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Review: ANT-MAN - Kleiner Mann ganz groß

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Fakten:
Ant-Man
USA. 2015. Regie: Peyton Reed.
Buch: Joe Cornish, Edgar Wright, Paul Rudd, Adam  McKay. Mit: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Michael Pena, Bobby Cannavale, Judy Greer, T.I. Harris, David Dastmalchian, Anthony Mackie, Wood Harris, Martin Donovan, Hayley Atwell, John Slattery, Greg Turkington u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 23. Juli im Kino.


Story:
Scott hat mit seinem Dasein als erfolgreicher Meisterdieb abgeschlossen, als er dem Biochemiker Hank Pym begegnet. Und der bringt sein Schicksal noch einmal ordentlich ins Wanken. Mit dem von Pym entwickelten Anzug gelingt Scott das Unfassbare: Er schrumpft auf die Größe einer Ameise und verdoppelt seine Kräfte – Ant-Man ist geboren. Dank seiner neuen Fähigkeiten wird Scott alias Ant-Man zu einem noch besseren Dieb. Aber diesmal ist die Beute von größerer Bedeutung: Die Welt steht auf dem Spiel.





Meinung:
Wenn der vielleicht beste lebende Regisseur nach jahrelanger Arbeit ein Projekt verlässt, weil es "kreative Differenzen" mit dem Studio gibt, dann kann das eigentlich nichts Gutes bedeuten. Und es ist wie Musik in den Ohren von Verächtern des millionenschweren Konzerns, von dem hier die Rede ist. Marvel Studios, die gierige Produktionsfirma, bei der Mut, Kreativität und Vielseitigkeit zugunsten von pro­fi­ta­bler Fließbandarbeit unterdrückt wird. Nicht jeder der vielen Vorwürfe ist unbegründet und über Disneys Verleihpolitik muss wahrscheinlich auch nichts mehr gesagt werden, aber alle Marvel-Produktion deswegen über einen Kamm zu scheren und ihnen jeglichen kreativen Mehrwert abzusprechen (wie zum Beispiel Alejandro González Iñárritu es mit "Birdman" getan hat), wäre ebenfalls unfair. Denn der problematischen Vorgeschichte und allen schwachen Trailern zum Trotz ist "Ant-Man" ein richtig guter Film geworden.


Ant-Man im Inneneinsatz
Dass Edgar Wright aus "Ant-Man" lieber einen Edgar-Wright- und nicht einen MCU-Film gemacht hätte, ist ihm keineswegs übel zu nehmen, es ist sogar sehr gut nachvollziehbar - Marvel dies nun vorzuwerfen macht aber genau so wenig Sinn, wie das fertige Ergebnis an einer alternativen Version des Films zu messen, die es nie gegeben hat und nie geben wird. Obwohl "Ant-Man" nun unweigerlich ins MCU integriert wird, ist der Einfluss von Wright noch deutlich zu spüren. Immer wieder gibt es Montage-Szenen, Kameraeinstellungen oder Plot-Points, unter denen seine visuelle und erzählerische Handschrift durchschimmert. Vielen wird dies schmerzlich bewusst machen, dass der Film unter seiner Regie womöglich noch um einiges besser hätte sein können, denn an die Inszenierung eines "Shaun of the Dead" oder "Scott Pilgrim" reicht "Ant-Man" leider nicht heran - er ist aber immer noch das, was einem Marvel-Blockbuster von Edgar Wright am nächsten kommt und alleine das macht ihn zu einem der interessantesten und erfrischendsten Filme des ganzen Franchise.


"Und deswegen, lieber Paul, hab ich bei 'Wallstreet 2' mitgemacht"
Als ich vor knapp zwei Monaten "Avengers: Age of Ultron" gesehen habe, beschlich mich die Befürchtung, dass ich der Superhelden-Filme plötzlich überdrüssig geworden bin. Ich war sogar der festen Annahme, dass wir im MCU nun einen Punkt erreicht haben, an dem kein Film mehr auf eigenen Beinen stehen kann, da stets Set-Up für zukünftige Abenteuer erfolgen muss. "Ant-Man" widerlegt nun Theorie und Befürchtung: Die ironische Tagline des Films lautet zwar "Heroes don't get any bigger", der Film gibt sich ganz in Manier der Superkraft seines Helden aber angenehm klein skaliert und weniger spektakulär. Er erzählt seine eigene Geschichte, ohne die anderen Filme komplett zu ignorieren, ohne aber auch jemals krampfhaft Bezug zu ihnen herzustellen. Wenn einer der Avengers seinen Gastauftritt absolviert, dann nicht um einen späteren Film anzuteasen, sondern nur, um einen schönen Fanservice-Gag zu liefern. Diese charmante Unbeschwertheit ist nach dem eher finsteren zweiten "Avengers"-Film eine echte Wohltat.


Von der Zwergengeliebten zur Ameisen-Gefährtin: Ein Karrieresprung
Vor allem aber eins sitzt bei "Ant-Man" so gut wie bei keinem anderen MCU-Film bisher: Der Humor. Das wahnsinnig lustige Drehbuch bietet Impro-Experte Paul Rudd und Michael Peña die perfekte Vorlage, um komödiantisch das Bestmöglichste aus ihren Rollen herauszuholen. Und das tun sie auch: Paul Rudd ist bis jetzt der "most likeable" Marvel-Held und füllt seine Rolle unglaublich sympathisch und humorvoll aus. Peña funktioniert nahezu perfekt als Comic-Relief und selbst Michael Douglas darf sein Talent voll und ganz zeigen - in Hank Pym und seine Hintergrundgeschichte ist mehr Herzblut geflossen, als viele im Vorneherein angenommen haben. Dass "Ant-Man" ab einem gewissen Punkt einen Lachanfall nach dem anderen auslöst, liegt aber nicht nur am großartigen Timing der Darsteller, sondern auch an den kreativen, zuweilen sehr humorvollen Actionszenen. Das gipfelt in einer visuell überwältigenden, beinahe psychedelisch anmutenden Finalsequenz, die anders als alles ist, was Marvel je zuvor gemacht hat.


Also Yellowjacket ist mal ein Scheißname
Man liest beinahe überall, dass "Ant-Man" der bis jetzt emotionalste und warmherzigste Marvel-Film ist, was in Anbetracht von "Guardians of the Galaxy", der sich äußerst liebevoll mit seinen Figuren auseinandersetzte, eine gewagte Aussage ist. Und wirklich zustimmen kann ich auch nicht: Zwar fließt hier die eine oder andere Träne und insbesondere die Beziehung zwischen Scott und seiner kleinen Tochter ist äußerst süß dargestellt, aus altbekannten Klischees ausbrechen möchte der Film aber nicht und so reicht es leider nicht für die ganz großen Emotionen. Womit wir bei den Schwächen des Films wären: Corey Stoll ist zwar nicht gänzlich schwach, weil er eine logische Entwicklung zum Bösewicht durchmacht (bzw. off-screen durchgemacht hat, in den Jahren vor den Ereignissen in "Ant-Man"), aber wirklich Akzente setzen kann er nicht und im direkten Vergleich zum anderen Marvel-Schurken dieses Jahres zieht er sowieso den Kürzeren.


Warum eine lange Kritik schreiben, wenn's auch einfachr geht?
Und auch der Plot des Films krankt zuweilen an seiner Formelhaftigkeit, ist schlicht zu vorhersehbar, um je das Gefühl von echter Bedrohung zu erzeugen. Was der Film mit der von Evangeline Lily gespielte Hope anstellt, ist auch nicht zu 100% in Ordnung: Immer wieder nennt sie gute, sinnvolle Gründe, warum nicht Scott, sondern sie den Anzug benutzen sollte. Der Film wischt das aber gekonnt mit daddy issues weg (beziehungsweise mit daughter issues, denn Hank Pym hat Angst davor, seine Tochter zu verlieren und erlaubt ihr deswegen nicht, sein Erbe anzutreten). Dieser Umstand wird im weiteren Verlauf sehr nachvollziehbar erklärt und Lily ist als Hope auch nie damsel in distress, aber trotzdem kommt man nicht von dem Gefühl los, dass Marvel weibliche Superhelden (in der Hauptrolle) weiterhin als großes Wagnis einstuft. Auch wenn sie immerhin nicht völlig inexistent sind, sondern mittlerweile nur noch "aufgeschoben" werden (wenn man der Post-Credit-Szene Glauben schenken darf). Ebenfalls schade: Im Gegensatz zu seinen Kollegen bekommt Ant-Man kein einprägsames Musik-Thema spendiert. Der Score von Christophe Beck fällt leider ziemlich belanglos aus.


Nach 80s-Buddy-Comedy, Science Fantasy, politischem Agenten-Thrill und Space-Opera bietet "Ant-Man" nun den Rahmen für ein Heist-Movie, was der Plot auch gleich mehrfach sehr clever ausnutzt. Ein Konzept, das sich wie ein roter Faden durch die zweite Phase des MCU zieht und erneut hervorragend aufgeht. Dabei vergisst der Film zum Glück nie, seine bunte, spaßige, comic-book-y Seite zu betonen - jegliches nervige "Is it too late to change the name?"-Augenzwinkern ist im fertigen Film zum Glück nicht mehr enthalten. "Ant-Man" leugnet den Quatsch nicht, er umarmt ihn geradezu - und das ist gut so. Denn auch wenn er nicht frei von Schwächen ist, an den wichtigen Stellen macht er dafür so gut wie alles richtig. Es kommt eben doch nicht auf die Größe an.


8 von 10 Verabschiedungsschlägen


Wir danken Nikolas Friedrich für seine Gastkritik. Mehr von ihm gibt’s bei Lethal Critics

Review: THE WORLD'S END - Freundschaft, Bier und ein grandioser Eddie Marsan

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Fakten:
The World’s End
GB, 2013. Regie: Edgar Wright. Buch: Simon Pegg, Edgar Wright. Mit: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Paddy Considine, Eddie Marsan. Rosamund Pike, David Bradley, Thomas Law, Pierce Brosnan, Rafe Spall, Alice Lowe, Reece Shearsmith, Mark Heap u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: ab 12 Jahren. Ab 15. Januar 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Fünf Freunde. Ein Abend. Zwölf Pubs mit je ein Pint Bier. So lautete der Marathon der Jungen nach ihrem Schulabschluss. Doch sie haben es nicht bis ins letzte Pub „The World’s End“ geschafft. Zwanzig Jahre später soll der Trinkmarathon gelingen. Doch das Erreichen von „The World’s End“ ist auf ihrer Tour nicht die geringste ihrer Sorgen…





Meinung:
„The World's End“ beginnt so unfassbar vielversprechend: Edgar Wright löst sich mit löblichen Mut vom parodistischen Duktus seiner gefeierten Vorgänger „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ und flickt dem Abschluss seiner Cornetto-Trilogie eine seriöse, (zwischen-) menschliche Note an. Im Zentrum steht eine fünfköpfige Gruppe bestehend aus ehemaligen Schulfreunde, die sich seit dem Abschluss entfremdet haben und den Schritt in ein standhaftes (=konventionelles) Leben verwirklichten. Sie gingen alle ihrer Wege, gründeten Familien und beugten sich den gesellschaftlichen Konsonanz, bis auf Gary King (Simon Pegg), der sich schon zu Schulzeiten für sein späteres Dasein zum Ziel setze, einfach nur Spaß zu haben – Nur ging die Rechnung nicht auf. Gary hat nichts erreicht und wird seinem Nachnamen nicht im Ansatz gerecht; aber auch wenn Gary ein Loser ist, so ist er auch sympathischer, kindischer Nostalgiker, der die Vergangenheit nicht loslassen kann und das alte Rudel noch einmal auf eine Sauftour einladen möchte, um die verrosteten Beziehungen eventuell wieder zu retten.


Gary und seine Jungs
Das Ziel ist klar: Die „Goldene Meile“ soll endlich bezwungen werden; dass bedeutet 12 Pubs, 12 Bier – bis hin zum Kneipentempel „The World's End“, der anvisierte Schlusspunkt des derben Saufgelages. Vor 20 Jahren scheiterte die Gruppe an diesem Vorhaben, auch wenn in diesem Misserfolg der schönste Moment der Freundschaft der Jugendlichen verankert werden durfte. Aber Menschen verändern sich mit den Jahren, ihre Ansichten konvertieren, ihre Erfahrungen lassen sie reifen und die Verhaltensweisen passen sich dementsprechend dem geistigen, intellektuellen Alter an. Auch hier fällt Gary besonders auf, denn es scheint, als würde er sich standhaft gegen diesen Prozess wehren, um sich den jugendlichen Esprit seiner „glorreichen“ Tage zu bewahren, um nie zum alten Eisen gezählt werden zu müssen. Nur ist es vollkommen natürlich, dass diese innere Uhr in jedem Menschen nach und nach lauter von Kapitel zu Kapitel springt – bis es irgendwann 12 schlägt. All diese Gefühle, die Ängste, der Kampf gegen die Veränderung und das Festhalten an Traditionen reflektieren sich – vorerst – in Gary wieder, was ihn eben genau zu der greifbaren, substanziellen Figur macht, die Wright in „Shaun“ und „Hot Fuzz“ vermieden hat.


Sie warten gespannt auf das nächste Bier
Wenn dann auch noch der brillante Eddie Marsan für weitere dramatische Referenzen sorgt – und das gerne auch nur durch sein hervorragendes Mienenspiel - dann fühlt sich „The World's End“ so logisch und balanciert an, wie es im Kontext der Trilogie zwar nicht gänzlich konform wirkt, aber für der Abschluss einer liebenswerten Reihe nur richtig sein kann: Man wird eben nicht jünger. Folgt jedoch der schwere Umbruch – und das ist kein Spoiler, der Trailer zeigt diesen in vollem Ausmaß – und schlägt die Geschichte um in sein waschechtes Sci-Fi-Szenario, dann verliert „The World's End“ schlagartig seinen erwachsenen Reiz, auch wenn das Motiv der Freundschaft, wie es die gesamte Cornetto-Trilogie durchzieht, immer weiter aufrecht erhalten wird und einige weitere wirklich ansprechende Szenen zur Fundierung dieser Emotionalität gewährleistet bekommt. Dieser Wechsel, oder besser gesagt, das Einfügen einer neuen Orientierung in das Geschehen erfolgt so ruckartig, dass diese schwerwiegende Einleitung von versierter Narration zu ruckeliger Inszenierung dem Zuschauer symptomatisch dient und vorwarnt.


Wirklich schade, auch wenn der Überlebenskampf immer wieder Tempo aufnehmen kann und seinen Charakteren eben doch die nötige Aufmerksamkeit entspricht, fehlt die Intimität, die „The World's End“ zu Beginn ausstrahlen durfte, weil die Schwerpunkte eben umfunktioniert wurden und nicht mehr ausnahmslos auf das Innenleben der Figuren, sondern auf der selbstreferenziellen Sci-Fi-Auseinandersetzung lastet. Zum Glück aber begehen Wright und Pegg hier nicht den Fehler, sich in Querverweisen und/oder persiflierenden Andeutungen wie Anspielungen zu suhlen; „The World's End“ bleibt weitestgehend eigenständig, allerdings kann ein Mindestmaß an künstlerischer Autarkie nicht davor bewahren, dass der Film die Ausarbeitung der Essenz vom Wert einer Freundschaft in seiner essentiellen Würze zu sehr in den Hintergrund rückt und durch effektuierte Schauwerte austauscht – jedenfalls stückweise. Aber „The World's End“ bleibt ein solider Film, weil die Figuren liebenswert sind und Wrights Humorverständnis unverkennbar.


5 von 10 geschmacksverirrten Autoren (Grüße von stu)


von souli

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Review: THE WORLD'S END - Das gelungene Ende einer wunderbaren Trilogie

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Fakten:
The World’s End
GB, 2013. Regie: Edgar Wright. Buch: Simon Pegg, Edgar Wright. Mit: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Paddy Considine, Eddie Marsan. Rosamund Pike, David Bradley, Thomas Law, Pierce Brosnan, Rafe Spall, Alice Lowe, Reece Shearsmith, Mark Heap u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: ab 12 Jahren.
Ab 15. Januar 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Fünf Freunde. Ein Abend. Zwölf Pubs mit je ein Pint Bier. So lautete der Marathon der Jungen nach ihrem Schulabschluss. Doch sie haben es nicht bis ins letzte Pub „The World’s End“ geschafft. Zwanzig Jahre später soll der Trinkmarathon gelingen. Doch das Erreichen von „The World’s End“ ist auf ihrer Tour nicht die geringste ihrer Sorgen…




Meinung:
Alles hat einmal ein Ende, auch die Welt und erst Recht die Blood & Icecream-Trilogy von Edgar Wright und Simon Pegg, die einst mit „Shaun of the Dead“ ihren Anfang hatte und mit „Hot Fuzz“ erfolgreich fortgeführt wurde. Diese beiden Komödien verstanden sich als Parodie auf Filmgenre und als „The World’s End“ endlich angekündigt wurde, war klar das nach Zombies und ballernden Cops nun die Invasion-Movies wie etwa „Die Körperfresser kommen“ an der Reihe waren. Doch der Abschluss der Trilogie ist nur noch geringfügig daran interessiert die Mechaniken des Genres zu persiflieren. Mehr noch als seine Vorgänger entwerfen Regisseur Wright und Darsteller Pegg mit ihrem Script, das sich nur noch marginal mit dem karikieren bekannter Filmregularien beschäftigt. Die eigentliche Geschichte steht nun mehr im Fokus und mit ihr die Figuren. Fünf Freunde, die sich nach über zehn Jahren wiedersehen und zwischen denen viel Unausgesprochenes steht. Das „The World’s End“ dabei wenig subtil zu Werke geht und möglichen Subtext ungenutzt verstreichen lässt, ist schade, stört aber nicht wirklich, denn obwohl der Abschluss der Trilogie sich reifer anfühlt, handelt es sich doch noch um eine waschechte Komödie. Eine richtig gute Komödie.


Ob Gary und die Jungs auf dem Klo sicher sind?
Waren „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ noch verkapselt in dieser ganz eigenen Welt ihrer jeweiligen Genre-Zugehörigkeit waren und somit einen nerdigen Flair besaßen, so ist „The World’s End“ fast schon so etwas wie eine Abnabelung, was vor allem dadurch deutlich wird, das Wright und Pegg ihre Figuren nicht nur zur übertriebenen Modellen machen (das Großmaul, der Loser, etc.), sondern ihnen auch eine tragische Note verleihen, die bei „Shaun of the Dead“ durchaus eine wichtiger Teil war, bei „Hot Fuzz“ aber fallen gelassen wurde. Bei „The World’s End“ ist diese Note allzeit präsent. Wenn Gary King (Simon Pegg) unbedingt den Pub Crawl abschließen will, dann schimmert hinter dieser Platzhirschattitüde doch immer auch etwas Verlorenes. Es geht eben nicht nur um 12 Bier in 12 Pubs, es geht eben auch um den Umgang mit der Vergangenheit. Es geht um verpasste Chancen, falsche Entscheidungen und den Traum es besser zu machen. Eingepackt ist dies in eine Handlung, die herrlich zwischen bescheuert und durchdacht umher pendelt. Das Schöne an „The World’s End“ ist, das eben noch mit britischem Witz hantiert wird, kurz danach mit amüsanter Dramaturgie die Charakterisierung fortschreitet und dann wiederrum, ein paar Minuten später eine Prügelei zu sehen ist, die so wunderbar über alle Grenzen absurd und impulsiv ist, dass sie fast schon dem Badehaus-Kampf aus David Cronenbergs „Eastern Promises „ Konkurrenz machen könnte. Ganz nebenbei zeigt sich, dass Regisseur Edgar Wright auch Actionszenen wunderbar inszenieren kann. Marvel‘s „Ant-Man“ ist in guten Händen.


Nicht nur mit Gary stimmt etwas nicht
Diejenigen, die gehofft haben, dass „The World’s End“ eine Komödie ist, deren Humorkanonaden unentwegt feuern, müssen sich klar sein, dass Wright nur wenige echte Brüller unterbringt. Schlecht? Keineswegs. „The World’s End“ ist ein Film des Schmunzelns. Die angespannte Chemie zwischen den fünf Freunden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ist perfekt aufeinander abgestimmt. Es gibt sie zwar, die ganz großen Lacher, aber seine wahre Stärke verbirgt der Film in seinen kleinen, ganz eigenen Momenten. Es sind die Frotzelein, die gegenseitigen, unausgesprochenen Anschuldigungen, ganz einfach die Dynamik zwischen den Figuren, die „The World’s End“ so wunderbar greifbar macht. Der krasse Gegensatz dazu ist der Sci-Fi-Part des Films. Macht die Komödie zu Beginn den Anschein, sie würde nicht so ganz wissen, was sie eigentlich will, so lässt Wright später einfach die Roboter los und bietet einiges an Irrwitz. Anstand durch diesen recht unharmonisch wirkenden break jedoch seine Gewichtung zu verlieren, verfestigt der Auftritt der Roboterwesen den Gesamtton des Films erst. „The World’s End“ hat einfach einige Überraschungen parat oder mit der Sprache der Nerds zu sagen: der Film hat viele, wunderbare WTF-Momente. Vielleicht sogar die besten des diesjährigen Kinojahres.


Im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern ist „The World’s End“ gewiss der reifste Film. Die Figuren sind allesamt wunderbar gezeichnet und wecken Sympathie wie Empathie. Die Handlung lässt sich viel Zeit und erhöht nach und nach Tempo und Action, wirkt dadurch aber nie langgezogen oder gar ermüdend und zwischen all der eher etwas biederen charakterlichen Thematik rund um das Nachtrauern der Vergangenheit, verbergen sich dann doch unzählige humoreske Verweise auf Invasion-Filme. Die Nerds von einst, sie sind erwachsen geworden und doch haben sie ihren ganz eigenen Stil und Charme dabei nicht verloren. Dabei strahlt „The World’s End“ etwas aus, was einen traurig stimmen kann, wenn man (wie der Autor dieses Textes) „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ geliebt und zelebriert hat. Denn es fühlt sich wirklich wie ein Abschluss an. Ein Abschluss einer wunderbaren Trilogie, die ihres gleichen sucht. Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist. Nun, das Trio Edgar Wright, Nick Frost und Simon Pegg haben den perfekten Moment gefunden. Darauf ein Bier… oder ein Cornetto.


8,5 von 10 Bestien


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Review: THE WORLD'S END - Let's Boo-Boo

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Fakten:
The World’s End
GB, 2013. Regie: Edgar Wright. Buch: Simon Pegg, Edgar Wright. Mit: Simon Pegg, Nick Frost, Martin Freeman, Paddy Considine, Eddie Marsan. Rosamund Pike, David Bradley, Thomas Law, Pierce Brosnan, Rafe Spall, Alice Lowe, Reece Shearsmith, Mark Heap u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: ab 12 Jahren freigegeben. Ab 15. Januar 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Fünf Freunde. Ein Abend. Zwölf Pubs mit je ein Pint Bier. So lautete der Marathon der Jungen nach ihrem Schulabschluss. Doch sie haben es nicht bis ins letzte Pub „The World’s End“ geschafft. Zwanzig Jahre später soll der Trinkmarathon gelingen. Doch das Erreichen von „The World’s End“ ist auf ihrer Tour nicht die geringste ihrer Sorgen…





Meinung:
Als großer Fan der Blood and Ice Cream Trilogy gehörte "The World's End" mit zu meinen meisterwartesteten Filme 2013. Simon Pegg, Nick Frost und Martin Freeman haben in ihrem abschließenden Teil der Trilogie mal wieder, und wie immer, ihr bestes gegeben. Aber auch die anderen Schauspieler, sowie Pierce Brosnan als Nebenrolle konnten überzeugen. Ein sehr unterhaltsamer Hirn-aus-Film, der betrunken wahrscheinlich noch mehr Spaß macht als nüchtern. Für Leute die Sinn und Logik in dem Film erwarten sind hier auf der falschen Fährte, denn hier gibt es nur eine Menge Bier und Alien-Action.


Gary weiß, wo es lang geht
Simon Peggs Rolle als Gary King hat mir noch am besten gefallen; Sisters of Mercy Shirt, schwarzer Mantel und mit tausend Ringen ausgestattet trommelt er seine vier Schulfreunde zusammen um den damaligen Saufmarathon von 12 Pubs zu beenden. "The World's End" ist der Name des letzten Pubs, mit dem sie damals den Marathon nicht mehr abgeschlossen haben. (Das Pub "The World's End" heißt in Wirklichkeit übrigens "The Gardeners Arms".) Derzeit sind zwanzig Jahre vergangen. Garys Freunde haben inzwischen alle teure Jobs und führen ein normales, langweiliges Leben, doch bei Gary King ist die Zeit stehen geblieben. Er wurde nicht erwachsen, hat weder einen Job noch eine eigene Wohnung, nur eine Schrottkarre namens "Biest" und seine gebliebene enthusiastische Lust am Spaß und saufen. Er ist ein freier Mann, so wie er es beschreiben würde. Zwar cool und lustig, aber er ist auch eine traurige Gestalt, mit der nicht jedermann etwas zu tun haben möchte, so wie seine Freunde, die auch von seiner Marathon Idee zuerst alles andere als begeistert sind. Doch Gary kann sie mit Notlügen und genug Überzeugungstalent doch noch dazu überreden. Dann beginnt der Spaß erst richtig!


Vergesst Mark Ruffalo! Nick Frost ist der wahre Hulk
"The World's End" ist ein Entertainer, aber auch etwas tragisch, so dass einem in eins zwei Szenen das Lachen im Hals stecken bleibt. Wie in den anderen "Cornetto-Trilogie-Teilen" hat der Film bei mir auch so eine Art Fernweh erzeugt. Wer würde sich nicht am liebsten in den Film beamen und sich mit Pegg und Frost durch Englands Pubs trinken? Auch wenn mir zu Anfang alles etwas zu schnell voranging, ist die Kamera und der Schnitt mal wieder spitze! Auch die Kampfszenen fand ich angenehmer anzuschauen als bei anderen Filmen. Hier konnte man wenigstens jeden Schlag mit verfolgen, während dies durch Kameraverwacklung und Schnelligkeit bei vielen Filmen verloren geht und nur in einer Kampf-Bild-Verwischung endet. Natürlich lassen die Effekte in "The World's End" zu wünschen übrig, sie waren nicht sehr schlecht, aber für mich, für so einen Film vollkommend zufriedenstellend. Trotzdem konnte der abschließende Teil meiner Meinung nach leider nicht ganz mit seinen Vorgängern mithalten. Da fehlte mir immer noch irgendwas Spezielles und auch vom Humor fand ich ihn im Gegensatz zu den anderen Teilen etwas schwächer. Wie in der Reihenfolge ist und bleibt "Hot Fuzz" für mich der beste Teil der Trilogie, gefolgt von "Shaun of the Dead" und der Abschluss macht eben "The World's End". And now "Let's Boo-Boo!"


7,5 von 10 Promille


von Suki


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