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Trailerpark: Simon Pegg macht auf Walter Mitty - Trailer zur Bestseller-Verfilmung HECTOR AND THE SEARCH FOR HAPPINESS

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„Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von Autor Francois Lelord war eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre. Nun wartet auch die Verfilmung darauf, die Welt zu erobern. Simon Pegg spielt darin den Psychiater Hector, der durch die Welt reist, um nach dem wahren Glück zu suchen. Der neue Trailer wirkt wie eine etwas europäischere Version von Ben Stillers letzter Regiearbeit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Bei „Hector and the Search for Happiness“ geben sich allerdings wesentlich mehr internationale Schauspieler die Klinke in die Hand. Mit dabei sind: Rosamund Pike, Jean Reno, Stellan Skarsgard,  Toni Collette, Christopher Plummer, Togo Igawa sowie Marianne Sägebrecht und Veronica Ferres (!). Regie führt Peter Chelsom („Funny Bones“, „The Mighty“). Wir wünschen viel Spaß mit dem Trailer. Uns sieht das Ganze etwas zu glatt aus.


Review: MISSION: IMPOSSIBLE – Brian De Palma definiert den Agenten-Thriller neu

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Fakten:
Mission: Impossible
USA. 1996. Regie: Brian De Palma.
Buch: David Koepp, Robert Towne, Steven Zaillian. Mit: Tom Cruise, Ving Rhames, Emmanuelle Béart, Jean Reno, Jon Voight, Vanessa Redgrave, Henry Czerny, Emilio Estevez, Kristin Scott Thomas u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die CIA hat ein Problem: Ein Verräter bietet einen brisante Liste zum Verkauf an. Wer auch immer dieser Liste erwirbt, besitzt dann Informationen, die dutzende Agentenleben und noch mehr Missionen gefährden. Das Team rund um Jim Phelps und Ethan Hunt sollen in Prag die Liste wieder in ihren Besitz bringen, doch der Einsatz läuft schief. Nur Ethan überlebt und gilt nun beim CIA als Maulwurf. Nun muss Ethan eigenhändig versuchen alles wieder ins Reine zu bringen.





Meinung:
Wir schreiben das Jahr 1996: Brian De Palma hat Höhen genossen, hat Tiefen überwunden. Man wusste nie so recht, woran man bei diesem Regisseur letzten Endes war, auch wenn er vor dem Millennium nur mit „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wirklich daneben gegriffen hat. Den Fehler finden wir eher beim Publikum, dass sich nicht immer mit De Palmas unkonventioneller Art anfreunden konnte und ihn auf Oberflächlichkeiten herunterbrechen versuchte: Ein geschmackloser Onkel, der sich an seinem ausgeprägten Gewalt-Fetisch labt und nebenbei noch mit einem Faible für nackte Haut dasteht. Doch 1996 war ein Jahr im Schaffen De Palmas, in dem er allen Erwartungen nicht nur gerecht wurde, nein, er hat sie sogar mühelos übertrumpft: „Mission: Impossible“ kam in Kinos, die Adaption der 70er Jahre Fernsehserie „Kobra, übernehmen Sie!“, mauserte sich zum kommerziellen Kracher und definierte durch eine treffsichere Modernisierung gleichzeitig noch das staubige Agenten-Genre bis auf Weiteres neu.


Hier googelt Tom gerade nach unserem Blog, wirklich!
„Mission: Impossible“ verbindet die formale Stärke De Palmas mit einer ausgeklügelten Story, die, ganz ohne verschiedene Bewusstseinsebenen, zum intelligenten Schlagabtausch des internationalen Casts führt. Stephen H. Burums Kameraarbeit ist schlichtweg famos: Ob es die Aquarium-Szene ist, der ikonische Einbruch in die Stahlkammer oder das Finale auf dem Hochgeschwindkeitszug: Alles schreit nach purer Kinetik, pures Bewegungskino, dynamisch ineinander montiert, aber so pointiert illustriert, dass sich die Bilder niemals um ihre Übersicht sorgen müssen. Dass Titel-Theme zur Serie „Kobra, übernehmen Sie!“ von Lalo Schifrins wurde beibehalten, allerdings in einer etwas abgeänderten Form neuabgemischt – und damit eben auch legendär gemacht. Wenn sich dann noch Danny Elfman, einer der besten Komponisten unserer Zeit, um die weitere Untermalung kümmert, dann liegt die Vermutung, dass wir es hier nicht nur aus visueller, sondern auch aus auditiver Sicht mit einem Meisterwerk zu tun bekommen, gewiss nicht fern. In den 1990er Jahren zählt „Mission: Impossible“ innerhalb dieser beiden Aspekte sicher zu Creme de la Creme.


"Lösch das YouTube-Video!"
Mit seinen Auftritten in „Geboren am 4. Juli“ und „Top Gun“ hat sich Tom Cruise einen Ruf in der Filmwelt gemacht, der ihn gleichwohl als talentierten Schauspieler postulierte, aber auch als Frauenschwarm, der das weibliche Geschlecht aufgrund seines Aussehens in die Kinos locken könnte. Mit „Mission: Impossible“ aber gelang ihm der endgültige Durchbruch und Cruise, hier noch Lichtjahre entfernt von seinen exponierten Manierismus, avancierte zum Superstar. Sein Charakter Ethan Hunt, der nicht mehr auf der zugrundeliegenden Serie basiert, sondern der Feder David Koepps und Co. entsprungen ist, weiß durch eine interessante Kontrastierung zu gefallen: Äußerlich wirkt dieser Ethan Hunt unschuldig und unverbraucht, doch gerade dieses jugendliche Verve in seinem Spiel verlangt ihm eine Reife ab, die es ihm erst ermöglicht, den Film als Hauptdarsteller zu stemmen, anstatt ihn mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen den Bach runtergehen zu lassen. Neben Cruise darf man sich an Jon Voight, Kristin Scott Thomas, Jean, Emilio Estevez und Ving Rahmes erfreuen, deren Auftritte zwar im Vergleich zu Cruise deutlich beschränkt wirken, aber durchaus Spaß bereiten – Anders als Emmanuelle Béart, die hier furchtbar überfordert wirkt.


Typisch Geheimagent, immer am hetzen, immer in Eile
Wer 'Agent' sagt, der muss auch 'James Bond' sagen - Tomas Alfredson wunderbare Genre-Entmystifizierung 
Dame, König, As, Spion“ hat uns inzwischen eines Besseren gelehrt, doch Stand 1996 ließen sich die Dinge noch etwas anders verlauten. In jedem Jahrzehnt seines ersten Auftrittes hielt James Bond das Zepter des Agenten-Sujets fest in den Händen, bis Ethan Hunt kam und endlich wieder frischen Wind mitbrachte: Ein gewitzter Knabe, kokett, antizipierend, aber auch mit Schwächen, dem Verzweiflung genauso gut steht wie der aufbrausende Übermut. Inmitten des ersten Einsatzes, in dem Hunt es mit einem Duplikat der ominösen NOC-Liste zu tun bekommt, in der alle Decknamen osteuropäischer Agenten eingetragen sind, um durch diese an den Maulwurf in den eigenen Reihen heranzukommen, macht „Mission: Impossible“ bereits augenfällig seine Prämisse deutlich: Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Da wären wir bei der symptomatischen Marschroute De Palmas, allerdings ist „Mission: Impossible“ sich der Realität vollkommen im Klaren: Der Zuschauer soll etwas herausgefordert, aber nicht frech für blöd verkauft werden. Der fintenreiche Zyniker De Palma fungiert hier nach den Regeln des Studios und lässt den eigenen Wahnsinn in den heimischen vier Wänden.


Vielmehr ist hier ein Kaugummi nicht einfach nur ein Kaugummi, sondern entpuppt sich als kleiner Sprengkörper; eine Brille dient nicht nur zur Verbesserung der Sicht, sondern besitzt eine integrierte Kamera, die Zielpersonen observiert und feinsäuberlich in einer Datenbank abspeichert. „Mission: Impossible“ ist ein Film, in dem eine Wendung die nächste jagt und spinnt daraus ein Netz aus Lügen, Verrat und Intrigen, in dem man keinem Menschen vertrauen kann – vielleicht sogar nicht einmal sich selbst. In diesem Netz müssen sich Protagonisten wie Zuschauer zurecht finden, denn wenn „Mission: Impossible“ einmal davon braust, wird es nahezu unmöglich, den dramaturgischen Faden wieder aufzunehmen, eben weil das Drehbuch so nuanciert und durchdacht daherkommt, sich aber nie mit pseudo-komplexen Orden schmücken möchte. Obgleich „Mission: Impossible“ zuweilen verstrickt wirkt, bleibt er geerdet, spannend und unterhaltsam, weniger auf den großen Effekt ausgelegt, als auf eine ausgetüftelte Story, die Spannungsklimaxen bewusst positioniert und den Zuschauer nicht übersättigen möchte. Zu Recht ein Klassiker, der heute sogar mit seinem Retro-Charme einen Hauch besser gefällt.


7,5 von 10 halsbrecherischen Einbrüchen


von souli

Review: DIE PURPURNEN FLÜSSE – Kalter Nervenkitzel in den französischen Alpen

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Fakten:
Die purpurnen Flüsse (Les Riviéres pourpres)
Frankreich. 2000. Regie: Mathieu Kassovitz. Buch: Matthieu Kassovitz, Jean-Christophe Grangé. Mit: Jean Reno, Vincent Cassel, Nadia Farés, Dominique Sanda, Jean-Pierre Cassel, Karim Belkhadra, Didier Flamand u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Während es der berühmte Kommissar Niémans (Jean Reno) zu einem Mordfall in einen Universitätsort in den französischen Alpen gerufen wurde, bei dem das Opfer verstümmelt wurde, hat es Kommissar Max Kekerian im 200 Kilometer entfernten Sarzac mit Grabschändung an einem Grab eines vor 20 Jahren unter mysteriösen Umständen umgekommenen zehnjährigen Mädchens zu tun. Nach und nach weisen beide Filme immer mehr Berührungspunkte auf und die beiden unterschiedlichen Polizisten müssen sich wohl oder übel zusammentun.




Meinung:
Eine Anfangsszene, die stark an Stanley Kubricks Psychohorror-Film Shining erinnert. Die Kamera verfolgt aus einer Helikopterperspektive die Fahrt eines Autos eine gebirgige Landstraße entlang. Aber im Auto sitzt nicht Jack Torrance auf seinem Weg zu einem abgeschiedenen Hotel, sondern Kommissar Pierre Niémans, der zu einem bestialischen Mord in die französischen Alpen gerufen wird. Das Opfer wurde gefoltert, grausam zugerichtet, die Hände und Augäpfel wurden mit großer Präzision entfernt. Zeitgleich ermittelt der junge, draufgängerische Kommissar Max Kerkerian über 200 Kilometer entfernt in einem Fall von Grabschändung, bei dem die Gruft eines vor 20 Jahren auf mysteriöse Weise von einem LKW brutal überfahrenen Mädchens, das später nur noch anhand eines Fingers identifiziert werden konnte, aufgebrochen und mit Hakenkreuzen beschmiert wurde.


Für Niémans und Kerkerian wird es gefährlich
Eine spannende Ausgangssituation hat er ja, dieser Thriller von Mathieu Kassovitz, der auf dem gleichnamigen Buch von Jean-Christophe Grangé basiert, die zusammen auch für das Drehbuch verantwortlich sind. Der Film hält sich in groben Zügen an die Vorlage, kleinere Änderungen tun der Spannung des Films keinen Abbruch. Einzig die Veränderung von Vincent Cassels Figur ist etwas schade. Während im Roman der Kommissar Karim Abdouf heißt, aus Nordafrika stammt und eine viel detailreichere Vorgeschichte zu bieten hat, wird er im Film doch ein wenig in seiner Persönlichkeit beschnitten und es fehlen viele unterhaltsame Möglichkeiten, wie sich die beiden unterschiedlichen Kommissare in die Haare kriegen. Wahrscheinlich ist der Grund aber ganz einfach: Die Filmemacher hatten die Chance, Cassel, der schon damals ein Darsteller mit großem Namen war, für den Film zu gewinnen und da wird dann eine Figur gerne auch mal nicht wenig verändert.


Allerdings ist es das überzeugende Spiel der beiden Hauptdarsteller Vincent Cassel und Jean Reno, das diese Veränderung gänzlich ausgleichen kann. Sie spielen die unterschiedlichen und doch so ähnlichen Bullen überragend. Cassel kann dabei durch jugendlichen Elan, viel Esprit und akrobatische Kampfeinlagen punkten, Renos größte Stärke liegt wohl darin, zahlreiche unterschiedliche Facetten in seinen Charakter zu legen: dickköpfig, verschlossen, verständnisvoll, ängstlich, hasserfüllt, freundlich, grummelig, gewalttätig. Und das alles immer glaubhaft. Ganz großes Schauspiel, von beiden. Wie bereits erwähnt ist der Film durchaus spannend und kann besonders mit seiner Atmosphäre punkten. Relativ kühl gehalten wirkt der ruhige Soundtrack wie ein langsames Rollband, das den Film unaufhaltsam begleitet. Relativ brutale Bilder können aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Story, wenn auch anscheinend bewusst, mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Fragen, die am Ende auch einfach so im Raum stehen und die das Gesamtbild zumindest ein wenig trüben. Aber vielleicht kann ja jeder diese Fragen für sich selbst schlüssig beantworten.


7 von 10 Gräber mit Hakenkreuzen


Review: LÉON - DER PROFI - Der traurige Riese, die junge Prinzessin und der böse König

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http://www.filimadami.com/afisler/472.jpg

Fakten:
Léon – Der Profi (Léon)
FR, USA, 1994. Regie & Buch: Luc Besson. Mit: Jean Reno, Natalie Portman, Gary Oldman, Danny Aiello, Peter Appel, Willie One Blood, Don Creech, Keeith A. Glascoe, Randolph Scott, Michael Badalucco, Ellen Greene u.a. Länge: 110/133 Minuten (Kinofassung/Director’s Cut). FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.



Story:
Léon ist ein Cleaner, der perfekte Auftragskiller, der für seinen väterlichen Freund Tony mit höchter Professionalität „aufräumt“. Léon lebt nur für seinen Job, bis auf seine Topfpflanze gibt es nichts, was in seinem tristen Leben irgendeine Bedeutung hat. Bis die zwölfjährige Nachbarstochter Mathilda in Todesangst an die Tür seines Appartments klopft. Deren Vater hat Drogenfahnder Stansfield und seinen Männern Stoff geklaut, woraufhin die  „Gesetzeshüter“ die gesamte Familie wenige Minuten zuvor ausgelöscht haben. Nur Mathilda, die gerade einkaufen war, haben sie nicht erwischt. Léon lässt sie rein und rettet ihr damit das Leben. Am nächsten Tag soll sie wieder verschwinden, doch Mathilda schlägt ihm einen Deal vor: Er bildet sie zum Cleaner aus, damit sie Rache üben kann, im Gegenzug bringt sie ihm Lesen und Schreiben bei und erledigt den Haushalt. Trotz Skepsis willigt Léon ein. Das Mädchen bringt seinen Alltag gehörig durcheinander, lässt ihn dabei jedoch erstmals seit etlichen Jahren etwas für einen anderen Menschen empfinden.


                                                                         


Meinung:
Hätte Luc Besson seine Karriere nach „Léon – Der Profi“ an den Nagel gehängt, er hätte wohl alles richtig gemacht. Nicht für sein Bankkonto, das füllt der Franzose seit Jahren beständig und effektiv aus der bequemen Produzentenposition, gibt seinen (inzwischen schon lange nicht mehr so) klangvollen Namen für Actionkracher sehr unbeständiger Qualität her und gab sich nur ganz selten mal wieder als Regisseur die Ehre, ohne dabei zu glänzen. An sich eine traurige Sache, wobei es letztendlich auch wurscht ist, denn diesen Film kann man ihm (und uns) nicht mehr nehmen.


Früh übt sich.
Wie schon bei „Nikita“ (1989, in dem Jean Reno bereits einen Cleaner spielte, was Inspiration zu diesem Film war) verbindet Besson eine Hit-(Wo)Man Geschichte mit viel Gefühl und Emotion, zeigt knallharte Action in Kombination mit melancholischer Romantik und skizziert Figuren, die in dem wenig zimperlichen Feuergefechten nicht untergehen, sondern durch eine fast altmodische, herzerwärmende Weise aus ihnen hervorstechen. Der Killer und das Mädchen, nicht unbedingt neu, aber selten so schön, empathisch, präzise auf den Punkt rührend vorgetragen, ohne auf den Kitsch-Button zu fest einzuprügeln. Dafür gelingt ihm das Feintuning zu genau, steckt zu viel Liebe drin, es wird von allen Beteiligten im genau richtigen Maß abgeliefert, dass sein Film nicht kippt. Sowohl als handwerklich astreines, temporeiches Actionkino ohne zu hanebüchenen Firlefanz (was bei der Marke Besson heute kaum noch möglich scheint), wie als berührende Ballade funktioniert „Léon – Der Profi“. Fast ein modernes Märchen. Der traurige Riese rettet die junge Prinzessin, lässt sein versteinertes Herz durch sie erweichen und verteidigt sie gegen den bösen König und seine Schergen. Sogar ein Ring ist im Spiel...


Da sage noch mal einer, die Jugend hätte keine Ziele.
Jean Reno, in seiner vielleicht besten Rolle, ist der traurige Riese Léon. Ein hochprofessioneller Killer, der wie ein Todesengel aus der Dunkelheit tritt und seine Opfer richtet. Eiskalt, unaufhaltsam, fast unmenschlich. In seinem Job kennt er keine Emotionen, kein Mitleid, bis auf seine goldene Regel: Keine Frauen, keine Kinder. Bist du männlich, erwachsen und stehst auf seiner List, gute Nacht. So unbarmherzig er dort auftritt, so leer und verletzt ist er innerlich. Ein kleiner, verstörter Junge im Körper eines Mannes, der nach getaner Arbeit zurück in seine schäbige Behausung kommt, sich liebevoll um seinen einzigen Freund – eine Pflanze – kümmert, trainiert, Milch trinkt und die Nacht in seinem Sessel verbringt, wartend auf den nächsten Tag. Besson und Reno entwerfen diese Figur so detailliert, bringen sie einem so nah und lassen Mitleid empfinden für einen armen Tropf, zu dem das Schicksal hart war und der eigentlich nichts hat, wofür es sich zu leben lohnt. Reno geht in seiner Rolle voll auf. Jeder Blick, jede Geste beschreibt seine tragische Figur so genau und lässt sie einem ans Herz wachsen (die Szene im Kino, umwerfend). Ein sozialer Authist, der durch das Schicksal bald einen Weg aus seinem Schneckenhaus finden soll.


Abschalten vom stressigen Cleaner-Alltag.
Durch die junge Prinzessin – Natalie Portman in ihrer ersten Filmrolle -  die in höchster Not an seine Tür klopft. Sonst würde er sie dort stehen lassen, doch für einen kurzen Moment lässt er seine sonst überlebensnotwendige Distanz zu anderen Menschen beiseite. Er lässt jemanden in seine Welt, in der eigentlich kein Platz ist. Erst recht nicht für ein kleines Mädchen. Portman spielt für ihr Alter überragend, wirkt erstaunlich reif und kindlich zugleich, wie ihr Charakter im Film. Eine kleine Lolita, altklug und frühreif, dennoch nur ein Kind, was immer wieder hinter ihrer harten Schale hervorkommt. Sie bringt Unregelmäßigkeiten in das kontrollierte, monotone, karge Leben des Riesen. Verstöhrt und irritiert ihn, geht ihm auf die Nerven, reanimiert aber auch Gefühle in ihm, die schon abgestorben schienen. Sie weckt seinen Beschützerinstinkt und gibt seinem Leben das, was seit Ewigkeiten fehlte: Einen Sinn. Wie Besson den Beziehungsaufbau zwischen ihnen schildert ist menschlich, komisch, traurig, sensibel und niemals zu dick aufgetragen. Zumindest nicht zu dick für ein Märchen. Denn nichts anderes ist dies hier.


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Ein Cop wie aus dem Bilderbuch, sieht man schon.
Denn nun kommt der böse König, Gary Oldman als hemmungslos durchgedrehter Psycho-Cop Stansfield. Wenn eine Figur absolut überzogen wirkt, mit voller Absicht, dann diese. Oldman kennt gar keine Zurückhaltung, dreht komplett am Rad und eigentlich müsste man von absurdem Overacting sprechen. Doch in diesem Kontext passt das wie Arsch auf Eimer. Das pure Böse, wahnsinnig bis ins Mark, ein wildes Tier auf Speed. Besson wollte nichts anderes und hat mit Oldman einen Mann gefunden, der das dankend annimmt. Durch diese absurde Überzeichnung gewinnt „Léon – Der Profi“ noch mehr den Charakter einer eigentlich nicht realen Geschichte, die ganz klassischen Erzählmustern- und strukturen folgt, diese nur in einem anderen Gewand präsentiert. Gut gegen Böse, der hässliche Knecht wird zum strahlenden Ritter, verpackt in eine Thriller-Tragödie mit knackiger Action.


Luc Besson macht natürlich hier kein hoch anspruchsvolles Kino, wohl keine „Filmkunst“ im cineastischen Sinne, das ist nicht Truffaut oder Antonioni, das ist Unterhaltung. Allerdings die große Kunst der Unterhaltung, nicht einfach hingerotzt, und dann doch mehr als „nur“ Entertainment. Da steckt so viel drin, ist so gut gemacht, liebt seine Figuren und lässt sich in sie verlieben, macht Spaß und ist kein beliebiger Budenzauber, der nach dem Konsum wieder vergessen ist. Dieser Film verliert tatsächlich nie etwas von seiner Magie (bezogen auf den Director’s Cut, die Kinofassung ist im Vergleich eine Frechheit), kann nach Jahrzehnten noch so mitnehmen wie damals und wenn das der Fall ist, was könnte man  denn besser machen ? Manchmal kann man die Liebe zu einem Film nicht in vielen Worten erklären, es ist das Gefühl. Wie bei Liebe allgemein.

10 von 10 Litern Milch.