Specials: souli und stu... und die verbotenen Filme ihrer Kindheit

Sie waren nur mal eben Zigaretten holen, doch jetzt sind sie zurück. souli und stu, das Duo welches selbst Biene Maja und Willi Konkurrenz in Sachen Coolness, Ausstrahlung und Sprachfehler macht, hat sich wiedergefunden. Warum? Weil sie es nun mal können! In der neusten Ausgabe ihrer so beliebten wie unbeachteten Rubrik erzählen sie allen die es nicht interessiert, also quasi ALLEN, welche Filme in ihrer Kindheit für sie tabu waren. Wir wünschen viel Spaß.


Die verbotenen Filme aus souli's Kindheit


Die Blechtrommel
Das mir meine Eltern den Film „Die Blechtrommel“ damals strikt verboten haben, hatte schon seine Gründe, denn im Alter von 10 Jahren, sollte man sich Schlöndorffs Literaturverfilmung wohl doch besser nicht zu Gemüte führen, und das nicht nur wegen den sämtlichen freizügigen Sexszenen, sondern auch aufgrund der intellektuellen Einschränkungen, die mir die Sichtung von „Die Blechtrommel“ damals wohl dann doch zu einer Mischung aus Langeweile und immer wieder aufgerissenen Augen verholfen hätte (Anmerkung: Auf dem Bild ist nicht souli zu sehen!). Und doch, die Faszination für diesen Film – der natürlich immer viel zu spät lief – hielt an und Zeitungartikel wurden feinsäuberlich ausgeschnitten und in einen Ordner geklebt. Eine Methode die stu bei seiner damaligen Schwämrerei für Sandra Bullock ähnlich handhabte. Die Begründung meiner Eltern, warum ich den Film damals nicht sehen durfte, lautet übrigens wie folgt: „Da küssen sich Männer und Frauen die ganze Zeit. So was magst du doch nicht und so was brauchst du nicht zu mögen.“


Die neun Pforten
Wie auch „Die Blechtrommel“ lässt sich „Die neun Pforten“ in die von meinen Eltern als kindfreie Zone erfundene Sparte „Knutschfilm“ einordnen. Tja, damals war ich eben noch unschuldig und unverbraucht (heute bin ich nur noch „und“) und habe mich vor Menschen geekelt, die den leidenschaftlichen Zungentango getanzt haben, oder gegebenenfalls noch weiter gegangen sind, also mit nackten Tatsachen und all diesen Schweinereien. Ach, was soll’s denn: SEX! Nun ja, „Die neun Pforten“ wurde dann eben zu einem „Knutschfilm“ und ich habe mich von dem Meisterwerk ferngehalten, obwohl ich doch immer wissen wollte, was Johnny Depp denn nun eigentlich da sucht und wieso er diesen roten Strich auf seiner Stirn trägt.


Der bewegte Mann
Ohja, „Der bewegte Mann“. Den haben mir meine Eltern nicht unter dem verhassten Gütesiegel „Knutschfilm“ untersagt. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, dass ich diesen Film immer sehen wollte, weil ich einmal zufällig die Szene gesehen habe, in der Til Schweiger nackt auf dem Wohnzimmertisch hockt (siehe Bild) und das als kleiner Mann so urkomisch fand, dass ich fest davon überzeugt war, hier eine für mein Alter entsprechende Komödie serviert zu bekommen. Naja, nicht unbedingt. Immer wenn ich es mal geschafft habe, die ersten Minuten zu sehen (Und in denen gibt es schon eine Sexszene auf dem Klo, über die ich in meinem Gutmütigkeit hinweggesehen habe), kam ein Elternteil herein und versaute mit der den Spaß. Obwohl es im Nachhinein betrachtet mit Sicherheit kein Spaß geworden wäre, wenn ich denn überhaupt verstanden hätte, was Til Schweiger unter der Decke bei dem anderen Mann da macht.


Die Mumie
Damals haben sich meine Eltern den Film ausgeliehen und das Cover war einfach faszinierend. Ich weiß noch wie ich die VHS (!!) in den Händen gehalten habe und diesen riesigen Sandsturm mit dem Gesicht gesehen habe (siehe Bild). Klang nach Abenteuer, nach Spaß, nach Action, nach Spannung. Hach, und ich habe mich damals gefreut endlich mal was ab 12 zu sehen! Aber nein, der Strich wurde mir auch hier mit aller Autorität durch die Rechnung gemacht. „Gruselig“ und „Alpträume“ waren die Floskeln. „Dann bekommst du nachts kein Auge zu, wir wissen doch wie das ist“, haben sie mir vorgeworfen. Wahrscheinlich haben sie auch hier mal wieder Recht gehabt, sauer war ich trotzdem.


Starship Troopers
Der kam zur der Zeit, in der ich vollkommen auf Dinosaurier und überdimensionales Monster-Spielzeug abgefahren bin und mir „Jurassic Park“ in Endlosschleife gegeben habe. Und als ich hörte, auch da geht es um große Monster, um Käfer, die gegen die Menschheit einen Krieg führen, da war es um mich geschehen und die Augen funkelten. Mein Vater wusste jedoch, von welchem Schlag der gute Paul Verhoeven ist und schüttelte den Kopf: „Nix für dich.“ Als ich mich dann aber heimlich ins Wohnzimmer geschlichen habe (Damals lief der Film noch auf Premiere) und einen Blick über die Sofalehne gewagt habe, um mir dann mit anzusehen, wie ein riesiger Brainbug in 1000 Teile explodiert, war mir dann doch anders zumute. Das Verbot war gerechtfertigt, wie eigentlich so ziemlich jedes.


Und hier stu's verbotene Filmfrüchte


Wolfsblut
„Wolfsblut“ ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Werke der Abenteuerliteratur. Der Roman von Jack London wurde 1991 unter dem Label von Disney verfilmt. Diese Verfilmung erregte meine Aufmerksamkeit, nach dem ich Ausschnitte im Disney Club der ARD gesehen hatte. Ich war ganz heiß auf diesen Film und laut Kinoprogramm aus der Tageszeitung war ich sogar alt genug, um den Film sehen zu dürfen. Auch meine Mutter gab ihr okay, denn auch sie hatte die Ausschnitte gesehen und empfand dabei keine pädagogischen Komplikationen. Alle Zeichen standen auf Grün. Ein Termin wurde gefunden, wann es ins Kino gehen sollte und mein Freund Jonas sollte auch mit. Doch gerade Jonas sollte mir zum Verhängnis werden. Einen Tag vorm Kinobesuch rief seine Mutter meine Mutter an. Jonas hatte geweint. Auch er hatte Szenen von „Wolfsblut“ im Fernsehen gesehen. Szenen, die die im Film befindlichen Hundekämpfe zeigten. Das missfiel Jonas so sehr, dass er erst mal weinte. Was daraus folgte war eine elterliche Kettenreaktion aus dem Lehrbuch. Mutter ruft Mutter an und erklärt, dass „Wolfsblut“ wohl kein geeigneter Film für einen neunjährigen wäre, auch wenn die FSK etwas anderes sagte. Die beiden beschließen den Kinobesuch abzusagen und mir wurde verboten den Film zu sehen. Jonas war glücklich, unsere Mütter waren zufrieden ihren pädagogischen Auftrag erfolgreich erfüllt zu haben und ich… ich weinte wie Jonas vor mir. Rief meine Mama deswegen bei Jonas Mutter an? Nein. Und „Wolfsblut“? Ich habe diesen Film bis heute nicht gesehen.


Speed
Eltern sind schon ein kurioses Völkchen. Vor allem wenn ihr Nachwuchs noch fern davon ist sie größentechnisch zu überragen. Bei mir war dies nicht anders. Noch heute kommt es mir seltsam vor, dass mein mir zugewiesenes Muttertier es ohne Proteste zu ließ, dass ich mir in jungen Jahren ansah wie Vito Corleone seinen Feinden einen Pferdekopf ins Bett legte. Ganz anders sah es da beim Film „Speed“ mit Keanu Reeves und der damals bezaubernden Sandra Bullock (ich glaub‘ ich war verliebt) aus. Ich hatte mir den Film von einem Freund auf Video schenken lassen und schaute mir den spannenden Actionfilm, der für immer noch einer der besten seines Genres ist, so oft an, dass das Band bereits nach wenigen Wochen starke Abnutzungserscheinungen aufwies. Ich habe meine Kindheit und Jugend mit viel Zeug vertrödelt und verplempert. Mit dem Super Nintendo, mit meiner Play Station und mit „Speed“ (ich gebe zu, diese Aussage besitzt eine illegale Doppeldeutigkeit). Doch letzteres wurde mir eines Tages entrissen. Ich weiß nicht warum, aber eines Tages sah sich meine Mutter den Film selbst an. Vermutlich weil ihr Miss-Marple-Film ausfiel. Nach der Sichtung von „Speed“ kassierte sie die VHS-Kassette ein. Begründung: Dennis Hopper wird geköpft. Während des Showdowns auf dem Dach einer fahrenden U-Bahn kann der Held (Reeves) den Schurken (Hopper) mit Hilfe einer Deckenlampe enthaupten. Klingt brutal, war es aber selbst für die damalige Zeit nicht. Da gab es schlimmere Sachen zu sehen in „Speed“ - auch wenn der Film insgesamt zu den nicht so brutalen Filmen seines Genres gehört. Doch durch die abgenutzte Kassette war weder die Ermordung eines Sicherheitsbeamten (Schraubenzieher als Messerersatz) noch der Tod einer Buspassagierin (überfahren) wirklich zu sehen. Damals bettelte ich meinen „Speed“ zurückzubekommen (ersetzt „meinen“ durch „das“ oder lasst das „e“ weg und aus meiner Kindheit wird eine Art Christiana F.), aber meine Mutter blieb hart. Ich sah die VHS nie wieder. Aber das machte nichts. Einige Wochen später, zu Weihnachten, bekam ich Ersatz in Form eines neuen Videos: „Face/Off – Im Körper des Feindes“. „Der Cage war so süß in „Mondsüchtig“. Den kannst du dir ansehen“, sagte mein Muttertier und überreichte mir den Film. Wie gesagt: Eltern sind ein kurioses Völkchen.
 

Die Hexen von Eastwick
Viele Filme meiner Kindheit schaut ich auf dem Sofa, zusammen mit einer Tasse mit Kindertee und einem Stofftier (das Stofftier wurde irgendwann wegrationalisiert und aus dem Tee wurde Cola). Einen Film aber, schaute ich nicht auf dem Sofa, sondern gut 4 Meter entfernt durch den Türspalt. Dieser Film war „Die Hexen von Eastwick“. Während meiner Kindheit wurden bestimmt so einige Filme ohne mich im Wohnzimmer geguckt. Wenn der Freund meiner Mutter Videokassetten mitbrachte, auf denen Monster und irre blickende Männer auf dem Cover zu sehen waren, dann reichte es schon aus, dass ich das Wohnzimmer für mehrere Stunden großräumig meidete. Doch dann eines Tages sah ich das Artwork von „Die Hexen von Eastwick“ und dachte, es sei eine Komödie, ein netter Familienfilm. Doch ich durfte ihn trotzdem nicht mit gucken. Dies löste eine kindliche Trotzigkeit aus, die es mir erlaubte zwei Stunden lang still hinter dem Türspalt zu hocken und mir anzusehen, wie die drei Hexen Sachen machten, die ich nicht verstand. Das einzige was mein Interesse weckte war die Szene, in der Veronica Cartwright sich zu Tode kotzt. Das hat mich tagelang verfolgt, genauso wie der Moment, als meine Mutter plötzlich die Tür öffnete und vor mir stand. Eine Woche Hausarrest und dazu noch die nicht enden wollenden Bilder einer kotzenden Frau im Kopf. Ja, es gab schönere Phasen in meiner Kindheit.


Die besonderen Filme nach Mitternacht
Ich persönlich habe nie gehört „Das darfst du nicht gucken“, wenn es um die Spielfilme ging, die bei den Privatsendern Sat 1, Vox und Kabel1 am Wochenende nach Mitternacht liefen. Darüber wurde nie geredet. Zum einen weil sie kategorisch in der Fernsehzeitschrift als Müll tituliert wurden, zum anderen weil es einfach Themen gab, über die man als Mensch, der irgendwo zwischen „Morgen vergrößere ich meine Lego-Raumstation“ und „Ich mag das, was die Dame da vorne in ihrer Bluse hat“ gefangen war, nicht mit Erwachsenen – schon gar nicht mit den Eltern – sprechen wollte. Da war ich nicht der Einzige. Bei wochenendlichen Übernachtungen bei Freunden wurde gerne gewartet, bis die Eltern im Bett waren. Dann wurde sich ins Wohnzimmer geschlichen und auf geringer Lautstärke begutachtet, wie sich die Damen auf der Mattscheibe räkelten. Sexfilme, so wurde diese Form der Unterhaltung genannt und alleine bei der Vorstellung, dass eine Mutter oder ein Vater einen dabei erwischte, löste Panikattacken aus. Aber diese Angst musste man einfach akzeptieren. Zur Belohnung gab es etwas, was noch schöner und aufregender war, als alle Lego-Erweiterungen dieser Welt: weibliche Brüste. Bevorzugt die von Sylvia Kristel und Laura Gemser (siehe Bild). Sie waren unsere heimlichen Königinnen. Die Unberührbaren unserer ersten sexuellen Phantasien. Es war eine schöne Zeit. Eine Zeit ohne Internet, ansonsten hätten wir wahrscheinlich schon mit sieben unseren ersten Hardcore-Streifen gesehen.

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