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Review: IDIOTEN - Sind wir nicht alle ein bisschen Gaga?

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Fakten:
Idioten (Idioterne)
Dänemark. 1998. Regie und Buch: Lars von Trier. Mit: Bodil Jørgensen, Jens Albinius, Anne Louise Hassing, Nikolaj Lie Kaas, Knud Rhomer, Troels Lyby, Louise Mieritz, Trine Michelsen, Luis Mesonero, Henrik Prip, Anne-Grethe Bjarups Riis, Paprika Steen, Lars von Trier, Anders Hove u.a. Länge 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.



Story:
Fasziniert schaut Karen zwei offenbar geistig behinderten Männern dabei zu, wie sie in einem Restaurant ohne Hemmungen mit ihrem Pfleger und vor allen Augen herumalbern. Karen geht schließlich mit den Männern mit, die mit anderen in einer Villa leben. Dort muss Karen erkennen, dass die Männer kern gesund sind und ihre Behinderung nur gespielt haben, um das Bürgertum herauszufordern.




Meinung:
In seinem Leben strebt der Mensch die verschiedensten Ziele an: Die Gründung der eigenen Familie, das ausreichende Füllen des Bankkontos für die Zukunft und die eigenen Sprösslinge oder der rasche Aufstieg auf der Karriereleiter. Alles etablierte Ziele, die man durch die Eigeninitiative und den Ehrgeiz mit der Zeit erreichen könnte. Jedoch überwiegt im Menschen grundsätzlich etwas ganz anderes, nämlich ein gezielter Wunsch, der ihm und jeder anderen Person in der Gegenwart und in Zukunft ermöglicht, zwanghafte Verhaltensweisen abzulegen und ohne Druck verschiedene Perspektiven für das weitere Handeln zu betrachten und für sich abzuwägen: Die Freiheit. Ein inniges Bedürfnis, welches dem Menschen zu dem macht, was er wirklich ist und sein kann. Dabei wird differenziert zwischen mentaler Freiheit, der keine Kette dieser Welt eine Grenze setzen kann und der physischen Freiheit, die dem Gesetz des Dschungels bis in alle Ewigkeit unterlegen ist.


Idiotische Zärtlichkeit
Wenn man diese Sehnsucht nach individueller Autonomie auf die heutige Gesellschaft projiziert, dann wird schnell klar, dass diese aus Einschnürungen, Regeln, Forderungen und Ansprüchen besteht. Von Kinderschuhen an wird vorgeschrieben, wie man sich zu verhalten ist, welche Schritte man einschlagen muss, wie das eigene Leben auszusehen hat. Es ist also mehr als dringend von Nöten, diesen steifen Konventionen einen Strich durch die Rechnung zu machen und der Gesellschaft gleichzeitig den Spiegel vor die verzogene Visage zu halten. Wer könnte sich einem solchen Thema also besser annehmen, als der von Medien zum »enfant terrible« stilisierte Lars von Trier, bei dem es nicht unbedingt zum herkömmlichen Usus gehört, sich so zu benehmen, wie es der Großteil der Welt gerne hätte. Und dass ist gut so. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass sein Film »Idioten« reichlich Gegenwind erfahren mussten, weil er ein signifikantes Anliegen hatte, dass er auf unkonventionelle Art und Weise ansprach und in dieser Causa nicht auf Provokationen des Rezipienten verzichtete.


Dabei lässt sich das Gerüst der Handlung von »Idioten« recht schnell zusammenfassen: Es geht um eine Handvoll Leute, die sich als geistig Behinderte ausgeben und die Menschen aus der Umgebung herauszufordern wie wachzurütteln, gleichzeitig aber auch um den eigenen Idioten auferstehen und das Gefühl der Lebendigkeit endlich wieder durch den Körper strömen zu lassen. So weit, so gut. Was zu Anfang noch als recht amüsant zu beobachtendes Experiment beginnt, in dem sich die Gruppe in aller Öffentlichkeit ungezügelt austobt und die Behinderten mimen, ist Lars von Triers Intention natürlich weitaus komplexer, als nur grenzüberschreitende Blödeleien zu dokumentieren. »Idioten« ist in gewissem Maße natürlich Gesellschaftskritik, in der sich nicht nur die Protagonisten stellenweise fragen, wieso sie das Ganze hier eigentlich veranstalten, wieso sie sabbernd und johlend durch die Straßen laufen, sondern auch der Zuschauer wird mit der Frage konfrontiert, zu welchem Preis dieses Projekt gestartet wurde und wie er es selbst einstufen möchte: Wer ist hier wirklich der Idiot?


Idioten-Ausflug
Lars von Trier geht zum Glück nicht den dilettantischen Schritt und bezieht sich nicht auf reziproke Prinzipien: Die Blöden sind die Klugen, die Gesunden sind die Kranken. Nein, eigentlich sind hier alle Beteiligten Idioten, selbst der Zuschauer ist ein Idiot, damit muss er einfach leben. Es geht einzig darum, welche Ideologien diese Gruppierung in ihrem Zusammensein schmiedete und was schlussendlich wirklich auf der Habenseite stehen sollte. In »Idioten« geht es eben nicht nur um die Rebellion gegen faschistische Systeme, sondern auch darum, den Weg zurück zur unverstellten Natürlichkeit zu finden. Lars von Trier startet einen Aufruf, den Idioten der in jedem von uns vertreten ist endlich wieder freizulassen. Und wenn dazu eine derart vertraute Kommune herhalten muss, dann dient das zwar als Mittel zum Zweck, aber ist in keinem Fall als verwerflich zu titulieren. Genau wie es in »Idioten« mehr und mehr zu seelischen Entblößung innerhalb der Gruppe kommt, erliegt auch der Zuschauer der Ansteckungsgefahr der subkulturellen Gemeinschaft. Wer hätte sich ihnen nicht angeschlossen?


Als es allerdings zum ersten Vorfall kommt und ein Mitglied gegen ihren Willen austreten muss, spitzt sich die Lage zu und es wird von den Mitgliedern verlangt, sich nicht nur im kleinen Kreis zum Idioten zu machen, sondern auch im privaten und beruflichen Umfeld. Die Gruppe zerfällt langsam, jeder geht wieder seiner gewohnten Wege, nur eine Person, die zu Anfang noch die größten Zweifel hegte, will das Ende nicht akzeptieren und geht den Schritt, den keiner wagte. Auch diese Szene steht symptomatisch für unsere Gesellschaft, in der sich Alphatiere schneller revozieren als sie sich eingestehen wollen und die stillen Anhänger ohne die „familiäre“ Solidarität nicht weitermachen wollen. Schließlich darf nicht alles umsonst gewesen sein. »Idioten« erreicht in der zweiten Hälfte einen bestimmten Abschnitt, in dem das Lachen im Hals stecken bleibt und die Alternativgesellschaft ohne Limit zum Scheitern verurteilt ist. Der geplante Befreiungsschlag führt wieder zurück in den Schoß der Verpflichtungen und Vorschriften. Idioten sind wir alle.


„Weg von Oberflächlichkeit, hin zum Inhalt“. Lars von Trier hat genau wie Thomas Vinterberg gezeigt, wie man ein solches Anstreben exzellent erfüllt. Da ist jede Verurteilung gegenüber dem Dogma-95-Manifest deplatziert, denn wo einige den Film als »billig« und »amateurhaft« bezeichnen wollen, ist »Idioten« einfach nur von dokumentarischer Authentizität gezeichnet, selbst wenn Lars von Trier sich in diesem Fall nicht strikt an die Regeln gehalten hat. Am Ende sind das alles belanglose Anekdoten. Letztlich zählt, dass hier anspruchsvoll etwas thematisiert wurde, was sich nicht nur auf gesellschaftlichen Gesichtspunkten kritisch entfalten darf, hier geht es auch um den Menschen als solchen und dem steinigen Marsch zur subjektiven Befreiung, direkt ins sorglose(ere) Glück. Auf Filme einzuprügeln, die die eigenen Vorstellungen nicht ansprechen, ist immer leicht. Hinsehen anstatt nur zuzuschauen schon viel schwieriger. Die Mühe hat sich Lars von Trier und »Idioten« aber redlich verdient.


8 von 10 Skisprüngen im Sommer


von souli


Specials: So werden Sie Arthouse-Regisseur - 5 Schritte zum Erfolg [CinemaForever]

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Unser Blog Buddy CinemaForever gibt Karriere-Nachhilfe. Sehr lesens- und wissenswert.

Das Filmgeschäft ist hart und unerbittlich. Um hier zu bestehen braucht man vor allem eines: einen Ruf. Innerhalb von 5 Schritten verraten wir Ihnen, wie Sie vom unbekannten Kamerahalter zum Liebling des Feuilletons werden.


 
Schritt 1: Erstellen Sie ein Manifest
Lars von Trier gilt als Begründer und Initiator des Dogma-Films. Er stellte Regeln auf, an die sich andere Filmemacher einige Zeit hielten und gilt seitdem als Platzhirsch des „besonderen“ Films. Da wollen Sie auch hin. Also erstellen Sie auch so ein Manifest. Wichtig ist hierbei, dass die Regeln, die Sie aufstellen, für die meisten den Eindruck erwecken sollten, Sie seien ein künstlerischer Rebell, ein Querdenker, einfach ein verdammter Gegen-den-Strom-Schwimmer, der im Freibad auch gerne Mal aufs Klo geht um zu pinkeln. Selbstverständlich ist es nicht von Nutzen, das olle Dogma-Manifest zu kopieren. Das würde nichts bringen - außer man will als Regisseur von „Paranormal Activity 8“ enden. Nein, stellen Sie neue Regeln auf. Nutzen Sie ihre Kreativität. Wieso z.B. die Kamera immer auf die Darsteller richten? Warum nicht einfach etwas Anderes aufnehmen? Während die Schauspieler ihren Job tun, filmen Sie einfach etwas abseits, z.B. einen leeren Papierkorb oder einen Obdachlosen beim Flaschensammeln. Natürlich müssen Sie das als Kunst verkaufen. Benutzen Sie bei Ihrer Erklärung auch Wörter die voll wichtig und intelligent klingen. Als besonders effizient haben sich ethisch, kapitalistisch, bigott und Hitler erwiesen. Aber da sind Ihrer Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt.


 
Schritt 2: Ihr Auftritt
Ist ihr Film -  dessen Titel natürlich ausgefallen sein sollte – fertig, heißt es: Einsatz zeigen. Bewerben Sie den Film mit Interviews, aber passen Sie auf! Wenn Sie dem Interviewer zeigen, dass Sie stolz auf ihren Film sind und dass Sie den ganzen Rummel um ihn und Ihre Person spannend finden, gehen Sie schneller unter als ein Superhelden-Nemesis unter der Regie von Shane Black. Geben Sie sich immer etwas desinteressiert. Beantworten Sie jede Frage so, als ob es nicht um Ihren Film, sondern um ihr Leben ginge. Die Trumpfkarte hierbei sind psychische Erkrankungen. Ein Beispiel: Der Interviewer fragt, warum Sie statt ihrer Darsteller lieber einen Hundehaufen an einem Löwenzahn gefilmt haben. Antworten Sie darauf mit lethargischem Ton und erwähnen Sie, dass Sie beim Dreh in einer depressiven Phase waren. Sie werden sehen, der Interviewer wird darauf eingehen und auch viele Rezensenten werden dies aufgreifen. Ist das geschafft, haben Sie eine wichtige Lektion gelernt: Es geht nicht um Ihre Filme, es geht um Sie.


Schritt 3: Arbeiten Sie mit Stars
So, Ihr erster Film ist fertig, lief auf ein paar Filmfestivals und einen Preis haben Sie bestimmt auch irgendwo gewonnen. Zeit den eigenen Ruf auszuweiten. Jetzt müssen Sie aber den Tatsachen ins Auge blicken: Im Grunde sind sie langweilig. Schön sind Sie auch nicht und glauben Sie ja nicht, die Masche mit den Depressionen reicht aus, um den Durchbruch zu schaffen. Nein, Sie brauchen Stars. Jetzt keine Panik. Die meisten Stars langweilen sich mit dem typischen Rollenangebot. Sie suchen eine Herausforderung und fühlen sich zu allem hingezogen, was irgendwie künstlerisch wirkt. Nutzen Sie das aus. Wichtig ist aber, dass Sie den Stars gegen dessen Rollengewohnheiten besetzen. Wenn Sie z.B. Jennifer Aniston bekommen, geben Sie ihr nicht die Rolle der neurotischen Singlefrau. Machen Sie aus ihr eine alleinerziehende Mutter von 6 Kindern, die Crack raucht, Schamanismus praktiziert und mit ihrer Vagina spricht. Und damit kommen wir auch gleich zu…

 

Specials: souli und stu... und die etwas anderen Helden

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Sie retten alte Damen aus brennenden Häusern, unterbinden den Drogenhandeln auf Säuglingsstationen oder schlagen einfach den Bösen so lange und so oft zusammen, bis dieser bekehrt ist, flieht oder den Löffel abgibt. Ja, Helden sind schon was Tolles. Super Menschen diese Helden, allesamt. Doch neben den strahlenden Saubermännern gibt es noch andere Formen von Weltenrettern und Beschützern. souli und stu hatten jedenfalls genug vom heroischen Getue. Wenn die zwei echte Helden sehen wollen, dann gehen sie ins Bad und schauen in den Spiegel. Welche filmischen Persönlichkeiten die beiden aber wirklich heldenhaft finden, weil sie so faszinierend, markant und außergewöhnlich sind, verraten sie euch hier.



stu's Nr. 5: Das unorthodoxe Duo - Jay und Silent Bob in DOGMA
Er ist Regisseur, Autor, Darsteller und vor allem Autodidakt: Kevin Smith. Der ehemals pummelige, immer noch vollbärtige Filmfan, der beschloss selbst Filme zu drehen und mit Werken wie „Clerks“, „Chasing Amy“ oder „Dogma“ genau so viele Anhänger wie Kritiker um sich scharte, gilt für viele alleine schon als Kult, doch zu wahrer Größe kommt Smith vor allem dann, wenn er selbst in seinen Filmen zu sehen ist und zwar als Silent Bob, der untrennbar ist mit den quasselnden, äußerst pöbelhaften Jay. In jedem von Smiths früheren Filmen taucht dieses Duo auf und für die Fans sind genau diese Momente die wahren Höhepunkte. In der Religions-Farce „Dogma“ dürfen Jay und Silent Bob sogar der letzten Verwandten von Jesus dabei helfen die Zerstörung der Welt zu verhindern und obwohl sie dabei auf große Fäkalienberge, sexy Musen und Gott persönlich treffen, bleiben sie ihrem unorthodoxen Stil treu. Wahrlich heldenhaft.  


souli's Nr. 5: Der einsame Müllmann - Travis Bickle, der TAXI DRIVER
Travis Bickle. Ein Filmcharakter, der wirklich jedem Filmfan etwas sagen sollte, denn sonst lässt sich das schon als extreme Bildungslücke bezeichnen. Travis Bickle tritt in Martin Scorseses unantastbaren Meisterwerk „Taxi Driver“ auf und wird von Robert De Niro in einer legendären Performance entfaltet. Travis hat ein klares Ziel vor Augen: Er will die Straßen säubern. Jedoch nicht im Sinne der Müllabfuhr und am frühen Morgen den Abfall der Stadt abholen, sondern er will das Gesindel und den Dreck der Menschheit von den Straßen pusten. Er will das Verbrechen verjagen, doch dafür muss er selber zum Täter werden. Er muss mit der Welt, die er durch und durch verabscheut eine Einheit bilden. Travis ist ein einsamer, vom Vietnamkrieg traumatisierter und unscheinbarer Mensch, der in seinem Kopf schon lange jeden Plan zurechtgelegt hat. Rückschlage halten ihn nicht auf, sondern feuern ihn nur weiter an, seine Ziele endlich in die Tat umzusetzen. Eigentlich hat Travis mit seiner Aussage schon Recht, einfach weil die heutige Welt (die sich von der damaligen kaum unterscheidet) von Brutalität und Schmutz verpestet wird. Jedoch ist die brutale Vorgehensweise die falsche. Wer hier reagieren muss, sind die gesellschaftlichen Oberhäupter, doch die verschließen die Augen. Travis handelt, und das ist der richtige Weg, auch wenn seine Methoden nicht befürwortend sind…


stu's Nr. 4: Der Film Noir-Held aus der High School - Brendan Frye aus BRICK
Film Noir geht ja immer und überall, erst Recht in einer amerikanischen High School. Das Spielfilm-Debüt von Rian Johnson („Looper“) vermischt eine klassische wie düstere Detektivgeschichte mit dem Look amerikanischer Teenager-Filme. Doch noch prägnanter als diese Verschmelzung der Stilmittel sind die Figuren. Hier gibt es keine normalen Schüler. Hier sind die von den Jungs angehimmelten Mädchen so verführerische wie gefährliche Grazien und die Schulhofschläger sind schlechtgelaunte Gesellen und Handlanger eines Gangsterbosses, der klassisch in seinem Sessel thront. Das Markanteste am gesamten Film „Brick“ ist aber Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt als Brendan Frye. Ein kühler Denker und Logiker, aber auch ein unglaublich tapferer und sich durchbeißender Charakter, der unbeschreiblich nonchalant ist (alleine wie er vor jedem Kampf seine Brille wegsteckt). „Brick“ ist ein grandioser Film, weil er ähnlich mutig wie sein Held Dinge tut, die keiner wirklich erwartet, denn wer hätte jemals gedacht, dass Film Noir und High School inhaltlich und ästhetisch so gut zusammen passen? Gut, Brendan Frye hätte es gewusst und deswegen ziert sein blutendes Gesicht auch unseren Blog-Header. 


souli's Nr. 4: Die anziehende Gefahr - DRACULA
Also jetzt kommen wir zu einer fiktiven Person (Ja, es gibt sie nicht wirklich, Überraschung!) die seit unzähligen Jahrzehnten ihre spitzen Beißerchen in die Hälse schönster Jungfrauen haut: Graf Dracula. Kaum ein anderes Wesen ist so anziehend und gleichzeitig so gefährlich. Der Jäger, der Untote, der Romantiker und die Bestie. Dabei bleibt vor allem Bela Lugosi und Christopher Lee in Erinnerung, gerade Lee hat sich als Blutsauger unsterblich gemacht, in dem er in den Hammer-Film-Productions immer wieder aufgetreten ist und seinen unverkennbaren Charme ohne Halt versprühte und so zum heißgeliebten Blut kam. Dracula, dieses unsterbliche Wesen, dessen Faszination einfach nie vertrieben werden kann. So tragisch in seiner Rolle, weil er keine andere Wahl hat und Menschen umbringen muss, nur um selber nicht dem Schmerz des Todes durchgehend zu verfallen. Allgemein sind Vampire, wenn es denn nicht die seelenlosen Viecher aus den modernen Horrormachwerken sind, immer ansprechende Anti-Helden, weil sie ihrem Dasein entschwinden wollen, um nicht noch mehr Unheil anzurichten, aber sich doch nicht von der Menschenwelt abnabeln können, weil sie sie immer brauchen. 


stu's Nr. 3: Der Racheengel - Oh-Dae su aus OLDBOY
Mal wieder muss Rache als leitendes Motiv für einen Film herhalten, doch Park Chan-wook bietet mit "Oldboy" einen der besten Rache-Filme aller Zeiten. Der südkoreanische Regisseur entfacht einen tobenden, atemlosen Kreislauf aus Liebe und Hass, eine existenzielle, gewalttätige Suche nach Erlösung, die für die Hauptfigur Oh Dae-su zu einem fiebrigen, alptraumhaften Trip wird. Vorbei an der inneren Ohnmacht, durchschneidet Oh Dae-su alle gängigen Formen des emotionalen Lebens und krallt sich nur noch an seiner Wut fest, die ihn zu einem unbesiegbar scheinenden Henker macht, der nur noch atmet um den Grund seiner 15-jährigen Gefangenschaft zu erfahren verbunden mit dem Drang nach Rache. "Oldboy" ist wie seine Hauptfigur ein brodelnder Vulkan, dessen Ausbrüche jedoch nicht in oberflächlichen Szenen ausartet, sondern in cleveren, teilweise poetischen Bildern, die zum einen das Leiden von Oh Dae-su spürbar einfängt, zum anderen aber auch Zeit und Muse hat eine positive Wandlung aufzuzeigen, auch wenn das bittere Ende diese Anflüge von Hoffnung mit einem Hieb zerschlägt, denn der Racheengel aus der Gefangenschaft hat seine größte Prüfung noch vor sich, wo bei man Oh Dae-su nicht mit den typischen Racheengeln der Filmindustrie vergleichen darf. Der Film ist brutales Kino, denn er hört nicht bei physischer Gewalt auf, er geht tiefer in die Seele seiner Akteure und lässt sie leiden ohne erkennbare Chance auf (die erhoffte) Erlösung und gerade das macht "Oldboy" zu einem cineastischen Erlebnis, denn zwischen der Psychologischen und Physischen Gewalt versteckt sich eine essentielle Frage, die in vielen Rache-Filmen gar nicht erst genannt wird, die Frage nach dem Warum. Daraus gewinnt der Film seine wahre Kraft und Größe und macht ihn zu einem heißen Eisen: Ein Film der sich in den Kopf einbrennt, genau wie seine Hauptfigur, ein letztlich unsympathischer Typ, aber Sonnyboy-Everybodys Darlings-Typen gibt’s ja eh schon genug.


souli's Nr. 3: Das Arschloch der Nation - Alex De Large in UHRWERK ORANGE
Irgendwie kennt jeder den Hosen-Song “Hier kommt Alex!” aber niemand kann zuordnen, welchen Ursprung dieses Lied überhaupt hat. Das gute alte Rein-Raus-Spiel, ein bisschen Horrorshow und entspannen in der Korova Milchbar? Keine Ahnung? Echt nicht? Natürlich liegt die Antwort mal wieder bei Meisterregisseur Stanley Kubrick und seinem visionären „Uhrwerk Orange“, in dem er nicht die Auswirkungen der Gewalt seziert, sondern auch die Gewalt selbst auf einen Menschen projiziert, dessen Lebensinhalt durch diesen bestimmt wurde. Die Brutalität trifft auf die Bekehrung und erfährt neue Formen und Folgen. Die Hauptfigur ist dabei eben unser Alex, ein Jugendlicher, ein Vergewaltiger, ein skrupelloser Schläger und ein Ludwig van Beethoven-Fan. Vom Arschloch der Nation wird er durch Gehirnwäsche zum ruhigsten Fisch im Aquarium der Gesellschaft. Jeder Gedanke an Sex, Gewalt und Verbrechen schmerzen ihn und er steckt das ein, was er einst ausgeteilt hat. Alex ist eine abstoßende und ekelhafte Figur, die dann doch irgendwie tragisch und mitfühlend offenbart wird. 


stu's Nr. 2: Der Prophet - Tyler Durden aus FIGHT CLUB
"Fight Club" reißt den Zuschauer durch einen düsteren und verwinkelten Tunnel, der quer durch die dunkelsten Abgründe unserer Seele führt, vorbei am Spiegelbild einer verlogenen Gesellschaft. Der Film ist eine freche, groteske Satire auf diese geordnete Welt, wo der Alltag und der Wahnsinn eins sind und glorifizierte Brad Pitt endgültig als das Hollywood- Schönheits- Produkt Nr. 1, während Edward Norton nach "Im Zwielicht" und "American History X" seine dritte, hochklassige Darstellung ablieferte.  Noch nie ging Pitt in einer Rolle so auf und noch nie schien er so eins mit einer Figur zu werden. Tyler Durden ist rebellischer Querdenker, ein proletarischer Prophet, einer verlorenen Generation. Dass diese Figur in der Realität alsbald selbst zu dem wurde, was sie bekämpfte, ist so genial wie irrwitzig. Durden, der verloren Messias der 1990er Jahre.


soulis Nr. 2: Des Teufels Liftboy  Mickey Rourke in ANGEL HEART
Ja, Mickey Rourke war die letzten Jahre immer wieder in den Medien, nicht weil er mit großen Schauspielleistungen glänzen konnte, sondern weil er sein Gesicht so verunstalten ließ, dass nicht einmal die eigene Mutter ihn wiedererkannt hat. Aber wir wissen ja inzwischen, dass Rourke mit Aronofskys „The Wrestler“ mit einer unglaublichen Wucht zurückkehrte und doch noch eine Rolle für die Ewigkeit verkörperte. Dabei hat Mickey Rourke seine ganz besondere Darstellung schon in den 1980er Jahren in Alan Parkers „Angel Heart“ abgeliefert. Als getriebener Detektive fällt er in einen Strudel aus Geheimnissen, Okkultismus und Getriebenheit. Mit Robert De Niro als gänsehauterregender Louis Cyphre fährt Rourke zur Topform auf und das Ende ist wohl eines der unvergesslichsten überhaupt. Rourke ist hier das komplette Gegenteil eines Hollywood-Helden und nimmt den verdienten  Fahrstuhl direkt in das Höllenfeuer.


stu's Nr. 1: Der ewige Kämpfer - Harvey Pekar, der AMERICAN SPLENDOR
Wer Harvey Pekar ist, bzw. war? Leute, schaut euch seine Biopic „American Splendor“ an, dann wisst ihr es. Harvey Pekar kämpfte nämlich sein ganzes Leben lang, gegen einen übermächtigen Feind. War es Krebs, HIV? Nun, er hatte mal Hodenkrebs, aber dies war nicht seine wahre Nemesis. Waren es Roboter aus der Zukunft, Drogendealer, verrückte Wissenschaftler, arabische Fundamentalisten, ein psychopathischer Serienkiller? Nein. Das hätte der gute Harvey wohl gar nicht interessiert. Harvey Pekars größter Feind, mit dem er sich jeden Tag seines Lebens auseinandersetzen musste war das Leben, genauer gesagt, der ganz normale Alltag. Er beschritt diese Schlacht immer wieder. Er verlor und er gewann. Aber er gab nie auf und wurde somit zu einem Unikum, zu einer Kultfigur, zu einem wahren Helden. Wenn ihr wissen wollt dann schaut euch „American Splendor“ mit Paul Giamatti und Hope Davis an. Tut es, wenn ihr die Geschichte eines wahren Helden sehen wollt, dann versteht ihr vielleicht, dass wir alle letztlich Helden sind.


souli's Nr. 1: Eiskalte Diabolik - Tigrero aus LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG
Wenn wir schon über „etwas andere Helden“ sprechen, dann darf natürlich Klaus Kinski keinesfalls fehlen, denn wer kennt seine weltberühmten Wutausbrüche am Set oder in verschiedenen Interviews nicht? Der Mann konnte laut werden und der Mann konnte auch richtig fies sein. Interessant wird es jedoch, wenn Kinski ein durchtriebener Fiesling ist, aber die äußere Coolness bewahrt, um sich der eigenen Diabolik genüsslich hinzugeben. In diesem Fall treffen wir auf Sergio Corbuccis „Leichen pflastern seinen Weg“ aus dem Jahre 1968. Hier spielt Klaus Kinski den blonden Kopfgeldjäger Tigrero. Ein gnadenloser Menschenjäger, konsequent im Umgang und ebenso undurchsichtig. Jean-Louis Trintignant gibt den eigentlichen namenlosen Helden, der sich wegen persönlicher Schicksalsschläge rächen will, doch in dieser Welt gibt es keine Sieger oder Verlierer, keine Guten und keine Bösen. Das wird besonders in der letzten Szene ohne Umschweife deutlich. Kinski spielt wieder mal überragend und ist der geborene Bösewicht, den man dennoch irgendwie faszinierend findet.


Habt ihr Vorschläge für eine neue Liste? Wenn ja, dann immer her damit.



Wir  danken souli für seine Mithilfe. Wenn ihr mehr von souli lesen wollt dann könnt ihr seine Kritiken und Meinungen zu diversen Filmen bei CinemaForever begutachten oder ihr besucht ihn mal bei Moviepilot.