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Review: WER HAT ANGST VORM BÖSEN WOLF? - Wie man einen Krimi nicht machen darf.

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Fakten:
Wer hat Angst vorm bösen Wolf? (Den som frykter ulven)
Norwegen. 2005. Regie: Erich Hörtnagl. Buch: Stefan Ahnhem, Karin Fossum (Vorlage). Mit: Lars Bom, Kristoffer Joner, Laila Goody, Stig Henrik Hoff, Kjersti Helvig, Aksel Hennie, Finn Schau. Länge: 100 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
An seinem letzten Arbeitstag geht es für Kommissar Skov hoch her. Eine Frau wird vor ihrem Haus gefunden, tot, eine Schaufel im Kopf. Hauptverdächtiger ist der erst kürzlich aus der Psychiatrie entflohene Erkki, der von einem dicken Jungen am Tatort gesehen wurde. Doch damit nicht genug. Fast zeitgleich wird eine Bank ausgeraubt und eben jener Erkki wird vom fliehenden Bankräuber als Geisel genommen und in den Wald verschleppt. Für Kommissar Skov, Erkkis Psychologin und die übrigen Polizisten beginnt die Suche nach Bankräuber und dem mutmaßlichen Täter.




Meinung:
„Wer hat Angst vorm bösen Wolf“ ist die Verfilmung eines Romans der norwegischen Thrillerautorin Karin Fossum aus der Reihe mit ihrem Kommissar Sejer. Doch der taucht nicht auf und das war nicht die einzige schlechte Entscheidung, die für die Verfilmung ihres Romans getroffen wurde. Der Anfang war ja noch irgendwie in Ordnung. Eine Leiche und gleichzeitig ein Banküberfall, die sicher noch irgendwie in Verbindung gebracht werden. Das hat dann auch gar nicht lange auf sich warten lassen, aber ab spätestens da ist der Film immer schlechter geworden. Der Mittelteil war schon richtig mies und statt am Ende vielleicht noch ein bisschen an Tempo oder Spannung zuzulegen, sackt er zur Krönung endgültig ins Bodenlose ab.


Der bullige Haudrauf-Cop mit psychischen Problemen versteht keinen Hinweis, sieht keine Spuren, ist für einen Außenstehenden mit dem Fall total überfordert. Und trotzdem fragt er sich allen Ernstes mitten im Film, warum ihn seine Kollegen nicht mehr beim Fall dabei haben wollen. Die merkwürdigen Dorfpolizisten sind zwar auch nicht gerade besser, vielleicht sogar noch verblödeter. Und das lässt den bulligen Cop schon fast wieder in einem guten Licht dastehen. Und dennoch: Die komplette Polizeiinspektion kapiert gar nichts bei dem Fall, sie stolpern von Indiz zu Indiz, übersehen klare Hinweise und kommen durch lauter Zufälle der Wahrheit doch immer näher. Übrigens sind auch die übrigen Figuren im Film nicht besser. Die Psychologin versteht mindestens genauso viel von ihrem Job wie die Polizisten. Kein Wunder, dass sie mit dem Cop in der Kiste landet, denn gleich und gleich gesellt sich ja bekanntlich gern. Der psychisch fertige Erkki (hatte traumatische Erlebnisse als kleines Kind) und der Bankräuber sind genauso doof und passen deshalb perfekt in den Film hinein – immerhin konsequent zu Ende gebracht, das Ganze.


Soweit, so schlecht. Spannung kommt überhaupt keine auf, einfach, weil jeder Zuschauer, der nicht genauso blöd wie die Figuren ist, sofort draufkommt, wer der Mörder war. Mal im Ernst: so doof kann doch niemand sein! Und überhaupt: Die Geschichte ist konstruiert bis zum geht nicht mehr. Da passt nichts zusammen und alles ist an den Haaren herbeigezogen. Grauenvoll. Noch dazu entsteht in jeder zweiten Szene unfreiwillige Komik, die ebenfalls zum Spannungsnichtaufbau perfekt beiträgt. Das einzige, was wirklich gut war an diesem Thriller aus Norwegen, ein Land, das doch sonst für hervorragende Krimikost bekannt ist, das war, dass es ordentlich Blut gab. Das konnte man erwarten, das gab es auch hier. Aber ansonsten ein abgrundtief schlechter Thriller, der seine wenigen blutigen Punkt redlich verdient hat.


1,5 von 10 Kuhaugen

Review: GNADE - Schuld und Liebe im eisigen Norden

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Fakten:
Gnade
BRD, Norwegen. 2012. Regie: Matthias Glasner. Buch: Ulla Bay Kronenberger, Kim Fupz Aakeson. Mit: Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr, Henry Stange, Björn Sundquist, Ane Dahl Torp, Iren Reppen, Maria Bock, David Hjelle Pettersen, Stig Henrik Hoff, Richard André Knutsen, Kristoffer Mortensen, Katharina Strauch u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ingenieur Nils zieht mit seiner Frau Maria  und seinem Sohn nach Norwegen, um dort seiner neuen Arbeit nachzugehen. Zwischen den Eheleuten gibt es Probleme, die auch im eisigen Norden zum Tragen kommen. Als Maria eines Nachts etwas überfährt, ist sie davon überzeugt, es sei ein streunender Hund gewesen, doch aus den Nachrichten erfährt sie, dass es ein Mädchen. Nils, den Maria vom Vorfall berichtete, und Maria werden daraufhin von Schuldgefühlen geplagt, was ihrer Liebe aber eine neue Richtung weist.




Meinung:
Man möchte einem Regisseur wie Matthias Glasner stehende Ovationen spendieren, gehört er doch zu den mutigen Filmemachern, die dem pejorativen Ruf des deutschen Kinos wieder auf die wackeligen Beine helfen, indem sie schwierige Themen ansprechen und sie zu keinem Zeitpunkt in ein massentaugliches Korsett zwängen. In „Gnade“ thematisiert der gebürtige Hamburger die weitreichenden Konsequenzen der Schuldfrage von menschlichem Handeln und beweist dabei eine lebensnahe Weitsicht, die sich nicht nur durch den naturalistischen wie allegorischen Rahmen der eiskalten Erzählung zusammenrauft, sondern im Kern genau die moralische Ambivalenz trägt, die auch die qualvolle und nie durchblickende Zwiespältigkeit unserer Existenz ausmacht.


Es herrscht Eiszeit zwischen Maria und Nils
Im Zentrum steht hier eine dreiköpfige Familie, in der sich alle Mitglieder auf verschiedene Art und Weise schuldig machen und daraufhin im Verlauf des Filmes versuchen, die Gnade und Abhilfe ihrer getroffenen Mitmenschen zu erfahren; doch es gibt Situationen im Leben, in der eine solche Befreiung einfach nicht mehr denkbar ist, selbst wenn eine gewisse Akzeptanz in allen Menschen herrscht, eine vergebende Bewältigung scheint utopisch. Und genau das ist auch ein wichtiger Punkt, den Matthias Glasner in seinem Film anspricht, den wir auch in ähnlicher Form zuletzt in Thomas Vinterbergs „Die Jagd“ erkennen durften: Der Schein trügt gerne und oft. Dabei überlässt Glasner dem Zuschauer höchstpersönlich den wertenden Platz der Obrigkeit und eröffnet ihm somit die Chance, dem Geschehen ohne Einschränkung auf eigene Faust zu folgen – ohne ihn ab einem gewissen Zeitpunkt in eine Wanne, gefüllt mit überdramatisierter Theatralik fallen zu lassen. Alles, was Glasner dem aufmerksamen Rezipienten innerhalb von 130 Minuten vorführt, hat rein gar nichts mit verlogener Verfremdung von Wiedergutmachung und den Versuchen einer solchen zu tun. In „Gnade“ gibt es genau wie in der Realität keine klaren Wege zum Ziel, es gibt kein Schwarz-Weißes-Ausbuchstabieren, nur um den Zuschauer am Ende beruhigt in die Federn zu schicken.


Wer nun als Betrachter nicht mit der reflektierten Auffassung arbeitet, wie Glasner es getan hat, der könnte die These aufstellen, der Film würde sich im Schlussakkord in einem naiven Optimismus verrennen. Nur ist Glasners Intention die Kehrtwendung von einem solchen Pseudo-Happy-End, und obgleich der Sommertanz von Hammerfest das Ende einleitet, wirklichen Frieden wird keine der beteiligten Personen jemals wieder erfahren dürften, denn die selbstverschuldeten Narben werden ihre Seele Zeit ihres Leben zieren, egal wie krampfhaft Vergangenes verdrängt werden möchte. Wer einmal um Vergebung gefleht hat in seinem Leben, der weiß, wie exakt Glasner hier formuliert. Würde der deutsche Markt öfter eine solch antizipierende Ehrlichkeit an den Tag legen, dürfte sich Deutschland endlich wieder als eine der europäischen Bastionen im Filmgeschäft bezeichnen.


8 von 10 Nordlichtern


von souli

Review: JO NESBØ'S HEADHUNTERS - Kunstdiebstahl und Menschenjagd

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Fakten:
Jo Nesbø's Headhunters (Hodejegerne)
Norwegen, Dänemark, BRD. 2011. Regie: Morten Tyldum. Buch: Ulf Ryberg, Lars Gudmestad, Jo Nesbø (Vorlage). Mit: Aksel Hennie, Synnøve Macody Lund, Nikolaj Coster-Waldau, Eivind Sander, Julie R. Ølgaard, Kyrre Haugen Sydness, Reidar Sørensen: Brede Sperre u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Für seine hübsche Ehefrau ist Roger ein Personalmanager, doch das ganz große Geld verdient er mit professionellen Kunstdiebstählen. Doch obwohl er in beiden Jobs erfolgreich ist, steht er wegen seines luxuriösen Lebensstils kurz vor der Pleite. Ändern soll dies der Diebstahl eines echten Rubens, der bei Clas Greve, einem Geschäftsmann und Ex-Elite-Soldaten, mit dem Roger sowie seine Frau zu tun haben, in der Wohnung steht. Der Diebstahl gelingt, doch als Roger in Greves Wohnung ist, muss er feststellen, dass ihn seine Frau mit Greve betrügt. Doch dies soll sich schnell als Rogers geringstes Problem herausstellen.




Meinung:
Das skandinavische Kino ist nicht erst seit der „Millennium“-Trilogie in voller Munde. Filmemacher wie Lars von Trier, Anders Thomas Jensen oder Susanne Bier haben es geschafft, dass das moderne Kino des Nordens immer populärer wird. Auch in der Literatur sind die Skandinavier aktuell so gefragt wie noch nie. Neben Jussi Adler Olsen gehört Jo Nesbø zu den prominentesten und erfolgreichsten, noch lebenden Autoren des Nordens. Sein Roman „Headhunters“ wurde 2011 von Regisseur Morten Tyldum verfilmt. Herausgekommen ist ein packender Thriller.



Milch oder Knarre. Hm? Roger muss sich entscheiden.
„Headhunters“ beginnt als mäßig eleganter Kunstraub-Thriller und stellt in seinem ersten Akt seine Akteure klar in den Mittelpunkt des Geschehens. Innovationen finden dabei nicht statt, aber Regisseur Tyldum dreht bereits in dieser Phase an der Spannungsschraube. Mit einfachen Kniffen lässt er uns Zuschauer in der Gewissheit zurück, dass wir die kommenden Ereignisse voraussehen werden. Eine Vermutung die sich nach und nach als fälschlich erweist und „Headhunters“ in Sachen dramatischer Spannung nur noch besser macht. Neben der kalkulierten Unwissenheit des Publikums, ist ein weiterer nicht zu verachtender Einfluss die Figurenkonstellation. Im Zentrum stehen zwei Männer. Geschäftsmann Roger, der Gejagte, und Ex-Soldat Greve, der Jäger. Letzterer erweist sich als eine Art menschlicher Terminator, so hart, rücksichtslos und zielorientiert wie er hier agiert. „Headhunters“ spielt dabei immer wieder mit dem scheinbar Unmöglichen und kommt dabei weitestgehend ohne Logiklöcher aus – okay, ein paar gibt es schon - und generiert innerhalb dieser Szenen stilistische Bilder voller Wucht und Gewalt, die nicht zum bloßen Selbstzweck verkommen, sondern den Thriller atmosphärisch weiterentwickeln. So entsteht aus der anfänglichen Ruhe nach und nach eine schroffe Menschenjagd voller Adrenalin und fesselnder Momente. Fesselnd ist „Headhunters“ aber auch dadurch, dass er immer wieder Haken schlägt. Diese erweisen sich zwar oftmals als ziemlich selbstgefällig und initiieren Ereignisse und Erklärungen die nicht immer wirklich passend wirken. Durch diese Art der Unförmigkeiten, die nicht selten den Charme eines B-Movies erreichen, bleibt Morten Tyldums Film aber wendungsreich bis zum Schluss.


„Headhunters“ ist vielleicht nicht die Spitze des Thriller-Genres und wird gewiss den einen oder anderen Zuschauer, der mit der Kaltschnäuzigkeit mit der hier Kunstdiebstahl, Menschenjagd und andere eher unpassend erscheinende Spannungs-Mechanismen verwoben werden, missfallen. Dennoch lohnt sich ein Blick. Denn trotz all seiner geschlagenen Haken fühlt sich „Headhunters“ wunderbar erdig und geradlinig an. Kein Spannungsfilm für die Ewigkeit, aber definitiv gut genug für einen mehr als ordentlichen Zeitvertreib.

8 von 10 Smørebrøds