Review: MARLEY - Ein Aussenseiter wird zum Idol

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Fakten:
Marley
USA, GB, 2012. Regie: Kevin Macdonald. Mit: Bob Marley, Ziggy Marley, Jimmy Cliff, Cedella Marley, Rita Marley, Lee "Scratch" Perry, Chris Blackwell, Peter Tosh, Bunny Wailer, Danny Sims, Cindy Breakspeare. Lee Jaffe, Aston Barrett, Peter Marley u.a. Länge: 140 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die dokumentarische Aufarbeitung einer Legende des Musikbusiness.


                                                           


 

Meinung:
 
"...aber wir konnten ihm nicht böse sein."


Wer könnte das schon? Bob Marley, einem der begnadesten Musikers aller Zeiten, wird eine einfühlsame, wunderbare Doku geschenkt. Der Meister selbst kommt nur kurz zu Wort, sonst dürfen wir uns auf die Aussagen von Zeitzeugen verlassen. Familienmitglieder, Freunde, Wegbegleiter, Kollegen. Das scheint im ersten Moment sehr trocken, dennoch wird uns der Mensch hinter der Legende so nahe gebracht, erstaunlich, da er selbst kaum präsent ist.

One Love...
Von seinen kümmerlichen Anfängen, als verschmähter Mischling am Arsch von Jamaika, zu seinem kometenhaften Aufstieg, bis zu seinem tragischen Ende. Marley wird (fast) nur anhand der Aussagen seiner Mitmenschen charakterisiert, aber wirkt dadurch so unsterblich wie sein künstlerisches Schaffen. Bis heute stehen seine Hymnen, die alle eine Geschichte erzählen. Gerade das beleuchtet "Marley" eindrucksvoll. Seine Songs bekommen mehr Backround, da die Wurzeln hier nahegelegt werden. Ein Trench-Town-Kid, ein Idealist, ein Perfektionist, ein Rastafari durch und durch. Er stand für etwas, hat nicht nur darüber gesungen, er hat es gelebt. Und ist daran letztenendes zu Grunde gegangen.


Wir erleben den Werdegang eines "Bastards", der früh die Schule schmiss, da er nur einen Weg gesehen hat, sich aus dem Ghetto befreien zu können. Sein Talent zu leben, die Musik. Aller Anfang ist schwer, besonders als ein Niemand mit schwarz/weissen Wurzeln. Doch Bob hat sich durchgebissen. Von schüchternen Neuauflagen erfolgreicher US-Hits zu seiner Musik. Zunächst als Mitglied einer Band, später als Leader und Zugpferd. Ganz nebenbei wurde aus Ska Reggae und aus dem introvertierten Musiker aus Saint Ann einer der grössten Künstler des letzten Jahrhunderts. Die knapp 2 1/2 Stunden scheinen erst erschlagend für eine Doku, doch letztendlich ist hier keine Sekunde verschenkt.


Eine Legende, selbst optisch.
Diese Ausführlichkeit mündet niemals in Längen oder gar Langeweile. Behutsam wird der Mensch Marley dokumentarisch aufgebaut, fast die Hälfte der Spielzeit wird dem Abschnitt vor seinem Aufstieg gewidmet. Marley, unglaublich talentiert, aber kaum beachtet, hechelt lange dem Erfolg hinterher. Für lächerliche Gagen nehmen er und seine Kollegen                     Top-Ten-Hits auf, die kurzzeitige Flucht in die USA bringt auch nicht den erhofften Erfolg. Lange scheint ein Ausnahmetalent in der Belanglosigkeit zu verschwinden. Doch nach langem, harten Kampf kommt endlich die Bestätigung: In London, 1975, brechen endgültig alle Dämme. Marley wird gefeiert, die Halle ist überfüllt, der Mann ist auf seinem Zenit angekommen. Lange hat er für diesen Ruhm gekämpft,  nur leider kann er ihn nur noch wenige Jahre auskosten."Marley" erscheint im ersten Moment vielleicht etwas trocken, tatsächlich zieht diese Doku so schnell in ihren Bann und schafft etwas seltenes: Obwohl der Hauptdarsteller nur selten (in bewegten Bildern) zu sehen ist, lernen wir ihn kennen und (noch mehr) lieben. Das beste Beispiel für diesen merkwürdigen Effekt ist wohl die bereits erwähnte Schilderung des Konzerts in London: Wir sehen nur Standbilder, hören nur die Kommentare, dennoch bildet sich eine Gänsehaut. Weil wir es diesem Menschen gönnen, speziell nach der ausführlichen Schilderung seines Lebens. Mal ganz unabhängig davon betrachtet, was die Musikwelt ohne Bob Marley wäre. 


Trotz seiner trockenen Herangehensweise eine wunderbar fluffige Doku über einer bemerkenswerten Menschen, der einerseits Cheech & Chong locker unter den Tisch knistern konnte, dem andererseits so wahnsinnig viel Talent und Präsenz in die Wiege gelegt wurde, das selbst 140 Minuten zu kurz erscheinen. Nicht der perfekte Vater, ein wohl guter Fussballer, ein sagenhaft kreativer Künstler. Auf den guten, alten Bob, möge im Himmel immer reichlich Drehstoff vorhanden sein, hat in dem Fall wohl kaum geschadet. Bis auf...lassen wir das.

7,5 von 10 fetten Lunten



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