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Review: SEVENTH SON – Rooster Cogburn jagt jetzt Hexen und Drachen

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Fakten:
Seventh Son
USA. 2015. Regie: Sergei Bodrov. Buch: Steven Knight, Charles Leavitt, Matt Greenberg, Joseph Delaney (Vorlage). Mit: Jeff Bridges, Ben Barnes, Julianne Moore, Alicia Vikander, Antje Traue, Kit Harington, Djimon Hounsou, Olivia Williams, Gerald Plunkett, Jason Scott Lee, Jim Shield, Carmel Amit, Thai-Hoa Le u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 16. Juli 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Sir Gregory ist ein Spook, ein erfahrener Kämpfer gegen dunkle Mächte wie Hexen oder Gestaltwandler. Als seine alte Widersacherin Malkin sich aus ihrem Verließ befreien kann, in der sie Gregory einst sperrte, muss er handeln, denn alle 100 Jahre , wenn der Blutmond sein volles Antlitz am Nachthimmel zeigt, kann Malkin die Welt mit Finsternis überziehen. Um das zu verhindern wählt Gregory den Bauernjungen Tom zu seinem Lehrling aus, denn dieser ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und erfüllt somit eine alte Prophezeiung. Gemeinsam machen sie auf den strapaziösen Weg zu Malkins Verstecks.





Meinung:
Nach dem Erfolg von „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe – gemeint sind in diesem Falle die erfolgreichen Verfilmungen aus dem Hause Warner Bros. – galt das Fantasy-Genre zunächst als Erfolgsgarant, vor allem wenn ein bekanntes wie erfolgreiches Werk dahintersteht. Doch rasch musste die amerikanische Filmindustrie einsehen, dass nicht jeder Bestseller-Roman der in den Bücherläden und Bibliotheken unter „Phantastisches“ geführt wird, automatisch für zufriedene Zuschauer und volle Kassen sorgt. „Eragon“, „Der goldene Kompass“ oder „City of Ember“ gerieten zu kapitalen Misserfolgen, was dem Genre an sich den Ruf einbrachte, nur dann wirklich inhaltlich wie kommerziell zu funktionieren, wenn es sich um die zu Anfangs erwähnte Vorzeige-Franchises handelt. Mittlerweile findet Fantasy entweder im Fernsehen statt, wo „Game of Thrones“ sich allerdings trotz Dämonen, Magier und Drachen eher daran versucht eine Art Realistik des Phantastischen abzubilden, oder J.R.R. Tolkien bzw. J.K. Rowling müssen ihre anderen Geschichten hergeben. Bei letzterer wird es wohl noch ein, zwei Jahre dauern bis das Potter-Spin-Off „Fantastic Beasts And Where To Find Them“ über die Leinwände flimmert.


Die böse Malkin will Rache und eine Nagelpfeile
„Seventh Son“ ist Fantasy pur und beruht ebenfalls aus einem Roman. Der Autor ist ein gewisser Joseph Delaney und dieser hat mit seiner Vorlage im Prinzip das Gleiche getan, wie Miss Rowling: die typischen Muster, Modelle und Maße des Fantasy-Genres genommen, wild durchgemixt und somit seine eigene Welt kreiert. Dabei kam sehr konventionelles, phantastisches Flickwerk heraus. Welches der russische Regisseur Sergei Bodrov hier ebenso konventionell wie kurzweilig für die große Leinwand adaptiert. Das Ergebnis ist weit davon entfernt in irgendeiner Hinsicht neue Maßstäbe zu setzen. Man sollte sich aber nun auch endlich einmal davon verabschieden, dass jeder Fantasyfilm automatisch mindestens gleichziehen muss, mit den Größen des Genres. „Seventh Son“ ist nicht mehr als gute Hausmannskost. Einhergehend damit sind auch Schwachpunkte, wie z.B. die generische Geschichte, die sich vor allem dann im dreckigen Sumpf des Bekannten windet, wenn Held Tom und die junge Hexe Alice sich zu romantischen Tête-à-têtes treffen. Aber „Seventh Son“ streckt diese und andere misslungene Szenen und Phasen nicht all zu heftig in die Länge.


Sir Gregory bekommt es auch mit Großmäulern zu tun
Allgemein ist „Seventh Son“ ein Werk, welches kein Gramm narratives Fett zu viel auf den Rippen hat. Anfang, Mittelteil, Ende. Exposition, wo Exposition hingehört und nach dem Showdown gibt es gewiss noch viel Spielraum für etwaige Sequels, aber dennoch fühlt sich der Film beendet an. Er hat einen klaren Schlusspunkt und versucht nicht diesen oder andere markante Momente so lang es geht hinauszuzögern. Das wirkt im Genre des Fantasyfilms fast schon altmodisch. Herrlich altmodisch wohlgemerkt. Altmodisch ist dann auch das perfekte Stichwort um auf Jeff Bridges zu kommen, der als alter, versoffener wie ranziger Hexenjäger Sir Gregory zwischen all den pompösen Kreaturen der Finsternis, bzw. des CGIs, der klare Fixpunkt des Filmes ist. Doch es ist gerade Bridges, der irgendwie nicht so recht hier hinein passen will. Im Grunde spielt er in „Seventh Son“ nur noch einmal die Rolle des Marshalls Rooster Cogburn aus „True Grit“. Nur dass er es hier nicht mit einem penetranten Mädchen und einer gefährlichen Outlaw-Gang zu tun hat, sondern mit einem Novizen sowie einer bösen Hexe, die, ganze genrekonform, die Welt mit Finsternis überziehen will. Dass zwischen dieser Hexe und Sir Gregory eine Jahrzehnte alte, schwellende Feindschaft besteht unterstreicht die konservative Fantasy-Stilistik von „Seventh Son“ noch einmal etwas mehr.


Der Lehrling und sein Meister
„Seventh Son“ ist im Prinzip ein Groschenroman im Fantasy-Setting. Jeff Brdiges darf als alter Grantler und Schnapsliebhaber gegen Drachen, Monster und Julianne Moore als herrlich übertrieben ausgereizte Oberhexe kämpfen, wobei seine Figur innerhalb der Actionsegmente immer wieder die hinreißend dämliche Metamorphose vom alten Miesepeter hin zum gelenkigen Actionkasper macht, während sein Lehrling Tom (Ben Barnes, der bereits in den „Narnia“-Filmen als Prinz Kaspian Fantasy-Erfahrung gesammelt hat) die obligatorische Wandlung durchmacht und der Zunft der Hexenjäger versucht eine neue, liberal Note zu verleihen, denn vielleicht sind ja nicht alle Hexen automatisch böse. Ja, das ist alles so bekannt wie abgestanden, ebenso wie die zig Anspielungen auf fremde Kulturen, bzw. Religionen, aber „Seventh Son“ versucht erst gar nicht seine Rezeptur als neuartig zu verkaufen. Regisseur Bordov liefert gut gemachte Standardware von der Stange, die nie versucht mehr zu sein als sie ist. Das macht den Film hin und wieder sogar etwas sympathisch. In Zeiten, in denen selbst das marginalste Stück Unterhaltung zum großen, vielschichtigen Event aufgebauscht wird, fühlt sich „Seventh Son“ wahrlich angenehm an, auch wenn der Film dann doch zu viele Fehler und Mängel mit sich schleppt, um wirklich einen akkuraten, positiven Gesamteindruck zu hinterlassen. Warum der Film z.B. ganzzeitlich in einer verwaschenen Optik erstrahlt will nicht so recht einleuchten. Warum die Romanze zwischen Junghexe Alice und Lehrling Tom hingegen nicht funktioniert ist da schon wesentlich klarer: fehlende Chemie zwischen den Darstellern und ein doch sehr strapazierte Befolgung, verstaubter Klischees.


„Seventh Son“ als gut zu bezeichnen wäre doch zu viel verlangt. Aber Sergei Bodrov entfacht mit seinem Hollywood-Debüt ein konventionelles Fantasy-Spektakel, das sich großzügig bei bekannten Genre-Vorbildern bedient und dabei einen (angenehm) altmodischen Eindruck hinterlässt. Wer auf der Suche nach dem legitimen Nachfolger von „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ ist, ist hier falsch. „Seventh Son“ ist nicht mehr als eine nette Kleckerei mit den allgemeinen Erwartungen und Formungen des Genres. Das Ergebnis ist nicht gut genug um den Film wirklich weiterzuempfehlen, aber auch nicht so schlecht, um ihn auf Teufel und Verderb zu zerfleddern und wenn man bedenkt wie sehr sich das Fantasy-Genre auf den Konventionen des Epischen ausruht, ist „Seventh Son“ dann doch eine willkommene Abwechslung. Denn zwar beinhaltet er auch die großen Bilder, es scheint ihm aber irgendwie bewusst zu sein, dass deren Gigantomanie eigentlich nur noch Erinnerungen sind, an Zeiten, als Fantasy noch die Schönheit des Neuen, bzw. des Wiederentdeckten besaß.


5 von 10 unkaputtbaren, monströsen Sidekicks

Review: MAPS TO THE STARS - Das kalte Herz von Hollywood brennt!

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Fakten:
Maps to the Stars
Kanada, USA. 2014.
Regie: David Cronenberg. Buch: Bruce Wagner. Mit: Mia Wasikowska, Julianna Moore, John Cusack, Robert Pattinson, Evan Bird, Olivia Williams, Carrie Fisher, Jayne Heitmeyer, Sarah Gadon, Amanda Brugel, Ari Cohen u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 3. März 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Stafford Weiss (John Cusack) ist das Oberhaupt der Familie Weiss, die als archetypische Hollywood-Familie charakterisiert werden kann. Er selbst arbeitet als Psychotherapeut und Life Coach. Sein Geld verdiente Weiss hauptsächlich mit dem Schreiben von Selbsthilfebüchern. Zur Zeit ist bei ihm die Schauspielerin Havana (Julianne Moore) in Behandlung, die im Schatten ihrer verstorbenen Schauspieler-Mutter Clarice steht, welche sie als Geist nachts regelmäßig heimsucht. Nun möchte sie ein Remake des Films drehen, der ihrer Mutter in den 1960er Jahre zum Ruhm verhalf. 
Staffords Frau Christina (Olivia Williams), eine ebenso hingebungsvolle wie kontrollsüchtige Mutter, versucht derweil die Karriere ihres 13-jährigen Sohns Benjie (Evan Bird) voran zu treiben und ihn wieder in die Familie einzugliedern, nachdem der junge Fernsehstar frisch aus dem Drogenentzug entlassen wurde (welchen er im stolzen Alter von neun Jahren antrat). Und auch Tochter Agatha (Mia Wasikowska) ist kein Unschuldslamm: Sie wurde gerade aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen und freundet sich mit dem Limosinenfahrer und erfolglosen Jungschauspieler Jerome (Robert Pattinson) an, der sich als Drehbuchautor in Hollywood einen Namen machen möchte. Ob alle Charaktere in diesem Drama zu Ruhm und Erfolg gelangen?





Meinung:
Es ist beruhigend, Cronenberg mal wieder mit einem einigermaßen erfrischenden Gestus an die Arbeit herangehen zu sehen, auch wenn es sich dabei ausschließlich ums Eintauchen in die Showbiz-Gehässigkeit handelt - stilistisch bleibt er wie in den letzten Jahren schon der archaisch-elegante Beobachter, aber hier hält ihn immerhin das Tempo des Ensembles am Laufen. Nichts wirklich Weltbewegendes kommt dabei in der Portraitierung verzweifelt-alternder Diven, Hinter-den-Kulissen-abgefuckter Selbsthilfe-Gurus, schwärmerischer Assistenten im Sog der Korrumpierung (siehe 'ALLES ÜBER EVA') und versnobt-kotziger child actors heraus, aber zumindest kann man dabei von einem kurzweiligen Unterhaltungsfaktor der Eitelkeit sprechen, getragen von ziemlich furchtlosen Darstellerleistungen und einem stetigen Mysterium eines versteckten Feuers der Vergangenheit (und oder Hölle, wenn man mal eine platte Analogie verwenden darf), das alle irgendwie miteinander verbindet.

 
Hollywood Kills
Die Oberflächlichkeit des Hollywood-Apparates wird dabei in ein ähnlich glattes und sediertes Licht gerückt, wie es Paul Schrader jüngst in 'THE CANYONS' errichtete und es wird sich gut und gerne über die misanthropische Verdorbenheit und egoistische Leere der in massiven, geisterhaft-gläsernen Villen lebenden Stars echauffiert. Dass da eine gewisse überhebliche Heuchlerei von Seiten Cronenbergs ebenso mitschwingt, muss man gar nicht mal verleugnen und die Noblesse seines Casts ist sicherlich ebenso wenig unantastbar, aber einerseits geht man als Zuschauer trotzdem gerne voyeuristisch dabei mit (ein offenbar noch immer leidenschaftliches Ziel des Regisseurs, so er wie er hier zerfallende und vernarbte Körper schnörkellos nach Aufmerksamkeit sehnen lässt) und andererseits wird auch keine allzu brachiale Groteske daraus erschaffen. Das mag aber auch die irgendwie ernüchternde Gesamterfahrung des Films erklären, in der kein wirkliches Extrem, kein brisant-loderndes Flackern kompromissloser Dekonstruktion angegangen wird - Cronenberg lässt es kühl angehen und seinen Charakter-Komplex sich selbst in die Enge, in emotionale Hässlichkeit und Furcht treiben, u.a. mit vorwurfsvollen Halluzinationen (?) Verstorbener. Doch genau daran verläuft sich ein Stück weit der thematische Fokus, welcher eh nur äußerst abstrakt im Raum steht und vom Ballast gängigster Bilder jener hohlen Konsum- und Reichtumsidealen im Handling mit der Film-Industrie wenig pointiert zerfasert wird. Aber so sind die fiesen Sternchen nun mal: planlos und in ihrer luxuriös-dahinfurzenden Existenz schlicht getrieben vom Entbehrlichen und Nepotistischem (auch Inzestuösen) - aber doch irgendwo ehrgeizig und aggressiv, nicht wahr?


Diese Uneinigkeit in der Präsentation des glamourösen Asylums ist so ziemlich die Hauptursache für alle kleinen und großen Schwächen des Films und hat zudem die Folge, dass einige zugegebenermaßen amüsante Episoden schlicht ins Leere verlaufen, so wie sich auch die gesamte Auflösung in sperriger, kosmischer Suggestion übt (zumindest hilft das sympathische Enigma der Mia Wasikowska teilweise darüber hinweg). Doch es ist ja nun mal wie so oft, dass gerade solche Unförmigkeiten das fragende Hirn des Zuschauers am Laufen halten, zur Faszination oder Frustration führen, auf jeden Fall durchscheinen lassen, dass vergrabene Potenziale und subversive Schichten, in den Figuren und in der psychischen Konstruktion des Films, um ihre Entdeckung "bangen" - was beweist, dass Cronenberg sicherlich noch einiges zu erzählen hat, aber erstmal noch den Deckel überm Loch mit der flachen Hand zuhält.

6,5 von 10 iPads


vom Witte

Review: THE LAST DAYS ON MARS – Zombies of Mars

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Fakten:
The Last Days on Mars
UK, Irland.
2013. Regie Ruairi Robinson. Buch: Clive Dawson, Sydney J. Bounds (Vorlage). Mit: Liev Schreiber, Olivia Williams, Elias Koteas, Johnny Harris, Romola Garai, Tom Cullen, Patrick Joseph Byrnes, Yusra Warsama u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren (Hauptfilm: FSK 12). Ab 14. August 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eigentlich sind die Astronauten und forscher schon dabei ihre Mission auf dem Mars erfolgslos zu beenden, doch dann finden sie doch noch eine seltsame Höhle und darin versteinerte Bakterien. Die Suche nach Spuren vom Leben auf dem roten Planeten war also doch erfolgreich. Allerdings bürgt dieser Fund auch eine infektiöse Gefahr, die ihre Opfer fordert.





Meinung:
Würde man für jeden auf der Welt existierenden Zombie-Film nur einen Cent in das Sparschwein gesteckt bekommen, könnte man nicht nur mit ansehen, wie dieses blitzschnell aus alle Nähten platzt, sondern sich im Anschluss wohl auch endlich den Urlaub in der Karibik gönnen, von dem man doch schon solange träumt. Das Horror-Genre quillt seit frühster Filmgeschichte von schlurfenden Wiedergängern geradezu über und spätestens seit dem Abschluss (?) von George A. Romeros sechsteiliger „...of the Dead“-Reihe ist das Thema rund um die hungrigen Untoten doch irgendwie reichlich ausgeschöpft und reizlos geworden. Wer erlaubt es sich denn heute schon noch, den Zombie-Film in Relation mit einer gewissen Originalität zu stellen? Eben. Niemand. Das muss nun allerdings nicht automatisch bedeuten, dass es keine ansehnlichen Projekte mehr gibt, in denen Zombies eine nicht gerade unwichtige Rolle einnehmen. Ausgerechnet eine Direct-to-DVD-Produktion wie „The Last Days on Mars“ vom debütierenden Ruairi Robinson bestätigt dies nun wiederholt.


"Seltsam, ich bin mir sicher diesen Stein schon mal gesehen zu haben."
Die Synopsis von „The Last Days on Mars“ klingt wie ein einziges Residuum von dem, was die einstigen Klassiker noch so übrig gelassen haben: Eine Forscherexpedition (dazugehörig: Liev Schreiber, Elias Koteas, Olivia Williams und Romola Garai, Johnny Harris und Goran Kostic), die sich auf dem Mars auf die Suche nach Leben gemacht, ist eigentlich schon so gut wie auf dem Heimweg und wartet nach der enttäuschenden Mission auf die Ablösung, doch ausgerechnet am letzten Tag stößt man auf organische Substanzen auf der Marsoberfläche, die sich schnell als feindselige Bakterien zu erkennen geben und ein Crewmitglied infizieren. Das Bakterium transformiert die Menschen zu gewissenlosen Monstern, die einzig und allein darauf erpicht sind, die Personen in ihrem direkten Umfeld zu vernichten: Der Kampf um das Überleben beginnt! Unfassbar altbacken, oder? Ja, „The Last Days on Mars“ ist nicht originell und gleicht in seiner strukturellen Narration einem filmischen Eklektiker, der sich aus unzähligen Vorgängern das schnappt, was er für persönliche Zwecke recyclen kann.


So einen Raumstation ist leider ziemlich ungemütlich
Aber „The Last Days on Mars“ ist eben keine lieblose Genre-Kolportage, die sich nur für das temporäre Stopfen des hohlen Zahns zu interessieren scheint; kein überheblicher Kernschrott, der dem Zuschauer seine Intelligenz aufzuoktroyieren versucht. Ruairi Robinson bringt das handwerkliche Talent mit, sein abgestandenes Handlungsgeflecht atmosphärisch dicht auszufüllen und inhaltliche Stolpersteine (die physikalischen Gesetze werden kurzerhand egalisiert) zu neutralisieren, in dem er mit der vollen Schlagseite Feeling aufwartet. Die Panik, die innerhalb der Crew ausbricht, macht einen authentischen Eindruck, das hysterische Wirrwarr scheint nachvollziehbar und wenn sich die Rationalität mit dem eigentlich Unmöglichen konfrontiert sieht, zeigt „The Last Days on Mars“, wie effektiv er die Lauf-um-dein-Leben-Dramaturgie in ein klaustrophobisches Bedrohungsszenario übersetzen kann. Die engen Gänge, die dunklen Tunnel innerhalb des Raumschiffes, in denen oftmals nur das rare Licht einer Taschenlampe für Orientierung sorgt, die unwirtliche Umgebung des Mars, die Tristesse, von der eine ungemeine Einsamkeit ausgeht, sind packend fotografiert.


Ein Meisterwerk sollte man nicht erwarten, dafür ist die Formel von „The Last Days on Mars“ schon viel zu oft durchgerechnet worden. Ein überraschend stringenter und zeitweise wirklich spannender Sci-Fi-Horror-Streifen ist Regisseur Ruairi Robinson mit seinem Debüt jedoch in jedem Fall gelungen. Man darf also durchaus optimistisch in die Zukunft blicken und von Ruairi Robinson, der zuvor Kurzfilme gedreht hat, noch einiges an schönem Genre-Krempel erwarten.


6 von 10 Blutflecken an der Wand


von souli

Review: SABOTAGE - Arnold Schwarzenegger versagt im Anti-Drogenkampf

1 Kommentar:


Fakten:
Sabotage
USA. 2014. Regie: David Ayer.
Buch: Skip Woods, David Ayer. Mit: Arnold Schwarzenegger, Olivia Williams, Sam Worthington, Mireille Enos, Terrence Howard, Joe Manganiello, Harold Perrineau, Josh Holloway, Max Martini, Martin Donovan, Gary Grubbs u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Ab 28. August 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Elite-Team der DEA rund um den Anführer John „Breacher“ Wharton nehmen in Atlanta das Safe House eines Drogenkartells aus. Ziel der Gruppe: das dort gelagerte Drogengeld. Davon verstecken sie zehn Millionen Dollar, um es später untereinander aufzuteilen. Doch als endlich Zahltag ist und das Team ihren illegalen Zusatzverdienst bergen will, ist die Beute spurlos verschwunden. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird auch intern gegen Wharton und seine Crew ermittelt und als Sahnehaube dezimiert jemand Unbekanntes das Team.





Meinung:
Neben den hundert Millionen Dollar schweren Massenvernichtungsorgien der großen Studios, in denen ganze Metropolen und damit auch deren Bewohner den Erdboden gleichgemacht werden, hat sich fast schon etwas still und heimlich ein zweiter Actiontrend gebildet. Gemeint sind günstige bis mittelpreisige Actionfilme, die ihre Destruktion weitaus realistischer, rauer und vor allem brutaler zu Werke gehen, als die auf Zelluloid gebannten Zerstörungsorgien eines „Man of Steel“ oder „Star Trek Into Darkness“. „Sabotage“ von „Harsh Times“-Regisseur David Ayer ist so ein „kleiner“ Actionfilm. Ein brutaler Reißer, in dem nicht klinisch sauber gestorben wird, sondern in dem das Blut spritzt, Projektile tiefe Wunden ins Fleisch fräsen und schon mal die Eingeweide von der Decke hängen. Ein Film halt für Erwachsene und dazu spielt auch noch Arnold Schwarzenegger, der alte König der Actiongardisten, mit. Ein Grund also, um sich auf „Sabotage“ zu freuen. Vor allem weil diese kleineren, schmutzigen Actionfilme noch fern von einem Übersättigungsgefühl sind, ganz anders als die protzigen Kollegen.


Ist Sugar noch Teil des Teams?
David Ayers letzter Film, „End of Watch“ überzeugte durch gutes Schauspiel, eine authentische Atmosphäre sowie seine schlüssige Story. Davon ist „Sabotage“ meilenweit entfernt. Kein Wunder, denn die Geschichte, bzw. das Script ist ein löchriges abgrasen von chauvinistischen Debilitäten. Das Team rund um Schwarzenegger besitzt nichts Menschliches. Alle, selbst die später auftauchenden Ermittler des FBI, sind plastinierte Rollenmodelle, deren Verwesungsgeruch penetrant durch den Action-Thriller wabt. Leblose Pappchargen, dazu verurteilt Dialoge aus der Hölle aufzusagen. Kein Wunder, beruht das Script doch auf einem Drehbuch von Skip Woods. Dieser verfasste bereits Katastrophen wie „Hitman – Jeder stirbt allein“ und „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum sterben“. Mit „Sabotage“ hat er aber so etwas wie sein bisheriges Magnus Scrotum abgeliefert. Wobei es natürlich schon interessant wäre zu wissen, in wie fern David Ayer noch Dinge verbessert, bzw. verschlimmert hat mit seiner Überarbeitung des Drehbuchs. Dieses Wissen würde sich alleine schon deswegen lohnen, um zu wissen, wenn man für die unglaublich stupiden Charaktere auf die Finger hauen soll


Arnie im Einsatz
Egal ob Arnold Schwarzenegger als väterlicher Team Leader Breacher, Sam Worthington („Avatar – Aufbruch nach Pandora“) als bärtiger Monster oder Terrence Howard („Prisoners“) als Quoten-Afroamerikaner Sugar, alle Charaktere die „Sabotage“ auffährt sind ein Ärgernis: allesamt unsympathische Muskelberge mit Mimikspastik. Um den Zuschauer nicht zu überfordern wird uns dann auch zu jeder freien Minute mittels pubertärem Männlichkeitsgehabe klargemacht, dass dieses Team zusammenhält, komme was da wolle. So sollte vielleicht Empathie generiert werden, die dann vermutlich wiederum einen Schock verursachen sollte, wenn sich dann das Gruppengefüge im späteren Verlauf aufsplittert. Tja, „hätte“ und „sollen“. Im Falle von „Sabotage“ sind dass die kleinen Brüder von „versagt“ und „verschissen“. Wobei die Figuren in Ayers Film zumindest im Bereich der unfreiwilligen Komik punkten können. Die Speerspitze dieser verzichtbaren Unerträglichkeiten ist Mireille Enos („World War Z“) als Lizzy: eine durchtrainierte Amazone, die vermutlich als Kind in einem Topf voller Testosteron gefallen ist und mit ihrem hyper-maskulinen Gebaren jedes Klischee, was es über Frauen in männlich dominierten Berufen gibt, bestätigt.


"Sag noch einmal was gegen meinen Bart"
Aber okay, wohl niemand dachte bei der Ankündigung von „Sabotage“ so etwas wie „Juhu, endlich wieder tolle Charaktere“, deswegen kümmern wir uns mal um die Action des Films. Die ist, wie bei Ayer gewohnt, recht energetisch und vermittelt den Eindruck von Bedrohung und Konsequenz. Schade nur, dass es in „Sabotage“ nur sehr selten dazu kommt, das Äkschn-Arnie und seine Gefährten wirklich etwas zu tun haben. Mehr als wirkliche Actionszenen inszeniert Ayer leb- und lieblos montierte Dialoge. Dass die nicht zu gebrauchen sind, wurde ja bereits geklärt. Was hingegen noch erwähnt werden sollte, ist dass die Story von „Sabotage“ eine unförmige wie löchrige Ansammlung von Ungereimtheiten ist, die dazu teils wirklich schlecht konzipiert sind. Es scheint fast so, als ob David Ayer letztlich mehr daran interessiert ist drastische Gewalteskapaden zu zelebrieren. Nicht unbedingt die Ausführung von Gewalt, sondern viel mehr deren Resultat. Die Brutalität von „Sabotage“ dient als hochschaukelndes Element, doch wo Filme wie „The Raid“ diese als bitteren wie markerschütternden Motor für die Action nutzt, verkommt sie unter Ayer zum divergenten Pflichtprogramm ohne wahren Zweck. Ganz ehrlich, wer die Action von „Sabotage“ als gelungen bezeichnet, kann so viele gute Actionfilme nicht gesehen haben.


Bleibt zum Schluss noch der Blick auf unseren Arnie. Nach seiner politischen Karriere versucht er sich nun wieder als Actionstar, doch ohne seinen Steroid-Buddy Sylvester Stallone und dessen Geronto-Actionreihe „The Expendables“ scheint es nicht sonderlich gut für ihn zu laufen. Sein erster großer Solofilm nach seiner Zeit als Gouvernator, „The Last Stand“, erhielt gemischtes Echo und floppte an den Kinokassen brachial. Ob „Sabotage“ ein Erfolg wird, wird sich zeigen. Ein großer Hit wäre aber absolut unverdient! Auch weil Schwarzenegger mit dem Problem zu kämpfen hat, dass das krude Script von ihm Emotionen erwartet. Hier zeigt sich aber dass Arnie zwar ein Typ mit einer kernigen Ausstrahlung ist, als dramatischer Akteur ist und bleibt er aber absolut überfordert. Falls „Sabotage“ aber dennoch ein Kassenmagnet wird, würde dies zumindest gut zu der alten Redewendung passen, dass man auch Scheiße Gold machen kann. Pardon für diese harten Worte, aber das Niveau von „Sabotage“ ist sogar noch ein paar Etagen tiefer. Das wäre gewiss nicht sonderlich verwerflich, wenn der Film zumindest gut unterhalten würde, tut aber nicht. Trotz viel CGI-Blut und harten Männern mit Schultern so breit ein Tisch ist „Sabotage“ nicht mehr als wimmerndes Nichts. Der ungelenke Versuch einen rohen Actionbrocken zu erschaffen, der am Ende von seiner eigenen Dummheit niedergemetzelt wird.


1 von 10 ungünstigen Parkplätzen