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Review: SPOTLIGHT – Dem großen Skandal auf der Spur

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Fakten:
Spotlight
US, 2015. Regie: Tom McCarthy. Buch: Tom McCarthy, Josh Singer. Mit: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery, Stanley Tucci, Brian d´Arcy James u.a. Länge: 128 Minuten. FSK: Noch nicht bekannt. Ab dem 28. März 2016 im Kino.

Story:
Das Spotlight-Team, eine kleine Gruppe besonders hartnäckiger, investigativer Journalisten, der Zeitung "The Boston Globe" hat eine neue Aufgabe. Aufgrund der Anweisung ihres neuen Chefredakteurs wirft das Team einen genaueren Blick auf einen Fall, in dem ein katholischer Priester mehrere Kinder sexuell missbraucht hat. Die Journalisten ahnen schon früh, dass dieses Verbrechen weitaus größere Ausmaße annehmen wird, doch schon bald sind die folgenden Enthüllungen derartig schockierend, dass sich ein landesweiter Skandal anbahnt.





Meinung:
Im Jahr 2002 sorgte eine amerikanische Zeitung für massives Aufsehen. "The Boston Globe" veröffentlichte einen Artikel, in dem der Kardinal von Los Angeles beschuldigt wurde, unzählige Missbräuche vertuscht zu haben, die von Priestern der katholischen Kirche begangen wurden. Im gesamten Land herrschte Aufruhr, zahlreiche Opfer meldeten sich daraufhin zu Wort, damit ihre Geschichten Gehör finden und die Täter endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Dieser US-Kirchenskandal hatte weitreichende Folgen und Einzelfälle von Missbräuchen durch die katholische Kirche konnten schließlich über die ganze Welt verteilt zurückverfolgt werden.


Ob er sich gerade an alte "Batman"-Zeiten erinnert?
"Spotlight" von Regisseur Tom McCarthy beruht auf dieser wahren Begebenheit und ist gänzlich denjenigen gewidmet, die daran beteiligt waren, diesen Skandal an die Öffentlichkeit zu bringen und weitläufig zu verbreiten. Der Film ist ein Ensemble-Drama, wie man es sich kaum hochkarätiger besetzt vorstellen könnte. Stars wie Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber oder Stanley Tucci sorgen hier durch ihre unglaublich konzentrierten, vielschichtigen Performances dafür, dass dem investigativen Qualitätsjournalismus, welchem vor allem in unseren heutigen Zeiten ein immer zwiespältigerer Ruf anhaftet, ein Gesicht verliehen wird. Neben der eigentlichen Enthüllungsgeschichte, die immer schockierendere Ausmaße nach sich zieht, sind es vor allem die Menschen, um die es McCarthy in seinem Werk geht. Ob dies nun Journalisten, Opfer, Täter, Mitschuldige oder Staatsangehörige sind, die in den jeweiligen Szenen aufeinandertreffen, spielt gar keine große Rolle, denn das feinfühlige Drehbuch von Josh Singer und McCarthy ist gut darin, Klischees zu umschiffen und moralische Grenzen ambivalent zu streuen.

Entspannte Mitarbeiterkonferenzen sehen anders aus
Die überaus geradlinig verlaufende Handlung konzentriert sich dabei fast ausschließlich auf die investigative Arbeit des Spotlight-Teams und der Zuschauer wird daher viel mit Recherche, Interviews, Verknüpfung von Fakten und Schlussfolgerungen konfrontiert. Der Blick für die zwischenmenschlichen Aspekte gehen dem Regisseur dabei allerdings nie komplett verloren. Auch wenn einige Passagen vermutlich etwas trocken erscheinen, falls man nicht wirklich vollends an dieser Thematik interessiert ist, sind es die kleinen Errungenschaften sowie Etappensiege des Teams oder schockierende Schilderungen der Opfer, die haften bleiben. Im Grunde genommen ist "Spotlight" nur ein Film, in dem man Journalisten zwei Stunden lang bei ihrer Arbeit zusieht. Viel mehr hat der Streifen inhaltlich nicht zu bieten, doch genau in eben dieser konsequenten Erzählweise lässt sich ebenfalls ein positiver Faktor ausmachen. Der Film ist dadurch in erster Linie ein Denkmal für dieses Berufsfeld, das ohnehin seit Jahren merklich in der Krise steckt und es sind Werke wie dieses, das leidenschaftliche, sich aufopfernde Menschen zeigt, die für ihren Beruf alles (auf)geben, welche die Fackel für investigativen Qualitätsjournalismus neu entfachen und ihren dringenden Wert in unserer Gesellschaft ganz dick unterstreichen.

John McCarthy ist mit "Spotlight" ein Drama gelungen, das nicht durchgehend einfach konsumierbar ist und aufgrund der stringenten Erzählweise dramaturgisches Potential der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte nicht immer voll ausschöpft. Ein fantastisches Ensemble, welches den Figuren emotional fühlbaren Feinschliff verleiht, ein vielschichtig-ambivalenter Tonfall und die konsequente Würdigung der Menschen hinter der Arbeit führt am Ende trotzdem zu einem wirklich gelungenen Film, der zeigt, was diejenigen für unsere Gesellschaft bewirken können, die für ihre Berufung förmlich brennen.

7,5 von 10 vertuschte Straftaten


von Pat

Review: THE BORDERLANDS - Der Vatikan ermittelt

1 Kommentar:

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Fakten:
The Borderlands
GB, 2013. Regie & Buch: Elliot Goldner. Mit: Gordon Kennedy, Robin Hill, Aidan McArdle, Luke Neal, Patrick Godfrey, Sarah Annis, Lee Arnold, Marcus Cunningham u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 15.4.2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während einer Taufe ereignen sich in der Kirche eines kleinen, englischen Dorfs scheinbar übernatürliche Vorgänge. Der Vatikan schickt zwei Experten dort hin, um das angebliche Phänomen zu prüfen. Die erfahrenen Männer glauben nicht an ein Wunder oder ähnliches, sie verdächtigen eher den jungen Pfarrer der Gemeinde, alles inszeniert zu haben. Nur ihr Techniker Mark, eigentlich Atheist und ausschließlich dazu da, jeden Schritt der Untersuchung in Bild und Ton zu dokumentieren, ist sich da nicht ganz so sicher.








Meinung:
Found Footage ist nicht totzukriegen, das rechnet sich ja auch so schön. Kostet nicht viel und macht in der Regel seinen Schnitt. Diesmal gibt es „authentische“ Aufnahmen eines Trios, das im Namen der Kirche die Geschehnisse in einem kleinen Gotteshaus mitten in der tiefsten Provinz von England untersuchen soll.


Dresscode gilt wohl nur auf dem Lande.
Das Debüt von Regisseur & Autor Elliot Goldner erfindet das Genre selbstredend nicht neu und nutzt dessen Vorteil der Kosteneffizienz nur zu gerne, viel Geld war natürlich nicht vorhanden. Das sieht man, obwohl es nicht weiter stört, Found Footage ist eben ideal dafür. Dafür zieht sich Goldner sogar sehr anständig aus der Affäre (Sub-Genre-Kollegen mit mehr Mitteln kommen auch nicht besser rüber) und vor allem, er will nicht durch die ewig gleichen und einfallslosen Jump-Scares überzeugen. „The Borderlands“ greift praktisch nie auf diese zurück, zeigt so gut wie nichts und setzt eher auf Stimmung und eine schwelende Bedrohung. Die Ungewissheit, ob da wirklich etwas ist oder die Protagonisten von Anfang an mit ihrer Schwindel-Theorie richtig lagen und nun einfach anfangen zu zweifeln. Das ist grundsätzlich löblich, auch das sich sehr um die Charakterisierung der Figuren bemüht wird. Sogar die Darsteller überzeugen, speziell Gordon Kennedy als alter Haudegen Deacon, der mit einem Vorfall in seiner Vergangenheit hadert. So weit so gut, klingt alles wunderbar, ist es trotz der vernünftigen Ansätze leider nicht.


Denn ein riesiges Problem hat „The Borderlands“: Er ist eine Stunde lang fast schon sterbenslangweilig. Subtilen Spannungsaufbau könnte man das nennen, wenn sich denn Spannung aufbauen würde. Eine gefühlte Ewigkeit passiert herzlich wenig. Die Protagonisten sind sehr redselig, was ihnen zwar verhältnissmäßig (für das Genre) viel Tiefe gibt, doch so richtig interessant und wichtig ist davon nur ein Bruchteil. Selbst die größten Angsthasen mit Dauerlicht im Schlafzimmer werden wohl kaum Gefahr laufen, sich ernsthaft zu gruseln. Auch wenn bis jetzt nur das Ziel sein soll, den Zuschauer sehr bedacht auf das Finale zusteuern zu lassen, ist das einfach viel zu wenig. Man braucht schon viel guten Willen und Durchhaltevermögen, um die Hoffnung nicht entnervt aufzugeben.


Gibt leider kein Schlechtwettergeld.
Zumindest ist das Warten nicht ganz umsonst. Denn in der letzten halben Stunde wird es doch noch halbwegs packend, ohne das Tempo mörderisch anzuziehen. Nur jetzt wird es dezent schaurig, das Found Footage Prinzip recht anständig und sinnvoll genutzt, die letzten Minuten retten den Film tatsächlich und sind in der Tat sogar besser, als einige Kollegen über die gesamte Laufzeit. Gerade, da das Ende durchaus nicht alles erklären will und einen Rest Geheimnis übrig lässt. Würde der Film nicht so unerträglich lange auf der Stelle treten und diese Qualitäten vorher deutlicher zeigen, gar nicht mal so schlecht. Nur muss das Werk als Ganzes betrachtet werden, was eine Gesamtwertung echt schwierig macht.

„The Borderlands“ ist trotz minimaler Mittel sehr ambitioniert und macht einiges erstaunlich richtig, leider nehmen die positiven Aspekte einen zu geringen Anteil ein. Die Abstimmung ist nicht homogen und seine quälenden Längen brechen ihm bald das Genick. Letztendlich ist die Story auch nicht originell genug, um dadurch noch zu punkten und zu einem besseren Gesamtbild zu verhelfen. So bleiben diverse gute Ansätze und einige nette Momente, die den Film nicht im Alleingang tragen können. Wer beinhart auf Found Footage steht, darf es ruhig versuchen und kann da eventuell mehr mit anfangen, neue Fans gewinnt das Genre dadurch sicher nicht dazu.

4,5 von 10 flambierten Nutztieren.

Review: ICH BEICHTE - Montgomery Clift ist zum Schweigen verurteilt

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Fakten:
Ich beichte a.k.a. Zum Schweigen verurteilt ( I confess)
USA. 1953. Regie: Alfred Hitchcock. Buch: George Tabori, Paul Anthelme, William Archibald. Mit: Montgomery Clift, Anna Baxter, Karl Malden, Dolly Haas, O.E. Hasse, Brian Aheme u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Der Hausmeister einer Kirche, Otto Keller, bricht bei einem Anwalt ein und bringt diesen um. Daraufhin flieht er, verkleidet als Priester zurück in die Kirche und beichtet seine Tat dem jungen Pater Michael. Als die Polizei die Tat untersucht, erfährt diese von Zeugen, dass ein Pastor zur Tatzeit beim Anwalt war. Michael gerät unter Mordverdacht.





Meinung:
Was in seiner Formulieren noch an eines der ungeschriebenen, aber allseits bekannten Gesetze von Las Vegas erinnert, wird dem jungen Pater Michael Logan (Montgomery Clift) beinahe zum Verhängnis: Egal zu welchen Sünden sich ein Mensch im Beichtstuhl bekennt, sie verlassen diesen Ort höchstens durch das eigene, öffentliche Geständnis, nicht aber durch die Offenlegung des Geistlichen. Der Hausmeister der katholischen Kirche nämlich offenbart ihm, dass er in der Nacht zuvor einen Mord begangen hat – Im Gewand eines Pastors gekleidet. „Ich beichte“ porträtiert daraufhin den moralischen Gewissenskonflikt des Pater Logan, oszillierend zwischen theologischer Ideologie und gesetzlicher Gerechtigkeit. Alfred Hitchcock rollt das Feld von hinten auf, indem er den Mord und seinen Täter direkt zu Anfang entlüftet, anstatt auf die Auflösung dieser mittels akribischer Ermittlungsarbeit hinzuarbeiten und zur eigentlichen Klimax der Geschichte zu machen.


Auf der Flucht vor drohenden Schatten
Der thematische Schwerpunkt wird ganz anders verlagert, denn es geht eben nicht nur um das konventionelle Bedienen von altbekannten Elementen eines Thrillers, sondern um die inneren Entscheidungen des Pater Logan, die er im Verlauf der Geschichte für sich gedenkt zu treffen: Bleibt er sich im Angesicht des Beichtsiegels treu oder siegt die Angst davor, dass er für etwas verurteilt werden könnte, für das er schlicht nicht verantwortlich ist. „Ich beichte“ - und das macht ihn erst so wertvoll – ist ein ungemein menschlicher Film, der aufzeigt, wie aufreibend dieser Zwiespalt zwischen dem, was der Kopf und dem, was das Herz befiehlt, sein kann. Pater Logan weiß, dass der Hausmeister für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden muss, aber Pater Logan weiß auch, dass nicht er die Rolle des Richters einnehmen darf, sondern Treue in Bezug auf seinen aufrichtigen Schwur der Verschwiegenheit beweisen und leisten muss. Wie Montgomery Clift, der – wie beinahe üblich – Teil einiger künstlerischer Diskrepanzen am Set wurde, den eingeengten, aber standhaften Hochwürden verkörpert, ist eine introvertierte Bravourleistung.


Nicht alle Geheimnisse will man wissen
Pater Logan nämlich sieht sich zu keiner Sekunde dazu gezwungen, in theatralische Gesten zu verfallen, sein Habitus mag im ersten Moment ausdruckslos erscheinen, in den Augen dieses Mannes spielt sich allerdings eine ganze Palette an Emotionen ab: Verzweiflung und Hoffnung, Furcht und Unentwegtheit – Aber niemals Resignation. Wenn „Ich beichte“ seinen Schauplatz in den Gerichtssaal transportiert und sich nicht nur die Motivationen des Mordes langsam herauskristallisieren, sondern auch der gesamte Hintergrund und die weiteren Ziele des Täters, dann wird Pater Logan, obgleich seiner Unschuld, in eine Rolle gezwängt, die er trotz jeder Tugendhaftigkeit ausfüllen muss, denn die Meinungen sind vom fauchenden Mob in und um das Gerichtsgebäude bereits zementiert. „Ich beichte“ beweist dabei, gerade im Anblick der Menschenmasse, die Pater Logan am liebsten mit der Mistgabel durch das katholische Québec scheuchen würden, wie kritisch man kirchliche Grundstrukturen beäugen und hinterfragen sollte, nicht aber den Menschen, der sich diesen unterordnet.


In seiner verzweigten Konstruktion ist „Ich beichte“ natürlich – ebenfalls ein typisches Merkmal für einen Film von Alfred Hitchcock – nicht gerade versessen auf eine durch und durch realistische Tonalität. Selbst die unzähligen Kirchtürme, die das kanadische Québec aus dem Boden stampft, werden durch expressionistische Mittel und sakraler Düsternis begleitet und gezielt in eine klare Richtung stilisiert: Die überdeutliche Botschaft ist in ihrer Vermittlung alles andere als subtil, doch sie findet den Empfänger, wenn auch vorerst mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen. Wenn sich dann noch im letzten Abschnitt ein Verfolgungsjagd in „Ich beichte“ entfaltet, dann mag das auch reichlich deplatziert wirken, gibt Pater Logan in der letzten Einstellung aber die Chance, zu seinen geistlichen Wurzeln vollends zurückzukehren und sein Fleisch endlich wieder reinzuwaschen – Obwohl es doch nie beschmutzt wurde. Ein leider schrecklich unbeachteter Hitchcock „Ich beichte“, dabei wird man hier doch mit einer psychologischer Dynamik belohnt, die nichts mit der Waschküche zu tun hat, in der sich Hitchcock gerne mal aufgehalten hat.


7,5 von 10 Absolutionen


von souli

Review: DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER - Wahre Kunst erfordert Opfer

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http://i.imgur.com/Bw8pmSJ.jpg


Fakten:
Das Haus der lachenden Fenster (La casa dalle finestre che ridono)
IT, 1976. Regie: Pupi Avati. Buch: Antonio Avati, Pupi Avati. Mit: Lino Capolicchio, Francesca Marciano, Gianni Cavina, Giluio Pizzirani, Bob Tonelli, Vanna Busoni, Pietro Brambilla, Ferdinando Orlandi, Andrea Matteuzzi u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD erhältlich.


Story:
Restaurator Stefano kommt in das abgelegene Dörfchen Solmi, um in der dortigen Kirche ein Fresko wiederherzustellen. Das Bild des vor 20 Jahren verstorbenen Künstlers Buono Legnani zeigt die grausame Hinrichtung des heiligen Sebastian. So künstlerisch perfekt, wie abstossend. Stefano ist jedoch nicht zufällig für den Job ausgewählt worden, sein alter Freund Antonio hat ihn empfohlen. Nicht ohne Grund: Antonio scheint einem Geheimnis auf die Spur gekommen zu sein. Noch bevor er Stefano einweihen kann, stirbt er bei einem Sturz vom Balkon. Stefano ahnt, dass es mit Legnani, auch als "Der Maler des Todes" bezeichnet, und seinen Werken zu tun hat.




Meinung:

"Die Farben, meine Farben entspringen meinen Venen. Meine Farben, so süß wie der Herbst und warm wie das Blut, glatt wie die Syphilis. Sie dringen in die Augen der Menschen..."


Der nächste Kindergottesdienst kann kommen
Ein kleinwüchsiger, gut gebräunter Mann in einem weissen Anzug empfängt bei schönstem Sonnenschein einen jungen Mann an dessen Ankunftsort. Könnte auch der Anfang jeder Episode von "Fantasy Island" sein. Nur kommt der Mann mit dem Schiff statt dem Flugzeug, Blumenkränze gibt es auch nicht und auf die Erfüllung seiner Träume darf er erst recht nicht hoffen. Viel mehr wird dies der Beginn eines Alptraums werden, den er jetzt nicht mahl erahnen kann. Der junge Mann ist Stefano (Lino Cappolicchio, erstaunliche Ähnlichkeit mit James McAvoy) und sein Alptraum hat einen Namen: Buono Legnani, "Der Maler des Todes". Eine seiner Arbeiten soll er restaurieren und steigt dabei Schritt für Schritt in den Keller der Vergangenheit des kleinen Örtchens hinab, bis es keinen Rückweg mehr gibt. 


Pupi Avati beginnt seinen subtil-bedrohlichen Horrorfilm mit einer schauderhaften Sequenz. Während der Vorspann über den Bildschirm flimmert, wird ein Mann brutal gefoltert. Messerstiche prasseln auf seinen Körper ein, seine Schmerzensschrei werden unterlegt von einem bedrohlichen Score und einem befremdlichen Monolog. Nach diesem Einstieg erstmal augenscheinliche Idylle. Mit der oben beschriebenen Ankunft beginnt die eigentliche Handlung von "Das Haus der lachenden Fenster". Der Handlungsort ist das beschauliche, ruhige Örtchen Solmi, ein Erholungsort mit Thermen, wenigen Einheimischen und viel ländlichem Charme. Unter dieser verschlaffenen Oberfläche liegen jedoch etliche Leichen begraben, die Stefano während seiner Arbeit entdeckt. An einigen Stellen erinnert Pupi Avati an das kurz vorher erschienene Meisterwerk "Wenn die Gondeln Trauer tragen" von Nicholas Roeg. Wieder führen Restaurierungsarbeiten in einer Kirche den Protagonisten zu einer Konfrontation mit der Vergangenheit. Diesmal jedoch nicht mit der eigenen. 


Der Vergleich soll nicht überstrapaziert werden, dennoch ist er kaum von der Hand zu weisen. Der Spannungsaufbau funktioniert ähnlich subtil, die Bedrohung ist lange nicht greifbar und ob sie überhaupt existiert stellt sich erst gegen Ende heraus. Ohne Avatis Eröffnungsszene könnten daran sogar gezweifelt werden. Das ist der einzige Wissensvorsprung den der Zuschauer hat, auch wenn er keinerlei Hilfestellung bei der schrittweisen Auflösung des Rätsels birgt. Dadurch bezieht "Das Haus der lachenden Fenster" seinen wunderbar soghaften Spannungsbogen, der keinerzeit auf Tempo, Blut oder einfache Schockmomente bauen muss. Die morbide, faszinierende Geschichte rund um "Den Maler des Todes" und seine grauenhaften Bilder, die scheinbar tief verwurzelt mit der Geschichte des Dorfs ist und von den wenig vertrauenswürdigen Einwohnern gut unter Verschluss gehalten wird.
"...weit, weit gehen meine Farben..."


"Willst du meine Briefmarken sehen?" - "Äh...klar..."
Avati bemüht sich gekonnt darum, den Zuschauer Seite an Seite mit seinem Protagonisten auf einen unausweichlichen, sich aber lediglich durch eine leise, stetige Bedrohung ankündigenden, Höhepunkt zusteuern zu lassen. Das funktioniert, trotz leichter Längen, ausserordentlich gut. Nicht zu letzt durch Avatis starke Bildsprache und dessen Gespühr für den Moment. Speziell zu Beginn scheint sich sogar eine kleine Referenz an Dario Argento eingeschlichen zu haben, wenn die Farbe Rot an Dominanz alles überstrahlt. Das mag vielleicht auch nur Zufall sein, undenkbar jedoch nicht, hatte doch Argentos "Profondo Rosso" kurz vorher für Aufsehen gesorgt. "Das Haus der lachenden Fenster" schlägt inhaltlich zwar in eine ganz andere Kerbe, denoch lassen sich auch andere, kleinere Parallelen erkennen. Handwerklich braucht sich Pupi Avati definitiv hinter niemanden zu verstecken, der Mann hat ganz klar das nötige Fingerspitzengefühl. 


Im Finale schlägt er dann endgültig die Brücke zu seinem verstörenden Opener und lässt beim Abspann vergleichbare Befremdung wirken. Ob die Schlusspointe jetzt unter glaubhaften Gesichtspunkten besteht oder nicht, die gewollte Wirkung erzeugt sie und setzt den Schlusspunkt hinter einen faszinierenden, nebulösen Horrorthriller, der so schnell sicher nicht vergessen wird. Schönes Ding.

"...aber es ist notwendig, für sie zu sterben."

7 von 10 Blut-Bildern

Specials: Für die Kirche nur das Beste – Unsere Papstvorschläge

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Benedetto will nicht mehr. Am Donnerstag, den 28. Februar 2013, ist Papst Benedikts letzter Arbeitstag. Ob er seinen Abschied groß im Petersdom feiert, ob für diesen Anlass der gute Messwein aus dem Keller geholt wird und ob seine Frau ihn einen Kuchen backt, dies alles wissen wir nicht. Aber wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wer denn die Nachfolge antreten sollte. Jacko (verkappter Buddhist), Stu (feiger Agnostiker) und Souli (irgendwas fern von Gut und Böse) haben mal nachgedacht welche Filmfigur, bzw. Filmschaffende der ideale neue Papst wäre. Ach und nein, wir haben keine Frau in der Liste. Irgendwie sind wir dann doch Hardliner.



Pope Shaft. He's the man, Brother. Can ya dig it?!
John Shaft
 
- Who is the man that brings funk to the vatican?
- SHAFT!
- Ya damn right!


Wird es den ersten farbigen Papst geben? Wenn, dann ist John Shaft die richtige Wahl (natürlich der Richard-Roundtree-Shaft). Da werden endlich die Probleme bei den Eiern gepackt. Kondome für die Dritte Welt, denn Nächstenliebe wird ab sofort wieder großgeschrieben. Rassistische Schmähgesänge in italienischen Fußballstadien gehören der Vergangenheit an, denn wenn sie nicht aus Respekt die Schnauze halten, regelt der heilige Brother das selbst. Right on! Die Schweizer Garde kann auch die Koffer packen und die albernen Kostüme gleich mitnehmen, Pope Shaft bringt seine Chicks mit, die brauchen nicht so viel Stoff. Das Papamobil bekommt geile Felgen und eine neue Afro-Kuppel, auf dem Weltkirchentag schallt demnächst Isaac Hayes durch die Boxen statt "Kumbaya my lord" und die Frauenquote in wichtigen "Stellungen" der katholischen Kirche wird ihren Höhepunkt erreichen. Auch wenn er nicht mehr der Jüngste ist, Pope Shaft wird den Staub aus den Amtsstuben und Bettlaken des Vatikans blasen (lassen). In dem Sinne: Daumen drücken, denn we can dig it!





Gizmo

Warum darf ein Papst nicht mal süß und knuddelig sein?
Das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der gottesfürchtige Anführer einer manipulierenden Weltreligion. Die Menschen blicken auf zu ihm, die Menschen richten sich nach seinen Gebeten und die Menschen fallen in Ohnmacht – wie zu besten Backstreet Boys-Zeiten - wenn der Papst in seinem Papamobil durch die Massen cruist. Nun räumt der Ösi Benedetto seine Rumpelkammer im Petersdom und ein Nachfolger muss her. Aber wer? Wer ist diesem Job gewachsen? Lange überlegen braucht man da nicht, die Antwort liegt schließlich auf der Hand: Gizmo. Der kleine süße Racker, bekannt aus den Filmen „Gremlins“ und „Gremlins 2“. In den letzten Jahren wurde es zwar äußerst still um die kleine Flauschkugel, das jedoch mit gutem Grund. Gizmo hat sich intensiv für seinen Posten als Papst vorbereitet, es hapert zwar noch etwas mit der deutlichen Artikulation und wenn der kleine Fratz es schafft drei Laute an einem Stück herauszustoßen, können wir uns schon glücklich schätzen, doch mit Gizmo würde ein regulierter Ablauf in das Hause Gottes kommen: Die Menschen essen nach Mitternacht nichts mehr, das heißt, das Gewicht der Menschen weltweit wird rapide fallen, schließlich ist bewiesen, dass die meisten Menschen nachts ihren Kühlschrank überfallen und das setzt natürlich sofort an. Zum Zweiten brauchen die Menschen kein helles Licht mehr, genau wie sie nicht mehr mit Wasser in Berührung kommen dürfen, das vermindert schon mal die Wasser- und Stromkosten alljährlich. Ein globaler Fortschritt! Nun ja, zwar stinken die Leute dann auch mehr und leben wie die Grottenolme in der Dunkelheit, aber dafür haben wir einen unverständlich nuschelnden Papst, der die Rechnungen senkt und das Gewicht reduziert. Und niedlich ist er ja auch, vor allem in seinem weißen Gewand.





Reformen? Am besten beim Lunch. Der Chef kocht selbst.
Hannibal Lecter

Wer es konservativer mag, dürfte mit Hannibal Lecter auf dem Heiligen Stuhl eine gute Wahl treffen. Der Mann steht für Werte, die denen der katholischen Kirche nicht unähnlich sind. Die fleischlichen Gelüste des guten Doktors beziehen sich in erster Linie auf eine gute Mahlzeit, damit ist jedweder Trieb befriedigt. Die einzigen Berührungspunkte mit dem weiblichen Geschlecht beschränken sich auf geistreiche Gespräche über Gott und die Welt, in denen er auch gerne die Bedeutung des Opferlammes hervorhebt. Er ist charismatisch, des Latein und der italienischen Sprache fließend mächtig und Homosexuellen treibt er ihre Unzucht im Fleischumdrehen mittels Poppers, Glasscherben und wohlerzogenen Hunden aus. Halleluja! Blut und Leib werden nicht mehr durch Rebensaft und pappige Backwaren ersetzt, Etikettenschwindel gibt es bei Papst Hannibal dem Ersten nicht. Er ist es gewohnt, dass ihn die Menschen um Rat und seelischen Beistand ersuchen und hat überhaupt kein Problem mit engen Räumen hinter Panzerglas, im Papamobil dürfte er sich wie zu Hause fühlen. Ein Hardliner mit klarer Struktur und gutem Geschmack. Da können sich die Ungläubigen warm anziehen. Es ist angerichtet...





"Live long and prosper", das neue Amen
J.J. Abrams

Okay, verlassen wir mal die Welt die Filmfiguren und schauen auf einen Filmemacher, der wie kein zweiter den Posten des Heiligen Vaters ausfüllen könnte: J.J. Abrams. Der Amerikaner ist prädestiniert dafür die katholische Kirche gen Zukunft zu leiten, denn, sie hat Probleme! Kritiker fordern endlich Reformen sowie die Öffnung der Kirche hin zur Moderne. Dies gab es unter Benedetto ja nur vereinzelt (außer man sieht die Rehabilitierung von Holocaust-Leugner Bischoff Williamson als solche an). Aber Veränderungen, neue Ziele und offeneres Weltbild sind für Abrams nichts Neues. Der gute Mann ist immerhin der Mann in Hollywood, der nicht nur „Star Trek“, sondern demnächst auch „Star Wars“ einen neue anstrich verleiht. Er arbeitet also mit zwei der größten Nerd-Religionen überhaupt, da werden die paar Katholiken ihn auch nichts mehr ausmachen. Er wird sie leiten durch das Tal der Finsternis, hin zu sonnendurchflutenden Weiden und da er auch noch eines der Masterminds hinter „Lost“ war, wird es ihm wohl auch einfach fallen einfachste Botschaften wie „Liebe deinen Nächsten“ so zu verpacken, dass hunderte von Theologen daran herum forschen werden. Und hey, wenn J.J. Abrams Papst wird, werden gewiss einige Trekkies und Möchtegern-Jedis wieder die Messen besuchen. Also nicht nur die ComicCon, sondern auch diese Messen, die in diesen seltsamen, großen Gebäuden mit den Türmen stattfinden, die sonntagmorgens immer so einen Krach machen. Dass es unter Abrams nicht mehr Amen, sondern "May the Force be with you" heißen wird, sollte übrigens klar sein.





Jesus starb? Wartet mal auf die erweitere Fassung.
Ridley Scott

Und noch ein Filmemacher. Diesmal der gute Ridley Scott. Warum gerade er? Nun, wohl bei keinem anderen Regisseur ist es doch so, dass ein angeblich finaler Film doch noch mit neuen Szenen, neuem Schnitt oder neuen Effekten noch einmal „auspoliert“ wird. Egal ob „Alien“, „Blade Runner“, „Gladiator“ oder „Königreich der Himmel“, wenn man sich ein Werk von Scott im Kino ansieht, sollte man wissen, dass dieser Film in ein paar Monaten bis Jahren eh wieder in irgendeiner neuen, erweiterten Fassung veröffentlicht wird. So etwas braucht die Katholische Kirche einfach. Was?!? Beim Abendmahl waren keine Frauen anwesend, deswegen sollte sie auch kein Priesteramt ausfüllen? Also im Extended Cut des letzten Abendmahls, unter Scotts Regie gab es durchaus Frauen. So könnte Papst Scott es gelingen das zu modernisieren, war lange Zeit brach lag, bei der katholischen Kirche: Gerechtigkeit. Allerdings sollten wir uns nicht zu früh freuen, wahrscheinlich wird er ein ganz normaler Papst werden und die Veränderungen zum Guten erst dann anbringen, wenn es zu spät ist. Genau wie bei seinen Film. Dafür wird aber ordentlich Starpower im Vatikan einkehren. Sicherlich dürften wir uns über einen neuen Kardinal freuen: Russell Crowe. Hauptsache er singt nicht.