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Review: MYSTERY MEN - Die vergessene Superhelden-Karikatur

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Fakten:
Mystery Men
USA. 1999. Regie: Kinka Usher. Buch: Neil Cuthbert, Bob Burden (Vorlage). Mit: Ben Stiller, William H. Macy, Hank Azaria, Geoffrey Rush, Paul Reubens, Janeane Garofalo, Greg Kinnear, Kel Mitchell, Claire Forlani, Eddie Izzard, Tom Waits, Wes Studi, Lena Olin, Ricky Jay, Artie Lange, Doug Jones, Dane Cook u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Championship City ist sicher. Kein Wunder, denn Captain Amazing sorgt dafür, dass kein Schurke mehr die Straßen der Metropole unsicher macht und dafür lieben ihn die Massen und seine Werbekunden. Da wo Captain Amazing ist, will das Team rund um Roy alias Mister Furious, auch hin. Doch das Team hat es nicht einfach und wird von den Ganoven der Stadt mehr belächelt als gefürchtet. Als Superschurke Casanova Frankenstein aber aus der Irrenanstalt entlassen wird und Captain Amazing daraufhin spurlos verschwindet, scheint die Stunde der Möchtegern-Helden gekommen zu sein.




Meinung:
Die 1990er waren keine gute Zeit für Superhelden, zumindest auf der Leinwand. Joel Schumacher inszenierte Batman zu Tode, die erhofften und lang erwarteten Comicverfilmungen „Spawn“ und „Steel“ erwiesen sich nicht nur als finanzielle Flops und das großangelegte Projekt, Spider-Man kinoreif zu machen schien in der development hell zu versauern. Was heutzutage unglaublich erscheint war Ende der 90er die Tagesordnung: Comicverfilmungen funktionierten nicht. Übersättigung?  Mag sein, jedoch war der Markt gewiss nicht so übersättigt wie heutzutage. Qualitative Tiefen? Zugegeben neben den insgesamt erfolgreichen „Batman“-Filmen, kamen meist nur Comicverfilmungen auf die große Leinwand, die den Ton ihrer Vorlage nicht trafen („Tank Girl“, „Judge Dredd“) und/oder einfach keinen Markt finden konnten. Comic meets Kino, in den 1990er Jahren noch ein Phänomen, welches eher selten Erfolge feiern konnte. Kein Wunder also, dass „Mystery Men“, eine Komödie die das Heldentum hinterfragte und persiflierte, keine Chance am Box Office hatte und hierzulande direkt und ohne größere Auffälligkeiten in den Regalen der Videotheken verschwand.


Welcher Verbrecher würde vor diesen Kostümen nicht schlottern?
Das Bedauerliche am unverdienten wie unbeachteten Abgang der „Mystery Men“ ist, dass der Film seiner Zeit eigentlich voraus war. Heutzutage, in einer Kinolandschaft in der Superhelden sowie deren entmystifizierende Imitatoren, die Kinos und DVDs belagern, hätte Kinka Ushers Helden-Jux gewiss die Chance noch einmal groß herauszukommen. Vor allem weil er mit Ben Stiller, Geoffrey Rush, Greg Kinnear, Eddie Izzard und William H. Macy auch heutzutage noch einiges an bekannten Gesichtern zu bieten hat. Das Problem dabei ist allerdings, das Regisseur Kinka Usher eine Comicwelt parodiert, wie man sie heutzutage, in den Zeiten von „Man of Steel“ und „The Dark Knight“ kaum noch präsentiert bekommt. Die „Mystery Men“ agieren in einer dunklen, liebevoll ausgestatteten und vor allem detaillierten Welt, die nicht versucht gegenwärtige Realität abzubilden, sondern ein architektonisches Konstrukt aus Fiktion und Historie ist. Eine phantastische Paralellwelt, die sich vor ihrer Vorlage nicht im Sumpf einer politischen oder gesellschaftlichen Ebene der Aussage versteckt, sondern sie mit offenen Armen empfängt und somit all die wunderbaren Dinge, Gebräuche und formellen Begebenheiten des Superheldenfilms gekonnt durch den Kakao zieht.


"Mystery Men" ist einer dieser Filme, die in der Vergessenheit versauern. Dabei hinterfragt die clevere Komödie die Thematik des Superheldentums auf liebenswerte Weise und dies sogar lange bevor es zum guten Ton gehörte, Heldengehabe komödiantisch zu zerpflücken. Das Ergebnis ist nicht immer so lustig wie gewollt, aber jederzeit eingehüllt in einer Fülle von grandiosen Einzelheiten, stilistischen Finessen und einem liebenswürdigen Grundton. In den Zeiten, in denen das moderne Helden- und Blockbusterkino sich mit einer selbstaufgelegten dark-and-gritty-Attitüde selbst überstrapaziert, wirkt selbst ein gefloppter, alter Versuch das Superheldentum auf spritzige und galante Art und Weise zu karikieren, wie eine kräftiger, frischer Wind im Genre der Weltenretter und Capeträger. Und während die einen noch streiten ob nun "Kick-Ass" oder "Super" von James Gunn besser ist, haben die Mystery Men im verborgenen und gut versteckt vor Hypes und übergroßen Erwartungen ihren Spaß.


7 von 10 Sphinx-Weisheiten

Review: 7 PSYCHOS - Etwas lernen über Männer, Frauen und Tiere

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Fakten:
7 Psychos (7 Psychopaths)
USA, Großbritannien. 2012. Regie und Buch: Martin McDonagh. Mit: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson, Olga Kurylenko, Abbie Cornish, Tom Waits, Brendan Sexton III, Željko Ivanek, Harry Dean Stanton, Kevin Corrigan, Michael Pitt, Gabourey Sidibe, Helena Mattson, Michael Stuhlbarg, Linda Bright Clay, Long Nguyen u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Kinostart: 6. Dezember 2012. Geplanter DVD/Blu-ray-Start: 17. April 2013.


Story:
Der erfolglose Hollywood-Autor Martin weiß zwar schon den Titel seines neuen Scripts, mehr aber auch nicht. Sein Kumpel Billy könnte vielleicht Inspiration bieten, immerhin ist sein Job, Hundekidnapper, nicht gerade gewöhnlich. Doch als Billy ausgerechnet den Hund eines verrückten Gangsterbosses entführt wird es für beide äußerst gefährlich.




Meinung:
Eigentlich hätte Martin McDonagh seine Karriere nach dem überwältigen Meisterwerk „Brügge sehen…und sterben?“ an den Nagel hängen können, denn diese vergebene Qualität noch einmal zu toppen, ist nahezu unmöglich und genau das zeigt auch sein heißerwarteter zweiter Langfilm „7 Psychos“. Wenn man seine Gangster-Komödie genauer unter die Lupe nimmt, stellt man schnell fest, dass McDonagh hier das genaue Gegenteil zu seinem brillanten Erstling inszeniert hat. Während sich die melancholische Gangster-Ballade „Brügge sehen…und sterben?“ mit jeder erneuten Sichtung weiter entfaltet und jeden emotionalen Grundton an der Wurzel erwischt, ist „7 Psychos“ reines Unterhaltungskino, dass zwar auch wieder mit der Humanisierung der Welt der Verbrecher arbeitet, aber nicht im Ansatz die Klasse eines „Brügge sehen…und sterben?“ erreicht.


Dog-Kidnapper Billy mit seinem neusten Opfer
Mit von der Partie ist auch erneut Colin Farrell, dieses Mal als irischer Autor, der mitten in der Schaffenskrise steckt und somit die Arschkarte³ gezogen hat. Ihm wurde der Alkoholismus durch die irische Abstammung quasi in die Wiege gelegt, dazu hat er sich noch für den Job des Drehbuchschreiberlings entschieden, kein Wunder also, dass man ihn die meiste Zeit mit Bier und Bourbon in der Hand und mit verzweifeltem Gesichtsausdruck durch die Gegend blickend antrifft. Dazu muss aber gesagt werden, dass Farrell der uninteressanteste Charakter im Bunde ist und gegen seine Kollegen wie Sam Rockwell oder Christopher Walken gnadenlos den Kürzeren zieht. „7 Psychos“ könnte man in seiner inszenatorischen Wirkung mit einer Silvesterrakete vergleichen: Sie zündet nur einmal, unterhält kurzweilig, das Funkeln und Blitzen schaut man sich gerne an, der Knall wird direkt zu Anfang abgefeuert und doch ist dieser Anblick ein alteingesessener. Wenn man sich dann in der Silvesternacht einmal um die eigene Achse dreht und den ganzen Himmel betrachtet, stellt man fest, dass es unzählige solcher Raketen in die Höhe geschafft haben und alles was letzten Endes bleibt, waren einige nette Minuten, die man schnell hinter sich lässt, weil eben nichts wirklich Bleibendes geboten wurde.


Auch drei Psychos brauchen mal eine Pause
Sicher hebt sich McDonaghs Führung aus dem Sumpf der Gangsterfloskeln durchaus ab, schlecht ist „7 Psychos“ keinesfalls, und die Genre-Versatzstücken werden zuweilen gekonnt wie spritzig reflektiert, doch neue Facetten lassen sich nicht finden, obwohl sich McDonagh nicht als Trittbrettfahrer offenbart, der mehr plagiiert als Eigenständigkeit zu beweisen, eine herbe Enttäuscht ist der Film dennoch geworden. Psychopathische Charaktere neben der Spur, Männer mit Kaninchen, Männer die weinen, weil sie ihr Hündchen vermissen, Männer, die den perfekten Platz für einen richtigen Showdown finden und Männer, die eine existenzielle Regel für das Verfasse eines Drehbuches aufstellen: Frauen dürfen gerne sterben, aber Tiere niemals. Merken! Aber „7 Psychos“ dafür ruhig übergehen, lieber nochmal „Brügge sehen…und sterben?“ gucken und euphorisch applaudieren, außer man sucht nach (unstimmiger) Kost für die zähen Minuten zwischendurch.

5,5 von 10
von souli



Wir danken unserem ewigen Gast-Autor souli für seine Kritik. Wenn ihr mehr von ihm lesen wollt, dann besucht doch unseren Blog Buddy CinemaForever.