Fakten:
…denn die Musik und die Liebe in Tirol
BRD. 1963. Regie: Werner Jacobs. Buch: Max Rottmann. Mit: Vivi Bach, Hannelore
Auer, Claus Biederstedt, Gunther Philipp, Thomas Adler, Corny Collins, Gus
Backus, Hugo Lindinger, Gerd Vespermann, Franz Muxeneder, Trude Herr, Marie
France u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Aktuell leider
nicht auf DVD erhältlich.
Story:
Susanne erbt gemeinsam mit ihrer Cousine Monika eine Berghütte an der
Grenze zwischen Österreich und Italien. Die Musikstudentin ahnt dabei nicht,
dass die Hütte von Oskar Ortshaus für dessen Schmuggelgeschäfte genutzt wird.
Als auch noch Susannes Verehrer im Dorf auftaucht, nehmen die Überraschungen
für Susanne kein Ende mehr.
Meinung:
Hier mal etwas ganz Außergewöhnliches: eine doch recht frühe
MusicHouse-Filmproduktion ohne Hans-Billian-Drehbuch. Da fragt man sich
natürlich, wie die auch nur im Entferntesten etwas taugen könnte, aber da kann
ich schon mal ein bisschen entwarnen, da Drehbuchautor Max Rottmann stets mit
ihm die Stories für all jene Streifen entwickelte und mit Werner Jacobs als
Regisseur ein durchaus fähiger Spaßgarant seine Finger im Spiel hat. Das
Ensemble ist wie immer eine Goldmine und auch die ausgewählten Schlagernummern
haben einen flotten Drive in petto, der sich ebenso auf der visuellen Ebene in
Tanz und Spielfreude niederschlägt. Zudem ist der Plot mal eine gewisse
Abwechslung von den ganzen ausreißenden Töchtern, Textil-Fabrikanten und
komplexen Liebeswechseln, bleibt hier äußerst geradlinig und mit einem kleinen,
naiven Krimi-Faktor in der österreichischen Alm versehen. Das bedeutet aber
auch einen Mangel an Sex, der sonst so prominent auftaucht, hier eher einer
leicht lausbubigen Frechheit und jugendlichem Esprit Platz macht. So ist das
eben ohne Billian, aber lassen wir das mal außen vor und begutachten, was wir
hier vorfinden können.
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| Ja, die Vivi kann man nur liebhaben |
Der Film besteht aus schlicht zwei Subplots, die recht schnell und homogen
miteinander verbunden werden. Zunächst sehen wir die zwei singenden
Landstreicher Peter (Gus Backus) und Paul (Gerd Vespermann) über die Grenze nach
Österreich treten, bis sie an einer verlassenen Almhütte Rast machen,
einbrechen und dort die reichhaltigen Vitamine A wie Alkohol und S wie Salami
in rauen Mengen vorfinden - tatsächlich sind sie in einem Schmugglernest des
Gangsters Oskar Ortshaus (Hubert Von Meyerinck) eingedrungen, der sie aber als
Komplizen verpflichtet, um die heiße Ware zu transportieren. Derzeitig in
Innsbruck ist Herbert Petunius (Gunther Philipp) auf Talentsuche für den
zukünftigen 'vierten Kanal' unterwegs und hört aus einem Reihenhaus hochwertige
Trompetentöne. Die kommen aber von einer gewissen Susanne Berger (Vivi Bach)
und die kann er leider nicht verpflichten, da er aufgrund seiner Schwäche für
Frauen nur noch für Männertalente beauftragt wurde (im Grunde das genaue Gegenteil
von Thomas Alders Rolle in 'TAUSEND TAKTE ÜBERMUT'.).
Doch so leicht gibt sie nicht auf und lädt ihn zusammen mit Freundin Heidi
(Corny Collins) zum Besuch des Top-Clubs 'HEISSES PFLASTER' ein, wo sie
zusammen mit ihrem Freund Walter (Thomas Alder) fesche Jazznummern (u.a. 'King
Hully Gully') spielt, die bei großem Aufgebot freudig betanzt werden. Vom Fleck
weg engagiert Talent-Scout Hubert immerhin Walters Band, doch für Susanne kommt
schon das nächste Glück ins Haus, als ihre unschuldige Cousine vom Lande,
Monika (Hannelore Auer), ihr von der Erbschaft eines echt dollen Anwesens
berichtet: jene Almhütte, von der aus Ortshaus schmuggelt! Das weiß aber noch
keiner von unseren Protagonisten, stattdessen sind sie alles andere als
begeistert davon, in welch katastrophalem Zustand sich die Hütte befindet.
Deshalb trommeln sie mithilfe der Motivationspower vom plötzlich auftretenden
Teddy Parker und seinem thematisch etwas deplatzierten 'Holiday Twist' ein paar
Studentinnen zusammen, die beim Wiederaufbau helfen sollen. Doch die Schmuggler
wollen das Feld nicht so leicht räumen und inszenieren einen Plan, bei dem sich
Peter und Paul sowie der geheimnisvolle Fred (Claus Biederstedt) als die
arbeitslose Band 'Los Romanticos' ausgeben und so das Mitleid von Susanne
auslösen - Ehre unter Musik-Kollegen und so, nehme ich mal an.
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| Tirol, das Land der Oldtimer |
Doch die müssen auch mithelfen und so singen alle gemeinsam beim fröhlichen
Umbau das Titellied mit passenden, gewitzten Strophen zum Geschehen - Wie eben
ein waschechtes, pures Musical! Kommt in dem Genre nicht allzu oft so
harmonisch-eingearbeitet vor -, während unterm Erdgeschoss im versteckten
Keller der Vagabund Krummblick (Franz Muxeneder) Wache halten muss und sich die
Zeit mit reichlich Ballantine's vertreibt. Apropos Spiritus: damit mal wieder
geschmuggelt werden kann, sollen die Mädels mit einem besonders starken Wein
von unserem Herren-Trio außer Gefecht gesetzt werden - doch die erwischen die
falsche Flasche und so sieht man Gus Backus mal wieder ordentlich-doof besoffen
spielen, wie später in Billians 'ICH KAUF MIR LIEBER EINEN TIROLERHUT'. Also
wird's diesmal nix aus der Schmuggelei, stattdessen wird die Hütte mit einer
großen Hausmusik-Party eingeweiht, bei der so flippige Gäste wie Elke Sommer
mit ihrem 'Hully Gully Italiano' auftreten. Kesser gestaltet sich aber ein
Duett von Vivi Bach und Hannelore Auer, nachdem letztere als schüchterne
Landpomeranze ein paar Schnäpse zuviel zu sich genommen hat und den
akrobatischen 'Almdudl-Twist' zum Besten gibt. Da schaut auch Susannes Freund
Walter dumm aus der Wäsche und man merkt: da bahnt sich was an, auch weil er
bei dem ganzen Umbau Susanne kaum noch zu sehen bekommen hat und diese sich
stattdessen ausgerechnet in Fred verguckt.
Aber Walter riecht da auch den Braten, dass irgendwas nicht so ganz richtig mit
den Kerlen läuft und so erwischt er aus sicherer Distanz einen Blick darauf,
wie sie in die Hütte einbrechen und die Mädels nun ohne Pardon terrorisieren,
weshalb er die Polizei verständigt, diese aber alle als Verdächtige festnimmt.
Monika hingegen konnte noch türmen und so unternimmt sie incognito, zusammen
mit Walter, weitere Nachforschungen zur Entlastung der anderen Mädels, was sich
später schlicht von alleine auflöst, aber die Bindung zwischen den Beiden
dennoch stärkt. Gleiches gilt auch für Hubert Petunius, der inzwischen offenbar
Gefühle zu Heidi pflegt und dahingehend ebenso ihre Freilassung fordert, da er
sich jetzt doch wieder entschlossen hat, auch Frauentalente zu 'entdecken'. Sie
hat aber einen Heiratsantrag erwartet, weshalb da nochmals getrennte Wege
gegangen werden. Alle treffen sich jedoch auf der großen Wiedereröffnungsparty
(?) der Almhütte wieder, wo so einige Gesangstalente ihr großes Stelldichein
geben: Peppino Di Capri lässt honkig und twistig seine 'Signorina mit dem
blonden Haar' vom Stapel, während Billy Mo sich weigert aufzutreten, mit der
ironischer Weise von ihm besungenen Begründung 'Ohne Geld gibt's keine Musik' -
danach taucht er auch nicht mehr auf, also war er wohl konsequent. Peter und
Paul wollen auch ihre Chance versuchen, von Petunius entdeckt zu werden, doch
weil der jetzt nur noch Frauen engagiert, entschließen sich die Beiden zu einer
Teiltravestie mit dem Titel 'Caroline', die durchaus Erfolg hat. Doch wie geht
die Geschichte nun in Sachen Liebe aus, schließlich hat der Film sogar relativ
behutsam und kohärent darauf hingearbeitet, diese melodramatisch aufzulösen.
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| Flirten auf tirolerisch? |
Man muss ja dabei mal erwähnen, wie Hannelore Auer entgegen ihres sonstigen
Image eine recht schüchterne Maus spielt, auch äußerlich noch ganz jung,
unverbraucht-juxig und bescheiden-unwissend rüberkommt - weshalb sie sich auch
schweren Herzens nicht in die Beziehung von Walter und Susanne einmischen will,
da die Beiden in ihren Augen ja wohl zusammengehören und sie dafür sogar in
Kauf nimmt, mit trauriger unerfüllter Liebe wieder in ihr Heimatdorf
zurückzukehren. Doch da hält sie Walter auf und macht ihr auf der Stelle einen
süßen Heiratsantrag. Glück auf, wie schön! Selbiges gilt für Hubert und Heidi
sowie für Susanne und Fred, der sich als Undercover-Rechtsanwalt entpuppt,
welcher auf diese Art die Schmuggler dingfest gemacht hat und eben doch noch
als ganz rechtschaffener, respektabler Traummann gehandelt wird. Wie die Sache
für den Rest der Besetzung ausgeht, erklärt uns Gunther Philipp in einem
Epilogen-haften Voiceover, der schon ein bisschen 'American Graffiti' und
'Animal House' vorwegnimmt, auf jeden Fall einen lustigen Abschluss für ein
gelungenes Handlungs- und Figurengeflecht liefert, welches von Werner Jacobs
ganz souverän und unterhaltsam auf die Beine gestellt wurde.
Und viel mehr bleibt dann auch nicht mehr über diese dufte Schlagerparade zu
sagen - die langweilt zu keiner Minute, hat durchweg einen massiven Anteil an
Musikpartien im Angebot, die zusammen mit Kamera & Schnitt ordentlich
Energie und Frohsinn verbreiten, während die Konzentration in Story und Setting
ein schön geerdetes Ambiente vermittelt und daraus sein durchgängig
aufreizendes Gag-Potenzial zieht. Die Charakterisierungen der einzelnen Figuren
sind zwar auch hier äußerst oberflächlich, aber dafür angenehm inoffensiv und
frohmütig, selbst bei den exaltierten Gangstern, die glatt aus einem
Lausbuben-Märchen stammen könnten. Das gehört eben zu Jacobs'
Familien-freundlichen und sonnigen Stil, der jedoch fernab von der wahren
Sexyness des hier oft besungenen Jazz und seinen Damen arbeitet und stattdessen
nur harmlosen, bodenständigen Klamauk zaubert. Da kann ich wieder nur für mich
sprechen, aber unter Billians Einfluss steckte doch ein gutes Stück mehr
jugendliche Anarchie in derartigen Geschichten, die sich sodann auch weit
'riskantere' und frivolere Inhalte erlaubten, was ja irgendwie doch immer
interessanter anzuschauen ist - besonders dann, wenn richtig verrückte
Liebesverhältnisse aufgestellt werden und wirklich weit hergeholte Ulkigkeiten
die alteingesessene Logik zerschreddern. Abgesehen davon bekommt man mit diesem
Tiroler Schwank aber dennoch gelungene 90 Minuten Schlager-Spaß zusammen, die
mit ihrem Schwung ordentlich zum Mittanzen und Mitkichern anregen und zumindest
eine weitere zuckersüße Glasur über die sommerlichen Tage streichen.
6,5 von 10
entdeckten Talenten
vom Witte