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Review: MISSION: IMPOSSIBLE - ROGUE NATION - Jammern auf hohem Niveau

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Fakten:
Mission: Impossible – Rogue Nation
USA. 2015. Regie: Christopher McQuarrie.
Buch: Christopher McQuarrie, Drew Pearce. Mit: Tom Cruise, Rebecca Ferguson, Simon Pegg, Sean Harris, Jeremy Renner, Ving Rhames, Alec Baldwin, Simon McBurney, Tom Hollander, Jingchu Zhang, Hermione Corfield, Jens Hulten u.a. Länge: 131 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 17. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach den letzten Vorfällen rund um die IMF, übernimmt der CIA nun die Führung der Abteilung und dieser befiehlt, dass alle Agenten zurückgezogen werden. Ethan Hunt taucht jedoch unter, denn kurz vor diesem Befehl sieht er sich damit konfrontiert, dass eine Terrororganisation namens das Syndikat, bestehend aus Ex-Agenten, vor hat die Welt ins Chaos zu stürzen. Hunt muss handeln und macht sich so nicht nur zum Staatsfeind Nummer 1, sondern auch zur wandelnden Zielscheibe für das Syndikat. Zum Glück bekommt er Hilfe von seinen Freunden, aber auch von einer mysteriösen Fremden.




Meinung:
Es sollte bekannt sein, aber vorsichtshalber wird in diesem Absatz das wiederholt, was wir bereits bei unserer Kritik zu „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ gesagt haben: Das Schöne an der Reihe ist, dass man jedem Teil die individuelle Handschrift seines Regisseur ansieht und so war die Neugier groß, wie sich Christopher McQuarrie als Erbe von Vorgängerregisseur Brad Bird schlagen wird und vor allem ob er seinen ganz eigenen Stil rund um Superagent Ethan Hunt und die IMF (Impossible Mission Force) einfließen lassen wird.


Das nennt man mal einen waschechten  Last Minute-Flug
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ fängt nicht genau dort an wo Teil vier endete, doch gab dieser schon einmal den Antagonisten vor. Gemeint ist das Syndikat, jene mysteriöse wie skrupellose Gemeinschaft von ehemaligen Top-Spionen, die die Welt ins Chaos stürzen, vorher aber noch rasch die IMF ausschalten will. Zu ihrem Glück steht die strenggeheime Organisation eh auf der Abschussliste des CIA, denn wer für die Sprengung des Kreml (mit)verantwortlich ist (siehe „Phantom Protokoll“), der ist bei den Staatsoberen nicht unbedingt gerne gesehen. Hier ist bereits auffällig, dass „Rogue Nation“ die Ereignisse seine direkten Vorgängers miteinbezieht. Wirkten Teil 1 und Teil 2 regelrecht losgelöst von einander, so scheinen die Filme ab dem dritten Teil marginal miteinander verzahnt zu sein. Eine waschechte Kohärenz kommt dabei nicht zu Stande, muss aber auch gar nicht. Aber die Frage bleibt spannend, wie sich die Reihe weiterentwickeln wird, denn einiges deutet darauf hin, dass „Mission: Impossible – Rogue Nation“ Potenzial hätte, für ein direktes Sequel. Es wäre interessant wenn es wirklich kommen sollte, aber definitiv auch verschmerzbar wenn der nächste Einsatz von Ethan Hunt doch wieder losgelöst vom Vorgänger stattfindet.


Nimmt die Sache selbst in die Hand: Rebecca Ferguson
Aber egal welcher Nachfolger uns demnächst erwartet, er wäre schön, wenn das Team wieder etwas mehr in Fokus stehen würde. Die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren machte „Phantom Protokoll“ u.a. zu wunderbar kurzweilig und unterhaltsam. Bei „Rouge Nation“ ist immer noch Teamwork angesagt, jedoch ist deutlich zu erkennen, dass die Marketingstrategen herausgefunden haben, dass die Zuschauer wohl vor allem Erhan Hunt und Hacker Benji Dunn miteinander agieren sehen wollen. Das ist verständlich, denn die Chemie zwischen Aushängeschild Tom Cruise und Spaßvogel Simon Pegg ist schmissig und eingängig. Dennoch wird es hier etwas zu oft und zu sehr betrieben, die Interaktion zwischen dem Agentenprofi und dem abenteuerlustigen aber auch etwas ängstlichen Vorzeige-Nerd. Jeremy Renner alias William Brandt, der im vierten Teil noch eine der interessantesten und besten Neuzugänge war sowie „Mission: Impossible“-Veteran Luther Strickell (Ving Rhames) kommen dagegen eindeutig zu kurz. Darstellerin Rebecca Ferguson hingegen, die hier ihren Einstand feiert, darf hingegen mit galanter Robe, athletischen Kampffähigkeiten und kühlem Blick klar von sich behaupten, dass sie einen guten Ersteindruck hinterlässt, auch weil das Script von Christopher McQuarrie und Drew Pearce keine typische damsel in distress aus ihr macht. Eher im Gegenteil.


Auf den Straßen von Casablanca geht es heiß her
Ferguson sowie Cruise sind in einigen, wirklich hübsch gefilmten, Actionszenen zu sehen, wobei Ferguson meist für die Athletik zuständig ist, während Cruise (natürlich ohne Stunt Double) die ganz großen Klötze bewerkstelligt, allen voran die Anfangsszene, in der er sich von außen an ein Transportflugzeug klammert. Eine wirklich eindrucksvolle Szene, doch die immer noch schwindelerregende wie höhenangstverursachende Kletterszene aus Teil 4, bei der Tom Cruise auf der spiegelglatten Außenfasse des über 800 Meter hohen Burj Khalifa in Abu Dhabi herumkletterte, bleibt immer noch ungeschlagen. Aber natürlich besitzt „Mission: Impossible – Rogue Nation“ einige nennenswerte Actionmomente, z.B. eine Verfolgungsjagd in Casablanca, die von den engen Straßen der Altstadt, auf den Highway hin zu den staubigen Serpentinen des nordafrikanischen Gebirges wechselt. Wahrscheinlich die beste Verfolgungsjagd der Reihe und dieses (bisherigen) Kinojahres. Aber verwundern sollte das niemanden, denn die „Mission: Impossible“-Filme waren schon immer bekannt für ihre ikonischen wie stets effektiv und adrenalinhaltigen Action, wie auch Spannungsszenen. Man denke z.B. nur an die lautlose Infiltration des Computerraums im ersten Teil.


Ethan Hunt wird immer mehr in die Ecke gedrängt
Wo für die „Mission: Impossible“-Filme ebenfalls bekannt sind, sind ihre Schurken, die meist doch irgendwie genauso profillos und austauschbar bleiben wie der MacGuffin (den man übrigens hier vergebens sucht), den es im jeden Teil gibt. Bei „Rouge Nation“ versucht nun der britische Darsteller Sean Harris, einigen vielleicht bekannt aus Scott Derrickson Exorzismus-Quark „Erlöse uns von dem Bösen“, sich daran eine hervorstechende Spur im Sand des Franchise zu hinterlassen. Aber so bedrohlich seine Erscheinung mit dem sinisteren Blick, der leisen Stimme und dem dürren Gesicht auch ist, bleibt auch er als Antagonist letztlich austauschbar. Aber immerhin durchbricht „Mission: Impossible – Rogue Nation“ mit ihm und seiner Organisation die Schurkenroutine des Reihe. Da hier nicht gespoilert werden soll, nur so viel: Schaut man sich die Filme an (vor allem die ersten drei) fällt schon deutlich auf, dass der Schurke eigentlich immer aus demselben Lager stammt, bzw. heimlich unterstützt wird.


Echte Profis im Einsatz
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ hat also hier und dort seine Fehlerchen, dennoch ist auch Teil 5 ein gelungener Blockbuster geworden, der erneut den Platz auf der kinematographischen Landkarte ausfüllt, auf dem früher 007 zu finden war, bevor er mit seiner neuen und raueren Art in andere Gefilde umsiedelte. Regisseur McQuarrie gelingt es aber – ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf dem Regiestuhl – nie so wirklich dem Agentenabenteuer einen eigenen Stil zu verpassen. Er zitiert gerne und freudig bei Klassikern, wie etwa Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ oder Michael Curtiz „Casablanca“, lässt die Kämpfe dafür etwas kaltblütiger erscheinen als beim Kollegen Brad Bird und integriert noch etwas Geheimdienstpolitik in die Handlung. Das schließt sich alles recht stimmig in ein großes Ganzes zusammen, einen wirklich eigen Tonus besitzt „Mission: Impossible – Rogue Nation“ aber dann leider doch nicht. Vielleicht beschreibt man McQuarries Film am besten so: Eine durch und durch unterhaltsame Stilmixtur aus Brian DePalmas Paranoia-Thriller von 1996 und J.J. Abrams leicht überambitionierten aber dennoch packendem Actionfilm von 2006.


„Mission: Impossible – Rogue Nation“ gelingt es also nicht seinen Vorgänger zu schlagen und auch das Regisseur und Autor Christopher McQuarrie keine wirklich eigene Stilistik hinbekommt ist etwas enttäuschend. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Einmal abgesehen von John Woos Action- und Symbol-Overkill „Mission Impossible 2“ von 2000, erweist sich die Reihe als (fast) durchgängig überzeugendes Agenten-Franchise, welches mit Witz, teils überproportionalen Actionszenen (die jedoch irgendwie niemals so richtig den letzten Griff hin zur Realität lösen), einem charismatischen Helden (plus ebenfalls charismatischen Team) und gängigen Standards des Subgenres immer wieder einfache aber stets ach verlässliche Unterhaltung bieten, ohne jemals einen wirklich Sättigungseffekt zu verursachen. Es sei jedoch angemerkt, dass Tom Cruise mittlerweile auch schon 52 Jahre alt ist. Wie lange er noch über gläserne Fassaden von Hochhäusern rennen und sich an Flugzeuge klammern kann ist die Frage, die irgendwann genau gestellt wird, wie die Frage nach einem möglichen Ethan Hunt-Nachfolger. vielleicht wird es Jeremy Renner (auch wenn dieser bei „Rogue Nation“ eher etwas stiefmütterlich behandelt wird) vielleicht kommt Hollywood auch mit der Reboot-Idee um die Ecke. Aber Teil 5 gibt zum Glück noch keinen wirklichen Grund an, darüber ernsthaft nachzudenken.


7,5 von 10 Querflöten-Gewehren

Trailerpark: Zum fünften Mal ist nichts unmöglich - Deutscher Trailer zu MISSION: IMPOSSIBLE - ROGUE NATION

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In „Mission: Impossible – Rogue Nation“ bekommt es Agent Ethan Hunt und sein Team mit der Terrororganisation „The Syndicate“ zu tun. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht die IMF (Impossible Mission Force), Hunts Arbeitgeber, zu zerstören. Um dies in die Tat umzusetzen ist der Organisation jedes Mittel recht und gut vorbereitet, wie ausgestattet sind sie dafür auch. Kein Wunder, denn ein rachsüchtiger Bürokrat aus Washington hat seine Finger mit im Spiel. Teil 5 erscheint bei uns am 6. August. Mit dabei sind alte Bekannte wie Simon Pegg, Jeremy Renner und Ving Rhames. Neu dabei sind Sean Harris, Simon McBurney und Alec Baldwin. Das Drehbuch stammt von Drew Pearce („Iron Man 3“). Viel Spaß mit dem ersten, deutschen Trailer.


Review: AUF MESSER'S SCHNEIDE – RIVALEN AM ABGRUND – Mensch vs. Mensch vs. Natur

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Fakten:
Auf Messer’s Schneide – Rivalen am Abgrund (The Edge)
USA. 1997. Regie: Lee Tamahori.
Buch: David Mamet. Mit: Alec Baldwin, Anthony Hopkins, Elle Macpherson, Harold Perrineau u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Charles und Robert stürzen mit einem Sportflugzeug über den rauen, unberührten Weiten Alaskas ab. Sie überleben das Unglück, doch die Wildnis ist unerbittlich. Dass Robert dazu der Liebhaber von Roberts Frau ist und dieser davon Kenntnis hat, macht die Situation auch nicht einfacher.





Meinung:
Da hat man in der Hauptrolle einen Schauspieler wie Anthony Hopkins, einen echten Hochkaräter, ein Künstler, der Zeit seiner Karriere immerzu (mit Recht, wohlgemerkt) mit Lobeshymnen den Bauch gepinselt bekam und mit seiner legendären Darstellung des kultivierten Kannibalen Hannibal in „Das Schweigen der Lämmer“ in die Annalen der Filmgeschichte einging. An seiner Seite stellt man ihm einen ebenfalls äußerst begabten Akteur wie Alec Baldwin, der zwar eher in der zweiten Reihe zuhause ist und dem eigentlichen „Star“ die Bälle zuspielt, dafür aber eigentlich immer auf Topniveau agiert, selbst wenn ihm nicht die große Bühne zu eigen gemacht wird. Und nun verlegt man diese beiden Könner in ein (Sub-)Genre, welches überwiegend mit B-Movies assoziiert wird: Der Tier-Horror. Man könnte nun die pessimistische Karte zücken und postulieren, ein derartigen Unterfangen würde die (schauspielerischen) Perlen vor die Säue werfen. Man darf aber auch Hoffnungen schöpfen, einen wirklich ernstzunehmenden Vertreter dieser Gattung zu Gesicht zu bekommen.


Echte Kerle frieren nicht
„Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“, eben jener Film, der den Tier-Horror mit exzellenten Schauspielern paart, lässt sich im Resümee als ein zweischneidiges manifestieren: Gewiss sind wir Lichtjahre vom Trash der Marke „Arachnia“ (2003) oder „Ghost Shark – Die Legende lebt“ (2013) entfernt, hat sich mit Lee Tamahori doch ein Regisseur dem Projekt angenommen, der vor allem mit „Die letzte Kriegerin“ für Aufsehen sorgte und mit „Im Netz der Spinne“ oder „James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“ zwar keine Glanzpunkte der (jüngeren) Filmgeschichte ablieferte, sich aber doch als überdurchschnittlicher Handwerker etablierte. „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ aber macht sich das Leben selber schwer: Das Drehbuch nämlich stammt von niemand geringerem als David Mamet („Spartan“), der vor allem durch seine betonten Dialogsequenzen berühmt und gefragt wurde. Dass „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ daher eben NICHT als reduzierter (Sub-)Genre-Streifen durchrutschen wird, sondern eine psychologische Komponente mit sich trägt, war klar. Allerdings schafft diese es im Fall von „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ nicht, das angespannte Szenario weiter- und tiefergehend zu verdichten.


Hopkins kämpft gegen Bären und gegen's Script
Charles Morse (solide gespielt von Anthony Hopkins) wird durch reichlich Zugeständnisse seiner Begleiter (vor allem vom Alec Baldwin gespielten Robert Green) als „einflussreicher“ Mann vorgestellt, der sein Leben vollends unter Kontrolle hat. Krampfhaft wird den beiden ein zwischenmenschlicher Konflikt aufgebrummt, der – wie soll es auch anders sein? - mit Charles' Frau Mickey (Elle MacPherson) zu tun hat. Als wäre Situation, irgendwo in der Wildnis von Alaska auf sich gestellt zu sein und es auch noch mit einem ääääußerst miesgelaunten Kodiakbären zu tun bekommen, nicht schon extrem genug, kläffen sich die Männern in ruhigen Momenten (also dann, wenn der Bär gerade mal Sendepause genießt) gegenseitig an, wenngleich es, aufgrund des aufgesetzten Einbeziehung, keinen echten dramaturgischen Effekt inne trägt. In diesen Augenblicken hemmt „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ seine Effektivität, weil es ihm schlichtweg nicht genügt, ein hervorragend gefilmtes (und das ist er!) Survival-Abenteuer im 'Mann vs. Natur'-Modus auf die Beine zu stellen, sondern noch das unnötige Anhängsel 'Mann vs. MANN vs. Natur' zwischenschiebt.


Regisseur Lee Tamahori sind also keine Vorwürfe zu machen, genauso wenig wie Anthony Hopkins und Alec Baldwin. Das ambitionierte Drehbuch von David Mamet schießt hingegen leider etwas über das Ziel hinaus, versucht den Charakteren eine psychologische Tiefe einzuflößen, die das eigentlich von Empathie gesäumte Szenario in seiner Wirkung drosselt. Geht es nämlich einzig um den Überlebenskampf in freier Wildbahn, zündet „Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund“ zweifelsohne, gelingt es ihm doch, die Bedrohung organisch zu artikulieren und ebenso zu akzentuieren.


5,5 von 10 gefräßige Raubtiere im Dickicht


von souli

Review: DEPARTED - UNTER FEINDEN - Remake ist kein Schimpfwort

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Fakten:
Departed – Unter Feinden (The Departed)
USA, 2006. Regie: Martin Scorsese. Buch: William Monahan, Alan Mak & Felix Chong (Vorlage). Mit: Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Alec Baldwin, Vera Farmiga, Ray Winstone, Anthony Anderson, James Badge Dale, Kevin Corrigan, David O’Hara u.a. Länge: 151 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Billy Costigan und Colin Sullivan beenden gleichzeitig die Polizeischule von Boston. Während Musterschüler Colin direkt zum Detective aufsteigt, wird Billy aufgrund seiner Herkunft aus dem kriminellen Milieu aussortiert. Zum Schein. Denn Captain Queenan sucht einen Mann, den er glaubhaft in die Gang von Gangster Costello einschleusen kann. Nur er und sein Kollege Dignam wissen von der Aktion, denn überall im Department gibt es undichte Stellen. Tatsächlich gelingt es Billy, in Costello’s engsten Kreis zu kommen. Allerdings scheint es in den Reihen der Polizei auch einen Maulwurf zu geben, denn Costello ist immer im richtigen Moment gewarnt. Der Doppelagent ist niemand anderes als Wunderkind Sullivan, insgeheim der Ziehsohn von Costello. Bald wissen beide Seiten von der jeweiligen Ratte, kennen allerdings nicht ihre Identität. Die Jagd beginnt…







Meinung:
Es war mindestens so verwunderlich wie überfällig, dass Martin Scorsese ausgerechnet für „Departed“ erstmals den Oscar als bester Regisseur und für den besten Film entgegen nehmen durfte. Nicht auf die Qualität des Films gemünzt, eher auf den Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen. Man muss sich nur mal vor Augen führen, was der Mann bis dahin schon für eine filmische Vita vorweisen konnte, wann immer er leer ausging und das er nun „nur“ für ein Remake endlich den verdienten Lohn einstreichen durfte. Nach fast 40 Jahren als Kinoregisseur. Unglaublich. Da gab es Filme wie „Taxi Driver“ – sicher einer der wichtigsten Filme seiner Zeit und vielleicht einer der besten Filme überhaupt -, „Wie ein wilder Stier“, „GoodFellas“ oder „Casino“, den eigentlich als „Lebenswerk“ geplanten (allerdings vom Studio unübersehbar zerstörten) „Gangs of New York“, das hervorragende Bio-Pic „Aviator“, immer stand Marty lediglich als Meister der Herzen da. Nun also ein Remake. Ob für Scorsese ein Ritterschlag oder ein Armutszeugnis für die Kreativitätsschmiede von Hollywood, dass dies in der Tat einer der besten US-Filme dieses Jahrtausends ist, muss sehr differenziert betrachtet werden, soll allerdings jetzt keine große Rolle spielen. Ist eher einen eigenen Text wert.



Vater-Sohn-Gespräche in der Bums-Bude.
Scorsese nimmt hier nicht  – wie sonst üblich, einfach und billig – einen erfolgreichen Film aus Übersee und kleistert ihn möglichst konturlos für den neuen Markt zusammen, er drückt ihm seinen eigenen Stempel, seine unverkennbare Handschrift auf. Wenn man es nicht besser wüsste, man würde „Departed“ wohl ohne Frage als einen „selbstständigen“ Scorsese durchwinken. Aus dem Reich der Mitte bis nach Boston ist es nur ein Katzensprung, Scorsese inszeniert „seine“ Ostküste als die achte Hölle mit irischem Anstrich. Mit enormen Stallgeruch lässt er die Ursprünge früh vergessen, baut wie gewohnt auf einen präzise ausgewählten Cast, seine brillante Umsetzung in Bild, Schnitt und Ton und macht „Departed“ zu der spannendsten Mäuse-, oder eher Ratten,-Jagd, die seit Jahren die große Leinwand heimsuchte. Wenn sich überhaupt was kritisieren lässt, dann eventuell die Wahl für Matt Damon und Mark Wahlberg, aber auch das nur eingeschränkt. Damon dürfte wohl zu den überschätztesten A-Stars seiner Zeit gelten, obwohl er auch hier nichts zerstört. Als Gegenpart für den furiosen DiCaprio ist er eigentlich nicht der Rede wert, ein Phänomen seiner Zeit, der unvermeidliche Damon. Wahlberg war sogar für den Oscar nominiert, kann natürlich mit lokaler Schnauze pöbeln, daher gut gewählt. Mehr ist das nicht, scheint ja allgemein gewirkt zu haben, nun gut, so gesehen halt exakt besetzt. Selbst solche „Mängel“ lassen nur minimale Luft nach oben, denn ansonsten spielt Scorsese alle seine Stärken aus.



Im Gespräch mit der Bestie.
Mit der Sprengkraft einer scharfen Handgranate lässt er den Plot bis zur finalen Detonation überkochen und letztlich explodieren, baut auf die ihm in die Wiege gelegte Mischung aus rasanter, gleichzeitig episch-ausführlich angelegter Erzählweise, die niemals an Tempo einbüßt, selbst wenn 2 ½ bis 3 Stunden ins Land gehen. Kein Wort zu viel, keine verschenkte Szene, alles – selbst die im ersten Moment vielleicht als überflüssig anzusehende Romanze – ist Baustein und nicht Bremsklotz. Wie sich jedes Detail so brutal, dynamisch und unglaublich druckvoll am Ende zu einem kompakten Packet schnürt, das verstehen nur wenige. Scorsese spielend. Hinter dem hochspannenden Plot verpackt er zudem fast beiläufig eine sehr deutliche Kritik am durch Korruption hervorgerufenen Unsinn – oder eher Missstand – des Polizeisystems. Niemand vertraut niemanden, jeder kocht sein eigenes Süppchen, Spitzel bespitzeln Spitzel, Informationsfluss gleich null, am Ende steigt keiner mehr durch. Freund und Feind sind nicht mehr trennbar, weil jeder Angst vor der unsichtbaren Lücke hat, das nicht mal unberechtigt. Eine Ratte beißt der anderen nicht den Schwanz ab, mag man denken, eigentlich fressen sie sich gegenseitig auf. Die Frage ist nur, wer hat den längeren Schwanz.


Ratten unter sich.
Verzuckert wird das Glanzstück der Hochspannung und narrativen Extraklasse noch durch einen Jack Nicholson, der ursprünglich nicht die erste Wahl war. Eigentlich sollte Robert De Niro die Rolle spielen, sagte ab, weil er seinen eigenen Film – „Der gute Hirte“ – drehte. Kurios: DiCaprio hatte für diesen Film schon Szenen gedreht, sprang wegen „Departed“ ab, seinen Part übernahm…Matt Damon, der kaum weniger Screentime hier hatte. Ein Durcheinander, De Niro war sauer auf Leo, Matt hatte zwei dicke Hauptrollen, Mad-Jack war im Spiel und nutzte dieses grandios. Wild improvisierend, wohl etwas anstrengend, im Resultat allerdings sensationell und seine bis heute letzte, famose Leistung. Mit De Niro wäre das schon super, mit Nicholson ist es das Sahnehäubchen. Als vulgärer, diabolischer, intelligenter und mit allen Gossen-Wassern gewaschener Straßenköter ist er so ideal, selbst ein De Niro auf seinem Höhepunkt hätte kämpfen müssen. Manchmal hat man Glück im Unglück. Scorsese hatte es und ob „Der gute Hirte“ mit DiCaprio wesentlich besser gewesen wäre, eher unwahrscheinlich.


Um zur Ausgangsdiskussion zurück zukommen: „Departed“ ist wohl nicht der beste Film von Scorsese. Nicht mal unter den Top-3. Dennoch ist es der beste Film seines Jahrgangs und für ein Remake besser, als jemals denkbar. Wenn ein Oscar mal verdienter war, hier nicht. Wenn er überfälliger und zur der Zeit richtiger war, absolut. Nervenkitzel auf höchstem Niveau, ruppig, knüppeldick und aufreibend. Sensationell.

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