Nun wurde ganz offiziell die Post-Credit-Szene
aus „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ veröffentlicht. Darin zusehen
nicht etwa Spider-Man, sondern die X-Men. Dabei handelt es sich um einen kurzen
Ausschnitt des bald erscheinenden (22. Mai 2014) „X-Men: Zukunft ist
Vergangenheit“. Wer also Mystique (Jennifer Lawrence) und ihre Mutantenfreunde
im Außeneinsatz sehen will, er schaue sich das Video an. Viel Spaß.
Fakten: The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro
USA. 2014. Regie: Mark Webb.
Buch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner, James Vanderbilt. Mit: Andrew
Garfield, Emma Stone, Jaime Foxx, Dane DeHaan, Sally Field, Paul Giamatti,
Chris Cooper, Colm Feore,, Felicity Jones, Embeth Davidtz, Marton Csokas, Max
Charles, B.J. Novak, Denis Leary, Michael Massee, Adrian Martinez u.a. Länge:
144 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD, Blu-ray und Blu-ray 3D erhältlich.
Story: Obwohl er es dem Vater von Gwen versprochen hat, ist Peter immer noch mit ihr
zusammen. Doch damit kann er nicht mehr leben und trennt sich von Gwen. Als
wäre das nicht schon schlimm genug für ihn, verwandelt sich der Ingenieur Max
Dillon nach einem Unfall bei Oscorp in den energieverschlingenden Electro.
Spider-Man bekommt also eine Menge zu tun.
Meinung: Die freundliche Spinne
ist zurück. Erneut unter der Regie von Marc Webb (immer noch ein verdammt
passender Nachname für’s Franchise) sowie angeführt von Andrew Garfield ("The Social Network") als Peter
Parker und Spider-Man in Personalunion. Das Sequel zum ersten „The Amazing Spider-Man“, der nicht ganz so amazing
war und dennoch unterhaltsame Minuten bot, bekam nun mit seiner Fortsetzung „Rise
of Electro“ ein Sequel spendiert, welches die durchaus gerechtfertigten
Spottrufe, die das Konzept des Reboots hervor rief, vergessen lässt. Webbs
zweite Superheldenprüfung ist als bestanden anzusehen. Mit „The
Amazing Spider-Man 2“ hat die Reihe – ja, alle Filme – ihren bisherigen
Höhepunkt gefunden.
"Sag noch einmal Tobey Maguire!"
Beginnen wir doch nach der Einleitung direkt einmal mit einer klaren Aussage,
die gewiss die Leserschaft spalten wird: Andrew Garfield ist der bessere Peter
Parker. Seine schlaksige Art kommt dem originalem Comichelden
wesentlich näher als Tobey Maguires Darstellung. Das ist natürlich ein
Streitpunkt, der zu nimmer endenden Diskussionen einlädt. Vielleicht kann man
die Frage, ob „Rise of Electro“ uneingeschränkt für alle Spidey-Fans zu
empfehlen ist, ganz einfach damit beantworten, dass es vor allem darauf
ankommt, mit welchem Peter-Darsteller man mehr anfangen kann. Während Maguire
außerhalb seines Spinnenkostüms immer der etwas verschlossener Streber war,
macht Garfield auf leicht großmäuligen, liebenswert Nerd und erfüllt die
Anforderung an die Rolle somit fast perfekt, auch wenn Maguire-Anhänger dies
ganz gewiss anders sehen werden.
Was „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wirklich phantastisch macht ist
zum einen seine Actionszenen und zum anderen sein Soundtrack. Beides ist wahrlich
stimmungsvoll miteinander verwoben. Manchmal stellt sich die Frage ob der
Score wirklich für die Actionszenen komponiert wurde, oder ob Regisseur Marc
Webb die Spektakel nachträglich erst einfügte und sich beim Design des
destruktiven Krawalls an der Musik des Komponistenverbundes The Magnificent Six
orientierte. Besonders schön: die Musik gestaltet sich abwechslungs- und
facettenreich. Statt die üblichen
Brummtöne, wie man sie seit „Inception“ gefühlt in jedem Blockbuster hört,
gönnt sich „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ einen
abwechslungsreichen Soundtrack (und das obwohl Hans Zimmer hier seine Finger im
Spiel hatte), der gewisse zum größtenteils auch nur Retorte ist, dafür aber
perfekt mit dem zu sehenden Erlebnis auf der Leinwand harmoniert und – so fühlt
es sich manchmal auch an – interagiert. Endlich wieder eine große
Hollywood-Produktion mit musikalischem Spirit. Nur der exklusive, deutsche
Schlusssong „Ohne zurück zu sehen“ von Tim Bendzko ist verzichtbar, aber keine
Sorge, der ertönt erst nachdem exklusive Szenen von „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“
im Abspann zu sehen waren (die übrigens nicht mehr sind als ein viel zu kurz
geratener Trailer ohne wirkliche Substanz).
Ähnlich lobenswert wie die Akustik von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of
Electro“ sind auch seine optischen Aspekte. Zum einen ist der Film immer noch
einer der wenigen Vertreter, deren Sichtung sich in 3D lohnen, zum anderen sind
die Special Effects wirklich erstklassig, genau wie die Actionszenen. Diese
kombinieren die visuellen Stärken des Films zu einem beeindruckenden
Gesamtpaket, die dazu noch von Spider-Mans liebenswert-großmäuliger Art aufgeheitert
wird. Ein knalliges Spektakel im Stile eines comic relief, das zum Staunen und Schmunzeln einlädt. Dem gegenüber
steht natürlich eine Geschichte, die leider zu oft auf verlorenem Posten steht,
vor allem bei der Charakterisierung der restlichen Figuren. Gwen Stacey (Emma
Stone, „Gangster Squad“, „Crazy, Stupid, Love“) bleibt trotz Emanzipierungsversuchen
immer ein wenig zu sehr im Puppy-Stadium hängen und der titelgebende Electro
alias Max Dillon (Jaime Foxx, „Django Unchained“,“White House Down“) wird mit
dem guten, alten Holzhammer eingeführt, charakterlich definiert und grobschlächtig
weiterentwickelt.
Zugegeben, in den Comics ist das nicht viel anders und „The Amazing Spider-Man
2: Rise of Electro“ ist sich seiner Herkunft auch stets bewusst und versucht
nicht etwas aus seinem Universum zu machen, was diesem nicht steht (Gruß an „Man of Steel“). Doch leider sind es Charakterisierungsszenen- und Momente, bei dem
Webbs Inszenierung durchaus das eine oder andere Mal ins Stocken gerät und
einige etwas zähere Minuten beschwert. Dass es auch besser geht zeigt „The
Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ mit Harry Osborn. Dane DeHaan („Lawless“, „The Place beyond the Pines“) spielt den Jugendfreund
von Peter Parker und obwohl seine Figur ähnlich plump ausfällt wie die des
Electro, wirkt seine Wandlung wesentlich runder. Vermutlich auch deshalb, weil
DeHaan ein exquisiter Schauspieler ist und selbst mit einer eher zweitklassigen
Rollen darstellerisch etwas Beeindruckendes erzeugen kann. Wirklich schade,
dass DeHaan im schurkischen Kosmos von „The Amazing Spider-Man 2: Rise of
Electro“ letztlich doch nur die zweite Geige spielt, auch wenn es sich am Ende ankündigt,
dass Harry Osborne alias Green Groblin spätestens im nächsten Teil zu einem
sehr gefährlichen Feind für Spider-Man werden wird.
„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein spaßiges Vergnügen.
Narrativ nicht immer aus einem Guss und so ganz vergessen macht er die Sam
Raimi-Version von Spider-Man auch nicht (was nicht schlimm war, den Raimi
lieferte zwei wirklich gute Filme ab), aber im Zeitalter in dem so viel
liebenswert Phantastisches auf dark &
gritty umgeformt wird (noch mal Gruß an „Man of Steel“) tut solch eine
Blockbusterproduktion wie „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ wahrlich
immer noch gut. Denn auch wenn der Film letztlich nicht mehr ist, wie eine Vorbereitung
für den dritten Teil, so löste Regisseur Marc Webb doch das Versprechen ein,
welches er mit dem Ende des ersten Teils gab, nämlich dass es nur der Anfang
war und sie noch viele Asse im Ärmel haben. Nun wurden die ersten davon
wirklich ausgespielt und es zeigt sich, dass „The Amazing Spider-Man 2: Rise of
Electro“ verdammte gute Karten hat. Die bisher besten im cineastischen
Universum der freundlichen Spinne von nebenan.