb angebracht, weil es das Wesen dieser
Produktion wunderbar zusammenfasst. Wenn man elf Filme in einem Jahr abdreht,
kann man nicht viel von jedem einzelnen Film erwarten, aber was sich hier
(leider nicht nur teilweise) erlaubt wird, ist schon ziemlich daneben. Dass
Kate Hudson zu sehen war ist dabei gar nicht einmal überraschend. Die hat
nämlich seit Jahren nichts Nennenswertes mehr hinbekommen und hält sich mit
solch jämmerlichen Jobs wohl irgendwie über Wasser. Verbessern tut sich ihre
Situation dadurch jedenfalls nicht. Und ausziehen musste sie sich auch noch.
Haben ein Problem und ein schmutziges Fenster: Franco und Hudson
Es gibt derart viele Versionen von dem folgenden geflügelten Wort, dass man
schnell den Überblick verlieren kann. Zählt der erste Eindruck nun, oder nicht?
Wenn er es täte, müsste man diesen Film schon nach drei Minuten wieder
ausmachen. Der erste Eindruck wird nämlich damit verspielt, dass der Film sich
mit seltsam unkoordinierten und -inspirierten Einstellungen, Statisten und
Anleihen aus anderen Filmen vorstellt. Es ist total unnötig, die legendäre und
epische Eröffnungsszene aus „Spiel mir das Lied zum Tod“ zu zitieren. Vor allem
weil es so bruchstückhaft und überrumpelt amateurhaft getan wird, dass man dazu
genötigt wird, an den Satz „Gewollt, aber nicht gekonnt.“ zu denken. Peinlich.
Es ist von Anfang an ganz offensichtlich, dass dem Regisseur Henrik Ruben Genz
ein überaus beschränktes Budget zur Verfügung stand, dennoch gibt es ja immer
mal wieder Filme und Filmemacher, die selbst aus minimalen Bedingungen
beeindruckende Ergebnisse rauskitzeln - Genz schafft das leider nicht. Das
alles wirkt nicht nur überaus billig (mal mehr, mal weniger), sondern auch noch
im schlimmsten Fall krampfhaft stilvoll, als würde man das fehlende Budget
krampfhaft mit besonders dollen Kameraeinstellungen kaschieren wollen. Klappt
aber nicht, stattdessen wirkt es fast schon, als hätte der Film gar kein Budget
gehabt, so sehr wird teilweise gespart. Und dennoch sind James Franco, Kate
Hudson, Tom Wilkinson und Omar Sy in diesem Film zu sehen. Bereichern tun sie
ihn jedoch nicht.
Kate schaut sich James Regiewerke an
Wenn der erste Eindruck jedoch nicht zählt und man guter Laune ist, dann
schaltet man nicht nach drei Minuten ab, sondern lässt den Film laufen. Kann ja
alles noch werden. Wird es aber nicht, im Gegenteil. Das Drehbuch ist derart
brachial mit dem Holzhammer auf die 12 gebollert, dass künstlerische Freiheit
oder gar ein Hauch von Natürlichkeit durch die Bank weg Fremdwörter sind. Der
Film macht es sich von Anfang bis zum bitteren Ende viel zu leicht, nimmt stets
den einfachsten Weg und verweigert jederzeit die Möglichkeit, ein paar Gänge
hochzuschalten und auf die Überholspur zu wechseln. Wer sich an die Fahrschule
erinnert, der weiß, wie sehr ein Auto eigentlich ruckeln kann. So ungefähr
fühlt sich auch dieser Film an. Es wird nämlich ein derart unglückliches
Gleichgewicht und Timing gefunden, dass man sich nicht sicher ist, ob der Film
nun auf die 90 Minuten Laufzeit ordentlich ausgewalzt wurde oder ob man
Material kürzen musste. Letztendlich passt nichts wirklich zusammen, Charaktere
tauchen einfach wieder auf, manchmal ist es der reinste Amateur-Zirkus.
Seltsam, wie ein solches Gefährt überhaupt Schauspieler mit Namen anziehen
konnte.
Gestatten: Cool-Man und Depri-Girl
James Franco ist da tatsächlich noch der einzige, der sich wenigstens ab und zu
ein wenig Mühe zu geben scheint. Man kann von Zeit zu Zeit gar Blicke auf ihn
erhaschen, wie sich seine Gesichtszüge bewegen! Neben Kate Hudson und den
ganzen anderen Bratzen, die immer wieder durch das Bild laufen, ist das schon
eine Errungenschaft, die es zu würdigen gilt. Omar Sy (genau, „das ist doch der
von „Ziemlich beste Freunde““) konzentriert sich hier eher darauf, dass er die
paar englischen Sätze ohne verdrehte Zunge über die Bühne bringt. Man könnte
jetzt noch sätzeweise über all die namen- und talentlosen Nebendarsteller
schwadronieren, die allesamt Antischauspielerei betreiben, was ein Lob sein
kann, wenn man von Billy Bob Thornton in „The Man Who Wasn’t There“ spricht.
Hier ist es jedoch größtenteils beschämend, was dem Zuschauer vorgesetzt wird.
Ein Film, der als „Actionkrimi“ beworben wird, dessen Actionszenen nicht nur
sehr sparsam gesät wurden, sondern auch noch derart spannungslos runtergerotzt wurden,
dass man einfach mal mit dem Finger auf jemanden zeigen muss. Henrik Ruben Genz
verschenkt so viele Suspense-Möglichkeiten, dass man schon nicht mehr von
Leichtfertigkeit sprechen kann.
„Good People“ handelt nicht von guten Menschen. Jegliches Adjektiv ist fehl am
Platze, da dem Zuschauer nicht die Möglichkeit gegeben wird, eine Beziehung zu
den Figuren aufzubauen, die irgendein Gefühl oder eine Wertung zulassen würde.
Die Menschen sind also weder gut noch schlecht, sie sind nichts. Dummheiten wechseln
sich mit amateurhaften Fehlern ab. Selbst wenn der erste Eindruck nicht zählte,
der zweite, dritte, und vierzehnste Eindruck wird ebenso leichtfertig
verspielt. Es ist ein Film, der nichts drauf hat, dem Genre nichts beibringt
oder hinzufügt, stattdessen eher peinlich für alle Beteiligten ist und den
guten Willen des Zuschauers (sofern er denn vorhanden ist) soweit ausreizt,
dass man beim Finale nur noch beschämt weggucken möchte. Sicherlich wird dieser
Film irgendwann mal im Nachtprogramm laufen, als Nachtbrücke und sicherlich
wird er da sein todmüdes Publikum finden, aber bis dahin kann er getrost
ignoriert werden. „Good People“ ist erst langweilig, dann lächerlich, dann
unfreiwillig komisch und schließlich ein schlechter Witz.
Leben und sterben in God’s Pocket (God’s Pocket).
USA. 2015. Regie und Buch: John Slattery. Mit: Philip Seymour Hoffman, Christina Hendricks, John Turtorru, Eddie
Marsan, Richard Jenkins, Jack O'Connell, Caleb Landry Jones, Bill Buell, Molly Price, Michael Drayer u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab
dem 28. Mai auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story:
Leon, der Stiefsohn von Mickey, treibt ein paar Späßchen zu weit und wird tot gefunden. Offiziell ist
ein Unfall daran Schuld, was Mickey in Ordnung findet, solange es keinen Stress
gibt. Der kommt dann jedoch von einem neugierigen Reporter, der seine Nase in
die Angelegenheit steckt.
Meinung:
Philip Seymour Hoffman war ein Mann, der nicht nur von
den Betreibern dieses Blogs einstimmig verehrt wird. Der mit seinen intensiven,
konstanten, natürlichen und oft stillen Leistungen überzeugte und die Seele,
die treibende Kraft vieler Filme war, an denen er sich beteiligte. Sein Ableben
ist bis heute schwer zu verarbeiten und schwer zu akzeptieren. Vier Filme sind
es, deren Veröffentlichung er nicht mehr miterleben kann. „A Most Wanted Man“,
der hierzulande schon erschien, das zweiteilige Finale der „Hunger Games“ und
eben „Leben und sterben in God’s Pocket“. Letzterer ist ein Film, der
seltsamerweise so vieles auf einen Punkt bringt, was Hoffmans Arbeit ausgemacht
hat.
Mikey will unentdeckt bleiben - trotz John Turtorru als Fahrer
Der Name des Verstorbenen erscheint noch vor dem Filmtitel auf dem Bildschirm.
Weiße Schrift auf schwarzem Grund, ganz nüchtern, etwas bescheiden - wie
Hoffman selbst. Dass der Filmtitel gleich danach erscheint und die
Nebendarsteller erst später macht Sinn, obwohl hier noch Leute wie John
Turtorru, Christina Hendricks, Richard Jenkins und Eddie Marsan zu sehen sind.
„God’s Pocket“ ist nämlich der Name der Kleinstadt, in der die nächsten 80
Minuten verbracht werden. Und diese Kleinstadt ist die Hauptperson in diesem
Film, größer als all die Figuren, die in ihr wohnen, größer gar als Seymour
Hoffmans Charakter. God’s Pocket ist klein, dreckig, hasserfüllt, altmodisch
und fast schon inzestuös intrigant. Jeder kennt jeden, aber jeder vertraut nur
sich selbst und niemand interessiert sich für den nächsten. Ambitionen werden
argwöhnisch beäugt, weil sie implizieren, dass ein Bewohner abseits der
meistbefahrenen Straße des Lebens sucht. Verachtung von allen anderen
Bewohnern ist die Folge, wenn man mehr erreichen will, als eine kleine Familie
in einem kleinen Haus in einer kleinen Stadt. Schlimmer als das ist nur, wenn
man zugezogen ist, wenn man fremd ist. Dann wird man zwar stillschweigend
akzeptiert, aber auch nur, bis man sich in irgendeiner Art verschuldet - dann
kommen die Vorurteile wieder an die Oberfläche. Das geht schneller, als man
„hinterhältig“ sagen kann.
Nach Hoffmans Tod wirkt dieses Bild irgendwie seltsam
Das Leben der kleinbürgerlichen Leute, so auch Hoffmans Charakter, ist von eben
diesem kleingeistigen „Bloß nicht auffallen“-Stil geprägt. Er hat eine Frau
(Christina Hendricks), die er auch regelmäßig vögelt. Ob er sie liebt ist nicht
von Bedeutung, weder für sie, noch für ihn, noch für irgendwen in ihrer Welt.
Ist ja auch egal, selbst wenn er ihr seine Liebe mitteilen will, weiß man
nicht, ob er die Wahrheit sagt. Die Wahrheit ist nämlich auch so ein Konzept,
das in dieser Stadt nicht allzu wichtig zu sein scheint. Ehrlichkeit ist nur
dann angebracht, wenn sie nichts verkompliziert. Wieso sollte man der Polizei
etwas mitteilen, wenn es danach nur irgendwie Ärger geben wird? Es ist eine
Philosophie, die auf die geringst-mögliche Reibungsfläche zwischen dem
Individuum und der Stadt/ der Umwelt ausgerichtet ist. Gods Pocket ist eine
faule Stadt - im doppelten Sinne. Sie ist träge und verrottet. Es gelingt dem
Drehbuch teilweise so zielsicher und scheinbar nebenbei diese Welt entstehen zu
lassen, die sehr gut greifbar ist, aber dennoch all ihre Eigenschaften stets im
Verborgenen mitzuteilen scheint. Nebensätze, Kleinigkeiten und Gesichtszüge
sind es, die am meisten mitteilen. Regisseur und Drehbuchautor John Slattery,
der vorher hauptsächlich an „Mad Men“ gearbeitet hat, und hier sein
Spielfilm-Debüt auf die Beine stellt, zeigt Talent und Können. Leider aber
nicht immer.
Spielt Richard Jenkins erneut den lieben Loser?
Denn während Schnitzer in den ersten vierzig Minuten noch fast überhaupt nicht
zu entdecken sind, werden sie in der zweiten Hälfte leider von der Ausnahme zur
ausnahmslosen Regel. All das, was anfangs so gut funktioniert hat, rutscht auf
einmal ab, und macht so Platz für Elemente, die so gar nicht in den Film passen
wollen. Die bissigen Dialogspitzen, die in der nüchternen Überlieferung von
Hoffman nicht nur seine absolute Klasse, sondern auch ein Talent vonseiten
Slattery zeigen, existieren auf einmal nicht mehr. Stattdessen verirren sich
absolute Geschmack- und Pietätlosigkeiten in den Film, die vorher ganz einfach
nicht auf der Bildfläche zu erahnen waren. Es ist beinahe, als hätte ein
anderer Filmemacher / Autor kurzerhand die Zügel übernommen, ohne auf den
vorangegangenen Stil zu achten. Das zerstört die Stimmung leider, anstatt sie
zu intensivieren. Zudem gibt es dann noch unverständlicherweise Momente, die
die zielgenaue Bissigkeit mit ihrer brachialen Vollaufdiezwölf-Art beinahe
vergessen machen. Es sind die Punkte, die normalerweise die Handlung nach vorne
treiben würden, die Geschichte in eine andere Richtung schwenken und das
Gaspedal durchdrücken, die derart vereinfacht, standardisiert und übertrieben
auf Film gebannt wurden, als wollte man sichergehen, dass auch der letzte Depp
alles mitbekommt. Auch da muss der Film wieder deutliche Abstriche von seiner
Atmosphäre hinnehmen.
Wir haben dieses Bild wegen dem tollen Licht genommen - ehrlich!
Das größte Problem des Filmes ist jedoch seine offensichtliche ziellose
Schwerfälligkeit. Offiziell lautet die Geschichte des Films, dass es Zweifel an
der Todesursache von Hoffmans Sohnes gibt, weshalb ein Reporter (dargestellt
von Richard Jenkins) dem ganzen auf den Grund gehen will. Das passiert aber
nicht. Von einer Entwicklung, egal, ob im Bezug auf die Geschichte oder die
Figuren, kann man beim besten Willen nicht reden. Es passiert einfach nichts,
was nennenswert wäre. Und wenn der Film nach vierzig Minuten auch noch seine
Pluspunkte komplett aufgibt, dann schaut man nur noch einem planlosen Etwas zu,
ohne zu wissen, warum, wieso und wofür überhaupt. Dynamik ist nicht nur in der
Stadt ein Fremdwort, sondern auch für den Film selbst. Und das ist nach einiger
Zeit so überdeutlich, wenn der Film sich auf Nichtigkeiten und Handlungsstränge
konzentriert, die niemanden interessieren. Letztendlich wirkt der Film derart
ungelenk, dass das Gesamtbild das reinste Chaos ist und man sich leider fragen
muss, ob man sich die tollen Sachen am Anfang des Films nicht leider
eingebildet hat. Denn neben den Nichtigkeiten, kommen dann mit der Zeit auch
ein paar peinliche Dummheiten dazu, die das Schauen des Films leider irgendwann
zu einer Geduldsprobe verkommen lassen.
„Leben und sterben in God’s Pocket“ ist ein zweischneidiges Schwert. Philip
Seymour hoffman ist, auch wenn man sich erst fragen mag, wieso er in diesem
Film mitspielt, die perfekte Besetzung für die Rolle. Wer Filme seinetwegen
guckt, wird auch hier wieder mit all seinem Können und seiner puren Art erfreut
werden. Und dennoch ist er, wie im Übrigen jede und jeder in diesem Film, die/
der einen Namen hat, komplett verschenkt. An dieser Stelle könnte man Christina
Hendricks nennen, die höchstwahrscheinlich lediglich mitgemacht hat, weil sie
ihrem Freund Slattery einen Gefallen getan hat. Kann sein, dass der „Mad Men“
gut inszeniert hat, seine inszenatorische Arbeit hier ist das reinste Chaos,
sein Drehbuch allerdings mit einigen Hoffnungsschimmern. Es gibt sie nämlich,
diese Momente, die fast schon an der Grenze zur Genialität kratzen. Dann gibt
es allerdings leider viel mehr von diesen Momenten, die die Grenze zum Humbug
weit überschreiten. Anfangs dunkel, dreckig, rau. Danach chaotisch,
verherrlichend, uninspiriert und planlos. Die verschenkten Möglichkeiten lassen
sich nicht an zwei Händen abzählen, was jedoch noch von der Tatsache
überschattet wird, dass der Film keine Geschichte zu erzählen hat. Da ist ganz
einfach nichts, was passiert und von Interesse wäre und so verkommt das
Regiedebüt und einer der letzten Auftritte des genialen Philip Seymour Hoffman
zu einem Wirrwarr aus nichts und wieder nichts.
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