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Review: DAS GEHEIME FENSTER - Abschreiben verboten

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Fakten:
Das geheime Fenster (Secret Window)
USA, 2004. Regie: David Koepp. Buch: David Koepp, Stephen King (Vorlage). Mit: Johnny Depp, John Turturro, Maria Bello, Timothy Hutton, Charles S. Dutton, Len Cariou u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Seit der Schriftsteller Mort Rainey vor sechs Monaten seine Frau Amy in flagranti beim Fremdgehen erwischt hat, ist sein Leben aus der Bahn geraten. Verbittert hat er sich in sein Ferienhaus zurückgezogen und versucht trotz einer ausgebildeten Schreibblockade wieder ein paar vernünftige Zeilen zu Papier zu bringen. Plötzlich steht ein Fremder namens John Shooter vor der Tür, der behauptet Rainey hätte ihm vor mehreren Jahren eine Geschichte gestohlen und als die seine veröffentlicht. Mort streitet empört alles ab, doch der unheimliche Shooter lässt nicht locker und wird bald zur waschechten Bedrohung…

                                                                    
Meinung:
Leinwandadaptionen des weltberühmten Horror-Autors Stephen King genießen allgemein hin einen nicht sonderlich guten Ruf. Immer wieder heißt es, es gäbe kaum eine gute King-Verfilmung. Was völliger Blödsinn ist. Tatsächlich gibt es mindestens ein Dutzend brauchbarer Umsetzungen seiner literarischen Werke, dass in über 40 Jahren und etwa genauso vielen Filmen auch einige Enttäuschungen dabei sind, lässt sich  kaum vermeiden. Das geheime Fenster - beruhend auf der nicht ganz so populären Kurzgeschichte Secret Garden, Secret Window (1990 gemeinsam mit Langoliers in dem gleichnamigen Buch veröffentlicht) – hat alle Möglichkeiten sich ebenfalls in die angeblich so kleine Reihe der sehenswerten Beiträge einzuordnen, kann die aufgrund des fähigen Personals hoch gesteckten Erwartungen leider nur bedingt erfüllen.
Kaum zu glauben: Besser wird es nicht

Regisseur und Drehbuchautor David Koepp beherrscht nachweislich sein Handwerk. Meistens. Als Autor erschuf er u.a. die Scripts zu den ersten beiden Jurassic Park-Filmen, dem ersten Mission: Impossible oder Brian De Palma’s grandioser Gangsterballade Carlito’s Way, seine Kino-Regiedebüt Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt war ein recht ordentlicher Msytery-Flick. Auch bei Das geheime Fenster hat er scheinbar viel vor, sichtlich bemüht erscheint Koepp die Kurzgeschichte in einen stilvollen, spannenden und überraschenden Suspense-Thriller zu verwandeln, scheitert dabei jedoch teilweise am eigenen Anspruch. Ein Problem liegt schon in der Natur der Sache: Die Vorlage bietet kaum Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm. Wurden andere King-Verfilmungen gerne zum Zweiteiler gemacht, um nicht zu viel der erzählerischen Schere opfern zu müssen, wäre diese Story besser im Kurzformat von maximal 60 Minuten aufgehoben gewesen, zum Beispiel als Episode einer TV-Show oder eines Anthology-Films. Zu offenkundig muss das vorhandene Material gestreckt werden, worunter die narrative Dynamik und der effektive Spannungsaufbau leidet. Das wäre eventuell noch zu verschmerzen gewesen, wenn Koepp dabei nicht auch noch so ungeschickt vorgehen würde.


Es herrscht Redebedarf
Dass ein Film schon früh oder immer mal wieder zwischendurch versteckte Hinweise auf seine Pointe streut ist nichts Ungewöhnliches und wenn gut gemacht sogar vorteilhaft. Das aufmerksame Publikum wird zum Mitdenken und Theorienspinnen animiert. Im Idealfall elegant hinters Licht geführt, wenn die Erwartungshaltungen bewusst gekitzelt und am Ende doch zerschlagen werden. Auch der Wert der Zweitsichtung erhöht sich, wenn vielleicht dann erst versteckte Details auffallen, die einem für den Autor/Regisseur noch mehr Respekt abverlangen. Wahrscheinlich zielt Koepp insgeheim darauf ab, fällt stattdessen viel zu früh und offensiv mit der Tür (oder dem Fenster) ins Haus. Die Spielerein sind so markant und einige Methoden bereits zu überstrapaziert, als dass sie einem größeren Teil der erfahrenen Zuschauer nicht auffallen dürften. Zumindest in der Masse. Kaum ein Wink mit dem Zaunpfahl ist zu übersehen, spätestens wenn drei bis vier innerhalb kürzester Zeit erfolgen. Der angestrebte Überraschungseffekt verpufft somit wie ein Furz im Wind, da helfen auch halbgare Vertuschungsversuche nichts mehr. Eigentlich ein Genickbruch für diese Art Film, trotzdem ist Das geheime Fenster nicht restlos als gescheitert zu betrachten.


Obwohl das Finale nicht mehr die gewünschte Simsalabim-Wirkung haben kann, der Schlussakkord kann dennoch einen gewissen, wenn auch gedrosselten Effet erzeugen. Das liegt zum einen an der erstaunlichen, kompromisslosen Boshaftigkeit, die sich ohne Scheu über übliche Hollywood-Standards hinwegsetzt und – ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch wie bei Der Nebel – das ursprüngliche Finale der King-Geschichte dahingehend deutlich übertrifft. Wie schon Mort Raimey in Bezug auf John Shooter’s Manuskript feststellen muss: Es ist das bessere Ende. Ein netter Meta-Gag, neben…also, dass sollte nun wirklich nicht vorher verraten werden. Der ganz große Pluspunkt des Films bleibt aber eindeutig die Besetzung. Neben John Turturro und Mario Bello ganz vorne weg Johnny Depp mit Bad-Hair-Day im Herbst seiner seriösen und bis dahin hochanständigen Filmkarriere, bevor er langsam aber sicher endgültig zur Jahrmarktattraktion und versoffenen Blockbuster-Hure mutierte. Nicht wenige Schauspieler wären an dieser Rolle – auch wegen der ungünstigen Vorarbeit – heftig gescheitert und hätten dem Film richtig reinreißen können, Depp holt beinah noch die Kohlen aus dem Feuer. Das geheime Fenster leidet sichtlich unter überambitioniertem Geplänkel, die ihm mehr schaden als nützen so wie der geringfügigen Eignung für eine Länge von 90 Minuten, aber er bleibt sicherlich anschaubar, auch wenn etwas (zu) enttäuschend. 

5,5 von 10 dampfenden Maiskolben

Review: POINT BLANK & PAYBACK - Zweimal Rache, bitte

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Fakten:
Point Blank
USA. 1967. Regie: John Boorman. Buch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O’Connor, Sharon Acker, James Sikking, Michael Strong u.a Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben a 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gangster Walker wird von seinem Komplizen Reese bei einem Coup hintergangen und endet angeschossen in der Gosse. Doch er überlebt und beginnt nach seiner Genesung damit, sich den Teil seiner Beute zurück zu holen – mit allen nötigen Mitteln.





Meinung:
Lee Marvin ist als Walker eine unerschütterlich-stoische Urgewalt. Seine Performance ist von einer derart einnehmenden Physis gezeichnet, dass sie die Mattscheibe im nächsten Moment explodieren lassen könnte. Von malerischen CinemaScope-Kompositionen nachhaltig akzentuiert, will sich dieser Walker sein Geld zurückholen, was ihm hinterrücks genommen wurde und stampft dafür mit (immer wieder von Metaphorik elektrisierten) hallenden Schritten durch ein Los Angeles der endlosen Gänge. Ebenso nihilistisch wie stilistisch setzt John Boormans Walkers Rachefeldzug in Szene, in dem er die Charakteristika des Film Noir und der Nouvelle Vague kreuzt und oberflächlich einen kaltherzigen Zynismus pflegt, dem erst durch die exzellente Farbdramaturgie eine nachhaltig emotionale Plattform geboten wird. „Point Blank“ torpediert – so wie es sich für New Hollywood gehörte – abgestandenen Normen und baut auf eine fragmentarische Narration, das mit elliptischen Sprüngen durch die Zeit hantiert und damit zuweilen in hypnotischer Suggestion den Zuschauer stimuliert. „Point Blank“ ist schon ein besonderer, ein prägender Film, der uns in eine Welt führt, in dem Vor- und Zunamen keinen Wert mehr besitzen und die Zukunft noch irgendwo in den Sternen steht. Dafür wird die Genre-Reduktion des Rache-Themas über den gesamte Bildschirm ausgenutzt, denn: Action muss nicht immer nur in der Zentrale funktionieren!


7,5 von 10 schattigen Verstecken


von souli




Fakten:
Payback
USA. 1999. Regie: Brian Helgeland. Buch: Terry Hayes, Brian Helgeland, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Mel Gibson, Maria Bello, Lucy Liu, Gregg Henry, David Paymer, Deborah Kara Unger, James Coburn, Kris Kristofferson, William Devane, Jack Conley, Bill Duke u.a. Länge: 101 Minuten (Kinoversion), 90 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren (Kinofassung), freigegebe ab 18 Jahren (Director’s Cut). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Porter wollte mit seiner Frau und seinem Kumpel Val den ganz großen Coup landen. Leider hat er nicht damit gerechnet, dass seine Frau und Val ihn hintergehen, auf ihn schießen und ihn sterbend liegen lassen. Doch Porter überlebt und sinnt auf Rache sowie seinen Teil der Beute.





Meinung:
Eine interessante, angenehm von John Boormans Klassiker „Point Blank“ losgelöste Neuinterpretation des Romans „Payback“ ist Brian Helgeland und Terry Haves mit dem ihrem gleichnamigen Rache-Thriller gelungen. Mel Gibson veranschaulicht mit seinem um 70.000 Dollar gebrachten Porter mal wieder, dass er einfach ein wunderbarer Schauspieler ist, dessen größte Stärke sein gottgegebenes Charisma ist. Porter ist keine archaische Dampfwalze wie es Lee Marvins Walker noch war, der einnehmenden Wirkung von Gibsons Spiel kann und will man sich so der so nicht entziehen. Während sich die dem Usus des Mainstreams anbiedernde Kinofassung mit aller Kraft dagegen stemmt, schön böse zu sein und mit ihren penetrant in tiefes Blau gefärbten Aufnahmen auf optischer Ebene genauso originell ist, wie violette Strähnchen im schwarzen Haar (urgs!), bricht der Director's Cut richtig straight vom Leder. „Payback“ spannt einen breite(ren) Erzählbogen, lässt in die etagenartigen Gepflogenheiten des „Syndikats“ blicken und die Menschlichkeit seines Protagonisten nicht nur im Subtext anklingen. Porter kämpft sich kompromisslos durch den Großstadtdschungel, in dem niemand von Moral redet, hier regiert nur die Korruption. Ein düsterer, lakonischer Neo-Noir, der dicke Macker schnell mal als feige Sadisten entlarvt.


6,5 von 10 Kugeln im Rücken


von souli

Review: COYOTE UGLY - Heiße Scheiße

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Fakten:
Coyote Ugly
USA, 2000. Regie: Daivd McNally. Buch: Gina Wendkos. Mit: Piper Perabo, Adam Garcia, John Goodman, Maria Bello, Izabella Miko, Tyra Banks, Bridget Moynahan, Melanie Lynskey, Del Pentecost, Michael Wenston, LeAnn Rimes u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Violet zieht von New Jersey nach New York in der Hoffnung, ihre selbstgeschriebene Songs an Plattenfirmen zu verkaufen. Das dies nicht so einfach ist, stellt sie schnell fest. Um über die Runden zu kommen, nimmt sie einen Job in der Bar „Coyote Ugly“ an. Da tanzen die Barkeeperinnen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tischen und das Mauerblümchen aus Jersey muss sich daran erst gewöhnen. Doch dann wird der Tresen ihre Bühne aus dem Rampenlichtkomplex.



Meinung:
Ein Mauerblümchen aus dem vergammelten Apple – auch New Jersey genannt – sucht ihr Glück im saftigen Apfel, fällt mächtig auf die Schnauze, verliebt sich, triift den schicken Prinz, bekippt sich mit Sprit, versöhnt sich mit dem dicken Pappi und am Ende tanzen sie alle auf dem Tresen. Happy End.


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"Whooo, was ne geile Bar, voll laut hier, oder?"
Sonst fliegt bei Jerry Bruckheimer irgendwas in die Luft, das ist sein Gender-Gegenstück. Nix geht kaputt, dafür werden Träume wahr. Sonst von kleinen Jungs, gefangen in Körpern von erwachsenen Männern, diesmal in Form einer BRAVO-Love-Story für Mädchen in Körpern von erwachsenen Frauen. Vorstadt-Beauty kommt in die weite Welt, findet ihren schmalzigen Märchen-Prinzen, die haben naürlich ihre Anlaufschwierigkeiten, aber egal. Denn die Dorfschönheit mit dem Rampen-Komplex lernt ihre Defizite dadurch zu verarbeiten, in dem sie sich Schnaps über die Titten kippt, auf dem Tresen einer furchtbar lauten, furchtbar vollen, generell furchtbaren Szene-Kneipe, die voll cool ist. Weil... Ja, weil da hotte Chicks dich mit Sprit vollspritzen, die ganze Zeit rumkreischen und das alles nur wie ein Extended-Musik-Video daherkommt, was schon nach zwei Minuten beendet sein sollte. Aber der Reihe nach...


"Ja, geil, laut, supi."
Da ist unsere Heldin, Violet, „wunderbar“ gespielt von Piper Perabo (warum die nicht die ganz große Karriere gemacht hat, unfair), die ganz süß ist, etwas sehr naiv (die weibliche Version von Nicolas Cage, mit besserer Frisur), leicht dämlich, die wunderbar Keyboard auf dem Dach spielen kann...wenn keiner guckt. Sonst nur im Dunkeln oder so...hach, tragisch. ABER: Die tolle Kneipe, wo der Putz von der Decke fällt, weil alle so dufte drauf sind, kein Bier auf der Theke stehen darf, weil da halt enorm eingeschüchterte Schnuckis ihre Passion finden, auch wenn der dicke Pappa (der keinen Wäschetrockner bedienen kann) oder der eifersüchtige, enorm schmalzige Boy-Friend vorbeischauen, das macht ein Mädchen zur Frau. Warum? Keine Ahnung. Ist auch egal, am Ende ist eh alles schön. Probleme hin oder her. Papa tanzt die Theke kaputt, LeAnn Rimes darf ihren Song vermarkten, John Goodman und Maria Bello sich schämen,  und jeder halbwegs interessierte Zuschauer gleich mit, aber die konnten das Skript vorher nicht lesen. Ganz billiges Love-Story-Kasperletheater ohne Höhepunkte, nur mit den üblichen Zutaten, mit ganz viel Gekreische, eine grässlichen Piper Perabo und einer glatten Story-Null.


Unbegreiflich, das so was sich über die Jahre behauptet hat. Schwachsinn auf dem Niveau einer Teeniezeitschrift, mit reichlich Product-Placement, scheint funktioniert zu haben. Jerry Bruckheimer, der Mann am Puls der Zeit, herzlichen Glückwunsch.


2 von 10 Theken-Schlampen.

Review: PRISONERS - Der Zuschauer wird selbst zum Gefangenen

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Fakten:
Prisoners
USA. 2013. Regie: Denis Villeneuve. Buch: Aaron Guzikowski. Mit: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Terrence Howard, Viola Davis, Maria Bello, Melissa Leo, Paul Dano, Dylan Minnette u.a. Länge: 153 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Ab 13. Februar 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In einer Kleinstadt werden die Tochter des Schreiners Keller Dover und deren beste Freundin entführt. Detective Loki soll die beiden Kinder wiederfinden. Doch Dover und Loki geraten schon bald aneinander, denn dem Familienvater gehen die Ermittlungen des jungen Polizisten nicht schnell genug geht. Als der Hauptverdächtige, der geistig zurückgebliebene Alex Jones, von der Polizei wieder freigelassen wird, nimmt Dover das Gesetz in die eigene Hand. Weiterhin überzeugt von der Schuld des jungen Mannes entführt er Alex und will das Versteck der Kinder aus ihm herausfoltern.




Meinung:
Besonders groß ist der Frankokanadier Denis Villeneuve noch nicht in Erscheinung getreten. Zwar hat er mit „Die Frau die singt – Incendies“, der für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, bereits auf sich aufmerksam gemacht, doch darüber hinaus dürfte er nur echten Filmexperten ein Begriff gewesen sein. Dies dürfte sich in Zukunft ändern, denn mit seinem US-Debüt „Prisoners“ ist dem Regisseur ein echter Lichtblick im Thrillergenre gelungen. Bei einem Budget von 46 Millionen Dollar hat er einen düsteren, extrem spannenden Film geschaffen, der mit Starbesetzung und angespannter Atmosphäre gleichermaßen punkten kann.


Keller Dover glaubt nicht, dass Alex unschuldig ist.
Der Titel des Films spricht für sich, denn eigentlich alle Figuren sind in irgendeiner Form gefangen. Manche ganz wörtlich, wie die beiden entführten Kinder oder Alex, der von Keller ebenfalls eingesperrt und brutal gefoltert wird. Aber auch Keller selbst ist gefangen in seinen Vorstellungen, dass er Recht hat und das Richtige tut. Seine Ehefrau ist in der Hand von Tabletten, die Eltern des anderen Kindes in der Frage zwischen Richtig und Falsch. Ja, selbst Detective Loki ist durch die Vorschriften und die Bürokratie zumindest eingeengt und kann dadurch seinem Job nicht so nachgehen, wie er es vielleicht gerne möchte. Und sie alle sind gefangen darin, dass sie zu keinem Zeitpunkt aufgeben wollen, die beiden Mädchen wieder zu finden. Vielleicht, und das ist der einzige kleine Schwachpunkt des Films, sind die Figuren etwas zu klischeehaft angelegt, aber fällt das kaum ins Gewicht, da der Film dies an anderer Stelle doppelt und dreifach wieder ausgleichen kann.


Gemeint ist die unheimlich packende Atmosphäre des Films. Es ist nahezu unmöglich, nicht wie gebannt im Sessel zu sitzen, um der spannenden Story zu folgen. Immer wieder kommen schockierende Momente, die einen den Atem stocken lassen, vor allem aber fiebert man mit den Protagonisten mit, ob und wenn ja wie sie die Vermissten Kinder wiederfinden werden. Und dann gibt es auch die Szenen, in denen man seine Fingernägel in die Armlehne krallen will – wenn man denn noch welche hätte, denn die dürften schon nach kurzer Zeit abgeknabbert sein. „Prisoners“ stellt abr auch die interessante Frage, wie weit man in einer solchen Situation, in der sich Keller befindet, gehen darf, um seine Kinder wieder zurück zu bekommen. Ist Selbstjustiz okay? Wenn ja, mit welchen Mitteln und mit welchen Folgen? Angenehmerweise liefert Villeneuve aber nicht auch gleich die Antworten dazu, sondern lässt den Zuschauer sich selbst ein Bild machen, selbst Stellung beziehen. Moral und Ethik gehen Hand in Hand mit faszinierend-grausamen Bildern und einer spannenden Entführungsgeschichte, die Villeneuve mit den Motiven eines Serienkillerfilms vermischt, dabei aber weniger auf die Arbeit des Verbrechers eingeht, sondern Polizei und Angehörige auf der Suche nach den Vermissten zeigt. Er gibt den Zuschauern viel Freiraum, selbst mitzurätseln und immer wieder neue Theorien aufzustellen. Dennoch dürfte die Auflösung in der Form wohl kaum zu erkennen sein und die meisten Zuschauer überraschen.



Die zwei sind sich bei der Vorgehensweise nicht einig.
Optisch erinnert der Film immer wieder an große Thriller der Vergangenheit. Vieles spielt sich in großer Dunkelheit ab, ist düster und schmutzig, wie es in David Finchers Filmen „Sieben“ oder „Zodiac“ oft der Fall ist. Aber dazu kommen auch immer wieder fast neonartige, gleißend blaue und gelbe Lichter, die dann eher an die 80er-Jahre-Optik eines Michael Manns erinnern. Eine Teilschuld am hervorragenden Aussehen des Films trägt Kameramann Roger Deakins, der besonders für seine Zusammenarbeit mit den Coen-Brüdern bekannt ist und für seine Leistung im neuesten James Bond Abenteuer „Skyfall“ bereits zum zehnten Mal für einen Oscar nominiert wurde, ihn aber noch nie gewinnen konnte. Seine Bilder fangen die rohen Augenblicke von Gewalt genauso ein wie die großen Gefühle oder die nervenzerfetzende Spannung. Manchmal sieht man dabei nur schemenhafte Figuren ohne klare Kontur, ein anderes Mal nur vereinzelte helle Flecken in sonst tiefer Schwärze.

Detective Loki bei den Eltern des verschwundenen Kindes.
Ein weiterer der vielen Höhepunkte des Films sind aber die darstellerischen Leistungen. Hugh Jackman beweist einmal mehr, dass er tatsächlich ein herausragender Schauspieler ist und stapft relativ ungestüm durch den Film. Ja, sein Gang ist fast noch beeindruckender als seine blutunterlaufenen Augen, die die Trauer, Müdigkeit, Verzweiflung und Wut stark symbolisieren. Jake Gyllenhaal, der mit vielleicht etwas merkwürdiger Frisur zu Beginn noch den Scheißegal-Cop gibt, wird im Lauf des Films immer stärker, reißt ihn mehr und mehr an sich und spielt, eigentlich kaum vorstellbar, den hervorragenden Jackman an die Wand. Es ist schwierig, aus der illustren Runde der Nebendarsteller einer Leistung besonders herauszuheben, eindrucksvoll und vor allem zur Atmosphäre des Films passend sind sie nämlich ohne Ausnahme. Denn sie alle, neben den beiden Hauptdarstellern sind dies Viola Davis, Terrence Howard, Maria Bello, Paul Dano und Melissa Leo, bekommen nämlich die Möglichkeit, ihre Stärken auszuspielen. Jeder erhält genügend Raum, um seine Rolle weiter auszuschmücken und zu beweisen, welch gute Schauspieler hier versammelt sind.


Mit „Prisoners“ ist Denis Villeneuve bei seinem US-Debüt ein unheimlich packender Thriller gelungen, der in Tradition von Finchers „Sieben“ oder auch einem Michael Mann steht. Schauspielerisch exzellent, besonders Jake Gyllenhaal als tätowierter und bis nach oben hin zugeknöpfter Cop ist hier hervorzuheben, kann der Thriller aber vor allem durch seine spannende Geschichte punkten, die den Zuschauer zu keiner Zeit zu Ruhe kommen und die 153 Minuten wie im Flug vergehen lässt. Themen wie Moral und Religion bringen immer wieder neue Aspekte hinein und machen den Film abwechslungsreich. „Prisoners“ schafft es, dem zum Großteil etwas angestaubten Thrillergenre wieder zu neuem Glanz zu verhelfen, wobei dieser Glanz erfreulicherweise düster und schmutzig ist.
„Prisoners“ macht auch die Zuschauer zu Gefangenen, denn er lässt sie zweieinhalb Stunden wie gefesselt auf die Leinwand starren und gibt ihnen keine Chance zu entkommen. Ganz klar eines der Highlights des Kinojahres 2013.


9,5 von 10 verschlossene Plastiktruhen



von Kobbi







Meinung:
"Prisoners" gilt bei vielen Leuten jetzt schon als der Film des Jahres und bezieht im Schnitt unglaublich gute Kritiken. Das der Film vom Ansatz und Vorhaben sicherlich keine Hollywood-Stangenware ist, vollste Zustimmung. Nur ob das alles so geglückt ist, nun ja, Ansichtssache. Als missglückt kann das Werk von Denis Villeneuve auch nur schwer bezeichnet werden, dafür wurde dann doch zu viel gut und auch richtig gemacht. Dieses bezieht sich in erster Linie jedoch auf rein handwerkliche Aspekte sowie das vorhandene Potenzial. Davon ist reichlich vorhanden, scheint sich zunächst zu entfalten, fällt dann leider im weiteren Verlauf in sich zusammen und lässt am Ende mit einem etwas merkwürdigen, fast schon verärgerten Empfinden zurück. Was hätte das werden können, was ist es schlussendlich? Diese Diskrepanz schlägt leicht bitter auf den Magen.



Nicht nur ein Fenster trennt Keller und Det. Loki
Schon bevor die heile Familienwelt grausam zerbricht lässt Villeneuve eher Tristes sprechen, die das drohende Unheil praktisch schon ankündigt. Obwohl zunächst ein normaler, recht unbeschwerter Vorortalltag gezeigt wird, bereiten seine leicht trostlosen, grauen Bilder den Zuschauer auf die Stimmung der folgenden 2 1/2 Stunden vor. Lange dauert der Vorlauf nicht, bald schon werden die Familien Dover und Birch in einen Alptraum gestürzt, der so tragisch und erschreckend real ist in unserer Zeit: Ihre kleinen Töchter verschwinden spurlos, ein Verbrechen wird vermutet, es gibt sogar einen Verdächtigen. Als dieser schnell gefasst wird gibt es jedoch keine Erlösung, im Gegenteil: Keine Beweise für seine Schuld, keine Hinweise auf Zustand und Verbleib der Kinder, der Justiz sind die Hände gebunden. Was nun folgt ist grausam nachvollziehbar und scheint auch zunächst Kernthema des Films zu werden. Ein machtloser Ermittler, verzweifelte Eltern und deren Streben nach der Wahrheit, Erlösung, Vergeltung. Ein Drama um Elend, Hilflosigkeit, Wut, Rache und Selbstjustiz. Menschlich, nachvollziehbar, am Ende der Moral und des sozialen Wertesystems. Wenn das jetzt alles wäre, womöglich ein sehr starker Film. Vor allem, wenn es letztendlich fokussierter, besser und tatsächlich tiefergehender fortgeführt werden würde. Denn irgendwann verlässt "Prisoners" diesen Weg. Nicht abrupt und wahrscheinlich nicht mal absichtlich. Doch es passiert, leicht schleichend, bis am Ende einige der ersten Punkte kaum noch eine größere Rolle spielen, die moralischen Fragen eine nicht vergessene, aber eher lapidare Randnotiz und der nun vorangetriebene Thriller-Plot über reichlich Klischees, fragwürdige Logik und eine überzogene Konstruktion auffällt. Da geht wahnsinnig viel verloren, was eigentlich schon gesichert schien.



Verliert Kellers Frau auch ihren Mann?
Die zunächst im Mittelpunkt stehende Frage nach "gerechtfertigter" Gewalt, dem "Wie-weit-darf-man-gehen" bzw. "Wann-werde-ich-selbst-zum-Monster", wird durchaus packend und vernichtend schonungslos dargestellt, was nicht zuletzt an den guten Darstellern liegt. Hugh Jackman agiert als von blinder Wut und verzweifelter Ratlosigkeit getriebenen Vater beeindruckend stark, selten war er besser zu sehen. Ebenso glaubwürdig und intensiv: Terrence Howard, Maria Bello und Viola Davis in den übrigen Elternrollen. An den Darstellern liegt es definitiv nicht. Das Skript entfernt sich nur bald zu sehr von diesen seelischen Abgründen, gegen Ende stehen sie eigentlich kaum noch zur Debatte. Dumm gelaufen, aber eigentlich ja halb so wild, jetzt haben wir ganz andere Probleme. Das ist jetzt etwas überspitzt, nur das hätte dem Streifen nicht passieren sollen, da er so hintenheraus nicht mehr die Wirkung erzeugt, auf die er eigentlich zusteuerte. Eine kleine Banalisierung der Ereignisse. Stattdessen entwickelt sich eine zwar halbwegs spannende Suche nach den Kids, dessen Auflösung - inklusive vollkommen unglaubwürdiger Täterentlarvung, bei der natürliche dessen übliche, selbstständige (und leicht lächerlich aufgezogene) Motiverläuterung nicht fehlen darf - eher an einen B-Film aus der Thrillerecke der Videothek erinnert. Klar, so was kann man sich dort auch gut und gerne ansehen, nur in diesem Film, mit diesem selbstauferlegten Ansprüchen, kommt das sehr merkwürdig und extrem unpassend rüber.



Insgesamt wirkt "Prisoners" dezent überfrachtet, zu viel gewollt und dafür zu schwächelnd auf den Punkt gebracht. Sieht top aus, ist hervorragend gespielt (Jake Gyllenhaal sei an der Stelle auch noch erwähnt, auch wenn er schon stärker war), ist durchaus anschaubar, nur lange nicht so gut, wie er wohl geplant und konzipiert war. Enttäuschend und trotzdem kein schlechter Film, Zeitverschwendung sieht anders aus. Der beste Film des Jahres aber sicher auch.


6 von 10 verlorenen Kindern


von JackoXL