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Review: STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI - Auf zu neuen Pfaden

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Fakten:
Star Wars: Die Letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
Regie und Buch: Rian Johnson. Mit: Daisy Ridley, Mark Hamill, Adam Driver, Oscar Isaac, John Boyega, Domhnall Gleeson, Carrie Fisher, Andy Serkis, Laura Dern, Benicio del Toro, Kelly Marie Tran, Gwendoline Christie, Billie Lourd, Peter Mayhew uvm. Länge: 151 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 14. Dezember 2017 im Kino.

Story:
Rey (Daisy Ridley), mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht bei Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre. Luke ist der letzte Jedi, der letzte Vertreter des Ordens, auf dem die Hoffnung ruht, dass Frieden in der Galaxis einkehrt. Doch die Schergen der Ersten Ordnung lassen Meister und Schülerin in der Insel-Idylle nicht lange in Ruhe. Und einer von Lukes ehemaligen Schützlingen, Kylo Ren (Adam Driver), hat die finstere Mission noch längst nicht beendet, die ihm Snoke (Andy Serkis) auftrug…




Meinung:
Vor zwei Jahren gelang es Regisseur J. J. Abrams das wohl beliebteste Filmfranchise aller Zeiten von dem furchtbaren Nachgeschmack der Prequels zu befreien. Er brachte Star Wars mit The Force Awakens wieder auf Kurs und leutete die neue Trilogie mit einem Paukenschlag ein. Doch mit der Zeit wurden die Stimmen derer immer lauter, die dem neuen Film zu große Ähnlichkeiten zu der alten Trilogie und hierbei insbesondere Episode 4 attestieren wollten. Es brauchte also einen frischen Wind in der weit weit entfernten Galaxie. Dieser trat in Form von Rian Johnson auf. Von Beginn an wurde die Wahl des Regisseurs begrüßt und der Cast machte in Interviews immer wieder klar, dass er interessante und auch riskante Entscheidungen getroffen hat. Doch ob das reicht um nun auch die Kritiker von Force Awakens auf seine Seite zu holen?

Die Sorge, dass wir mit The Last Jedi einen zweiten Empire Strikes Back bekommen, erweist sich zum Glück als unbegründet. Rian Johnson beschreitet komplett neue Pfade und geht große Risiken ein. Risiken, die sich meist auszahlen, aber nicht jedem gefallen werden. Als Grundhandlung des Films dient ein recht simpler Konflikt. Das gibt Johnson Zeit und Raum um sich auf die Charaktere und deren Entwicklung zu konzentrieren. Entwicklungen, die mit vielen Überraschungen daher kommen. Überraschend sind diese nicht zuletzt, weil Johnson ein Meister darin ist, den Zuschauer in die Irre zu führen. Immer wenn man denkt, man hätte den Code seines Filmes geknackt, macht er eine 180° Wende. Das hält die Spannung am Leben, die den ganzen Film durchzieht.

Auch visuell beschreitet Johnson neue Pfade, ohne dabei aber den von J.J. Geprägten Stil über Bord zu werfen. The Last Jedi ist ein unheimlich schöner Film, voll von tollen Einstellungen und Ideen. Herausragend sind dabei nicht nur die großen Set pieces, sondern auch kleine Charaktermomente. Beidem widmet Johnson seine volle Aufmerksamkeit und beides präsentiert er in atemberaubenden Bildern, die man sich am liebsten an die Wand hängen möchte. Aufgrund der technischen Möglichkeiten und auch seiner brillianten Ideen, mausert sich The Last Jedi damit zum visuell interessantesten der Star Wars Filme. Wenn man von Effekten spricht, muss man im Bezug auf Star Wars im gleichen Atemzug natürlich auch die Kreaturen erwähnen. Hier beweist Johnson erneut viel Kreativität. Die schon im Trailer angedeutete Casino-Szene wird von den merkwürdigsten Lebensformen bevölkert. Die auffälligsten Neuankömmlinge in der Galaxie sind aber wohl die schon im Vorfeld vielfach diskutierten Porgs. Bei dem süßen Anblick der Pinguin artigen Wesen, machte sich die Sorge breit, dass man hier etwas ähnlich nerviges wie Jar Jar präsentiert bekommt. Doch versteht sich Johnson zum Glück darin, die Porgs genau richtig zu dosieren. Man darf also auch nach dem Film pro Porg sein.

Nicht gänzlich, wohl aber anteilig muss sich Johnson auch für die Leistung seiner Darsteller verantworten. Das ist aber in keinem Fall negativ gemeint, denn der gesamte Cast macht seine Sache außerordentlich gut. Die alten Hasen schlüpfen erneut in ihre Rollen und schaffen es, den Charakteren neue Facetten zu verleihen und die Neuzugänge in Form von Kelly Marie Tran, Laura Dern und Benicio del Toro fügen sich nahtlos in die Welt ein. Alle drei bekommen im Film gut was zu tun und hinterlassen einen bleibenden Eindruck – wenn auch auf komplett unterschiedliche Art und Weise. Keinesfalls unerwähnt sei die großartige Performance von der leider viel zu früh verstorbenen Carrie Fisher, die sich mit The Last Jedi ein würdiges Denkmal setzt und sich mit einem Augenzwinkern von uns allen verabschiedet.

Nach den ganzen Lobgesängen auf Regisseur Johnson, sei auch ein wenig Kritik erlaubt. Im Gegensatz zu J.J., macht dieser wesentlich mehr Gebrauch von CGI. Das bemerkt der Zuschauer weniger in den wirklich toll animierten epischen Szenen, als viel mehr in den kleinen Charaktermomenten. Im Jahr 2017 sollte man als Zuschauer nicht mehr erkennen dürfen, wenn zwei Darsteller vor einem Greenscreen stehen. Insbesondere dann nicht, wenn ein Film so hoch budgetiert ist wie Star Wars. Auch inhaltlich muss sich Johnson einige Vorwürfe gefallen lassen. So ist die Geschichte von The Last Jedi nicht so sauber und flüssig erzählt wie die von The Force Awakens. Johnson macht immer wieder Schlenker, die sich wie Fremdkörper im sonstigen Geschehen anfühlen und den Fluss des Films stören. Ebenso gelingt das ständige hin und her schneiden zwischen den einzelnen Handlungssträngen nicht immer so mühelos, wie es sollte. Das ist zwar alles Meckern auf hohem Niveau und stört den Filmgenuss kaum, hätte aber auch recht einfach vermieden werden können.

Fazit: Mit The Last Jedi beschreitet Rian Johnson neue Pfade, die nicht jedem gefallen werden. Anstatt sich auf das große Ganze zu konzentrieren, widmet sich der Regisseur eher den Konflikten seiner Charaktere. Der von Spannung durchzogene und mit Überraschungen gefüllte Film ist eine würdige Erweiterung der Star Wars Saga, die uns mit großer Hoffnung auf die Zukunft des Franchises blicken lässt.

9 von 10 Porgs

von Tobias Bangemann

Review: SICARIO – Kampf gegen das Kartell!

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Fakten:
Sicario
USA, 2015. Regie: Denis Villeneuve. Buch: Taylor Sheridan. Mit: Emily Blunt, Benicio del Toro, Josh Brolin, Jon Bernthal, Victor Garber, Daniel Kaluuya u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Kate Macer arbeitet in Arizona für ein SWAT-Team, das sich auf Entführungen spezialisiert hat. Nach einem erfolgreichen Einsatz, bei dem jedoch unglücklicherweise zwei Kollegen ums Leben kamen, wird sie von Matt für einen geheimen Auftrag angeheuert. Zusammen mit dem Experten Alejandro sollen sie einen mexikanischen Drogenboss und Leiter eines Kartells aufspüren und verhaften. Ein actiongeladener Kampf zwischen den Grenzen der USA und Mexiko bricht aus und Kate wird immer mehr in einen Sumpf aus Korruption und Gewalt gesogen.




Meinung:
Spätestens seit „Breaking Bad“ erfreuen sich Filme mit, über und gegen Drogenkartelle steigender Beliebtheit. In den vergangenen Jahren haben wir dabei die unterschiedlichsten Blickwinkel und Herangehensweisen an diese Thematik bekommen, mit „Sicario“ liefert uns Denis Villeneuve jetzt eine möglichst authentische Darstellung aus der Sicht einer amerikanischen Agentin.


Alejandro ist ein echter Wolf
Villeneuve weiß einfach, wie man Filme inszeniert. Das hat der Kanadier in den letzten Jahren schon mehrmals bewiesen und tut es mit „Sicario“ erneut. Er weiß genau wo er die Kamera hinstellen, wann er schneiden und wie er den Sound aufdrehen muss. Er hat ein Gespür für die richtige Atmosphäre und ein Auge für Dynamik, aber vor allem versteht er sich darauf all diese Elemente zu verbinden um damit langsam Spannung aufzubauen und diese anschließend in einem intensiven Moment auf den Zuschauer zu entladen. Gleich zu Beginn präsentiert uns der Film dabei eine großartige Szene, die komplett ohne Hintergrund oder Wissen über die Charaktere funktioniert. Dazu kommen mit Emily Blunt, Benicio del Toro und Josh Brolin drei talentierte Darsteller, die ihre Charaktere glaubhaft und authentisch rüberbringen. Im Verlauf von „Sicario“ reizt Villeneuve diesen Spannungsaufbau dann immer mehr aus, minutenlang fährt ein Einsatzteam durch die Stadt, die Waffen im Anschlag, auf einen Knall lauernd. Es sind diese Momente, die dich als Kinozuschauer tief in deinen Sitz drücken, in denen du die Spannung förmlich in der Luft riechen kannst. Doch leider besteht „Sicario“ nicht nur aus diesen Momenten.


Der Kampf gegen die Kartelle muss gut geplant sein
Es sind die ruhigeren Momente, die „Sicario“ letztlich das Genick brechen, genau dann wenn die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat und das Adrenalin langsam abbaut. Sobald der Film versucht sich mehr auf seine Charaktere zu konzentrieren werden seine Schwächen nur all zu deutlich. Zunächst sind es nur kleinere Störfaktoren wie etwa die übertriebene Abgebrühtheit von Benicio del Toro und Josh Brolin oder die fragwürdige Motivation von Emily Blunt. Je länger der Film dauert, desto klarer wird jedoch, dass sich hinten den Charakteren nicht viel verbirgt. Das wäre nicht weiter schlimm, würde sich der Film auf seine Stärken konzentrieren. Jedoch versucht er immer wieder tiefer in seine Charaktere einzudringen und das scheitert ganz einfach daran, dass sich hinter den schablonenartigen Figuren nicht sonderlich viel verbirgt. Vor allem die persönlichen Momente von Emily Blunt wirken für den Zuschauer ermüdend und nehmen einiges an Spannung. Dabei hätte man sie jederzeit weglassen können, denn sie fügen ihrem Charakter weder neue Facetten hinzu, noch ändern sie irgendwas an der Geschichte. Es sei an dieser Stelle noch löblich erwähnt, dass wenigstens versucht wurde die andere Seite des Krieges in Form eines korrupten mexikanischen Polizisten darzustellen, die Umsetzung dieser Idee ist wiederum weniger gelungen.


„Sicario“ ist trotz einiger grandioser Szenen nicht das erhoffte Meisterwerk. Die Schuld dafür liegt jedoch weniger am Regisseur, denn Denis Villeneuve liefert auf inszenatorischer Ebene einen grandiosen Film ab, sondern vielmehr an Taylor Sheridan. Ein Mann, den wohl manche als Darsteller kennen, der mit „Sicario“ jedoch seine Premiere als Drehbuchautor feiert und dadurch eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er im Schreiben von Skripten wohl noch etwas Übung braucht. Durch die gelungene Optik und den bombastischen Sound ist der Gang ins Kino trotzdem zu empfehlen, vor allem dann wenn man es schafft über die Schwächen von „Sicario“ hinwegzusehen.


6 von 10 ermordeten Drogenbossen


von Vitellone

Review: ESCOBAR: PARADISE LOST - Schamloses Ausnutzen von Popularität

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Fakten:
2014. US. Regie und Buch: Andrea Di Stefano. Mit: Benicio del Toro, Josh Hutcherson, Brady Corbet, Claudia Traisac, Ana Girardot, Carlos Bardem, Aaron Zebede u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 09. Juli 2015 im Kino.


Story:
Surferboy Nick verliebt sich in die liebe Verwandte von dem Pablo Escobar und wird immer weiter in die Geschäfte des Drogenkings verwickelt.





Meinung:
Der Name des berühmt-berüchtigten Drogenkings scheint wie ein Stempel zu sein. Raufklatschen, dann verkauft sich das schon. Die Faszination, der Person Pablo Escobar kann man nur schwer ignorieren, ist er doch schlicht und ergreifend in die Geschichte eingegangen. Nicht nur als Brutalo (er hat für jeden getöteten Polizisten bis zu 1000 Dollar gezahlt), sondern auch als Mann, der den Drogenhandel nahezu revolutioniert hat. Geeignet für einen Film ist der Mann also schon, aber reicht es, eine Art Abziehbild von ihm zu zeigen? Nein, verdammt! Man möchte in die Seele dieses Menschen schauen können, um ihn zu verstehen. Um zu verstehen, wie ein einziger Mann solche Macht ansammeln kann. Da reicht es nicht zu zeigen, wie er mit seinen Enkelkindern spielt und anzumerken, dass er Krankenhäuser finanziert. Das findet man in zwei Minuten im Internet raus.


Zwei Verliebte. Er Surfer, Sie Tochter eines Drogenbarons
„Paradise Lost“ verschenkt also schon sehr viel Potenzial daran, mit Pablo Escobar zu werben und dann nicht ansatzweise zu liefern.
Viel mehr scheint dem Film daran zu liegen, die Liebesgeschichte zwischen Josh Hutcherson und seine Wieauchimmersieheißt breitzutreten. Dadurch, dass sie sich aber nicht weiterentwickelt (nach drei Szenen wird schon geheiratet, hach, ist das schön…), bremst sie die Geschichte einfach nur aus und trägt in großem Maße dazu bei, dass der Film gute 20 Minuten zu lang geraten ist. Letztendlich möchte er ja einfach nur ein spannender Thriller sein. Die Spannung bleibt aber nicht oben und taucht nur am Ende vereinzelt auf. Ansonsten trottet der Film zu nahezu jeder Gelegenheit dem altbekannten Muster hinterher. Anstatt der Drehbuchregel "Denk an das, was dir zuerst einfällt und mach dann genau das Gegenteil" Beachtung zu schenken, ist hier die Regel "Der Zuschauer will das Gleiche, nur anders." die Richtlinie. Das "anders" scheint dabei ein sehr dehnbarer Begriff zu sein, denn so anders ist das gar nicht, was einem hier geboten wird. Vor allem nicht im positiven Sinne.


The Hunger Games : Gay Edition
Dass der Film nun die Person Pablo Escobar nicht etwa nutzt, um sich ihr zu widmen oder gar eine tiefergreifende Charakterstudie zu bewirken, sondern nur den Namen als eine Art Publicity-Generierung benutzt, ist schon schlimm genug. Das wäre allerdings noch zu verkraften, sollte denn der Rest des Filmes ordentlich ausgleichen. Mit Thrill, Angst und einer pac
kenden Flucht-Geschichte. Aber selbst das wird hier höchstens zum Ende vereinzelt geboten. Der Regisseur schafft es, weder Spannung noch Atmosphäre aufzubauen und reiht stattdessen Szene an Szene, in denen entweder Benicio Del Toro in die Linse nuschelt oder aber Josh Hutcherson den sunny boy raushängen lassen darf. Interessant ist das alles nicht, ergreifend erst recht nicht und von Mitgefühl des Zuschauers fehlt da jede Spur. Das wird vor allem an dem lieblosen Manuskript gelegen haben, das sich nicht um Natürlichkeit, Ambivalenz oder Timing schert und lieber irgendwas anderes macht. Was, das muss man erst noch rausfinden. Del Toro und Hutcherson versuchen zwar noch einiges mit ihrem Charisma rauszuholen, aber das funktioniert auch bloß bedingt. Schade eigentlich. Uneigentlich aber nicht.


Mit „Paradise Lost“ kommt ein Film in die Kinos, der mit dem Namen Pablo Escobar wirbt und die Figur dann größtenteils links liegen lässt.
Wer hier eine interessante Auseinandersetzung mit dem Drogenkönig erwartet, wird sich von Anfang bis Ende grün und blau ärgern, das Kinogeld gezahlt zu haben. Wer bloß einen spannenden Krimi erwartet, in dem Josh Hutcherson mit seiner Ische von einem der brutalsten Gangster der US-Fahndungs-Geschichte gejagt wird, der mag hier vielleicht einen Blick riskieren, auch wenn der Film selbst in der Hinsicht mehr als verbesserungswürdig ist. Da bringt es auch nichts, dass die Schauspieler einigermaßen in Ordnung gehen und dass der Regisseur hier und da ein paar Inszenierungstricks spielen lässt, die in all dem Chaos ab und zu wie ein Geniestreich wirken. Zwei viel zu lange Stunden nach Schema F, die Escobar aus bloßen Marketing-Gründen nutzen und in wirklich keinster Weise Tiefgang zu bieten haben. Ein Film zum Vergessen.


3 von 10 Titten


von Smooli

Review: INHERENT VICE – NATÜRLICHE MÄNGEL - Verschluckt von der Ökonomie

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Fakten:
Inherent Vice – Natürliche Mängel
USA. 2014. Regie: Paul T. Anderson. Buch: Paul T. Anderson, Thomas Pynchon (Vorlage). Mit: Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Katherine Waterston, Owen Wilson, Reese Witherspoon, Jena Malone, Joanna Newsom, Benicio Del Toro, Maya Rudolph, Eric Roberts, Michelle „Belladonna“ Sinclair, Michael K. Williams, Martin Short, Serena Scott Thomas, Martin Dew, Timothy Simons, Shannon Collis, Hong Chau, Christopher Allen Nelson, Keith Jardine, Katie Schwartz u.a. Länge: 148 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 25. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1970, Kalifornien: Privatermittler Doc erhält von seiner Ex-Freundin Shasta die Information, dass ihr ehemaliger Geliebter, der Milliardär Mickey Wolfmann, von seiner Frau und deren Liebhaber entführt und in eine psychiatrische Klinik gesperrt werden soll. Shasta hofft, das Doc ihr hilft dies zu verhindern. Doc nimmt an, muss jedoch bald einsehen, dass dies kein einfacher Job wird. Vor allem sein ehemaliger Kollege, der ruppige Cop Bjornsen, macht ihm das Leben und die Ermittlung schwer.





Meinung:
Never change a winning team. Nach “The Master” drehte Paul T. Anderson erneut mit Joaquin Phoenix und suchte sich dafür nichts Geringeres aus, als die Verfilmung eines Romans des gefeierten wie als schwer zugänglich geltenden US-Autor Thomas Pynchon. Im Zentrum steht Privatdetektiv Larry Sportello und seine Suche nach dem verschwundenem Baulöwen Mickey Wolfmann. Die Suche führt den Privatermittler und den Zuschauer in eine abgedriftete Welt aus Sonne, Geld, Drogen und windigen Klischees.


Doc und sein Anwalt bekommen Probleme
Dieser Larry „Doc“ Sportello ist so ein windiges Klischees. Windig, weil er zum einen sämtliche Stereotypen zu erfüllen scheint, nur um wenig später sie dann doch genüsslich zu unterwandern, oder sie sogar komplett zu ignorieren. Doc ist klassischer Privatdetektiv gekreuzt mit den Einsichten und Umgangsformen eines passionierten Cannabis-Anhängers. Fast möchte man Vergleiche zu „The Big Lebowski“ ziehen, doch Regisseur Anderson hat dafür seinem Film sowie den Figuren dann doch einen zu eigeneständigen Drive verpasst. Einen Drive, von dem der gesamte Film durchzogen ist. Das macht ihn so speziell, so besonders, so gut. Allerdings führt dies auch dazu, dass „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ sehr zerfasert erscheint. So ist der Film voll mit Figuren, diese aber bleiben meist nur unscharfe Silhouetten. Wirklich im Fokus sind nur Doc und der Polizist Christian „Bigfoot“ Bjornsen. Beide verbindet eine innige Beziehung aus Hass, Neugier, gemeinsamer Vergangenheit und unausgesprochenerKameradschaft.


Bigfoot und Doc haben eine besondere Beziehung
Doc und Bigfoot, sie repräsentieren zwei Extreme der amerikanischen Kultur: der liberale Slacker und der beharrlich Regelkonforme. Ein Ying und Yang, wie es sie überall gibt, und doch meist amerikanischen Figuren zugesprochen wird. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ formt daraus einen filmischen Reigen, den man wohl am ehesten als psychedelischen Film Noir beschreiben kann. Und doch ist Reigen eine falsche Formulierung, impliziert es doch stetige Aktivität. Anderson Thomas Pynchon-Verfilmung huldigt aber dem Müßiggang. Alles im Film wirkt entspannt, was zum einen an den (mal wieder) herausragenden Bildern von Kameramann Robert Elswitt deutlich wird, sowie an den Darstellern. Entfachte Joaquin Phoenix in seiner letzten Anderson-Zusammenarbeit, „The Master“, noch einen infernalen, bis zur Erschöpfung und Bedingungslosigkeit geführte Schauspielleistung, agiert er hier gelöst und amüsiert. Wie ein Stahlwerker im wohlverdienten Urlaub. Dieses Losgelöste der Figuren unterstreicht die karikaturhaften Züge der einzelnen Charaktere, auch wenn die meisten im Grunde nur Staffage oder Stichwortgeber sind, damit Doc innerhalb der Narration voran kommt und im Idealfall erneut auf Bigfoot trifft.


 

Shasta führt ihren Ex Doc auf eine heiße Spur - oder hinters Licht?
Doc und Bigfoot sind wie die zwei unterschiedlichen Pole eines Magneten. Sie ziehen sich an. Aber noch mehr als das stehen beide auf dem Verliererposten. Doc als ewiger Kiffer und Bigfoot als stoischer Traditionalist, sie beide werden von der Modernität verschluckt werden. Nennen wir es so... oder der Einfachheit halber Kapitalismus. „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ist auch ein Grabgesang für zwei kulturelle Extreme, die gerne mit Amerika assoziiert werden, und auch zu einem gewissen Grad die Freiheit verkörpern. Sie werden nach und nach von den Mühlen der Ökonomie vereinnahmt oder gleich verschluckt. Wie sinnbildlich erscheint da die Szene, in der Bigfoot Docs Marihuana–Vorrat vertilgt, als ob er wochenlang gehungert hätte. Diesen subjektiven Subtext drängt „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ allerdings niemanden auf. Die smoothe wie geschwätzige Krimikomödie funktioniert genauso gut als aussageloses Vehikel für hübsch bebilderte und aneinanderreihte Momente, die teils grandiose Darsteller in stetig kurioser werdenden Szenen darbietet. Ein Rausch des Eigensinns, ist der neue Anderson-Film. Damit wird er es gewiss schwer haben, die an ihn gestellte Erwartungen zu erfüllen, aber vielleicht passt zu „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ eine alte Kifferfloskel einfach am besten: Take it, or leave it.


„Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ist nicht das Meisterwerk gewurden, was viele erwartet haben. Das ist gut so. Es macht deutlich, dass Paul T. Anderson immer noch einer der besten, kreativsten und vielleicht auch unberechenbarsten Filmemacher unserer Zeit ist. Mag sein, dass „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ ähnlich im Schatten bleiben wird, wie Andersons romantische Komödie „Punch-Drunk Love“, aber gut, im Schatten hat man auch viele Freiheiten und wenig Ökonomie.


8 von 10 Lachgasgespräche

Review: JIMMY P. - PSYCHOTHERAPIE EINES INDIANERS – Die Rothaut auf der Coach

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Fakten:
Jimmy P. - Psychotherapie eines Indianers (Jimmy P. - Psychotherapy of a Plain Indians)
Frankreich, USA. 2013. Regie und Buch: Arnaud Desplechin.
Mit: Benicio Del Toro, Mathieu Amalric, Gina McKee, Larry Pine, Joseph Cross, Misty Upham, A. Martinez, Jennifer Podemski, Gary Farmer, Michelle Thrush, Michael Greyeyes u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Jimmy Picard, ein Indianer der Blackfoot, kämpfte im Zweiten Weltkrieg in Frankreich. Nach einem Unfall, der ihm ein Koma bescherte, leidet er immer wieder an Lähmungserscheinungen, Zusammenbrüchen sowie kurzzeitigen Hör- und Sehverlusten. In einem Veteranenkrankenhaus wird bei Jimmy Schizophrenie diagnostiziert und er kommt in eine Psychiatrie. Dort kümmert sich Ethnologe George Deveraux um ihn, der erkennen muss, dass Jimmy nicht an Schizophrenie leidet. Er versucht Jimmy zu helfen.





Meinung:
„Ich war immer ein Mann, der Frauen sterben lässt.“

Ein Film über die Psychoanalyse muss es ja zwangsläufig schwer haben, denn wie soll man es schon zustande bringen, über einen konkreten Zeitraum von guten zwei Stunden jene innerseelischen Dissonanzen und die sich über die Jahre in der Seele eingefrästen Traumata nicht nur in massiver Transparenz auszustellen, sondern sie auch zu verinnerlichen? Gus van Sant ist daran schon mit „Good Will Hunting“ gescheitert, obwohl er dennoch ein gar wunderbares Werk geschaffen hat, und über David Cronenbergs „A Dangerous Method“ verlieren wir besser nicht allzu viele Worte, hat sich der kanadische Meisterregisseur damit doch einen rigorosen Bock geleistet, den man in diesem Ausmaß, gerade auch weil er mit „Die Unzertrennlichen“ wahrhaft Großes vollbrachte, wohl kaum erwartet hätte. Mit „Jimmy P.“ hat sich nun der französische Filmemacher Arnaud Desplechin an das verzwickte Thema der Psychoanalyse herangewagt und es durchaus verstanden, der Praxis, denn der auf Modelle und Kategorisierung versessenen Theorie Hauptaugenmerk zu verleihen.


Deveraux muss Jimmy P. richtig kennen lernen
Mit „Jimmy P.“ widmet sich Arnaud Desplechin dem wahren Fall des Blackfoot-Indianers und Weltkriegsveteran Jimmy Picard (Benicio del Toro, „Savages“, der aus einem Jeep stürzte und aufgrund eines Schädelbruchs kurzzeitig im Koma lag. Seitdem klagt Jimmy über schwere Kopfschmerzen und lässt sich in das Winter Veteran Hospital in Topeka eingeliefert, wo man schnell vermutet, Jimmy würde unter Schizophrenie leiden, was ihn direkt in die geschlossene Psychiatrie der Einrichtung führt. Dass Jimmy Probleme hat, wird schnell deutlich, dass es sich allerdings nicht wirklich um Schizophrenie handelt, merkt auch der Zuschauer, was vom Psychoanalytiker und passionierten Ethnologen Georges Devereux (Mathieu Amalric, „Venus im Pelz“) auch in Windeseile bestätigt wird, obwohl es diesem eigentlich nicht erlaubt ist, als praktizierender Arzt zu fungieren – Ihm fehlt schlichtweg die Zulassung. Und mit Jimmy Picard und Georges Devereux wartet „Jimmy P.“ mit einer Konstellation auf, die durchaus gefällt: Devereux, der Pionier der Ethnopsychoanalyse, versucht Jimmy auf Augenhöhe zu begegnen, ihm liegt es nicht an Fachsimpelei, sondern daran, die Dinge beim Namen zu nennen; autoritär, aber niemals dirigierend.


Arnaud Desplechin wird gerne nachgesagt, als selbstverliebter Auteur in Erscheinung zu treten, „Jimmy P.“ hingegen streift weder die Prätention, noch macht er es dem Zuschauer schwer, einen klaren Zugang zu finden. Es erscheint nur wenig beglückend, dass sich ein Film die Zeit nimmt, um im Kontext der Psychoanalyse die Rastes des methodischen Prozesses etwas aufzurütteln, am Ende dann aber doch des Rätsels Lösung in ödipalen Konflikten zu finden glaubt – Obwohl er sich letztlich wieder eingesteht, dass es nicht die Diagnose ist, die den höchsten Wert besitzt, sondern der Weg dorthin. Und da macht „Jimmy P.“ unmissverständlich deutlich, dass die Beziehung zwischen Jimmy und Georges nicht auf der strengen Arzt-Patient-Ebene abspielt, sondern ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut wird, eine Vertrauensbasis, die mal verbale Duelle bereithält, aber auch als ausgelassene Plauderei funktioniert. Benicio del Toro überzeugt vor allem mal wieder durch seine subtile Performancekunst, während Mathieu Amalric einmal zu oft zur neurotischen Karikatur erklärt wird. Interessant ist „Jimmy P.“ im Umgang mit Verdrängung und Freilegung trotzdem.


5,5 von 10 klemmenden Gewehren


von souli