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Review: WAY OF THE WICKED – DER TEUFEL STIRBT NIE! - Das Böse trägt Lederjacke

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Fakten:
Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!
USA, Kanada. 2014. Regie: Kevin Carraway. Buch: Matthew Robert Kelly.
Mit: Vinnie Jones, Emily Tennant, Christian Slater, Jake Croker, Aren Buchholz, Matthew robert Kelly, Jillian Fargey, Jedidiah Goodacre u.a. Länge: 88 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eine Kleinstadt wird von einer Reihe unheimlicher Morde heimgesucht. Vater Henry verständigt die örtliche Polizei, dass diese Morde keineswegs die Tat eines normalen Menschen sein können, doch niemand schenkt ihm Glauben. Doch als ein mysteriöser Teenager in die Stadt zieht und sich die düstern Ereignisse häufen, muss Dorfpolizist John einsehen, dass Henry vielleicht doch recht hatte.





Meinung:
Auf einer ominösen Blog-Seite, die an dieser Stelle nicht genannt werden möchte (Tipp: Ihr befindet euch gerade auf ihr), soll der Horror-Thriller „Playback“ aus dem Jahre 2014 ja insgeheim fragwürdigen Kult-Status besitzen, nicht zuletzt wegen dem reinrassigen Etikettenschwindel, der das Cover des Anti-Vergnügens auszeichnet. Darauf nämlich sehen wir Christian Slater, jedenfalls die Hälfte seines Konterfei, während seine Augen rot gleißend dem Zuschauer vermitteln: Irgendwas scheint faul im Staate Dänemark. Am Ende berief sich Slaters Auftritt in „Playback“ auf 10 peinliche Minuten, in denen sich der einstige „Interview mit einem Vampir“-Star auch noch als notgeiler Stelzbock, der die Teenie-Mädels gerne mal beim Duschen beobachtet, verballhornen hat lassen. Nun hat es vor einigen Wochen ein weiterer Horror-Thriller mit Christian Slater auf dem Cover in die Heimkino-Regale geschafft: „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“. Und falls sich da draußen (neben dem bemitleidenswerten Autor dieses Textes) noch ein weiterer Christian-Slater-Fan herumtummeln sollte, sei diesem gesagt: Du bist nicht allein!


Vater Henry und Cop John
Mehr als 10 Minuten Screentime jedoch hat sich Christian Slater auch in „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ nicht sichern können respektive wollen, wenn in diesem Mann überhaupt noch ein Funken Selbstachtung residieren sollte. Immerhin hat er zuletzt in Lars von Triers „Nymph()maniac“ gezeigt, dass auch er noch durchaus in der Lage ist, in seriösen Arthaus-Produktionen zu bestehen. Mit „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ sind wir freilich nicht im Arthaus-Segment, es stellt sich irgendwie auch die Frage, ob wir es mit „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ überhaupt mit einem Film zu bekommen und nicht eher mit dem komatösen Zustand eines reinrassigen Kunstverweigerers namens Kevin Carraway. Christian Slater schlüpft in die Rolle des Priester Henry und darf sich die meiste Zeit damit beschäftigt, durch die ländliche Vorstadt zu stolpern und dem Zuschauer durch seine verkniffene Mine zu vermitteln, dass er bald mit schrecklichen Vorkommnissen konfrontiert wird. Ihm zur Seite steht Vinnie Jones als bullig-grummeliger Dorfpolizist, der seit dem Tod seiner Frau Töchterlein Heather (Emily Tennant) mit obligatorischer Überfürsorge begegnet.


Ja, liebe Leser, ihr merkt es bereits: Bei diesem Film liegt etwas von einer gar sinnstiftenden Wertigkeit im Argen, nicht wahr? Oder anders ausgedrückt: „Way of the Wicked – Der Teufel stirbt nie!“ ist einfach grauenhaft schlechtes Dumpfbackenkino. So wie es nun mal auch zu erwarten war, da gibt es keine Ausflüchte. Mit Tropen bestückt, die sich der Filmwelt schon vor 20 Jahren überdrüssig gezeigt haben, geht es hier ans Eingemachte. Was für Regisseur Kevin Carraway aber nur durch eine gleichförmige Statik in der Inszenierung einzufangen gewesen scheint. Dass ein Jugendlicher (in diesem Fall Jake Croker als Robbie) mit paranormalen Fähigkeiten versehen wurde, ist altbacken. Dass ausgerechnet die Tochter des Polizisten mit diesem teuflischen Buben anbandelt, ist wahrhaft morastig, dass sich sich der Film in all seiner schier grenzenlosen Debilität auch noch für voll nimmt, grenzt an einer (beinahe) neuen Form der filmischen Idiotie, würde man es inzwischen nicht allzu oft mit derlei Schund an DTV-Krempel zu tun bekommen (Gruß an „Das Blut der Priester“). Aber man könnte ja daraus lernen, wenn man möchte. Wenn. Möchte man aber nicht. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal.


1,5 von 10 Kruzifixen im Hals


von souli

Review: CRIME IS KING - Elvis has left the building

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Fakten:
Crime Is King (3000 Miles to Graceland)
USA, 2001. Regie: Demian Lichtenstein. Buch: Richard Recco, Demian Lichtenstein. Mit: Kurt Russell, Kevin Costner, Courteney Cox, David Kaye, Christian Slater, David Arquette, Bokeem Woodbine, Kevin Pollak, Thomas Haden Church, Jon Lovitz, Louis Lombardi, Ice-T u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Michael Zane ist gerade frisch aus dem Knast entlassen, steht jedoch schon direkt vor seinem nächsten Coup. Zusammen mit seinem skrupellosen Mithäftling Murphy und drei weiteren Kollegen will er während eines Elvis-Imitatoren-Wettbewerb ein Casino in Las Vegas ausrauben. Selbst allesamt King verkleidet betritt das Quintett das Casino, räumt den Tresor leer und flüchtet nach einer blutigen Schießerei mit der Kohle. Als es ums Aufteilen geht, zeigt Murphy wie viel er von Teamwork hält und entledigt sich seiner Partner. Nur Michael kommt davon, schnappt sich die Beute und flieht – unfreiwillig – mit der gerissenen Betrügerin Cybil sowie deren Sohn Jesse. Murphy versteht da keinen Spaß, macht sich auf die Suche nach „seinem“ Geld und natürlich sind auch die Cops ihnen schon auf der Spur.






Meinung:
Regisseur und Co-Autor Demian Lichtenstein versucht mit aller Macht, einen coolen und ruppigen Gangsterfilm im Fahrwasser von Quentin Tarantino hochzuziehen, gelingen will ihm das dabei nicht ansatzweise. Maximal die Ausgangslage um als Elvis-Imitatoren getarnte Gauner, die während eines Wettbewerbs in Las Vegas ein Casino erleichtern, hat ein gewisses Potenzial, beansprucht jedoch lediglich die Anfangsminuten des (insgesamt viel zu langen) Films, der sonst nur durch aufgesetzte Pseudo-Coolness, schrecklich geschrieben Figuren, ein lausiges Skript, dürftig inszenierte Actionsequenzen und einen zwar erstaunlich prominenten, dafür unfassbar verschenkten Cast auffällt.


Täuschend echt, besonders der Herr ganz rechts.
Tatsächlich tummelt sich in dieser holprigen Räuberpistole fast ein Dutzend bekannter Gesichter, von denen ein Großteil allerdings nur auf eine sehr begrenzte Screentime kommt. Lediglich Kurt Russell, Kevin Costner und Courteney Cox mussten scheinbar mehrere Tage am Set verbringen, wohl kein Problem, da sie sich zu der Zeit ohnehin alle im Karrieretief befanden und nicht gerade mit großen Rollenangeboten überschüttet wurden. Russell wirkt auch dementsprechend lustlos, Costner lässt sich zumindest in der ungewohnten Bad Ass Rolle etwas Spielfreude ansehen, was kaum davon ablenkt, dass er immer noch fehlbesetzt wirkt. Würde wahrscheinlich eh jeder in diesem klassischen Fall von gewollt und nicht gekonnt. Eins schafft Liechtenstein unbestreitbar: Immer mindestens eine Figur zu haben, die man am liebsten in der Wüste aussetzen würde. In der ersten Minuten übernimmt diesen Job der dafür prädestinierte David Arquette. Sobald der das Maul aufmacht, wandert die Hand unweigerlich zur Fernbedienung. Das Thema hat sich bald erledigt, doch keine Angst, es gibt ja immer noch diesen altklugen und ach so aufgeweckten Dreikäsehoch, was für ein ätzendes Kack-Kind. Schade eigentlich, dass sich beinah jeder Regisseur an das ungeschriebene Gesetz hält, dass Kids selbst in solchen Bodcount-Streifen unantastbar sind, die eine Kugel mehr oder weniger…


Machen sogar synchron zum Hampelmann: Costner & Russell.
Geballert wird in „Crime Is King“ schon recht ordentlich, gut umgesetzt wird das weniger. Das üblichen, sinnlosen Zeitlupen-Geschrote, weil das in irgendeinem Film mal irgendwann ganz cool ausgesehen hat. Wenn alle paar Minuten mal wer mit Blei vollgepumpt wird, merkt vielleicht niemand, wie lahm und unnötig plattgewalzt die eigentliche Handlung doch ist. Aus dem anfänglichen Heist- wird ein Roadmovie, voll mit Logikschlaglöchern, und nicht einer Idee, die als wirklich gut oder besonders kreativ bezeichnet werden könnte. Von dieser schwachsinnigen Beziehung zwischen Russell/Cox und der kleinen Arschkrampe ganz zu schweigen. Auf Teufel komm raus, fast schon verzweifelt, will dieser Film geil sein, nur hat Liechtenstein offensichtlich überhaupt keinen Plan davon, wie das bei seinen großen Vorbildern eigentlich funktioniert. Er versucht wirklich alles: Blut, lässige Sprüche, ein rücksichtloser Bad-Guy-Psychopath, krampfhafte Humoreinlagen, nichts davon zündet. Stattdessen zieht sich der Film immer mehr in die Länge, obwohl das die Geschichte überhaupt nicht hergibt. Seine Herkunft als Musikvideo-Regisseur ist überdeutlich, da muss man sich mit so was ja auch nicht beschäftigen. Deutlich kürzer, nicht so gezwungen und eventuell im Wesentlichen nur auf den eigentlichen Überfall konzentriert, dann hätte „Crime Is King“ vielleicht sogar eine Chance. Mehr Raum für die Nebenfiguren, bessere Actionszenen, sagen wir mal so, einfach alles nur halbwegs vernünftig machen, das hätte ein ganz unterhaltsamer B-Film sein können.


Hätte, hätte, Damentoilette. Schade um die Idee mit der Elvis-Gang, schade um einen bemühten, aber unglücklichen Costner und um Russell sowieso. Nur um Lichtenstein ist es nicht schade. Was macht der heute nochmal gleich? Dann hat er wohl seine Berufung gefunden.
  
3,5 von 10 registrierten Scheinen

Special: TOT ODER LEBENDIG? - 3# Christian Slater

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Würde man wirklich einen Schritt zu weit in die falsche Richtung wagen, wenn man Christian Slater – natürlich rein auf seine Selbstpräsentation als mediale Persönlichkeit - als 'durchschnittlichen Typen von Nebenan' tituliert? Beobachtet man primär sein Antlitz etwas ausgiebiger, seine Augenbrauen, die sich immer wieder zu einem frechen V formieren und der daraus resultierende Blick, der eine leise, auch wenn es paradox klingen mag, kindliche Diabolik ausstrahlt, dann stellt man eigentlich relativ schnell fest, dass dieser Christian Slater irgendetwas Besonderes, etwas Einprägsames in seiner Ausstrahlung beherbergt. In seinem Konterfei nämlich tragen ein unschuldiges und ein durchtriebenes Ich einen Kampf auf die Ewigkeit aus. Schade, dass Slater als Schauspieler nie mit einer derartig plastischen Dualität auffahren respektive sich diese Eigenschaft wirklich zu Gebrauch machen konnte, um diese seine Rollen, waren sie denn dann einmal von psychologischer Relevanz gestrickt, förderlich zuzuordnen.


Der junge Slater als Novize in "Der Name der Rose"
Nein, als Schauspieler, als Künstler, wenn man so möchte, ist das Wort 'Durchschnitt' in Bezug auf Slaters Œuvre oftmals noch äußerst milde formuliert. Gleichwohl ist es wirklich nicht angebracht, die Qualität seiner Karriere mit einer solch schmälernden Begrifflichkeit über seinen Kamm zu scheren, denn auch ein Christian Slater durfte filmische Erfolge feiern, wenngleich er nicht unbedingt Grund für diese war, hat sein Name doch immer wieder in Relation mit seinen äußerst limitierten schauspielerischen Mitteln die Runde gemacht. Aber gehen wir doch einmal zurück auf Anfang und nähern uns Christian Slater und seiner Filmografie gleich mal mit einem echten Knüller: In Jean-Jacques Annauds atmosphärischer Literaturverfilmung „Der Name der Rose“ machte Slater als Novize Adson von Melk an der Seite vom großen Sean Connery zum ersten Mal auf sich aufmerksam, in dem er durch eine angenehm zurückhaltende, aber zu keiner Zeit schläfrige Performance dem unerfahrenen Lehrling ein passendes Gesicht verlieh und neben seinem gestandenen Kollegen keinesfalls durchfiel.


Zwei Frauenschwärme vereint, zu einer besseren Zeit
Danach folgten die von der Kritik ebenfalls überwiegend positiv aufgenommenen „Lethal Attraction“ (a.k.a. „Heathers“), der Kassenknüller „Robin Hood – König der Diebe“, „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“, „True Romance“, Interview mit einem Vampir“ und das Gefängnis-Drama „Murder in the First“. Dass Slater im Großteil dieser Filme eine nicht unbedingt tragende Rolle übernommen hat, erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass es ihm eben nicht vergönnt war, einen Film durch eigene Kraft zu tragen und er so dazu prädestiniert war, die Fäden aus der zweiten Reihe zu ziehen, ob als integrer Anwalt oder als aufmüpfiger Jüngling. Die 1990er Jahre waren natürlich zweifelsohne die Sternstunden Slaters, hatte er mit diesen sechs Werken doch einen ansprechenden Grundstein gelegt, den er mit „Operation: Broken Arrow“, „Hard Rain“ und dem zynischen Ulk „Very Bad Things“, in dem er extrovertiert wie nie ausspielen durfte, weiter betonierte. Im neuen Millenium aber wollte es, wie bei so vielen Darstellern, nicht mehr so recht klappen. Ob „Crime is King“, „Windtalkers“, „Masked and Anonymous“ oder „Mindhunters“: Slater war durch, seine Filmwahl, obgleich es zusprechende Stimmen gab, ebenfalls.


Inzwischen wurde auch Christian Slater vom DTV-Markt verspeist und zu einer leblosen Marionette der billigen Fließbandarbeit degradiert. Er wirkte in „Hollow Man 2“ mit, partizipierte mit Uwe Boll bei „Alone in the Dark“ und durfte sich noch so richtig in „Dolan's Cadillac“ zum Affen machen. Gute Auftritte, wie zum Beispiel in „Amok – He Was a Quiet Man“ sind Mangelware, Slater geht es nur noch um das schnelle Geld. Wenn dann schon mal wieder gute Angebote auf seinem Schreibtisch landen, ob in Serien oder auch von Lars von Trier, der ihm eine Rolle in „Nymph()maniac“ gegeben hat (ausgerechnet die schwächste, weil plakativste Episode), dann weiß er dem nichts wirklich entgegenzusetzen. Er bleibt der Durchschnittstyp. Und doch ist der Schwerenöter und Draufgänger (seine privaten Eskapaden sind weitreichend bekannt) irgendwie sympathisch, denn seine Augen verraten uns nach wie vor etwas Schelmisches, etwas Spitzbübisches, etwas Ehrliches. Doch auch das wird seine Karriere nicht mehr retten. 

von souli

Review: NYMPH()MANIAC: VOLUME I & II – Vergiss die Liebe

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Fakten:
Nymph()maniac: Volume I & II
Dänemark, BRD, Belgien, UK, Frankreich. 2013. Regie und Buch:Lars von Trier. Mit: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Uma Thurman, Jaime Bell, Connie Nielsen, Christian Slater, Daniele Lebang, Mia Goth, Willem Dafoe, Shia LaBeouf, Sophie Kennedy Clark, Maja Arsovic, Michael Pas, Caroline Goodall, Udo Kier, Jean-Marc Barr u.a. Länge Teil 1: 145 Minuten (Uncut-Fassung), 117 Minuten (Cut-Fassung). Länge Teil 2: 124 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren.
Ab 20. November 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der ältere Junggeselle Seligmann rettet Joe in einer Gasse vor einer Schlägerei. Daraufhin nimmt er die 50-jährige Frau mit zu sich nach Hause, um sie zu pflegen. Dabei erzählt Joe ihre Lebensgeschichte, die Lebensgeschichte einer Nymphomanin.





Meinung:
Nach seinem irritierenden „Okay, ich bin ein Nazi“-Statement in Cannes, das die Filmwelt 2011 postwendend zu einem echauffierten Tal keifender Furore konvertierte, erteilte sich Lars von Trier selbständig Redeverbot und lud sich gleichwohl aus allen folgenden Pressekonferenzen aus: Das dänische Enfant terrible wurde seinem Ruf als kontroverser Filmemacher wieder einmal gerecht, auch wenn er diese Äußerung hinter der Kamera gewiss mit einem leichtfertigen Augenzwinkern traf. Mit der losen Ankündigung zuvor, einen „echten Porno“ drehen zu wollen, entlockte er nicht nur seiner Fangemeinde erwartungsvolles Frohlocken, sondern zog mit einem gar brillanten Marketingfeldzug nach und lenkte den Fokus der gesamten Branche auf sein neustes Werk: Clips als Appetizer, Orgasmus-Poster und eine Laufzeit von angeblich über fünf Stunden, ließen die virtuelle Gerüchteküche Tag und und Nacht brodeln. Wie weit wird der Kopenhagener dieses Mal nun wirklich gehen, wie viel Porno steckt wirklich in „Nymphomaniac“, im Abschluss seiner Depressions-Trilogie? Expliziter Geschlechtsverkehr sollte nach seinem Opus Magnum „Antichrist“ keine Neuheit in seinem Œuvre darstellen.


 
Ob die Kollegen der CineCouch so ihre Podcasts aufnehmen?
Um die Lage zu Anfang schon gleich zu entschärfen: Nein, „Nymphomaniac“ ist kein handelsüblicher Pornofilm geworden, der seinen Sex willkürlich in das Geschehen integriert und diesen dann nur zur reinen Wichsvorlage für das Publikum degradiert. „Nymphomaniac“ ist hingegen ein echter Von Trier, durch und durch provokativ in seinen Anlagen, umso menschlicher im Umgang mit seiner Protagonistin Joe in der Gesamtansicht. Begrüßt werden wir mit einer Schwarzblende, die eine gefühlte Ewigkeit visuell die Leinwand für sich bestimmt, während sich die Regentropfen im Hintergrund leise einen Weg durch die Düsternis bahnen, um dann mit einer elegische Kamerafahrt durch die kalte Hinterhoftristesse fortzusetzen. Eine ästhetische Sequenz, die schließlich durch Rammsteins lospolterndes „Führe Mich“ vollkommen konterkariert wird. Irgendwann erreichen wir dann auch Joe, unseren Leitfaden, dessen geschundener, mit sanft auf sie herabfallenden Schneekristallen bedeckter Körper, der dann von Seligman aufgelesen wird. Er will ihr helfen und nimmt sie mit in seine Wohnung; sie jedoch macht ihm unmissverständlich klar, dass sie diese Hilfe nicht verdient hat.

 
Das werden die Klitschkos ganz wuschig: ein lebende Milchschnitte
Joe bietet Seligman an, ihm von ihrem Leben als Nymphomanin zu erzählen und nimmt ihn zusammen mit den Zuschauer mit auf eine episodische Reise durch einzelne, prägenden Stationen ihrer Vergangenheit. Von der frühen Kindheit, das Erwachen sexueller Bedürfnisse, ihrer Entjungferung, die Gründung eines Clubs für Nymphomaninnen, die das katholische Schuldbekenntnis „Mea culpa“ mal schnell zu „Mea vulva“ formen, bis hin zu ihrer ersten und letzten festen Beziehung mit Jerome. „Nymphomaniac“ zeigt sich im ersten Teil noch als vitales Erlebnis, das nicht nur jeden Rahmen seiner Erzählstruktur negiert, er funktioniert einfach auf derart vielen Ebenen, dass sich Lars von Trier für sein künstlerische Verständnis erneut breit grinsend auf die Schulter klopfen darf. Während Joe ihren Leidensweg Schritt für Schritt offeriert und sich permanent als schlechter Mensch versteht, versucht sie Seligman, die Enzyklopädie auf zwei Beinen, durch allerhand Exkurse und Analogien wieder in das richtige Licht zu rücken und ihre erdrückenden Schuldgefühle durch Gegenargumentationen zu entkräften. Zwischen Joe und Seligman entsteht ein zuweilen unbekümmerte Wärme, die in Joes dargebotener Tour de Force spätestens im zweiten Teil vollständig verschwindet.

 
Joe und Jerome sind voll in ihrem Element
Seligman fungiert als moralische Stütze, während Lars von Trier einen Teufel tut, das Verhalten seiner Joe in irgendeiner Weise zu moralisieren. Er intellektualisiert und psychologisiert es, und das durch verschiedenste Mittel, doch er verurteilt nicht, dafür liebt er seine Nymphomanin viel zu sehr. Wenn Seligman auf die Fibonacci-Folge zurückgreift oder die Beutejagd Joes, die bis zu 10 Männer pro Nacht zur Lustbefriedigung benötigt, durch das Fliegenfischen versinnbildlicht, dann ist die Spielfreude Von Triers geweckt und „Nymphomaniac“ entpuppt sich zur humorvollen Groteske, die jener depressiven Disposition entgeht, die noch „Antichrist“ und „Melancholia“ regierte. Über die gallige Note in „Nymphomaniac“ darf gelacht werden, nur man sollte sich darauf gefasst machen, dass von Trier mit den letzten drei der insgesamt acht Episoden die Tonalität wechseln wird. Von der jungen Frau, die sich zusammen mit ihrer Freundin von Zugabteil zu Zugabteil schlägt und mit ihr um die Wette mit Männern schläft, nur um eine Tüte Schokopralinen zu gewinnen; die junge Frau, die noch unverständlich dreinblickt, als ein Passagier ihr erklärt, dass er sein Sperma eigentlich für seine Frau aufbewahren wollte, um ihr 2 Minuten später schon in den Mund zu spritzen, wird im zweiten Teil eine Frau, deren Vagina sich empfindungslos zeigt, die sich auf neue, sado-masochistische Bahnen schlägt, um endlich wieder etwas zu fühlen.

 
Joe und K haben eine ganz besondere Beziehung
Joe ist unfähig zu lieben, sie kann sich nicht um das gemeinsame Kind mit Jerome kümmern, dem sie ihre Taubheit genau dann gesteht, als eigentlich alles perfekt schien; in dem Moment, in dem Von Trier Joes Nymphomanie durch Bachs Polyphonie in grandiosen Split-Screens deutet. Danach geht es – bis auf die amüsante Szene mit zwei Schwarzen, die sich darum streiten, wer Joe denn nun anal und wer sie vaginal penetrieren darf - düster und pessimistisch einher. Ihre vordergründige Liebe zu erweist sich als unerreichbar, Jerome lässt sie gehen, damit sie ihre Vagina reaktivieren kann und trifft auf K, der ihr mit 40 Peitschenhieben auf den nackten Hintern, endlich wieder ein Gefühl schenkt, ohne das sie nicht mehr existieren kann: Ihre wütend-frigile Obsession zerfrisst sie langsam von innen heraus. Dass Lars von Trier hier natürlich auch die Hintergründe der Pornomaschinerie, wie auch die prüden Konventionen unserer Gesellschaft dekonstruiert, versteht sich angesichts des Themenspektrums natürlich von selbst. Wie offen und ehrlich er Joe, ihrer Sucht und ihrer Emanzipation, aber durchweg entgegentritt, das hat schon etwas ungemein Berührendes. „Nymphomaniac“ ist ein Psychogramm, das sich nicht für äußerliche Normen interessiert, sondern für den fatalen Werdegang seiner Akteurin – Und dabei darf sich der gute Lars inzwischen natürlich so manche Selbstreferenz leisten.


Schwach sind im ungemein philosophischen und feministischen „Nymphomaniac“ nicht die Opfer ihrer Gelüste, es sind die Personen, die sich und anderen zwanghaft emotionale Selbstverständlichkeit einreden möchten. In der Selbsthilfegruppe wird das illustrativ auf die Spitze getrieben: Joe besteht auf ihre Anrede als Nymphomanin, sie ist nicht sexsüchtig, sondern eine Nymphomanin. In Teil 2 hat sich die Narrative von „Nymphomaniac“ auch gänzlich vom zerstückelten Episodenhaften verabschiedet und lässt seine Maschen näher, bitterer zusammenwachsen. Wo Joe landen wird, macht uns Lars von Trier schon zu Anfang deutlich, wie sie das Leben aber in diese Situation manövrieren wird, das schmerzt und setzt einen Stich in das Herz, wie ihn nur Lars von Trier setzen kann, um dann, wenn sich die Wogen angeblich geglättet haben, wenn alle Entscheidungen getroffen sind, noch einmal zum letzten Schlag auszuholen. Mensch heißt Mensch heißt Widersprüche, das hat Lars von Trier erkannt, genau wie er richtig erkannt hat, dass manche Menschen sich nun mal mehr vom Sonnenuntergang, als von ihrem Aufgang erhoffen.


8 von 10 erigierte Penisse


von souli