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Review: LONDON HAS FALLEN - Ein Actionfilm für Donald Trump

1 Kommentar:

Fakten:
London Has Fallen
USA. 2015.
Regie: Babak Najafi. Buch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Chad St. Joh, Christian Gudegast. Mit: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Charlotte Riley, Alon Moni Aboutboul, Angela Bassett, Melissa Leo, Radha Mitchell, Jackie Earle Haley, Robert Forster, Colin Salmon, Sean O’Bryan, Waleed F. Zuaiter u.a. Länge: 99 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach dem plötzlichen Tod des britischen Premierministers finden sich die Staatsoberhäupter der westlichen Welt in London ein, um der Beerdigung beizuwohnen. Dazu zählt auch Benjamin Asher, Präsident der Vereinigten Staaten. Doch an trauern ist nicht mehr zu denken, als Terroristen die englische Metropole mit taktischen wie überaus zerstörerischen Angriffen überziehen und dabei bis auf Asher auch sämtlichen Politiker des Auslands ermorden. Asher kann dank der Hilfe seines Bodyguards Mike Banning entkommen. Gemeinsam fliehen sie in den Untergrund und versuchen irgendwie zu überleben, denn in der jetzigen Situation können sie niemanden wirklich trauen.




Meinung:
Er kam quasi aus dem Nichts, dieser Actionfilm mit dem Titel „Olympus Has Fallen“ aus dem Jahre 2013 und trotz dessen gelang es ihm an der Kinokasse ordentlich einzuschlagen und sogar de storytechnisch ähnlich gelagerten „White House Down“ von Roland Emmerich in Sachen Einspielergebnis zu toppen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis Gerard Butler als Präsidenten-Beschützer Mike Banning zurück auf die Leinwand kommt, um erneut seinen Schützling vor terroristischen Abgriffen zu schützen. Diesmal geht dabei aber nicht bloß das Weße Haus zu Bruch, sondern halb London sowie die mächtigsten Politiker der Welt –natürlich abgesehen vom Präsidenten.


Damit das klar ist: Wenn Banning Leute foltert ist das absolut okay!
Dass Banning erneut zur scheinbar einzigen Lebensversicherung des mächtigsten Mannes der Welt wird, liegt an einem groß angelegten Plan von Terroristen, die eine Trauerfeier in London nutzen, um kompromisslos deutlich zu machen, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Der Initiator des Terror-Großangriffs ist dabei der Waffenhändler Barkawi. Hier gelingt dem Film zu Beginn eine kleine Überraschung, denn statt Barkawis Gründe für seine bestialischen Pläne mit simplen Gut-Böse-Mentalitäten abzuhaken, erzählt „London Has Fallen“ wie ein militärischer Drohnenangriff der Großmächte dazu führte, dass ein Großteil von Barkawis Familie – und mit ihnen dutzende von Unschuldige – den Tod fanden. Dessen großspurige Rache ist also nicht mehr als eine Reaktion. All das, was danach folgt entspringt dem politischen wie militärischem Kalkül der großen Nationen. Daraus lässt sich nicht bloß dramaturgisch einiges machen. Doch obwohl sich „London Has Fallen“ diese große Chance aufbaut, die vollgestopft ist mit Ambivalenzen, nutzt sie der Film nicht. Als gäbe es die ersten Minuten nicht, wandelt der Actioner lieber brav auf einfachen Wegen: Die sind böse, wir gut.


2 der 3 Darsteller auf diesem Bild werden verheizt
Aber diese krude und faule Mentalität ist bei weitem nicht das Übelste, was „London Has Fallen“ seinem Publikum auftischt. Wie beim Vorgänger von Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) wird auch hier alles, was nicht amerikanisch ist, entweder als gefährlich, urchtrieben oder schlicht und ergreifend inkompetent dargestellt. Das gipfelt dann sogar in Szenen, in denen andere Führer großer Nationen zuerst mit allerlei Klischeegesuppe vorgestellt werden, nur um sie dann meist explosiv über die Klinge zu schicken. sogar unsere Bundeskanzlerin erhält ein nicht unbedingt gut getroffenes Doubles, welches von einer Darstellerin namens Nancy Baldwin gespielt wird. Was noch um einiges schmachvoller ist, ist jedoch wie dreist „London Has Fallen“ moralisch zu Werke geht. Wenn die Terroristen töten, wird dies immer als grausam und menschenverachtend dargestellt (was es ja auch ist), aber wenn der Held des Films, Mike Banning, auf teils rabiateste und widerlichste Weise seine Gegner foltert und exekutiert, zelebriert „London Has Fallen“ dies mit einer solch denkwidrigen moralischen Blauäugigkeit, dass es mental schmerzt. „London Has Fallen“ ist zweifelsohne die perfekte Masturbationsvorlage für Leute wie Donald Trump.


Juhu, der Schulausflug fällt aus
Auch abseits davon gelingt es dem Sequel nicht zu überzeugen. Gerard Butler spielt den Helden auf Autopilot und Morgan Freeman hockt die meiste Zeit regungslos auf seinem Sessel und starrt mit anderen, teils hochklassigen, Darstellern diverse Bildschirme an und darf typische Gesten und Sätze („Oh my god“) von sich geben. Aber gut, sein wir ehrlich, es geht eigentlich doch um die Action. Die empfanden viele Zuschauer ja bereits beim ersten Teil als hervorragend und ja, auch wenn „Olympus Has Fallen“ alles andere als ein guter Film war, so waren seine Actionszenen doch zumindest ausgestattet mit drängender Kinetik und Energie. Bei „London Has Fallen“ wurde nun zwar die Masse an Explosionen erhöht, nur wirklich durchschlagend sind diese selten, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass die Spezialeffekte des Sequels noch einmal wesentlich schlechter aussehen als wie eim Vorgänger. Es gibt heutzutage Direct-To-DVD-Actionfilme, die es verstehen, ihre CGI-Actionszenen besser und authentischer aussehen zu lassen, als „London Has Fallen“.


Banning und der Präsident im Londoner Untergrund
Inszeniert hat das Sequel der gebürtige Iraner Babak Najafi, der als Kind mit seiner Familie nach Schweden auswanderte und sich dort als Autor und Regisseur einen Namen machte. Leider wird „London Has Fallen“ dieser Vorab-Reputation nicht würdig, dabei bewies Najafi alleine durch seine Arbeit bei der wunderbaren wie knallharten Actionserie „Banshee- Small Town, big Secrets“ bereits, dass er in der Lage ist heftige Action, Mann gegen Mann, effektiv und einprägsam zu inszenieren. Allerdings besitzt „Banshee“ etwas was „London Has Fallen“ fehlt: den Mut sich einzugestehen, was es ist. „London Has Fallen“ ist nicht mehr als eine Fließbandproduktionen, möchte aber gerne bei den großen Genre-Vertretern mitspielen. So wird z.B. versucht Held Mike Banning auch außerhalb seines Job zu charakterisieren, doch das Ergebnis ist nicht nur billig, sondern schlicht und ergreifend ausdruckslos, weil dem Publikum auch hier nur wieder alte Kamellen aufgetischt werden und diese werden dazu noch nicht einmal neu drapiert oder verpackt.


Es gibt also wirklich nicht viel zu loben bei „London Has Fallen“, außer vielleicht Kameramann Ed Wild. Der Brite versucht zumindest mit seiner Linse hin und wieder ein paar neue und frische Perspektiven einzufangen. Doch das geht im stumpfen wie überheblichen Actiongewitter sang- und klanglos unter und hätte vermutlich auch nicht wirklich weitergeholfen, denn „London Has Fallen“ wäre wohl ein ziemlich verachtenswertes Stück Film geblieben.



1,5 von 10 Fuck Yous

Review: THURSDAY - EIN MÖRDERISCHER TAG - Ärger frei Haus

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Fakten:
Thursday – Ein mörderischer Tag (Thursday)
USA, 1998. Regie & Buch: Skip Woods. Mit: Thomas Jane, Aaron Eckhart, Paulina Porizkova, James Le Gros, Paula Marshall, Michael Jeter, Glenn Plummer, Mickey Rourke, Luck Hari, Bari K. Willerford, Richard Wong u.a. Länge: 84 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Vor gut vier Jahren hat Casey seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen, Architektur studiert seine Traumfrau Christine geheiratet. Statt Drogendeals und Schusswechseln leben sie nun den erzkonservativen Spießertraum mit schickem Vororteigenheim. An einem Donnerstag steht plötzlich sein ehemals bester Freund und Partner Nick vor der Tür. Casey ist wenig begeistert von dem Besuch. Als Nick sich kurz Caseys Auto leiht, entdeckt dieser im Handgepäck seines Kumpels einen Koffer voller Heroin. Wutentbrannt jagt Casey den Stoff durch den Müllzerkleinerer. Damit ist der Ärger allerdings nicht abgewendet: Es klingelt an der Tür und für Casey beginnt ein ziemlich hektischer und blutiger Tag.


                                                                   


Meinung:
-„Tut mir leid, ich hab‘ den Türschlüssel nicht gefunden.“
-„Ich habe keinen Schlüssel gehört.“
-„Das ist richtig…ich habe ihn nicht gefunden…“


Ding-Dong. Mit seiner einzigen Regiearbeit hat der sonst als Drehbuchautor bekannte (und gefürchtete) Skip Woods tatsächlich mal etwas halbwegs richtig gemacht. Zwar schwimmt sein B-Movie „Thursday“ ganz unverblümt auf dem Tarantino-Hype der 90er mit, aber wenn es Spaß macht, warum nicht? Lieber so was, als kultige Serien („Das A-Team“) oder grandiose Filmreihen („Stirb Langsam“) zu vergewaltigen.


Das gibt wohl maximal die Restekinder.
So ein Donnerstag in Spießerhausen ist in der Regel eine recht beschauliche Veranstaltung. Wenn nicht gerade der kriminelle Ex-Kollege mit dem Dope im Köfferchen vorbeischaut, dessen Rattenschwanz einen den ganzen Tag mächtig auf Trab hält. Tag der offenen Tür bei Ex-Gangster Casey, der Hochprozentiges gegen Soya-Milch und Pistolen-Gürtel gegen Schürze in Kuh-Optik eingetauscht hat. Einfaches, durchaus amüsantes Konzept, besonders wenn der schnüffelnde Psychologe von der Adoptionsbehörde ausgerechnet auch noch an diesem Donnerstag vorbeischaut. Besagter Dr. Jarvis (Michael Jeter, irgendwie immer sehenswert) sorgt auch gleich für die besten Szenen und Situationen (-„Ich habe es kaputt gemacht.“ –„Aus Wut?“ –„Ja! ....Ich meine, nein…“). Immer dann, wenn Woods mehr auf pointierte, teils gut getimte, durchgehend recht schwarze Situationskomik setzt und weniger auf dicke, coole Hose macht, funktioniert „Thurday“ absolut prächtig. Dagegen wirken die weniger amüsanten Szenen (Stichwort: Drogendeal-Rückblende) zu Möchtegern-taff und gezwungen. Sie nehmen Gott sei Dank nur einen geringen Teil ein, insgesamt holt Woods eben nicht alles aus den Möglichkeiten raus. Dank der überschaubaren Laufzeit gibt es keine Chance auf Längen, gleichzeitig aber auch keine total eigenständigen und dabei enorm herausragenden Situationen. Kurzweilig ist die Räuberpistole absolut, hat einige räudige Lacher im Programm und ist bei weitem die sympathischste Nummer, für die sich der im A-Bereich gestrandete und dort immer gescheiterte Woods bisher zu verantworten hatte.


Ein Profi kann alles wieder schweißen.
Auch der Cast ist erstaunlich bekannt, wobei er nicht aus damals hochwertigen Leuten besteht. Eher aus der Kategorie „kenne ich irgendwo her“, „war mal wer“, oder „aus dem wurde mal was“. Hauptdarsteller Thomas Jane kommt leider stocksteif und arg hölzern daher, Aaron Eckhart überzeugt weit mehr, darf sich nur nicht so ausführlich präsentieren. Sonst der schon erwähnte Michael Jeter, James Le Gros, Glenn Plummer und als Schmankerl (?) Mickey Rourke in einer seiner ganz schlimmen Phasen. Gut, für die paar Minütchen geht das noch, nur immer wieder traurig, wie der mal (und inzwischen wieder) durch die Gegend gegeistert ist, immer hart an der Grenze zur Sozialhilfe.


„Thursday“ ist mit Sicherheit lange nicht so geil wie er wohl gerne wäre, kann dennoch immer mal wieder als flotte Abendunterhaltung aus der Kiste gezaubert werden, wenn die Intervalle dementsprechend großzügiger sind. Ein paar KUHle Momente hat er schon. 

6 von 10 dicken Ersatzreifen

Special: BRIAN DE PALMA – Die sukzessive Demontage einer einstigen Ikone

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Verantwortlich für meisterhafte Genrefilme und echte Klassiker wie „Blow Out“, „Scarface“, „The Untouchables“ und „Die Verdammten des Krieges“, hat Brian De Palma mit der Jahrhundertwende offenkundig viel seines ehemaligen Mojo verloren. Richtig, richtig schlecht wurde es dabei zwar nur selten, doch von der einstigen visuellen Kraft und der informalen Intelligenz scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Ein Meister auf Sparflamme. Hier ein kleiner Überblick über einige Werke von Brian de Palma, die er mit dem Jahre 2000 auf die Beine stellte.


MISSION TO MARS (2000)
Im Kino von Brian De Palma ging es immer um die Wahrnehmung wie die Auffassungsgabe des Zuschauers und darum, wie schnell diese dann durch gewitzte Kniffe mehr oder weniger leichte Risse davon tragen kann. „Mission to Mars“ wird mit einer Szene eröffnet, die in ihrer Konzeption und ab-sichten patentiert für De Palma scheint: Eine Rakete steigt anmutig in den Himmel empor, ein dumpfer Knall ertönt und kräuselnde Luftschlangen verteilen sich über dem Bildschirm. Von derlei wirksamer Manipulation ist De Palma im Folgenden allerdings nur noch weit entfernt, stattdessen aber entpuppt sich „Mission to Mars“ als ein waschechter Blender – Und das Drehbuch dreht De Palma zum ersten Mal einen Strick, weil es ihm keinerlei Chance auf ein reflexives Hintertürchen gewährt. Verschleiert als große Antiklimax, die, wie es heute mal Gang und Gäbe im Science-Fiction-Genre ist, fortwährend auf „2001“ schielt, sich in Elegie situiert und doch keine adäquaten Bilder findet, die dem Weltall gerecht werden. Richtig ärgerlich wird „Mission to Mars“ allerdings erst gegen Ende, wenn das Drehbuch die Evolutionstheorie auf Links krempelt und eine ungemein reaktionäre Sichtweise propagiert: Der weiße Mann muss entdecken (erobern), weil es seine Aufgabe ist, weil es ihm als Bestimmung im Blut liegt. Esoterischer und artifizieller Unfug, fernab von extraterrestrischen Naturalismus oder den horizonterweiternden, visionären Denkanstößen eines Stanley Kubricks.


4 von 10 friedlichen Gesten


FEMME FATALE (2002)
Eine Frau ohne Gewissen findet sich selbst in der gedrungenen Doppelung und entzweit sich wieder im symbolischen Bekenntnis ihrer Identität: Brian De Palma lässt die titelgebende Femme Fatale zu Luft kommen, anstatt sie untergehen zu lassen. Nachdem sich De Palma mit Zitaten und der für ihn standardisierten motivischen Aufbereitung seiner Vorbilder in den letzten Jahren zurückgehalten hat – oder zurückhalten musste -, darf er sich mit „Femme Fatale“ mal wieder ganz der Cineastik hingeben und das vermengen, was sein Herz höher schlagen lässt. Alfred Hitchcock ist genauso präsent wie De Palmas eigene Vita und der klassische Film Noir. Ob De Palma den Mythos rundum die verführerische Frau wirklich verstanden hat, darf nach Konsumierung gerne infrage gestellt werden, bricht der einstige Visionär ihren Habitus doch oftmals nur die auf Darstellung einer objektivierten Männerphantasien herunter, damit wir uns mal wieder als Voyeur in dem von Reizen der Femme Fatale überrollten Antonio Banderas zu spiegeln. Aber das war bei De Palma ja, wenn man ehrlich ist, überhaupt nicht anders zu erwarten. Der Rest ist wieder das übliche, hier leider schon etwas abgeschmackte Vexierspiel zwischen Realität und Illusion, visueller Manipulation und nackten Brüsten auf dem Silbertablett. Die 12-minütige Cannes-Heist-Sequenz zu Anfang ist allerdings großartig und so was von De Palma pur.


5
von 10 lasziven Tänzen im Kneipenkeller


BLACK DAHLIA (2006)
Der künstlerische Verwesungsprozess hatte Brian De Palma 2006 schon reichlich gezeichnet. Und während der filmverrückte Schmierfink in seiner Hochzeit mit geradezu adaptiver Raffinesse glänzte, scheint er im neuen Millennium nur noch an der saftlosen Pose interessiert zu sein. Mit akuter Ideenarmut gesattelt, kraxelt De Palma wie eine abgenutzte Schachfigur über das kinematographische Spielfeld und „The Black Dahlia steht als Sinnbild für den ärmlichen Werdegang seiner Person: Die Story will sich durch sämtliche Schlaufen wirbeln, verschwendet sich aber in der spannungsbefreiten Stagnation; genau wie die Charaktere, die zu billigen Schablonen verkommen, deren Konturen das Drehbuch mit dem Bleistift nur müde nachgezogen hat und mit Schauspielern besetzt, die entweder desinteressiert oder von Grund von fehlbesetzt wirken. Es gilt hier schon als ganz große Kunst, ein Kaliber wie Scarlett Johansson, die doch gerade für den Film Noir prädestiniert scheint, zu keiner Zeit adäquat in Szene zu setzen. Dass De Palmas Werke nie gravierende Angriffsflächen im visuellen oder auditiven Bereich boten, bleibt auch in „The Black Dahlia“ erhalten; der Unterschied ist nur, dass hier stupides Abfilmen ästhetisierter Bezugspunkte betrieben wird, anstatt eine echte Sogwirkung zu beabsichtigen - Von zeitgenössischem Flair ganz zu schweigen, wenngleich das Dekor passend erscheinen mag. Auch stilistische Bezüge zu klassischen Noirismen bleiben bloße Behauptung und mögen auf dem Papier nach einem cinephilen Kleinod klingen, sind in der Umsetzung hingegen sicher nicht als die revitalisierte Huldigung zu verstehen. Von verruchtem Schattenkabinett scheint De Palma nicht mehr viel zu halten. „The Black Dahlia“, die blasierte Verschmähung der Schwarzen Serie.


3,5 von 10 mondänen Abendgarderoben


REDACTED (2007)
Weg von Alfred Hitchcock, wegvon Billy Wilder und weg von Dario Argento, dafür gibt es Parallelen zu seinem persönlichen Meisterwerk „Die Verdammten des Krieges“ wie auch der legendären Skorpionszene aus Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“. Von ausbalancierten Fotografien, einer optimalen Kadrierung, der formvollendet Mise en Scène im Allgemeinen distanziert sich Brian De Palma und „Redacted“ besitzt aus technischer Sicht mal wieder richtigen Stallgeruch. Seine Digitalkamera springt von einer Perspektive zur nächsten, der Film von einem Medium ins andere und führt damit die Interferenz unseres medialen Bewusstseins vor. Die fiktionalisierte Dokumentation „Redacted“ soll ein Aufruf an die Transparenz sein und wie ein Elefant im Porzellanladen spielt sich De Palma als politisch-motivierter Agitator auf, der endlich nicht mehr von seinem Land an der Nase herumge-führt werden möchte. Recht hat er, doch wirklich etwas Neues im polarisierenden Umgang mit dem Irakkrieg wird nicht geboten, dafür ist De Palma offenkundig zu wütend auf die verdeckte Berichterstattung seines Heimatlandes. Zum Glück aber legt De Palma keinen Anspruch darauf, gnadenloses Relevanzkino in Form gießen zu wollen – Dafür ist er auch viel zu ungestüm in jeder Hinsicht. Was „Redacted“ anbei nicht unwesentlich schadet, ist der Cast, bestehend aus Amateuren, mit denen De Palma nicht umzugehen weiß und ein die Aufnahmen (Unverfälschter Realätsanspruch) mit dem gesprochenen Wort (Gekünstelt bis zum Gehtnichtmehr) in einen schweren Konflikt straucheln lässt und seiner eigentlichen Intention damit vollkommen im Wege steht.


5 von 10 Sprengsätzen in der Sofagarnitur 


von souli


Hier geht’s zu weiteren Review zu Filmen von Brian De Palma

Review: DAS VERSPRECHEN - Es geschah in den hellichten Bergen Nevadas

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Fakten:
Das Versprechen (The Pledge)
USA. 2001. Regie: Sean Penn. Buch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski. Mit: Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Aaron Eckhart, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Helen Mirren, Mickey Rourke, Harry Dean Stanton u.a. Länge: 119 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Für Jerry Black soll es eigentlich der letzte Arbeitstag als Polizist werden. Doch anstatt eine gemütliche Abschiedsfeier mit Kollegen zu feiern wird er in die verschneiten Berge Nevadas gerufen. Dort wurde die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, das wohl Opfer eines Triebtäters geworden ist. Als Black den Eltern des Mädchens die traurige Nachricht überbringen will, gibt er der am Boden zerstörten Familie das Versprechen ab, den Mörder auf jeden Fall zu finden. Und schon bald wird ein Tatverdächtiger festgenommen. Doch Black glaubt als einziger nicht an dessen Schuld und macht sich weiter auf die Suche nach dem Täter – versprochen ist versprochen.




Meinung:
Im Jahr 1958 schrieb der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt an einem Drehbuch zu einem Kriminalfilm. Der Titel? „Es geschah am hellichten Tag“. Das Drehbuch sollte mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle verfilmt werden. Doch irgendwie war er nicht ganz zufrieden mit dem Drehbuch, der gute Fritz. Das Ende, es hätte besser sein können. Und überhaupt, der Fokus im Film war ihm zu stark auf den Kriminalfall gelegt. Darum schrieb Dürrenmatt aus seinem Skript nur kurze Zeit später einen eigenständigen Roman. Psychologischer, den Blick viel mehr auf den Charakter seiner Hauptfigur Kommissar Matthäi gelegt, das Ende anders. Schwer zu sagen, ob diese Geschichte nun besser ist als sein Drehbuch, auf jeden Fall ist sie anders, düsterer, authentischer. Aber sowohl Film als auch Buch wurden zu Kassenschlagern.


Über 40 Jahre später. Der gefragte Schauspieler Sean Penn ist auf der Suche nach einem Stoff für seinen dritten Film als Regisseur. Und so stößt er auf diese psychologische Kriminalgeschichte des bereits verstorbenen Autors. Schnell machte Penn Nägel mit Köpfen: „Das Versprechen“ sollte sein dritter Spielfilm werden. Dazu verlegten er und seine Drehbuchautoren Jerzy Kromolowski und Mary Olson-Kromolowski den Handlungsort von der Schweiz der 50er Jahre in die kargen Landschaften Nevadas um die Jahrtausendwende. Dieser Orts- und Zeitenwechsel hat natürlich auch großen Einfluss auf die Figuren und ihre Ausarbeitung, aber ansonsten lehnt sich der Film stark an die tolle Buchvorlage an.


Jerry muss der Familie die traurige Nachricht überbringen.
Um diese Mischung aus Thriller und Drama, aus Krimi und Charakterstudie kongenial auf die Leinwand zu bannen, brauchte Regisseur Penn aber einen starken Hauptdarsteller und für seinen Detective Jerry Black konnte er niemand geringeren als Jack Nicholson gewinnen. Der spielt seine schnauzbärtige Figur, den müden aber besessenen Cop hervorragend. Man nimmt ihm nicht nur die ganze Last seines Versprechens ab, man sieht auch, wie das Paket immer schwerer auf seinen Schultern wiegt. Das Problem ist auch nicht Nicholson, sondern vielmehr, dass die übrigen Darsteller trotz ihrer großen Namen, immerhin sind Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Hellen Mirren, Harry Dean Stanton, Mickey Rourke oder Robin Wright mit von der Partie, merkwürdig blass bleiben und nur wie Statisten und Stichwortgeber im Schatten Nicholsons verkümmern. Natürlich, die meisten Nebenfiguren bekommen auch nur sehr wenig Raum um sich zu entfalten, aber dennoch bleiben sie vollkommen belanglos.


Vielleicht haben sich vor lauter Konzentration auf die Hauptfigur die Drehbuchautoren auch nicht genügend um die Nebenfiguren gekümmert. Da haben wir zum Beispiel den Indianer zu Beginn, der leider viel zu übertrieben inszeniert wurde, zu sehr zurückgeblieben erscheint. Das Verhör wirkt teilweise einfach lächerlich, ganz im Gegensatz zum Schweizer Hausierer im Roman und dem Geschwisterdrehbuch von 1958. Es war von allem einfach zu viel. Auch die Psychologin kommt in Sean Penns Adaption des Romans nicht glaubhaft rüber, wirkt auf mich zumindest schon fast wie eine Parodie auf eine Psychologin. Dazu wird die Handlung manchmal ein bisschen zäh vorangetrieben.


Jerry geht ungewöhnliche Wege bei der Tätersuche
Auf der anderen Seite gibt es Szenen, die so unglaublich gut die Gefühle von Detective Black aufzeigen und tief in sein Inneres schauen, dass sie wieder hervorragend der Buchvorlage gerecht werden. Ebenfalls eine sehr gute Idee war es, dem Mörder kein Gesicht zu geben, so konnte man sich mit Black besser identifizieren und wusste auch als Zuseher, wie es ist, einem Phantom hinterher zu jagen, ohne jemals zu wissen, ob es den Mörder überhaupt noch gibt. Dazu kommen die pessimistische Weltsicht, die Erkenntnis, dass wohl alles ins Verderben laufen könnte. Das konsequente Ende des Films zeigt dann auch nochmal eindrucksvoll, warum Dürrenmatt schon damals nicht völlig mit dem Schluss des Films „Es geschah am hellichten Tag“ zufrieden war. Und auch Penn hat diesen Film konsequent zu Ende erzählt, ganz im Sinne Dürrenmatts.


Also, was bleibt abschließend zu sagen? „Das Versprechen“ ist ein auf alle Fälle sehenswertes Psychothriller-Drama, das von guten Bildern, passend verstörender Musik und einem gut aufgelegten Jack Nicholson lebt, aber trotzdem über einige Phasen merkwürdig schleppend daherkommt. Das mag vielleicht an den tristen Landschaften liegen, vielleicht auch an den kalten Nebenfiguren. Aber als Gesamtes schafft es „Das Versprechen“ nicht, eine dauerhaft beklemmende und spannungsgeladene Atmosphäre zu schaffen, weswegen die Rühmann-Version und besonders das Buch Dürrenmatts, das die positiven Aspekte der pädagogischen 1958er- und der psychologischen 2001er-Version vereint, trotzdem vorzuziehen sind.


7 von 10 Zauberer mit Igeln