Review: SIGHTSEERS - Es gibt viel zu sehen...

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Fakten:
Sightseers
GB, 2012. Regie: Ben Wheatley. Buch: Alice Lowe, Steve Oram. Mit: Alice Lowe, Steve Oram, Eileen Davis, Roger Michael, Tony Way, Seamus O'Neill, Monica Dolan, Jonathan Aris, Aymen Hamdouchi u.a. Länge: 85 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das 34-jährige Mauerblümchen Tina scheint in dem leicht schrulligen Chris ihre grosse Liebe gefunden zu haben. Gegen den Willen ihrer übermächtigen Mutter begeben sich die Beiden auf einen trocken-spiessigen Tripp mit einem Wohnmobil zu den langweiligsten Sehenswürdigkeitens Englands. Nur Chris hat was gegen Umweltverschmutzer und Spiesser, so wird die schnarchige Rundreise bald zu einer blutigen Verfolgungsjagd. Und Tina findet sogar Gefallen daran...






Meinung:

" This is not my Vagina!"

Ein trockener, enorm bissiger Faustschlag in den Magen der britischen Gesellschaft wie dem internationalen Filmgeschäft. "Sightseers" ist Indy-Kino, wie es sein sollte. Roh, böse, lustig, angepasst an gewisse Vorlagen, dennoch mit genug eigener Duftnote, um nicht als netter Versuch durchzurutschen.


Auch Killer brauchen Urlaubsfotos
Mit wenigen Mitteln, aber einer Idee und dem dazugehörigen Eigenanteil wie Herzblut, wird eine gallige und gleichzeitig trockende Satire vorgetragen. Voller Situationskomik, Tragik, Gewalt und dem nötigen Backround, um es nicht als billige Posse durchgehen zu lassen. Die Gefahr ist durchaus gegeben, nur weiss es diese Perle geschickt zu umgehen. Das macht diesen kleinen Film so gross. Grösser als vergleichbare Streifen.
Ein Roadmovie mit einem wenig-gevögeltem Schmuckstück und dem bärtigem Kurzzeitstecher wird zu einer modernen Bonny-und-Clyde-Story, die Outlaws mit dem Wohnwagen. Dröge werden schmucklose Prachtstücke des Königreiches abgeklappert, aber wehe dem, der seinen Müll einfach so wegwirft, sich als Ober-Maker aufspielt oder seinen Junggesellinnenabschied feiert. Das verstehen die Beiden wenig bis gar keinen Spass und sitzen immer am längeren Hebel.


Das mag im ersten Moment überzogen klingen, funktioniert faktisch dagegen super. Die Autoren Alice Lowe und Steve Oram spielen ihre Figuren einfach so mal selbst und wissen wohl genau warum. Sie verkörpern die Rollen nicht nur glaubhaft, sondern feuern sich die bitter-bösen Dialoge und Oneliner so was von um die Ohren, das muss man wohl geschrieben haben, um es so zu zelebrieren.  


"I just want to be feared and respected!"


Ein Mann, seine Frau und der Köter
"Sightseers" ist eine intelligente Antwort auf die typischen Road-Killer-Movies wie den aktuellen Stand der britischen Gesellschaft. Sehr viel Biss und Satire steckt in diesem wütend-lustigem Knaller, der besonders durch seine bösen Seitenhiebe und die geschliffenen Zeilen lebt. Gerade deshalb sollte er im O-Ton genossen werden. Die deutsche Veröffentlichung wirbt mit den Stimmen von Anke Engelke und Bjarne Mädel, eben das sollte sich nicht angetan werden. Engelke wirkt gar nicht schlecht, Mädel ist schauderhaft. Der Wortwitz geht ohnehin baden, in der vorgetragenen, deutschen Version ist alles eine Zumutung. Gott lobe die Sprachauswahl, nur so macht "Sightseers" richtig Spass. 


"I was very naughty...I think you should punish me...with your cock!"


Ja, warum auch nicht? "Sightseers" ist mutig-lustiges Low-Budget-Kino mit enormer Hingabe und netten Einfällen, das mehr zu bieten hat als lausige Big-Budget-Produktionen in 3D oder sonstigem Blödsinn. 


"It's nothing personal...it's just...you had an negative influence on me..."

 
Eine billig-schöne Perle im Output der unzähligen Theken-Muscheln, wärmstens empfohlen. Allein die letzte Szene ist Gold wert.

7 von 10 Sehenswürdigkeiten

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