Review: BAIT - HAIE IM SUPERMARKT - Trash im Sonderangebot

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Fakten:
Bait - Haie im Supermarkt (Bait)
AUS, 2012. Regie: Kimble Rendall. Buch: John Kim, Russell Mulcahy. Mit: Xavier Samuel, Phoebe Tonkin, Alex Russell, Julian McMahon, Sharni Vinson, Cariba Heine, Lincoln Lewis, Adrian Pang, Yuwu Qi, Dan Wyllie u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Josh hat seinen Job als Rettungsschwimmer an den Nagel gehängt, nachdem durch eine Unachtsamkeit sein Kollege durch einen Hai getötet wurde. Ein Jahr später arbeitet er in einem Supermarkt und wird trotzdem mit seiner Nemesis konfrontiert. Eine gigantische Flutwelle überschwemmt den Markt. Josh und die wenigen Überlebenden sitzen in dem überschwemmten Markt fest, umzingelt von riesigen Haien. Mit ordentlich Hunger...
                                                                         

                                                                               


Meinung:
"8 Stunden, 7 Tage die Woche. So oder so, der Laden hätte sie eh umgebracht."
3D-Trash der gewollten Art, der trotz dieser billig-cleveren Prämisse kaum zubeisst und das schön alberne Potenzial durch Unfähigkeit zum Absaufen bringt. "Highlander"-Regisseur Russell Malcuhy steht das Wasser schon lange bis zum Hals, nun probiert er sich als (Co) Autor und Produzent von so einer Grütze, schade um den Mann. Kommerziell sicher nicht ganz daneben, das Teil wird schon seine Abnehmer finden, nur leider enthält der von vorneherein auf Party-Trash gebürstete Quatsch kaum brauchbare Ansätze. Nur weil es doof ist, ist es noch lange nicht doof im sympathischen Sinn.

Der traumatisierte Ex-Lifeguard trifft bei seinem nächsten Karriereschritt als Dosenstapler zufällig (!) sein schwer unterernährtes Ex-Herzblatt wieder, mit dem neuen Stecher (Vorsicht, spitze Knochen und leicht zerbrechlich) im Schlepptau. Blöde Situation, aber Gott sei dank muss sich nicht lange peinlich-berührt angestammelt werden. Erst überfallen zwei Ganoven den Markt, dann kommt die Flut...und wie. Zack, nun haben die gleich ganz andere Probleme. Das hilft enorm beim längst überfälligen Wiederannähren. Schön. 

Gut gepanzert, keine Chance.
Na ja, was soll bei so einem Film erwartet werden? Blut, Unsinn und bitte viel davon. Leider nervt "Bait" schon von der ersten Szene an. So grell beleuchtet, da lieber Sonnen- als 3D-Brille, ätzende Figuren und so lausige CGI-Versuche, schwer erträglich. Die Ausgangssituation wurde da bei dem naheliegenden Vergleich "Deep Blue Sea" deutlich schwungvoller - dennoch nicht weniger blöd - verkauft, aber da waren noch Leute mit Talent am Werk, vor und hinter der Kamera. Das ist spürbar. Alle Schauspieler, selbst (die einzig bekannte Person) Julian McMahon, sind nahe am Berufsverbot, aber was sollen die auch machen? Das vorhersehbare, lächerliche "Script" bietet so unfassbar dämliche Dialoge, akribisch zusammengesammelt aus den Glückskeksen der China-Restaurant-Besuche der letzten 10 Jahre. Regisseur Kimble Rendall hat sich schon mit seinem Erstling "Cut" nicht gerade mit Ruhm bekleckert, Jahre später ist zu erkennen, das da wohl nicht mehr viel kommt. Hoffentlich.

Brainstorming...please waiting...
Die Grenzen zwischen (sicherlich) gewolltem Trash und unfreiwilliger Komik sind unmöglich zu trennen, gerade das ist das Problem. Vieles ist so lächerlich, das selbst erprobte Veteranen den schmalen Grat nicht mehr erkennen können. Schlimmer noch, einiges scheint tatsächlich der volle Ernst von Rendall und Mulcahy gewesen zu sein. Um Himmels willen, das tut weh. So ein Film darf gerne strunzdumm sein, nur dann muss er auch rocken. Hier rockt gar nichts. Die gewollten Lacher sind kaum der Rede wert, der Gore-Anteil ist vorhanden, aber treibt locker im FSK:16-Nichtschwimmerbecken, die Effekte sind zum absaufen, die Spannung nicht existent. Klar, hier und da lässt sich ein Lachen kaum vermeiden, aber letztendlich gibt es so viele "gute" Trash-Filme, warum sich das hier angucken? Tja, eine Erklärung kann ich leider nicht bieten.


Um es auf den Punkt zu bringen: Ja, "Bait" bringt einen zum Schmunzeln, ja, er ist so schlecht, dass er sogar kurz Freude macht, aber nein, den muss niemand sehen. Den sollte niemand sehen. Er nervt mehr als das er Spass macht. Ziel verfehlt. Erstmal zu Penny.
- "Und was machen wir jetzt?"
- "Aufräumen."
3 von 10  Discount Sharks


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Review: JACK IN LOVE – Der etwas andere Liebesfilm

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Fakten:
Jack in Love (Jack Goes Boating)
USA. 2010. Regie: Philip Seymour Hoffman. Buch: Robert Glaudini. Mit: Philip Seymour Hoffman, John Ortiz, Richard Petrocelli, Thomas McCarthy, Amy Ryan, Daphne Rubin-Vega. Länge: 89 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Jack ist etwa 40 Jahre alt, arbeitet als Chauffeur bei einem Limousinen-Service, ist Single, ein lieber Kerl, aber total verschüchtert. Aber als er über seine beiden Freunde die ebenso schüchterne Connie kennenlernt, verliebt er sich, lernt Schwimmen und Kochen und will Connie ihren großen Wunsch erfüllen: eine romantische Bootstour. Während Jack und Connie so langsam auftauen, müssen sie sich aber auch, genau wie das Paar Clyde und Lucy, ihren Eigenheiten und Problemen stellen




Meinung:
Der Film ist völlig anders. Anders als die üblichen Liebesfilme, die oft vor Aufgesetztheit und Klischees den Schleim nicht mehr zurückhalten können. Er ist auch anders als die üblichen Indie-Komödien, die alle nach dem gleichen Schema ablaufen, in denen ein attraktiver Kerl (manchmal auch eine Frau), überzeugter oder verzweifelter Single, die Frau (oder eben den Mann) fürs Leben findet – und auch das mittlerweile mit vielen Klischees, Schleim und oft auch Langeweile. Nein, „Jack in Love“ oder im Original „Jack Goes Boating“, (ich verkneife mir bewusst einen Kommentar zum deutschen Titel) ist anders. Hier ist die Hauptfigur übergewichtig, nicht besonders gutaussehend, im Umgang mit Frauen total verschüchtert aber eben Hals über Kopf verliebt in Connie, die mindestens genauso seltsam erscheint wie Jack. Und Jack, sicher nicht zum ersten Mal verliebt, ergreift aber wohl zum ersten Mal, zwar mit Hilfe seiner beiden Freunde aber immerhin, die Initiative. Er tut alles dafür, dass er mit dieser Frau zusammenkommt.


Jack steht das Wasser bis zum Hals - und er kann nicht schwimmen
Aber das tut er nicht so, wie man es kennt. Eigentlich macht er und machen alle Personen alles anders, als man es von einem Film erwartet. Und genau das macht den Film so sympathisch. Hier wird eben nicht mit Klischees aufgefahren, sondern „einfach irgendwie gemacht“. Das ist mal merkwürdig, mal skurril, mal absolut nachvollziehbar – aber eigentlich bildet der Film echtes Leben ab. Unverfälscht und glaubwürdig, egal wie skurril es wirken mag. Der Film zeigt Freude und Streit, Komplexe, Schüchternheit, Naivität und große Hoffnung. Wenn Jack schwimmen lernt, um mit seiner Angebeteten ein halbes Jahr später Boot fahren zu können, dann ist das komisch. Merkwürdig komisch, lustig komisch, traurig komisch. Aber eben auch nachvollziehbar, weil man einfach merkt, dass dieser dicke, liebeswerte Kerl alles für seine Connie machen würde, aber so gar keine Ahnung hat, wie er das überhaupt anstellen soll. Und überhaupt sind „merkwürdig“, „lustig“ und „traurig“ die Hauptmerkmale des Films– und immer auf seine ganze spezielle Art und Weise


Jack und Connie, das etwas andere Liebespaar
Die liebens- und gleichzeitig auch hassenswerten Figuren tun ihr übriges. Natürlich, wie könnte es bei einem der besten Schauspieler unserer Zeit auch anders sein, ist Philip Seymour Hoffman als Jack Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er versprüht eine unheimliche Präsenz, wenn er unbeholfen und übergewichtig, aber euphorisch und perfektionistisch mit seiner Wollmütze durch die Szenen stapft. Dann weiß ich zwar nicht, ob ich ihn wirklich gern haben soll, aber er ist echt. Man spürt förmlich, was dieser verschüchterte Jack am liebsten alles sagen würde. Zu seinen Freunden, zu seiner Herzensdame – sich aber nicht traut. Aber Hoffman, der mit diesem Film auch sein Regiedebüt ablieferte, lässt auch seinen drei Nebenfiguren genügend Raum, sich zu entfalten. Vor allem Amy Ryan tut sich als merkwürdige aber bezaubernde Frau auf. Und besonders in den Szenen, in denen sie alle gemeinsam auftreten, merkt man die wahnsinnige Harmonie zwischen den Darstellern.


Klar könnte man sagen, dass die Geschichte an sich, ein Außenseiter verliebt sich in eine Außenseiterin und versucht mit Hilfe seiner Freunde ihr Herz zu erobern, nicht sonderlich originell oder anders ist als andere Liebesfilmen. Aber die Umsetzung ist es. Mit dieser realistischeren Darstellung einer Liebesgeschichte mag der Film auf viele langweilig oder uninteressant wirken. Aber besonders die, die skurrile Dialoge, unorthodoxe Handlungsweisen oder eben Freunde von realistischen Umsetzungen sind, die werden von Hoffmans Regiedebüt sicher angetan sein.


7,5 von 10 Walkmen auf dem Fußboden

Trailerpark: Endlich offiziell - Der ComiCon-Teaser zu AVENGERS: AGE OF ULTRON

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Marvel hat endlich den ComiCon-Teaser zum Superhelden-AllStar-Sequel "Avengers: Age of Ultron" veröffentlicht. In rund einer Minute gibt es nichts zu entdecken, außer ein paar Zitate aus dem ersten Teil und den Kopf des neuen Gegners Ultron. Na ja, fürs Nerd anheizen reicht das aus und außerdem ist bis zum Sommer 2015 ja noch einiges an Zeit übrig.



Review: BUG - Dieses Kribbeln im Bauch

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Fakten:
Bug
USA, 2006. Regie: William Friedkin. Buch: Tracy Letts. Mit: Ashley Judd, Michael Shannon, Harry Connick Jr., Lynn Collins, Brian F. O'Byrne, Neil Bergeron, Bob Neill u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
 
 
Story:
Die suchtkranke Kellnerin Agnes lebt in ständiger Bedrohung durch ihren gewalttätigen Ex-Mann. Sie haust in einem schäbigen Motelzimmer und führt eine lockere Beziehung zu ihrer Kollegin RC. Diese schleppt eines Abends den stillen Peter an. Agnes fühlt sich zu dem Sonderling hingezogen, der auf Grund einer Kriegspsychose unter befremdlichen Wahnvorstellungen leidet. Immer mehr verfällt Agnes ihm und gleichzeitig seinen kranken Gedanken.
 


                                                                          
 
Meinung:
Nach wegweisenden Klassikern wie "French Connection", "Der Exorzist" oder "Leben und sterben in L.A." versank William Friedkin lange im Kariereloch. Seine Arbeiten wurden beliebig und austauschbar. Mit "Bug" entfernte sich Friedkin sehr bewusst vom massentauglichen Hollywood-Kino, das ihn fast beerdigt hätte, und erfand sich damit im hohen Alter quasi neu. Das wagen wenige und daran zu scheitern ist nicht schwer. Friedkins Schritt war goldrichtig. Das es sich bei "Bug" um keine Eintagsfliege - oder eher Käfer - handelte, konnte er mit "Killer Joe" kürzlich untermauern.
 
 
Schlechte Haut und stolz darauf
Der behäbige Beginn erfordert Geduld, die dafür reichlich entlohnt wird. Die Ruhe vor dem Sturm. Wie das Meer, das sich vor der drohenden Flutwelle beruhigend zurückzieht, um dann unbarmherzig alles zu überrollen. Friedkin adaptiert das Bühnenstück von Tracy Letts (ebenfalls der Autor von "Killer Joe") nach dessen Script. Ein White-Trash Kammerspiel, eine Mischung aus Psychodrama, abartiger Lovestory, Kriegstraumata, Co-Psychose und einem Schuss Body-Horror Marke Cronenberg. Die Mixtur erscheint wüst und ist nicht immer perfekt abgeschmeckt, dafür ungemein packend, intensiv und beklemmend.
 
 
Crazy in Love
Friedkins ruhiger Inszenierungsstil der ersten Hälfte ist angenehm zurückhaltend, brodelnd und könnte lediglich an gewissen Stellen etwas zügiger vorangetrieben werden. Davon lässt sich der alte Mann nicht beirren und nimmt dadurch sicher bewusst in Kauf, einige Zuschauer vorzeitig zu vergraulen. "Bug" scheint sein Publikum vorsorglich selektieren zu wollen, um dann das Rad richtig zum Glühen zu bringen. Zwei labile Charaktere, die sich wie vom Schicksal geleitet, gesucht und gefunden haben. Allein waren sie schlicht gestört, gemeinsam steigern sie sich gegenseitig in ihren Wahn hinein, um anschliessend Hand in Hand die reale Welt hinter sich zu lassen und auf das unausweichliche Ende zuzusteuern. Da blitzt so was wie morbide, wenig süsse Romantik auf. Valentinstag in der Klapsmühle, ohne Tranquilizer, aber immerhin gibt es Pizza.
 
 
Ashley Judd, optisch wie die Vorstufe zu Charlize Theron in "Monster", und Michael Shannon liefern famose Leistungen ab, am Rande des Wahnsinns und teilweise darüber hinaus. Im letzten Drittel lassen sie völlig enthemmt die Puppen tanzen und Friedkin entfaltet im Aluminium-Iglo der Endstadium-Paranoia eine Energie wie zu seinen besten Zeiten. Der Schlussspurt ist sagenhaft und entschädigt für gelegentliche Längen im Vorlauf.
 
 
Friedkin steht der unangepasste White-Trash-Mantel deutlich besser als der langweilig-schicke Hollywood-Smoking der Jahre zuvor. Den Kick brauchte er wohl zum wach werden. Guten Morgen, gut geschlafen? Bitte weiter so. Aber hat er ja bereits...
 
7,5 von 10 Kammerjägern.

Trailerpark: Ganz ohne Gamepad - Der erste Trailer zu NEED FOR SPEED mit Aaron Paul

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Eine Filmbezeichnung reicht aus, um den Schrecken vieler vergeudete Stunden eines Cineasten auf dessen Gesicht erscheinen zu lassen: Videospielverfilmung! Die Liste der kommerziell und qualitativ misslungenen Versuche Games wie „Super Mario Bros.“, „Mortal Kombat“ oder „Far Cry“ auf die Leinwand zu bringen sind lang. Ob der Film zur erfolgreichen Rennspielserie „Need for Speed“ aus dem Hause Electronic Arts bald auch Teil dieser negativen Auflistung ist, wird sich ab März 2014 zeigen. Unter der Regie von Scott Waugh („Act of Valor“) dürfen „Breaking Bad“-Star Aaron Paul sowie Imogen Potts, Michael Keaton, Roman Rodriguez, Dominic Cooper und Dakota Johnson, die  Hauptdarstellerin des baldigen „Shades of Grey“-Film, aufs Gaspedal treten. Na dann, lasst die Motoren an, denn hier ist der erste Trailer. Ob dieser die Frage beantwortet, bzw. vergessen lässt, ob wir nach dem aktuell so erfolgreichen „Fast & Furious“-Franchise noch mehr schnelle Autos und coole Typen im Kino brauchen wissen wir aber nicht.



Review: NOT FADE AWAY - Viel Herz und wenig Pep

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Fakten:
Not Fade Away
USA, 2012. Regie & Buch: David Chase. Mit: John Magaro, Jack Huston, Will Brill, Dominique McElligott, James Gandolfini, Brahm Vaccarella, Gregory Perri, Bella Heathcote, Christopher McDonald, Brad Garrett u.a.  Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 26.9.2013 im Kino. 



 
Story:
Inspiriert von der Musik der Beatles und besonders der Rolling Stones gründen Douglas und seine Freunde Anfang der 60er eine eigene Band. Douglas verschreibt sich im Lauf der nächsten Jahre vollkommen der Musik, was seine konservativen Eltern schwer verärgert. Die Band hat Potenzial, doch der grosse Erfolg will sich nicht einstellen.

                                                                    



Meinung:
Mit "Die Sopranos" schrieb David Chase junge Fernsehgeschichte. Mit "Not Fade Away" erzählt er eine teils autobiographische Story, was jederzeit zu spüren ist. Das, sowie der in diesem Jahr viel zu früh verstorbene James Gandolfini, sind die Prunkstücke seines Films, der sonst leider nicht das hergibt, was der Titel verspricht. Eher im Gegenteil.


 
Die Zottel-Kids lümmeln im Grünen...
Chase lag das Projekt wohl am Herzen, seine Bemühungen um Authentizität löblich. Zeitkolorit besitzt "Not Fade Away" ohne jeden Kompromiss. Immer wieder werden reale Ausschnitte aus Film und Fernsehen eingestreut, die aktuelle Geschichte von Politik und Gesellschaft erwähnt, die Musik dieser Zeit untermalt den gesamten Film. Chase ist ein Kind dieser Zeit und hat sie am eigenen Leib erlebt, definitiv spürbar. Nur vergisst er hinter diesen romantisch-melancholischen Anekdoten einen ernsthaft interessanten Film zu erzählen. Melancholisch wird der Zuschauer nur durch die Tatsache, James Gandolfini Monate nach seinem Tod noch mal auf der grossen Leinwand zu sehen. Der bullige Charakterkopf knallt den restlichen Cast mühelos an die Wand. Nur seine Nebenrolle kann das müde Script nicht retten. Dramaturgisch wirkt das stellenweise sehr unbeholfen, was in Anbetracht der Sopranos verwunderlich ist. 


 
...die Alten lieber auf dem Sofa.
Vieles wird grob angerissen, doch letztendlich vermag der Film nie ernsthaft mitzunehmen und die zwischenmenschlich wie gesellschaftlichen Baustellen verlaufen im Nichts. Der Umbruch im Denken der Jugend, das Streben nach Veränderung, der Konflikt zwischen den spiessbürgerlichen Eltern und dem auf Revolution gestimmten Nachwuchs, alles ist da und nichts zündet länger als mal ganz kurz für den Moment. Die Handlung wirkt sprunghaft, teilweise zähflüssig und kommt ohne jegliche Höhepunkte aus. Das Ganze erscheint ziellos und kann kaum bei der Stange halten. Interessant, dass ausgerechnet der Klassiker "Blow Up" in einer Szene im Kino gesehen wird und die Protagonisten darauf hin kritisieren, dass der Film keinen Sinn machen würde. Das erscheint fast schon lustig, betrachtet man diesen Film.


 
Ja, Sinn macht er schon, nur wird hier offensichtlich nach Höherem gestrebt, was nicht erreicht wird. Etwas verstreuter Witz, viel Jugend-Romantik, aber keine vernünftige Erzählstruktur. Es zieht und schleppt sich, kein Ansatz wird tauglich bis zum Schluss gebracht. Am Ende erscheint alles banal, jedes angestrebte Dramatik wirkungslos. Dazu kommen die blassen Jungdarsteller. Sie wirken bemüht, wie der Film insgesamt, strahlen aber kaum Präsenz aus. Das passt zum Gesamtbild. Ansatzweise interessant, effektiv wirkungslos. Schade, denn Chase wollte wohl seiner Jugend ein Denkmal setzen, welches kaum den nächsten Windstoss überleben wird. Viel gewollt und wenig gekonnt.


 
3,5 von 10 beinahe Chartstürmern 

Review: BUFFALO '66 – Auch ein egomanisches Arschloch braucht Liebe

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Fakten:
Buffalo ‘66
USA. 1998. Regie: Vincent Gallo. Buch: Vincent Gallo, Alison Bagnall. Mit: Vincent Gallo. Christina Ricci, Ben Gazzara, Anjelica Houston, Mickey Rourke, Rosanna Arquette, Kevin Pollack, Jan-Michael Vincent, Alex Karras, John Sansone u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Billy saß gerade fünf Jahre im Knast, um somit Spielschulden zu begleichen. Endlich wieder in Freiheit will er den Plan in die Tat umsetzen, den Footballer zu töten, der wegen seiner schlechten Leistung dafür verantwortlich ist, dass Billy einsaß. Zuvor steht aber der Besuch bei seinen Eltern an. Auf dem Weg entführt Billy spontan die Tänzerin Layla. Er zwingt sie so zu tun, als ob sie seine Freundin wäre. Trotz dieser rüden „Kennenlernmethode“ und Billys kalten Eltern beginnt Layla für Billy etwas zu empfinden, womit dieser nicht weiß umzugehen.





Meinung:
Der Mensch und sein rigoroses Arsenal an Maskierungen und Kostümen. Hinter dem nach außen aufdringlichsten Chauvinisten der Stadt kann ein sensibler Melancholiker stecken; in dem introvertierten Nachbarsjungen von schräg gegenüber unvorstellbare menschliche Abgründe schlummern und die graue Maus aus dem Büro wird in ihrer Freizeit zur zügellosen Nymphomanin. Was sie alle gemeinsam haben: Das essentielle Grundbedürfnis Liebe zu schenken und diese gleichermaßen auch am eigenen Leibe zu erfahren – Wenngleich sich das Geben und Erfahren der Liebe in differentieller Realisation und Variation verdeutlichen. Nur wie soll ein Mensch mit der erschlagenden und gleichermaßen beflügelnden Emotion umgehen, wenn ihm selbst die reinste Form, nämlich übertragen durch die Zuneigung der Eltern, verwehrt bleiben musste? Es folgt die Suche nach der optimalen Verschleierung für den inneren Schmerz und die krampfhafte Rebellion gegen jede Art von zwischenmenschlicher Wärme.


Die ganz großen Gefühle gibt's eben nur beim Bowling
Dass ein solches Verhalten – in welcher Ausprägung auch immer - nur Fassade ist, sollte den Meisten klar sein. Es muss sich allerdings auch erst das adäquate Gegenstück finden lassen, das bereit ist, diese Fassade in ihre Einzelteile zu zerschlagen und sich mit der Person hinter dem selbst erschaffenen Wall auseinanderzusetzen, auch wenn das einen wahren Kraftakt nach sich ziehen wird. Einem solchen Prozess nimmt sich Vincent Gallo in seinem großartigen Debütfilm „Buffalo '66“ an und schafft es dabei, sämtlichen Klischeefallen mit großem Abstand aus dem Weg zu gehen. Hier steht Billy (Von Gallo selbst verkörpert) im Mittelpunkt, dessen Elternhaus einer desillusionierten Groteske gleicht, denn während Billys Vater seiner zerbrochenen Gesangkarriere hinterher trauert und die innere Leere mit größtmöglichen Essensportionen stopfen möchte, ist Billys Mutter eine sportsüchtige TV-Konsumentin, die ihrem Sohn das schlechte Timing seiner Geburt vorwirft, schließlich hat sie dadurch ein unheimlich wichtiges Spiel ihrer Mannschaft verpassen müssen.


"Mum, ich möchte eine Frau sein. Genau wie Dad"
Interesse zeigt niemand an Billy; jedes Gespräch, jeder Satz zwischen Billy und seinen Eltern zerschellt in vollkommen verschiedenen Richtungen, wichtige Fakten werden einfach vergessen und dann lässt die Frau Mama sogar verlauten, dass sie sich wünscht, Billy wäre einfach nie geboren – um ihm im nächsten Moment einen Berg an Schokolade anzubieten, auf die er schon immer im höchsten Maße allergisch reagierte. Billy nimmt all das hin, mal mit zorniger Stimmlage, mal mit wortkargem Kopfschütteln. Doch am Essenstisch sitzt noch Layla (Christina Ricci), die Billy seinen Eltern als seine Frau vorstellt, in Wahrheit aber vor einer Tanzschule entführte, sie in diese Rolle zwängte und zum Teil seines enormen Lügenkonstruktes instrumentalisiert. Doch Layla gibt schon bald keine Wiederworte mehr und bleibt an Billys Seite. Warum? Weil sie die Einzige ist, die länger als nur wenige Sekunden in sein Gesicht blickt und erkennt, dass seine flapsige Egomanie nur ein aufgesetzter Schutzmechanismus ist, der ihn davor bewahrt zu erkennen, was für ein Vollversager er doch eigentlich ist und wie bitter nötig er eine intime Stütze in seinem Leben hat, eine Freundin.


„Buffalo '66“ ist dabei so selbstreflexiv wie universell verständlich, Gallo verarbeitet sowohl individuelle Lebensabschnitte, zeigt aber auch, dass der Mensch in seiner erdrückenden Einsamkeit keine Zukunft besitzen kann. Dabei besitzt sein Indie-Liebesfilm so viele subtile Zwischentöne, gerade in der sich so leise anbahnenden Beziehung zwischen Billy und Layla, dass „Buffalo '66“ nicht nur vollkommen authentisch und ehrlich wirkt, er verzichtet auch auf jedes plakative Fettnäpfchen und fokussiert mit dem nötigen Ernst, aber nicht ohne stark platzierte Humorspitzen, seine vielseitigen Protagonisten. Gallo erzählt eine einfühlsame Geschichte über die introspektive Annahme und die gegenseitige Einkehr; über die Sehnsucht nach Nähe, die Bewältigung der missratenen Vergangenheit und den gemeinsamen Neuanfang – Hand in Hand. Mal schwierig und verletzend, aber nie überzogen oder verlogen. „Buffalo '66“ wird durch seine aufrichtige Offenheit zu einem wirklich wunderschönen Film.


8 von 10 Tanzeinlagen auf der Bowlingbahn


von souli