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Review: ELLE – Paul Verhoeven meldet sich zurück

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Fakten:
Elle
BE, DE, FR. Regie: Paul Verhoeven. Buch: David Birke, Philippe Djian (Vorlage). Mit: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Christian Berkel u.a. Länge: 130 Minuten. FSK: ungeprüft. Ab 02. Februar 2017 im Kino.


Story:
Michèle ist der Kopf einer Firma, die sich rund um die Uhr mit Videospielen beschäftigt und zu den angesagtesten Playern auf dem Markt gehört. Verantwortlich dafür ist zweifelsohne Michèle und ihre selbstbewusste Einstellung: Sie weiß genau, was sie will, und sie weiß ebenso, wie sie es bekommt. Auch in puncto Liebesleben ändert sich ihre kalte bis herzlose Attitüde nicht. Eines Tages wird Michèle jedoch zum Opfer eines Attentats, woraufhin sich ihr gesamtes Leben für immer verändern soll. Niemand weiß, wer dafür verantwortlich ist. Ein Umstand, der ihr keine Ruhe lässt. Sie macht sie auf die Suche nach dem Mann, der ihr das Leben nehmen wollte. Als Michèle ihn schließlich findet, verliert sie sich in einem gefährlichen Spiel, das jeden Moment außer Kontrolle geraten könnte.




Meinung:
In den letzten Jahren war es ruhig um Paul Verhoeven. Im Laufe seiner Karriere konnte der niederländische Regisseur immer wieder für Skandale sorgen und selbst in Hollywood gewagte Filme inszenieren. Ausufernde Gewalt und auch ästhetisierte Sexualität gehören zu seinen wiederkehrenden Motiven und werden dementsprechend freizügig thematisiert. Um den reinen Unterhaltungsaspekt ging es dabei nie und nur selten begnügte sich der Filmemacher damit an der Oberfläche zu verweilen. Oftmals dringen seine Filme tief in die Psyche ihrer Hauptfiguren ein und die Gewalteruptionen dienen lediglich als Indikator für soziale oder gesellschaftliche Problemfelder. Auch sein neuestes Werk streift zahlreiche Themenkomplexe und löst einen altbekannten Konflikt auf interessante Art und Weiße.


Michele fackelt nicht lange
Elle bedient schon früh typische Elemente des Rape-and-Revenge Genres, beginnt erwartungskonform mit der notwendigen Vergewaltigung und lässt diese im weiteren Verlauf omnipräsent im Zentrum des Films verweilen. Der Erwartungshaltung des Zuschauers verweigert sich Verhoeven jedoch konsequent und so kommt es im Fortgang immer seltener zu bekannten Momenten. Schnell findet der Film seine eigene Struktur, die in ihrem Kern von der aufopfernden Darstellung Isabelle Hupperts getragen wird und so werden simplifizierte Genreklischees konsequent zu einem vielschichtigen Diskurs umgeformt. Denn nach der einleitenden Vergewaltigung, die wie so viele Momente des Films mit beachtlicher Intensität inszeniert wurde, senkt sich beinahe ein bedächtiges Schweigen über die, so scheint es zumindest, gedemütigte Michele. Die Spuren werden schleunigst beseitigt, die Polizei bleibt uninformiert und sie setzt ihr alltägliches Leben als Kopf einer Videospielfirma fort. Lediglich unter ihrer Oberfläche scheint es zu brodeln, vor Ärgernis, Wut und Scham…aber auch vor Erregung. Nicht viele Darstellerinnen sind zu solch subtilen und anspruchsvollen Emotionen fähig, doch Huppert meistert die Herausforderungen des Films gewohnt mühelos und verkörpert eine äußerlich selbstsicher, aber innerlich verunsicherte Frau, die von den zahlreichen Herausforderungen des Lebens verschluckt zu werden droht. Darüber hinaus behandelt Elle eine Vielzahl an Themen, die es lohnen den Film mehrmals zu sehen und durchaus zu ausgiebigem Diskussionen einladen.


Sicherlich dürfte Elle bei manchen Zuschauern einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Der Gedanke eine Frau könnte an Vergewaltigung, der ultimativen Form männlicher Dominanz, sexuelle Erregung und Gefallen finden, darf diskutiert, aber nicht voreilig abgestraft werden. Natürlich handelt es sich dabei einerseits um eine vorwiegend männliche Fantasie, jedoch macht es andererseits gerade die weibliche Perspektive des Films zu einem interessanten Diskurs. Und dabei sollte die Tatsache, dass der Film von einem alten, weißen Mann stammt keine voreiligen Rückschlüsse auf das Werk zulassen.


7 von 10 unangenehmen Abendessen

Review: ROBOCOP - Mensch oder Maschine?

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Fakten:
Robocop
USA. 1987. Regie: Paul Verhoeven. Buch: Edward Neumeier, Michael Miner. Mit: Peter Weller, Kurtwood Smith, Nancy Allen, Ronny Cox, Dan O’Herlihy, Miguel Ferrer, Ray Wise, Paul McCrane, Jesse Goins, Robert DoQui, Felton Perry u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In der nahen Zukunft gleicht Detroit heruntergekommenen Slums. Die Stadt, die neben der Kriminalität vom Großkonzern OCP beherrscht wird, versucht zwar mit polizeilichen Mitteln die Gewalt einzudämmen, doch dieses Unterfangen ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. OCP versucht derweil mittels Robotern die Straßen der Stadt sicher zu machen, doch die Entwicklung dieser Kampfmaschinen ist geprägt von Rück- und Fehlschlägen. Als der frisc nach Detroit versetzte Cop Alex Murphy von einer Gang brutal ermordet wird, sieht OCP ihre Chance. Sie nehmen Murphys Körper und machen ihn zu RoboCop, der nun die Polizei unterstützen soll. Tatsächlich wird RoboCop ein erfolgreicher wie rigoroser Streiter gegen das Verbrechen, doch in dieser neuartigen Maschine steckt immer noch Alex Murphy und dieser ermittelt auch dort, wo es OCP nicht gerne sieht: in den eigenen Reihen.





Meinung:
Irgendwie ist er schon amüsant, der Werdegang des Paul Verhoeven in den Vereinigten Staaten. Aus der trauten Heimat rekrutiert, um der Traumfabrik mit seinem wunderbaren Verständnis für unterhaltsame Reißer die Taschen zu füllen, haben es die Studiobosse und das sensationsgeile Publikum nie wirklich geschnallt, dass hinter Verhoevens perfekt inszenierten Blut- und Gekröseorgien immer eine so direkte Kritik an dem Amerikanismus und seinen mehr als lächerlichen Abstrahleffekten auf nationaler Ebene steckte, dass man dem Holländer für seinen Mut vorbehaltlos auf die Schulter klopfen durfte und den Amerikanern für ihre Blindheit – Denn wenn etwas an den eigenen Traditionen kritisiert wird, ist die künstlerische Karriere schnell an ihrem Ende angekommen – mit einem hämischen Lächeln begegnen durfte. Dabei stellt „StarshipTroopers“ das Sahnestück in Verhoevens Vita dar, denn wie er den blinden Gehorsam, die operativen Mechanismen und den mehr als fragwürdigen Patriotismus durch satirische Mittel ad absurdum führte, war schon mehr meisterhaft.


Murphy unmasked
Das Problem an „Starship Troopers“ war seiner Zeit jedoch das Feuilleton ohne jede Weitsicht: Denn wo die einen nur blutiger Trash erkennen wollten, schrie die andere Seite, dass Verhoeven hier ein waschechtes Propagandawerk erschaffen hat, dass seinen Irrsinn tatsächlich ernst meine. Verhoeven nahm es gelassen, auch wenn seine Karriere dort die ersten Stufen gen Qualitätsabsturz betrat, schließlich war es nicht seine Schuld, wenn man mit offensichtlich fungierender Symbolik nicht umgehen kann. Diese Reaktionen waren bei seinem Debüt in den Staaten kaum anders: „Robocop“ hieß das gute Stück. Und der Titel ließ schon verlauten, dass es hier wohl reichlich bekloppt zu Werke gehen wird. Liest man sich auch die Synopsis zum Film durch, scheint der despektierliche Verdacht tatsächlich fundiert zu sein: Ein Polizist wird bei einem Einsatz umgebracht und kehrt dann als der titelgebende Robocop wieder, der sich an seinen Mördern rächen will. Reaktionäre Gewaltverherrlichung! 


Aber genau das ist „Robocop“ eben nicht. Wenngleich sich der Film typisch für Verhoeven im Blut suhlt, ist der Holländer meilenweit davon entfernt, strunzdummen Action-Trash zu servieren, auch wenn sich viele an seiner oberflächlichen Brutalität – und „Robocop“ ist verdammt brutal – festsaugen und ihn letztlich auch einzig und allein auf genau diese reduzieren, ist Verhoeven ein Sci-Fi-Klassiker gelungen, dessen hintersinnige Substanz unverkennbar für jeden (mit-)denkenden Rezipienten mitschwingt. Es ist kein Geheimnis, dass Verhoeven nie der Mann für subtile Zwischentöne war, der ein System durch nuancierte Nadelstiche zu Boden zwingen wollte, mit Sicherheit nicht. Verhoeven macht keinen Hehl daraus, dass er Amerika, oder in diesem Fall das Amerika der Zukunft, jetzt mal so richtig schön den etablierten Dreck in die Fratze schmiert. In „Robocop“ äußert sich das in seiner ganzer Vehemenz in den fiktiven Werbespots, in dem es zum Beispiel bei einem familiären Spieleabend darum geht, andere Länder in Grund und Boden zu stampfen, während der Atompilz langsam über die Köpfe der Spieler schwebt.


Diese Beine sind für das Gesetz, nicht für den Catwalk
Michael Miner und Edward Neumeier leisten in ihrer Drehbuchvorlage ganze Arbeit, selbst wenn gewisse Handlungsabschnitte – auch in Anbetracht von Robocops Psyche – etwas zu schnell abgehandelt wurde, ist das Endergebnis eben absolut kein platter Film. Und mit dem Innenleben des neumodellierten Polizisten, eingekesselt im mechanischen Exoskelett und mit einem computergeschützten Gedächtnis versehen, dass den ehemaligen Menschen Alex J. Murphy daran hindern soll, in seine Vergangenheit zu reisen und alte Wesenszüge und Erinnerungen aufzurufen, kommen wir auch zu einem weiteren interessanten Aspekt, der „Robocop“ problemlos vom Einheitsbrei des Action-Sujets abhebt. Denn während es in anderen Filmen reicht, den Charakter des Actionhelden in 5 Minuten zu definieren und ihm jede neue Facette zu verweigern, ist Robocop mit genau der Tiefe ausgestattet, die seine Figur auch braucht – Ohne sich zum Affen zu machen und über das eigentliche Ziel hinauszuschießen.


Wenn wir die religiösen Bezüge zur Auferstehung Jesu Christi mal außen vor lassen, bekommen wir mit Robocop einen Charakter, der sich fortwährend in einem brodelnden Sturm mit seinem unausgeglichenen Inneren befindet: Wo Murphy eigentlich daran gehindert werden sollte, Kontakt mit vergangenen Dingen – also auch mit sich selbst  - aufzunehmen, kämpfen die humanen Überresten im Inneren des Panzers gegen das stählerne Gefängnis und die neue Identität. Aber „Robocop“ ist ebenfalls, und auch das war ein Markenzeichen Verhoevens, im höchsten Maße unterhaltsam und vollkommen konzentriert auf seine Fähigkeiten: Der Zynismus, mit dem hier durch das futuristische Detroit gerauscht wird, dient einer progressiven Entlarvung, genau wie die überzogene Gewalt, die sich diesem Mosaik aus satirischen Stilmitteln und gnadenlos-kritischer Themenüberhöhung wunderbar anpasst. Obgleich am Ende nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft wurde, hat sich „Robocop“ seinen legendären Status in der Filmwelt vollkommen verdient, denn dummes BumBum-Kino sieht ganz anders aus.


7,5 von 10 Maschinengewehrsalven


von souli
Hier geht's zum ersten Trailer des "Robocop"-Remakes

Review: STARSHIP TROOPERS - Im Kampf gegen ultraböse Killerkäfer

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Fakten:
Starship Troopers
USA. 1997. Regie: Paul Verhoeven. Buch: Edward Neumeier, Robert A. Heinlein (Vorlage). Mit: Casper Van Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Jake Busey, Clancy Brown, Michael Ironside, Patrick Muldoon, Seth Gilliam, Neil Patrick Harris, Amy Smart, Rue McClanahan, Marshall Bell, Eric Bruskotter, Matt Levin, Blake Lindsley, Anthony Ruivivar, Robert DavidHall, Drenda Strong, Dean Norris u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren (gekürzte Fassung), ungekürzte Fassung ist indiziert. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
In der Zukunft befindet sich die Menschheit im Krieg mit einer intergalaktischen Rasse, den sogenannten Bugs, die von ihrem Heimatplaneten Asteroiden auf die Erde schießen. Die Menschen versuchen mittels mächtiger, militärischer Streitkräfte den Feind zu besiegen. Rekrut Johnny Rico, gerade frisch von der High School, tritt seinen Dienst in der Infanterie an und erlebt militärische Autorität, härtesten Drill und wird zum Kriegsheld.




Meinung:
Oh, was musste Regisseur Paul Verhoeven zum einstigen Kinostart seines inzwischen – in kompetenten Kreis – als Klassiker geltenden »Starship Troopers« Schelte beziehen. An den Kassen konnte sein 100 Millionen Dollar fressendes Werk nicht den erhofften Boom auslösen und die Kritiker aus aller Welt rannten dem niederländischen Filmemacher mit Phrasen wie »Zynismus in Persona« und »Lancieren von faschistoider Essenz« die gutsituierte Bude ein. Der Holländer hat die harsche wie vermessene Kritik aber mal wieder gelassen genommen und mit eine smarten Grinsen in der Kategorie »Irgendwann wird es auch euch wie Schuppen von den Augen fallen« positioniert. Warum »Starship Troopers« auf derartigen Gegenwind stoßen musste, lässt sich Anhand der Einstellung des amerikanischen Volkes mit Leichtigkeit erklären: Der obligatorische Abwehrmechanismen auf nationaler Ebene, der genau die reflektierte Auseinandersetzung mit dem Konsumierten verweigert. Welch engstirnige Geisteshaltung; Ausnahmen bestätigen die Regel.


Johnny Rico bekommt es auch mit Big Bugs zu tun
Warum der Bezug nun direkt auf Amerika genommen wurde und andere Kritiken aus aller Herren Länder nun nicht unbedingt mit einbezogen werden, lässt sich dadurch erklären, dass Paul Verhoeven mit »Starship Troopers« ohne Rücksicht die amerikanischen Ansichten in der Kriegsführung durch satirische Überzeichnung anprangerte. Natürlich will man eine solch bloßstellende Darstellung der eigenen Lage nicht einsehen/annehmen und sich ausgerechnet in einer dystopischen Farce auf der großen Leinwand wiedererkennen. Der Beißreflex hat seinem Namen daraufhin mal wieder alle Ehre gemacht und verhakte in der faschistoiden Symbolik, die ohne Wenn und Aber vorhanden hat, jedoch nicht als repräsentierter Effekt der Täuschung dienen soll. Paul Verhoeven hat sich in der Pre-Production durch die Propagandageschichte Deutschlands gewälzt und die Statussymbole wie die nationalsozialistische Ordnung einfach in seine konzeptionelle Ausrichtung codiert, um sie daraufhin von der Schablone zum neuen Skopus zu fungieren.


Man muss sich »Starship Troopers« also von Anfang bis Ende wie eine vollkommen überspitze Karikatur vorstellen, der jeder greifbare Rahmen entrissen wird, in der alles vollkommen überdreht scheint, vollkommen neben der Spur – Und doch trifft das Gezeigte ins Schwarze. In Verhoevens Zukunftsbild sind wir in einer Zeit angekommen, in der per se absolute Gleichheit unter den Menschen herrscht und nur noch zwischen Soldaten und Zivilisten unterschieden wird. Den Zivilisten wird da natürlich die niederere Rolle zugesprochen, obgleich es ihnen nicht schlecht geht, ist es die größte Ehre in den Militärdienst zu treten, schließlich muss man sich in diesen Tagen keine Gedanken mehr um den Klimawandel, um die Ozonschicht oder sonstige Dinge machen. Wir sind quasi in einer Epoche angekommen, in der es nur gute Menschen gibt; eine Welt, die in ihrem eigenen, 100% emanzipierten Wohlstand badet und die seltenen Ausreißender im Schnellverfahren exekutiert – Wer nicht hört, muss fühlen.


Nein, er (Neil Patrick Harris) sagt jetzt nicht "legendary"
So unnahbar wie die Welt, in der sich »Starship Troopers« aufhält, erscheint, so karikiert erscheinen auch die Charaktere: Dauergrinsende Beach Boys mit markanten Gesichtszügen, harten Muskeln oder wohlproportionierte Ballköniginnen, deren Herz genau wie das ihrer männlichen Äquivalente mit Patriotismus gefüllt wurde und auf die heroische Implosion wartet. Verhoeven wirft dadurch den Wert der Kameradschaft, den hochgelobten Militarismus und den dazugehörigen Faschismus in einen großen Topf, rührt kräftig darin herum und macht dadurch deutlich, dass es hier nicht Nuancen sind, die das kritische Licht schnell in die gegensätzliche (also verherrlichende) Richtung drängen. »Starship Troopers« artikuliert sich mit einem so augenfällig überzogenen Tonus, der alles, was in diesem Kontext mit Amerikas Kriegsmaschinerie und der Mentalität der Individuen dahinter steht, komplett von A bis Z ad absurdum führt. Der Zweck heiligt in diesem Fall tatsächlich die Mittel und erweist sich nicht als drastischer oder selbstgefälliger Rohrkrepierer.


So wird der Zuschauer mit totalitärer Formeln und patriotischen Parolen durch das Geschehen geleitet; zynische wie ironisierte Schwarz-Weiß-Zeichnungen bis zum Exzess. Wenn es dann zur großen Schlacht kommt, in der die Menschen gegen die ultrabösen Bugs antreten, gelingt Verhoeven ein interessanter Clou: Trotz – oder gerade weil – er diese extremen Überhöhungen gebildet hat, bleibt das Geschehen auf Distanz, wird trotz Ästhetisierung niemals fragwürdig oder impliziert eine bedrohliche Haltung, ohne seine eigentliche Grundspannung einbüßen zu müssen. Dabei (Im Vorgehen gegen die Riesenkäfer) lässt sich auch wieder etwas Entscheidendes feststellen, welches genau der systematischen Führung der Weltmächte entspricht: Dass die Bugs hier einen Grund für ihren Angriff haben, wird nicht berücksichtigt oder offeriert, die Zerstörung von Lebensräumen für die eigenen Vorteile scheint als Legitimation zu gelten. Gibt es Gegenwind von den gefährdeten Arten, dann muss im höchsten Gefechtsstand angegriffen werden, Töten für das Vaterland macht Spaß, der patriotischer Optimismus pocht und pocht.


Bilderrätsel: Was fehlt hier?
Gesellschaftsgroteske, Sci-Fi-Blutrausch, überstilisierte Männerromantik – In »Starship Troopers« greifen unzählige Zahnrädchen ineinander, doch wer hier von einer hirnlosen Gewaltorgie sprechen möchte, in dem grünes, oranges oder rotes Blut hektoliterweise ohne Sinn und Verstand vergossen wird, der hat Paul Verhoevens und Edward Neumeiers Intention mal vollständig missverstanden. Letztlich ist das – obgleich der Unterhaltungswert natürlich durchgehend in Ehren gehalten wird – nur die verhöhnende Verurteilung von faschistischen Ideologien, die die Gedanken der Einzelnen vergiften peinlichst manipulieren, in Wahrheit aber rein gar nichts bewirken. Denn wenn die Helden in ihren maßgeschneiderten Uniformen, dem goldenen Stolz in den Adern und dem breiten Grinsen gnadenlos überrannt werden, dann wird nicht nur die Sinnlosigkeit hinter jeder operativen Kunst enthüllt, sondern auch die endlose Bedrohung des Verbreitungsdrang von despotischen Führungsetagen.


8,5 von 10
Stacheln durch den Stahlhelm


von souli


Review: FLEISCH & BLUT - Mittelalter ist kein Ponyhof

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Fakten:

Fleisch & But (Flesh + Blood)
USA, ES, NL, 1985. Regie: Paul Verhoeven. Buch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven. Mit: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Jack Thompson, Fernando Hilbeck, Susan Tyrrell, Brion James, Bruno Kirby,  Ronald Lacey, Simon Andreu, Kitty Courbois u.a. Länge: 123 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
West-Europa, 1501: Raubritter Martin und seine Leute nehmen in Auftrag von Arnolfini eine Burg ein. Statt die versprochene fette Beute zu bekommen, fällt dieser ihnen in den Rücken. Entwaffnet und vertrieben sinnen sie auf Rache. Bei einem Überfall auf Arnolfini erbeuten sie zwei seiner Kutschen, mit interessanten Inhalt: Agnes, die junge, bildhübsche Verlobte von Arnolfinis Sohn. Dieser hat sich bereits auf die Suche nach Martin begeben.




Meinung:
Zwei Jahre vor seinem großen Hollywood-Durchbruch drehte Paul Verhoeven bereits seinen ersten (co-produzierten) US-Kinofilm, das wenig zimperliche Mittelalterspektakel "Fleisch & Blut". Der Name ist hier Programm, könnte noch durch "Dreck & Gestank" ergänzt werden. Verhoevens Darstellung des blutjungen, sechzehnten Jahrhundert bietet davon reichlich, keine edelen Ritter mit schimmernder Rüstung oder verträumte Robin-Hood-Romantik. Schlamm, Wolkenbrüche, der Geruch von Tod und Pest in der Luft, Plünderung, Mord und Vergewaltigung, Verhoeven präsentiert eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte als einen dreckigen Moloch mit starken Kerlen und Frauen, die entweder ihre Weiblichkeit ablegen oder stehts zu Diensten sein müssen.

Geisel oder Herzdame?
Die Inszenierung des Niederländers ist druckvoll und gemessen an den Mitteln, letztendlich ist das hier ein B-Movie der 80er Jahre, optisch und atmosphärisch erstaunlich gelungen. Die Sets und die Ausstattung wirken authentisch, wobei dazu zu sagen ist, dass es in "Fleisch & Blut" so gut wie keine aufwendigen Massenszenen oder epische Schlachten gibt, wie sie aus einigen anderen Historienfilmen bekannt sind (eigentlich trifft die Bezeichnung Historienfilm hier nur bedingt zu, dazu gleich). Es ist schon zu bemerken, dass sich nicht so viele Darsteller und Statisten am Set befunden haben können, das ist aber so gekonnt in Szene gesetzt, dass es an Dynamik und Action nicht mangelt. Die Darsteller, die dort waren, können zudem voll überzeugen. Ganz vorne, natürlich, Verhoevens Landsmann Rutger Hauer, wie immer mit enormer Präsenz und Ausstrahlung, aber gleich dahinter die zuckersüsse Jennifer Jason Leigh, die sich hier erstaunlich oft sehr freizügig zeigt.

Zu zweit schießt es sich viel schöner
Etwas zwiespältig und sicher reichlich Diskussionsstoff bietet die Darstellung von Leighs Figur Agnes. Aus Spoilergründen wird jetzt nicht viel näher darauf eingegangen, aber das könnte einigen Menschen, wahrscheinlich bevorzugt Damen, eher übel aufstoßen. Ähnliche Vorwürfe wurden ja auch Sam Peckinpah immer wieder gemacht (Stichwort "Straw Dogs"), und zuerst hinterlässt "Fleisch & Blut" einen vergleichbaren Eindruck. Allerdings mildern die weiteren Entwicklungen das Ganze etwas ab, dennoch vielleicht etwas gewagt. Grundsätzlich sollte aber jedem klar sein, "Fleisch & Blut" ist eher ein Action- und Abenteuerfilm, als ein historisch korrekter Streifen. Das hat schon B-Movie-Flair und dient rein der Unterhaltung. Vollkommen in Ordnung, wenn es denn funktioniert. Etwas kürzer hätte es vielleicht sein können, zwei Stunden ist für den Stoff leicht zuviel. Am Ende steht gute, recht deftige Unterhaltung, die einfach klasse umgesetzt ist.

7 von 10 reudigen Rittern.

Review: TOTAL RECALL - On my way to mars

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Fakten:
Total Recall
USA, 1990. Regie: Paul Verhoeven. Buch: Ronald Shusett, Dan O'Bannon, Gary Goldman. Mit: Arnold Schwarzenegger, Rachel Ticotin, Michael Ironside, Sharon Stone, Ronny Cox u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Wir schreiben das Jahr 2084. Der Mars ist inzwischen kolonialisiert. Bauarbeiter Doug Quaid träumt immer wieder von dem roten Planeten und einer mysteriösen Frau. Da seine Ehefrau nichts von einer Reise zum Mars hält, begibt sich Quaid zu Recall Inc., einer Firma, die künstliche Erinnerungen anbietet. Sie versprechen, ihm eine konstruierte Erinnerung einzupflanzen, die ihn glauben lassen würde, tatsächlich auf dem Mars gewesen zu sein. Doch bei dem Prozess läuft etwas schief: Quaid erinnerst sich plötzlich wirklich an ein anderes Leben. Auf einmal bricht alles zusammen: Sein bester Freund versucht ihn umzubringen, seine Frau stellt sich als Agentin heraus, die ihn nur unter Kontrolle halten sollte. Seine gesamte Identität scheint eine einzige Lüge, eine implantierte Erinnerung. Wer ist er wirklich und warum wurde ihm das angetan? Quaid hat kaum Zeit darüber nachzudenken: Killer heften sich an seine Fersen, die Jagd beginnt. Quaids einziger Anhaltspunkt: Der Mars.


Meinung:
Sweet dreams are made of this...
Drei Jahre nach seinem Sci-Fi-Action-Knaller "RoboCop" ließ Paul Verhoeven mit "Total Recall" ein weiteres Genre-Brett folgen. 
Ähnlich wie beim Blechpolizisten geizt Verhoeven nicht mit expliziter, knüppelharter Gewaltdarstellung, die jedoch durch das futuristische Setting und den satirischen Unterton eher gallig-bissig als bitterböse erscheint. "RoboCop" war zwar noch deutlich zynischer und überzeichneter, der pointierte Ansatz und sein unterschwellige Fingerzeig sind bei "Total Recall" dennoch klar vorhanden. Es ist eine Kritik an der fortschreitenden Berieselungsgesellschaft, die sich lieber Erinnerungen kauft, statt selbst etwas zu erleben, gleichwohl am Kapitalismus und der Gnadenlosigkeit von Großkonzernen.


Doug entdeckt sein wahres Ich.
Gut, das ist vielleicht etwas zu viel Subtext, im Endeffekt ist und bleibt "Total Recall" astreines Blockbusterkino, das aber alles von der Hand zu weisen, wäre zu einfach gedacht. Verhoeven salzte seine Actionknaller oft mit diesen Zutaten, so auch hier. Auch losgelöst davon ist "Total Recall" eine Ansage. Die Geschichte, eine Umsetzung von "Blade Runner" Autor Phillip K. Dick, ist faszinierend, leicht doppelbödig und hervorragend umgesetzt. Verhoeven erschafft eine phantasievolle Welt mit tollen Sets und grandiosen Masken/Effekten. CGI ist heute das täglich Brot von solchen Filmen, handgemacht wird in dieser Qualität immer besser sein. Das wirkt nicht nur hingebungsvoller, es ist nicht so künstlich und austauschbar. Heute kann jeder irgendwas zusammenfrickeln, hier waren echte Künstler am Werk. Um noch ein letztes Mal den "RoboCop" Vergleich zu bringen: Damals war es technisch noch etwas einfacher, z.B. durch Stop-Motion. "Total Recall" ist der deutlich größere Film, der Budgetanstieg ist klar ersichtlich. Es wird aber auch effektiv genutzt, die Kohle wirkt nicht für unnötige Explosionen, exorbitante Gagen oder sonstigen Firlefanz verchleudert. Hier wurde in wesentliche Dinge investiert, die zur Atmosphäre und der Auslebung von Ideen beitragen.


"Total Recall" geht zudem nicht schludrig mit seiner Geschichte um, an einigen Punkten wird sehr bewusst mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, was ihn klar vom üblichen Popcornkino-Einheitsbrei abhebt. Welche das sind, sollte selbst erlebt werden. 


Wer es ganz genau nimmt: Leichte Makel sind vorhanden, speziell in der ersten Hälfte. Da gibt es einige kuriose Dinge, die für ein Schmunzeln sorgen:
1. Arnie und sein Kollege bedienen einen Presslufthammer, ohne einen Ohrenschützer oder sonstiges (die Typen im Hintergrund haben welche, merkwürdig, wenn müsste man doch alle vergessen).
2. Arnie schlägt im vollen Lauf einfach so das Fenster einer fahrenden U-Bahn ein, why not?
3. Mit einem Handtuch um den Kopf gewickelt schaltet man jeden Peilsender aus.


So, dass ist aber auch alles. Sonst ist "Total Recall" ein großartiges Stück Sci-Fi-Action-Kino, für Fans von einfacher Unterhaltung, aber auch für die, denen das oft zu wenig ist. Diese Mischung ist und war selten und funktioniert hier erstaunlich gut.
Toller Film, damals wie heute.

8 von 10