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Review: DIE HAND - Die rechte Hand des Teufels

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Fakten:
Die Hand (The Hand)
USA, 1981. Regie: Oliver Stone. Buch: Oliver Stone, Marc Brandel (Vorlage). Mit: Michael Caine, Andrea Marcovicci, Annie McEnroe, Bruce McGill, Viveca Lindfors, Rosemary Murphy, Mara Hobel, Pat Corley, Nicholas Hormann, Charles Fleischer u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Comiczeichner Jonathan Lansdale verliert bei einem Unfall seine rechte Hand und somit seine Existenzgrundlage. Und das, wo seine Ehe gerade sowieso auf sehr wackligen Beinen steht. Als er einen Job als Dozent in Kalifornien angeboten bekommt, reißt er zunächst allein dorthin und beginnt einer Affäre mit der Studentin Stella. Doch seit dem Unfall wird er von Blackouts und Halluzinationen geplagt, in denen seine abgetrennte Hand ein Eigenleben entwickelt hat. Verliert er den Verstand oder geht hier tatsächlich etwas Übernatürliches vor sich?


                                                                                  


Meinung:
-„Woher weiß die Eidechse das ich das tue, wenn sie keinen Kopf hat?“
-„Das sind nur Reflexe. Ich glaube nicht, dass das noch gelebt hat.“

„Die Hand“ zählt zu den wenig bekannten Regiearbeiten von Oliver Stone und ist neben seinem (noch unbekannteren) Debütfilm „Die Herrscherin des Bösen“ (1974) sein einziger Ausflug in die Welt des Horrorfilms und Psychothrillers. Den großen Durchbruch als Regisseur erlang er wenige Jahre später durch politisch und gesellschaftlich kritische Filme „Salvador“, „Platoon“ oder „Wall Street“.  Zuvor war Stone „nur“ durch sein Oscar-prämiertes Skript zu „Midnight Express“ der breiten Öffentlichkeit aufgefallen und „Die Hand“ ändert daran zunächst nicht viel, obwohl man mit Michael Caine einen gestandenen und fähigen Hauptdarsteller gewinnen konnte (der drehte zu der Zeit allerdings auch gerne mal groben Unfug, siehe „Freibeuter des Todes“).


Da fliegt das Aua...
Der verhältnismäßig geringe Erfolg der Produktion lässt sich sicherlich zu einem nicht geringen Anteil darauf begründen, dass die Geschichte im ersten Moment nach albernen B-Horror-Trash anhört. Eine abgetrennte Hand, die die Drecksarbeit für ihren „Vorbesitzer“ erledigt, zu der er zu feige bzw. zu anständig ist? Naja, da liegen die Erwartungen eher niedrig, außer man mag solchen Quatsch, viel mehr dürfte da nicht auf das Publikum lauern. Ganz freisprechen von dem Faktor Trash lässt sich „Die Hand“ unter dem Strich auch nicht, allerdings nur am Rande, nicht so wie befürchtet und wenn feinster, erlesenster Edel-Trash, der weitaus hintergründiger, subversiver und vor allem deutlich besser umgesetzt ist, als man erahnen könnte. Der junge Oliver Stone erinnert in seiner eleganten, enorm stimmungsvoller Inszenierung von düsterem Suspense an die Werke des jungen Brian De Palma (in dessen „Dressed to Kill“ ein Jahr zuvor Michael Caine ebenfalls die Hauptrolle spielte), thematisch bewegt er sich auf Augenhöhe mit dem jungen David Cronenberg. Doppelbödiger Body-Horror mit stark sexualisierten Subtext, der hinter seinem augenscheinlich primitiven Horrorplot eine ganz andere Geschichte zwischen den Zeilen erzählt. Die Hand des Comiczeichners bekommt einen phallischen Status, der Verlust seines „besten Stücks“ kommt einer Kastration gleich. Er verliert nicht nur ein Körperteil, nicht nur seine Existenzgrundlage, er verliert das, über was er sich als Mensch, Individuum und besonders auch als Mann definiert hat. Gerade jetzt, wo ihm seine Frau mit Trennung droht und ihm auch nach dem Unglück, obwohl man sich notgedrungen nochmal zusammenrauft, deutlich Hörner aufsetzt, ihm mit dem Entzug von Zuneigung und Respekt straft.


Sprich mit der Hand.
Oliver Stone – der auch das Drehbuch nach einem Roman von Marc Brandel verfasste – geht dabei geschickt vor, den Zuschauer bis zum letzten Moment im Unklaren zu lassen, was denn nun die Wahrheit hinter dem Geschehen ist. Wenn wir die Hand in Aktion erleben, wird es als surreal-albtraumhafte Sequenz dargestellt (in einer von ihnen wird Stone selbst als besoffener Obdachloser ihr Opfer), der Protagonist als labiles Wrack, der mit Halluzinationen und Blackouts zu kämpfen hat. Was erleben wir hier? Eine Hand, die ein autonomes Eigenleben entwickelt hat? Ein Körperteil, das wie der Schwanz einer Eidechse reflexartig handelt oder doch gar durch das Unterbewusstsein seines „Herren“ ferngesteuert wird? Oder einfach nur einen kranken, traumatisierten Mann, der seine eigenen Taten psychotisch verdrängt? Alles scheint möglich, mal mehr, mal weniger, von Stone hervorragend umgesetzt. Seine Bilder und Einstellung haben echte Klasse, der schaurige Score von James Horner findet dafür den passenden, akustischen Rahmen, selbst die wenigen Spezialeffekte sind großartig. Das alles krönt ein fantastischer Michael Caine, der sich die Seele aus dem Leib spielt. Ohne ihn würde der Film kaum seine Wirkung in die richtige Richtung entfalten können. Er verkörpert einen physisch sichtbar und psychisch nur zu erahnen verkrüppelten Mann im Fiebertraum von Wahn und Wirklichkeit beeindruckend, auf den Punkt. Mal aufbrausend, mal ruhig, aber jederzeit brodelnd, was der Verwirrungstaktik von Stone optimal in die Karten spielt. Zwischen Gewissheit und Zweifel pendelt er hin und her und entlässt mit dem idealen Ende, das die vorher gestellten Weichen wieder in eine Gabelung verwandelt.


Bei allem berechtigten Lob: Natürlich hat der Film unter einem strengen Blickwinkel mehr Hand (aha) als Fuß, strickt schon ein sehr grobmaschiges Muster aus der psychologischen Waschküche zusammen, doch den Anspruch auf ein glaubhaftes Psychodrama verfolgt er wohl auch nicht ernsthaft. Dafür ist das wunderbar arrangiert, jederzeit spannend und übertrifft die leicht skeptischen Prognosen deutlich. Mit derart Geschichten kann man blitzschnell radikalen Schiffbruch erleiden, Oliver Stone macht daraus eine sehr sehenswerten und bald sträflich unterschätzen Film, der sich kaum bis gar nicht hinter den bereits erwähnten Werken eines David Cronenberg wie „Shivers“, „Rabid“ oder „Die Brut“ verstecken muss. Tolles Ding, dass Oliver Stone auch ein „Händchen“ für derartige Genrefilme hat(te), verblüffend. Generell scheinen sich bei ihm in den letzten Jahren die Spätfolgen seines exzessiven Leben zu zeigen. Entweder sollte er weniger Drogen nehmen oder wieder damit anfangen, den „World Trade Center“- oder „Savages“-Stone braucht doch kein Mensch.

7 von 10 Phantomschmerzen

Review: CONAN DER BARBAR– Arnie und das Geheimnis des Stahls

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Fakten:
Conan der Barbar (Conan the Barbarian)
USA. 1982. Regie: John Milius. Buch: John Milisu, Oliver Stone, Robert E. Howard (Vorlage). Mit: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Sandahl Bergman, Mako, Max von Sydow, Gerry Lopez, Sven-Ole Thorsen, Cassandra Gava, Ben Davidson, Nadiuska, Jorge Sanz, William Smith, Valérie Quennessen u.a. Länge: 126 Minuten. FSK: freigegeben a 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Knabe musste Conan mitansehen wie der Führer des mysteriösen Schlangenkultes, Tuhlsa Doom, sein Dorf und somit auch seinen Vater und seine Mutter massakrierte. Conan selbst wird versklavt. Als aus ihm ein muskulöser, junger Mann geworden ist, lernt er das Kämpfen durch bestialische Gladiatorenkämpfe. Als sein Herr ihn freilässt, verfolgt Conan seinen Plan Thulsa Doom zu töten. Unterstützt wird er dabei von einem Magier, einer Kriegerin sowie einem Dieb.






Meinung:
In seiner Essenz steht der antagonistische Zweikampf zwischen Stahl und Fleisch. Schon früh wird Conan (in jungen Jahren und mit kindlicher Traurigkeit im Blick von Jorge Sanz verkörpert) von seinem Vater (William Smith) aufgetragen, das „Geheimnis des Stahls“ zu lüften – Ein Rätsel, dessen Auflösung oftmals einen ganzen Lebensweg in Anspruch nehmen kann. Und wer nun vermutet, John Milius und Oliver Stone hätten „Conan der Barbar“ als munteres Rätselraten inklusive spielerischer Abenteuerlust modelliert, der täuscht sich gewaltig. Die Antwort lauert im Subtext, sie wird nicht verbalisiert, sondern findet sich in der Konstruktion der szenischen Verknüpfung; von Akt zu Akt, von Prüfung zu Prüfung. Dazu aber später mehr, muss man „Conan der Barbar“ zu Anfang doch vorläufig für sein unglaublich authentischen Worldbuilding loben: Dass John Milius immer schon ein äußerst begabter Regisseur sowie Schreiberling gewesen ist, steht vollkommen außer Frage, sein Talent, den Zuschauer in für ihn fremde/neue Welten einzuführen, aber ist eine besondere Gabe seinerseits. 


 
"Nispeeeeeeeeeeeeeeeeeeel!"
Nur wenige Fotografien nach der Aufblende genügen „Conan der Barbar“, um den Zuschauer klarzumachen: Wer in diesen Tagen, als Atlantis im Meer versank und Leben und Tod oftmals nur eine Signatur der Gleichgültigkeit zeichnet, sein Dasein fristet, muss mit harter Brust gesegnet sein; muss den glänzenden, den robusten Stahl zu einer verwachsenen Erweiterung seines eigenen Körpers machen. Thulsa Doom (gespielt von Stimmwunder James Earl Jones), Anführer eines unheimlichen Schlagenkults und abgestumpfter Mörder von Conans Mutter, ist der Auffassung, dass der Stahl prinzipiell dem Fleisch unterlegen sein wird: Um seine These zu belegen, lässt er einen von seinen verstrhalten Schergen rücksichtslos vor Conans Augen auf Befehl in den Tod springen. Und da haben wir den (eigentlich binär codierten) Hauptkonflikt von „Conan der Barbar“ - Conan gegen Thulsa Doom, getrieben aus Vergeltungsgelüsten; und Stahl gegen Fleisch, ein dem individuellen Glauben entsprungener Zwist. Ein schwellendes, pumpendes Abenteuer, kochend auf Testosteronstufe 12, wird sich über 120 Minuten entladen.


Im Ernst: Man muss „Conan der Barbar“ als markiges Kind seiner Zeit zu nehmen wissen, wenngleich faschistoide Tendenzen auch innerhalb dieser Sichtweise noch mühelos zu erkennen sein dürften, aber gleichwohl in der zeitlichen Kontextualisierung gewertet werden müssen: Ein Mann liebt in dieser durch und durch primitiven Epoche nichts mehr, als das Todesröcheln seiner Gegner sowie den dazugehörigen Jubel der Weiber zu vernehmen. „Conan der Barbar“ ist noch Kino, das sich ob seines deftigen Stallgeruches stolz zeigt; das so durch und durch archaisch über den Bildschirm walzt, dass auch heute noch das sprießende Brusthaar zwangsläufig durch jeden noch so dicken Stoff bricht. An und für sich ist John Milius hier wirklich drückender, aus dem Sack geschossener Fantasy-Trash gelungen, der mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle seine ikonische Idealbesetzung gefunden hat. Epochal wird „Conan der Barbar“ aber erst durch Basils Poledouris grenzgeniale Komposition, die natürlich eine narrative Funktion besitzt und den legendären Schatten des Filmes weiter wirft, als es ihm eigentlich zugesteht. Deftig und stimmungsvoll.


7 von 10 Allianzen aus Fleisch und Stahl


von souli

Review: 12 UHR NACHTS – MIDNIGHT EXPRESS – Die Hölle auf Erden

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Fakten:
12 Uhr Nachts – Midnight Express (Midnight Express)
USA. 1978. Regie: Alan Parker. Buch: Oliver Stone. Mit: Brad Davis, Bo Hopkins, Randy Quaid, John Hurt, Irenen Miracle, Paolo Bonacelli, Paul L. Smith, Norbert Weisser, Vic Tablian u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1970, Flughafen Istanbul: Der Amerikaner Billy Hayes wird verhaftet wegen Haschischschmuggel. Vier Jahre später, nach einem langen Prozess, wird er zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Für Billy beginnt eine körperliche wie seelische Tortur. Zusammen mit seinen Mitgefangen Max und Jimmy plant er seine Flucht.





Meinung:
Alan Parker gehört zu den Filmemachern, die in diesen inflationär aufgestellten Toplisten gerne mal übergangen werden, ähnlich wie ein Peter Weir („Der einzige Zeuge“) oder auch Michael Cimino („Im Jahr des Drachen“), obwohl sie doch mit einer künstlerischen Kontinuität aufwarteten, von der viele andere Kollegen nur träumen dürfen. Unter der Ägide von Alan Parker entstanden Werke, an denen sich die Menschen noch in Jahrhunderten erfreuen werden, weil er es in formidabler Ausübung verstand, sowohl zwischen anspruchsvollem Kunstkino und packender Unterhaltung umherzuspringen, als auch in den unterschiedlichsten Genres Fuß zu fassen. Zu seinen Glanzleistungen gehören der schwüle Okkult-Thriller „Angel Heart“ wie der noch schwülere Rasssismus-Thriller „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“, die außerdem wunderbar veranschaulichen, wie akkurat Parkers Schauspielführung doch immer ausfiel. Parker war Zeit seiner Karriere kein Spaßvogel, Komödien sind in seiner Filmografie dann doch eher Mangelware. Beklemmender als in „12 Uhr nachts – Midnight Express“ hat man den Meister aber wohl nie erlebt.


So ein türkischer Knast ist kein Zuckerschlecken
Nach einem Drehbuch von Oliver Stone, der gemeinhin durch Filme wie „Platoon“, „JFK – Tatort Dallas“ und „Nixon – Untergang eines Präsidenten“ erfolgreich als politisch-engagierter Autorenfilmer etablierte, erzählt „12 Uhr nachts – Midnight Express“ die auf wahren Begebenheiten beruhende Passionsgeschichte des Billy Hayes: Bei seinem vierten Versuch, Haschisch aus der Türkei in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln, wird der damalige Student auf dem Istanbuler Flughafen überführt. Und nachdem sich Billy eine Kooperation mit dem Geheimdienst eigenständig durch einen Fluchtversuch vermasselt hat, wird er inhaftiert. Alan Parker beweist seine inszenatorische Finesse schon in der mehr als brillanten Exposition: Wie wir Zeuge davon werden, wie Billy das Haschisch in den Flieger schmuggeln möchte, ist Suspense-Kino der Extraklasse, verstärkt durch den stetig schneller pochenden Herzschlag auf der Tonspur (ein Mittel, das Parker in „Angel Heart“ nochmal aufgreifen wird). Schweißgebadet zeigt sich in dieser Sequenz gewiss nicht nur unser Protagonist, der die illegale Drogen nicht einmal zum Eigengebrauch verwenden wollte, sondern damit auf die schnelle ein paar Dollar verdienen.


Der Traum von Freiheit
Aber Straftat ist Straftat und Billy muss es sich ohne Wenn und Aber gefallen lassen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Wie dies allerdings vonstattengeht, entbehrt sich jedoch jedweder Verhältnismäßigkeit, und nachdem Billys Anwalt eine Haftstrafe von vier Jahren ausgehandelt hat, die für ihn als Erfolg gefeiert werden sollte, nimmt das Dilemma seinen Lauf: Knapp zwei Monate vor seiner Entlassung beschließt die türkische Justiz ein Exempel an ihm zu statuieren und verurteilt ihn nachträglich als Schmuggler zu lebenslänglich in einem Istanbuler Drecksloch von Gefängnis. „12 Uhr nachts – Midnight Express“ wächst heran zu einer wahren Tour de Force und lässt Billy hilflos durch die grauenhaften Gepflogenheiten dieses Mikrokosmos wanken. Der Willkür des sadistischen Aufsehers Hamidou ausgeliefert, müssen sich die Gefangenen drakonischer Folter unterziehen und desolate hygienische Zustände erfahren. Allein die Gefängniskulisse erzeugt den puren Ekel im Zuschauer: Alles scheint feucht und verschmutzt, die Insassen müssen zusammengepfercht in heruntergekommenen Zimmern nächtigen, bis es am nächsten Morgen wieder Schläge mit der Route auf die nackten Fußsohlen regnet.


 
Erwischt!
„12 Uhr nachts – Midnight Express“ fiktionalisiert den Leidensweg des Billy Hayes und Oliver Stone gestand später in einer Entschuldigung, die er an das türkische Volk richtete, dass er die Situation dann doch reichlich überdramatisierte. Aber geschenkt, wir sprechen von einem Spielfilm, der eine gewisse Wirkung einheimsen möchte, was ihm auch tadellos gelingt. Was „12 Uhr nachts – Midnight Express“ aber einen kleinen Zacken aus der Krone bricht, sind nicht die Umstände per se, denn dass es in einem türkischen Knast nicht gerade zimperlich zugeht, versteht sich wohl von selber. Es ist die Summe an auswegloser Grausamkeit, die Oliver Stone dem Zuschauer hier zumutet. Seine Skript weidet sich an einer markanten Xenophobie und Ressentiments, die noch heute beständig sind. Freundliche Türken hat „12 Uhr nachts – Midnight Express“ überhaupt nichts zu bieten, sonder nur durchtriebene und geisteskranke Zeitgenossen, den man kein Vertrauen schenken darf. Dass gerade diese Tatsache den echten Billy Hayes enttäuscht hat, versteht sich von selber, fällt dieser tendenziöse Habitus und der Hang zur Übertreibung doch irgendwo schon spürbar ins Gewicht. Und doch kauft man es Parker ab, dass er nicht vor hatte, ein derartig ungefiltertes Menschenbild zu propagieren.


Man könnte diese Darstellung auch aus einer repräsentativen Perspektive betrachten, die sich auf all die Systeme in unserer Welt bezieht, in denen sich Schuld und Sühne nicht die Waage halten, denn die Quintessenz von „12 Uhr nachts – Midnight Express“ ist der Aufruf gegen die vollstreckte Ungerechtigkeit, gegen eine korrupte (in diesem Fall eben osmanische) Rechtspolitik, die sich jedem logischen Verfahren entzieht. Was festzuhalten bleibt, ist, dass „12 Uhr nachts – Midnight Express“ manipulatives, aber simultan dazu eben auch erschreckend authentisches Kino ist. Das Gesetz des Dschungels thront über dem Gefängnis, Hoffnungsschimmer für Hoffnungsschimmer werden im Keim erstickt, Billy zerfällt immer weiter, bis es sich dann doch schlagartig eine erlösende Chance auf Rettung gibt – Endlich Durchatmen. Schön ist auch zu sehen, wie „12 Uhr nachts – Midnight Express“ es vermeidet, die Homosexualität ausschließlich als etwas widerwärtiges, etwas herabwürdigendes darzustellen. Vollkommen zu Recht ein Klassiker.


7,5 von 10 Küssen unter der Dusche


von souli

Review: KILLER - TAGEBUCH EINES SERIENMÖRDERS - Eingesperrt, nicht gezähmt

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Fakten:
Killer – Tagebuch eines Serienmörders (Killer: A Journal of Murder)
USA, 1996. Regie: Tim Metcalfe. Buch: Tim Metcalfe, Thomas E. Gaddis & James Long (Vorlage). Mit: James Woods, Robert Sean Leonard, Ellen Greene, Cara Buono, Robert John Burke, Richard Riehle, Harold Gould, John Bedford Lloyd, Jeffrey DeMunn, Conrad McLaren, Steve Forrest, Lili Taylor u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD erhältlich (keine aktuelle Auflage).


Story:
1930 tritt Henry Lesser seinen Dienst als Schließer in der Haftanstalt von Leavenworth an. Die unmenschlichen Methoden seiner Kollegen gegenüber den Häftlingen stoßen ihm bitter auf. Zwischen ihm und dem wegen Diebstahl inhaftierten Carl Panzram, der durch die Wachen brutal misshandelt wird, entsteht so etwas wie eine Freundschaft. Carl schreibt seine Lebensgeschichte nieder und bietet sie Henry zu freien Verfügung an. Dort offenbart sich Penzram nicht nur als kleiner Dieb, sondern als notorischer Killer, der bereits 21 Menschen auf dem Gewissen hat.





Meinung:
„Sie haben mich erschaffen und jetzt töten sie mich.“

Beruhend auf einer wahren Geschichte versucht die Buchverfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“ das marode und über die Jahrzehnte kaum effektivere Justiz- und Haftsystem der USA an den Pranger zu stellen, was ihm sicher zum Teil auch gelingt, nur kann der Film von Tim Metcalfe selten richtig mitreißen und wirkt über weite Strecken sehr uninspiriert, beliebig und schlicht zweckdienlich inszeniert.


Die schönsten Geschichten schreibt das Leben.
Vom Grundsatz eine höchst interessante Geschichte um die fast als Freundschaft zu bezeichnende Beziehung zwischen dem gutherzigen, für den harten Gefängnisalltag anno 1930 bald ungeeignet-menschlichen Wärter Henry Lesser und dem Soziopath Carl Panzram, die sich in mehrere Richtungen und Genres entwickeln könnte, unterm Strich jedoch nichts zur vollsten Zufriedenheit bedient. Anfänglich wie ein typisches Knastdrama aufgebaut, könnte sich eine eindringliche Charakterstudie entwickeln, doch dafür erreicht Tim Metcalfe niemals die benötigte Tiefe und Empathie, kratzt lediglich an der Oberfläche und schildert mehr einen hastigen Spurt durch das Leben eines schwer bis gar nicht therapierbaren Monsters, das zwar über keinerlei ehrliches Gewissen verfügt, jedoch über genug Sachverstand und Realitätsbewusstsein als das es nicht erkennen würde, dass für Leute wie ihn ohnehin keine Chance besteht. Penzram – explosiv, gewohnt ausdrucksstark und weit über der allgemeinen Klasse des Films verkörpert durch James Woods – mag teilweise ein Produkt seiner Lebensumstände sein, insgesamt ist er schlicht ein skrupelloser Mensch, ein wildes Tier, der sich dessen klar bewusst ist. Er kann sich nicht ändern, sieht dabei auch keine Chance in einem auf Isolation und nicht auf Rehabilitation getrimmten System, dass er die dringend benötigte Hilfestellung bekommt.


Mein Freund, der Killer.
Dieser Grundgedanke des von Oliver Stone produzierten Films ist so richtig wie aufzeigend, drückte sie allerdings sehr direkt, nicht unbedingt geschickt und gegen Ende etwas zu sentimental dem Zuschauer aufs Auge, wo mit etwas Fingerspitzengefühl deutlich mehr möglich gewesen wäre. An dem erstklassigen Woods liegt dies sicher nicht, mehr kann der kaum machen. Sein bemühter, gleichzeitig wahnsinnig blasser Gegenpart Robert Sean Leonard sieht dagegen keinen Stich, ähnlich wie die schmale Inszenierung von Metcalfe, die eher an eine TV-Produktion erinnert. Für die Voraussetzungen ist das mehr als bedauerlich, aus dem Stoff ließe sich spielend ein packender, sogar wichtiger Film machen. Mehr als ein nur partiell reizvolles, durch sein dröges Äußeres und seine mitunter plumpe Umsetzung letztlich mittelprächtiges Werk springt dabei nicht heraus. Ohne Woods und die immer noch durchaus aktuelle (vielleicht sogar zeitlose?) Thematik schnell wieder vergessen, so bleiben doch noch einige Dinge vielleicht mittelfristig im Gedächtnis hängen.


Fakt am Rande: Der Film ist Sam Peckinpah gewidmet, da Tim Metcalfe durch dessen Western-Klassiker „The Wild Bunch“ seinen Berufswunsch als Regisseur verfolgte. Nette Anekdote und schön, dem wilden Sam seinen Film deshalb zu widmen, macht das Produkt aber leider nicht besser. 

5,5 von 10 illegalen Bleistiften

Specials: TOT ODER LEBENDIG? - 2# Val Kilmer

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Val Kilmer? Moment, doch, ja, da war was. Das ist doch der Kerl gewesen, der damals in den frühen 1980er Jahren in „Top Secret!“ unter der Regie des legendären Trios Jim Abrahams, David und Jerry Zucker als Rocksänger Nick Rivers Ostdeutschland so richtig aufgemischt hat. Selige Zeiten waren das, Val Kilmer spielfreudig und mit nur einem Kinn über die Leinwand toben zu sehen. Heute hingegen ist es still um den Kalifornier geworden und es sind nur noch wehmütige Rückbesinnungen, die uns an die großen Tage in seiner Karriere erinnern dürfen. Inzwischen nämlich bringt der in Los Angeles geborene Kilmer mindestens das dreifache an Gewicht auf die Waage, als er es noch in seinem ersten Auftritt in „Top Secret!“ getan hat. Seine Haut ist aufgedunsen, wahrscheinlich vom vermehrten Drogen- und Alkoholkonsum, seine Haare ausgeblichen und die Körperhaltung zusehends geknickt. Warum aber musste Val Kilmer in Hollywood scheitern? Und bestehen überhaupt noch minimale Chancen darauf, den einst so beliebten Schauspieler wieder in einer würdigen Rolle zu sehen?


Kilmer in "Der Geist und die Dunkelheit"
Wie gesagt: Val Kilmer hat nicht nur gerne dem Flaschenhals einen Schmatzer gegeben, er hat sich auch ganz gerne die Gehirnwindungen mit einigen deftigen Portiönchen Koks eingeschmolzen. Hinzukamen obskure Gerüchte um wilde Techtelmechtel mit Hotelerbin Paris Hilton und Winona Ryder, die allerdings relativ zügig falsifiziert wurden. Dazu ist sein nicht immer besonnenes Gemüt ebenfalls weitreichend bekannt und John Frankenheimer, m it dem Kilmer 1996 „Die Insel des Dr. Moreau“ drehte, echauffierte sich lauthals über sein inakzeptables Verhalten, während Antony Hoffman in „Red Planet“ vor dem Problem stand, dass Val Kilmer sich heftig mit seinem Schauspielkollegen Tom Sizemore verkracht hat un d sich daraufhin verweigert, auch nur eine einzige Szene mit ihm zusammen zu drehen. Ja , der Val ist und bleibt ein schwieriger Charakter, auch wenn er sich vor der Kamera darum bemüht, einen ausgeglichenen Eindruck zu erwecken – Ist folgt halt nicht nur im Studio sei ner Passion. All das sind nicht unwesentliche Gründe, warum die Karriere Kilmers nicht nur kurzzeitig ins Wanken geraten ist.


Je größer die Pranken, desto kleiner der Erfolg
Dabei fing alles mal so gut an und Val Kilmer ging als jüngster Student der renommierten Juillard School von New York City in die Geschichte ein, um sich dann langsam einen Namen auf der Theaterbühne zu machen. Er glänzte in den Titelrollen in „Richard III.“ und „Macbeth“, bis er auch sein Broadway-Debüt in „Slab Boys“ an der Seite von Sean Penn und Kevin Bacon geben durfte. Und auch in der Filmwelt lief es für Kilmer in den 1980er Jahre eigentlich wie am Schnürchen: Erst wusste „Top Secret!“ das Zwerchfell seiner Zuschauer zu erschüttern, dann war Kilmer an der Seite von Tom Cruise im heute als Klassiker geltenden Navy-Werbefilm „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ von Tony Scott im Kino zu sehen. Es folgten der Fantasyfilm „Willow“ und sein wohl bester Auftritt in Oliver Stones „The Doors“, in dem Val Kilmer als Jim Morrison schlichtweg überwältigte und nachhaltig davon überzeugte, ein hervorragender Akteur zu sein. Besser hätten die 1990er Jahre für ihn also theoretisch nicht eingeleitet werden können. Doch die herbe Zäsur in seinem Schaffen sollte nicht mehr lange auf sich warten.


Wird Kilmer eines Tages zu einem Mythos werden?
Nach Auftritten in „Halbblut“, „Tombstone“, „Batman Forever“, „Heat“ und „Der Geist und die Dunkelheit“, in denen Kilmer immer überzeugte und auch unter namhaften Regisseuren wie neben gefeierten Schauspieler seinen Mann stand, spielte Kilmer im von der Presse zerrissenen „The Saint – Der Mann ohne Namen“ den Meisterdieb Simon Templar. Von da an läutete sich der Abwärtstrend ein: „Auf den ersten Blick“, „Pollock“, „Red Planet“, „The Salton Sea“, „Hard Cash“, „The Missing“, „Blind Horizon“, „Wonderland“, „Masked and Anonymous“, „Spartan“, „Mindhunders“, „Sinners“ und „Alexander“: Über 15 Filme in nur 6 Jahren. Das spricht wahrscheinlich für sich. Und auch sein wirklich brillanter Auftritt der Krimi-Komödie „Kiss Kiss, Bang Bang“, von dem man sich das heißersehnte Comeback von Val Kilmer erwartete, wollte ihn nicht zurück in die A-Liga hieven. Nun dümpelt Kilmer überwiegend in bedeutungslosen C-Movies mit, auch wenn ab und zu ein Angebot von Werner Herzog oder Fran cis Ford Coppola eintrudelt, während er vorher, wenn auch schon im Direct-to-DVD-Markt angelengt, wenigstens noch die ein oder andere Perle vorzuweisen hatte.


Die realen Möglichkeiten auf ein Comeback liegen begraben im Minusbereich, die Skandälchen summieren sich und seine Ranch in New Mexico wird wohl für lange Zeit der einzige Ort sein, an dem er sich noch unbekümmert aufhalten darf. Im Internet aufgrund seines Gewichts längst zur Lachnummer degradiert, darf man dennoch nie vergessen, dass Val Kilmer einmal ein wirklich verdammt guter Schauspieler war, den die Branche, wie so viele andere, einmal durchgekaut und anschließend ausgerotzt hat. Nun bleiben ihm nur noch Nicolas Cage, Cuba Gooding jr. und Christian Slater. Die Causa Val Kilmer darf ad acta gelegt werden. Wenn auch schweren Herzens. Außer es meldet sich noch ein gewisser Herr Tarantino zu Wort...


von souli