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Review: THE WAILING – Der Wahnsinn hält Einzug

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Fakten:
The Wailing (Gokseong)
KR. 2016. Regie & Buch: Na Hong-jin. Mit: Kwak Do-won, Hwang Jung-min, Chun Woo-hee, Jun Kunimura, Kim Hwan-hee u.a. Länge: 156 Minuten. FSK: ungeprüft. Noch kein deutscher Starttermin.


Story:
Eine seltsame Krankheit macht sich breit in dem kleinen Dorf in Südkorea. Menschen zerfleischen sich gegenseitig, haben seltsame Blasen auf der Haut und verfallen dem Wahn. Der etwas trottelige Polizist Jong-Goo soll Gerüchten auf den Grund gehen und stößt an seine Grenzen, als seine eigene Tochter ebenfalls betroffen ist. Alsbald deckt sich mehr auf, als irgendein Mensch je wissen wollte.


      


Meinung:
Schon seit einigen Jahren ist Südkorea der neuentdeckte Markt für knallharte Action, kompromisslose Genrefilme und ungezügelte Thrillerkost. Von einem Geheimtipp kann man mittlerweile gar nicht mehr sprechen, haben einige der erfolgreichsten Regisseure doch bereits weltweiten Ruhm erlangt und in den vergangenen Jahren auch Hollywoodprojekte realisiert. Dennoch handelt es sich bei den Filmen, die es auf unseren westlichen Markt schaffen meistens um Kollaborationen der gleichen Ansammlung an Akteuren und Regisseuren. Abseits davon ist es um die Veröffentlichungspolitik jedoch deutlich schwieriger bestellt und so muss ein Film wie The Wailing auch nach lobender Festivalteilnahme auf einen deutschen Release warten – und das obwohl sein Regisseur Na Hong-jin bereits zwei bekanntere Vertreter dieses neuen Kinos abgeliefert hat.


Schlechtes Wetter steht auf der Tagesordnung
The Wailing beginnt ruhig, geradezu bedächtig fängt er ein optisch beeindruckendes Landschaftspanorama ein und präsentiert daraufhin einen älteren Mann beim entspannten Angeln. So friedlich und unbeschwert soll es in den darauffolgenden zweieinhalb Stunden freilich nicht mehr zugehen, denn schon im nächsten Augenblick wird unser Protagonist Jeon Jong-gu in den frühen Morgenstunden geweckt und als Polizist zum Tatort eines grausamen Verbrechens beordert. Der blutige Mord an einer kompletten Familie und der mit seltsamen Auswüchsen bedeckte Täter sind jedoch nur der Anfang eines blutrünstigen Abstrusitätenkabinetts, welches zusehends die komplette Kleinstadt in Beschlag nimmt. Der Wahnsinn hält Einzug und die Bewohner sind ratlos. Auch der ohnehin etwas tollpatschige Jeon und seine Kollegen kommen bei den Ermittlungen nicht recht weit und sitzen eher ihre Zeit ab als wirkliche Nachforschungen anzustreben. The Wailing lässt sich einiges an Zeit, bevor er seinen Konflikt zuspitzt, verdichtet währenddessen jedoch gekonnt seine Atmosphäre und erzeugt Spannung, indem er die verfluchte Stadt weiter in den Abgrund reißt. Von persönlichen Motiven angetrieben muss auch Jeon seine Grenzen überschreiten, bevor er das Schicksal seiner Familie in dem emotional äußerst wirkungsvollen Schlussakt selbst in der Hand hat.


Besser draußen bleiben!
Für manche Zuschauer dürfte The Wailing durchaus zu einer Geduldsprobe verkommen, erzählt er seine Geschichte doch keinesfalls pointiert und direkt, sondern schweift immer wieder ab um sich in atmosphärischer Tristesse dem Leid und der Verwirrung seiner Figuren zu widmen. Dabei reichert der Film seine Erzählung früh mit religiöser Symbolik an, die sich größtenteils jedoch erst nach dem Ende erschließt und zuvor reichlich nebulös zur allgemeinen Verunsicherung beiträgt. Über weite Strecken ist man der Hauptfigur gleich im schieren Wahnsinn der Situation gefangen ohne dabei einen wirklichen Ausweg zu erkennen und so gilt es fröhlich im Dunkeln zu tappen, bis man irgendwann das Licht am Horizont erblickt. Das liegt wohl auch daran, dass sich der dritte Film von Na Hong-jin nur bedingt an dramaturgische Konzepte und bewährte Elemente hält und somit im Laufe des Films vieles offenbleibt. Somit ist The Wailing wohl gerade für Genrekenner interessant, weil bekannte Stereotypen immer wieder von neuartigen Seiten betrachtet und damit beinahe subversiv montiert werden.


Selbst wenn man die ohnehin grundverschiedenen Sehgewohnheiten außenvorlässt, ist The Wailing immer noch ein sehr eigensinniger und andersartiger Film. Als düsteres Potpourri bedient er zahlreiche Elemente des Dramas, sowie des Horror-, Mystery- und Thrillergenres, gibt sich jedoch nicht mit den typischen Mustern zufrieden, sondern denkt viele Aspekte auf interessante Weiße um. Lange tappt man als Zuschauer ebenso wie der tollpatschige Protagonist im Dunkeln, ehe sich gegen Ende alle Fäden vereinen und die bisherigen Geschehnissen in einem anderen Licht beleuchtet werden. Erst dann offenbart The Wailing seine inhaltliche Raffinesse, ebenso wie einen Bezug zu weltlichen Geschehnissen, was ihm final noch eine deutlich stärkere Tragkraft verleiht.


8 von 10 mysteriösen Morden

Review: CONJURING 2 – Geisterjagd, die Zweite!

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Fakten:
Conjuring 2 (The Conjuring 2)
US. 2016. Regie: James Wan. Buch: Chad Hayes, Carey Hayes, James Wan, David Leslie Johnson. Mit: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Madison Wolfe, Frances O’Connor, Simon McBurney, Maria Doyle Kennedy, Franka Potente, Sterling Jerins u.a. Länge: 134 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
England, 1977. Die alleinerziehende Mutter Peggy lebt mit ihren vier Kindern in einem Haus in Enfield. Immer wieder kommt es nachts zu mysteriösen Vorkommnissen, die sich immer Laufe der Zeit stetig verschlimmern. Das ruft zahlreiche Geisterforscher und Dämonologen auf den Plan, darunter auch Ed und Lorraine Warren, die nach einem besonders schwierigen Fall in Amityville jedoch auch noch mit eigenen Problemen zu ringen haben.




Meinung:
Es ziemlich genau drei Jahre her, dass James Wans Horrorfilm „Conjuring“ in den internationalen Kinos lief und einen nicht zu verachtenden Hype generierte. Was für viele Zuschauer der beste Horrorfilm der letzten Jahre ist, stellt für andere einen völlig überbewerteten Streifen dar. Unbestritten ist jedoch der finanzielle Erfolg, und deswegen war es auch nur eine Frage der Zeit, dass uns nach dem letztjährigen Spin-off „Annabelle“ nun die offizielle Fortführung „Conjuring 2“ in den Kinos erwartet.


Geister sorgen gerne mal für Unordnung!
Zunächst macht „Conjuring 2“ da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Einige Jahre nach dem Spuk in Rhode Island heißt es bei den Geisterjägern Ed und Lorraine Warren business as usual und sie ziehen weiterhin kreuz und quer durchs Land um Familien von dämonischen Erscheinungen zu befreien. Zeitgleich richtet der Film sein Augenmerk auf eine Familie in Enfield, die erwartungsgemäß ebenfalls den typischen Kreislauf der Haunted-House Heimsuchungen durchmacht. Was mit weggezogenen Decken, knarrenden Türen und Stimmen in der Dunkelheit beginnt, nimmt alsbald extremere Züge an. Aufgrund Wans gekonnter Regie erzeugt der Film dadurch immer wieder unheimliche Momente und sorgt stellenweise sogar für Gänsehaut. Überraschenderweise erreicht „Conjuring 2“ seinen Höhepunkt dabei schon gegen Ende der ersten Hälfte, noch bevor die Geisterjäger überhaupt in England ankommen. Das macht die erste Stunde des Films zu einer spürbar konzentrierten Steigerung an wirkungsvollen Horrorszenen, obgleich sich Wan einmal mehr etwas zu sehr auf Jump Scares verlässt. Atmosphärisch dicht, stilsicher inszeniert und stellenweise wirklich schaurig könnte die erste Hälfte daher fast schon als eigener Film fungieren. Dass „Conjuring 2“ danach noch über eine Stunde dauert, spricht dann leider doch gegen den Film.


Nur ein Gemälde?
Denn sobald die selbsternannten Geisterjäger Ed und Lorraine in Enfield ankommen, gerät der Film zusehends aus dem Gleichgewicht. Immer wieder wiederholt Wan dann seine Spuksequenzen, bis sich die Heimsuchung letztlich erschöpft hat und jeglicher Wirkung im Nichts verpufft. Dazu streut der Regisseur immer wieder persönliche Elemente der Figuren mit ein und zieht das Ganze dadurch nur weiter in die Länge. Es hat durchaus seinen Grund, dass Filme dieses Subgenres zumeist eine Laufzeit von 90 Minuten haben. Wan wäre durchaus dafür zu loben die bestehenden Mechanismen des Genres etwas aufzulockern, doch leider funktioniert genau das im fertigen Film eben nicht. Er verändert Erzählrhythmus und versucht den Film gegen Ende sogar in ein Charakterdrama zu verwandeln, ein Konzept das schlichtweg nicht aufgeht. Was hängen bleibt sind einzelne Szenen, die für sich genommen wirklich gelungen sind, doch als zusammenhängender Film funktioniert „Conjuring 2“ nur bedingt. Hier verschenkt man einiges an Potential, hätte eine straffere Version der Geschichte doch wirklich gut sein können. Dafür gibt sich Wan dem Genre dann aber doch zu wenig hin und vertraut vielleicht auch ein Stück weit zu wenig auf seine eigenen Fähigkeiten.


Kurzum gesagt, auch „Conjuring 2“ hält sich wie sein Vorgänger stark an die altbekannten Mechanismen des Haunted-House Genres. Das muss, wie „Conjuring“ vor einigen Jahren bereits bewiesen hat, jedoch keinesfalls negativ sein. Vielmehr ist es das gekonnte Vermengen dieser Elemente, was vor allem in der ersten Hälfte für gelungenen Grusel sorgt. Wer also dem ersten Teil etwas abgewinnen konnte, der wird auch mit der Forstsetzung seine Freude haben. Auch wenn man gegen Ende dann doch einige Abstriche machen muss, weil Regisseur Wan kaum mehr das richtige Tempo findet und es zuvor bereits zu sehr übertrieben hat, um den Zuschauer noch wirklich zu erschrecken.


5 von 10 dämonischen Heimsuchungen 

Review: CEMETERY OF SPLENDOUR – Transzendentales Spazieren zwischen Traum und Erwachen

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Fakten:
Cemetery of Splendour (Rak Ti Khon Kaen)
DE/FR/GB/KR/MX/MY/NO/TH, 2015. Regie & Buch: Apichatpong Weerasethakul. Mit: Jenjira Pongpas, Banlop Lomnoi, Jarinpattra Rueangram, Sakda Kaewbuadee, Boonyarak Bodlakorn, Petcharat Chaiburi u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: Ohne Altersbeschränkung. Im Kino.

Story:
In einem thailändischen Krankenhaus liegen mehrere Soldaten, die alle unter einer mysteriösen Schlafkrankheit leiden. Die meiste Zeit über befinden sie sich im Tiefschlaf und falls sie doch mal aufwachen sollten, kann es jederzeit passieren, dass sie von einem auf den nächsten Moment sofort wieder einschlafen. Jen ist eine ehrenamtliche Helferin, welche die Patienten betreut, ihnen Aufmerksamkeit spendet oder sie wäscht. Zu einem der Patienten spürt die Frau eine besondere Verbindung und so beginnt sie, mithilfe einer anderen Frau, welche mediale Fähigkeiten zu haben scheint, mit ihm in seinen Träumen in Kontakt zu treten.





Meinung:
Apichatpong Weerasethakul ist mit einem neuen Werk in die Kinos zurückgekehrt. Fünf Jahre, nachdem er mit „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“, ein spirituell-mystischer Trip zwischen Jenseits und Diesseits, Wachzustand und Traumwanderung, die goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen hat, meldet sich der thailändische Auteur mit einem neuen Langfilm zurück. Dieser trägt wenig überraschend die unverwechselbare, eigenständige Handschrift des ungewöhnlichen Regisseurs und ist bereits nach wenigen Minuten und Szenen als eindeutiges Schaffenswerk von Weerasethakul erkennbar.

Dezente Nachtbeleuchtung
Eine zum Krankenhaus umfunktionierte Schule dient als Unterbringung mehrerer Soldaten, die alle unter einer mysteriösen Schlafkrankheit leiden. Die meiste Zeit über befinden sie sich im absoluten Tiefschlaf und sollten sie mal wach sein, kann es jederzeit überraschend passieren, dass sie auf der Stelle wieder in den Tiefschlaf fallen. Inmitten dieses bereits außergewöhnlichen Szenarios beleuchtet der Regisseur die Beziehung zwischen Jen, einer ehrenamtlichen Pflegerin mit körperlicher Behinderung sowie chronischem Schlafmangel, und Itt, einem Patienten, zu dem die ältere Frau eine besondere Verbindung zu spüren scheint. Die eigentlichen Handlungselemente sind für Weerasethakul abermals bloße Stützpfeiler, im extremsten Fall grob angedeutete Skizzierungen, die dem Regisseur erneut eine Spielwiese für dessen Stil bieten. „Cemetery of Splendour“ verschreibt sich gänzlich seiner äußerst ruhigen und langsamen Erzählart, sodass der Betrachter aufgrund der statischen, langen Einstellungen sowie der markanten Tonkulisse in eine Art meditative Trance verfällt, die einem oftmals wie ein wohliger Dämmerschlaf erscheint. Der Regisseur setzt wieder auf seine liebsten Motive, bei denen er Traum und Realität zunehmend miteinander verschmelzen lässt und dabei Elemente wie Seelenwanderung, Reinkarnation, Geistererscheinungen, poetische Spiritualität sowie politische Bezüge seines eigenen Herkunftslandes anschneidet.


Der Himmel? Der Fluss? Der Fluss im Himmel??
Einzelne Szenen fließen wohlig ineinander, das Zirpen der Grillen, das Rauschen des Windes durch die Blätter und das Knarzen des Unterholzes bilden eine geradezu hypnotisierende Einheit und vor allem das auffällige Spiel mit Licht und pulsierenden Farben, Bewegung und Entschleunigung bilden den inszenatorischen Teppich für diese eigenwillige Geschichte. Um diesem Film komplett verfallen zu können, ist sicherlich Geduld, Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit nötig. Weerasethakul stellt sein Publikum in vielen Momenten durchaus auf die Probe, wenn er manche Einstellungen fast schon provokativ langgezogen hält und augenscheinliche Nichtigkeiten gefühlt endlos ausdehnt. Hinzu kommen einige Einlagen, die vermutlich humorvoll gemeint sind und das Geschehen auflockern sollen, aufgrund ihres ziemlich albernen Tonfalls allerdings eher irritieren und den ansonsten gemäßigten, zurückgenommenen Erzählfluss unsanft aufbrechen. Weshalb der Regisseur gefühlt eine Minute lang einen Mann zeigt, welcher seinen Stuhlgang in einem Gebüsch verrichtet oder Szenen monotoner Gymnastik, mag sich einem auch nach der Sichtung nicht wirklich erschließen. Bei der Figurenzeichnung hingegen lässt sich dieser Vorwurf nicht anbringen, denn vor allem die sympathische Hauptfigur Jen, die immer wieder mit einer warmen Altersweisheit und sarkastischen Bemerkungen glänzt, ist der ideale Fixpunkt in diesem mystisch-wirren Ausflug.


Ob die Soldaten nun unter einer Art posttraumatischem Stresssyndrom leiden oder wirklich von den Geistern jahrhundertealter Könige in Besitz genommen werden, welche durch deren Energie alte Schlachten kämpfen, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Frage, ob sich in einer Szene die Geister zweier Prinzessinnen zu Jen an den Tisch gesellen oder diese gerade träumt. „Cemetery of Splendour“ ist Kino als Meditation, Film gedacht als schummriger Spaziergang zwischen mystischer Naturkulisse, banalen Alltagssituationen und verwirrender Verschmelzung von Realität und Traumzustand. In den faszinierendsten Momenten gewinnt Apichatpong Weerasethakul seinen Bildern eine fast schon transzendentale Magie ab. In anderen Szenen wiederum stellt sich das Werk als wahre Geduldsprobe heraus, welches mit unnötig langgezogenen, unbedeutend erscheinenden Einzelmomenten und unpassender Humorfärbung irritiert wie herausfordert. Zudem könnte man bemängeln, dass der Regisseur hier inszenatorisch und hinsichtlich seiner inhaltlichen Motive Stillstand auf hohem Niveau betreibt und eine wirkliche Weiterentwicklung eher schwierig auszumachen ist. Ein echter Weerasethakul eben.


6,5 von 10 im plötzlichen Tiefschlaf endende Kinobesuche




von Pat

Review: CRIMSON PEAK- Eine Geisterbahn von vielen

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Fakten:
Crimson Peak
USA. 2015. Regie: Guillermo Del Toro.
Buch: Matthew Robbins, Guillermo Del Toro. Mit: Mia Wasikowska, Tom Hiddleston, Jessica Chastain, Charlie Hunnam, Jim Beaver, Burn Gorman, Leslie Hope, Doug Jones, Emily Coutts, Javier Botet, Laura Waddell, Sofia Wells u.a. Länge: 118 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 25. Februar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
England im 19. Jahrhundert: Die junge Autorin Edith Cushing ist noch nicht lange mit Sir Thomas Sharpe verheiratet, doch schon kommen ihr erste Zweifel, ob ihr so ungemein charmanter Ehemann wirklich der ist, der er zu sein scheint. Edith spürt immer noch die Nachwirkungen einer schrecklichen Familientragödie, und sie merkt, dass sie sich immer noch zu ihrem Jugendfreund Dr. Alan McMichael hingezogen fühlt. Durch ihr neues Leben in einem einsamen Landhaus im Norden Englands versucht sie, die Geister der Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch das Haus – und seine übernatürlichen Bewohner – vergessen nicht so einfach…




Meinung:
Der mexikanische Regisseur, Autor und Produzent Guillermo Del Toro hat sich über die Jahre eine erstaunliche Fanbasis aufgebaut. Kein Wunder. Kaum jemand anderer personifiziert kreative Inbrunst so sehr wie der bärtige Brillenträger, der mit Filmen wie „Hellboy“, „Hellboy 2“ oder „Pans Labyrinth“ grandiose Phantastik auf die Leinwand zauberte, die immer auch etwas Persönliche innehatte. Del Toro, das ist sicher, dreht Filme, weil er ein Geschichtenerzähler ist, nicht aus Profit oder Wirtschaftlichkeit. Das ist dann auch einer der Gründe, warum die meisten seiner Projekte nie die Phase der Entwicklung verlassen. Seine Film sind leider Gottes am Box Office nur selten ertragreich und wenn, dann auch nur weil das Ausland kräftig mitmischt, wie im Falle von "Pacific Rim“.


Wetten, dass gleich was aus der Ecke ins Bild springt
Sollte sein neuster Film „Crimson Peak“ nun ein Hit werden, wäre es schön für Guillermo Del Toro, aber gleichzeitig auch pure Ironie, denn seine gotische Romanze erweist sich als einer der schwächsten Del Toro-Filme, nicht sogar als schwächster seiner bisherigen Laufbahn. Gewiss ist dieser Gruselfilm kein wirkliches Ärgernis und er besitzt deutlich die unverkennbare Handschrift des Mexikaners, doch in seiner Gesamtheit fühlt sich „Crimson Peak“ seltsam unbefriedigend und teilweise sogar regelrecht lustlos an. Dabei stimmt eine der Hauptvoraussetzungen schon einmal. Das gesamte Setting, die Kostüme, die Bauten, das Licht, die Kamera und was sonst noch alles für Stimmung und Atmosphäre sorgt, wirkt wunderbar adäquat. Das Problem bei „Crimson Peak“ sind viel mehr die Geschehnisse innerhalb dieser vom Flair verzauberten Welt. Die eigentliche Geschichte ist es, die zunächst nicht wirklich in Gang kommen will und dann elendig versucht Suspense aufzubauen, obwohl die Handlung nicht die notwendige Dosis Cleverness besitzt, um einen als Zuschauer wirklich hinters Licht zu führen. Kurz: „Crimson Peak“ bekommt keinen funktionieren Spannungsbogen hin. und auch die Romantik wirkt eher dahin geschludert als wirklich überzeugend.


In Crimson Peak gibt es keine Geheimnisse
Spannung verwechselt Del Toro hier aber scheinbar mit belanglosen jump scares. Sobald die Musik von Fernando Velázquez wieder anzieht und Hauptfigur Edith Cushing (eine Nachname wie ein Hommagehammer)mal wieder durch die verfallenen Gemäuer ihrer englischen Neuheimat tapst, sollte jedem im Publikum klar sein, dass gleich etwas Geisterhaftes ins Bild springen wird. Woher man es weiß? Weil genau das in „Crimson Peak“ alle 10 bis 15 Minuten passiert und bereits beim zweiten Mal hat sich dieser Erschreck-Effekt so ausgepowert, dass man sich voll und ganz auf die Frage konzentrieren kann, warum „Crimson Peak“ vornehmlich auf kurze Schocks setzt, stattdessen aber keine konstante Aura des Schreckens zu generieren vermag? Vielleicht versucht Del Toro hier seine eigenen, detaillierten, träumerischen Welten mit der des James Wan zu verbinden? Wan, Schöpfer von „Saw“, erreichte mit seinen Gruselfilmen und deren Sequels („Insidious“ und „Conjuring“) ein Millionenpublikum, auch dank Mundpropaganda. Eventuell sah sich Del Toro genötigt „Crimson Peak“ so zu gestalten, dass Fans vom effekthascherischen Horrorlager auch einen Blick riskieren? Aber lassen wir die Mutmaßungen außen vor.


Kein Geist, nur Mia Wasikowska
Die laue Geschichte sowie die Fokussierung auf billige Schocks sind maßgeblich für das Scheitern von Del Toros „Crimson Peak“ verantwortlich – da hilft dann auch das schönste Setting nichts. Aber auch die auf Autopilot agierenden Darsteller sind unterstützend dabei den Gruselfilme mit romantischem Einschlag in Richtung Enttäuschung zu zerren. Tom Hiddleston verkommt als schlaffer Dandy zur Witzfigur, Jessica Chastain hakt alle Punkte der Antagonisten-Checkliste ab, während Charlie Hunnam – selbst wenn er im Bild ist – nicht wirklich anwesend erscheint. Und Hauptdarstellerin Mia Wasikowska? Nun die säuselt, erschreckt und tippelt sich durch den Film und bleibt so blass, dass es ein Anschein hat, sie sei der einzig wahre Geist, den es im Film zu sehen gibt. Aber natürlich gibt es eine Menge gruseligen Gestalten zu bestaunen. Dass die meist aus den Hochleistungsrechnern stammen stimmt schon etwas enttäuschend, dennoch merkt man hier Del Toros Faible und Leidenschaft für die Kreaturen der Nacht und ganz nebenbei huldigt er in einer Szenen sogar Stanley Kubricks „Shining“.


Leider bleibt „Crimson Peak“ hinter den Erwartungen zurück. Dabei lebten die vorherigen Filme von Guillermo Del Toros von einer überbrodelnden Phantastik sowie Detailliebe und auch „Crimson Peak“ besitzt diese Attribute, nur leider werden sie nicht wirklich konsequent eingesetzt. Der Film bleibt eine Geisterbahnfahrt, an deren Ende nichts zurück, nichts haften bleibt. Eine von vielen Attraktionen ohne wirklichen Mehrwert. Ein Gros voller verschenktem Potenzial. Das kommt also dabei raus wenn cineastisches Horror-Fast-Food in den synthetischen Mantel der Kunstfertigkeit gekleidet wird. Drum merke: Ein vertrockneter Snack, bleibt ein vertrocknete Snack. Aber wenigstens hat man was im Magen.


4 von 10 Gemälden von Mutter

Review: OCULUS - Spieglein, Spieglein an der Wand...

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Fakten:
Oculus
USA, 2013. Regie: Mike Flanagan. Buch: Mike Flanagan, Jeff Howard. Mit: Karen Gillan, Brenton Thwaites, Katee Sackhoff, Rory Cochrane, Annalise Basso, Garrett Ryan, James Lafferty, Miguel Sandoval, Kate Siegel u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 5. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als 10jähriger wurde Tim in eine psychiatrische Einrichtung gebracht, nachdem er in Notwehr seinen Vater erschoss. Er und seine Schwester Kaylie behaupteten damals, dass ihr Vater – der kurz zuvor ihre Mutter tötete - unter dem Einfluss einer bösen Macht stand, deren Ursprung der antike Spiegel in seinem Büro war. Nun, elf Jahre später, gilt Tim als erfolgreich therapiert und wird entlassen. Als er sich mit Kaylie trifft, beginnt der Albtraum jedoch erneut. Sie glaubt weiter fest daran, dass der Spiegel an allem Schuld war. Ihr ist es gelungen, ihn wieder aufzuspüren. Sie platziert ihn in ihrem alten Elternhaus und möchte die dunklen Mächte heraufbeschwören, um dies als Beweis aufzuzeichnen. Keine gute Idee…





Meinung:
Einen Euro. Nur einen Euro müsste man bekommen für jeden Geister/Spuk/Paranormalen-Dingsbums-Flick der Monat für Monat auf dem Heimkinomarkt veröffentlicht wird, das wäre ein akzeptables Taschengeld. Originell ist davon höchstens ein Bruchteil und da macht auch „Oculus“ von Mike Flanagan keine Ausnahme. Nichts Neues an der Gruselfront, gerade der hier in den Mittelpunkt des Hokuspokus gerückte Spiegel durfte schon in einigen Horrorfilmen als Brutstätte des Bösen herhalten. Um es ganz klar zu sagen: Eigentlich ist das Thema mehr als durch und nur auf seinen Inhalt reduziert bräuchte niemand seine Zeit für diesen Film zu opfern. Zumindest niemand, der in seinem Leben mehr als zehn vergleichbare Streifen gesehen hat. Rein formell ist „Oculus“ allerdings keinesfalls schlecht gemacht und wirkt dank seiner Erzählweise noch halbwegs unterhaltsam.


Bei seinen Möbeln versteht Vati keinen Spaß.
Wie schon einige seiner Kollegen vorher bekam Flanagan hier die Möglichkeit, einen seiner eigenen No-Budget-Kurzfilme auf Spielfilmlänge aufzublähen („Oculus: Chapter 3 – The Man with the Plan“ ist auch im Bonusmaterial der DVD/BR enthalten). Dem ursprünglichen Ein-Personen-Stück wurden etwas Rahmenhandlung und zusätzliche Figuren hinzugefügt, entscheidend neue Ideen leider nicht. Dabei werden zu Beginn noch Hoffnungen geweckt, dass es sich vielleicht nicht um den üblichen Geisterkram aus der Konserve handelt. Tim (Brenton Thwaites) klammert sich vehement an seine erfolgreiche Therapie und widerlegt zunächst standhaft jedwede Theorien seiner Schwester mit Logik und psychologischen Verdrängungsmechanismen. Als Zuschauer ist man durchaus geneigt ihm Glauben zu schenken und gerade die Ungewissheit, ob wir es wirklich mit übernatürlichen Phänomenen oder einer ausgeprägten Psychose zu tun haben macht einen nicht zu leugnenden Reiz aus. Lange hält der nicht vor, denn selbstverständlich bewegt man sich bei „Oculus“ auf ganz herkömmlichen, ausgetrampelten Genrepfaden. Natürlich lassen sich auch die immer mal wieder ansprechend nutzen, was hier so lange gelingt, bis das Grauen zu greifbar und eindeutig wird. Am besten funktioniert der Film in seinem Spiel mit den gesichtslosen Ängsten, dem Vorgeplänkel und dem Abgleiten von der Realität in die Halluzination. Gerade Letzteres sorgt für die wohl gelungensten Situationen des gesamten Films.


War wohl spät gestern...
Mit fortlaufender Spielzeit gerät „Oculus“ schlicht zu austauschbar und plakativ in seinem Grusel, als das er sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzen könnte. In einem Punkt geht Flanagan dann jedoch relativ geschickt vor: Rückblenden auf die Geschehnisse der Vergangenheit und der aktuelle Psychoterror werden parallel vorgetragen, überlappen sich immer wieder und sorgen so für ein schwungvolles Tempo. Narrativ zeigt sich der Film erstaunlich spritzig und abgeklärt, obwohl er de facto eigentlich nichts erzählt, was jetzt wahnsinnig interessant wäre. So wird einer 08/15-Geisterbahn mehr Leben eingehaucht, als ihr eigentlich zustehen würde. Handwerklich und darstellerisch wird sich ohnehin grundsolide präsentiert, da mag man kaum großartig kritisieren. In den Bereichen wurde man schon weitaus dürftiger bedient, speziell in dem Genre und bei der Größenordnung der Produktion. So verhältnismäßig beliebig „Oculus“ in den meisten Belangen ist, er hat seine Momente. Einzelne Szenen sind effektiv in Szene gesetzt, insbesondere das Ende verfehlt seine Wirkung nicht gänzlich, ohne für Begeisterungsstürme zu sorgen. Bedauerlich, wie durchgekaut und unzählige Male wiederholt der Rest dagegen wirkt. Aufgrund seiner Vorzüge hätte der Film vielleicht das Zeug gehabt, als kleine Empfehlung bestehen zu können. Es gibt definitiv ödere und nutzlosere Vertreter, doch mehr als graues Mittelmaß springt hier – bei Berücksichtigung aller Aspekte - schlussendlich auch nicht heraus.


Für Leute, die sich zwanghaft jeden Haunted-House, -Spiegel oder was auch immer Beitrag geben müssen oder eben das sehr selten tun, ist „Oculus“ bestimmt keine komplette Enttäuschung. Die Einen haben schon deutlich größeren Mist gesehen, die Anderen werden sich vielleicht leichter erschrecken lassen und nicht behaupten können, alles schon dutzendfach gesehen zu haben. Gestandene Genrefreunde verpassen eher nichts, das Wort Zeitverschwendung wäre dann doch zu hart. Typischer Fall von „geht so“.

5 von 10 schmackhaften Leuchtkörpern