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Review: BLAIR WITCH - Die Hexe ist zurück

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Fakten:
Blair Witch
USA. 2016. Regie: Adam Wingard. Buch: Simon Barrett. Mit: James Allen McCune, Callie Hernandez, Corbin Reid, Brandon Scott, Wes Robinson, Valorie Curry. Länge: 89 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
20 Jahre nachdem Heather Donahue und ihre beiden Freunde in „The Blair Witch Project“ im Black Hills Forest verschwanden, macht sich Heathers Bruder James zusammen mit seinen Freunden Peter, Ashley und der Filmstudentin Lisa auf, die Umstände des Verschwindens zu erforschen. Dass sich der Gruppe zwei Einheimische anschließen, um sie durch die Wälder zu führen, stimmt sie zunächst zuversichtlich. Doch schon bald wird ihnen klar, dass die Legende um die Blair Witch furchterregender ist, als sie es sich je hätten vorstellen können... 




Meinung:
Nein, Blair Witch Projekt war nicht die Geburtsstunde des Found-Footage-Sub-Genres, aber gewiss die der viralen Marketing-Kampagnen. Sicher ist aber, dass der Ultra-Low-Budget-Horrorfilm 1999 diese Art von Film zurück in die Erinnerung der Kinogänger holte. All zu lange verblieben die verwackelten Bilder aber nicht, bis 2007 Paranormal Activity Found-Footage endlich revitalisierte und eine ganze Schar von Fortführungen und Epigonen nach sich zog, die teils im DVD-Segment beheimatet, teils auch auf der großen Leinwand zu sehen waren.


 
Nun, nach über 17 Jahren, kehrt die Hexe von Blair zurück. Das Studio hinter Blair Witch ließ die Zuschauerschaft dabei lange im Dunkeln. Zunächst wurde der Film von You're Next- und The Guest-Regisseur Adam Wingard als The Woods beworben, bis man schließlich die Katze aus dem Sack ließ. Dies machte sogar vergessen, dass es im Jahre 200 mit Blair Witch: Book of Shadows bereits ein Sequel zum ersten Teil gab. Dieser kam aber weder bei der Kritik noch den Fans gut an, was nicht nur daran lag, dass der Film die Konzeption des Found-Footage verließ. Nein, dort wurde vor allem das getan, was im ersten Teil (wohl hauptsächlich wegen dem geringen Budget) vermieden wurde: Alles wurde gezeigt. Es gab Gewalteskapaden ebenso wie dämonische Fratzen und einen massiv aufgestockten Cast.

 
Blair Witch verzichtet darauf, den gefloppten Book of Shadows auch nur ansatzweise zu erwähnen. Adam Wingard baut seine Geschichte an das Original an. James Donahue, kleine Bruder der verschwundenen Filmstudentin Heather, findet im Internet ein neues Video aus den unheimlichen Wäldern von Burkittsville und glaube darin seine Schwester wiederzuerkennen. Also reist er mit Freunden, einem einheimischen Pärchen und moderner,, bzw. gegenwärtiger Kameratechnik zu dem Ort, wo seine Schwester einst verschwand und man muss kein Horror-Experte sein,, um zu wissen, dass diese Plan schwer naach hinten los geht und tödliche Konsequenzen nach sich ziehen wir.

 
Genau wie das Original, lässt sich die Fortsetzung zu Beginn Zeit, um die Figuren einzuführen und da wäre schon das erste Problem: Es gibt zu viele. Waren es 1999 drei junge Menschen, die der Legende der Hexe von Blair nachgingen, hat sich die Probandenzahl nun verdoppelt. Das rächt sich in der Hinsicht, dass keine der Figuren wirklich interessant ist. Einzig James, der seine Schwester sucht und somit noch die beste Motivation inne hat, wird charakterlich zumindest soweit ausgebaut, dass immerhin er dazu einlädt, mit ihm mitzufiebern. Alle andere sind hingegen nur Schafe, die zur Schlachtbank geführt werden. Diese Führung zum Exitus geht wie beim ersten Teil von statten: Es beginnt als freudvolle Wanderung, es folgt Desorientierung, seltsame Zeichen aus Stöcken und Steinen und dann, wenn die Sonne untergegangen ist und scheinbar nicht wieder aufgeht, holt sich die Hexe, bzw. eine unsichtbare Macht, ihre Opfer.

 
Im Original war das Reizvolle daran, dass wir als Zuschauer eigentlich nichts davon sahen. Die legendäre und bis heute unheimliche Schlussszene ist ein Paradebeispiel dafür. Durch die zuvor wahrgenommenen Mythen und Legend, ,rund um die Hexe, erschuf der eigene Kopf den Horror, nicht der eigentliche Film. Bei Blair Witch ist das leider anders. Sobald die Figuren im Wald festsitzen und erste, seltsame Zeichen auftauchen verwandelt sich das Sequel von einem suggestiven Spannungsfeld in eine einzige Parade aus Jump Scares. Dabei geht Wingard höchst repetitiv vor, was dazu führt, dass sich Blair Witch nach gut einer Stunde Spielzeit schon wahnsinnig abgenutzt, ermüdend und selbstgefällig anfühlt. Dafür integriert der aus dem Independent-Bereich kommende Regisseur aber auch neue Facetten.

 
Da wäre zum einen eine mittlere Portion Body-Horror: Dickflüssige, grüne Wundflüssigkeit und zuckende Entzündungen sollen deutlich machen, dass die böse Macht des Waldes auch auf physischer Art eine Bedrohung darstellt und wohl übertragbar ist. Schade ist allerdings, dass diese Idee relativ halbherzig wieder fallen gelassen wird. Anders hingegen sieht es mit der Tonalität von Blair Witch aus. Die wandelt sich von einer schleichenden Bedrohung hin zu echten Terror-Kino. Vor allem im letzten Viertel des Films gibt es keine ruhige Minute. Es wird geschrien, gerannt, gestolpert, gewimmert und gestorben. Wingard lässt keine Pause zu und erschafft somit einen durchaus effektiven Stresslevel, der sicher besser funktioniert hätte, wenn die Figuren nicht so unglaublich redundant wären.


Insgesamt ist Blair Witch also schon enttäuschend, obwohl er vor allem gegen Ende einige tolle Einstellungen und Momente zu bieten hat. Doch gerade mit der modernen Kameratechnik wie Drohnen oder GoPros wäre schon mehr drin gewesen. Letztlich zeigt das Sequel nicht wie eine clevere und gelungene Weiterführung des Mythos aussieht, sondern nur wie das Original wohl gewesen wäre, wenn die Macher von einst Budget gehabt hätten.


4 von 10 Schnüren aus echtem Menschenhaar

Review: THE WITCH – Das Grauen in den Wäldern oder doch nur pure Einbildungskraft?

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Fakten:
The Witch
CA/US, 2015. Regie & Buch: Robert Eggers. Mit: Ralph Ineson, Kate Dickie, Anya Taylor-Joy, Julian Richings, Bathsheba Garnett, Harvey Scrimshaw, Lucas Dawson, Ellie Grainger. Länge: 88 Minuten. FSK: Ungeprüft. Ab 19. Mai 2016 im Kino.


Story:
In New England um 1630 wird eine streng gläubige Familie von ihrer Gemeinde verstoßen. Am Rande eines Waldstücks wollen sie mit der Unterstützung Gottes ein neues Leben auf einer Farm beginnen. Als die älteste Tochter eines Tages mit dem Neugeborenen spielt, ist das Baby von einem Moment auf den anderen im Wald verschwunden. Der Familienvater glaubt daran, dass ein Wolf Schuld ist, doch insgeheim macht sich die schleichende Angst breit, dass eine Hexe in den Wäldern haust, die es auf die Familie abgesehen hat.




Meinung:
"Nature is Satan´s Church", äußert die Frau in "Antichrist", bevor sich Lars von Triers Meisterwerk langsam zu einer ungemein verstörenden, sehr brutalen und nachhaltig bewegenden Orgie von Abscheulichkeiten hochschaukelt, in der die Verarbeitung von Trauer, Verlust und Schuld aus unterschiedlicher Geschlechtersicht aufeinanderprallt. Das zentrale Motiv der Natur als Kirche Satans könnte auch eine bedeutende Inspiration für Robert Eggers "The Witch" gewesen sein.


Sie ahnt das Unheil bereits...
Kaum zu glauben, dass man es hier mit einem Langfilmdebütanten zu tun hat. "The Witch" ist unglaublich stilbewusstes, selbstsicheres Horror-Kino der Superlativen, das wirkt, als wäre ein langjähriger Meister am Werk gewesen, der sich vorab bereits an mehreren Filmen dieser Art ausprobiert hat, um nun auf dem Zenit seiner Fertigkeiten anzukommen. Der Regisseur hat sich für dieses Werk tief in die Materie eingegraben, die altenglischen Dialoge aus der Geschichte, welche im 16. Jahrhundert in Neuengland angesiedelt ist, entstammen direkt von originalen Schriftstücken, überlieferten Sagen, Märchen und Tagebucheinträgen dieser Zeitepoche. Eggers erzählt von einer streng gläubigen Familie, die von ihrer Gemeinde aus dem Dorf vertrieben wird und in der Nähe eines Waldstücks mit der Unterstützung Gottes ein neues Leben auf einer kleinen Farm beginnen will. Als das jüngste Kind eines Tages spurlos verschwindet, ist die Familie hin- und hergerissen zwischen dem, was sie glauben, was sie meinen, zu wissen und was sie in ihren schlimmsten Albträumen fürchten.


Jedes Bild gleicht einem Gemälde
In "The Witch" ist die Atmosphäre bereits ab der ersten Minute zum Schneiden dicht. Mithilfe der düsteren, unheilvollen Cinematographie, bei der Eggers den sprichwörtlichen Teufel in jedem einzelnen Detail versteckt, und des grandiosen Scores von Mark Korven, der mit seinen schrillen Geigen und schrägen Kompositionen zu Beginn beinahe wie eine Parodie wirkt, später aber zu ungeahnten Momenten puren Grauens überleitet, entfesselt der Regisseur ein intensives, unbehagliches Schauermärchen. Auch wenn der Bedrohung recht früh ein klares Gesicht verliehen wird, appelliert Eggers immer wieder an die Kraft der Suggestion, was seinem Film einen zwiespältigen, interpretierfreudigen Anstrich verleiht, bei dem nicht immer eindeutig ersichtlich ist, ob die titelgebende Hexe real existiert oder nur eine Manifestation darstellt, die aus den immer stärker werdenden Konflikten innerhalb der Familie heraufbeschworen wurde, welche in ihrem unerschütterlichen, an religiösen Fanatismus grenzenden Glauben auf die Probe gestellt wird. Der Regisseur nutzt die bedrohliche Kulisse des Waldstücks, symbolträchtige Einstellungen sowie unheilvolle Ankündigungen in Gestalt von Tieren, um einen Keil zwischen die Familie zu treiben.


"The Witch" sympathisiert mit seinen Figuren, zeigt aber auch auf erschreckende Weise, was es bedeutet, wenn Menschen ihrem religiösen Glauben blind verfallen. Im Kern ist der Film weniger klassischer Horrorfilm, denn auf übermäßig blutige Eskalationen oder schlichte Jump-Scares verzichtet Eggers beinahe vollständig, als viel mehr ein bedrückendes Psychodrama, das auf ebenso langsame wie unangenehme Weise unter die (Netz-)Haut des Betrachters eindringt und stellenweise Impressionen erzeugt, die zu den verstörendsten der letzten Zeit zählen dürften. Am Ende offenbart "The Witch" aber auch eine faszinierende Lesart, bei der sich der direkte und indirekte Terror durch eine potentielle Hexe als mögliche Alternative entpuppt, bei dem sich die älteste Tochter der Familie, welche selbst als Ziel der Hexenbeschuldigungen herhalten muss, für einen Weg aus der religiösen Unterdrückung und in die freie Selbstbestimmung entscheiden kann. "The Witch" zeigt sich somit als inhaltlich überaus reichhaltiges Werk, funktioniert aber auch als geradlinige Schauergeschichte, sozusagen eine verrohte Variante der Gebrüder Grimm, in der Regie-Neuling Robert Eggers durch kraftvolle Impressionen, wunderbare Schauspieler und Momente puren Horrors jeden Ton trifft. Von diesem Mann ist zukünftig Großes zu erwarten.


8,5 von 10 Häuschen mitten im Wald


von Pat

Review: SEVENTH SON – Rooster Cogburn jagt jetzt Hexen und Drachen

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Fakten:
Seventh Son
USA. 2015. Regie: Sergei Bodrov. Buch: Steven Knight, Charles Leavitt, Matt Greenberg, Joseph Delaney (Vorlage). Mit: Jeff Bridges, Ben Barnes, Julianne Moore, Alicia Vikander, Antje Traue, Kit Harington, Djimon Hounsou, Olivia Williams, Gerald Plunkett, Jason Scott Lee, Jim Shield, Carmel Amit, Thai-Hoa Le u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 16. Juli 2015 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Sir Gregory ist ein Spook, ein erfahrener Kämpfer gegen dunkle Mächte wie Hexen oder Gestaltwandler. Als seine alte Widersacherin Malkin sich aus ihrem Verließ befreien kann, in der sie Gregory einst sperrte, muss er handeln, denn alle 100 Jahre , wenn der Blutmond sein volles Antlitz am Nachthimmel zeigt, kann Malkin die Welt mit Finsternis überziehen. Um das zu verhindern wählt Gregory den Bauernjungen Tom zu seinem Lehrling aus, denn dieser ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und erfüllt somit eine alte Prophezeiung. Gemeinsam machen sie auf den strapaziösen Weg zu Malkins Verstecks.





Meinung:
Nach dem Erfolg von „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe – gemeint sind in diesem Falle die erfolgreichen Verfilmungen aus dem Hause Warner Bros. – galt das Fantasy-Genre zunächst als Erfolgsgarant, vor allem wenn ein bekanntes wie erfolgreiches Werk dahintersteht. Doch rasch musste die amerikanische Filmindustrie einsehen, dass nicht jeder Bestseller-Roman der in den Bücherläden und Bibliotheken unter „Phantastisches“ geführt wird, automatisch für zufriedene Zuschauer und volle Kassen sorgt. „Eragon“, „Der goldene Kompass“ oder „City of Ember“ gerieten zu kapitalen Misserfolgen, was dem Genre an sich den Ruf einbrachte, nur dann wirklich inhaltlich wie kommerziell zu funktionieren, wenn es sich um die zu Anfangs erwähnte Vorzeige-Franchises handelt. Mittlerweile findet Fantasy entweder im Fernsehen statt, wo „Game of Thrones“ sich allerdings trotz Dämonen, Magier und Drachen eher daran versucht eine Art Realistik des Phantastischen abzubilden, oder J.R.R. Tolkien bzw. J.K. Rowling müssen ihre anderen Geschichten hergeben. Bei letzterer wird es wohl noch ein, zwei Jahre dauern bis das Potter-Spin-Off „Fantastic Beasts And Where To Find Them“ über die Leinwände flimmert.


Die böse Malkin will Rache und eine Nagelpfeile
„Seventh Son“ ist Fantasy pur und beruht ebenfalls aus einem Roman. Der Autor ist ein gewisser Joseph Delaney und dieser hat mit seiner Vorlage im Prinzip das Gleiche getan, wie Miss Rowling: die typischen Muster, Modelle und Maße des Fantasy-Genres genommen, wild durchgemixt und somit seine eigene Welt kreiert. Dabei kam sehr konventionelles, phantastisches Flickwerk heraus. Welches der russische Regisseur Sergei Bodrov hier ebenso konventionell wie kurzweilig für die große Leinwand adaptiert. Das Ergebnis ist weit davon entfernt in irgendeiner Hinsicht neue Maßstäbe zu setzen. Man sollte sich aber nun auch endlich einmal davon verabschieden, dass jeder Fantasyfilm automatisch mindestens gleichziehen muss, mit den Größen des Genres. „Seventh Son“ ist nicht mehr als gute Hausmannskost. Einhergehend damit sind auch Schwachpunkte, wie z.B. die generische Geschichte, die sich vor allem dann im dreckigen Sumpf des Bekannten windet, wenn Held Tom und die junge Hexe Alice sich zu romantischen Tête-à-têtes treffen. Aber „Seventh Son“ streckt diese und andere misslungene Szenen und Phasen nicht all zu heftig in die Länge.


Sir Gregory bekommt es auch mit Großmäulern zu tun
Allgemein ist „Seventh Son“ ein Werk, welches kein Gramm narratives Fett zu viel auf den Rippen hat. Anfang, Mittelteil, Ende. Exposition, wo Exposition hingehört und nach dem Showdown gibt es gewiss noch viel Spielraum für etwaige Sequels, aber dennoch fühlt sich der Film beendet an. Er hat einen klaren Schlusspunkt und versucht nicht diesen oder andere markante Momente so lang es geht hinauszuzögern. Das wirkt im Genre des Fantasyfilms fast schon altmodisch. Herrlich altmodisch wohlgemerkt. Altmodisch ist dann auch das perfekte Stichwort um auf Jeff Bridges zu kommen, der als alter, versoffener wie ranziger Hexenjäger Sir Gregory zwischen all den pompösen Kreaturen der Finsternis, bzw. des CGIs, der klare Fixpunkt des Filmes ist. Doch es ist gerade Bridges, der irgendwie nicht so recht hier hinein passen will. Im Grunde spielt er in „Seventh Son“ nur noch einmal die Rolle des Marshalls Rooster Cogburn aus „True Grit“. Nur dass er es hier nicht mit einem penetranten Mädchen und einer gefährlichen Outlaw-Gang zu tun hat, sondern mit einem Novizen sowie einer bösen Hexe, die, ganze genrekonform, die Welt mit Finsternis überziehen will. Dass zwischen dieser Hexe und Sir Gregory eine Jahrzehnte alte, schwellende Feindschaft besteht unterstreicht die konservative Fantasy-Stilistik von „Seventh Son“ noch einmal etwas mehr.


Der Lehrling und sein Meister
„Seventh Son“ ist im Prinzip ein Groschenroman im Fantasy-Setting. Jeff Brdiges darf als alter Grantler und Schnapsliebhaber gegen Drachen, Monster und Julianne Moore als herrlich übertrieben ausgereizte Oberhexe kämpfen, wobei seine Figur innerhalb der Actionsegmente immer wieder die hinreißend dämliche Metamorphose vom alten Miesepeter hin zum gelenkigen Actionkasper macht, während sein Lehrling Tom (Ben Barnes, der bereits in den „Narnia“-Filmen als Prinz Kaspian Fantasy-Erfahrung gesammelt hat) die obligatorische Wandlung durchmacht und der Zunft der Hexenjäger versucht eine neue, liberal Note zu verleihen, denn vielleicht sind ja nicht alle Hexen automatisch böse. Ja, das ist alles so bekannt wie abgestanden, ebenso wie die zig Anspielungen auf fremde Kulturen, bzw. Religionen, aber „Seventh Son“ versucht erst gar nicht seine Rezeptur als neuartig zu verkaufen. Regisseur Bordov liefert gut gemachte Standardware von der Stange, die nie versucht mehr zu sein als sie ist. Das macht den Film hin und wieder sogar etwas sympathisch. In Zeiten, in denen selbst das marginalste Stück Unterhaltung zum großen, vielschichtigen Event aufgebauscht wird, fühlt sich „Seventh Son“ wahrlich angenehm an, auch wenn der Film dann doch zu viele Fehler und Mängel mit sich schleppt, um wirklich einen akkuraten, positiven Gesamteindruck zu hinterlassen. Warum der Film z.B. ganzzeitlich in einer verwaschenen Optik erstrahlt will nicht so recht einleuchten. Warum die Romanze zwischen Junghexe Alice und Lehrling Tom hingegen nicht funktioniert ist da schon wesentlich klarer: fehlende Chemie zwischen den Darstellern und ein doch sehr strapazierte Befolgung, verstaubter Klischees.


„Seventh Son“ als gut zu bezeichnen wäre doch zu viel verlangt. Aber Sergei Bodrov entfacht mit seinem Hollywood-Debüt ein konventionelles Fantasy-Spektakel, das sich großzügig bei bekannten Genre-Vorbildern bedient und dabei einen (angenehm) altmodischen Eindruck hinterlässt. Wer auf der Suche nach dem legitimen Nachfolger von „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ ist, ist hier falsch. „Seventh Son“ ist nicht mehr als eine nette Kleckerei mit den allgemeinen Erwartungen und Formungen des Genres. Das Ergebnis ist nicht gut genug um den Film wirklich weiterzuempfehlen, aber auch nicht so schlecht, um ihn auf Teufel und Verderb zu zerfleddern und wenn man bedenkt wie sehr sich das Fantasy-Genre auf den Konventionen des Epischen ausruht, ist „Seventh Son“ dann doch eine willkommene Abwechslung. Denn zwar beinhaltet er auch die großen Bilder, es scheint ihm aber irgendwie bewusst zu sein, dass deren Gigantomanie eigentlich nur noch Erinnerungen sind, an Zeiten, als Fantasy noch die Schönheit des Neuen, bzw. des Wiederentdeckten besaß.


5 von 10 unkaputtbaren, monströsen Sidekicks

Review: STADT DER TOTEN - Viel Nebel und leider auch Staub

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Fakten:
Stadt der Toten (The City of the Dead/Horror Hotel)
GB, 1960. Regie: John Moxey. Buch: George Baxt, Milton Subotsky. Mit: Denis Lotis, Christopher Lee, Patricia Jessel, Tom Naylor, Betta St. John, Venetia Stevenson, Valentine Dyall, Ann Beach u.a. Länge: 75 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Vor rund 260 Jahren wurde in dem kleinen Kaff Whitewood die Hexe Elizabeth Selwyn verbrannt. Seitdem soll die Gemeinde mit einem Fluch belegt sein. Die Studentin Nan Barlow hört die Geschichte von ihrem Professor Alan Driscoll und reist daraufhin nach Whitewood, um ihr auf den Grund zu gehen. Sie verschwindet spurlos. Ihr Freund und ihr Bruder machen sich auf die Suche nach ihr.


                                                                        


Meinung:
Mit sichtlich geringen Mitteln gedrehter, britischer Gruselstreifen, mal nicht aus den Hammer-Studios. Mit der Zeit sehr in Vergessenheit geraten, wenn auch heute noch von vielen Leuten sehr gelobt. Tatsächlich ist sogar beides irgendwie verständlich. Auf der einen Seite hat „Stadt der Toten“ ganz klare Qualitäten, die ihn für Fans solcher Filme auch heute noch durchaus interessant machen, auf der anderen Seite ist das schon mächtig in die Jahre gekommen (auch verglichen mit gleichaltrigen Filmen) und war sicher auch damals nicht das Maß der Dinge.


Die Vertrauenswürdigkeit in Person.
Punkten kann dieses altmodische Schauerstück ganz klar durch seinen Flair. Dabei kommen ihm seine begrenzten Möglichkeiten sogar positiv zugute. Die wenigen Kulissen – alles natürlich unverkennbar rein im Studio gedreht – können in Kombination mit der ausgiebig genutzten Nebelmaschine eine fast schon beengte, schön kompakte Grundstimmung erzeugen. Das wirkt in der Tat, trotz des leicht billigen Looks, irgendwie bedrohlich und sehr dicht. Die dazugehörige Geschichte hat den Reiz alter Horrorfilme, absolut Potenzial und der Cast ist passend gewählt. Star des Films (obwohl nicht Hauptdarsteller) ist selbstredend die Ikone Christopher Lee. Sein stechender Blick, seine donnernde Stimme und seine phänomenale Aura sind so einmalig, der Mann veredelt jeden Film, der sich mit seinem Charakterkopf schmücken darf. Doch auch die restliche Besetzung, speziell die optisch befremdlichen Dorfbewohner, kann sich durchaus sehen lassen. Was die Atmosphäre und Grundlage anbelangt, ist der Film für Genre-Freunde eine recht gute Wahl.


Auf dem Land wird noch frisch geschlachtet.
Das Problem dabei: Die Story wird viel zu schlicht und arm an Höhepunkten erzählt. Vergleichbare Werke – auch aus dieser Zeit – können da mehr packen. Schöne Stimmung hin oder her, insgesamt plätschert das Ganze irgendwie so dahin. Längen sind zwar absolut ausgeschlossen, dafür ist es mit seinen epischen 75 Minuten einfach zu kurz. Könnte man als positiv sehen, doch so bleibt natürlich auch nur Zeit für das Nötigste. Wenn der Film länger wäre, hätte eventuell die Story mehr Möglichkeiten zur Entfalltung gehabt. Oder es würde langweilig werden, schwer zu sagen. Allgemein wirkt das Werk zu hastig und eingeschränkt runtergekurbelt, wobei sich im Rahmen seiner Möglichkeiten schon Mühe gegeben wurde. Tja, schwierig zu beurteilen, da die Vorzüge das Gesamtprodukt schon sympathisch und interessant machen, nur fehlt dann das gewisse Etwas und die Abnutzungserscheinungen sind zu deutlich.


Wer so was mag, darf sicher einen Blick riskieren und liegt grundsätzlich auch nicht ganz falsch. Fans des klassischen, britischen B-Grusel und vom großen Christopher Lee sollten dem mal eine Chance geben. Seine Vorteile können bei manchen Leuten bestimmt den Ausschlag für eine bessere Bewertung geben. Mir persönlich war das etwas zu wenig. Aber nett ist der schon, hat seinen Charme und könnte irgendwann seine zweite Chance bekommen.


5,5 von 10 verfluchten Dörfern.

Review: CONJURING - DIE HEIMSUCHUNG - Olle Kamelle mit gutem Geschmack

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Fakten:
Conjuring - Die Heimsuchung (The Conjuring)
USA, 2013. Regie: James Wan. Buch: Chad & Carey Hayes. Mit: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Joey King, Mackenzie Foy, Shannon Kook, John Brotherton, Sterling Jerins, Marion Guyot u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: ab 16 Jahren freigegeben. Ab 17. Januar 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1971 bezieht die 7-köpfige Familie Perron ihr neues, abgelegenes Haus. Schnell stellen sich merkwürdige Ereignisse ein. Die Uhren bleiben jede Nacht um 3:07 stehen, Mutter Carolyn ist übersäht mit unerklärlichen Blutergüssen, alles noch recht harmlos. Bis der Terror zunimmt. Carolyn und ihre Mädchen erleben die pure Angst. Verzweifelt wenden sie sich an das Ehepaar Warren. Ed und Lorraine sind speziallisiert auf paranormale Phänomene. Auch sie stellen schnell fest, dass in dem Haus eine dämonische Präsenz herrscht. Ein Exorzismus scheint die einzige Lösung. Doch selbst die erfahrenen Warrens stossen fast an ihre Grenzen, denn mit so was haben auch sie es noch nicht zu tun gehabt.

                                             
                                  


Meinung:
Um mal eins ganz klar zu stellen: "Conjuring" ist an sich ein Haunted-House-Film wie jeder andere auch. Von der Geschichte. Originalität lässt sich dem neuen Film von James Wan nicht eine Sekunde unterstellen und wer im weiteren Verlauf noch die Hoffnung darauf hat, dürfte enttäuscht werden. Das ist so klassisch und eigentlich schon dutzendfach erzählt, warum sich also das ansehen?


Ich sehe was, was du nicht siehst...
Weil hier jemand am Werk ist, der sich absolut in dem versteht und selbst abgehangene Grusel-Klischees mit einem Wums, einer Präzision und einem Timing serviert, oft sogar um die Ohren haut, dass selbst abgebrühte, vielleicht sogar genre-müde Grusel-Muffel sich ab und an gehörig verjagen werden. Nach seinem Durchbruch mit "Saw", der im Gegensatz zu seinen unzähligen Nachfolgern nicht nur ekelig, sondern clever, spannend und wohl durchdacht war, hat sich Wan komplett dem altmodischen Gruselfilm verschrieben. Sein dritter Ausflug in die Welt der Geister und Dämonen zitiert und orientiert sich, wie schon die Vorgänger "Dead Silence" und "Insidious", fleissig bei den Grossen des Genres, beschreitet keine neuen Wege, was ihnen sicherlich als Kritikpunkt vorzuwerfen ist. Vielleicht ist "Conjuring" in der Hinsicht sogar der Mutloseste, wirklich nichts gibt es hier zu sehen, was nicht schon oft und erfolgreich erprobt wurde. Knarrende Türen, lautes Pochen, Spieluhren, gruselige Puppen, schlafwandelnde Kinder, alte Häuser, böse Flüche, Exzorzismus, einmal Standard bitte. Ist aber kein Problem, wenn jemand es wie Wan versteht, diese staubigen Laken so effektvoll auszuschütteln, das dem geneigten Fan stellenweise die Nackenhaare hochgehen und Gelegenheits-Grusel-Zuschauer sich sicher mit Druck in die Hose scheissen.

Das ideale Spielzeug, sooo süss
Wie schon bei "Insidious" und ansatzweise "Dead Silence" reizt Wan seine Schockmomente bis ins Letzte aus. Das ist so atmosphärisch, erschreckend und auf den Punkt getroffen, dass es fast egal ist, wie oft ähnliches schon gesehen wurde. Das musst du nur richtig machen, dann gefriert bei der ewig gleichen Geisterbahn immer noch das Blut in den Adern. Das sind nicht nur die teils verstörenden Bilder, die wunderbar-schauderhaften Situationen, das ist zu einem nicht geringen Anteil auch der Sound, der dröhnt und hämmert, wie gemacht für einen Kinobesuch oder ein leistungsstarkes Heimkinosystem, damit die Nachbarn auch was davon haben. Sicher, "Conjuring" braucht etwas, um aus den Puschen zu kommen, ganz leichte Ungeduld stellt sich sogar ein, doch in der zweiten Hälfte bleibt kaum Zeit, um mal entspannt die Buxe zu lüften. Da jagt ein Nägelkauer den nächsten, auch wenn alles bekannt ist. Gerade das ist erstaunlich: Niemals hätte ich gedacht, wie effizient heute noch so was funktionieren kann. Daran lässt sich prima ablesen, wie wichtig Verständniss für das Material ist, warum nicht jeder dahergelaufene Auftragsregisseur damit umgehen kann. Wan liebt so was, deutlich zu sehen, und überträgt diese Liebe durch seine Inszenierung auch auf den abgebrühten, erfahrenen Zuschauer.


Hervorzuheben ist auch der Cast, oft nicht die Stärke in einem Film dieses Genres. Wan-Liebling Patrick Wilson und besonders Vera Farmiga liefern eine starke Leistung ab, ganz oben steht die wunderbare Lili Taylor, die war schon ewig nicht mehr so gut wie hier. Ron Livingston ist eher blass, aber das ist ja nichts neues, verschmerzbar. Ungewöhnlich solide agieren die Kinderdarsteller, wenn das mal immer so wäre.


"Conjuring" ist ganz klar nicht besonders kreativ, das ist auch der einzige Haken. Sonst sehr starkes Gruselkino, altbacken, aber niemals trocken. Gerne mehr davon, aber bitte nur so, sonst wird es schnarchig.

7,5 von 10 Hexen-Häuschen

Review: SUSPIRIA - Argentos Meisterstück

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Fakten:

Suspiria
IT, BRD, 1977. Regie: Dario Argento. Buch: Dario Argento, Daria Nicolodi. Mit: Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci, Alida Valli, Miguel Bosé, Barbara Magnolfi, Susanna Javicoli, Eva Axén, Udo Kier u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: keine Freigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Suzy reißt aus New York nach München, um an einer berühmten Tanz-Akademie zur Ballerina ausgebildet zu werden. Dort gehen merkwürdige Dinge vor sich. Zwei Schülerinnen werden grausam ermordet und unheimliche Geräusche sind nachts zu hören. Jessicas Freundin Sara scheint eine Ahnung zu haben...

                                                                  


 
Meinung:
Dario Argentos "Suspiria" ist ein Lehrstück für handwerkliche Finesse, Atmosphäre, Stimmung und der Beweiß dafür, dass es im Horrorgenre nicht in erste Linie auf ein geschliffenes Drehbuch ankommen muss, wenn die grundliegenden Dinge in derartiger Perfektion beherrscht und ausgeführt werden.

An tanzen ist nicht mehr zu denken
Argento kreirt einen Albtraum in leuchtendem Rot, tiefsten Blau, schillernden Grün und stechendem Gelb, spielt mit den Farbtönen und der Beleuchtung in einem Maß und einer Qualität, dass es atemberaubend ist. In diesem wunderschön-bedrohlichem Bilderrausch gehen die grandiosen Einstellungen und Kamerafahrten fast unter, so dominierend und faszinierend ist Argentos Farbenspiel. Aber eben nur fast. Schon allein optisch ist "Suspiria" ein Hochgenuss der besonderen Art, speziell im Finale wird aus allen Rohren gefeuert, einfach unglaublich. Doch es gibt auch ordentlich was auf die Ohren. Der Score von Goblin & Argento ist so verstörend, bizarr, unheimlich und beängstigend-schön. Diesem audio-visuellen Strudel lässt sich nicht entziehen, er saugt einen förmlich ein.

Keine Angst, der Vogel will nur spielen
Atmosphärisch ist "Suspiria" wie kein zweiter, das sollte mit eigenen Augen und Ohren erlebt werden, beschreiben lässt sich das kaum. Die Stimmung presst einen in den Sessel, die Spannung steigt minütlich, ohne das Argento Tempo und Bodycount rasend voran treiben lassen, womit sich weniger talentierte Regisseure oft retten müssen. Die wenigen Mordszenen sind dafür so deftig und großartig inszeniert, dass die FSK da immer noch ein Problem mit hat, nachvollziehbar (nicht weil es angemessen wäre, nur am Standard der Spaßbremsen gemessen).


Mir fehlen leicht die passenden Worte für diesen Killer von einem Film, mit absoluter Sicherheit einer der besten Genrefilme überhaupt und wahrscheinlich Argentos Meisterstück. Zumindest kaum vorstellbar, wie das noch zu übertreffen ist. Heute schafft er das bestimmt nicht mehr, aber das ist ein anderes, trauriges Kapitel.


10 von 10 blutgetränkten Ballerinas

Review: HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER - Es war einmal im B-Movie-Land...

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Fakten:
Hänsel und Gretel: Hexenjäger (Hansel & Gretel: Witchhunter)
USA, BRD. 2012. Regie und Buch: Tommy Wirkola. Mit: Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen, Thomas Mann, Peter Stormare, Derek Mears, Pihila Viitala, Zoe Bell, Rainer Bock, Fritz Roth, Kathrin Kühnel u.a. Länge: 84 Minuten (Kinofassung), 97 Minuten (Extended Version, Blu-ray exklusiv). FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 22. August auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich


Story:
Als Kinder wurden Hänsel und Gretel unter mysteriösen Umständen von ihren Eltern getrennt und landeten vom finsteren Wald in der Hütte einer Hexe, die aber bereits wenig später im eigenen Ofen landet. Seitdem zog das Geschwisterpaar durch die Welt und machte Jagd auf Hexen. Als sie viele Jahre nach ihrem ersten Hexenmord nach Augsburg kommen, sind aus ihnen echte Profis geworden. Dennoch erwartet sie hier aber ihr bisher schwerster Fall.




Meinung:
Eines sollte sofort klar sein, aber falls es dennoch noch jemanden gibt, der damit liebäugelt „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ zu sehen, werde ich es jetzt unmissverständlich formulieren: Der Film ist Humbug. Der reinste Schwachwinn, gebündelt auf der Kinoleinwand, bzw. der einheimischen Mattscheibe. Eine ziemlich seltsame Mischung aus Fantasy-Action und Märchen-Horror, die schonungslos auf uns Zuschauer losgelassen wird. Furchtbar? Grausig? Mies? Die Idee: ja. Deren Umsetzung aber nicht, die erweist sich als kurzweiliger, lässiger wie temporeicher Spaß angefüllt mit hingebungsvoller, dem Genre des Phantastischen schmeichelnder Absurdität.


"Eier, Milch, fettarmer Joghurt, Hexenskalps."
Das US-Debüt des norwegischen Regisseurs Wirkola, der in Australien Film studierte und mit der ziemlich müden „Kill Bill“-Parodie „Kil Buljo“ das erste Mal auf sich aufmerksam machte und dann 2009 mit „Dead Snow“ bei Splatterfans für fröhliche Furore sorgte, lebt voll und ganz vom eigenen Bewusstsein nicht mehr darbieten zu können (und zu wollen), als hemmungslose Freude an Ungereimtheiten sowie Übertreibungen. Hänsel und Gretel scheinen mit ihrer Mentalität und Auftreten direkt aus einem B-Western zu entspringen. Erst schießen, dann fragen. Es sind eh alle Hexen böse. Klar, da schwingt eine misogyne Note durch Wirkolas Film. Diese wird zwar nicht damit entkräftet, dass Hexen als dämonische wie auch naturalistische Gestalten portraitiert werden und auch gegen Ende, wenn Hänsel, Gretel und der Zuschauer ein bisschen mehr Erfahren über die verschiedenen Arten von Hexen, entkräftet dies nicht das wenig latente Gefühl der Diskriminierung. Dass dies nicht zu einem Ärgernis verkommt, ist relativ simpel: Wer den Film wirklich so ernst nimmt, dass er glaubt er würde eine frauenfeindliche Haltung besitzen, dem ist die Ironie von Wirkolas Besenflieger-Hatz vollkommen entgangen und wohl auch dass Gretel sich durchaus emanzipiert durch das Abenteuer schlägt.


Besonders viel zum nachdenken bietet „Hänsel & Gretel“ abseits davon aber nicht. Dafür weckt er Erinnerungen und zwar trotz seiner modernen Action-Stilistik, an die Zeiten, als Märchen noch finster und grausam waren. Alleine das Design der verschiedenen Hexen erweist sich als wunderbarer Verweis an staubige, schwere Märchenbücher in deren Inneren schauerliche Zeichnung und Beschreibungen auf den Lesern warteten. Vielleicht tat das mitwirken von Europäern – gedreht wurde zum Teil in Babelsberg – dem Film gut. Anders als in anderen, vornehmlich amerikanischen Märchenfilmen, wirkt hier alles wunderbar erdig und kitschfrei. Besonders deutlich wird dies bei den Hexen. Jede besitzt über einen eigenen Look und diese erinnern zum Teil an Gothic Metal, aber auch an die schön-schrecklichen Fratzen eines „Tanz der Teufel“. Henrietta lässt schön grüßen.


Hänsel. Mal ehrlich wer zittert bei diesem Namen nicht?
Trotz allem funktioniert „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ weniger als Horrorstück, sondern mehr als spaßbetonte Action-Gaudi. Tommy Wirkola hält dabei durchaus gut die Balance. Er weiß wann Pausen ratsam sind und wann es wieder halsbrecherische Aktionen im Zentrum stehen sollten. Dabei verlässt er sich nicht nur auf handelsüblichen Radau. Ohne mit der Wimper zu zucken lässt er auch magisches, blutiges und fremdländisches zu. Was ein Troll bei Hänsel und Gretel zu suchen hat? Keine Ahnung, aber auch dieser bringt amüsante Momente in die Inszenierung mit ein. Leider haben die „Hexenjäger“, die u.a. von Will Ferrell produziert wurden, den Fehler, dass sie storytechnisch häufig Erwartungen schüren, diese aber zu oft nur marginal behandeln. Hänsels Diabetes, der Zwist zwischen dem Amtsrichter und dem Bürgermeister sowie Gretels Fan und dessen Schwärmerei für sie, dies wird alles so in die Geschichte integriert, dass eine Fortführung dieser Handlungsfragmente unausweichlich scheint. Sie werden dann aber nur zaghaft oder sehr halbherzig weiterentwickelt oder sogar ganz und gar fallengelassen.


„Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ ist sicherlich nicht perfekt. Hinter seiner ironischen Art steckt ein sehr einfaches Konzept und mit seinem Duktus aus Action, Blut, Humor und Horror kann er nicht dauerhaft kaschieren, dass er doch recht häufig sehr krampfhaft versucht seinen Stil aufrecht zu erhalten. Wer gravierende Fehler sucht, wird sie hier definitiv finden. Wer ohne größere Ansprüche unterhalten werden will allerdings auch und wer mal wieder ein Werk sehen will, dessen 3D überzeugt, ist hier auch richtig.

7 von 10 zerteilten Bibi Blocksbergs