Review: SWEENEY TODD - Blutgetränkte Musical der Rache

Keine Kommentare:


Fakten:
Sweeney Todd
USA. 2007. Regie: Tim Burton. Buch: John Logan. Mit: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman, Timothy Spall, Sacha Barn Cohen, Jamie Campbell Bowers, Ed Sanders, Lara Michelle Kelly u.a. Länge: 116 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Aufgrund einer Intrige wird Benjamin Barker angeklagt und aus London verbannt. Initiator all dessen ist Richter Turpin, der nach Barker Verschwinden dessen Frau ehelicht und  Barkers Tochter groß zieht. Nachdem Barkers Frau verschwindet, weil die brutalen Misshandlungen sie gebrochen haben, ist Tochter Lucy auf sich allein gestellt. 15 Jahre später kehrt ihr wahrer Vater allerdings zurück. Er gibt sich als Barbier aus, um blutige Rache an Turpin und allen Mitschuldigen zu nehmen.





Meinung:
Tim Burtons Sondheim-Adaption findet in der Vorlage schon gerne die beliebten Themen des Regisseurs, geht es doch vornehmlich um Ausgegrenzte, Abwegige, sprich finstere Gesellen, die schlicht missverstanden sind (und dennoch die Fetzen fliegen lassen). Im Vergleich zu solch herzhaften Antagonisten wie Alan Rickman und Timothy Spall wirkt ihr folgendes mörderisches Handeln dementsprechend reizvoll bis gar sympathisch. Der Schlusspunkt der Rache nimmt daher einen großen Teil der persönlichen Erfüllung für Charaktere und Narrativ ein, leitet aber unmissverständlich in eine tragische Note über, mit der auch schon alles begonnen hatte. Die letztendliche düstere Todes-Poesie ist für den Regisseur ein Idealfall, doch darauf arbeitet er sodann konsequent und stimmig genug hin, als dass die Eigenarten der Musical-Verfilmung hier zum schmückenden Beiwerk verkommen.


Barker bekommt seine schnittige Rache
Exzellent choreographiert er die Intimität seines Ensembles, erkundet ihre konzentrierten Domizile der verzweifelten Verwirklichung mit angemessen-objektivem Tempo. Die Inbrunst der musikalischen Gefühlsausdrücke geht daher auch nicht in ausschweifendem Licht, Prunk und Statistenfülle auf - die Stimme im gezeichneten Gesicht und der blutige Schnitt mit der Klinge lassen da schon alles Nötige raus; die jeweiligen Persönlichkeiten suchen ihre Identität dann bezeichnenderweise genügsam in zersplitterten Spiegeln und ihren wenigen verbliebenen Freunden, den Rasiermessern. Der innere Druck brennt aber unentwegt und so prescht ein opulentes Liedgut nach dem Anderen durch das graublaue London, das zudem mit der Künstlichkeit von CGI unterfüttert wird. Doch selbst dies arbeitet effektiv im Sinne des Films, da Burton mit der artifiziellen Oberfläche eine Durchschaubarkeit erzielt, die wiederum klaustrophobische Stimmung herbei fördert (siehe Mrs. Lovetts Tagtraum).


So oder so evoziert er unangenehme Orte, Fantasien und Psychogramme; disharmonische Innen- und Außenleben, die ihre Konfrontation zumindest in einer kompositorischen Harmonie abhalten können. Da die Motivation des Sweeney Todd nämlich auf Schicksal und Tod beruht, gesellt sich nun mal das Schicksal erneut hinzu, um den Kreislauf des unausweichlichen Todes in rabiater Konstruktion aufzustellen - nicht nur für Antagonisten und andere Opfer, sondern ebenso/umso einschlagender für die Hauptbelegschaft. Das Verständnis ist dennoch durchweg auf der Seite des Fehlerhaften, misanthropischen Erotomanen und Zerrissenen; findet ebenso den schwarzhumorigen Genuss in zerplatzten Schädeln sowie im unfreiwilligen Kannibalismus wie auch die bittere Romantik in Stillleben des Ausblutens. Im Endeffekt eine schier ungebändigte Auseinandersetzung mit dem Sterben, diese dritte R-Rated-Arbeit von Burton, doch keinesfalls eine verblümte, höchstens exzessiv-introvertierte, wenn man so will. Ein sehnlich verschrobener Reißer der Seelenpein.


7,5 von 10 kannibalistischen Kuchen


vom Witte

Review: DIE HERREN DRACULA - Wenn der Vater mit dem Sohne...Särge kauft

Keine Kommentare:


Fakten:
Die Herren Dracula (Dracula père et fils)
FR, 1976. Regie: Édouard Molinaro. Buch: Alain Godard, Édouard Molinaro, Jean-Marie Poiré, Claude Klotz (Vorlage). Mit: Christoper Lee, Bernard Menez, Marie-Hélène Breillat, Catherine Breillat, Mustapha Dali, Bernard Alane, Claude Génia, Jean-Claude Dauphin, Anna Gaël, Gérard Jugnot u.a. Länge: 95 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Richtig nach Papa kommt Draculas Sohn Ferdinand nicht gerade. In über 200 Jahren hat er noch keinen Menschen getötet, um seinen Blutdurst zu stillen. Sein Vater ist schwer enttäuscht. Die rumänische Revolution zwingt die Beiden zur Flucht aus ihrer Heimat, auf der sie getrennt werden. Junior strandet in Paris, wo er sich getarnt als illegaler Einwanderer mit ehrlicher Arbeit über Wasser hält, nach Möglichkeit mit welcher, die ihm ohne schlechtes Gewissen den Zugang zu Blut ermöglichen. Senior landet in London, merkt schnell, dass es in der modernen Welt nicht so einfach ist, sich nach Belieben durch die Gegend zu beißen und wird zufällig Star einer Vampirfilmproduktion. Als Dreharbeiten ihn nach Paris verschlagen, ist die Familie endlich wieder vereint. Doch dann begegnet Dracula Nicole, dem exakten Ebenbild seiner verstorbenen Gemahlin. Sie soll für die Ewigkeit an seiner Seite sein, was Menschenfreund Ferdinand verhindern will.







Meinung:
Einige Schauspieler durften in ihrer Karriere schon in die Rolle von Graf Dracula (oder einer Variation davon) schlüpfen, doch niemand so oft wie Christopher Lee. Erstmals für die Hammer-Studios im Jahr 1958, allein für sie verkörpert er satte acht Mal den Fürst der Finsternis, was ihn zur Legende machte. 1976 waren diese Zeiten vorbei, die Hammer-Studios schon selbst so gut wie tot, dennoch legte er noch einmal Fangzähne und Umhang an. Für die französische Persiflage „Die Herren Dracula“ parodiert er selbst seine berühmteste Rolle. Im ersten Moment klingt das ehrlich gesagt wenig schmeichelhaft, eher wie ein peinliches Gnadenblut für den gestandenen Mimen. Glücklicherweise ist dem nicht so, immerhin sitzt mit Regisseur Édouard Molinaro ein Komödienfachmann am Ruder (u.a. „Oscar“ oder „Ein Käfig voller Narren“).


Auch wenn es nicht so aussieht, er ist kein Mustervampir
Zu Beginn scheint kaum ein Unterschied zu den ursprünglichen Hammer-Filmen bestehen, die ersten zehn Minuten könnten genauso gut aus jedem von diesen stammen. Erst wenn Draculas Sohnemann (der Familienname wird übrigens nur im Titel, nie im Film erwähnt, bleiben wir trotzdem einfach mal dabei) das Licht bzw. eher die Dunkelheit der Welt erblickt – ganz stilecht in einer Sarg-Wiege, sehr putzig – beginnt der lustige Teil. Mit fünf Jahren hält der Kleine seinen inzwischen verwitweten Vater ordentlich auf Trab. Spielt mit menschlichen Schädeln („Ferdinand, man kegelt nicht mit der Urne seiner Mutter!“), will sein Blutfläschchen nicht austrinken und sperrt lausbübisch die untote Nanny bei Sonnenaufgang vor die Tür, der kleine Racker. Typische Kleinkinder Probleme eben. Allerdings entwickelt sich Ferdinand nicht zu Papas ganzen Stolz: Mit 200 Jahren ist er immer noch ein Flaschenkind, das Töten von Menschen ist ihm zuwider. Der politische Umbruch in ihrer Heimat zwingt sie auch noch zur Aufgabe ihres bis dato in der Zeit nahezu stehengebliebenen Jagdgebietes, sie müssen auf die andere Seite des Eisernen Vorhanges, in den goldenen Westen fliehen. Nicht ganz einfach, auch für Vampire, und so trennen sich unfreiwillig ihre Wege. Während Ferdinand sich in Paris als illegaler Tagelöhner inkognito durchs Leben schlagen muss, irrt der einst so stolze und gefürchtete Vater durch die Nacht von London und muss feststellen, dass die moderne Welt so einige Tücken parat hält für Blutsauger, die nur das transsilvanische Hinterland gewohnt sind.


Auch auf seine alten Tage ist Papa ein Gourmét geblieben.
Allein diese Idee beinhaltet schon eine feine Ironie. Ferdinand versucht sich als Mensch zu integrieren, will Arbeiten und ein verhältnismäßig „normales“ (Menschen)Leben führen, muss jedoch irgendwie versuchen, seinen Blutdurst zu stillen. Papa hingegen will einfach weiterhin sich durch die Bevölkerung saugen, scheitert dabei an der Blutarmut von Gummipuppen oder der ihm bisher unbekannten Transparenz von Glastüren (egal wie blöd das klingt, wenn das so exakt getimt ist, ist auch so was echt lustig) und muss letztlich – wenn auch zufällig - einen menschlichen Beruf annehmen (als Darsteller in einem Vampirfilm, „Shadow of the Vampire“ lässt grüßen) um nicht zu verhungern. Ganz frei von Albernheiten ist und kann wohl ein Film wie „Die Herren Dracula“ kaum sein, dafür noch in einem angenehmen, eher gedrosselten Rahmen. Die meisten Gags funktionieren tatsächlich recht gut, manche Momente sind schlicht zum Schießen. Allein eine klassische Mann-Frau-Problematik im Schlafzimmer…pardon, im Sarg…und wie elegant der Herr sich der nervigen Situation entledigt, köstlich („Armes Schnuckilein“). Auch der Einkaufbummel von Vater und Sohn beim Bestatter kann sich sehen lassen („Darf mein Sohn ihn probieren?...Zieh‘ deine Schuhe aus!“).  


Es ist hier nicht alles pures Comedy-Gold, das braucht man nicht beschönigen, dennoch werden genug nette Situationen geboten, die für ein angenehmes Sehvergnügen sorgen. Zum Schluss baut der Film dann nur sichtlich ab, der Vater/Sohn-Konflikt um das Ebenbild von Gattin/Mutter ist kein besonderes Highlight, das schleicht sich so zum Abspann hin. Trotzdem, insgesamt macht der Film deutlich mehr Spaß, als man wahrscheinlich vorher erwartet hätte. Das ist kein „Tanz der Vampire“, aber auch kein dümmliches Kasperletheater und Christopher Lee hatte offensichtlich auch Spaß am Dreh, das merkt man. Nicht selbstverständlich, solch ein Rollenangebot hätten viele an seiner Stelle wahrscheinlich empört abgelehnt. 

6 von 10 widerspenstigen Katzen

Review: NIGHTCRAWLER - Ein Film der Ambivalenzen

Keine Kommentare:


Fakten:
Nightcrawler
USA. 2014. Regie und Buch: Dan Gilroy. Mit: Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rene Russo, Bill Paxton, Ann Cusack, Kevin Rahm, Kethleen York, Jonny Coyne, Michael Hyatt, Eric Lange u.a. Länge: 117 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 27. März auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Lou Bloom lebt in Los Angeles, behaust ein kleines Apartment und verdient sein Geld mit illegalen Geschäften wie Betrügereien oder dem Stehlen von Baumaterial. Doch er will mehr, er will einen richtigen Job! Doch sein Streben nach einer Anstellung bleibt erfolglos. Als er nachts Zeuge wird, wie ein Kamerateam einen Polizeieinsatz rund um einen Autounfall filmt und er erfährt, dass man diese Aufnahmen den städtischen TV-Sendern verkaufen kann, ist sein Interesse geweckt. Lou tauscht ein geklautes Rennrad gegen eine Kamera und geht nachts selbst auf die Jagd, nach großen, spektakulären Bildern, die er der abgebrühten News-Redakteurin Nina verkaufen kann. Schnell feiert Lou durch seine durchtriebene und waghalsige Art Erfolge und stellt mit dem obdachlosen Rick noch einen Gehilfen an. Doch Lou will noch mehr Erfolg und er ist auch bereit Grenzen dafür zu verschieben oder gleich zu brechen.





Meinung:
Sein Bruder, Tony Gilroy, bewies mit seinem Regiedebüt ein gutes Gespür für eine tolle Geschichte, grandiose Darsteller und eine fesselnder Inszenierung. Ob Dan Gilroy mit „Nightcrawler“ ebenfalls solch ein grandioses Werk abliefert wie sein Bruder mit „Michael Clayton“?


Lou und sein "Angestellter" beim Arbeitsgespräch
Die Medienschelte, die „Nightcrawler“ betreibt, ist angriffslustig und plakativ. Sie negiert sich gegenüber Graustufen und funktioniert als fratzenhafte Spiegelung des medialen Wahns der Skandale, großen Bilder und emotionalen Trubels. Lou Bloom erweist sich dabei als eine Art Frankensteins Monster dieser Welt. Er ist die menschgewordene Essenz einer Gesellschaft, die Erfolgsdruck als genauso attraktiv und begehrenswert beschreibt wie alltägliche Nettigkeiten. Bloom ist so smart wie rücksichtslos, so charmant wie durchtrieben, so eloquent wie radikal. Ein Wolf im Schafspelz, der schnell versteht, wie die Regeln des Systems funktionieren, wie man sie optimal befolgt und somit Erfolge feiern kann. Eine ethische Komponente gibt es dabei nicht und wenn doch eine erscheint, versandet sie in der Scheinheiligkeit. Lou Bloom ist „Bild“ und „heftig.de“ in Menschengestalt. Das Plakative an „Nightcrawler“ ist aber keine Passivität oder ungeschicktes Denken, sondern Teil der Offenlegung, die der Film praktiziert. Dan Gilroy nutzt Simplizität um einen Kreislauf sichtbar zu machen. Wenn am Ende von „Nightcrawler“ die Autos über die nächtlichen Straßen von Los Angeles heizen, sie dem Gegenverkehr ausweichen, sie sich überschlagen und gegen andere Fahrzeuge knallen, dann ist klar, dass die mediale Realität die Normalität vollends bestimmt. Das von den Marktschreier-Medien propagierte Weltbild, wir haben es längst angenommen und es zu unserem gemacht. So erweist sich Lou Bloom als absoluter Autonomer, hat er doch verstanden was zu tun ist, um das Spiel, das System so zu nutzen, dass man darin wandeln kann, ohne sich zu verändern und gleichzeitig Erfolge zu feiern. Er ist ein Monster, welches Egoismus und Gier so kongenial einnahmt hat, dass es adrett zu ihm passt. Lou Bloom ist das kompromisslose Ideal eines modernen Menschen. Sehr furchteinflößend.


Ausnahmsweise steht Lou einmal im Scheinwerferlicht
Jake Gyllenhaal („Enemy“) verkörpert diesen Lou Bloom mit solch einer rasiermesserscharfen Präsenz und dennoch ist es schwer in klassisch zu katalogisieren. Bloom ist zwar ein klar taktierender, eloquenter Egozentriker, der mit vermeintlich liberalem Narzissmus durch die Welt geht und der sich selbst als Gutmensch sieht und sich so auch seiner Umwelt verkauft. Zeitgleich schlummert aber in ihm etwas. Etwas zittrig-fiebriges. Wie ein Monster im Keller, welches nicht von äußeren Umständen freigelassen wird, sondern nur von Bloom selbst. Ein Mann wie Dr. Jekyll und Mr.Hyde, der eigenständig zwischen den Polen wechseln kann. Wie Gyllenhaal das spielt ist schlicht und ergreifend sensationell und schlägt die Qualität seinen gefeierten Auftritt in „Prisoners“ noch einmal um Längen. Dank Gyllenhaal ist Blooms garstige Seele jederzeit spürbar und präsent und dennoch umweht ihn der scheinbar unverdrängbare Schleier des Charmanten. Furchteinflößend superb, vor allem durch die Koppelung, bzw. Fixierung an den gesellschaftskritischen Kontext. Das neben Jake Gyllenhaal da nicht mehr viel Platz bleibt verwundert nicht. Aber die Nebenakteure Riz Ahmed („Four Lions“) und Rene Russo („Lethal Weapon 3“) geben sich dennoch Mühe neben Bloom darstellerisch zu bestehen. Ein wahrer Härtetest, den sie allerdings bestehen, besetzen sie doch die Nischen des menschlichen Wesens, die Bloom nicht ausfüllen will oder noch nicht kann. Gyllenhaal, Ahmed und Russo (schön sie endlich mal wieder in einer echten Rolle mit Charakter zu sehen): die Besetzung von „Nightcrawler“ ist schlicht und ergreifend betörend.


Die besten Bilder für Lou Bloom
Betörend sind nicht nur Gyllenhaal und die endlich wieder darstellerisch geforderte Rene Russo, sondern auch die Bilder von „Nightcrawler“. Kameramann und Oscar©-Preisträger Robert Elswit, der u.a. bereits einige Meisterwerke von Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“, „Punch-Drunk Love“, „There Will Be Blood“) kinetisch eingefangen hat, erzeugt hier Bilder die zum einen äußert Klar aufgenommen und bebildert wirken und dennoch immer eine passive Ruhelosigkeit sowie Aggression beinhalten. Hinter den glatten Digitalbildern schlummert die Rauheit der Millionenmetropole Los Angeles. Elswit gibt den Charaktere des Lou Bloom quasi mit seinen Straßen- und Stadtporträts wieder: hinter einem klaren Äußeren verbirgt sich eine gewaltvolle Kraft. „Nightcrawler“ ist in vielen Bereichen ein Film der Ambivalenzen und auch deshalb so verdammt gut.


Also ist Dan Gilroys Regiedebüt ähnlich gelungen, wie das Debüt seines Bruders Tony aus dem Jahre 2007? Ja, das ist es. Beides Meisterwerke; beide exerzieren intelligentes wie unterhaltsames Kino mit Kern und Aussage, welches den Hauch des New Hollywoods beinhaltet. „Nightcrawler“ ist einer der besten Filme des Jahres und eine weitere Visitenkarte für die schauspielerischen Qualitäten von Jake Gyllenhaal.


10 von 10 Weitwinkelaufnahmen

Trailerpark: Zum fünften Mal ist nichts unmöglich - Deutscher Trailer zu MISSION: IMPOSSIBLE - ROGUE NATION

Keine Kommentare:



In „Mission: Impossible – Rogue Nation“ bekommt es Agent Ethan Hunt und sein Team mit der Terrororganisation „The Syndicate“ zu tun. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht die IMF (Impossible Mission Force), Hunts Arbeitgeber, zu zerstören. Um dies in die Tat umzusetzen ist der Organisation jedes Mittel recht und gut vorbereitet, wie ausgestattet sind sie dafür auch. Kein Wunder, denn ein rachsüchtiger Bürokrat aus Washington hat seine Finger mit im Spiel. Teil 5 erscheint bei uns am 6. August. Mit dabei sind alte Bekannte wie Simon Pegg, Jeremy Renner und Ving Rhames. Neu dabei sind Sean Harris, Simon McBurney und Alec Baldwin. Das Drehbuch stammt von Drew Pearce („Iron Man 3“). Viel Spaß mit dem ersten, deutschen Trailer.


Review: MAGIC IN THE MOONLIGHT – Wer Liebe leben will, muss Magie akzeptieren

Keine Kommentare:


Fakten:
Magic in the Moonlight
USA. UK. 2014. Regie und Buch: Woody Allen. Mit: Colin Firth, Emma Stone, Jacki Weaver, Hamish Linklater, Eileen Atkins, Simon McBurney, Marcia Gay Harden, Erica Leerhsen, Lionel Abelanski u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Ab 16. April auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Côte d’Azur in den 1920er Jahren: Illusionist Stanley soll der vermeintlichen Wahrsagerin Sophie das Handwerk legen. Diese zieht den abergläubischen Reichen schon seit einiger Zeit das Geld mit ihren Wahrsagungen und Prophezeiungen aus der Tasche. Stanley schleicht sich in die High Society ein, verfällt dort aber nicht nur dem Leben im Luxus, sondern auch der hübschen Sophie.





Meinung:
Hat Woody Allen denn nun wirklich seinen Drive verloren? Ruht sich der Künstler, dem wir Meisterwerke wie „Manhattan“, „Innenleben“ und „Hannah und ihre Schwestern“ zu verdanken haben, inzwischen einzig auf seinem renommierten Ruf aus und agiert in seinem Spätwerk auf Autopilot? Möchte es sich der passionierte Neurotiker, der in Brooklyn aufgewachsene Intellektuelle, nicht einmal mehr selbst beweisen, dass er noch zu wahren cineastischen Sternstunden in der Lage ist? Die internationale Rezeption versucht uns nur zu gerne davon in den Glauben zu versetzen, dass sich Woody Allen doch endlich in den Ruhestand begeben soll, anstatt uns mit seinem touristischen Blick auf europäische Metropolen zu narkotisieren. Aber all der despektierliche Sermon ist natürlich Unsinn: Woody Allen ist nach wie vor ein großartige Regisseur und Drehbuchautor, ihn hat zwar größtenteils die Lust dahingehend verlassen, die Abgründe und Diskrepanzen innerhalb zwischenmenschlicher Geflechte freizuschaufeln, für schwereloses Sommerkino sorgt der Mann indes nach wie vor in unumstößlicher Verlässlichkeit.


Stanley misstraut Sophie noch
Ab und zu schleichen sich dann und wann noch etwas bedrückendere Stoffe wie etwa „Cassandras Traum“, „Match Point“ oder zuletzt „Blue Jasmine“ in das Schaffen, Woody Allens sonnengeflutete Städtetour aber steht vor allem unter einem entspannten, einem besonnenen Emblem. Und sein neustes Werk „Magic in the Moonlight“, vortrefflich in den Hauptrollen mit Colin Firth („Kingsman – The Secret Service“) und Emma Stone (Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) besetzt, stellt im Konnex zu „Vicky Cristina Barcelona“, „Midnight in Paris“ oder „To Rome With Love“ keine Ausnahme dar. Woody Allen ist indes auch freilich an dem Punkt angekommen, an dem er es sich mehr als nur erlauben darf, mit Selbstzitaten zu hantieren und charakteristische Topoi zu recyclen. In „Magic in the Moonlight“ schlüpft Colin Firth in die Rolle eines Illusionisten, der auf der Bühne als Wei Ling Soo ganze Elefanten verschwinden lässt, hinter der Bühne aber mit seiner Aversion gegenüber übersinnlichen Theorien geradezu hausieren geht.


Noch genießt nur Sophie das Leben in Frankreich
Und da ist die erste Szene von „Magic in the Moonlight“ selbstverständlich selbstreflektorisch zu deuten: Wei Ling Soo zieht sich hinter die Kulissen eines Berliner Varieté zurück und aus ihm schält sich der stetig lamentierende Stanley – Eine Variation des Alter Ego Woody Allens. Von seinem Kollegen und langjährigen Kumpanen Howard (Simon McBurney) mit dem Auftrag gesattelt, im Frankreich der späten 1920er Jahre die (vermeidliche) Hochstaplerin Sophie zu entschleiern, macht sich Stanley auf den Weg an die Cote d'Azur. Woody Allen hat sich Zeit seines Künstlerdaseins immer mal wieder mit Illusionen, Hokuspokus, Paranormalität und in gewisser Weise auch Okkultismus beschäftigt; das Fazit, welches Allen in „Magic in the Moonlight“ letztlich zieht, fällt versöhnlicher denn je aus. Die von allen Seiten bejubelte Spiritisten Sophie vernimmt unentwegt mentale Schwingungen, Stanley, Zyniker durch und durch, straft das Ganze schnell als 'theatralischen Dünger' ab, ist als er sturer Rationalist doch freilich felsenfest von der an der Riviera aufgefahrenen Scharlatanerie überzeugt: „Dieses Verhaltet spottet jeder Vernunft“, wiederholt er immerzu.


Bis auch er eine Art Epiphanie spendiert bekommt und gar dazu gezwungen scheint, seine festgefahrene Weltanschauung noch einmal zu überdenken. Woody Allen wäre natürlich nicht Woody Allen, wenn nicht irgendwo doch noch ein Kurswechsel warten würde. Was ihm mit „Magic in the Moonlight“ aber wirklich wunderbar gelingt, ist die Verdeutlichung, dass die Liebe immer synonym für die Magie steht: Egal, wie sehr sich Stanley auch auf wissenschaftliche Belege erpicht, die Liebe selbst muss als Irrationalität angenommen werden, anstatt zwanghaft den Trick, den doppelten Boden, die gezinkten Karten dahinter zu suchen. „Magic in the Moonlight“ ist genau die erschwingliche, von idyllischen Postkartenmotiven gesäumte Fingerübung, wie sie dieser Tage in dieser schlafwandlerischer Souveränität wohl nur unter Allen'schen Banner vollbracht werden. Das mag alles nicht mehr die durchschlagende Klasse früherer Hochzeiten besitzen, ist aber immer noch so charmant und geistreich, dass es töricht wäre, Woody Allen nur noch als 'Schatten seiner selbst' zu denunzieren. Wenn verträumtes Kino, dann doch bitte so.


6,5 von 10 Unterschlüpfe im Observatorium


von souli