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FREAKS OF NATURE - Schuld sind immer die Anderen

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© COLUMBIA PICTURES; SONY PICTURES

Fakten:
USA, 2015. Regie: Robbie Pickering. Buch: Oren Uziel. Mit: Nicholas Braun, Mackenzie Davis, Josh Fadem, Denis Leary, Ed Westwick, Vanessa Hudgens, Keegan-Michael Key, Bob Odenkirk, Joan Cusack, Patton Oswalt u.a. Länge: 92 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Dillford ist eine typisch-amerikanische Kleinstadt…naja, nicht ganz. Vampire, Zombies und Menschen leben hier mehr oder weniger friedlich miteinander, obwohl man den anderen Gattungen nie so richtig über den Weg traut. Das hat ein Ende, als auch noch eine Alien-Invasion über Dillford einbricht. In der allgemeinen Panik gehen die „Gesellschaftsschichten“ aufeinander los. Drei Teenager – ein Mensch, eine Vampirin und ein Zombie – müssen in dem Chaos zusammenhalten, um ihr Stadt zu retten.

                                                                       
Meinung:
Es gibt so diese Filme, über die bereits nach den ersten Minuten innerlich gerichtet wird und oft – nach etlichen Jahren und tausenden Stunden Filmerfahrung – ist dieser erste Eindruck zumindest tendenziell nicht falsch. Natürlich kann sich alles noch in die eine oder andere Richtung verschieben, manchmal ist es sogar die Intention der Macher, aber bei Freaks of Nature ist die Entwicklung selbst dafür noch erstaunlich. Was anfangs wirkt wie eine naive Low-Budget-Nerd-Fantasie mit netter Grundprämisse und geringer Substanz dahinter nimmt nach einem rumpeligen Start plötzlich einige Kurven mit so viel Elan, Begeisterung und Cleverness, dass man ihm so manche Verfehlungen und überzogene Albernheiten überhaupt nicht mehr ernsthaft krumm nehmen will.


© COLUMBIA PICTURES; SONY PICTURES
Und da denkst du, du hast schon alles gesehen...
In Dillford ticken die Uhren nicht anders als überall sonst in US-Kleinstädten, es ist nur ein etwas sonderbares Uhrwerk. Hier leben (warum auch immer) Menschen, Vampire und Zombies Seite an Seite. Machen naturgemäß schon ihr eigenes Ding, aber halten den Burgfrieden aufrecht und versuchen wenigstens miteinander klarzukommen. Aufgrund ihrer Eigenarten und Unterschiede sind geringe Konfrontationen nicht zu vermeiden, auch da DIE halt anders sind als WIR. Eine Dreiklassengesellschaft, in der die leicht erhabenen und tendenziell mächtigeren Vampire sich für etwas Besseres halten, die Menschen eben Menschen sind, nichts Besonderes aber immer noch besser als die primitiven, abfällig belächelten Zombies, deren einziger Antrieb der nach frischem Hirn aus der Dose ist. Man koexistiert ohne sich ernsthaft auf die Füße zu treten, bleibt lieber unter sich und gönnt dem sonderbaren Mitbewohner seine Daseinsberechtigung, solange jeder seinen Platz kennt und akzeptiert. Bis die Aliens kommen. Wieso, weshalb, warum, keiner weiß es aber die Schuldigen sind schnell ausgemacht: Natürlich die Anderen. Begründet auf Vorurteilen, Fremdenhass und Grüppchenbildung eskaliert im Angesicht einer plötzlichen und unverständlichen Bedrohung von außen sofort die Situation, es herrscht Bürger- und Klassenkrieg im Freakshow-Tollhaus. Nur drei jugendliche Außenseiter ihrer Spezies raufen sich notgedrungen zusammen, während um sie herum sich alle gegenseitig die Köpfe einschlagen oder die Därme aus dem Körper reißen.


© COLUMBIA PICTURES; SONY PICTURES
Hirn, blutig, zweimal bitte
Wie gesagt, der Auftakt wirkt leicht unbeholfen und nicht mehr in petto zu haben als den Anflug einer Idee, doch dann mausert sich Freaks of Nature (fast) noch zum natürlich offensiv angepeilten Geheimtipp für Außenseiter und deren Sympathisanten. Die überdeutliche Gesellschaftsallegorie ist nicht sonderlich subtil, deshalb aber nicht weniger smart, trifft sie doch unmissverständlich die richtigen Töne und begegnet vermutlich immer gleichbleibenden Problemen mit einer ordentlichen Prise Ironie, Sarkasmus und spleenig-sympathischen Einfällen, bei dem Autor Oren Uziel und Regisseur Robbie Pickering sich von Referenzen und Zitaten durch ihre wohl eigene filmische Prägung hangeln, die irgendwo Mitte der 80er beginnen dürfte und ihren Höhepunkt in den 90ern haben müsste. Neben einem Gruß an Terminator 2 oder dem strunzdoofen Safe-the-Day-Geistesblitz von Independence Day, wirkt Freaks of Nature zwischendrin leicht wie die Fantasy-Filmfest-Variante von Breakfast Club. Am Ende gleiten den beiden die Zügel wieder deutlich aus der Hand, da kann es nicht albern und überladen genug sein, aber da hat der Film mit seinem feinen (und verglichen mit dem Rest eindeutig überwiegendem) Zwischenspurt bereits so viele Bonuspunkte gesammelt, die kann er unmöglich wieder entscheidend verzocken.


Als Horror- und Science-Fiction-Film-Parodie manchmal stumpf, aber öfter nett und tatsächlich witzig, als Coming-of-Age-Posse sogar gelegentlich richtig sensibel abgestimmt, als Gesellschaftsparabel nicht von seinem Wahrheits- und Satiregehalt gescheitert (eher im Gegenteil) ist Freaks of Nature einer dieser Filme, die nicht perfekt sind, im Gegenzug mit so viel sichtlichem Herzblut gemacht und im wahrsten Sinne des Wortes lebendig, menschlich sind, das man ihnen ihre unübersehbaren Macken gerne verzeiht. Es gibt so viel uninspirierte, blutleere Quasi-Alternativen, dagegen ist das echt erfrischend, auf seine eigene, eben nicht reibungsfrei Art und Weise. Thematisch somit sehr passend.

6,5 von 10 lahmgelegten Bowling-Armen

Review: SUICIDE KINGS - Wer ist hier die Geisel?

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Fakten:
Suicide Kings
USA, 1997. Regie: Peter O'Fallon. Buch: Josh McKinney, Gina Goldman, Wayne Allan Rice, Don Stanford (Vorlage). Mit: Christopher Walken, Denis Leary, Jay Mohr, Richard Thomas, Sean Patrick Flanery, Johnnie Galecki, Jeremy Sisto, Brad Garrett u.a. Länge: 102 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Avery, Max, Brett und T.K., allesamt Berufssöhne aus gutem Hause, entführen den gefürchteten Capo Carlo Bartolucci. Jedoch nicht aus Habgier. Elise, die Schwester von Avery und heimliche Geliebte von Max, ist gekidnappt worden. Die Entführer fordern 2 Millionen Dollar und haben bereits einen abgeschnittenen Finger als Beweis für ihre Skrupellosigkeit verschickt. Die Jungs wollen die Kontakte des Gangsters nutzen, um Elise möglichst schnell frei zu bekommen. Ein unüberlegter Plan, denn selbst sediert und an einen Stuhl gefesselt frisst der abgebrühte Mafioso die grünen Jungs noch zum Frühstück. Zudem ist seine rechte Hand Lono schon längst auf der Suche nach seinem Boss.






Meinung:
„So, dein Plan…das werde ich mir merken!“

Wär hätte da keine Angst? Selbst wenn es Fünf gegen einen heißt und letzterer ein älterer Herr mit eingeschränktem Bewegungsspielraum, wenn es sich um Christopher Walken handelt. Der atmet gewohnt lässig durch den Mund und seine halbstarken Kidnapper bekommen im Gegenzug Schnappatmung.


Private Krankenversicherung, 2:1 Betreuung ist Standard.
„Suicide Kings“ ist eines dieser kleinen, feinen B-Movies aus den späten 90ern, die es nie so richtig geschafft haben, obwohl sie es verdient hätten. Seinerzeit ohne deutschen Kinostart direkt in die Videothek verschoben konnte er damals doch in gewissen Kreisen seine Fans finden, heute ist er trotzdem nicht mehr als ein unbekannter Geheimtipp. Großes Kino ist die garstige Thriller-Groteske von Peter O’Fallon keinesfalls und zündet speziell in der ersten Hälfte nicht immer hundertprozentig, doch allein der erneut famose Christopher Walken, eine interessante Grundprämisse und einige hervorragend umgesetzte Situationen bleiben definitiv hängen, selbst mit vielen Jahren Abstand. Ohne den Mann mit dem Plan - hier nicht aufgrund einer Querschnittslähmung an einen Stuhl gefesselt - würde das wohl nicht partiell so exzellent funktionieren, doch wie Abel Ferrara einst sinngemäß sagte, der Mann hat mehr Talent im kleinen Finger als manche Darsteller überhaupt. Passt hier extrem genau, ohne zu viel verraten zu wollen. Mit welcher Abgebrühtheit, Ausstrahlung und fast gruseliger Dominanz er hier seine Kontrahenten an die Wand drückt, ist schon schwer beeindruckend.


Freunde oder Feinde, kaum noch zu trennen.
Ihm, aber auch Denis Leary als seinen nicht gerade zimperlichen Handlanger Lono, gehört eindeutig die Show. Während Walken nur mit gezielten, verbalen Messerstichen die lappigen Wannabes analysiert, seziert und Zwietracht säht, erkennt Lono die Vorzüge von Stahl gegenüber Grafit in der rauen Praxis, versaut sich wiederholt die schicken Fisch-Treter und zweckentfremdet Toaster für die gute Sache. Die offensichtlichen Bad Guys werden schnell zu den eigentlichen Sympathiefiguren, da sie neben ihren illegalen Machenschaften und radikalen Methoden tatsächlichen „sozialen“ Anstand erkenne lassen. Nicht unbedingt eine oft grenzwertige Gangsterglorifizierung, mehr eine Gespür dafür, wen sie am Ende des Tages noch mit einem blauen Auge davon kommen lassen. Wer nur dumm, naiv aber loyal und im Herzen ehrlich ist, hat eine Chance. Gesindel und Verräter verdienen keine Gnade. „Suicide Kings“ ist nicht schon wieder so ein auf lässig und smart getrimmtes Gaunerstück, hat zwar diverse dieser Anleihen und nicht unerhebliche Logikschnitzer, punktet dafür mit viel Charme, tatsächlicher statt künstlich heraufbeschworener, nie übertriebener Coolness und geschickt instruierten Spannungsmomenten, die dann effektiv inszeniert werden. Humor ist ein wesentlicher Bestandteil. Manchmal etwas zu affektiert, meist jedoch nicht übertrieben und dank der liebevoll, grundsätzlich vernünftig und nachvollziehbar charakterisierten Figuren im Gesamtbild rund („Ira, du bist mein Mann.“).


Der übergroße Christopher Walken ist der Platzhirsch, Denis Leary der selten so gute Kronprinz, da stinken die jungen Wilden Jay Mohr (zu der Zeit kurz vorm Durchbruch, wer kennt den heute noch?), Sean Patrick Flannery (auf seinem Grabstein wird wohl auch stehen: „Der eine Typ aus DER BLUTIGE PFAD GOTTES“), Henry Thomas („E.T.“ war gestern), Jeremy Sisto ("Wrong Turn", sonst...Google hängt) und Johnny Galecki (Glück gehabt, sonst auch nur einer von denen) natürlich gegen ab, doch insgesamt ein harmonisches, gut gewähltes Ensemble. Trotz Abstrichen, so sieht grundsätzlich gutes, kleines B-Kino aus, bei dem sich Mühe gegeben wurde und selbst bei wiederholter Sichtung immer noch Spaß macht. Wer ihn immer noch nicht kennt, der Blick lohnt sich. Und wenn es nur wegen Walken ist.

„Wie wäre es, wenn ich eure kleinen Ärsche packe und zu Hackfleisch verarbeiten lasse?“

7 von 10 Fingern on the rocks


Review: THE AMAZING SPIDER-MAN 2: RISE OF ELECTRO - Spider-Man hat gute Karten in der Hand

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Fakten:
The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro
USA. 2014.
Regie: Mark Webb. Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner, James Vanderbilt. Mit: Andrew Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan, Sally Field, Paul Giamatti, Chris Cooper, Colm Feore,, Felicity Jones, Embeth Davidtz, Marton Csokas, Max Charles, B.J. Novak, Denis Leary, Michael Massee, Adrian Martinez u.a. Länge: 144 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.


Story:
Obwohl er es dem Vater von Gwen versprochen hat, ist Peter immer noch mit ihr zusammen. Doch damit kann er nicht mehr leben und trennt sich von Gwen. Als wäre das nicht schon schlimm genug für ihn, verwandelt sich der Ingenieur Max Dillon nach einem Unfall bei Oscorp in den energieverschlingenden Electro. Spider-Man bekommt also eine Menge zu tun.





Meinung:
Die freundliche Spinne ist zurück. Erneut unter der Regie von Marc Webb (immer noch ein verdammt passender Nachname für’s Franchise) sowie angeführt von Andrew Garfield ("The Social Network") als Peter Parker und Spider-Man in Personalunion. Das Sequel zum ersten „The Amazing Spider-Man“, der nicht ganz so amazing war und dennoch unterhaltsame Minuten bot, bekam nun mit seiner Fortsetzung „Rise of Electro“ ein Sequel spendiert, welches die durchaus gerechtfertigten Spottrufe, die das Konzept des Reboots hervor rief, vergessen lässt. Webbs zweite Superheldenprüfung ist als bestanden anzusehen. Mit „The Amazing Spider-Man 2“ hat die Reihe – ja, alle Filme – ihren bisherigen Höhepunkt gefunden.



"Sag noch einmal Tobey Maguire!"
Beginnen wir doch nach der Einleitung direkt einmal mit einer klaren Aussage, die gewiss die Leserschaft spalten wird: Andrew Garfield ist der bessere Peter Parker. Seine schlaksige Art kommt dem originalem Comichelden wesentlich näher als Tobey Maguires Darstellung. Das ist natürlich ein Streitpunkt, der zu nimmer endenden Diskussionen einlädt. Vielleicht kann man die Frage, ob „Rise of Electro“ uneingeschränkt für alle Spidey-Fans zu empfehlen ist, ganz einfach damit beantworten, dass es vor allem darauf ankommt, mit welchem Peter-Darsteller man mehr anfangen kann. Während Maguire außerhalb seines Spinnenkostüms immer der etwas verschlossener Streber war, macht Garfield auf leicht großmäuligen, liebenswert Nerd und erfüllt die Anforderung an die Rolle somit fast perfekt, auch wenn Maguire-Anhänger dies ganz gewiss anders sehen werden.




Was „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wirklich phantastisch macht ist zum einen seine Actionszenen und zum anderen sein Soundtrack. Beides ist wahrlich stimmungsvoll miteinander verwoben. Manchmal stellt sich die Frage ob der Score wirklich für die Actionszenen komponiert wurde, oder ob Regisseur Marc Webb die Spektakel nachträglich erst einfügte und sich beim Design des destruktiven Krawalls an der Musik des Komponistenverbundes The Magnificent Six orientierte. Besonders schön: die Musik gestaltet sich abwechslungs- und facettenreich. Statt die üblichen Brummtöne, wie man sie seit „Inception“ gefühlt in jedem Blockbuster hört, gönnt sich „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ einen abwechslungsreichen Soundtrack (und das obwohl Hans Zimmer hier seine Finger im Spiel hatte), der gewisse zum größtenteils auch nur Retorte ist, dafür aber perfekt mit dem zu sehenden Erlebnis auf der Leinwand harmoniert und – so fühlt es sich manchmal auch an – interagiert. Endlich wieder eine große Hollywood-Produktion mit musikalischem Spirit. Nur der exklusive, deutsche Schlusssong „Ohne zurück zu sehen“ von Tim Bendzko ist verzichtbar, aber keine Sorge, der ertönt erst nachdem exklusive Szenen von „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ im Abspann zu sehen waren (die übrigens nicht mehr sind als ein viel zu kurz geratener Trailer ohne wirkliche Substanz).



Ähnlich lobenswert wie die Akustik von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ sind auch seine optischen Aspekte. Zum einen ist der Film immer noch einer der wenigen Vertreter, deren Sichtung sich in 3D lohnen, zum anderen sind die Special Effects wirklich erstklassig, genau wie die Actionszenen. Diese kombinieren die visuellen Stärken des Films zu einem beeindruckenden Gesamtpaket, die dazu noch von Spider-Mans liebenswert-großmäuliger Art aufgeheitert wird. Ein knalliges Spektakel im Stile eines comic relief, das zum Staunen und Schmunzeln einlädt. Dem gegenüber steht natürlich eine Geschichte, die leider zu oft auf verlorenem Posten steht, vor allem bei der Charakterisierung der restlichen Figuren. Gwen Stacey (Emma Stone, „Gangster Squad“, „Crazy, Stupid, Love“) bleibt trotz Emanzipierungsversuchen immer ein wenig zu sehr im Puppy-Stadium hängen und der titelgebende Electro alias Max Dillon (Jaime Foxx, „Django Unchained“,“White House Down“) wird mit dem guten, alten Holzhammer eingeführt, charakterlich definiert und grobschlächtig weiterentwickelt.



Zugegeben, in den Comics ist das nicht viel anders und „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist sich seiner Herkunft auch stets bewusst und versucht nicht etwas aus seinem Universum zu machen, was diesem nicht steht (Gruß an „Man of Steel“). Doch leider sind es Charakterisierungsszenen- und Momente, bei dem Webbs Inszenierung durchaus das eine oder andere Mal ins Stocken gerät und einige etwas zähere Minuten beschwert. Dass es auch besser geht zeigt „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ mit Harry Osborn. Dane DeHaan („Lawless“, „The Place beyond the Pines“) spielt den Jugendfreund von Peter Parker und obwohl seine Figur ähnlich plump ausfällt wie die des Electro, wirkt seine Wandlung wesentlich runder. Vermutlich auch deshalb, weil DeHaan ein exquisiter Schauspieler ist und selbst mit einer eher zweitklassigen Rollen darstellerisch etwas Beeindruckendes erzeugen kann. Wirklich schade, dass DeHaan im schurkischen Kosmos von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ letztlich doch nur die zweite Geige spielt, auch wenn es sich am Ende ankündigt, dass Harry Osborne alias Green Groblin spätestens im nächsten Teil zu einem sehr gefährlichen Feind für Spider-Man werden wird.


„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein spaßiges Vergnügen. Narrativ nicht immer aus einem Guss und so ganz vergessen macht er die Sam Raimi-Version von Spider-Man auch nicht (was nicht schlimm war, den Raimi lieferte zwei wirklich gute Filme ab), aber im Zeitalter in dem so viel liebenswert Phantastisches auf dark & gritty umgeformt wird (noch mal Gruß an „Man of Steel“) tut solch eine Blockbusterproduktion wie „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wahrlich immer noch gut. Denn auch wenn der Film letztlich nicht mehr ist, wie eine Vorbereitung für den dritten Teil, so löste Regisseur Marc Webb doch das Versprechen ein, welches er mit dem Ende des ersten Teils gab, nämlich dass es nur der Anfang war und sie noch viele Asse im Ärmel haben. Nun wurden die ersten davon wirklich ausgespielt und es zeigt sich, dass „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ verdammte gute Karten hat. Die bisher besten im cineastischen Universum der freundlichen Spinne von nebenan.


7,5 von 10 erkälteten Superhelden

Review: DEMOLITION MAN – Die drei verdammten Muscheln in der Zukunft

1 Kommentar:


Fakten:
Demolition Man
USA. 1993. Regie: Marco Brambilla. Buch: Daniel Waters, Robert Reneau, Peter M. Lenkov. Mit: Sylvester Stallone, Sandra Bullock, Wesley Snipes, Nigel Hawthoren, Benjamin Bratt, Bob Gunton, Denis Leary, Rob Schneider u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Im Jahr 1996 wird der knallharte Cop John Spartan, nachdem er den Gangster Simon Phoenix gefasst hat, wegen der Tötung von Zivilisten verurteilt und eingefroren. Cut. Das Jahr 2032. Die Städte der Westküste existieren nicht mehr, stattdessen gibt es die Metropolregion San Angeles, in der es keine Gewalt und keine Verbrechen, sondern nur noch „friedfertige Humanität“ gibt. Als Phoenix aber ausbrechen kann, zeigen sich die Polizisten vollkommen überfordert mit dem brutalen Verbrecher und der „Demolition Man“ Spartan wird aufgetaut, damit er mit der jungen und naiven Polizistin Lenina Huxley Phoenix wieder einfängt.




Meinung:
Der 1993 gedrehte Film spielt schon zu Beginn im Jahr 1996, ist also von Anfang an in der Zukunft angesiedelt. So ist es auch möglich, dass der knallharte Cop mit dem sprechenden Namen John Spartan nach seinem teilweise verpatzten Einsatz in ein „kryogenisches“ Gefängnis gesteckt wird – im Klartext: Er wird mithilfe einer brandneuen Technologie eingefroren und soll nicht so schnell wieder aufgetaut werden. Als er dann im Jahr 2032, also fast 40 Jahre im Eis später wieder aufgetaut wird, so ist es nicht verwunderlich, dass sich in dieser Welt sehr viel verändert hat.


Snipes vs. Stallone - ein starkes Duell
Diese Welt im Jahr 2032, die hat sich nicht nur verändert, sie ist eigentlich das komplette Gegenteil davon, wie es Spartan bisher immer gekannt hat. Wer schon bei „Die Tribute von Panem“ von weichgespült spricht, dem werden hier sicherlich die Augen aus dem Kopf fallen. Denn die Welt in „Demolition Man“ ist eine Zukunftsvision, in der keinerlei Gewalt herrscht, in der nicht mal der Hauch von Kraftausdrücken gesagt werden darf. Straftaten gibt es eigentlich so gut wie keine, der letzte Mordfall liegt schon Jahre zurück. Man kann vielleicht von einer Mischung aus Dystopie und Utopie sprechen, zumindest ist das Szenario äußerst unglaubwürdig. Das macht aber nichts, denn darauf kommt es den Machern auch gar nicht an. Wichtig war es, eine Welt zu erschaffen, die mit den Gladiatoren aus den 90er Jahren völlig überfordert ist, sodass die Action beinahe komplett auf die Hauptdarsteller Sylvester Stallone und Wesley Snipes ausgelegt ist.


Die zwei Darsteller harmonieren prächtig, spielen ihre jeweiligen Stärken aus und lassen so richtig die Fetzen fliegen. Außerdem zeigen sie sich herrlich selbstironisch und scheißen dabei auf politische Korrektheit oder irgendwelche Vorschriften. Sie lassen sich einfach treiben und haben Spaß dabei. Daneben präsentiert Sandra Bullock als Polizisten Lenina Huxley in einer ihrer ersten größeren Rollen ihr komisches Talent. Einerseits vollkommen naiv, andererseits aber auch immer wieder rebellisch ist sie vom „Demolition Man“ Spartan enorm fasziniert und versucht ihn in dieser ungewohnten Welt bestmöglich zu unterstützen. Daneben treten auch weitere bekannte Gesichter wie Benjamin Bratt, Rob Schneider oder Bob Gunton auf.


"Eine Frage noch Sir: Warum die drei Muscheln?"
Die Action ist klasse, das war bei zwei solchen Granaten wie Stallone und Snipes auch nicht anders zu erwarten. Gebäude fliegen in die Luft, Snipes darf seine Kampfsportkenntnisse auspacken und zusammen schießen sie alles kurz und klein, was ihnen in den Weg kommt. Besonders die Endsequenz ist spektakulär ohne Ende. Richtig schön sind auch die coolen und vor Sarkasmus strotzenden Sprüche Slys, der lässige Wahnsinn von Snipes und die sympathische Unwissenheit Bullocks, die zusammen den Film zu einem Gagfeuerwerk werden lassen. Aber was den Film wirklich von einem guten Actionfilm abhebt, das sind die kleinen Details. Die Dinge, mit denen diese Welt in der Zukunftsvision ausgeschmückt ist und von denen es beinahe unzählige gibt. Egal ob es nun drei Muscheln auf dem Klo sind, alte Werbejingles, die als „Oldies“ im Radio rauf und runter laufen, oder eine erstaunliche Weitsicht, mit der Arnold Schwarzenegger bereits im Jahr 1993 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgerufen wurde.


Diese und noch viel mehr kleine Dinge machen den Film unglaublich sympathisch. Kombiniert mit der für einen Actionfilm ansprechenden Story, den perfekt ausgesuchten Schauspielern, den spektakulären Actionszenen und einer witzigen und nicht mal so dummen Zukunftsvision wird „Demolition Man“ zu einem Augen- und Ohrenschmaus. Ein Actionfilm mit viel viel Witz und Charme, der einfach riesengroßen Spaß macht und keine Wünsche von Actionfans offen lässt.


„Aber eins würd‘ ich gerne noch wissen: Wie funktioniert das mit den drei verdammten Muscheln?“


9 von 10 Slys in Fred-Feuerstein-Kutte