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Review: THE SEASONING HOUSE - Rape & Revenge auf dem Balkan

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Fakten:
The Seasoning House
GB, 2012. Regie: Paul Hyett. Buch: Paul Hyett, Conal Palmer, Adrian Rigelsford. Mit: Rosie Day, Sean Pertwee, Kevin Howarth, Anna Walton, Jemma Powell, Alec Utgoff, David Lemberg, Dominique Provost-Chalkley u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
 
 
Story:
Die taubstumme Angel wird während des Balkankrieges entführt und in einem Bordell gefangen gehalten. Im Gegensatz zu ihren zahllosen Leidensgenossenin "geniesst" sie jedoch ganz besondere Privilegien: Bordellchef Viktor will sie nicht teilen, hält sie als sein privates Mädchen. Statt für Freier zur Verfügung zu stehen, erledigt sie Arbeiten im Haus, was unter anderem das "Vorbereiten" der Mädchen beinhaltet. Eine der Gefangenen beherrscht die Gebärdensprache, was zu einer engen Verbundenheit mit Angel führt. Etwas, was sie stets vermeiden wollte. Trotz dieser Freundschaft wagt es Angel nicht, auch nur an Flucht oder Aufstand zu denken. Bis eines Tages die Soldaten zur Tür hereintreten, die damals ihre Schwester töteten und sie verschleppten.
 
 

                                                                                                      


Meinung:
"The Seasoning House" ist nicht einfach zu beurteilen. Der Film von Paul Hyett behandelt ein brisantes wie schmerzhaftes Thema, zumindest in der ersten Hälfte. Dann folgt der grosse Cut. Aber der Reihe nach...
 
 

Ein Engel in der Hölle.
Während des Balkankrieges wurden etliche Mädchen und Frauen verschleppt und zur Prostitution gezwungen. Traurig, aber wahr. Dieses furchtbare Elend wird von Hyatt zunächst sehr eindringlich und wenig reisserisch dargestellt. Explizite Momente sind enthalten, im Kontext aber sinnvoll, nicht voyeuristisch, nur ehrlich, hart, realitätsnah. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Für Zartbesaitete ist "The Seasoning House" von Anfang an die falsche Wahl. Schmerz, Leid und Hoffnungslosigkeit versprüht das Ding jede Sekunde. Die Kamera folgt Angel durch ein trostlose Trümmerbude, hinter jeder Tür liegt ein weiteres, wehrloses Opfer, gequält, misshandelt und vergewaltigt, mit Verlusten ist zu rechnen. Skrupellos und unbarmherzig werden sie verschachert, die Freier dürfen gerne auch mal grob werden, wenn dafür extra gezahlt wird. Das ist so bitter und erschreckend glaubhaft verkauft, jede extra deutliche Gewaltdarstellung wäre auch zu viel. Da packt "The Seasoning House" enorm, ohne als sich als Genrefilm zu outen, eher im Gegenteil. Ein grausig brutaler Film, aber kein Genrefilm. Gut inszeniert, gut gespielt, alles sehr rund.
 
 
Dann kippt das Ganze. Aus einem zum Teil empathischen, hinter dem ganzen Dreck und Schmerz sogar leicht feinfühliges Drama entwickelt sich urplötzlich ein knüppelharter Reisser. Ein Revenge-Thriller voller deftiger Gore-Szenen, hohem Tempo und nur noch wenig thematisch-lokalem Anstrich. Die letzte halbe Stunde könnte egal wo, egal wann spielen. Eine reine Hatz, die zwischenzeitlich wie eine Mischung aus "Stirb Langsam", "Das Haus der Vergessenen" und 70er Exploitationfilm wirkt. Der dramatisch-schockierende Teil der erste Hälfte entpuppt sich als ausgedehnte Erläuterung des Motives, wer wem warum hinterherjagt, wer warum es verdient zu sterben. Ist das jetzt negativ? Teilweise. Aber....
 
 
Genug ist genug.
..."The Seasoning House" funktioniert in der ersten Hälfte wie in der Zweiten, nur auf eine ganz andere Art. Anfangs ist er schockierend-bitter, später rasant-spannend. Ob das so passend gemischt wurde und was gewesen wäre, wenn der Film sich von Beginn an auf eine Linie festgelegt hätte, ist schwer zu sagen. Vielleicht weniger als jetzt. Oder mehr. Oder wie auch immer. Denn packend ist er. Trifft oft in den Magen, schockt im Kopf und erstaunt später durch brettharte Sequenzen, die normalerweise der FSK gar nicht gefallen, diesmal aber ihren FSK: 18-Segen haben. Das muss keiner verstehen, tut dort wohl auch keiner. Der Stilbruch ist sicher gewöhnungsbedürftig und am Ende muss jeder darauf eingestellt sein, einen Genrefilm zu sehen. Einen, der anfangs keiner zu sein scheint und dann ganz deftig nach vorne geht. Durch seinen Vorlauf jedoch einer, der nicht aus der Grabbelkiste kommt. Mal abgesehen von der guten Inszenierung. Hier tut alles weh und erfreut nicht ausschliesslich die Gore-Gemeinde. Eine handwerklich astreine Arbeit, böse, schonungslos und deutlich besser als der Querschnitt aus dem üblichen DTV-Output.
 
 
Empfehlenswert? Ja. Mit einem Aber. Wer jetzt noch Bock darauf hat, darf wohl zugreifen. Ein leicht zwiegespaltener Autor lässt den Bauch entscheiden, dem hat der Spass gemacht. Obwohl Spass in dem Fall ein sehr merkwürdiges Wort ist. Fakt: Hat Eindruck hinterlassen.
 
7 von 10 Genre-Tarnkappen.

Review: ICH SPUCK AUF DEIN GRAB - Rache im reißerischen Rhythmus

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Fakten:
Ich spuk auf dein Grab (I spit on your grave aka Day of the Woman)
USA. 1978. Regie und Buch: Meir Zarachi. Mit: Camille Keaton, Eron Tabor, Richard Pace, Anthony Nichols, Gunter Kleeman, Ronit Haviv, Alexis Magnotti u.a. Länge: 101 Minute. FSK: keine Freigabe. Auf DVD erhältlich.


Story:
Jennifer, eine junge Schriftstellerin, fährt ins wäldliche Nirgendwo von Neu England, um dort in einem abgelegenen Ferienhaus ihren ersten Roman zu beenden. Eine Gruppe von Männern wird auf sie aufmerksam, doch Jennifer versucht ihnen aus dem eg zu gehen. Doch diese lassen nicht locker. Gnadenlos jagen sie die junge Frau und vergewaltigen sie. Als Jennifer letztlich ermordet werden soll, kann sich die junge Frau retten und beginnt sich an ihren Peinigern zu rächen.




Meinung:
Es fällt nicht schwer, „Ich spuck' auf dein Grab“ in eine despektierliche Filmnische zu verfrachten, schließlich bietet Regisseur Meir Zarchi in seinen Rape & Revenge-Klassiker oberflächlich genug Angriffsflächen, an denen sich der erhitzte Zuschauer auslassen kann. Wenn man den Film allerdings aus einem etwas distanzierteren Blickwinkel betrachtet, und den festgehalten Schrecken nicht nur als solchen wahrnimmt, verbringt sich hinter der schonungslosen Kulisse aus Vergewaltigung und Gewalt ein Werk, das menschliche Verhaltensweise aus ihre animalischen Markung zurückführt. Zuallererst stellt Zarchi ein konträres Grundgerüst auf, in dem der idyllische Sonnenschein ein Missverständnis ist und alles Schöne nur noch ein Teil der Vergangenheit ist, um im blanken Terror zu munden. Genau wie die Figuren durch ihre offensichtliche Unterschiede auffallen und einen humanen Symbolcharakter entfachten, der sich primär auf ungebildet und intelligent stürzt, daraus aber ebenso triebhafte Rustikalität und inhumane Demütigung entfacht und die Spur aus Blut, Körperflüssigkeiten und Dreck zurück zum Ursprung allen Übels folgt.


Jennifer wird durch den Wald gehetzt
„Ich spuck' auf dein Grab“ ist kein großes Kino, voller Logiklöcher, und wie gemacht, um mit Hasstiraden in den Boden gestampft zu werden. Wer die erste Hälfte des Filmes aber überstanden hat und dann Teil der invertierten Drehung wird, darf sich gerne darüber aufregen, dass die Entwicklung vom Opfer zur kaltblütigen Rächerin viel zu schnell vollzogen wird, nur muss man immer im Hinterkopf behalten, mit welcher Art Film man es hier zu tun bekommt. Gemessen an seiner Mittel und Intention, hatte Zarchi keine andere Wahl, als seinen reißerischen Rhythmus beizubehalten und schafft es dennoch, die Gewalt nicht in Richtung Legitimierung treiben zu lassen, er macht sie nur nachvollziehbar, ohne zu befürworten. Eine Frau, die in ihren Grundfesten erschüttert, von vier Männern bestialisch vergewaltigt und blutverschmiert zurückgelassen wurde, hat ein Recht auf Rachegefühle, auch wenn die Nadel des moralischen Kompasses nun ohne Halt ihre Runden drehen wird. Dabei ist Vergeltung ebenso menschlich, wie das Gefühl der Zugehörigkeit oder der Eifersucht.


Ein Funke zweifelhafter Emanzipation blitzt auf, „Ich spuck' auf dein Grab“ bleibt dennoch 70s-Terror in Reinform: Abstoßend und ekelhaft. Jedem Betrachter dem bei der Sichtung des Filmes nicht das Grinsen von den Lippen entflieht und der das Gezeigte auch noch als Spaß ansieht, bei dem ein Kübel Popcorn und Eimer Cola genossen wird, sollte sich ernsthafte Gedanken über seine psychische Verfassung machen. Hier gibt es keinen Humor, kein Augenzwinkern und keine Referenzen an eine heitere Zeit. Hier regiert all das, was in seinem eigenen Leben nie einen Platz bekommen sollte. Man muss „Ich spuck' auf dein Grab“ nicht mögen, man muss ihn auch nicht gesehen haben. Doch wenn man sich entscheidet diesen Schritt zu gehen, dann sollte man ihn nicht voreilig zerreißen, auch wenn es reizvoll erscheint, vollkommen stupide und ohne jeden Sinn ist das Ganze dann eben doch nicht.


6,5 von 10 von Begegnungen mit Schiffschrauben


von souli