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Review: TAUSEND TAKTE ÜBERMUT - Triste Unterwerfung an der Adria

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Fakten:
Tausend Takte Übermut
BRD. 1965. Regie: Ernst Hofbauer. Buch: Hans Billian. Mit: Vivi Bach, Rex Gildo, Hannelore Aurer, Thomas Adler, Gus Brackus, Gunther Phillipp, Margitta Scherr, Edith Hancke, Fritz Benscher, Kurt Liederer, Edelgard Stössel, Harry Hardt, Fritz Korn, Ady Berber u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Aktuell nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Um ihre Plattenfirma vor dem Ruin zu retten, reisen der Firmenanwalt Peter Holt und sein Freund Manfred an die Adria. Sie suchen das Hotel Las Vegas auf, um die erfolgreiche Sängerin Sherry unter Vertrag zu nehmen. Dort geht es reichlich merkwürdig zu.





Meinung:
Hierbei handelt es sich um eine weitere MusicHouse-Produktion aus der Feder des uns altbekannten Hans Billian, die wieder mal an der Adria spielt. Zudem sitzt Ernst Hofbauer, meisterhafter Inszenator des 'HOLIDAYS IN ST. TROPEZ', am Ruder und das lässt ja schon mal ordentlich hoffen, ein bisschen mehr Energie geliefert zu bekommen, als bei Lothar Gündischs Pseudo-Zwilling 'KOMM MIT ZUR BLAUEN ADRIA'. Aber es ist ein deutlich zweischneidiges Schwert geworden, das den Schlager-Anteil deutlich nach oben schraubt, dafür aber die Gag-Rate noch tiefer ansetzt. Zwar kann man sich an einigen irrwitzigen Einzel-Einfällen und einem weiterhin eklektischen Cast erfreuen, doch dafür ist der allgemeine Plot weit lustloser ausgefallen, als man vermuten wollen würde. Und sowieso wird hier ganz haarscharf die spießigste Geschlechter-Kurve angefahren, denn einerseits sind die Herren der Schöpfung hier weit Macho-schleimiger zu Gange als sonst, aber gleichzeitig gehören die 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT' zum sexuell-aggressivsten Vertreter des Genres.

 
Dem Hahn im Korb sind selbst eine Millionen Takte Übermut ziemlich egal
Bevor wir jene einzelnen Faktoren ein bisschen näher beleuchten, hier erstmal wieder die Synopsis für die jeweiligen, verstrickten Liebespärchen: dem Schallplatten-Produzenten Manfred Reiner (Thomas Alder) von der Plattenfirma Melodia droht der Verlust des Jobs, nachdem sein neuer Coup mit Elke Sommer nicht gelang (übrigens wird ihr Lied 'Oh, I Love You' von Hofbauer ganz souverän und meta-behaftet in einem Film-Studio eingefangen, wo sie für die Kameras singt und ihr Antlitz sogar im Spiegel der Linse aufgenommen wird - solch eine vierte-Wand-durchbrechende Maßnahme wird vom Film zwar später nicht mehr unternommen, dafür entlarvt er offen seine Sex-Mechanismen). Drum wird er auf Dienstreise an die Adria geschickt, um dort die Schlager-Sensation Sherry Davis (Hannelore Auer) zu engagieren, die übrigens gerade wieder single und damit heiratsfähig geworden ist, wie Reiners Kollegen ihm versichern. Da sagt er nicht nein, hält er sich doch für den fähigsten Casanova weit und breit, der solche Frauen immer erst Desinteresse vorheuchelt, damit sie sich ihm um den Hals werfen - klingt ekelhaft, hat aber leider schon etwas Erfolg im Verlauf, auch wenn diejenige, mit der er letztendlich anbandelt, drauf und dran ist, ihm das irgendwann auszutreiben. Ja, denn auch wenn er die stürmische Sherry so in Rage versetzt, dass der lieben Frau Auer in einer Szene schon das Handtuch von den Brüsten rutscht (nur für ein paar Frames, aber immerhin), hat sie nur Augen für ihren gelackten Ex-Ehemann Rick Tanner (Rex Gildo), der ebenfalls bei denselben Bungalows wie sie Urlaub macht und ab und an ein paar Gesangs-Nummern bei Abendessen unter die Gäste bringt, sogar mit ihr zusammen im Duett. Tja, auch wenn Hannelore Auer in diesem Film ein weit schmeichelhafteres Make-Up als beim anderen Adria-Streifen benutzen darf, kommt der sonstige, gewitzte Charme ihrerseits noch weniger raus, was man aber auch dem Handlungsverlauf zur Last legen muss, der die forcierte 'Verachtung'/Umwerbung Reiners letztendlich scheitern lässt und stattdessen dem Ex-Ehepaar ein paar 'fröhliche', harmlose Stunden in Venedig beschert. Da aber dort die Straßen meist verregnet sind und auch sonst nur komische Statisten im Publikum abhängen, sind die Gesangsnummern der Beiden ganz im biederem Schlagerparaden-Look zwar schwelgerisch im Text, aber einfach nur unstimmig und trist anzuschauen - selbst wenn da zufällig Klaviere auf den Straßen stehen: wenn die Auer davon redet, endlich mal 'das schöne Gefühl' herbeizusehnen, 'von einem Mann unterworfen zu werden', sträuben sich dem Zuschauer die Nackenhaare. Soll aber vielleicht auch Absicht sein, so uncharmant diese ganze Vorstellung ja rüberkommt.


1965 gab's noch keinen "Jaws", da war das Baden im Meer noch schön
Das gibt eine schöne Überleitung zum Manager jenes Hotels an der Adria, genannt 'Las Vegas', um das es im zweiten Hauptplot geht: Theodor Rassel (Fritz Benscher) berechnet für jede Extra-Zulage unnötige 1000 Lire pro Tag, aber verlangt gleichsam von seiner Telefonistin Gerti Brückner (Vivi Bach), dass sie mit ihm ausgeht. Für sie ist der Kerl nur ein blankes 'Ekel' und das beweist er weiterhin ganz gut mit Drohungen des Rausschmiss, währenddessen verliebt sie sich in Reiners Kollegen Peter (Kurt Liederer), der sie vor einem Haufen anbaggernder Italiener rettet (wieder mal dieses klischeehafte Bild vom aufdringlichen Ausländer - naja, so sind aber eben die Film-Männer bei einer schönen Film-Frau. Auch ein Klischee, aber im Grunde recht universell). Damit sie aber nicht von ihrem Chef erwischt wird, gibt sie sich als Playgirl unter dem Namen Michaela Andreas (Margitta Scherr) aus, eine Gästin im Hotel, die ebenso aus einem ganz bestimmten Grund da ist. Es ist nämlich so, dass der eigentliche deutsche Boss der Hotelkette, Robert Hilman (Harry Hardt), die Verbindung seines in Amerika geschulten Sohnes Frank (sie werden es schon erraten haben: GUS BACKUS) mit dem sogenannten Mauerblümchen, dass er nur vom Hörensagen als Arbeitskraft seiner Firma kennt, nicht duldet. Drum inszeniert Frank eine kleine Verschwörung, bei er seine Liebste Michaela als reiche Dame an der Adria ausgibt, da der Zufall gerade auch günstiger Weise seinen Vater dorthin beordert, der ganz gemäß der RTL-Sendung 'UNDERCOVER BOSS' mal das Management auschecken möchte. So soll sie ihrem zukünftigen Schwiegervater von ihren schlagfertigen Qualitäten überzeugen und die kommen schnell zum Einsatz, als Manager Rassel ihn nicht als Chef erkennt und ihn nur billig abfertigen will, während der aufgeblasene Hallodri Felix Glücklich (Gunther Philipp) bei seinem mondänen Gehabe für Boss Hilman gehalten wird. Philipp bringt übrigens ein bisschen dringend nötigen Honk-Humor in die Sache mit rein, kommuniziert er doch hauptsächlich mit Pfiffen, geht mit seiner übertrieben-mitgebrachten Sportausrüstung so tollpatschig um, dass er Rassel aus Versehen einen Medizinball auf den Schädel donnert und gibt durchweg den großen Bagarozy, dem ja aufgrund seines Status alles erlaubt ist, sodann mit drei heißen Bikini-Girls vom Hotel Wasserski-Fahren geht und dabei auch mal ins Wasser plumpst. Aber wehe, seine Gattin Ernestine (Edith Hancke) lässt sich blicken, dann ist er wieder ganz das eigentliche reumütige Würstchen - in dieser Beziehung hat die Frau wieder die Hosen an, das muss man Billian lassen.




Zwischen all diesen Parteien kommt es jedenfalls, wie es immer kommen muss: reichlich Verwechslungen und Eifersuchtsanfälle, verdrehte Liebschaften und eventuelle Offenbarungen wahrer Identitäten und Sehnsüchte. Für die Melodia-Kollegen geht die Sache erfolgreich aus, kriegen sie doch Tanner unter Vertrag, dem noch immer die Rechte zustehen, für seine (Ex-)Gattin mit zu unterschreiben. Das gefällt ihr zwar gar nicht, aber sie lässt's freudig geschehen, weil sie ja 'endlich mal unterworfen wird'. Bezeichnenderweise leitet ab diesem Zeitpunkt zum zweiten Mal der schon zuvor verwendete Auftritt von der in ein lumpiges Oma-Gewand gehüllten Peggy March mit ihrem desillusioniert-melancholischen 'Mit siebzehn hat man noch Träume' ein - da diese Einlage sonst keinen Sinn macht, gehe ich mal davon aus, dass die Beziehung zwischen Rick und Sherry nochmals keine besonders glückliche sein soll. Zwischen Peter und Gerti siehts da besser aus, denn der akzeptiert sie auch ohne den Status des reichen Playgirls. Komplizierter sieht es aber da zunächst mit Frank und Michaela aus: nachdem er sich einen Tritt in die Eier einhandelt, da sich Gerti unter Michaelas Namen in ihrem Hotelzimmer einquartiert hat, versteht er die Welt nicht mehr - erst recht, als Herr Glücklich zum Schluss hin die falsche Zimmernummer aufruft und vor einer halbnackten Michaela, frisch aus der Dusche (passiert zuvor schon einmal, als Reiner Sherry auf dieselbe Art überrascht und dabei meint, sie wäre in seinem Bungalow), sowie einem jüngst eintretenden Frank steht. Das jedoch bringt eine urig-chaotische Verfolgungsjagd in Gang, bei der Felix Glücklich von Frank und einem fetten Portier wie Marky Mark in 'TRANSFORMERS 4' durch verschiedene Stockwerke, Balkone und Zimmer gejagt wird, bevor er sich endlich eines seiner Fahrräder schnappt und die Treppen runterradelt. Gar nicht mal so ungefährlicher, ungedoubleter Körpereinsatz von Gunther Phillip übrigens, alle Achtung. Der landet sogar in einem Obstwagen und rast damit am Strand entlang, zischt einem Badegast damit sogar offensichtlich viel zu hart die Birne entlang. Das actionreiche Highlight des Films, das schließlich dadurch aufgelöst wird, dass Franks ominöse Vermutungen über seine 'schlampige' Michaela von allen Seiten aufgedeckt werden und beide nun doch den Segen des überzeugten Papas erhalten.


1000 Takte Wut und die Vase muss es ausbaden
Ende gut, alles gut - wenn auch durchweg mit Frust und Missvertrauen gepflastert. Nicht so ganz das amüsante, luftige Verwirrspiel der Liebeleien wie sonst so. Mag 'realistischer' sein von der zornigen Gefühlslage her, aber im Rahmen solch eines Films einigermaßen befremdlich. Erst recht, wenn man bedenkt, wie urkomisch und random die vielen Schlagersongs in die Handlung eingearbeitet wurden. Ich will ja nicht zuviel dem Uneingeweihten verraten, deshalb gebe ich erstmals eine ordentliche *SPOILER-WARNUNG* raus. Also, wisst ihr noch, als Frank von seinem Vater eine Abfuhr bezüglich seiner Liebe zu Michaela erhielt? Nun, sobald er in ein beliebiges Taxi steigt, entpuppt sich der Fahrer als Manfred Schnelldorfer (!), der sofort seinen Liebeskummer erkennt, dafür ihm sodann das schwelgerische 'Deine schönen blauen Augen' vorsingt, als wäre man in einer beklemmenden Gay-Panic-Szene à la Adam Sandler gelandet. Kommt irre bekloppt, aber immerhin gibt Backus ihm Extra-Trinkgeld, weil er ja so schön gesungen hat - niedlich! Gus Backus revanchiert sich später beim Gesangs-Karma (und stellt zusätzlich seine Sexualität klar), als er nach dem Telefonat bei einer Bar eine sich ausziehende Damen-Silhouette am Fenster hinter ihm erblickt und urplötzlich 'Open the window' singt und wünscht SPOILER-WARNUNG ENDE.


Doch das war eben schon alles Aufsehenerregende, was es zu diesem eher mittelmäßigen Hofbauer-Film zu sagen gibt. Zu sehr hemmen die unterwerfenden Beziehungs- und Geschlechter-Verhältnisse das sonnige Gemüt und erst recht die leichtfüßige Anarchie, welche die besten Vertreter jener Produktionen auszeichnete. Klar steht der Sex wieder an vorderster Stelle und auch das Urlaubs-Flair kommt optisch nicht zu kurz - doch irgendwie fehlt hier besonders die treffsichere Energie und das Kasper-artige Ambiente seines sonst so aufgelockerten Ensembles. Dennoch kann man sich für einige gelungene Sketch-Einlagen und besonders die zahlreichen, teils gewohnt-blödelig eingebauten Schlager-Sequenzen erfreuen, auch wenn der Dialog zunehmend chauvinistischer und zynischer von statten geht, als dass es die Heiterkeit fördern könnte. Was bleibt, sind vielleicht noch immer irgendwo tatsächlich 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT', aber viel zu oft wird ein ernüchternder Moll-Ton getroffen, als ob man zwischendurch mal das Genre ein bisschen fertig machen wollte. Gerade jener aufklärerische Ansatz würde aber dem Ganzen irgendwo seine ehrliche Schwachsinnigkeit rauben und beißt sich dann doch wieder zu sehr mit der entwaffnenden Freimütigkeit anderer Werke des Autoren in diesem Feld. Klar werden hier den meisten Frauen ihre persönlichen Entscheidungen zugesprochen und die Männerwelt lächerlich gemacht, auch was das sadomasochistische Pärchen Rick und Sherry betrifft. Aber es sitzt nicht immer ganz so richtig und kann viel zu sehr für die spießige Mentalität eines 50er-Jahre-Schlagerschwanks gehalten werden. Nicht ganz so geschickt gelungen, aber für Komplettisten der MusicHouse-Filmreihe schlicht unverzichtbar.


5,5 von 10 Rex Gilden


vom Witte

Review: HOLIDAY IN ST. TROPEZ - Deutsche Chaoten im musikalischen Liebesurlaub

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Fakten:
Holiday in St. Tropez
Österreich. 1963. Regie: Ernst Hofbauer. Buch: Hans Bilian, Max Rottmann. Mit: Vivi Bach, Rudolf Prack, Ann Amyrner, Margitta Scherr, Mady Rahl, Gus Brackus, Hannelore Auer, Gerd Vespermann, Billy Mo, Alice Treff, Edith Hancke, Enzi Fuchs u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell leider nicht auf DVD erhältlich.


Story:
Der angehende Hotelbesitzer Carlos bekommt Probleme mit der Fertigstellung seines Hotels an der Adria. Schnell bittet er seine Nichte Vivi in Deutschland, die bisher getätigten Buchungen zu stornieren. Leider erreicht sein Telegramm sie zu spät, und eine bunt gemischte Gruppe von Gästen reist an. Prompt schlagen diese im Garten des halbfertigen Gebäudes Zelte auf. Unter ihnen ist auch Carola, deren Eltern die Reise kurzfristig absagten, woraufhin sie von zu Hause ausriss. Sie bekommt eine Stelle als Tänzerin und inszeniert eine brenzlige Situation, um ihre Eltern an die Adria zu locken. Als diese ankommen, kommt es in der Bar, in der sie arbeitet, zu einer Schlägerei, und ihr Vater Robert rettet sie. Die drei schlafen den restlichen Urlaub im Zelt, während sich beim Rest der Reisegruppe interessante Konstellationen ergeben.





Meinung:
So, wir kennen ja alle schon die Regie-Arbeiten des Hans Billian im Schlagerfilm-Genre, aber der gute Mann hat auch Drehbuch-technisch viele ähnliche Werke auf die Beine gestellt. Eine von diesen stellt jener Film hier dar, wobei Ernst Hofbauer in seiner Funktion als Regisseur dem Autoren natürlich in nichts nachsteht, besonders gewissenhaft dessen Fokus auf Sex-Appeal emuliert. Aber wir wollen mal nicht so schnell vorgreifen und erstmal feststellen, mit was für einem Ensemble wir es hier zu tun haben - und das kann sich wahrlich sehen lassen (wenn man schon mit Billians Ergüssen vertraut ist), wird es doch genauso 'gewitzt eingeführt', wie man es vom souveränen Schreiberling erwartet.

 
So beginnt unser Abenteuer mit dem flotten Titellied, eingesungen und verkörpert vom hier etwas unterbesetzten Gus Backus ('ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT') auf einem Moped, der 4 Wochen dolle Ferien in St. Tropez besingt (welches hier im jugoslawischen Makarska "rekreiert" wurde), aber sodann von einer Gruppe einheimischer Arbeiter stunt-mäßig in eine Kiesgrube befördert wird - Zoff gibt's nicht, werfen sie ihm doch eine ordentliche Pulle Vino hinterher. Sodann kündigen jene Arbeiter beim sich-im-Aufbau-befindlichen Hotel St. Tropez der Eheleute Marisa & Carlos Fonti (Elma Karlowa & Kurt Großkurth), um in Deutschland als Gastarbeiter weit mehr zu verdienen. Kann man verstehen, besser wird das Bild der Einheimischen in diesem Film aber nicht. Auf jeden Fall ist die Not groß, hat doch die Nichte der Fontis, Vivi Sörensen (Vivi 'SO LIEBT UND KÜSST MAN IN TIROL' Bach, keine Ahnung wie die mit den Fontis verwandt sein könnte), bereits so einige potenzielle Urlauber per Reisebüro Reich in München angeworben. Dazu gehören nicht nur ihr anstehender Trottel-Verlobter und Reiseleiter Theo Reich (Gerd Vespermann) sowie ihr geheimer Beau Ricky (Thomas Alder), sondern auch Fraktionen zweier Familien: zum einen wäre da die 18-jährige Abiturientin Carola Engelhard (Margitta Scherr, 'DIE LUSTIGEN WEIBER VON TIROL', etc.), die ihren vornehmen Eltern Robert & Liane (Rudi Prack & Mady Rahl) zum Trotz von Zuhause flüchtet und als verlaustes Hippie-Mädel per Anhalter nach St. Tropez kommt und zum anderen Familienvater Philipp Kussmaul (Peter W. Staub, 'LUSTIGEN WEIBER...') mit seinen zwei Rotzgören Rups und Rita, dessen herrische Frau Friedericke (Edith Hancke, 'SO LIEBT UND KÜSST...') wegen Masern erst später nachkommen kann.

 

Und wenn die nicht schon genug wären, gibt's noch die vertrocknete Gouvernante Mrs. Wolf (Alice Treff) mit ihren 6 weiblichen Schützlingen sowie die vermeintliche Journalistin und eigentliche Freundin von Ricky, Michaela ('Evergreen' Hannelore Auer), dazu. Heidewitzka! Bei der Belegschaft ist verständlicher Weise niemand so recht erfreut, als sich ihnen die unfertige Hotel-Ruine offenbart, ganz zu schweigen von den Spannungen der Reise dorthin, bei dem der Kussmaul-Sohn Rups mit seinen Cowboy-Streichen die ganze Mannschaft aufgemischt und Missverständnisse deluxe verursacht hat (Kaugummi auf Foto-Linse; Verwirrung des Reiseleiters, der aus Versehen die Hand der Gouvernante in der Tür einklemmt, etc.). Ebenso ne richtig verzogene Göre, die später zusammen mit der Schwester auch Holzbalken klaut, damit andere auf die Schnauze fallen, eine ganze Badewanne (!) entwendet, um nach Afrika zu segeln und ohne rechte Provokation unsere Hannelore Auer am Baum verbrennen will. Seine einfache Begründung: das ist der Drang, sich als Kind auszutoben, was bei Frau Mutter ja nicht erlaubt ist. Ach so, na dann!




Rups als ausgewachsener Anarchisten-Frechdachs, der sowieso schon im Drehbuchschreiber selbst steckt, ist sodann auch der Schlüssel für einige frivole Streiche - so klaut er den Schützlingen der Gouvernante die BH's beim Topless-Sonnenbad, weshalb sie sich entrüstet mit dem Rücken zur Kamera, aber allzu knappen Bikini-Höschen, zusammenkuscheln, damit sie ja niemand so sieht. Bei dem Setting und Wetter bleibt den Damen der Schöpfung aber auch keine andere Wahl, als sich in reizvolle Badewäsche zu hüllen, da hat man schon weise vorausgedacht und feiert das folgerichtig inszenatorisch gut ab. Aber diese unbedarfte, durch und durch menschliche Fröhlich- und Freizügigkeit kommt ja nicht von ungefähr, immerhin hat sich die Hotel-lose Truppe dem 'heimatlosen' Umstand freiwillig ergeben und verbringt die sonnigen Tage am Meer in Zelten - bestes Camp(ing)-Feeling, da frohlockt nun mal die Frische der Ungezwungenheit. Den meisten Nutzen daraus zieht Hannelore Auer (und in dem Sinne natürlich auch der Zuschauer), die auf St. Tropez' Straßen schon 'Ein Strand voll Kavaliere' besingt und von eben diesen gierig beäugelt wird, was die Kamera ihnen natürlich schamlos gleichtut, von der Halbnahe ihres Gesäß an ihren Beinen vorbeifährt, um dann auf ihrem duften, verschmitzt-verführerischen Gesicht zu landen. Klar ist man da Voyeur, aber sie kokettiert ja gern damit. Auch sehr reizvoll, wie sie später mit gigantischem Ausschnitt Reiseleiter Reich tief blicken lässt, während er von starken Reisezielen voller bezaubernder 'Hügellandschaften' berichtet.



Geht's noch zwei/eindeutiger? Wie wär's mit der Verkäuferin Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), die in St. Tropez auf Millionärsjagd geht, einen gefakeden Grafen (= Einheimischer, der sie sofort fallen lässt, sobald er merkt, dass sie kein Geld hat - aiaiai, Billian muss an seiner politischen Korrektheit arbeiten, vielleicht denkt da aber Hofbauer auch nur in seinem Milieu-Jargon) im Bikini anspricht, ihn beim gemeinsamen Diner sodann dafür lobt, dass er sie schon in jenem Zustand "gut behandelt" hat, woraufhin der Kellner dann ausgerechnet zwei Eisbecher mit Kirschen oben drauf heranliefert. Case closed. Erwähnenswert seien in diesem Kontext aber auch die akustischen Highlights des Films anhand seiner im Narrativ "eingearbeiteten" Schlager, die schon in Frau Kirschmanns Fall sehr präsent sind. Kommt sie nämlich in St. Tropez mit ihrem gemieteten Mercedes an, zieht Teddy Parker an ihr auf der Nebenspur vorbei und versucht mit seinem Hit 'Hätt ich ein weißes Sportcoupé' einen Flirt, bevor er einstweilig wieder aus der Story verschwindet. Bei jenem oben erwähnten Diner darf sodann auch (Little) Peggy March vorbeischauen, die zwar ihr flottes 'Lady Music' bereitstellt, aber eine furchtbare Oma-Frisur aufm Kopf hat. Kein Vergleich zu ihrem Auftritt in 'SPUKSCHLOSS IM SALZKAMMERGUT'. Übrigens ist das auch eine jener Schlager-Einschübe, bei denen sich die beteiligten Darsteller schlicht an einem Tisch abseits des Geschehens hinsetzen und ein bisschen miteinander parlieren - eine Formel, die mir inzwischen öfters aufgefallen ist.



Beiläufig ist auch der Auftritt Billy Mo's. Wie der zustande kommt, bedarf einer näheren Erläuterung: Carola, die Hausflüchtige, will ihre Eltern, die sie (aus Prinzip?) ins Paradies lockt, so richtig schocken und inszeniert eine Schlägerei in der Hafenkneipe, wo sie sich angeblich als Tänzerin verdient. Inwiefern das Austeilen der Prügel wirklich von den Intriganten choreographiert ist, bleibt fraglich, schließlich gibt's richtig hart-schreiend auf die Fresse - es musste wohl mal raus, bei der Gelegenheit liefert Hofbauer auch ein paar taff geschnittene Reißer-Shots der Kinnhaken-Action. Wie dem auch sei, Billy Mo stimmt inmitten dieses Chaos in Seemannskluft ein Tänzchen an und singt passenderweise 'Muss ein Seemann schwimmen können?' - eine Frage, die er sich selbst beantwortet, als er ins Wasser geschmissen wird. Man sieht: Billian versucht zumindest in diesem Fall, die Songs den bestimmten, dafür schon an sich weit hergeholten Situationen anzupassen. Dann aber gibt's solche Situationen, bei denen für eine halbe Minute lang unvermittelt ein Song-Ausbruch geschieht, als u.a. eine der 6 Gouvernanten-Damen sich als Christa Martin entpuppt, beim Kartoffelschälen aufsteht und wahrscheinlich als Ausdruck des jugendlich-liberalen Zeitgeistes 'I like the beatles' losfetzt, bevor sie antiklimatisch ihre Füße ins Kartoffel-Abwaschwasser tunkt. Ebenso sinnfrei gibt sich Klarinettist Acker Bilk die Ehre, der sein Stück 'Is this the blues?' auf einem Boot zum Besten gibt, während Finanzbetrüger Fred an Land geht und im weiteren Verlauf des Films innerhalb von lediglich zwei Szenen von Carola entlarvt wird, bevor ihre Mutter eines seiner Opfer wird.

 
Aber zwei weitere schöne Musik-Momente kann man noch loben: so sehen wir zum ersten Mal in einem Spielfilm den grandiosen Eiskunstläufer und weniger graziösen Schlagersänger Manfred Schnelldorfer, der als Gendarm seinen Knüppel durch ein Restaurant schwingt, dabei seinen Erstlings-Knaller 'Wenn du mal allein bist' darbietet und sich zu den besten Damen des Films hinsetzt, die sogar mitsingen können, auf jeden Fall offenbar durch ihn motiviert wieder lachen können, bevor er sodann wieder zum Horizont verschwindet. Er erfüllt zumindest seine Funktion als ordentlicher Trostspender, inmitten all der amourösen Wechselspiele, die Billians Schlager-Werke durchweg ausgezeichnet haben und auch in diesem Fall verhältnismäßig undurchsichtig und freimütig variiert werden, als dass man sie an dieser Stelle ausgiebig chronologisieren könnte. Viel mehr konzentriert man sich auf jene urplötzliche Begebenheit, bei der ein Mini-Konzert am Campingplatz abgehalten wird - wo Vivi Bach ein modernes 'Let's Shake' in den Raum wirft, bevor die pseudo-intriganten Liebesspiele ihres Rickys mit Michaela gehörig stürmische Eifersucht mit sich bringen -, sowie auf die folgende Ablenkung von jenen emotionalen Tiefpunkten, den 'Hully Gully Fox' der Nilsen-Brothers, wo tatsächlich jeder unvorbereitet bei der Choreographie mitmachen kann. Außer Rudi Prack, denn der beherrscht wie bei den LUSTIGEN WEIBERN VON TIROL nur klassische Schritte. Zwischendurch zum Schluss hin kommt dann nochmal Mutter Kussmaul vorbei, die sich reichlich Beschweren darüber anhören kann, wie scheiße ihre Kinder sind, bevor dann Vater Kussmaul so tun darf, als ob er Carola aus den tosenden Wellen rettet, um sich vor der Familie als Supertyp zu behaupten - und ja, auch die obligatorischen Verlobungen einiger verdrehter Paare dürfen nicht fehlen. Happy-End in St. Tropez!


Ich weiß, das klingt jetzt alles ein Stück weit verwirrender, als es wirklich ist. Bei der Besprechung der einzelnen, filmbestimmenden Faktoren habe ich schlichtweg ein bisschen auf die Kontinuität geschissen, da die narrativen Stilmittel dieser Art von Filmen ja schon weitläufig bekannt sein dürften - was aber nicht heißt, dass dieser Film Verachtung verdienen möge. Im Gegenteil, dieser Holiday ist eine genüssliche, naive Angelegenheit mit einigen schön hämisch-pointierten Gags, drolligen Darstellerleistungen und angenehmen jugoslawischen Kulissen im herrlich-antiquierten Agfacolor. Wer mit dem Style vertraut ist, kann sich dem Charme dieses luftig-belanglosen Liebesreigen ohnehin nicht entziehen, insbesondere dann, wenn Drehbuchautor Billian seinen clever-subversiven Erotik-Klamauk raushaut und Ernst Hofbauer ebenso exploitativ-kurzweilig die irren Verwicklungen und wahrscheinlich-froh-dass-sie-dabei-sein-und-gleichzeitig-Urlaub-machen-können Charakterdarsteller inkl. gewitzter Schlagerstaffel einfängt. Also, immer nur rein ins sommerliche Vergnügen!


7 von 10 geklauten Badewannen


vom Witte

Review: SO LIEBT UND KÜSST MAN IN TIROL - Urlaubsgrüße aus Albernhausen

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Fakten:
So liebt und küsst man in Tirol
BRD. 1961. Regie: Franz Marischka. Buch: Janne Furch, Ilse Lotz-Dupont, Hans Billian. Mit: Adrian Hoven, Vivi Bach, Harald Juhnke, Monika Dahlberg, Walter Gross, Edith Hancke, Oskar Sima, Eddie Arent, Beppo Brem, Rudolf Platte, René Kollo, Fred Bertelmann u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Thesi Gruber hat eine schöne, kleine Pension im Zillertal, doch leider bleiben die Gäste aus. Der Grund: Bürgermeister Kramer und sein Diener Alois verscheuchen die Gäste, weil Kramer auf dem gelände gerne ein Sanatorium errichten würde. Doch Thesis Freundin Petra hat eine Idee: Sie organisiert eine kleine Band und wirbt damit um ein ganz anderes Publikum – das dem Bürgermeister noch weniger in den Kram passen dürfte.





Meinung:
Wollt ihr wissen, wohin ich diesmal in den Urlaub hingefahren war? Au fein, dann kommt mal zusammen, ich erzähl euch davon und habe sogar ein paar Dias mitgebracht! Ach ja, seht ihr, da hatten wir ihn wieder, den souveränen Tiroler Schwank mit malerischen Heimatfilm-Elementen und einem Staraufgebot der zeitgenössischen Eskapismus-'Königsliga' an allen Ecken und Kanten. Aber auch schlicht und harmlos war er ausgefallen, trotz Drehbuch-Einlagen vom frivolen Hans Billian und der Regie von Franz Marischka - beide machten sich später ja verstärkt im cineastischen Erotikgebiet bemerkbar. Na gut, von 1961 war er auch, quasi ein Frühwerk und fern vom Sex, trotzdem gut gefüllt mit ein paar dollen Damen, Halbtags-Perücken und ulkigen Leichtsinnigkeiten.

 
Wurde in Tirol Öl gefunden?
In diesem Ensemble-Stück, angefertigt aus mehreren, liebschaftlerischen Subplots hatten nur wenige Charaktere keine romantischen Ansprüche & Sorgen. Jene Ausnahmen stellten sich u.a. am Bürgermeister und Besitzer eines Gasthofes, Kramer (Oskar Sima) dar, der mit seinem Hausdiener Alois (Beppo Brem) versuchte, ein Sanatorium an der direkten Konkurrenz, dem Berggasthof „Alpenblick“ im Zillertal zu errichten. Schließlich lockte dieser mit der titelgebenden Kampagne ein Haufen begeisterter Touristen an. Da waren zum Einen die Groschenroman-Autorin Ida Würzig (Edith Hancke) und der Scherzartikelverkäufer Emil Schulze (Walter Gross), aus denen hauptsächlich schallend-plakative Aufdringlichkeiten und anarchisches Scherzgut herausgeschöpft wurden. Dann gab's aber zum Anderen noch den schüchternen Grafen Hasso Steinbach (Eddi Arent), welcher zusammen mit seiner streng-mondänen Mutter versuchte, die frische Luft und Frauenwelt in den Bergen zu genießen und allmählich lernte, für sich selbst einzustehen - was sie unerwarteter Weise am Ende dann doch ganz toll fand, wie so oft bei Billian. Als Graf sollte man aber auch sowieso ein bisschen Dominanz vermitteln können, finde ich, nicht wahr?


Der Harald sieht so zufrieden aus
Darstellerisch am Gewitzten verausgabend entpuppte sich allerdings Harald Juhnke als angeblicher Heiratsschwindler Arthur Theodor Friedrich Johann Meyer, der zwar von der drallen Privatdetektivin Ira Jovanovic (Elma Karlowa) gejagt wurde, obwohl sie jeden anderen außer ihn verdächtigte, er sie dafür aber nebenbei lieben lernte (zum Finale kehrte sie aber seine bisherigen Heiratsentsagungen für eine plumpe Pointe um). Wie sich jedoch herausstellte, arbeitete er schlicht für den Scheich von Ku-Eng, welcher ebenfalls der Alpenregion mit seinen braun angemalten Dienern einen Besuch abstattete und sein Herzblatt fernab aller Haremsprinzessinnen fand - da wurde natürlich mit plattgewalzten Klischees gearbeitet, die ihren Charakter ebenso erst mit dem Enthusiasmus fürs Ambiente aufblühen lassen konnten. Nicht falsch verstehen: als Urlaubsziel erschien der Schauplatz ohnehin besonders reizvoll und da gelangen dem Marischka wunderbar sonnige und wonnige Bilder im Postkartenformat, die unsere Protagonisten vor effektiven Motiven von uralter Baukunst, erhabenen Tälern, grünsten Wiesen und robusten Kühen setzten. Da wunderte es mich kaum, dass offenbar Schürzenjäger-Saison war und die Seelen dazu beflügelt wurden, amouröse Abenteuer mit Aussicht auf zahlreiche Ausschnitte anzustacheln. Am verknalltesten traf es dabei den Sohn des Bürgermeisters (Adrian Hoven), der Besitzerin des „Alpenblicks“, Thesi Gruber (Monika Dahlberg) und ihre Freundin Petra (Vivi Bach) - ein missverständliches Liebesdreieck voller Hoffnungen und Enttäuschungen war die Folge, lenkte aber nicht allzu sehr von der Grundprämisse des sonnigen Frohsinns ab.


Dafür sorgten auch eine Handvoll biederster Schlager, die allesamt lediglich im Rahmen von Bars und Veranstaltungen dargeboten wurden, anstatt wie später bei Billians Music-House-Regiearbeiten als teils abstrakt in die Handlung eingebaute Zufälligkeiten und Gefühlsausbrüche zu wirken. Stattdessen gab's zufriedenstellenden Klamauk und vorhersehbarste Running Gags, sowie das obligatorische Gefühl von leichtherziger Freimütigkeit und Urlaubslaune - sogar eine große Hochzeit durfte zum Schluss nicht fehlen! Für die Genre-Verhältnisse reichte es allemal - die Broschüre hatte wirklich nicht zu viel versprochen, der Service war ebenso angenehm. 5 Sterne war die Pension allerdings dann doch nicht wert, hat mir aber schon zugesagt, kann man mal hinfahren. Joa...und wo wart ihr so, wieder auf Helgoland?


6 von 10 Alpenkühen


vom Witte