Dank dem Internet zum Hype und für nicht wenige zum
Kult avanciert, verwundert es nicht, dass die Asylum-Produktion "Sharknado" nun ein Sequel erhalten hat. Der erste Trailer zum Film, der am 30.
Juli in den USA ausgestrahlt wird, verspricht gewollten Trash in feinster,
digitaler Low Budget-Optik. Die Helden des ersten Teils, den unser Jacko gar
nicht mochte (siehe Review), Ian Ziering und Tara Reid, sind wieder mit dabei
und schwingen erneut die Kettensäge gegen die Tornadohaie. Außerdem noch mit
dabei sind Andy Dick, Vicia A. Fox, Judah Friedlander, Judd Hirsh, Kari Wuhrer
und Kelly Osbourne. In Deutschland wird „Sharknado 2: The Second One“ wohl wie
Teil eins nur fürs Heimkino verwertet. Weise Entscheidung. Viel Spaß mit dem
Trailer.
Fakten: American
Splendor
USA. 2013. Regie: Robert Pulcini, Shari Springer Berman. Buch: Robert Pulcini,
Shari Springer Berman, Harvey Pekar (Vorlage), Joyce Brabner (Vorlage). Mit: Paul Giamatti, Hope Davis, Judah Friedlander, James
Urbaniak, Harvey Pekar, Madylin Sweeten, Earl Billings, Maggie Moore, Toby
Radloff, Daniel Tay, Molly Shannon, Donal Louge, Joyce Brabner u.a. Länge: 101 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD
erhältlich.
Story: Harvey Pekar arbeitet als Sachbearbeiter in einem Krankhaus, ist bereits
zum zweiten Mal geschieden und ist alles, nur kein wirklich glücklicher Mensch.
Als er den Comiczeichner Robert Crump kennen lernt und er diesem vorschlägt
sein ganz normales Leben in einem Comic festzuhalten, ist dies der Beginn von „American
Splendor“, einer der langlebigsten und bekanntesten Non-Superhelden-Comics der
Geschichte. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich Harvey Leben dadurch
ändert – außer dass er Joyce kennen lernt.
Meinung: Im
allgemeinen Kanon eines mit wenig Kunstaffinität gesegneten Zirkels, ist der
Comic wohl unter dem brandmarkenden Schlagwort 'Nerdtum' verankert und folgt
damit dem Irrglauben, dass es einzig Außenseiter mit Zahnspange, Akne und einer
von Mutti angefertigten Topfschnittfrisur sind, die zu den Konsumenten dieser
Sparte gehören. Natürlich beschränkt sich ein Comic respektive eine Graphic
Novel auch nicht nur auf den Figurentypus des archetypischen Superhelden, der
sich durch seinen Altruismus oder seine Omnipotenz auszeichnet, um Großstädte
vor dem sich anbahnenden Übel eines x-beliebigen Schurken zu bewahren. Ein
Comic kann durchaus kreative Herberge für zwischenmenschliche Diskurse sein und
nicht nur auf gigantomanisches Spektakel setzen, wie Julie Marohs „Le bleu est
une couleur chaude“ (von Abdellatif Kechiche mit „Blau ist eine warme Farbe“
2013 verfilmt worden) oder „A History of Violence“ von John Wagner und Vince
Locke, der 2005 von David Cronenberg („Crash“) filmisch meisterhaft adaptiert
wurde.
Der ganz normale Alltag kann echt anstrengend sein
Der vom Ehepaar Robert Pulcini und Shari Springer Berman inszenierte „American
Splendor“ dient ebenfalls exemplarisch dafür, um den generellen Ruf des Comics
in der Öffentlichkeit in etwas andere, aufrichtigere, angemessenere Bahnen zu
lenken und zeigt auf, dass Antihelden eben nicht nur hinter einer Maske und im
Cape überzeugen, sondern ihr griesgrämiges Antlitz gerne weiterhin direkt zur
Schau stellen dürfen. Basierend auf der als Underground-Comics gestarteten
„American Splendor“-Reihe von Harvey Pekar, wie der Graphic Novel „Our Cancer
Years“, welchen Harvey Pekar gemeinsam mit seiner Frau Joyce Brabner entworfen
hat, versuchen sich Pulcini und Berman der Person Pekar gleich auf mehreren
Ebenen zu nähern. Die Frage, die sich der von Paul Giamatti verkörperte Harvey
Pekar zum Ende des Films in vortrefflich selbstreflexiver Manier stellt,
regiert den Film: Wer ist dieser Harvey Pekar? „American Splendor“ muss nach
der Sichtung des Rezipienten erst einmal aufgrund seiner formalen Meta-Plateaus
sortiert werden: Wir haben zuerst einmal den dokumentarischen Rahmen des Films,
der durch den echten Harvey Pekar als Erzäh ler und Interviewpartner herhalten
muss.
Der echte Harvey mischt sich gerne in den Dreh ein
Neben dieser realen Informationsquelle, ist „American Splendor“ ein Spielfilm,
in dem sich Paul Giamatti („12 Years a Slave“) als Harvey Pekar durch das
Szenario knurrt, gle ichzeitig immer von seinem Comic-Pendant, ähnlich wie ein
knurrender Schatten, verb al befeuert wird und sich selbst dann noch einmal in
einem Theaterstück begutachten darf. Klingt verworren? Ist es aber nicht, denn
weder sind diese Erzählperspektiven ein em Selbstzweck untergeordnet, noch
stören sie die Rhythmik der Narrative in ihrer Spr unghaftigkeit. Paul
Giamattis Pekar dient als pointierte Spiegelung des Reellen, die sich in
beliebigen Situationen mit dem Comic-Ich kreuzen kann, um dann einen tiefen, int
rospektiven Blick in die Seele des kauzigen Harvey Pekars zu erlauben. Aber
zurück zur eigentlichen Fragestellung: Wer ist dieser Harvey Pekar denn nun?
Nun ja, Harvey Pekar ist ein Sachbearbeiter in Cleveland, ein chronisch
verstimmter Niemand, der den gesellschaftlichen Schönheitsidealen mit seinem
Glatzenansatz, dem behaarten Rücken und dem Bäuchlein gewiss nicht entspricht.
Ihn treibt eine schwere Unzufriedenheit über sein eigenes Sein, dass ihn dazu
animiert, einen Comic über seine persönliche Lethargie zu entwerfen.
Der schwarzseherische, trübsinnige und misanthropische Nerd findet dadurch ein
Ablassventil für das eigene Ungenügen, später sogar eine Art Eigentherapie und
Bewältigungsmaßnahme, um den Krebs zu überstehen. Dass „American Splendor“ vom
Alltag eines Einzelnen berichtet, der dazu dienen soll, seine Leserschaft in
ihrer sich tagtäglich wiederholenden Monotonie zu reflektieren, hält den Film
letztlich nicht davon ab, die Antithese des obligatorischen Helden zu
idealisieren, nicht umsonst weiß „American Splendor“ wunderbar zu unterhalten.
Interessant ist, wie sich das Porträt des Harvey Pekar zusammensetzt, wie es in
einer Welt aus Yuppies, den zwanghaft-obessiven wie autistischen Freaks und
Außenseitern aus dyfunktionalen Familien, einem veritablen Duktus zu
unterziehen, in dem keiner der Protagonisten einem Stereotypen auf die Schliche
kommt. Berührend wird „American Splendor“ dann, wenn sich auch Harvey seiner
Sterblichkeit bewusst wird und sich selbst mit der Möglichkeit konfrontiert, dass,
wenn er geht, auch sein Comic-Ich, sein Schaffen, verschwinden wird. Das Leben
ist ein Krieg, den man nicht gewinnen kann, es sind einzelne Gefechte, in denen
es zu triumphieren gilt. Ein Hoch auf die Gewöhnlichkeit!