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Review: MOMMY - Drama im Hotel Mama

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Fakten:
Mommy
Kanada, Frankreich. 2014. Regie und Buch: Xavier Dolan. Mit: Anne Dorval, Antoine-Olivier Pilon, Suzanne Clément, Patrick Huard, Alexandre Goyette u.a. Länge: 138 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. Mai 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die verwitwete Diane Després (Anne Dorval) ist die Mutter des gewalttätigen und zu Wutausbrüchen neigenden Steve (Antoine-Olivier Pilon). Sie findet neue Hoffnung, als eine neue Nachbarin, die junge und mysteriöse Kyla (Suzanne Clément), sich in ihren Haushalt einbringt. Gemeinsam gelingt es ihnen die Balance in die sensible Beziehung zu bringen und neue Hoffnung aufkommen zu lassen.





Meinung:
Schick verpacktes, allerdings auch konventionelles Sozialdrama über Mutterliebe, Hoffnung und Freundschaft. Klingt "oft gesehen"? Da muss man leider recht geben - auch wenn Xavier Dolans Regie nicht allzu heuchlerische Indie-Träumereien und gestelzte Lebensweisheiten vorpredigt, wie so manches aus dem Genre, ist sein melodramatischer Wiederaufbau und eventueller Bruch einer dysfunktionalen Familie, zwischen der kämpferisch-verzweifelten, sich nichts-sagen-lassenden Mitte-40er-Mutter Diane (Anne Dorval) und dem Vandale-ADHS-Sohn Steve, "der auf die schiefe Bahn gerät" (Antoine-Olivier Pilon), eine stark vorhersehbare Angelegenheit.




Bei Steve hilft scheinbar nur noch die Super-Nanny

Sein Cast spielt dabei durch die Bank weg engagiert, das muss man ihm lassen, am meisten sympathisiert man jedoch abseits der Mutter-Sohn-Kombi mit der Figur der stotternden Kyla (Suzanne Clément), dem leicht nervösen, aber bescheidenen Anker des Verständnis, der die Sozialität der Beiden mit dem lehrsamen Pflaster des sich-gegenseitig-stützenden Zusammenseins wieder vereint und auch dafür sorgt, dass ein neues Licht am Horizont zum Greifen nahe erscheint. Da öffnet sich dann auch, immer mal leicht am Rand der Zuschauer-freundlichen Feelgood-Masche, Dolans konzentriertes Format des 1:1-Aspect-Ratios, welches ohnehin schön kompakte Perspektiven auf das Wesentliche, eben auf die Charaktere, setzt und deren persönliche Sackgasse zusätzlich unterstreicht - wird sodann aber wieder von der alteingesessen 3-Akte-Dramaturgie geschlossen, auf dass die beliebige Tristesse weiterhin ihre Bahnen zieht. Zwischendurch bekommt man es dann immer wieder zur (Über-) Akzentuierung jener universellen Situation mit grenzwertig-schwülstigen, immerhin technisch hervorragenden Montagen zu tun, welche die innere Melancholie und stürmische Frustration unserer Protagonisten nach außen trägt, dazu berechnend-nostalgische Tracks von Dido, Beck, Eiffel 65 und Oasis mit dem filmgewordenen Instagram-Pathos verschmelzt (dazu muss man aber auch sagen: mit "Wonderwall" kann jede wahllose Szene von Natur aus gewinnen). Daraus kristallisieren sich aber auch die natürlich-intensivsten, weil erzählerisch pursten Sequenzen jenseits der bodenständigen Dialogarbeit heraus und schlagen so effektiv mit bittersüßer Liebe zu, wie es zwischen Mutter und Sohn auch des Öfteren im kanadisch-suburbanen Haushalt kracht.


Dass sich Dolan dann aber so mutlos auf ein allzu bewährtes Konstrukt stützt, das schließlich wortwörtlich in einer plakativen Zwangsjacke der Rollenmodelle steckt, ist dann wieder so ein frustrierender Umstand, der sich mit dem eigentlich recht geschickt zurückgehaltenen Kitsch beißt und so oder so die volle ungehemmte Emotionalität verwehrt. Wie dem auch sei, wer über die innewohnende Konventionalität der Geschichte hinwegsehen und sich in dieser allgemein-verständlichen Seelenwelt der Charaktere wiederfinden, sowieso mitleiden kann, der hat ein wunderbares, ethisches Los für sich selbst gezogen. Ich hingegen sehe nur Sachen, die ich schon kenne und Ideale, die ich seit langem verinnerlicht habe - nur eben diesmal in einer oberflächlich-frischen, filmisch-reizvollen Einheit und das ist ja auch schon eine Menge wert, nur eben nicht alles.


6,5 von 10 verbrannten Kevin-Juliens


vom Witte

Review: MOTHER - Mutterliebe kennt keine Grenzen

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Fakten:
Mother (Madeo)
KR, 2009. Regie: Joon-ho Bong. Buch: Eun-kyo Park, Joon-ho Bong. Mit: Hye-ja Kim, Bin Won, Ku Jin, Je-mun Yun, Mi-seon Jeon, Sae-Byeok Song, Byoung-Soon Kim, Woo-hee Chun, Moo-yeong Yeo u.a. Länge: 129 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach dem Mord an einer Schülerin scheint die Polizei schnell den Täter überführt zu haben. Der geistig zurückgebliebene Do-joon soll ihr Mörder sein, ein unterschriebenes, vorformuliertes Geständnis wird in Windeseile durch den Druck der Ermittler erzwungen. Für Do-joons Mutter ist klar, dass ihr Sohn kein Mörder sein kann. Verzweifelt kämpft sie um dessen Entlassung. Dafür ist sie bereit, sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben.







Meinung:
Joon-ho Bong, der mit seiner ersten (semi-)westlichen Produktion „Snowpiercer“ für eines der Kino-Highlights des bisherigen Jahres sorgte und zuvor schon bei uns durch „The Host“ und „Memories of Murder“ auf sich aufmerksam machte, beweist auch bei „Mother“, dass er zu den aktuell interessantesten Exportschlagern aus Asien zählt. Sein besonders auf dem eigenen Kontinent mit Preisen überschütteter Film wird der damit einhergehenden Erwartungshaltung an ein mögliches Meisterwerk zwar insgesamt nicht gerecht, verständlich ist die allgemeine Begeisterungswelle dabei absolut.


So sehen eiskalte Killer aus, glasklar.
„Mother“ ist viel zu kunstvoll in Szene gesetzt, viel zu faszinierend vorgetragen und besonders in der ungewöhnlichen, dabei ausnahmsweise auch für westliche Sehgewohnheiten nicht unbedingt leicht abschreckend wirkenden Mischung verschiedener Genreanteile viel zu interessant und homogen, als das man ihm seine Besonderheit absprechen möchte. Solche Filme sind speziell im genormten, oft risikoscheuen und zu sehr am breiten Massengeschmack orientierten US-Kino der Moderne nicht nur eine erfreuliche Abwechslung, sie sind ein Beispiel dafür, das kreatives, eigenständiges Geschichtenerzählen immer eindrucksvoller sein wird als reine Effekthascherei und mutloses Imitieren. Allein das reicht sicherlich nicht für ein herausragendes Werk und ist kein Universalschutz vor Schwachpunkten, von denen ist auch „Mother“ nicht ganz freizusprechen. Nur das macht es einem leichter, sie nicht zu sehr zu gewichten, den Film eher an seinen Vorzügen zu loben, statt ihn an Details zu messen. Letztlich ist es ohnehin ein Beitrag, der eher durch seine Wirkung denn durch seinen raffiniert ausgeklügelten Plot überzeugen will, dessen Stimmung, Präsentation und Ausdruckskraft eine viel deutlichere Sprache sprechen als die zu Grunde liegende Geschichte. Mag die finale Auflösung nach gängigen Kriterien an eine Whodunit-Story nicht gänzlich überzeugen, das spielt lediglich die zweite Geige.


Geständnisse asiatischer Schulmädchen, schockierend für die Eltern.
Gerade zu Beginn gelingt Joon-ho Bong es auf bemerkenswerte Art und Weise, seinen Zuschauer schnell in die Handlung zu integrieren und gespannt auf den weiteren Verlauf zu machen. Bemerkenswert besonders deshalb, da er hier zwar mit typischen Stilmitteln bricht, jedoch nicht in tausend Teile zerbricht. Klassische Thriller-Komponenten werden mit Familiendrama und einigen skurrilen Humoreinlagen vermengt, ohne das dieser Cocktail zu merkwürdig schmeckt. Erfreulicherweise wird nicht mit dem wenig zugänglichen Korea-Splapstick-Blödeleien gearbeitet, mehr mit einer leichten Situationskomik, die einen nicht aus der eigentlichen Stimmung kegelt. Kein leichtes Unterfangen und deshalb schon gesondert zu erwähnen. Paradox, dass der Erzählfluss ausgerechnet dann leicht andickt, wenn im Mittelpart stringenter einer Linie gefolgt wird. Es wird merklich düsterer, dabei leider auch etwas zäh, der frische Wind des ersten Drittels wird leicht aus den Segeln genommen. Umso beeindruckender ist nun die Bildsprache, was hier narrativ etwas auf der Strecke bleibt wird inszenatorisch zwar nicht gleichwertig kompensiert, allerdings stark kaschiert. Ein düster-poetischer Bilderreigen mit schwermütiger Stimmung, ruhig, bedächtig, keinesfalls uninteressant, dennoch nicht das Prunkstück des Films.


Stark auftrumpfen kann dafür das finale Drittel, das zwar wie schon angedeutet nicht unbedingt durch die Auflösung seines Suspense-Plot befriedigt, dieses wohl aber auch gar nicht als Primärziel vor Augen hat. Viel interessanter ist die menschliche Tragödie dahinter, das Einstürzen der als unbestreitbare Wahrheit gesetzten Perspektive und deren Resultat. Wenn die brutale, ungeschminkte Realität auf das durch seinen aufopferungsvollen Beschützerinstinkt und lange unterdrückte Schuldgefühle angetriebene Muttertier einbricht und sie zum konsequenten Akt totaler Selbstaufgabe zwingt. Eine Mutter tut, was eine Mutter tun muss, besonders diese, bis zum drastischen Ende. Darum dreht sich alles, schlussendlich ist es gar nicht mal unbedingt das Was und Wieso, sondern das Was Nun? Eine bittere Pille, mit einem auf der einen Seite wunderschön inszenierten und auf der anderen Seite gleichzeitig doch so traurigen Schlusspunkt versehen.


Ein berührender, partiell großartiger und nachwirkender Film, handwerklich enorm stark, nur eben nicht rundum als grandios zu bezeichnen. Für einen mehr als sehenswerten Film ist das auch nicht zwingend von Nöten. 

7,5 von 10 Akupunkturnadeln

Review: UNTERWEGS MIT MUM - Ein braver Road Trip

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Fakten:
Unterwegs mit Mum (The Guilt Trip)
USA. 2012. Regie: Anne Fletcher. Buch: Dan Fogelman. Mit: Seth Rogen, Barbra Streisand, Bret Cullen, Yvonne Strahovski, Colin Hanks, Kathy Najimy, Miriam Margoyles, Jeff Kober, Nora Dunn, Adam Scott, Ari Graynor Dale Dickey, Casey Wilson, Rick Gonzalez, Vicki Goldsmith u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Chemiker Andy reist quer durch die USA, um sein selbstentwickeltes Reinigungsmittel zu verkaufen. Doch der Erfolg lässt auf sich warten. Bei einem Besuch bei seiner Mutter Joyce erfährt er, dass seine Mum, die seit dem Tod des Vaters kein einziges Date hatte, immer noch für ihre Jugendliebe schwärmt. Andy findet heraus, dass Joyce Ex-Freund Single ist und in San Francisco lebt. Unter dem Vorwand mit ihr Zeit verbringen zu wollen, lädt er sie ein die nächsten acht Tage mit ihm durch die Staaten zu reisen, um sein Produkt zu verkaufen. Am Ende soll dann ein Besuch in San Francisco anstehen, doch der einfache Plan erweist sich als fehlerhaft, denn Joyce stellt Andys Leben und seine Nerven gehörig auf den Kopf.





Meinung:
Obwohl ihre Präsenz in Film und Fernsehen in den letzten Jahren eher knap bemessen war, gilt Barbra Streisand immer noch als einzigartige Person des öffentlichen Lebens. Eine unantastbare Diva, die trotz  eher kurzen Filmographie ihre signifikanten Spuren in der Filmhistorie hinterlassen hat. In Anne Fletchers („27 Dresses“) bravem Road Movie darf sie endlich wieder als Hauptrolle in Erscheinung treten und dazu mit Seth Rogen ein Mutter-Sohn-Gespann spielen, welches unterschiedlicher nicht sein kann. Dieser Kontrast ist aber nicht nur rollenbedingt. Rogen, der Frontalkomödiant, und die Streisand sind nicht gerade eine Paarung, die Harmonie suggeriert, doch Regisseurin Fletcher und Autor Dan Fogelman („Crazy, Stupid, Love“) halten die Reibungspunkte eher flach. Zwar steht die Verschiedenheit zwischen Mutter und Sohn klar im Fokus, deren Konfliktlösung findet aber in gewohnten Bahnen statt. Aus der darstellerischen Mixtur Streisand und Rogen wäre gewiss mehr herauszuholen gewesen als das, was uns „Unterwegs mit Mum“ letztlich präsentiert.


"Hallo, ich würde meine Mum gerne in Zahlung geben"
Und was uns die Komödie vorführt ist dann leider nicht mehr als von einem Punkt auf der Landkarte zum nächsten zu fahren und dabei zuzusehen wie Mutter Joyce ihren Sohn Andy auf die Nerven geht und wie Andy gleichzeitig alles versucht sein nicht gerade optimales Leben vor ihr zu verstecken, bzw. schön zu reden. Eine einfache dramaturgische Lunte ohne echtes Feuer, eingebettet in komödiantische Nichtigkeiten, die den american way auf eine kleinen Thron hieven, ohne ihn wirklich zu hinterfragen. Dabei wäre Andy berufliche Situation durchaus ein geeignetes Ventil dafür gewesen. Doch mehr als verniedlichte Durchhalteparolen, angereichert mit schalen Kabbeleien und Gastauftritten (Fans der Serie „Dexter“ dürfen sich freuen, wenn gleich zwei bekannte Serienfiguren des TV-Killers hier ein Pärchen spielen) kommt dabei nicht heraus. Dass „Unterwegs mit Mum“ ein schwacher, aber dennoch kein ärgerlicher Road Trip geworden ist, liegt einzig und allein an Seth Rogen und Barbra Streisand. Sie zeigt innerhalb ihres Spiels keinerlei Allüren, erlaubt ihrer Rolle der Joyce auch Momente, die das generelle Bild der Diva Streisand charmant umgehen – ohne es jedoch wirklich zu gefährden – und erweist sich als durchaus passendes, humoristisches Gegenstück zu Seth Rogens typischer Mentalität und Physis.


„Unterwegs mit Mum“, der trotz seiner interessanten Besetzung ein echtes Kassengift war, erweist sich als zu bieder und angepasst, um innerhalb seiner recht schablonenhaften Geschichte und geistlosen Inszenierung wirklich bemerkenswerte oder gar erinnerungswürdige Momente zu generieren. Eine Komödie so straff, stur und plump auf stringent und simples Problemlösen geeicht, dass es genauso schwer fällt sie als misslungen zu bezeichnen, wie auch als geglückt. Wirklich bedauerlich, dass die Streisand nach langer Zeit in solch einer Profillosigkeit sich wieder als Hauptdarstellerin zeigt. Zumindest liegt es nicht an ihr und ihrem Co-Star Rogen, dass „Unterwegs mit Mum“ ungefähr denselben Esprit entfaltet wie eine mehrstündige Autofahrt mit gelegentlichen, wohltuenden Pausen.


4 von 10 M&Ms unterm Kopfkissen