Fakten: Mission: Impossible –
Rogue Nation
USA. 2015. Regie: Christopher McQuarrie. Buch: Christopher
McQuarrie, Drew Pearce. Mit: Tom Cruise, Rebecca Ferguson, Simon Pegg, Sean
Harris, Jeremy Renner, Ving Rhames, Alec Baldwin, Simon McBurney, Tom
Hollander, Jingchu Zhang, Hermione Corfield, Jens Hulten u.a. Länge: 131
Minuten. FSK: freigegeben ab
12 Jahren. Ab 17. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story: Nach den letzten Vorfällen rund um die IMF, übernimmt der CIA nun die Führung
der Abteilung und dieser befiehlt, dass alle Agenten zurückgezogen werden.
Ethan Hunt taucht jedoch unter, denn kurz vor diesem Befehl sieht er sich damit
konfrontiert, dass eine Terrororganisation namens das Syndikat, bestehend aus
Ex-Agenten, vor hat die Welt ins Chaos zu stürzen. Hunt muss handeln und macht
sich so nicht nur zum Staatsfeind Nummer 1, sondern auch zur wandelnden Zielscheibe
für das Syndikat. Zum Glück bekommt er Hilfe von seinen Freunden, aber auch von
einer mysteriösen Fremden.
Meinung: Es sollte bekannt sein,
aber vorsichtshalber wird in diesem Absatz das wiederholt, was wir bereits bei
unserer Kritik zu „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ gesagt haben: Das
Schöne an der Reihe ist, dass man jedem Teil die individuelle Handschrift
seines Regisseur ansieht und so war die Neugier groß, wie sich Christopher
McQuarrie als Erbe von Vorgängerregisseur Brad Bird schlagen wird und vor allem
ob er seinen ganz eigenen Stil rund um Superagent Ethan Hunt und die IMF (Impossible
Mission Force) einfließen lassen wird.
Das nennt man mal einen waschechten Last Minute-Flug
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ fängt nicht genau dort an wo Teil vier
endete, doch gab dieser schon einmal den Antagonisten vor. Gemeint ist das
Syndikat, jene mysteriöse wie skrupellose Gemeinschaft von ehemaligen
Top-Spionen, die die Welt ins Chaos stürzen, vorher aber noch rasch die IMF
ausschalten will. Zu ihrem Glück steht die strenggeheime Organisation eh auf
der Abschussliste des CIA, denn wer für die Sprengung des Kreml (mit)verantwortlich
ist (siehe „Phantom Protokoll“), der ist bei den Staatsoberen nicht unbedingt
gerne gesehen. Hier ist bereits auffällig, dass „Rogue Nation“ die Ereignisse
seine direkten Vorgängers miteinbezieht. Wirkten Teil 1 und Teil 2 regelrecht
losgelöst von einander, so scheinen die Filme ab dem dritten Teil marginal
miteinander verzahnt zu sein. Eine waschechte Kohärenz kommt dabei nicht zu
Stande, muss aber auch gar nicht. Aber die Frage bleibt spannend, wie sich die
Reihe weiterentwickeln wird, denn einiges deutet darauf hin, dass „Mission:
Impossible – Rogue Nation“ Potenzial hätte, für ein direktes Sequel. Es wäre interessant
wenn es wirklich kommen sollte, aber definitiv auch verschmerzbar wenn der nächste
Einsatz von Ethan Hunt doch wieder losgelöst vom Vorgänger stattfindet.
Nimmt die Sache selbst in die Hand: Rebecca Ferguson
Aber egal welcher Nachfolger uns demnächst erwartet, er wäre schön, wenn das
Team wieder etwas mehr in Fokus stehen würde. Die Interaktion zwischen den verschiedenen
Charakteren machte „Phantom Protokoll“ u.a. zu wunderbar kurzweilig und
unterhaltsam. Bei „Rouge Nation“ ist immer noch Teamwork angesagt, jedoch ist
deutlich zu erkennen, dass die Marketingstrategen herausgefunden haben, dass
die Zuschauer wohl vor allem Erhan Hunt und Hacker Benji Dunn miteinander
agieren sehen wollen. Das ist verständlich, denn die Chemie zwischen Aushängeschild
Tom Cruise und Spaßvogel Simon Pegg ist schmissig und eingängig. Dennoch wird
es hier etwas zu oft und zu sehr betrieben, die Interaktion zwischen dem
Agentenprofi und dem abenteuerlustigen aber auch etwas ängstlichen
Vorzeige-Nerd. Jeremy Renner alias William Brandt, der im vierten Teil noch
eine der interessantesten und besten Neuzugänge war sowie „Mission: Impossible“-Veteran
Luther Strickell (Ving Rhames) kommen dagegen eindeutig zu kurz. Darstellerin
Rebecca Ferguson hingegen, die hier ihren Einstand feiert, darf hingegen mit
galanter Robe, athletischen Kampffähigkeiten und kühlem Blick klar von sich
behaupten, dass sie einen guten Ersteindruck hinterlässt, auch weil das Script
von Christopher McQuarrie und Drew Pearce keine typische damsel in distress aus ihr macht. Eher im Gegenteil.
Auf den Straßen von Casablanca geht es heiß her
Ferguson sowie Cruise sind in einigen, wirklich hübsch gefilmten, Actionszenen
zu sehen, wobei Ferguson meist für die Athletik zuständig ist, während Cruise
(natürlich ohne Stunt Double) die ganz großen Klötze bewerkstelligt, allen
voran die Anfangsszene, in der er sich von außen an ein Transportflugzeug klammert.
Eine wirklich eindrucksvolle Szene, doch die immer noch schwindelerregende wie
höhenangstverursachende Kletterszene aus Teil 4, bei der Tom Cruise auf der
spiegelglatten Außenfasse des über 800 Meter hohen Burj Khalifa in Abu Dhabi herumkletterte,
bleibt immer noch ungeschlagen. Aber natürlich besitzt „Mission: Impossible –
Rogue Nation“ einige nennenswerte Actionmomente, z.B. eine Verfolgungsjagd in
Casablanca, die von den engen Straßen der Altstadt, auf den Highway hin zu den
staubigen Serpentinen des nordafrikanischen Gebirges wechselt. Wahrscheinlich
die beste Verfolgungsjagd der Reihe und dieses (bisherigen) Kinojahres. Aber verwundern
sollte das niemanden, denn die „Mission: Impossible“-Filme waren schon immer
bekannt für ihre ikonischen wie stets effektiv und adrenalinhaltigen Action,
wie auch Spannungsszenen. Man denke z.B. nur an die lautlose Infiltration des
Computerraums im ersten Teil.
Ethan Hunt wird immer mehr in die Ecke gedrängt
Wo für die „Mission: Impossible“-Filme ebenfalls bekannt sind, sind ihre
Schurken, die meist doch irgendwie genauso profillos und austauschbar bleiben
wie der MacGuffin (den man übrigens hier vergebens sucht), den es im jeden Teil
gibt. Bei „Rouge Nation“ versucht nun der britische Darsteller Sean Harris,
einigen vielleicht bekannt aus Scott Derrickson Exorzismus-Quark „Erlöse uns
von dem Bösen“, sich daran eine hervorstechende Spur im Sand des Franchise zu
hinterlassen. Aber so bedrohlich seine Erscheinung mit dem sinisteren Blick,
der leisen Stimme und dem dürren Gesicht auch ist, bleibt auch er als Antagonist
letztlich austauschbar. Aber immerhin durchbricht „Mission: Impossible – Rogue Nation“
mit ihm und seiner Organisation die Schurkenroutine des Reihe. Da hier nicht gespoilert
werden soll, nur so viel: Schaut man sich die Filme an (vor allem die ersten
drei) fällt schon deutlich auf, dass der Schurke eigentlich immer aus demselben
Lager stammt, bzw. heimlich unterstützt wird.
Echte Profis im Einsatz
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ hat also hier und dort seine Fehlerchen,
dennoch ist auch Teil 5 ein gelungener Blockbuster geworden, der erneut den
Platz auf der kinematographischen Landkarte ausfüllt, auf dem früher 007 zu
finden war, bevor er mit seiner neuen und raueren Art in andere Gefilde
umsiedelte. Regisseur McQuarrie gelingt es aber – ganz im Gegensatz zu seinen
Vorgängern auf dem Regiestuhl – nie so wirklich dem Agentenabenteuer einen
eigenen Stil zu verpassen. Er zitiert gerne und freudig bei Klassikern, wie
etwa Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ oder Michael Curtiz „Casablanca“,
lässt die Kämpfe dafür etwas kaltblütiger erscheinen als beim Kollegen Brad
Bird und integriert noch etwas Geheimdienstpolitik in die Handlung. Das
schließt sich alles recht stimmig in ein großes Ganzes zusammen, einen wirklich
eigen Tonus besitzt „Mission: Impossible – Rogue Nation“ aber dann leider doch
nicht. Vielleicht beschreibt man McQuarries Film am besten so: Eine durch und
durch unterhaltsame Stilmixtur aus Brian DePalmas Paranoia-Thriller von 1996
und J.J. Abrams leicht überambitionierten aber dennoch packendem Actionfilm von
2006.
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ gelingt es also nicht seinen Vorgänger zu
schlagen und auch das Regisseur und Autor Christopher McQuarrie keine wirklich
eigene Stilistik hinbekommt ist etwas enttäuschend. Aber das ist Jammern auf hohem
Niveau. Einmal abgesehen von John Woos Action- und Symbol-Overkill „Mission
Impossible 2“ von 2000, erweist sich die Reihe als (fast) durchgängig
überzeugendes Agenten-Franchise, welches mit Witz, teils überproportionalen
Actionszenen (die jedoch irgendwie niemals so richtig den letzten Griff hin zur
Realität lösen), einem charismatischen Helden (plus ebenfalls charismatischen
Team) und gängigen Standards des Subgenres immer wieder einfache aber stets ach
verlässliche Unterhaltung bieten, ohne jemals einen wirklich Sättigungseffekt
zu verursachen. Es sei jedoch angemerkt, dass Tom Cruise mittlerweile auch
schon 52 Jahre alt ist. Wie lange er noch über gläserne Fassaden von
Hochhäusern rennen und sich an Flugzeuge klammern kann ist die Frage, die
irgendwann genau gestellt wird, wie die Frage nach einem möglichen Ethan Hunt-Nachfolger.
vielleicht wird es Jeremy Renner (auch wenn dieser bei „Rogue Nation“ eher
etwas stiefmütterlich behandelt wird) vielleicht kommt Hollywood auch mit der
Reboot-Idee um die Ecke. Aber Teil 5 gibt zum Glück noch keinen wirklichen
Grund an, darüber ernsthaft nachzudenken.
In „Mission: Impossible – Rogue
Nation“ bekommt es Agent Ethan Hunt und sein Team mit der Terrororganisation
„The Syndicate“ zu tun. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht die IMF
(Impossible Mission Force), Hunts Arbeitgeber, zu zerstören. Um dies in die Tat
umzusetzen ist der Organisation jedes Mittel recht und gut vorbereitet, wie
ausgestattet sind sie dafür auch. Kein Wunder, denn ein rachsüchtiger Bürokrat
aus Washington hat seine Finger mit im Spiel. Teil 5 erscheint bei uns am 6.
August. Mit dabei sind alte Bekannte wie Simon Pegg, Jeremy Renner und Ving
Rhames. Neu dabei sind Sean Harris, Simon McBurney und Alec Baldwin. Das
Drehbuch stammt von Drew Pearce („Iron Man 3“). Viel Spaß mit dem ersten,
deutschen Trailer.
Fakten: Edge of Tomorrow
USA, UK, Süd-Korea. 2014. Regie: Doug Liman. Buch: Christopher McQuarrie, Jez
Butterworth, John-Henry Butterworth, Hirsohi Sakurazaka (Vorlage). Mit: Tom
Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Noah Taylor, Brendan Gleeson, Jonas
Armstrong, Dragomir Mrsic, Kick Gurry, Tony Way, Lara Pulver, Charlotte Riley, Jeremy
Piven, Marianne Jean-Baptiste u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ab 12
Jahren. Ab 9. Oktober 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
Story: Die Menschheit befindet sich im Krieg. Die Alienrasse der Mimics versucht die Erde
einzunehmen. Das Militär hofft den Feind in Europa schlagen zu können, doch es
endet in einem Fiasko. Dass muss auch Ex-Major Bill Cage einsehen, der an
erster Front steht und wenige Minuten nach der Beginn der großen Schlacht
stirbt. Doch das ist nicht das Ende, denn Cage erwacht wieder am Vortag der entscheidenden
Schlacht.
Meinung: Trailer sind schon was
Schönes. Mal eben in der Mittagspause schauen was Neues an der Filmfront gibt,
oder den Trailer, den man bereits dutzendfach gesehen hat, daheim einfach noch
mal ansehen, um zu analysieren, welcher Film einen genau erwartet, wenn man ein Ticket dafür löhnt. Doch leider
haben Trailer auch die dumme Angewohnheit uns etwas zu suggerieren, was
letztlich vielleicht gar nicht stimmt. Der zweieinhalb minütige Werbefilm zu „Edge
of Tomorrow“ etwa, hinterlässt den Eindruck, dass es sich hierbei um einen
düsteren, pessimistischen Sci-Fi-Film handelt, der dem aktuellen Blockbustertrend
folgt und versucht eine phantastische Geschichte ernst und ohne zu viel Freude
an der Sache an den Mann zu bringen. Eine absolute Fehlaussage.
Erwarten den Tod: Bill Cage
„Edge of Tomorrow“ ist zweifelsohne ein Film dessen braungraue Optik auf den
ersten Blick nicht gerade suggeriert, dass es sich hierbei wohl um einen der
vergnüglichsten Blockbuster des Sommers (vielleicht sogar des ganzen Jahres)
handelt. Visuell irgendwo zwischen „Der Soldat James Ryan“ und „World Invasion: Battle Los Angeles“ angesiedelt, folgt Regisseur Doug Liman („Mr. & Mrs.
Smith“, „Die Bourne Identität“) zu Beginn noch einer recht freudlosen
Tonalität. Doch bereits nach wenigen Minuten, dann wenn Ex-Major Bill Cage (Tom
Cruise) bei seinem Vorgesetzten (Brendan Gleeson) aufläuft gibt es die
Kehrtwende und hinter dem Alien-Invasion-Plot zeigt sich der höchstamüsante
Kern, der natürlich in erster Linie dadurch entsteht, dass Held Cage (ein echter Feigling) in eine
Zeitschleife gerät und von da an immer wieder sterben muss, um zu lernen die
Alienrasse der Mimics zu besiegen. Das Sterben des Helden ist dann auch das
Epizentrum von „Edge of Tomorrow“ und sorgt für einige äußerst heitere Momente,
auch wenn Bill Cage sichtbar die Angst im Gesicht steht, kurz bevor sein
Lebenslicht erlöscht wird.
Für Emily Blunt würde nicht nur Tom Cruise sterben wollen
Das Highlight in „Edge of Tomorrow“ sind dann auch nicht die durchaus ansehnlichen
Actionszenen, in denen Soldaten im Kampfpanzeranzug sich durch den Sand eines
Strandes kämpfen, sondern die Momente, in denen Bill Cages im Sekundentakt das
Zeitliche segnet und plötzlich wieder am Vortag der großen Schlacht erwacht.
Doug Liman nutzt dieses Gag häufig, lässt aber genügend Raum zwischen den
Abschnitten und entwirft ganz nebenbei eine, trotz überdeutlichen
Sci-Fi-Aspekten, eine Welt, die authentisch, roh und markant daher kommt. Dabei
bleibt er aber der Übertreibung treu. Alleine wie Darsteller Bill Paxton den Sgt.
Farell mimt ist eine einzige, herrliche Überspitzung eines gängigen Klischees:
mit Schnauzbart, pathetischen Reden und breiten Schultern dient diese Figur als
endgültiger Schlüssel dafür, dass „Edge of Tomorrow“ alles ist, nur eben nicht
ernst zunehmen. Ob der Roman „All you need is kill“ von Hirsohi Sakurazaka, auf
den der Film beruht, einen ähnlichen, humoresken Weg geht, müssen die sagen,
die das Buch gelesen haben. Jedenfalls haben die Drehbuchautoren (u.a. auch
ChristopherMcQuarrie, der nach „Jack Reacher“ zur Kreativentourage von Tom
Cruise gehört) einen guten Job gemacht, solange niemand wirklich ausgearbeitete
Figuren und clevere Twists erwartet.
„Edge of Tomorrow“ ist nicht frei von Fehlern. Am Ende fehlt Liman dann doch
der Mut mehr aus dem Film zu machen, als ein typisches Helden-Vehikel für
seinen großen Star Tom Cruise. Vor allem beim Showdown verabschiedet sich „Edge
of Tomorrow“ zu drastisch von seinem vorher genutzten Konzept sowie Tonus und
biedert sich der spaßbefreiten Konkurrenz an. Bis dahin unterhält Doug Liman
sein Publikum allerdings ohne größere Schnitzer und selbst wenn das Ende im
Vergleich zum Rest schon etwas abfällt wirkt es qualitativ eher wie ein
kleiner, verzeihbarer Ausrutscher und nicht wie das große Stolpern auf der
Zielgeraden.
Fakten: Operation
Walküre (Valkyrie)
USA. 2008. Regie: Bryan Singer. Buch: Christopher McQuarrie, Nathan Alexander. Mit: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom
Wilkinson, Carice van Houten, Terence Stamp, Christian Berkel, Eddie Izzard,
Thomas Kretschmann, Tom Hollander u.a. Länge: 120 Minuten. FSK:
freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Meinung: Basierend auf wahren Begebenheiten: Die Geschichte des Oberst Claus von
Stauffenberg, der 1944 versucht, zusammen mit einem militärischen Widerstand,
Adolf Hitler mit einem Bombenanschlag zu töten.
Meinung: Die
Entrüstung kannte nach der Verkündung, Tom Cruise würde in die Rolle des Oberst
Claus von Stauffenberg schlüpfen, keine Grenzen. Der Grad der Empörung uferte
schnell in ein bizarres Ausmaß und Historiker wie Feuilletonisten zerrissen
sich die Mäuler im großen Stil: Ausgerechnet der durch die Medien in
Deutschland nur noch als Scientologe wahrgenommene Tom Cruise soll dieses
Privileg zuteilwerden, ausgerechnet das ideologisch verstrahlte Sektenmitglied
mit dem aufgesetzten Perlweißgrinsen. Wer behauptet, dass „Operation Walküre“
nicht schon vor Drehbeginn in tausend Teile gerissen worden war und zu einem
Film gebogen wurde, der von Anfang an zum Scheitern verdammt war, der belügt
sich letztlich selber. Aber eigentlich konnte diese gebündelte Animosität,
dieser kollektive Groll gegen das so prestigeträchtige Projekt nur von Vorteil
für die Crew rund um Regisseur Bryan Singer („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“)
und seinen Superstar Tom Cruise („Mission: Impossible“) sein.
Stauffenberg und seine Kameraden bei der Planung.
Von
Vorteil deshalb, weil die Erwartungen an „Operation Walküre“ augenscheinlich
als Selbstläufer auf ein Minimum reduziert wurden und das so zwanghaft
herbeigesehnte Fiasko von der Welt schnell als 'absehbar' abgetan werden würde.
Spricht man „Operation Walküre“ aber ganz vorurteilslos von diesen ostentativen
Unkenrufen frei, dann treffen wir auf einen Film, der diesen feurigen Trubel im
Vorfeld eigentlich überhaupt nicht verdient hat. Dafür nämlich bietet der
Historien-Blockbuster (95 Millionen Dollar Budget) letztlich viel zu wenig
kontroverse Eckpunkte, an denen man sich durchweg reiben hätte können. Dass es
den Drehbuchautoren Christopher McQuarrie und Nathan Alexander schlussendlich
nur äußerst geringfügig darum ging, „Operation Walküre“ als mit bis in Detail
von historischer Akkuratesse bestücktes Geschichtskino aufzuwirbeln, ist keine
Überraschung. Hintergründige geschichtliche Fakten nämlich werden nach Belieben
verdreht, editiert und entschlackt, genau wie gefällte Aussagen von einer
Person dem dramaturgischen Effekt zu Willen auf eine ganz andere übertragen
wird. Diese modifizierte Beschreibung der Planung und der Durchführung des
Attentats auf Adolf Hitler bereitet nur Historikern Kopfschmerzen.
Hitler töten erweist sich wahrlich als "Mission: Impossible"
Problematisch,
neben all diesen Ungereimtheiten, zeigt sich die Zeichnung der Oberst Claus von
Stauffenberg selbst. Hier nämlich blickt der sich durch seine „X-Men“-Filme wie
„Superman Returns“ längst im Superhelden-Universum akklimatisierte Bryan Singer
durch, der Stauffenberg mit einem seiner Comic-Koryphäen zu verwechseln
scheint. Seine Bildsprache ist wunderbar, allgemein ist Singer ja wie gewohnt
ein Meister der visuellen Narration. Mit der Hilfe Drehbuchs, das sich
letztlich frei von jeder diffizilen Auseinandersetzung mit der Materie
offenbart, mutiert Stauffenberg zum Überhelden, zu einem (illusorischen)
Menschen ohne Ecken und Kanten, einem Täter aus Überzeugung, frei von Zweifeln.
Dass das Attentat vom 20. Juli 1944 nur durch die Unterstützung eines großen
Kreis von Gehilfen möglich war, wird in „Operation Walküre“ zwar angeschnitten,
doch zu Gunsten der Heroisierung seiner Hauptfigur immer wieder brav aus dem
Fokus gerückt. Leute wie Generalmajor Henning von Tresckow (Kenneth Branagh,
„Jack Ryan: Shadow Recruit“), General der Infanterie Friedrich Olbricht (Billy
Nighy, „Alles eine Frage der Zeit“) oder Generaloberst Friedrich Fromm (Tom Wilkinson,
„Best Exotic Marigold Hotel“) werden zaghaft als Opportunisten oder Nervenbündel
porträtiert.
Dass
sich Tom Cruise mit seinen inzwischen allseits bekannten Manierismen
zurückhält, zeugt von Respekt vor seiner Rolle, allerdings ist diese so
eindimensional und flach gehalten, dass sich ausgerechnet Stauffenberg als
stumpfe Litfaßsäule der Handlung entpuppt, die das Geschehen zusammenhält, es
aber nicht dynamisch aufladen kann. Vom überzeugten Nazi und Aristokraten ist
bei diesem Stauffenberg natürlich keine Spur, einzig der Saubermann mit
Augenklappe darf unter pathetisch waberndem Orchester hohle Phrasen dreschen
und zurück in die Denkmiene kippen. Ja, es sind oftmals nur leere Wortfetzen,
die hier durch den Raum mäandern, weil der grundierte politische Kontext nicht
existent ist. Wenn „Operation Walküre“ aber punkten kann, dann durch seine
optische Klasse, in der Bryan Singer stumpfer Nazi-Ästhetik aus dem Weg geht,
die Kulissen und Kostüme aber stimmungsgerecht durch sanft auf Grautöne
entsättige Fotografien passend in Szene zu setzen weiß. „Operation Walküre“ ist
ein sein Sujet fortwährend simplifizierender Suspense-Thriller ohne kraftvollen
Nachdruck, er versucht sich redlich darum, die Thematik nicht zu
trivialisieren, bleibt aber doch nur leeres, sich seiner komplexen Dimension zu
keiner Zeit bewusstes Hollywoodkino.