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Review: THE CIRCLE - Schöne, neue Welt

1 Kommentar:

Fakten:
The Circle
USA. 2017. Regie: James Ponsoldt. Buch: James Ponsoldt, Dave Eggers (Vorlage). Mit: Emma Watson, Tom Hanks, Karen Gillan, Ellar Coltrane, Glenne Headly, Bill Paxton, John Boyega, Patton Oswalt, Judy Reyes, Nate Corddry, Mamoudou Athie, Roger Joseph Manning Jr., Joey Waronker, Michael Shuman, Nick Valensi, Beck, Regina Saldivar, Katie Costick u.a. Länge: ca. 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 7. September 2017 im Kino.

Story:
Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim "Circle", einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey ermutigt, an einem für den "Circle" bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des "Circles" beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt...




Meinung:
Mit The Circle gelang Romanautor Dave Eggers ein echter Bestseller. Die Geschichte eines gigantischen Unternehmens, eine Art fiktiver Zusammenschluss von Apple, Facebook und Microsoft, dass die Privatsphäre für antiquiert erklärt, wirkte zwar schon bei Buchveröffentlichung wenig visionär, an der kräftigen Aussage des Romans ändert dies aber nichts. Nun hat sich Hollywood dran gemacht, den Stoff zu verfilmen. Unter der Regie von James Ponsoldt, der zuletzt mit The End of the Tour bereits gelungen eine Romanverfilmung durchführte, protzt The Circle nun mit einer Besetzung, die für alle Generationen etwas bietet. Das hilft dem Film aber auch nicht weiter.


Im Grunde lässt sich The Circle zunächst nur wenig vorwerfen. Die Inszenierung ist gut und gefällig, die Darsteller geben sich keine Blöße und Ponsoldt versucht so gut es geht die damals noch dystopischen Entwürfe des Romans so zu übernehmen, dass sie für das Publikum gleichermaßen bekannt wie befremdlich wirken. Was er aber nicht tut, ist sein Publikum zu fordern. The Circle läuft auf exakten Bahnen ab, versucht sich ab dem zweiten Akt mehr schlecht als recht als Thriller und generiert Charakterentwicklungen und moralische Schockmomente die zu vorhersehbar und konstruiert wirken. Dazu kommt, dass er das ganze Konstrukt am Ende mit breiter Hüfte wieder einreißt. The Circle ist ein Film, der belehren, der aufklären will, der sich aber dabei niemals traut wirklich durchzugreifen. Er verklärt die Gefahr vom Verlust der Privatsphäre zum letztlich simpel lösenden Problem. Es ist diese Ambivalenz zwischen Aufklärung und Angst vor Überforderung, die den Film letztlich scheitern lassen.


Ist The Circle also eine Katastrophe von Film? Nein, bei weitem nicht. Was Ponsoldt nämlich ganz hervorragend gelingt ist, dass einem das alles irgendwie bekannt vor kommt. Tom Hanks als Firmenchef ist .B. die fleischgewordene Manifestierung eines Trugbildes. So wie ihn der Film zeigt, so wirken die Jobs, Zuckerbergs und Gates auf uns. Ein Rattenfänger, dem wir blind folgen. Inszenatorisch weiß The Circle also, wie er Assoziationen heraufbeschwören muss. Nur wie er diese wieder einreißt und offenlegt, damit hat die Romanverfilmung ihre klaren Defizite.

4 von 10 Energy Drinks

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 – Ein Sequel mit Herz

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Fakten:
Guardians of the Galaxy Vol. 2
USA. 2017. Regie und Buch: James Gunn: Mit: Chris Pratt, Zoe Saldana, Bradley Cooper, Dave Bautista, Vin Diesel, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Kurt Russell, Elizabeth Debicki, Chris Sullivan, Sean Gunn, Sylvester Stallone, Tommy Flanagan, Stan Lee, Aramis Knight u.a. Länge: 137 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Ab 27. April 2017 im Kino.


Story:
Die Abenteuer der "Guardians of the Galaxy" gehen weiter, und diesmal führt sie ihr Trip bis an die äußeren Grenzen des Kosmos. Die Guardians müssen um ihre neu gefundene Familie kämpfen, während sich das Geheimnis um Peter Quills wahre Eltern langsam lüftet. Dabei wandeln sich alte Feinde zu neuen Verbündeten, und auch einige neue Charaktere tauchen auf der intergalaktischen Bühne auf.




Kritik:
2014 überraschte James Gunn uns alle mit seiner Weltraumoper Guardians of the Galaxy. Der Film war, trotzdem die Guardians selber zu dem Zeitpunkt der breiten Masse recht unbekannt waren, ein riesiger Erfolg. Das lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sich der Film, obwohl er Teil des Marvel Cinematic Universe ist, überraschend eigenständig und frisch angefühlt hat. Er stand für sich und wirkte nicht nur wie ein weiteres Puzzleteil im MCU. Entsprechend erwartungsvoll stehen die Fans nun dem zweiten Teil der Reihe gegenüber. Doch können diese Erwartungen überhaupt erfüllt oder gar übertroffen werden? Ein zweiter Teil kann sich selbstverständlich nie so frisch und originell anfühlen wie der erste, doch genau das fordern scheinbar viele ein. Allerdings wäre James Gunn nicht James Gunn, wenn er mit diesem Problem nicht fertig werden würde.


Der zweite Teil der Reihe konzentriert sich sehr stark auf das Thema Familie. Jetzt mag man schnell an ein anderes Franchise denken, dass gerade mit seinem neusten Beitrag einen enormen Erfolg feiert, doch könnte das Verständnis von Familie in den beiden Filmen kaum unterschiedlicher sein. Während uns bei Fast and Furious eine bedingungslose Liebe innerhalb der "Familie" vorgegaukelt wird, sehen wir bei den Guardians einen wirklichen Zusammenhalt, der auch durch nicht abwendbare Konflikte nicht gebrochen werden kann. Allerdings geht es in Guardians of the Galaxy Vol. 2 nicht nur um Familie im übertragenen Sinne, sondern auch im wörtlichen. Star Lord trifft im Film nämlich auf seinen leiblichen Vater Ego. Verkörpert von Kurt Russel will dieser seinem Sohn der Vater sein, der er vorher nicht sein könnte und ihm erklären, was seine Rolle im Leben ist. Also begleiten die Guardians ihn kurzerhand auf seinen Planeten um mehr zu erfahren. Und auch wenn Star Lord das Gefühl, dass ihm seine "richtige" Familie bringt sehr genießt, muss er im Verlaufe des Films feststellen, dass die Erwartungen die man an seinen leiblichen Vater hat nicht immer erfüllt werden.


Insgesamt ist Guardians of the Galaxy Vol. 2 ein überraschend emotionaler Film. Genau mit dieser Emotionalität versucht Gunn auch die fehlende Frische des Films auszugleichen – mit Erfolg. Sei es die Beziehung zwischen Star Lord und seinem Vater, Gamorra und ihrer Schwester oder Drax Vergangenheit, egal wie kitschig die einzelnen emotionalen Momente des Films auch sein mögen, sie funktionieren. Der Grund dafür liegt im Umgang mit dem Kitsch. Der Film ist sich dessen nämlich stets bewusst und geht das ganze mit einem lächeln an. In seinen besten Momenten schafft er es dadurch, dem Zuschauer die ein oder andere Träne abzuringen. Etwas, dass man von einem Guardians of the Galaxy Film nicht unbedingt erwarten würde. Doch keine Sorge, dabei kommen Action und Humor keinesfalls zu kurz – im Gegenteil. Gunn feuert im Minutentakt mit Witzen auf uns, die dankenswerterweise auch alle noch sehr treffsicher sind und inszeniert die Action wieder sehr gekonnt.


Das der Humor so gut funktioniert ist aber nicht nur Gunn und seinem fabelhaften Drehbuch zu verdanken, sondern vor allem dem komödiantischen Talent der Darsteller. Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Michael Rooker und Karen Gillan kehren in ihre Rollen aus dem ersten Teil zurück und schaffen es in den besten Fällen ihre Leistung im ersten Teil noch zu toppen. Dank James Gunns ausgeglichenem Drehbuch, stiehlt auch kein Darsteller dem anderen die Show. Jeder Darsteller bekommt seine Momente und wird dem Zuschauer auch nach dem Film im Gedächtnis bleiben. Eine Rarität in Ensemblefilmen. Allerdings sei erwähnt, dass Michael Rooker und Karen Gillan in diesem zweiten Teil eine wesentlich größere Rolle spielen als noch im ersten. Insbesondere Michael Rooker bekommt dabei einige schöne Momente spendiert, die sowohl seinem Talent, als auch seinem Charakter mehr als gerecht werden. Da wir schon so viel von Familie sprechen, soll auch James Gunns Bruder Sean Gunn als Kraglin nicht unerwähnt bleiben. Im zweiten Teil spielt auch er eine wesentlich größere Rolle. Das fühlt sich aber nicht nach Vetternwirtschaft an, sondern macht für den Film durchaus Sinn. Sein komödiantisches Talent, dass er schon in einigen Serienformaten und auch im ersten Guardians Film unter Beweis stellen konnte, kann er in seiner Rolle vollends ausleben. Neben den altbekannten Gesichtern stoßen aber auch zwei neue Größen dem Cast hinzu. Kurt Russel scheint die perfekte Wahl zu sein, um Chris Pratts Vater zu spielen. Beide haben einen ähnlichen Charme, beide eine ähnliche Attitüde. Das sorgt für eine unheimlich stimmige Chemie zwischen den beiden, so dass man ihnen die Vater Sohn Beziehung von der ersten Sekunde an abkauft. Auch Pom Klementieff als Mantis ist eine willkommene Erweiterung. Sie und Drax sorgen für einige der größten Lacher im Film. Insgesamt merkt man dem Cast an, dass sie sich untereinander verdammt gut verstehen und irre viel Spaß beim Dreh hatten - und das ist unbezahlbar.


Natürlich darf auch die Musik nicht vergessen werden, die bereits im ersten Teil eine essenzielle Rolle spielte. In Vol. 2 versucht Gunn etwas neues. Während der Soundtrack des ersten Films gut ins Ohr ging und man ihn ohne Probleme in Dauerschleife hören konnte, baut Gunn den Soundtrack des zweiten Teils besser in den Film ein. So ist einer der Songs gar ein wichtiger Plot Point. Dadurch ist der Soundtrack zwar nicht so gut hörbar wie der erste – wenn auch trotzdem noch gut hörbar – spielt aber für den Film selbst eine wichtigere Rolle. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Und ja, das ist eine Anspielung auf die Goldenen Wesen im Film. Das Volk – Enclave genannt – sorgt zwar für den ein oder anderen guten Lacher zu Beginn des Films, hat aber über den gesamten Film verteilt zu viel Screentime. Zu oft sehen wir, wie sie an ihren in Steuerapparaten für die Drohnen sitzen und sich darüber aufregen, dass die Guardians sie erneut zurückschlagen. Die ersten Male mag das noch ganz witzig sein, nutzt sich aber leider recht schnell ab. Dass das der einzig große Kritikpunkt am Film ist sollte aber zeigen, wie gelungen der Film in seiner Gesamtheit ist.


Fazit: In Guardians of the Galaxy Vol. 2 vereint James Gunn alles, was wir am ersten Teil so geliebt haben: Toll inszenierte Action, treffsicherer Humor und viel Herz. Anstelle der Frische und Originalität des ersten Films, bietet er wesentlich mehr Emotionen. Dadurch ist Guardians 2 nicht unbedingt besser, aber in keinem Fall schlechter als der Erste.

9 von 10 schlecht gewählten Namen

Eine Gastkritik von Tobias Bangemann

Review: IN A VALLEY OF VIOLENCE - Ti West zeigt sich sattelfest

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Fakten:
In a Valley of Violence
USA, 2016. Regie & Buch: Ti West. Mit: Ethan Hawke, John Travolta, Taissa Farmiga, James Ransone, Karen Gillan, Toby Huss, Tommy Nohilly, Larry Fessenden, Michael Davis u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Texas, 1890: Ex-Soldat Paul legt auf seinem Weg nach Mexiko einen kurzen Zwischenstopp in dem gottverlassenen Nest Denton hin. Eigentlich will er nur kurz sich und seine tierischen Begleiter mit dem Nötigsten versorgen und weiterziehen, wird aber unverschuldet in einen Konflikt mit dem aufbrausenden Gilly verwickelt. Paul lässt ihm im Faustkampf alt aussehen und bekommt sogar von Gilly’s Vater, dem sonst wenig zimperlichen Sheriffs von Denton, den Segen für eine vergeltungslose Weiterreise. Doch Gilly sieht das etwas anders, geht einen Schritt zu weit und zwingt Paul in alte, eigentlich abgeschworene Verhaltensmuster zurück.

                                                                       
Meinung:
-„Kann er Kunststücke?“
-„Sie beißt.“

Nach den ersten Gehversuchen als DTV-Auftragsregisseur wurde Ti West schnell als neues Wunderkind des B-Genre-Films ausgerufen. Mit nicht mal 30 Jahren drehte er 2009 seinen ersten, komplett eigenständigen Film The House of the Devil, einen der besten Horrorfilme seit der Jahrtausendwende. Eine kenntnisreiche, ruhige und gerade dadurch ungemein beängstigende Hommage an das Horrorkino der 70er Jahre, das stellenweise sogar so wirkte wie in dieser Dekade produziert. Sein ähnlich gelagertes, noch deutlich reduzierteres Folgewerk The Innkeepers wurde allgemein mit Lob überschüttet. Zuletzt drehte er 2013 den äußerst sehenswerten Sekten-Thriller The Sacrament, nun der endgültige Genre-Umbruch mit In a Valley of Violence. Einem Italo-Western, gut 40 Jahre nach dessen Hochphase und aus dem „falschen“ Land.
Zwei wie Pech und Schwefel: Paul und sein Indianer-Köter


Ti West macht kein (ohnehin nicht zu übersehendes) Geheimnis daraus, dass sein Western dem Spaghetti-Pendant deutlich näher steht als den Klassikern der USA. Allein der Vorspann (ja, das gibt es noch), bereits prägnant unterlegt von Jeff Grace‘s konstant eindringlichen Score, ist pure Nostalgie in Gedenken an Leone und Corbucci. Von Heldentum keine Spur. Eine gebrochene, aber wenig ausgeleuchtete Charakter-Hülle von Anti-Held reitet in eine Stadt ein, prallt allein durch seine reine Präsenz schnell mit dem selbsternannten Kronprinzen, Maul- und Revolverhelden vom Dienst aufeinander, der Rest ergibt sich eben. Gewalt erzeugt Gegengewalt, besonders wenn einem einsamen Mann der beste und einzige Freund genommen wird, John Wick lässt grüßen. Was banal klingen mag ist es irgendwo auch, aber letztendlich macht Ti West nichts anderes als schon zuvor. Betrieben von ihm wie dem Genre an sich. Auch Clint Eastwood war in Für eine Handvoll Dollar nur der unfreiwillige Störenfried. Auch Ti West hat in seinen Horrorfilmen lediglich ein simples, erprobtes Grundgerüst genommen und es in seiner eigenen Stilistik interpretiert.


Gewalt ist keine Lösung, aber so wird das auch nichts
Wer bei In a Valley of Violence ernsthaft auf inhaltliche Innovationen gehofft hat, der hat von vornherein mit Zitronen gehandelt und die Qualität eines Ti West wie dessen Anspruchsdenken wohl falsch eingeschätzt. Er will doch das Genre nicht neu erfinden, selbst wenn ihm sein Ruf ungewollt in eine falsche Ecke drängen mag. Das hat er nie gemacht. Seine Geschichten leben von ihrer Schlichtheit, steigen im Wert durch seine individuelle Klasse der Umsetzung. Und da macht sein erster Western keine Ausnahme. In a Valley of Violence ist bewusst konform und sehr einfach in seinem Geschehen – welcher Italo-Western war das abgesehen der ganz großen Ausnahmeerscheinungen nicht? -, es wirkt sicher nicht zufällig so, als sollte es nicht anders sein. Was diesen Film auszeichnet, ist seine exzellente, teilweise famose Inszenierung, die sich eher in kleinen Details äußert. Wie selbstverständlich wird die staubige, nihilistische Grundstimmung mit lakonischen, furztrockenen Mini-Jokes am Rande durchbrochen. Die Motivlosigkeit von Gut und Böse leicht hinterfragt um am Ende doch auf den unausweichlichen Konsens zu kommen, dass das Töten die einzige, logische Konsequenz bleibt im Tal der Gewalt, weil der von Natur aus schon wortkarge Protagonist hier ausschließlich auf taube Ohren stößt. Als man ihm winselnd zuhören will, ist es eh schon zu spät.


Der stetig in melancholische Sorgenfalten geknitterte Ethan Hawke (so kennt man ihn) gibt eine gute Figur ab, der kleine Knaller ist dafür John Travolta, dem das würdevolle Altern wesentlich besser steht als sein eine Weile betriebener, zwanghafter Still-Sexy-Wahn. Als knurriger Wendehals zwischen Leben-und-leben-lassen und Wer-später-schießt-ist-eher-tot – je nach dem, was die Situation erfordert – gefällt er weitaus besser als dieser alte Kerl, der sich immer noch die Haare färbt und die Plauze einzieht in der Hoffnung, dass es niemand sieht. In a Valley of Violence ist wunderbar einfach in seiner Ausrichtung und gleichzeitig so bestechend vorgetragen, das funktioniert einwandfrei, wenn man sich von falschen Wunderwerks-Ansprüchen lösen kann. Ti West gelingt dieses, der Zuschauer muss das für sich selbst entscheiden.

„Gott muss zusammengepackt haben und hier verschwunden sein.“

7 von 10 kalten Hundeschnauzen

Review: OCULUS - Spieglein, Spieglein an der Wand...

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Fakten:
Oculus
USA, 2013. Regie: Mike Flanagan. Buch: Mike Flanagan, Jeff Howard. Mit: Karen Gillan, Brenton Thwaites, Katee Sackhoff, Rory Cochrane, Annalise Basso, Garrett Ryan, James Lafferty, Miguel Sandoval, Kate Siegel u.a. Länge: 104 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 5. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als 10jähriger wurde Tim in eine psychiatrische Einrichtung gebracht, nachdem er in Notwehr seinen Vater erschoss. Er und seine Schwester Kaylie behaupteten damals, dass ihr Vater – der kurz zuvor ihre Mutter tötete - unter dem Einfluss einer bösen Macht stand, deren Ursprung der antike Spiegel in seinem Büro war. Nun, elf Jahre später, gilt Tim als erfolgreich therapiert und wird entlassen. Als er sich mit Kaylie trifft, beginnt der Albtraum jedoch erneut. Sie glaubt weiter fest daran, dass der Spiegel an allem Schuld war. Ihr ist es gelungen, ihn wieder aufzuspüren. Sie platziert ihn in ihrem alten Elternhaus und möchte die dunklen Mächte heraufbeschwören, um dies als Beweis aufzuzeichnen. Keine gute Idee…





Meinung:
Einen Euro. Nur einen Euro müsste man bekommen für jeden Geister/Spuk/Paranormalen-Dingsbums-Flick der Monat für Monat auf dem Heimkinomarkt veröffentlicht wird, das wäre ein akzeptables Taschengeld. Originell ist davon höchstens ein Bruchteil und da macht auch „Oculus“ von Mike Flanagan keine Ausnahme. Nichts Neues an der Gruselfront, gerade der hier in den Mittelpunkt des Hokuspokus gerückte Spiegel durfte schon in einigen Horrorfilmen als Brutstätte des Bösen herhalten. Um es ganz klar zu sagen: Eigentlich ist das Thema mehr als durch und nur auf seinen Inhalt reduziert bräuchte niemand seine Zeit für diesen Film zu opfern. Zumindest niemand, der in seinem Leben mehr als zehn vergleichbare Streifen gesehen hat. Rein formell ist „Oculus“ allerdings keinesfalls schlecht gemacht und wirkt dank seiner Erzählweise noch halbwegs unterhaltsam.


Bei seinen Möbeln versteht Vati keinen Spaß.
Wie schon einige seiner Kollegen vorher bekam Flanagan hier die Möglichkeit, einen seiner eigenen No-Budget-Kurzfilme auf Spielfilmlänge aufzublähen („Oculus: Chapter 3 – The Man with the Plan“ ist auch im Bonusmaterial der DVD/BR enthalten). Dem ursprünglichen Ein-Personen-Stück wurden etwas Rahmenhandlung und zusätzliche Figuren hinzugefügt, entscheidend neue Ideen leider nicht. Dabei werden zu Beginn noch Hoffnungen geweckt, dass es sich vielleicht nicht um den üblichen Geisterkram aus der Konserve handelt. Tim (Brenton Thwaites) klammert sich vehement an seine erfolgreiche Therapie und widerlegt zunächst standhaft jedwede Theorien seiner Schwester mit Logik und psychologischen Verdrängungsmechanismen. Als Zuschauer ist man durchaus geneigt ihm Glauben zu schenken und gerade die Ungewissheit, ob wir es wirklich mit übernatürlichen Phänomenen oder einer ausgeprägten Psychose zu tun haben macht einen nicht zu leugnenden Reiz aus. Lange hält der nicht vor, denn selbstverständlich bewegt man sich bei „Oculus“ auf ganz herkömmlichen, ausgetrampelten Genrepfaden. Natürlich lassen sich auch die immer mal wieder ansprechend nutzen, was hier so lange gelingt, bis das Grauen zu greifbar und eindeutig wird. Am besten funktioniert der Film in seinem Spiel mit den gesichtslosen Ängsten, dem Vorgeplänkel und dem Abgleiten von der Realität in die Halluzination. Gerade Letzteres sorgt für die wohl gelungensten Situationen des gesamten Films.


War wohl spät gestern...
Mit fortlaufender Spielzeit gerät „Oculus“ schlicht zu austauschbar und plakativ in seinem Grusel, als das er sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzen könnte. In einem Punkt geht Flanagan dann jedoch relativ geschickt vor: Rückblenden auf die Geschehnisse der Vergangenheit und der aktuelle Psychoterror werden parallel vorgetragen, überlappen sich immer wieder und sorgen so für ein schwungvolles Tempo. Narrativ zeigt sich der Film erstaunlich spritzig und abgeklärt, obwohl er de facto eigentlich nichts erzählt, was jetzt wahnsinnig interessant wäre. So wird einer 08/15-Geisterbahn mehr Leben eingehaucht, als ihr eigentlich zustehen würde. Handwerklich und darstellerisch wird sich ohnehin grundsolide präsentiert, da mag man kaum großartig kritisieren. In den Bereichen wurde man schon weitaus dürftiger bedient, speziell in dem Genre und bei der Größenordnung der Produktion. So verhältnismäßig beliebig „Oculus“ in den meisten Belangen ist, er hat seine Momente. Einzelne Szenen sind effektiv in Szene gesetzt, insbesondere das Ende verfehlt seine Wirkung nicht gänzlich, ohne für Begeisterungsstürme zu sorgen. Bedauerlich, wie durchgekaut und unzählige Male wiederholt der Rest dagegen wirkt. Aufgrund seiner Vorzüge hätte der Film vielleicht das Zeug gehabt, als kleine Empfehlung bestehen zu können. Es gibt definitiv ödere und nutzlosere Vertreter, doch mehr als graues Mittelmaß springt hier – bei Berücksichtigung aller Aspekte - schlussendlich auch nicht heraus.


Für Leute, die sich zwanghaft jeden Haunted-House, -Spiegel oder was auch immer Beitrag geben müssen oder eben das sehr selten tun, ist „Oculus“ bestimmt keine komplette Enttäuschung. Die Einen haben schon deutlich größeren Mist gesehen, die Anderen werden sich vielleicht leichter erschrecken lassen und nicht behaupten können, alles schon dutzendfach gesehen zu haben. Gestandene Genrefreunde verpassen eher nichts, das Wort Zeitverschwendung wäre dann doch zu hart. Typischer Fall von „geht so“.

5 von 10 schmackhaften Leuchtkörpern