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Review: EYJAFJALLAJÖKULL - DER UNAUSSPRECHLICHE VULKANFILM – Mit gegenseitigem Hass von München nach Korfu

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Fakten:
Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm (Eyjafjallajökull)
Frankreich. 2013. Regie: Alexandre Coffre. Buch: Laurent Zeitoun, Yoann Gromb, Alexandre Coffre. Mit: Dany Boon, Valérie Bonneton, Albert Delpy, Denis Ménochet, Bérangère McNeese, Constance Dollé, Arnaud Henriet, Yann Sorton, Myriam Azencot u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Sommer, 2010. Für einige Tage fällt der komplette Flugverkehr in Europa aus, weil der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den Großteil des kontinentalen Luftraums mit einer gigantischen Aschewolke überzieht. Auch der Fahrlehrer Alain ist davon betroffen, der mit dem Flugzeug eigentlich von Frankreich nach Korfu, Griechenland, fliegen will, um dort der Hochzeit seiner Tochter beizuwohnen. Doch die Aschewolke ist nicht das einzige Problem: mit dem Flugzeug ist auch Alains Ex-Frau Valerie, die ebenfalls zur Hochzeit will. Nach der Zwangslandung in München müssen die beiden gemeinsam versuche nach Griechenland zu kommen. Doch ihr gegenseitiger Hass aufeinander macht dieses Unterfangen zu einer wahren Tour de Force.





Meinung:
Asche wirbelt überall umher, eine Wolke aus Ruß und giftigem Dampf rollt unaufhaltsam über die angesengte Landschaft, Brocken aus Stein und Hitze rasen wie Kometen durch die Luft und zerschmettern alles was sie treffen: Häuser, Autos, den Asphalt der Straßen, auf den die Menschen voller Verzweiflung schreiend um ihr Leben fliehen. Ihre Heimat war einmal, denn ein Vulkan zerstört mit seiner gewaltigen Kraft alles, was in seiner Nähe ist. Was bleibt ist Chaos, Vernichtung und Tod. So würde die Beschreibung einer Katastrophenfilms klingen, in den ein feuerspeiender Vulkan der Grund dafür ist, dass die Helden um ihr Überleben kämpfen. Bei „Eyjafjallajökull“ (wer den Titel fehlerfrei aussprechen kann sollte überlegen einen Logopädie-Praxis zu eröffnen) ist es zwar auch ein feuriger Berg, der dafür sorgt, dass die beiden Hauptcharaktere rennen, flüchten und bibbern müssen, jedoch nicht in einem lebensbedrohlichen, sondern in einem komödiantischen Kontext.


Valerie und Alain probieren jedes Fortbewegungsmittel aus
Der französische Schauspieler Dany Boon, der mit „Willkommen bei den Sch’tis“ für einen der erfolgreichsten Filmen Frankreichs verantwortlich war und seitdem von vielen als der neue Aushängeclown des französischen Kinos gehandelt wird, darf auch in „Eyjafjallajökull“ erneut das liebenswerte, tapsige Knautschgesicht spielen. Zwar kommt Boon unter der Regie von Alexandre Coffre hier ohne sein sonstiges trotteliges Images aus, eine wirkliche Weiterentwicklung zu seinem sonstigen Spiel ist die Rolle des Alain aber auch nicht. Schuster bleib bei deinen Leisten war hier eindeutig das Motto. Nur die Socken wurden – gottseidank – gewechselt. Nicht vergessen darf aber auch Boons Konterpart werden. Dany Boon braucht immer einen Kontrastcharakter, damit sein Humor auch wirklich funktioniert. In „Willkommen bei den Sch’tis“ war dies Kad Merad („22 Bullets“), bei „Nichts zu verzollen“ der Belgier Benoit Poelvoorde („Mann beißt Hund“). Nun darf sich Boon in „Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm“ mit Valérie Bonneton („Kleine wahre Lügen“) kabbeln, versöhnen, zerstreiten.


Der gefährlichste Vulkan bleibt der Mensch
Die Frage, die sich da automatisch stellt ist, ob Boon und Bonneton (die erst kürzlich zusammen in „Der Super-Hypochonder“ im Kino zu sehen waren) auch eine brauchbare Chemie miteinander haben. Die Antwort: Ja, haben sie. Nur leider scheint das Script anderer Meinung zu sein. Das Problem ist, dass das Drehbuch von Laurent Zeitoun, Yoann Gromb und Regisseur Coffre  in Sachen Progression oftmals einen Schlenker zu viel macht. Mal übertreiben es die Autoren hemmungslos und lassen ungehemmt einen Jesus-Freak mit mobiler Kirche und brutaler Serienkillervergangenheit auf die beiden Hauptprotagonisten los, nur um dann wenig später den daraus resultierenden schrägen wie schwarzen Humor wieder durch handelsübliche Komik aus dem Giftschrank „Lachen für Jedermann“ zu ersetzen. Das Resultat: „Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm“ stottert sich durch seine Geschichte und Alain und Valerie wird eine originäre Entwicklung verwehrt. Dies heißt nicht, dass sich die Komödie in Sachen Witz lumpen lässt. Die Gagdichte ist hoch, nur leider qualitativ oftmals nicht immer so hochklassig und kohärent, um dauerschmunzelnd und –amüsiert im Kino zu sitzen.


Das Handlungskonstrukt sowie die Reaktionen und Ergebnisse die der chaotische Road Trip des ewig keifenden Ex-Paares anrichten, erinnert an die Landschaftsaufnahmen, die Regisseur Coffre seinen Publikum auf die Leinwand klatscht: artifiziell. Ähnlich wie die auf Perfektion colorkorrigierten Bilder von Bergen, Brücken und Wäldern erscheint auch der Verlauf des Films. Coffre gelingt es nicht seiner übertriebenen Geschichte zumindest einen Hauch Authentizität einzuverleiben. Vor allem die Figuren bleiben so belang- wie konturlos, als ob auch sie nicht mehr wären als eine hübscher Panoramaaufnahme auf einer Postkarte für Touristen, die man für ein paar Cent an jeder beliebigen Raststätte kaufen kann. Und so fällt auch das Fazit zu „Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm“ aus: alles ganz hübsch und schmuck verpackt, aber trotz allem recht leblos. Ein Film, der auf dem heimischen Fernsehbildschirm wohl am besten aufgehoben ist.


4 von 10 Dornenkronen fürs Auto

Review: POMPEJI 3D – Paul W.S. Anderson lässt den Vesuv Brocken speien

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Fakten:
Pompeji 3D
USA, Kanada, BRD. 2014. Regie: Paul W.S. Anderson.
Buch: Janet Scott Batchler, Lee Batchler, Michael Robert Johnson. Mit: Kit Harrington, Emily Browning, Carrie-Anne Moss, Jessica Lucas, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Kiefer Sutherland, Jared Harris, Sasha Roiz, Dalmar Abuzeid u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 7. August 2014 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich.


Story:
Sklave Milo muss als Gladiator um sein Leben kämpfen und für seine Freiheit kämpfen. Als er nach Pompeji geschickt wird, um dort in einer Gladiatorenschule zu arbeiten, lernt er Cassia kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch die hübsche Cassia ist wegen ihrem Adelstand für Milo außer Reichweite. Als die verbotene Liebe entdeckt wird, scheint dies die größte Katastrophe zu sein. Denkste. Mutter Natur hat die Hosen an und lässt den Vulkan Vesuv ausbrechen.





Meinung:
Wenn es um das moderne Blockbusterkino geht, dann gibt es zwei Künstler, die sich in aller Regelmäßigkeit der Schelte der Kritiker unterziehen müssen: Michael Bay, der mit „Transformers 4 – Ära des Untergangs“ frisch die Milliardenmarke geknackt hat, und Paul W.S. Anderson, der mit seiner filmischen Vergewaltigung der „Resident Evil“-Videospielreihe (fünffach, wohlgemerkt) auf ewig den Unmut der Zockergemeinde zu verbuchen hat und lange nicht die massiven kommerziellen Erfolge einfahren darf, wie es Boom-Boom-Bay mit seinen hochbudgetierten Materialschlachten mühelos bewerkstelligt. Wohingehend Michael Bay schon seit Jahren keinen (im Ansatz) gescheiten Film mehr auf die Beine gestellt hat und in seiner blanken Misanthropie grundsätzlich nur Abstoßung (re-)produziert, hat Paul W.S. Anderson immerhin noch das Zeug dazu, einen entwaffnend-infantilen Spaß wie „Die drei Musketiere“ zu inszenieren. Die Hoffnungen, das Paul W.S. Anderson eben nicht nur seine handwerkliche Finesse zur Schau stellt, sondern darüber hinaus auch zu unterhalten weiß, sind dementsprechend fortwährend gegeben.


Atticus und Milo müssen sich noch nur gegen Menschen behaupten
Mit „Pompeji 3D“, dessen thematisches Fundament der plinianische Ausbruch im Jahres 79. nach Christus gibt, hat es Paul W.S. Anderson durchaus zustande gebracht, ein, unterzieht man „Pompeji 3D“ einen, recht gemeinen, stimmt, Vergleich mit seinem desaströsen „Resident Evil“-Franchise (speziell Teil 2!), durchaus „nettes“ Erlebnis zu schaffen. Gewiss kann man „Pompeji 3D“ nicht von allen Fehlern freisprechen, so sind alle Figuren bloße, funktionale Schablonen, die sich entweder zu einer durchtriebenen oder einer idealistischen Attitüde bekennen. Milo (Kit Harington, „Game of Thrones“) ist der Held wider Willen, der 17 Jahre zuvor miterleben musste, wie die römischen Truppen im nördlichen Britannien einen Aufstand keltischer Reiterstämme niederrannten, zu dem auch die Eltern Milos gehörten. Daraufhin wird Milo unter die Fittiche eines Sklavenhändlers genommen, wo er sich als Gladiator schnell einen Namen macht und nach Pompeji verfrachtet wird, wo er schon bald den Mann wieder trifft, der das einstige Massaker an seinem Volk veranlasst hat: Senator Corvus (Kiefer Sutherland, „Melancholia“). Von Rache, dem Kernmotiv des Films, getrieben, findet Kit auch zur Liebe.


Cassia und Milo versuche dem Tod zu entkommen
Psychologisch verkehrt „Pompeji 3D“ auf Vorschulniveau, verleiht seinen Figuren zwar eine gewisse Physis, lässt charakterliche Tiefe in aller Bequemlichkeit unberührt und konstruiert sich eine Love-Story zurecht, die so aufgesetzt und befremdlich daherkommt, dass es dem Drehbuch einfach unmöglich scheint, dem Pärchen Kit und Cassia (Emily Browning, „Seelen“) etwas Emotionalität oder Glaubwürdigkeit zu injizieren – Ihr Techtelmechtel findet den hochnotpeinliches Höhepunkt in der symbolischen, ja, in ihrer geschmacklosen Darstellung historisch-motivierten, Schlusseinstellung. Pferdeflüsterer Kit darf sich, bis es erst mal soweit ist, zwischendurch etwas Männerpathos im Sklavenkäfig gönnen, wenn er mit Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje, „Lost“) über ausgefeilte Kampftechniken schwadroniert, um dann in der Arena in getriebener Gnadenlosigkeit einen Gegner nach dem anderen abzuschlachten: „Pompeji 3D“ ist blutarm, aber nicht unbrutal, dafür zeichnet sich Andersons (zumeist) gutes Gespür für dynamisch gefilmte wie geschnittene Kampfszenen aus. Allgemein lebt „Pompeji 3D“ von einer ausgesprochen kompetenten Visualität, die die ersten Impressionen, man könne es mit einer TV-Gurke der Marke „Der Held der Gladiatoren“ zu tun bekommen, schnell aus dem Weg räumt.


Bricht der Vulkan aus, zeigt Anderson seine technische Raffinesse: Die Tiefe der Aufnahmen wird ausgelotet, die imaginierte Rekonstruktion des antike Pompeji entblättert ihre Qualitäten, und wenn die Kamera immer wieder zurück in die Vogelperspektive springt, um die Ausmaße der Katastrophe zu illustrieren, dann besitzt „Pompeji 3D“ optisch eine Epik, die der orchestrale Score von Clinton Shorter eben auch verspricht. Die enorme Aschewolke, der Feuerregen, die Krater, die riesige Welle, die Pompeji überschwemmt, generieren schon einige famose Illustrationen und bleiben auch bis zum nächsten Morgen im Gedächtnis haften. Was man von den Figuren (auch wenn die Frauenfigur der Cassia angenehm emanzipiert erscheint), ihren Namen oder den „Dialogen“ nicht sagen kann: Da ist alles, was sich aus dem Mündern quetscht, nur bloßen BlaBla. Schlussendlich ist „Pompeji 3D“ irgendwo nettes, aber selbstredend wenig relevantes Blockbusterkino. Aber: Es ist einer von Paul W.S. Andersons besseren Filmen. Vielleicht beim nächsten Mal erneut ohne Gattin Milla Jovovich?


4 von 10 anmutig weißen Pferden


von souli