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Review: TANZ DER TOTENKÖPFE - Im Schatten der Klassiker

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Fakten:
Tanz der Totenköpfe (The Legend of Hell House)
GB, 1973. Regie: John Hough. Buch: Richard Matheson. Mit: Pamela Franklin, Roddy McDowall, Clive Revill, Gayle Hunnicutt, Roland Culver, Peter Bowles. Länge: 94 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



 
Story:
Dr. Barrett nimmt das Angebot des todkranken Rudolph Deutsch an, die übernatürlichen Vorkommnisse in seinem Landhaus zu untersuchen. Seit Jahren gehen dort merkwürdige Dinge vor sich, die sich wissenschaftlich nicht erklären lassen. Zusammen mit seiner Frau Ann, dem Medium Florence Tanner und seinem Kollegen Fischer, dem einzigen Überlebenden der letzten Untersuchung, wollen sie dem Spuk binnen einer Woche auf den Grund gehen.



                                                           

Meinung:
Etwas in Vergessenheit geratener Beitrag zum Haunted-House-Genre, der besonders durch seine einnehmende Stimmung und seine überdurchschnittliche, teilweise sogar exzellente Umsetzung punkten kann. Aus dem Schatten der ganz großen Klassiker kann der Film von John Hough nach all den Jahren nicht mehr außerordentlich hervorstechen, dazu bedarf es durch die unzähligen Varianten, natürliche Abnutzungserscheinungen und einiger besser gealterter Alternativen dann doch etwas mehr. Diese handgemachte, schön altmodische Geisterbutze hat trotzdem noch ihren Reiz, deutlicher als so manch andere Vertreter, die nicht so viele Jahre auf dem Buckel haben.

Nebelhäuser, schwarze Katzen = Nix wie weg!
Die Story ist, nach damaligen wie heutigen Maß, purer Standard. Ein altes Haus, übersinnliche Phänomene, (nicht ganz) eine Handvoll Protagonisten, mal bewegt sich hier was, mal hört man dort was, das Ganze steigert sich mit der Zeit bis der Wahnsinn regiert. Nichts Besonderes, dafür schön umgesetzt. Gerade die Reduzierung auf das Wesentliche, auf einen Handlungsort, auf so wenige Figuren, auf seine überschaubare Laufzeit, das macht "Tanz der Totenköpfe" in seiner Einfachheit schon straff und knackig. Speziell atmosphärisch steckt hier viel drin und zeugt von Gespür für das gewisse Etwas. Die Kulisse und Bilder schwanken zwischen schaurig-nebulös und unbehaglich-farbenprächtig, bunt wäre der falsche Ausdruck. Manchmal dominieren einzelne Farben, um genau zu sein das gerne genutzte Rot, auch hier mit einer besonderen Wirkung. Ohne die ganz großen Schockmomente aus dem Hut zu zaubern herrscht ein kribbeliges Unbehagen, unterstützt durch den wummernden Score, der die Szenen prächtig unterstreicht. 

 
Beauty & The Nerd.
Langsam, dafür deutlich, zieht die Bedrohung immer weiter an, die Darsteller bieten insgesamt ansprechende Leistungen (Roddy McDowall geht zum Ende deutlich drüber, etwas trashig) und die Kameraarbeit kann sich wahrlich sehen lassen. Hier werden keine Bäume bei der Geschichte ausgerissen, geschweige denn neu gepflanzt, werfen dafür eine ertragreiche Ernte im Spukhaus-Garten ab. Teilweise ist das richtig gut und kann durchgängig gefallen, nur fehlt es unterm Strich an den ganz besonderen Momenten, wenn auch manchmal nah dran. Ohne die übermächtige, zeitlose Konkurrenz eine klare Empfehlung, so muss der sich halt messen lassen. Gibt etwas Abzug, trotzdem für Freunde des Genres definitiv einen Blick wert, allein wegen der handwerklichen Finesse, die ist absolut sehenswert. Der Rest mit Einschränkung. 

 
P.S.: Warum der Film in Deutschland Tanz der Totenköpfe heißt, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Klingt wohl einfach toll.

6,5 von 10 nicht existenten (dafür tanzenden) Totenköpfen

Review: SCHLOSS DES SCHRECKENS – Die Dämonen der Vergangenheit

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Fakten:
Schloss des Schreckens (The Innocents)
GB. 1961. Regie: Jack Clayton. Buch: William Archibald, Truman Capote. Mit: Deborah Kerr, Peter Wyngarde, Michael Redgrave, Martin Stephens, Megs Jenkins, Pamela Franklin, Clytie Jessop u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
England am Ende des 19. Jahrhundert: Die puritanische Gouvernante Miss Giddens wird auf einem opulenten Landhaus für die Erziehung auf Beaufsichtigung der zwei Waisen Flora und Miles eingestellt. Zu Anfang läuft alles nach Plan, Miss Giddens zeigt sich engagiert, die Kinder als wohlerzogen, doch es scheint, als würde eine paranormale Aura über dem Anwesen liegen, die Miss Giddens immer weiter in die wahnhaften Zweifel treibt…




Meinung:
Alles beginnt mit dem sanftmütigen Gesang eines kleinen Mädchens; ein Mädchen namens Flora, eine Waise, das Bild ist dabei vollends in seinem extensiven Schwarz gefangen. Während sich der vorgetragene Text von einem abwesenden Liebhaber handelt, dient diese Eröffnung nicht nur einzig der stilistischen Einleitung für das Kommende, sie steht bereits symptomatisch für den Film und seine eigentliche Wirkung: Das Unheimliche liegt im Verborgenen. Wenn dann langsam die Hände der Gouvernante Miss Giddens (Deborah Kerr) vom unteren Bildrand in das Zentrum gleiten, zuerst geöffnet gen Himmel gestreckt, dann krampfhaft in sich verankert und schließlich flehend zum Gebet gefaltet, dann steckt auch in dieser strukturierten Bewegungskette bereits der ganz entscheidende Entwicklungsprozess der empfindlichen Protagonistin und verdeutlicht: „Schloss des Schreckens“ lebt nicht von seinem offenkundigen Hokuspokus, wie es der miserable deutsche Titel vermuten lassen könnte, Jack Claytons Genre-Perle ist ein mustergültiges Exempel für den subtilen, vereinnahmenden Grusel.



Besuch aus dem Reich der Toten
Ein echter Horrorfilm lebt von seiner Atmosphäre, von den leisen Andeutungen, die sich in den Gedanken der Zuschauer dann Stück für Stück ausbreiten dürfen und dadurch für Angst und Schrecken sorgen, denn, und das weiß jeder gute Drehbuchautor wie Regisseur, nichts ist furchterregender als die individuelle Kraft der Phantasie. Horror definiert sich nur nicht durch seinen Blutzoll oder seine erdrückende Effekthascherei, echter Horror kommt schleichend durch die Hintertür, anstatt mit der kreischenden Kettensäge durch die Vordertür zu rauschen. Jack Clayton, William Archibald und der große Truman Capote sind sich dieser Tatsache in vollen Umfang bewusst und setzen ihren Schwerpunkt auf dem Zweifelhaften, dem Unklaren. Es wäre daher auch eine reichlich deplatziertes Postulat, „Schloss des Schreckens“ einen aufgeplusterten Höhepunkt abverlangen zu wollen; vielmehr versteht sich der Film als eine echte Klimaxparade, die sich fortwährend durch akzentuierte, aber ambige Hinweise artikuliert.


Miss Giddens zweifelt an sich selbst
Das titelgebende „Schloss des Schreckens“ ist in dieser mehr als plakativen Formulierung nicht zu sehen, wer hervorragendes Haunted-House-Kino sehen möchte, sollte sich an Robert Wise' Klassiker „Bis das Blut gefriert“ aus dem Jahre 1963 halten. Der Originaltitel „The Innocents“ trifft es auch in diesem Fall mal wieder deutlich besser, beschreibt er doch die stetig präsente Ambivalenz der Lage im englischen Landsitz des 19. Jahrhunderts. Und diese Ambivalenz bündelt sich in der Hauptfigur der Gouvernante Miss Giddens. Eine jungfräuliche, genierliche und überaus ängstliche Frau, die sich um die zwei Kinder Flora und Miles kümmern soll, dabei aber immer wieder mit seltsamen Erscheinungen von Verstorbenen konfrontiert wird, die allem Anschein eine ganz besonderen Einfluss auf die zwei Kinder ausüben – die familiären Beziehungen dabei einmal außer Acht gelassen. Es stellt sich dem Zuschauer die Frage, ob diese Vermutungen der Wahrheit entsprechen, ob die Kinder nur vorgeben, nichts von der Anwesenheit der Toten zu spüren respektive sie zu sehen, oder ob wir uns bereits ebenfalls in der wahnhaften Gedankenwelt von Miss Giddens befinden.


Eine Frage von nachhaltiger Bedeutung ist auch die der Haushälterin, die von Miss Gibbs anfänglich wissen möchte, ob sie über eine ausgeprägte Phantasie verfügt. Sie bejaht die Frage, um kurze Zeit später Stimmen, Schritte und plötzlich auftauchende Personen zu vernehmen. Dabei schleicht sich – vor allem symbolisch – ein sexueller Subtext in die Narration, der mehrere Interpretationsmöglichkeiten der Situation und dem seelischen Zerwürfnis seiner Hauptdarstellerin erlaubt. In klaustrophobischer Atmosphäre beschränkt sich „Schloss des Schreckens“ in der zweiten Hälfte nahezu ausschließlich auf das Innenleben seiner Lokalisation, von Freddie Francis stimmungsvoll bebildert, brillant in ein charakteristisches Spiel aus Licht und Schatten verwoben und dazu wieder mal im höchsten Maße sinnbildlich zu verstehen. Die zerrüttet-labile Psyche von Miss Giddens kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit, nur von welcher Art sind diese Dämonen? Das Innere kehrt sich langsam an die Oberfläche, unscheinbar, leise, wahrhaftig subtil und immer mehrdeutig, aber von einer so eindrucksvollen, weil immer wirkungsvollen Ägide gezeichnet, dass die Gänsehaut vorprogrammiert scheint und die eröffneten Fragen nach wie vor auf ihre Antwort warten. Was, wenn alles nur Einbildung war? Sie wollte den Kindern doch nur helfen…


8,5 von 10 nebulösen Erscheinungen



Von Souli