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Review: WAY OF THE WICKED – DER TEUFEL STIRBT NIE! - Das Böse trägt Lederjacke

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Fakten:
Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!
USA, Kanada. 2014. Regie: Kevin Carraway. Buch: Matthew Robert Kelly.
Mit: Vinnie Jones, Emily Tennant, Christian Slater, Jake Croker, Aren Buchholz, Matthew robert Kelly, Jillian Fargey, Jedidiah Goodacre u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eine Kleinstadt wird von einer Reihe unheimlicher Morde heimgesucht. Vater Henry verständigt die örtliche Polizei, dass diese Morde keineswegs die Tat eines normalen Menschen sein können, doch niemand schenkt ihm Glauben. Doch als ein mysteriöser Teenager in die Stadt zieht und sich die düstern Ereignisse häufen, muss Dorfpolizist John einsehen, dass Henry vielleicht doch recht hatte.





Meinung:
Auf einer ominösen Blog-Seite, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchte (Tipp: Ihr befindet euch gerade auf ihr), soll der Horror-Thriller „Playback“ aus dem Jahre 2014 ja insgeheim fragwürdigen Kult-Status besitzen, nicht zuletzt wegen dem reinrassigen Etikettenschwindel, der das Cover des Anti-Vergnügens auszeichnet. Darauf nämlich sehen wir Christian Slater, jedenfalls die Hälfte seines Konterfei, während seine Augen rot gleißend dem Zuschauer vermitteln: Irgendwas scheint faul im Staate Dänemark. Am Ende berief sich Slaters Auftritt in „Playback“ auf 10 peinliche Minuten, in denen sich der einstige „Interview mit einem Vampir“-Star auch noch als notgeiler Stelzbock, der die Teenie-Mädels gerne mal beim Duschen beobachtet, verballhornen hat lassen. Nun hat es vor einigen Wochen ein weiterer Horror-Thriller mit Christian Slater auf dem Cover in die Heimkino-Regale geschafft: „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“. Und falls sich da draußen (neben dem bemitleidenswerten Autor dieses Textes) noch ein weiterer Christian-Slater-Fan herumtummeln sollte, sei diesem gesagt: Du bist nicht allein!


Vater Henry und Cop John
Mehr als 10 Minuten Screentime jedoch hat sich Christian Slater auch in „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ nicht sichern können respektive wollen, wenn in diesem Mann überhaupt noch ein Funken Selbstachtung residieren sollte. Immerhin hat er zuletzt in Lars von Triers „Nymph()maniac“ gezeigt, dass auch er noch durchaus in der Lage ist, in seriösen Arthaus-Produktionen zu bestehen. Mit „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ sind wir freilich nicht im Arthaus-Segment, es stellt sich irgendwie auch die Frage, ob wir es mit „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ überhaupt mit einem Film zu bekommen und nicht eher mit dem komatösen Zustand eines reinrassigen Kunstverweigerers namens Kevin Carraway. Christian Slater schlüpft in die Rolle des Priester Henry und darf sich die meiste Zeit damit beschäftigt, durch die ländliche Vorstadt zu stolpern und dem Zuschauer durch seine verkniffene Mine zu vermitteln, dass er bald mit schrecklichen Vorkommnissen konfrontiert wird. Ihm zur Seite steht Vinnie Jones als bullig-grummeliger Dorfpolizist, der seit dem Tod seiner Frau Töchterlein Heather (Emily Tennant) mit obligatorischer Überfürsorge begegnet.


Ja, liebe Leser, ihr merkt es bereits: Bei diesem Film liegt etwas von einer gar sinnstiftenden Wertigkeit im Argen, nicht wahr? Oder anders ausgedrückt: „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ ist einfach grauenhaft schlechtes Dumpfbackenkino. So wie es nun mal auch zu erwarten war, da gibt es keine Ausflüchte. Mit Tropen bestückt, die sich der Filmwelt schon vor 20 Jahren überdrüssig gezeigt haben, geht es hier ans Eingemachte. Was für Regisseur Kevin Carraway aber nur durch eine gleichförmige Statik in der Inszenierung einzufangen gewesen scheint. Dass ein Jugendlicher (in diesem Fall Jake Croker als Robbie) mit paranormalen Fähigkeiten versehen wurde, ist altbacken. Dass ausgerechnet die Tochter des Polizisten mit diesem teuflischen Buben anbandelt, ist wahrhaft morastig, dass sich sich der Film in all seiner schier grenzenlosen Debilität auch noch für voll nimmt, grenzt an einer (beinahe) neuen Form der filmischen Idiotie, würde man es inzwischen nicht allzu oft mit derlei Schund an DTV-Krempel zu tun bekommen (Gruß an „Das Blut der Priester“). Aber man könnte ja daraus lernen, wenn man möchte. Wenn. Möchte man aber nicht. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal.


1,5 von 10 Kruzifixen im Hals


von souli

Review: URLAUB IN DER HÖLLE – Hetzjagd im Namen des Satans

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Fakten:
Urlaub in der Hölle a.k.a. Vier im rasenden Sarg (Race with the Devil)
USA. 1975. Regie: Jack Starrett. Buch: Wes Bishop, Lee Frost. Mit: Peter Fonda, Warren Oates, Loretta Swit, R.G. Armstrong, Lara Parker u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Zusammen mit ihren Ehefrauen fahren Frank und Roger in den Campingurlaub. Bei einem nächtlichen Zwischenstopp werden sie Zeuge, wie eine okkulte Sekte eine junge Frau tötet. Als sie bemerkt werden, müssen sie flüchten und können ihre Verfolger abhängen – vorerst.






Meinung:
Wenn „Urlaub in der Hölle“ eines ist, dann voll und ganz ein Kind seiner Zeit. Wir müssen uns zurück in die glorreichen 1970er Jahre versetzen; eine Dekade, in der der Okkultismus nicht mehr nur am äußersten gesellschaftlichen Rand florierte, sondern sich längst Einzug in unsere wohlbehütete Nachbarschaft verschaffte (dafür dürfen wir wohl nicht zuletzt Roman Polanskis „Rosemary's Baby“ danken) und die Jünger des Teufels könnten dem infernalischen Handwerk des Gehörnten womöglich schon ein Stockwerk tiefer frönen. Auch das Paranoia-Kino feierte in den 1970er Jahren Hochkonjunktur und bestach durch politisch-engagierte Ableger („Die Unbestechlichen“), wie auch im Science-Fiction/Horror-Segment („Die Körperfresser kommen“). Mischt man diesen Elementen noch einen deftigen Spritzer an Ressentiments gegenüber dem (amerikanischen) Hinterland bei, dann haben wir die wesentlichen Bestandteile beisammen, aus denen sich „Urlaub in der Hölle“ (der damals auch unter dem tollen Titel „Vier im rasenden Sarg“ beworben wurde) nach und nach zusammensetzt.


Postkartenmotiv für die Lieben daheim
Im komfortablen Wohnmobil düsen Roger (Peter Fonda) und Frank (Warren Oates) mit ihren Frauen dann auch schnurstracks in Richtung Colorado, um der sengende Hitze der texanischen Weiten für einige Zeit abzuschwören und den Skiurlaub in den Rocky Mountains auszukosten. Zwischendurch wird dann einfach irgendwo Halt gemacht, unter freiem Himmel diniert und das Nachtlager eingerichtet. Schon in den ersten Minuten, wenn „Urlaub in der Hölle“ einige Stunts mit dem Motorbike und die dazugehörigen Rennszenen hinter sich gebracht hat (Roger ist schließlich passionierter Speedway-Profi), fördert das Drehbuch auch die mit dem Wohnmobil verbundenen amerikanischen Ideale ans Tageslicht: Ein Amerikaner hat das Recht, sich dort heimisch zu fühlen, wo er will, solang er den nationalen Boden unter seinen Füßen spürt. Da kommt die Mobilität natürlich gerade recht. Der Spaß aber findet dann sein jähes Ende, wenn Roger und Frank eines abends Zeuge werden, wie eine nackte Frau bei einem satanischen Ritual vor lodernden Flammen geopfert wird. Von Entspannung im winterlichen Idyll kann von dort an keine Rede mehr sein und eine unermüdliche Hetzjagd findet ihren atmosphärischen Auftakt.


-"Ah, eine Schlange!" - "Ah, Peter Fonda!"
Aber wo wir gerade bei der Atmosphäre des Films sind: Es gibt durchaus eine Handvoll Momente, die verfehlen ihre Wirkung nicht und ein rechter Gruselfaktor ob der unsicheren Lage stimmt ein in das Geschehen. Auch wird man zuweilen von dem Gefühl geplagt, ständig mehrere Paar Augen im Nacken hängen zu haben. Man darf von „Urlaub in der Hölle“ trotzdem keine treibende Hochspannung erwarten, die einem Klassiker-Status gerecht werden würde. Dafür nimmt sich das Narrativ nicht nur im Mittelteil zu viel Dampf raus, er ist irgendwo auch zu einfach gestrickt, was ihn nur zu gerne konventionell erscheinen lässt. „Urlaub in der Hölle“ aber ist ein uriges Unterfangen, in dem noch klare Geschlechterrolle propagiert werden und der Mann (inklusive permanenter Zugeständnisse an seine Maskulinität) die Hosen hat, der sich ab einem bestimmten Punkt dazu gezwungen sieht, mit Waffengewalt gegen die wachsende Bedrohung vorzugehen. Die Damen hingegen blättern hilflos durch Enzyklopädien über die Dämonologie oder kreischen sich die Stimmbänder rissig. Besonders gut wird das in der Szene dargeboten, in denen die Vier in ihrem Wohnwagen von zwei Klapperschlangen attackiert werden.


Ein echter Mann schützt sein Eigentum nun maö. Wenn dann sechzig Minuten überstanden sind und ein ulkiges Gespräch mit dem Dorfsheriff getätigt wurde, der die Satanisten für Hippies hält (Ist ja auch geradezu charakteristisch für Hippies, dass diese Katzen das Fell abziehen und sich dann mit dem Blut einschmieren), darf es nochmal richtig rappeln im Karton und „Urlaub in der Hölle“ setzt auf polternde Action-Sequenzen, in denen Menschen auf Autos springen, kurz bevor sich diese spektakulär überschlagen. Es ist schon ein unterhaltsamer Film, den Jack Starrett („Ein Fall für Cleopatra Jones“) da ins Leben gerufen hat, wenn auch beileibe kein schaurig-feuriges Opus. Dafür muss man auch sagen, dass die eigentlichen Kontrahenten in ihrer Motivation die Grundierung fehlt und die okkulte Gesinnung einfach mehr Hintergrund bekommen hätte MÜSSEN. So sind es austauschbare Fieslingen, die genauso gut dem Ku-Klux-Klan angehören hätten können. Sehenswert bleibt er, gerade auch, wenn man ihn in seinem zeitlichen Kontext liest.


6 von 10 flackernden Lagerfeuern


von souli

Review: THE LORDS OF SALEM - Satan bevorzugt Vinyl

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Fakten:
The Lords of Salem
USA, 2012. Regie & Buch: Rob Zombie. Mit: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Judy Geeson, Meg Foster, Patricia Quinn, Ken Forree, Dee Wallace, Maria Conchita Alonso, Richard Fancy, Andrew Prine, Michael Berryman, Sid Haig, Bonita Friedericy, Nancy Linehan Charles u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


 
Story:
Radio-Moderatorin Heidi und ihre Kollegen erhalten ein Paket, abgeschickt von "den Lords". Es enthält eine Schallplatte, die sie in ihrer Sendung spielen. Die abstrakten Klänge kommen nicht nur erstaunlich gut bei ihren Hörern an, sie erzeugen bei Heidi merkwürdige Flashbacks und Visionen. Fortan hat die Frau mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen zu kämpfen, die mit der Vergangenheit ihres Heimatorts Salem in Verbindung zu stehen scheinen. Einst fanden hier satanische Rituale eines Hexenzirkels statt, der vom Reverend und seinen Inquisitoren blutig zerschlagen wurde. Als die mysteriösen Lords mit ihrem zweiten Paket ein Konzert in Salem ankündigen, steigern sich Heidis Visionen immer weiter und bald kann sie nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Wer sind die Lords of Salem und was wollen sie von ihr?


                                                                                   


Meinung:
Mit seinem fünften Spielfilm dürfte der eh umstrittene Regisseur Rob Zombie nun endgültig polarisieren. Sein lange angekündigtes Baby "The Lords of Salem" macht mal so gar keine Anstalten, sich beim breiten Publikum anzubiedern - eher im Gegenteil. Wie schon bei seinem letzten Film "Halloween 2" schert sich Zombie scheinbar nicht viel darum, ob das gut ankommen wird oder nicht. Er geht hier sogar noch einen Schritt weiter. Fast scheint es so, als wenn er mit diesem Film nur einen Zuschauer befriedigen will: Sich selbst. Wenn das noch jemanden gefallen sollte, super, aber darum geht es ihm nicht. "The Lords of Salem" ist sein Film, von ihm für ihn und die Zuschauer sind herzlich dazu eingeladen, an seiner Privat-Party teilzuhaben...nur ohne Gewähr.

Bequem ist anders.
Ob man nun Zombie für einen Trottel, das neue Wunderkind des Horrorfilms oder nichts von alledem hält, eines muss man ihm lassen: Der Mann sollte Unterricht über Kostenminimierung im Filmgeschäft abhalten, da können einigen Herren noch was lernen. Für 1,5 Millionen $ binden sich manche Stars nicht mal die Schuhe zu, damit dreht Zombie einen ganzen Film. Kein Zwei-Personen-Stück in einem Keller, sondern einen kompletten Film mit allem Drum und Dran, inklusive Masken, Effekten und sogar einem relativ namenhaften (wenn sicherlich auch bezahlbaren) Cast. Respekt! Natürlich müssen da in einigen Punkten leichte Abstriche gemacht werden und etwas mehr Kohle hätte dem Werk in Details bestimmt nicht geschadet (speziell bei Masken, Effekten und Setdesign), doch Zombie macht aus der Not (meistens) eine Tugend und setzt seine begrenzten Mittel recht effektiv ein. Da kommt ihm sein Gespür für Stimmung zugute, das kann enorm über gewisse Makel hinwegtäuschen. Nur manchmal gerät er schon sichtlich an seine Grenzen, an einigen Stellen wäre weniger klar mehr gewesen. Zwar muss Zombie für seinen Anspruch gelobt werden, sich von dem Budget nicht zu sehr die Hände auf den Rücken fesseln lassen zu wollen, jedoch hätte er auf einige Effekte lieber verzichten sollen, die eher albern rüberkommen. Das zerstört kurzzeitig die eigentlich durchgehend beklemmende Atmosphäre und holt den Zuschauer ruckartig auf den Boden der Tatsachen zurück. Gerade der ist allerdings bei "The Lords of Salem" überhaupt nicht das Maß der Dinge.

Karneval in Salem.
Wenn man denn die puren Tatsachen betrachtet: Eine Story existiert nur rudimentär, narrativ wird sich aufs Nötigste beschränkt und Zombie's Ehefrau Sheri Moon wird abseits seiner Produktionen wohl niemals eine Hauptrolle spielen. Bemüht ist sie ohne Frage, nur mehr lässt sich ihr kaum anrechnen. Wenn die mal halbwegs gefordert wird, ist der Ofen schnell aus. Das, gepaart mit den lächerlichen Mitteln, würde vielen Filmen schon das Genick brechen. Genau an dem Punkt schlägt jetzt das durch, was "The Lords of Salem" - und Rob Zombie im Allgemeinen - so interessant und besonders macht. Zombie offenbart mal wieder seine uneingeschränkte Liebe und Hingabe zum Genre, sein Fachkenntnis, sein Nerd-Herz. Oft erinnert sein Werk an das europäische Horrorkino der Vergangenheit, in seinen Schwächen wie Stärken. Eine starke Bildsprache, eine verstörend-beängstigende Soundkulisse, faszinierend-morbide Einfälle und abstrakte Momente, teilweise grandios in Szene gesetzt. Dazu ist kein Geld erforderlich, man muss nur wissen wie was wirkt und was man will, und dies versteht Zombie einwandfrei. Die Geschichte gerät vollkommen zur Nebensache, wenn man sich in Zombies okkulten Strudel aus Bild, Ton, Symbolik und Referenzen verliert. Das funktioniert partiell prächtig. Als wenn Rob Zombie den Film drehen würde, den Dario Argento bei seinem beschämenden Mütter-Trilogie-Abschluss "The Mother of Tears" nicht hinbekommen hat. Tatsächlich könnte "The Lords of Salem" fast als solcher funktionieren, Parallelen sind vorhanden, handwerklich wie von der Geschichte. Zwar ist Zombie nie so gut wie Argento zu seinen besten Zeiten, allerdings würde der alte Dario wohl alles dafür geben, heute so gut zu sein wie Zombie hier.
 
"The Lords of Salem" macht es einem echt nicht einfach. Mal ist das bärenstark, mal unpassend trashig, mal großartig und mal fast albern. Bezeichnend dafür ist das Finale, in dem ist alles drin. Grandiose Einstellungen wechseln mit absurder Clipästhetik, wie MTV auf LSD. Das hinterlässt einen merkwürdigen Eindruck, wirkt wüst und wild zusammengeworfen, doch das ist es dann wohl, was Rob Zombie wollte und er geil findet. Es sei ihm gegönnt, ist ja sein Film. Durch und durch. Man kann zu diesem teils beachtlichen, teils merkwürdigen Hexensabbat stehen wie man will, nur eins ist unbestreitbar: Er ist anders und mutig. Das ist schon mal mehr, als andere Regisseure jemals hinbekommen werden.
6,5 von 10 Schallplatten aus der Hölle

Review: BLOOD CREEK - Unsere kleine Nazi-Farm

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Fakten:
Blood Creek (Town Creek)
USA, 2009. Regie: Joel Schumacher. Buch: David Kajganich. Mit: Dominic Purcell, Henry Cavill, Emma Both, Michael Fassbender, Rainer Winkelvoss, László Mátray, Joy McBrinn, Shea Whigham, Tony Barger u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach zwei Jahren taucht Evans totgeglaubter Bruder Victor plötzlich aus dem Nichts wieder auf und bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Er erzählt von einer okkulten Familie, die ihn gefangen gehalten und gequält hat. Sein mit Narben übersäter Körper genügt Evan als Beweis dafür, dass sein Bruder die Wahrheit sagt. Kurzerhand beschließen sie die grausamen Taten zu rächen und den Tätern ein Ende zu bereiten. Bis an die Zähne bewaffnet machen sie sich auf den Weg. Als sie auf den abgelegenen Landgut ankommen, müssen sie allerdings feststellen, dass die einfache Bauernfamilie das geringste Übel ist...



Meinung:
In knapp 30 Jahren als Filmregiesseur wagt sich Joel Schumacher auf ungewohntes Terrain. Der hollywooderprobte Routinier mit der wechselhaften Vita hatte zwar schon Horrorfilmerfahrung ("The Lost Boys", "Flatliners"), wobei sich diese Filme doch eher an einem breiterem Publikum orientierten. "Blood Creek" ist ein waschechter Genrefilm, der ausschließlich an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet ist. Ob es an Angeboten mangelte oder Schumacher einfach mal Lust auf so was hatte, ich weiß es nicht. Was ich glaube zu wissen: So richtig liegt ihm das nicht. 


Das er es versteht, einen Film optisch ansprechend zu verkaufen, das sieht man. Da hebt sich "Blood Creek" ohne Frage deutlich vom B-Movie Einheitsbrei ab. Das ist ein Pluspunkt, was dahinter steht wird ihm obskurer Weise zum Verhängnis. Denn was Schumacher rein handwerklich richtig macht, zieht diesem ambitionierten Genrefilm den Boden unter den Füßen weg. 


Nazi vorher...
Was dem Zuschauer aufgetischt wird, ist ein okkultes Zombie-Nazi(!)-Gesplattere, dessen Potenzial richtig gut ist. Nur eben nicht dafür, was Schumacher anpeilt. Sicher, er verfilmt (wie immer) kein eigenes Skript, muss also mit dem arbeiten, was ihm vorgelegt wird. Dennoch dürfte und müsste ein Regiesseur (gerade einer mit seinem Namen) noch genug Spielraum haben, das in die entsprechende Richtung zu schubsen. Ein vielleicht weniger bekannter, dafür genreverliebterer Regiesseur, hätte vielleicht (reine Spekulation) das hier besser bzw. wirkungsvoller ausgeschlachtet. Diese Geschichte schreit doch quasi nach solchen Szenen, die hier unverständlicher Weise Mangelware sind. Das Highlight ist zweifellos die Szene, in der Michael Fassbender den Pferdeflüsterer gibt und in der "Blood Creek" endlich mal sehr angenehm die Gäule durchgehen. Das macht Spaß und weckt die Hoffnung, jetzt ist der Bann gebrochen. Leider nicht. Selbst ähnlich absurde Momente wie die Knochenrüstung und das dritte Auge gehen in der viel zu grimmigen Inszenierung einfach unter.

...und nachher.


Wichtige Punkte werden schon am Anfang verschenkt, wenn die Protagonisten vorgestellt werden. Dominic Purcell und Henry Cavill spielen es dem Drehbuch entsprechend: Total unsymphatisch. Ihre Figuren werden grobschlächtig und ohne identifikationpotenzial hingeschludert, ich mochte sie nie. Das kommt nicht nur durch ihr sehr fragwürdiges Auftretten in der ersten Hälfte, den Schauspielern fehlt es eindeutig an Charisma. Einer hat davon reichlich und wird, vollkommen unverständlich, total verheizt: Michael Fassbender.










Klar, Fassbender hatte seine Fähigkeiten bis dahin nur in britischen Independent-Produktionen beweisen dürfen ("Fish Tank", "Hunger"), aber zumindest die Verantwortlichen dieses Films mussten doch wissen, was sie da haben. In den ersten Minuten strahlt er seine ungemeine Präsenz auch aus. Dann darf er unter einer SM-Ledermaske keltisches Kauderwelsch murmeln und später unter Make-Up begraben werden. Das nenne ich mal Talentverschwendung.


Insgesamt ist "Blood Creek" für Genrefreunde noch annehmbar, da sich Mühe gegeben wurde. Nur leider in die falsche Richtung. Statt seine unsinnige Idee als Geheimwaffe zu nutzen, wird sich dem (fast) konsequent verweigert. Viel zu verbissen und ernsthaft versucht Schumacher keinen Trashfilm hinzulegen, was ihm unterm Strich viel besser getan hätte. Der Spaß wird unter bierernstem Anspruch verschüttet und somit muss "Blood Creek" als "echter" Horrorfilm bewertet werden. Das funktioniert aufgrund seiner Handlung und seiner Umsetzung kaum. Leider.


5 von 10