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Review: DIE ASCHE MEINER MUTTER – Once Upon a Time in Ireland

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Fakten:
Die Asche meiner Mutter (Angela’s Ashes)
Irland, USA. 1999. Regie: Alan Parker. Buch: Laura Jones, Alan Parker, Frank McCourt (Vorlage). Mit: Emily Watson, Robert Carlyle, Joe Breen, Ciaran Owens, Michael Legge, Ronnie Masterson, Andrew Bennett, Pauline McLynn, u.a. Länge: 145 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Frank McCourt zieht mit seinen Eltern von den Vereinigten Staaten in das schäbige Limerick, eine Stadt in Irland. Das irisch-stämmige Ehepaar McCourt hat aufgrund der Wirtschaftskrise in den 1930ern nämlich keine Arbeit gefunden. Allerdings sieht es für den nordirischen Vater aufgrund diverser Vorurteile auch in seiner neuen Heimat nicht besser aus und so muss der kleine Frank in Armut und einer Mischung aus Familienglück, Verzweiflung und Frust aufwachsen. Und er nimmt sich vor, sobald er genug Geld verdient hat, selbst das hässliche Limerick zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.




Meinung:
Eines scheint klar zu sein: Frank McCourt, Hauptfigur und Autor der Romanvorlage zu „Die Asche meiner Mutter“ mag Limerick nicht. Dieses kleine, schäbige Städtchen in Irland, aus dem seine Mutter stammt und in das er, gerade mal vier Jahre alt, mit Papa, Mama und Geschwistern aus den USA zurückkehrt, weil sie dort keine Arbeit fanden. Dies wird nicht nur in den Beschreibungen McCourts von Stadt und Leuten deutlich, sondern auch aus dem großen Wunsch Franks, genug Geld zu verdienen, um so schnell wie möglich wieder zurück in die Vereinigten Staaten zu kehren. Aber Geld, besonders dessen Fehlen, ist ein heikles Thema. Denn auch in Irland findet sein Dad keine Arbeit, als saufender Nordire hat er es im katholischen Irland ohnehin noch schwerer.


Mit Sack und Pack kommen die McCourts in Irland an
Mit Emily Watson (Breaking the Waves) und Robert Carlyle (Trainspotting) sind zwei gute Darsteller für die Rollen der Eltern Franks besetzt worden, wobei sie beide eher am Rand des Filmes stehen und nur wenige, dafür aber auch sehr intensive Momente bekommen, um zu glänzen. Stattdessen liegt der Fokus aber klar auf Frank, der mit Joe Breen, Ciaran Owens und Michael Legge insgesamt von drei verschiedenen Jungschauspielern in den verschiedenen Altersstadien zwischen sechs und 16 Jahren verkörpert wird. Die machen das aller erstaunlich gut, wobei besonders der Mittlere, Ciaran Owens, die meisten Sympathiepunkte für sich verbuchen kann. Besonders hervorzuheben ist auch der Erzähler, der die Bilder kommentiert, die Gedanken unserer Hauptfigur ausspricht und so reichlich zum Verständnis und zur Unterhaltung beiträgt. Der Erzählstil ist dabei zwar einerseits sehr trocken, aber gleichzeitig doch süffisant und wirkt stets unglaublich emotional, sodass er einen wichtigen Teil beisteuert, der zum Gelingen des Films beiträgt. Tragisch und lustig – für den Zuschauern wechseln sich Tränen und Lachen in hoher Geschwindigkeit ab.


Es ist ja auch verdammt kalt hier...
„Die Asche meiner Mutter“ gibt keine Hinweise darauf, warum der Film ausgerechnet diesen Namen trägt, wobei man ihm zu Gute halten muss, dass auch in Frank McCourts Roman davon in keiner Weise gesprochen wird. Erst im Nachfolgebuch wird diese Geschichte aufgeklärt. Statt um eine eingeäscherte Mutter geht es also um die Kindheit und Jugend von Frank, die in drei Blöcken erzählt wird. Dabei werden nicht nur die Probleme des Jungen mit Familie, Schule und der katholischen Kirche angesprochen, die sein Leben stark geprägt haben, es wird auch ein Gesellschaftsbild der Leute in Limerick gezeichnet, das für die dortigen Bewohner wenig schmeichelhaft erscheint. Konservativ, borniert, streng und wenig Mitgefühl für das Leid der schlechter Gestellten. Dabei sind sie stark in ihrem Glauben verbunden und lehnen alles ab, was anders ist. Das bekommen eben auch die McCourts zu spüren und führt zu einer Mischung aus dramatischen und komischen Situationen.


Als Coming-of-Age-Geschichte kann der Film mehr packen als der aktuell so hoch gepriesene Boyhood und hat darüber hinaus auch mehr Erzählenswertes zu bieten. Allerdings ist der Ansatz dafür konventioneller, indem eben verschiedene Darsteller für die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des jungen Frank verpflichtet wurden. An Genregrößen wie „Die Reifeprüfung“ oder Vielleicht lieber morgen kann er ohnehin nicht rankommen, aber die Darstellung eines Jungen in seinem Städtchen um die Zeit des zweiten Weltkrieges, in das viele historisch-politische Elemente aus dessen kindlicher Sicht eingebaut wurden, ist sehr schön anzusehen. Da eine wunderbare Mischung aus Witz und Tragik und die Möglichkeit, auch emotional tief mit den Figuren verbunden zu sein, den Film sehr gut abrunden und die Darsteller durch die Bank weg vor allem authentisch spielen, ist „Die Asche meiner Mutter“ ein äußerst sehenswerter Film geworden. Zumindest für alle, die nicht aus Limerick kommen.


7,5 von 10 Gruppenmasturbationen vorm Fenster der Schwester



Review: 12 UHR NACHTS – MIDNIGHT EXPRESS – Die Hölle auf Erden

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Fakten:
12 Uhr Nachts – Midnight Express (Midnight Express)
USA. 1978. Regie: Alan Parker. Buch: Oliver Stone. Mit: Brad Davis, Bo Hopkins, Randy Quaid, John Hurt, Irenen Miracle, Paolo Bonacelli, Paul L. Smith, Norbert Weisser, Vic Tablian u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1970, Flughafen Istanbul: Der Amerikaner Billy Hayes wird verhaftet wegen Haschischschmuggel. Vier Jahre später, nach einem langen Prozess, wird er zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Für Billy beginnt eine körperliche wie seelische Tortur. Zusammen mit seinen Mitgefangen Max und Jimmy plant er seine Flucht.





Meinung:
Alan Parker gehört zu den Filmemachern, die in diesen inflationär aufgestellten Toplisten gerne mal übergangen werden, ähnlich wie ein Peter Weir („Der einzige Zeuge“) oder auch Michael Cimino („Im Jahr des Drachen“), obwohl sie doch mit einer künstlerischen Kontinuität aufwarteten, von der viele andere Kollegen nur träumen dürfen. Unter der Ägide von Alan Parker entstanden Werke, an denen sich die Menschen noch in Jahrhunderten erfreuen werden, weil er es in formidabler Ausübung verstand, sowohl zwischen anspruchsvollem Kunstkino und packender Unterhaltung umherzuspringen, als auch in den unterschiedlichsten Genres Fuß zu fassen. Zu seinen Glanzleistungen gehören der schwüle Okkult-Thriller „Angel Heart“ wie der noch schwülere Rasssismus-Thriller „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“, die außerdem wunderbar veranschaulichen, wie akkurat Parkers Schauspielführung doch immer ausfiel. Parker war Zeit seiner Karriere kein Spaßvogel, Komödien sind in seiner Filmografie dann doch eher Mangelware. Beklemmender als in „12 Uhr nachts – Midnight Express“ hat man den Meister aber wohl nie erlebt.


So ein türkischer Knast ist kein Zuckerschlecken
Nach einem Drehbuch von Oliver Stone, der gemeinhin durch Filme wie „Platoon“, „JFK – Tatort Dallas“ und „Nixon – Untergang eines Präsidenten“ erfolgreich als politisch-engagierter Autorenfilmer etablierte, erzählt „12 Uhr nachts – Midnight Express“ die auf wahren Begebenheiten beruhende Passionsgeschichte des Billy Hayes: Bei seinem vierten Versuch, Haschisch aus der Türkei in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln, wird der damalige Student auf dem Istanbuler Flughafen überführt. Und nachdem sich Billy eine Kooperation mit dem Geheimdienst eigenständig durch einen Fluchtversuch vermasselt hat, wird er inhaftiert. Alan Parker beweist seine inszenatorische Finesse schon in der mehr als brillanten Exposition: Wie wir Zeuge davon werden, wie Billy das Haschisch in den Flieger schmuggeln möchte, ist Suspense-Kino der Extraklasse, verstärkt durch den stetig schneller pochenden Herzschlag auf der Tonspur (ein Mittel, das Parker in „Angel Heart“ nochmal aufgreifen wird). Schweißgebadet zeigt sich in dieser Sequenz gewiss nicht nur unser Protagonist, der die illegale Drogen nicht einmal zum Eigengebrauch verwenden wollte, sondern damit auf die schnelle ein paar Dollar verdienen.


Der Traum von Freiheit
Aber Straftat ist Straftat und Billy muss es sich ohne Wenn und Aber gefallen lassen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Wie dies allerdings vonstattengeht, entbehrt sich jedoch jedweder Verhältnismäßigkeit, und nachdem Billys Anwalt eine Haftstrafe von vier Jahren ausgehandelt hat, die für ihn als Erfolg gefeiert werden sollte, nimmt das Dilemma seinen Lauf: Knapp zwei Monate vor seiner Entlassung beschließt die türkische Justiz ein Exempel an ihm zu statuieren und verurteilt ihn nachträglich als Schmuggler zu lebenslänglich in einem Istanbuler Drecksloch von Gefängnis. „12 Uhr nachts – Midnight Express“ wächst heran zu einer wahren Tour de Force und lässt Billy hilflos durch die grauenhaften Gepflogenheiten dieses Mikrokosmos wanken. Der Willkür des sadistischen Aufsehers Hamidou ausgeliefert, müssen sich die Gefangenen drakonischer Folter unterziehen und desolate hygienische Zustände erfahren. Allein die Gefängniskulisse erzeugt den puren Ekel im Zuschauer: Alles scheint feucht und verschmutzt, die Insassen müssen zusammengepfercht in heruntergekommenen Zimmern nächtigen, bis es am nächsten Morgen wieder Schläge mit der Route auf die nackten Fußsohlen regnet.


 
Erwischt!
„12 Uhr nachts – Midnight Express“ fiktionalisiert den Leidensweg des Billy Hayes und Oliver Stone gestand später in einer Entschuldigung, die er an das türkische Volk richtete, dass er die Situation dann doch reichlich überdramatisierte. Aber geschenkt, wir sprechen von einem Spielfilm, der eine gewisse Wirkung einheimsen möchte, was ihm auch tadellos gelingt. Was „12 Uhr nachts – Midnight Express“ aber einen kleinen Zacken aus der Krone bricht, sind nicht die Umstände per se, denn dass es in einem türkischen Knast nicht gerade zimperlich zugeht, versteht sich wohl von selber. Es ist die Summe an auswegloser Grausamkeit, die Oliver Stone dem Zuschauer hier zumutet. Seine Skript weidet sich an einer markanten Xenophobie und Ressentiments, die noch heute beständig sind. Freundliche Türken hat „12 Uhr nachts – Midnight Express“ überhaupt nichts zu bieten, sonder nur durchtriebene und geisteskranke Zeitgenossen, den man kein Vertrauen schenken darf. Dass gerade diese Tatsache den echten Billy Hayes enttäuscht hat, versteht sich von selber, fällt dieser tendenziöse Habitus und der Hang zur Übertreibung doch irgendwo schon spürbar ins Gewicht. Und doch kauft man es Parker ab, dass er nicht vor hatte, ein derartig ungefiltertes Menschenbild zu propagieren.


Man könnte diese Darstellung auch aus einer repräsentativen Perspektive betrachten, die sich auf all die Systeme in unserer Welt bezieht, in denen sich Schuld und Sühne nicht die Waage halten, denn die Quintessenz von „12 Uhr nachts – Midnight Express“ ist der Aufruf gegen die vollstreckte Ungerechtigkeit, gegen eine korrupte (in diesem Fall eben osmanische) Rechtspolitik, die sich jedem logischen Verfahren entzieht. Was festzuhalten bleibt, ist, dass „12 Uhr nachts – Midnight Express“ manipulatives, aber simultan dazu eben auch erschreckend authentisches Kino ist. Das Gesetz des Dschungels thront über dem Gefängnis, Hoffnungsschimmer für Hoffnungsschimmer werden im Keim erstickt, Billy zerfällt immer weiter, bis es sich dann doch schlagartig eine erlösende Chance auf Rettung gibt – Endlich Durchatmen. Schön ist auch zu sehen, wie „12 Uhr nachts – Midnight Express“ es vermeidet, die Homosexualität ausschließlich als etwas widerwärtiges, etwas herabwürdigendes darzustellen. Vollkommen zu Recht ein Klassiker.


7,5 von 10 Küssen unter der Dusche


von souli

Review: DAS LEBEN DES DAVID GALE - Die gute Sache zählt

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Fakten:
Das Leben des David Gale (The Life of David Gale)
USA, GB, BRD, 2003. Regie: Alan Parker. Buch: Charles Randolph. Mit: Kevin Spacey, Kate Winslet, Laura Linney, Gabriel Mann, Matt Craven, Jim Beaver, Leon Rippy, Rhona Mitra, Michael Crabtree u.a. Länge: 125 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Journalistin Bitsey Bloom bekommt die Chance zu einem Interview mit dem zum Tode verurteilten David Gale, drei Tage vor seiner Hinrichtung. Er soll seine Kollegin vergewaltigt und grausam ermordet haben. Das Ungewöhnliche bei dem Fall: David Gale ist nicht irgendwer. Er ist ein hochintelligenter Philosophie-Professor, einst einer der angesehensten Köpfe an der Universität von Austin und ein vehementer Kämpfer gegen die Todesstrafe. Nun soll ausgerechnet er durch sie gerichtet werden. Zunächst hegt Bitsey aufgrund der erdrückenden Beweislast keinerlei Zweifel an der Schuld von Gale. Doch je mehr er ihr von seinem Leben erzählt, desto größer werden sie. Wurde Gale Opfer einer Intrige?

                                                        


Meinung:
- "Man weiß, dass man in der Bibel-Gegend ist, wenn dort mehr Kirchen sind als Starbucks."
- "Wenn da mehr Gefängnisse sind als Starbucks."


 
Kaum zu glauben, dass Alan Parker seit "Das Leben des David Gale" - inzwischen schon zehn Jahre alt - bei keinem Film mehr Regie geführt hat. Der Rastloseste war Parker eh nie, seine Vita weißt einige Pausen auf, dafür enorme Qualität, speziell in der Phase zwischen 1978 und 1988 (u.a. "Midnight Express", "Birdy", "Angel Heart", "Mississippi Burning"). Es ist zu hoffen, dass dies nicht sein letztes Werk bleiben wird, aber zumindest wäre es ein würdiger Abschluss. An die Qualität seiner besten Arbeiten kommt sein Thriller-Drama nicht ganz heran, was keine Schande darstellt und ihn dennoch zu einem starken, äußerst sehenswerten Film macht.

Star-Reporterin und Helferlein bei der Arbeit.
Parkers Film ist sowohl ein typisches Thriller-Puzzle, das durch Rückblenden seine Vorgeschichte erzählt (bzw. durch den angeblichen Täter erzählen lässt), ein menschliches Drama und gleichzeitig ein Statement gegen die Todesstrafe und speziell der Politik dessen Hochburg in der freien Welt: Texas. Kevin Spacey schlüpft - wie bei seiner Oscar-prämierten Rolle in "Die üblichen Verdächtigen" - wieder in die Rolle des Geschichtenerzählers, auf dessen Worte für seinen Gegenüber wie den Zuschauer ein Bild der Geschehnisse entsteht, ohne die Gewissheit, wie viel Glauben dem geschenkt werden kann. Sein Gegenpart, die straighte Karriere-Reporterin Bitsey Bloom (Kate Winslet), will sich zunächst nicht auf die Frage nach Schuld oder Unschuld einlassen, schließlich geht es hier um eine Story, nichts weiter. Die Geschichte des gefallenen Genies und die merkwürdigen Begleitumstände sorgen jedoch bald für ein Interesse ihrerseits, das weit über berufliche Neutralität hinausgeht. Das klug erzählte Skript legt nicht zu früh die Karten auf den Tisch und zwingt den Zuschauer nicht manipulativ in eine Ecke. Ist der brillante Geist Gale auch ein brillanter Lügner, der sich mit dem Interview in letzter Sekunde der "gerechten" Strafe entziehen will oder ein lästiger Freidenker, der durch die Maschinerie zum Schweigen gebracht werden soll, die er Zeit seines Lebens bekämpfte? Beides erscheint bis zum Schluß möglich, wodurch "Das Leben des David Gale" als Thriller eindeutig funktioniert.

 
Der Weg zur Wahrheit ist nicht immer schön.
Zeitgleich lässt der Film vor unseren Augen das erfolgreiche Leben eines augenscheinlich so guten, wenn auch zu Beginn sicherlich leicht selbstverliebten Mannes, zerbröckeln oder eher urplötzlich in tausend Teile zerspringen. Spacey verkörpert seinen Part gewohnt nuanciert und enorm abgeklärt, ohne seine Figur zu klar durchschaubar erscheinen zu lassen. Sämtliche Facetten - die positiven wie negativen - kommen zur Geltung, erlauben aber noch kein eindeutiges Urteil, was sich letztendlich als Wahrheit herausstellen wird. Dezente Hinweise auf die finale Lösung werden zwar eingestreut, doch wie schon bei Parkers Meisterwerk "Angel Heart", sind dies Momente, die sich unmöglich beim ersten Ansehen als zu offensichtliche Spoiler identifizieren lassen. Verdachtsmomente, sicher, nur mehr ist das (erst mal) nicht. Der überlegte Zuschauer stellt sich sicher schon gewisse Fragen, etwa nach diversen Details, doch das sollte ein überdurchschnittlicher Thriller mit diesem Anspruch auch bieten, ohne ihn zu früh zu enttarnen und dem Finale durch eindeutige Vorhersehbarkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen.

 
Genialer Mörder oder armes Opfer?
Was besonders auffällt und "Das Leben des David Gale" zu mehr als der üblichen Suche nach der Wahrheit macht, ist seine Thematik und der offensichtliche Fingerzeig auf das Justizsystem der USA, ins besonders das der christlich-republikanisch geprägten Staaten, die die biblisch Auge-um-Auge-Rechtsprechung noch als zeitgemäß und gerechtfertigt betrachten. Als Brite kann Parker sich relativ unbefangen einen Blick auf dieses System erlauben, sein Standpunkt scheint ersichtlich, obwohl der Film keine ganz klare Position bezieht, im Sinne von überdeutlich und mit dem erhobenen Zeigefinger zu fuchteln. Das schaffte eine Film wie "Dead Man Walking" deutlicher und bewusster, oberste Priorität hat das hier nicht, ist jedoch keine bloße Randnotiz. Die Darstellung des Denkens und Handelns im Cowboy-Staat enthält genug Einzelheiten, die Standpunkt genug sind (No Hostages Will Exit). Darunter fällt dann schließlich auch das Ende des Films, welches im ersten Moment unglaubwürdig und zu extrem erscheint, bei genauerer Betrachtung einfach eine sehr konsequente Maßnahme ist, die aus der vorher erzählten und charakterisierten Handlung und Figurenzeichnung sogar als befremdlich-schlüssig erscheint. Gerade weil die Figuren und das Gesamte so genau skizziert wurden, hält es jeder Kritik stand. Ob man selbst so handeln würde, das steht nicht zur Debatte. Ob es für diese Figuren Sinn macht schon eher. Und das tut es. Und macht die Thematik sehr eindringlich. Was muss man tun, wie weit muss man gehen, was ist ein Leben wert und vor allem, wofür kann es gut sein? Selbst wenn...


Ein interessanter Film, hervorragend gespielt und inszeniert, dessen Geschichte auf dem Papier und grob überflogen sehr konstruiert und lebensfremd wirken mag, aufgrund der detaillierten, durchdachten und feinen Inszenierung genau diese Hürde erstaunlich abgeklärt überspringt. Mit einem weniger schlüssigen Skript aufgrund seiner nahgebrachten Figuren und einem nicht so fähigen Regisseur sicher ein schwieriges Unterfangen, so ganz genau richtig. Alan Parker soll bitte wieder mal einen Film drehen. Das er es so lange nicht getan hat, spricht vielleicht auch für ihn. Francis Ford Coppola macht aus Langeweile oder knapper Kasse so was wie "Twixt". Wenn das der Grund ist, dann viel Spaß bei der Gartenarbeit Mr. Parker und vielen Dank für alles.

 



7,5 von 10 Schlüsseln zur Freiheit

Specials: souli & stu... und die besten Cops der Filmgeschichte

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Wir von den drei Muscheln wollten mal mit einem Gast-Autor was machen. Wir haben viele gefragt, die großen Blogger, vor denen wir ehrfürchtig niederknien und die wir in unsere Gebete einschließen. Wir haben gebettelt und gehofft. Am Ende haben wir dann doch nur souli von unserem Blog Buddy CinemaForever bekommen. Na ja, für’s erste Mal sollte das wohl reichen. Zusammen mit stu präsentiert souli seine Lieblings-Cops aus Kino und TV. Dafür bekam stu ein lobendes Wort von seiner Kollegin mondsafari und souli eine Tüte Gummibärchen, die wir ihm innerhalb der nächsten Monate zuschicken werden - ehrlich.



Stu's Nr. 5: COP LAND (Freddy Heflin)


In seiner Filmographie sticht „Cop Land“ schon ziemlich heraus. Sylvester Stallone darf unter der Regie von James Mangold nicht nur eine beachtliche Wampe vor sich her tragen und mit Größen wie Harvey Keitel und Robert DeNiro spielen, sondern konnte sich auch als ernstzunehmende Schauspieler abseits von Muskelpräsentationen und maskulinem Waffen-Pornos beweisen. Stallone spielt den lethargischen Sheriff Freddy, der ausgerechnet in einer Stadt für Ruhe und Ordnung sorgen soll, in denen korrupte New Yorker Cops leben. „Cop Land“ ist kein wirklich sensationeller Film, aber wie Mangold Stallone in Szene setzt ist überaus gelungen und ansprechend. Dem Italian Stallion gelingt es, dass man während der Film läuft, nicht Rocky oder Rambo zu sehen glaubt, sondern wirklich den tumben aber herzensguten Sheriff Freddy, der im Finale a la "High Noon" seinen Mann stehen muss. Eine beachtliche Leistung, die Stallones Kollege Schwarzenegger bisher noch nie erreicht hat.


Souli's Nr. 5: MISSISSIPPI BURNING (Rupert Anderson)


Den Beginn macht Gene Hackman, jedoch nicht als Jimmy Doyle in William Friedkins "French Connection", sondern als Agent Anderson in Alan Parkers "Mississippi Burning", der Doyle offensichtlich ziemlich ähnlich ist. Genau wie im grauen Klassiker von 1971 kennt Anderson keine Gnade im Umgang mit dem Verbrechen und die Trennlinien seiner Methoden verschwimmen nicht nur einmal. Andrson ist ein zynischer und brutaler Zeitgenosse, er lässt die Fäuste sprechen, explodiert im Anbetracht der Lügen und dennoch setzt er sich für das Richtige ein. Gene Hackman ist erneut die Idealbesetzung und wenn er sich im Rasiersalon Brad Dourif vorknöpft, zählt das zu den ganz großen Momenten im Film, wie auch in Hackmans Schaffen.


Stu's Nr. 4: SLEDGE HAMMER (Hammer - und seine Susie)

Im Fernsehen sind Polizisten ähnlich präsent wie auf der Leinwand. Auch hier gibt es die Denker, die Pragmatiker und die Bulldozer. Sledge Hammer aus der gleichnamige Serie gehört zu letzteren Sorte. Wenn er mit seinem Waffe, die er liebevoll Susie nennt, auf Ganovenjagd geht, werden schon mal ganze Häuserzüge dem Erdboden gleich gemacht. Das ist aber alles andere als ernst gemeint. Hammer ist pure Parodie auf alle breitkreuzigen Bullen, die erst schießen und dann fragen. Die Serie ist Kult, u.a. auch weil sie immer wieder Thematiken von anderen Filmen aufs Korn nimmt, so z.B. den Klassiker „Assault on Precient 13“ von   John Carpenter. Vor allem in Deutschland erfreut sich der waffenvernarrte Cop (gespielt von David Rasche) immer noch großer Beliebtheit, gehörte er doch zu den ersten komödiantischen Serien die damals auf den noch jungen Privatsendern zu sehen waren. Übrigens, Hammer setzte sich gegen Clancy Wiggum aus "The Simpsons" durch. Wahrscheinlich wegen des gigantischen Nostalgie-Faktors.


Souli's Nr. 4: TRAINING DAY (Jake Hoyt)

Ethan Hawke gibt in Antoine Fuquas "Training Day" den Streifenfrischling Jake Hoyt, der mit dem korruptesten und durchtriebensten Cop Alonzo Harris zusammenarbeiten muss und die Abgründe der Polizeiarbeit erblickt. Hoyt ist eine Art Frank Serpico. Will er die Gesellschaft doch vor dem „Bösen“ retten, wird er selber gezwungener Teil dieser dunklen Seite, die ihn machtlos aufsaugt, bis ihm nur noch die Gewalt selbst bleibt. Washington bekam für seinen dreckigen Cop den Oscar für den besten Hauptdarsteller und Hawke, eindeutig besser als Washington, ging mit leeren Taschen nach Hause. Was solls, wenigstens hat er eine Großleistung abgeliefert und einen wirklich tollen Charakter dargestellt.


Stu's Nr. 3: L.A. CONFIDENTIAL (Bud White)

Regisseur Curtis Hanson adaptierte zusammen mit Brian Helgeland denRoman „L.A. Confidential“ von Autoren-Legende Elmore Leonard für die große Leinwand. Das Ergebnis ist ein stilsicherer und fesselnder Hard-Boiled-Noir-Krimi mit Starbesetzung. Der damals noch recht unbekannte Russel Crowe mimt hier den rauen Cop Bud White, der hart zuschlägt und trotz seines rauen Auftretens immer noch ein Gentleman alter Schule ist. Bud White ist von der Charakterisierung keine wirklich kreative oder neuartige Figur, aber er befolgt alle Erwartungen so stilsicher und bleibt trotz allem interessant und spannend, dass er für mich im Pool der in „L.A. Confidential“ anwesenden Typen mein klarer Liebling ist. Bud White ist einfach eine wunderbare Mixtur aus Bad-Ass-Cop und Beschützer-Onkel. Das Flair vom alten Hollywood, tut das übrige dazu, dass White sowie „L.A. Confidential“ zur Königklasse des Krimi- und Cop-Genres gehört.



Souli's Nr. 3: DER CHEF (Edouard Coleman)

Jetzt was von Melville, aber nicht zum letzten Mal, versprochen. Sein viel zu frühes Abschiedswerk, dafür aber dennoch ein erstklassiges und in jeder Szene eiskaltes. Der Chef ist die atmosphärische Kälte, gerade in Verbindung mit dem unübersehbaren Blaustich, setzt sich diese unterkühlte Welt auch im Zuschauer fest. Ebenfalls Teil dieser Welt ist Polizeikommissar Edouard Coleman. Ein cooler, attraktiver und doch zielstrebiger Mann, der ausgerechnet seinen langjährigen Freund plötzlich als Feind sehen muss. Wie Melville diese Geschichte inszeniert ist großartig, wenngleich es doch ein Stück von seiner wirklichen Meisterklasse entfernt ist. Coleman, die Schurken und ganz Frankreich erfrieren im Taumel der Zeit. Außerdem liefert Delon hier noch die beste Klavierszene der Filmgeschichte.


Stu's Nr 2: KOPS (Die gesamte Truppe)

In Skandinavien entstehen schon seltsame Filme, aber auch verdammt gute und lustige. Genau wie „Kops“ von Josef Fares. Inhalt: In einem Kaff soll die Polizeiwache wegen mangelnden Verbrechen geschlossen werden. Was tun? Na, warum nicht selbst etwas Illegales tun und somit die Wache am Laufen halten? „Kops“ ist voller skurriler aber liebenswerter Polizisten. Der eine versucht sich beim Blind Date, der andere träumt gegen böse Gangster im Actionfilm-Stil zu kämpfen und die Kollegin strickt lustige Kopfbänder mit den Initialen der Kameraden. Dass diese Figuren beim Versuch etwas Gesetzwidriges zu machen, entweder total versagen oder gleich ein ganzes Imbissbude in die Luft jagen, macht sie so liebenswert wie chaotisch. Ein wirklich komischer Film, der gut und gerne auch als Karikatur des Hollywood-Cops funktioniert. Mal sehen ob das langgeplante US-Remake den Charme des Originals ebenso gut trifft.


Souli's Nr. 2: VIER IM ROTEN KREIS (Commissaire Mattei)


Meville war ein Meister seines Fachs und seine Filme verfügten über Charakterzeichnungen, die nicht selten an der tiefen Perfektion geklopft haben. So auch Bourvil, eher ein Spaßvogel in seinen vorherigen Filmen, gerne auch mit Louis de Funens, als humorloser und harter Commissaire Mattei. Wenn Bourvil den Satz sagt: „Sie kommen unschuldig auf die Welt, aber bleiben es nicht.“ Dann spricht da nicht nur der suchende Polizist, sondern auch der von Trauer erfüllte Mensch, der die Menschen sucht, die die seine Gegenwart ausmachen und zunehmend mit grauen Schleiern bedecken. Mit Alain Delon, Yves Montand und Gian Maria Volonte hat Bourvil auch drei Gegenspieler, die mit seiner Klasse mithalten können und "Vier im roten Kreis" zu dem machen, was er ist: Ein Meisterwerk.


Stu's Nr. 1: DIE NACKTE KANONE (Frank Drebin)

Machen wir uns nichts vor, es kann nur einen geben: Frank Drebin. Der dusselige Cop, der uns innerhalb einer TV-Serie und drei Kinofilmen mehr witzige Zitate schenkte, als unsere Mütter, die versuchen mit diesem „Internetz“ klar zu kommen. Drebin ist „Die nackte Kanone“ und die ist seit einer Ewigkeit Kult und einfach nicht mehr wegzudenken. Unzählige Videoabende und Ausstrahlungen im Free- und Pay-TV konnten dieser kongenialen wie saulustigen Reihe nichts anhaben. Und selbst wenn der finale dritte Teil vielleicht nicht mehr ganz so gut war, wie seine Vorgänger, so kann man Leslie Nielsen als Lt. Frank Drebin einfach nicht oft genug sehen. Seine Komik, die meist daraus resultiert, dass Drebin selbst bei aberwitzigsten Situation ernst bleibt, wurde oft und gerne kopiert, aber niemals besaß sie solch eine Durchschlagskraft wie bei meiner klaren Nummer eins der Film-Cops. Und wenn ich schon mal dabei bin, hier noch schnell ein Dankeschön, an den leider verstorbenen Leslie Nielsen: Mr. Nielsen, vielen Dank!!!


Souli's Nr 1: HEAT (Vincent Hanna)

Al Pacino in einer seiner unzähligen Paraderolle. Als LAPD Lieutenant Vincent Hanna gibt Pacino nicht nur einen typischen Cop, einen von vielen, der gegen die bösen Buben kämpft, sondern Pacino verleiht seiner Figur wieder in jeder Szene Persönlichkeit und macht Hanna lebendig und fühlbar. Auf der Jagd nach dem Obergangster Neil McCauley (Robert DeNiro), mit dem Hanna charaktertechnisch gar nicht mal so verschieden ist, wird Pacino nicht nur zum cholerischen, konsequenten, coolen und einfach sympathischen Gesetzeshüter, sondern auch zu einem der besten der Filmgeschichte, genau wie "Heat" selber einer der besten Filme aller Zeiten ist und ein Paradebeispiel für den perfekten Cop vs. Gangster-Thriller.


Wir  danken souli für seine Mithilfe. Wenn ihr mehr von souli lesen wollt dann könnt ihr seine Kritiken und Meinungen zu diversen Filmen bei CinemaForever begutachten oder ihr besucht ihn mal bei Moviepilot.