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Review: DIE HAND - Die rechte Hand des Teufels

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Fakten:
Die Hand (The Hand)
USA, 1981. Regie: Oliver Stone. Buch: Oliver Stone, Marc Brandel (Vorlage). Mit: Michael Caine, Andrea Marcovicci, Annie McEnroe, Bruce McGill, Viveca Lindfors, Rosemary Murphy, Mara Hobel, Pat Corley, Nicholas Hormann, Charles Fleischer u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Comiczeichner Jonathan Lansdale verliert bei einem Unfall seine rechte Hand und somit seine Existenzgrundlage. Und das, wo seine Ehe gerade sowieso auf sehr wackligen Beinen steht. Als er einen Job als Dozent in Kalifornien angeboten bekommt, reißt er zunächst allein dorthin und beginnt einer Affäre mit der Studentin Stella. Doch seit dem Unfall wird er von Blackouts und Halluzinationen geplagt, in denen seine abgetrennte Hand ein Eigenleben entwickelt hat. Verliert er den Verstand oder geht hier tatsächlich etwas Übernatürliches vor sich?


                                                                                  


Meinung:
-„Woher weiß die Eidechse das ich das tue, wenn sie keinen Kopf hat?“
-„Das sind nur Reflexe. Ich glaube nicht, dass das noch gelebt hat.“

„Die Hand“ zählt zu den wenig bekannten Regiearbeiten von Oliver Stone und ist neben seinem (noch unbekannteren) Debütfilm „Die Herrscherin des Bösen“ (1974) sein einziger Ausflug in die Welt des Horrorfilms und Psychothrillers. Den großen Durchbruch als Regisseur erlang er wenige Jahre später durch politisch und gesellschaftlich kritische Filme „Salvador“, „Platoon“ oder „Wall Street“.  Zuvor war Stone „nur“ durch sein Oscar-prämiertes Skript zu „Midnight Express“ der breiten Öffentlichkeit aufgefallen und „Die Hand“ ändert daran zunächst nicht viel, obwohl man mit Michael Caine einen gestandenen und fähigen Hauptdarsteller gewinnen konnte (der drehte zu der Zeit allerdings auch gerne mal groben Unfug, siehe „Freibeuter des Todes“).


Da fliegt das Aua...
Der verhältnismäßig geringe Erfolg der Produktion lässt sich sicherlich zu einem nicht geringen Anteil darauf begründen, dass die Geschichte im ersten Moment nach albernen B-Horror-Trash anhört. Eine abgetrennte Hand, die die Drecksarbeit für ihren „Vorbesitzer“ erledigt, zu der er zu feige bzw. zu anständig ist? Naja, da liegen die Erwartungen eher niedrig, außer man mag solchen Quatsch, viel mehr dürfte da nicht auf das Publikum lauern. Ganz freisprechen von dem Faktor Trash lässt sich „Die Hand“ unter dem Strich auch nicht, allerdings nur am Rande, nicht so wie befürchtet und wenn feinster, erlesenster Edel-Trash, der weitaus hintergründiger, subversiver und vor allem deutlich besser umgesetzt ist, als man erahnen könnte. Der junge Oliver Stone erinnert in seiner eleganten, enorm stimmungsvoller Inszenierung von düsterem Suspense an die Werke des jungen Brian De Palma (in dessen „Dressed to Kill“ ein Jahr zuvor Michael Caine ebenfalls die Hauptrolle spielte), thematisch bewegt er sich auf Augenhöhe mit dem jungen David Cronenberg. Doppelbödiger Body-Horror mit stark sexualisierten Subtext, der hinter seinem augenscheinlich primitiven Horrorplot eine ganz andere Geschichte zwischen den Zeilen erzählt. Die Hand des Comiczeichners bekommt einen phallischen Status, der Verlust seines „besten Stücks“ kommt einer Kastration gleich. Er verliert nicht nur ein Körperteil, nicht nur seine Existenzgrundlage, er verliert das, über was er sich als Mensch, Individuum und besonders auch als Mann definiert hat. Gerade jetzt, wo ihm seine Frau mit Trennung droht und ihm auch nach dem Unglück, obwohl man sich notgedrungen nochmal zusammenrauft, deutlich Hörner aufsetzt, ihm mit dem Entzug von Zuneigung und Respekt straft.


Sprich mit der Hand.
Oliver Stone – der auch das Drehbuch nach einem Roman von Marc Brandel verfasste – geht dabei geschickt vor, den Zuschauer bis zum letzten Moment im Unklaren zu lassen, was denn nun die Wahrheit hinter dem Geschehen ist. Wenn wir die Hand in Aktion erleben, wird es als surreal-albtraumhafte Sequenz dargestellt (in einer von ihnen wird Stone selbst als besoffener Obdachloser ihr Opfer), der Protagonist als labiles Wrack, der mit Halluzinationen und Blackouts zu kämpfen hat. Was erleben wir hier? Eine Hand, die ein autonomes Eigenleben entwickelt hat? Ein Körperteil, das wie der Schwanz einer Eidechse reflexartig handelt oder doch gar durch das Unterbewusstsein seines „Herren“ ferngesteuert wird? Oder einfach nur einen kranken, traumatisierten Mann, der seine eigenen Taten psychotisch verdrängt? Alles scheint möglich, mal mehr, mal weniger, von Stone hervorragend umgesetzt. Seine Bilder und Einstellung haben echte Klasse, der schaurige Score von James Horner findet dafür den passenden, akustischen Rahmen, selbst die wenigen Spezialeffekte sind großartig. Das alles krönt ein fantastischer Michael Caine, der sich die Seele aus dem Leib spielt. Ohne ihn würde der Film kaum seine Wirkung in die richtige Richtung entfalten können. Er verkörpert einen physisch sichtbar und psychisch nur zu erahnen verkrüppelten Mann im Fiebertraum von Wahn und Wirklichkeit beeindruckend, auf den Punkt. Mal aufbrausend, mal ruhig, aber jederzeit brodelnd, was der Verwirrungstaktik von Stone optimal in die Karten spielt. Zwischen Gewissheit und Zweifel pendelt er hin und her und entlässt mit dem idealen Ende, das die vorher gestellten Weichen wieder in eine Gabelung verwandelt.


Bei allem berechtigten Lob: Natürlich hat der Film unter einem strengen Blickwinkel mehr Hand (aha) als Fuß, strickt schon ein sehr grobmaschiges Muster aus der psychologischen Waschküche zusammen, doch den Anspruch auf ein glaubhaftes Psychodrama verfolgt er wohl auch nicht ernsthaft. Dafür ist das wunderbar arrangiert, jederzeit spannend und übertrifft die leicht skeptischen Prognosen deutlich. Mit derart Geschichten kann man blitzschnell radikalen Schiffbruch erleiden, Oliver Stone macht daraus eine sehr sehenswerten und bald sträflich unterschätzen Film, der sich kaum bis gar nicht hinter den bereits erwähnten Werken eines David Cronenberg wie „Shivers“, „Rabid“ oder „Die Brut“ verstecken muss. Tolles Ding, dass Oliver Stone auch ein „Händchen“ für derartige Genrefilme hat(te), verblüffend. Generell scheinen sich bei ihm in den letzten Jahren die Spätfolgen seines exzessiven Leben zu zeigen. Entweder sollte er weniger Drogen nehmen oder wieder damit anfangen, den „World Trade Center“- oder „Savages“-Stone braucht doch kein Mensch.

7 von 10 Phantomschmerzen

Review: RUN ALL NIGHT - Blut ist dicker als Wasser

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Fakten:
Run All Night
USA. 2015. Regie: Jaume Collet-Serra. Buch: Brad Inglsby Mit: Liam Neeson, Joel Kinnaman, Ed Harris, Vincent D’Onofrio, Genesis Rodriguez, Bruce McGill, Lois Smith, Boyd Holbrook, Common, Beau Knapp u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 3. September 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der Brooklyn-Gangster und erfahrene Profi-Killer Jimmy Conlon war einst unter dem Namen Totengräber bekannt - aber das ist lange her. Inzwischen nützt ihm seine enge Freundschaft mit dem Paten Shawn Maguire nicht mehr viel: Von seinem Sohn Mike hat Jimmy schon lange nichts mehr gehört. Doch als Mike auf die Abschussliste gerät, muss sich Jimmy für eine Seite entscheiden: Entweder er bleibt der Gangsterfamilie treu, der er sich angeschlossen hat, oder er steht zu seiner eigentlichen Familie, die er vor Jahren im Stich gelassen hat. Mike ist auf der Flucht, und vielleicht muss Jimmy die Fehler der Vergangenheit wettmachen, indem er seinen Sohn vor dem Schicksal bewahrt, das ihm selbst auf jeden Fall bevorsteht: das Rendezvous mit einer Kugel.





Meinung:
Wie viel Glauben man dem Wort von Liam Neeson nun wirklich schenken darf, sei an dieser Stelle erst einmal so dahingestellt, sagte der irische Schauspieler schließlich eins in einem Interview, dass es niemals zu einem dritten Teil der „96 Hours – Taken“-Reihe kommen würde. Dass Neeson sich im März in einem US-Interview nun auch hat hinreißen lassen, kundzugeben, dass er in zwei Jahren vollständig aufhören möchte, in Action-Filmen mitzuwirken, kam nun wirklich keine Hiobsbotschaft gleich, hat sich „96 Hours – Taken 3“ doch als durchgängiges Fiasko erwiesen, welches den adrenalingeladenen Erstling in ein unübersichtliches Schnittmassaker ummünzte. Doch in Anbetracht stimmungsvoller Genre-Flics wie etwa „The Grey – Unter Wölfen“ oder auch „Ruhet in Frieden – A Walk Amog the Tombstones“ könnte einen dann doch eine gewisse Wehmut bei der Vorstellung befallen, Liam Neeson nie wieder als altersmüden Hau-Drauf-Recken über die Leinwand poltern zu sehen. Dass Neeson nun mit „Run All Night“ einen weiteren Volltreffer gelandet hat, passt da ohnehin wunderbar ins Bild.


Vincent D'Onofrio jagt Liam Neeson mit vollem Einsatz
Nach den bereits drehbuchbasierten „Unknown Identity“ und „Non-Stop“ stellt „Run All Night“ nun das dritte Zusammenwirken zwischen Regisseur Jaume Collet-Serra und Liam Neeson dar. Und der erfreuliche Positivtrend, der sich nach und nach aus dieser Kooperation herausgeschält hat, fasst nun mit „Run All Night“ in wahrlich erquickenden Höhenlagen Fuß. Was sofort auffällt, ist Collet-Serra ungemeines inszenatorisches Talent dafür, ein urbanes Milieu organisch zu etablieren, ohne dafür sonderlich viel Zeit zu verschwenden. In „Unknown Identity“ war es bereits ein in ein tristes Kolorit getränktes Berlin, in dem sich ein karrieretechnisch reanimierter Liam Neeson auf die verschwurbelte Suche nach seiner wahren Identität gemacht hat. „Run All Night“ tüncht seine geradlinige Geschichte in eine noch trübseligere Farbpalette, um New York City vor allem als durchweg verwurzelte Metropole zu kennzeichnen, in der wir vielleicht nicht gänzlich auf uns allein gestellt sind, den einzigen Ausweg aus diesem fatalistischen Geflecht aber ausschließlich in der Stunde unseres Todes finden können.


Hat nur Ärger mit dem Nachwuchs: Liam Neeson
Jimmy Conlon (Liam Neeson) hat seiner Familie vor Jahren den Rücken zugekehrt, um sich in die delinquenten Dienste des Mafia-Paten Shawn Maguire (Ed Harris) zu stellen, den Jimmy seit jeher als Vorbild gesehen hatte. Die Jahre aber verstrichen nicht unbemerkt, Jimmy hängt an der Flasche, ist kaum noch fähig zur sozialen Interaktion und trägt die emotionale Last mit sich herum, das Wertvollste im Leben einfach aufgegeben zu haben: Seinen Sohn Mike (Joel Kinnaman). Wie das Schicksal es so will, wird Mike Zeuge eines Mordes, für den sich Shawns Sohn Danny (Boyd Holbrook) verantwortlich zeigt. Als es Mike selbst an den Kragen gehen sollte, ist Jimmy plötzlich zur Stelle und versucht auf den letzten Metern seines irdischen Daseins noch einmal dort präsent zu sein, wo er am meisten gescheitert ist: In der Vaterrolle. „Run All Night“ nimmt sich diese greifbar-erhitzte (Figuren-)Konstellation, um zum Genre-Streich zu laden, den man fälschlicherweise als klischeeverseucht deuten könnte, in Wahrheit aber liefert Jaume Collet-Serra im besten Sinne altmodisches Kino.


Um den Frieden in dieser zerrütteten amerikanischen Familie wieder herstellen zu können, benötigt es einen langen Atem und viel Waffengewalt, die „Run All Night“ entsprechend dynamisch und ohne großen Schnickschnack von der Leine lässt: Wenn abgedrückt wird, hallt der Schuss in tiefschwarzer Nacht noch lange nach. Narrativ aber ist „Run All Night“ nicht nur auf den reinen Überlebenskampf vor verregneter Großstadtkulisse interessiert, der gefühlvolle Unterbau erzählt von der Suche nach Vergebung und von mystifizierter Gangster-Loyalität, die dort endet und ernüchtert wird, wo die Familie ins Spiel kommt. Jimmy hat zu viel Scheiße gebaut, die es ihm heute unmöglich macht, einen Blick in den Spiegel zu werfen, doch vielleicht gibt es da ja doch noch eine winzige Möglichkeit, nicht gänzlich als Versager und wandelnde Enttäuschung in die ewigen Jagdgründe entlassen zu werden. Liam Neeson und Joel Kinnaman harmonieren blendend, ihre Szenen sind fernab jeder Theatralik, während Ed Harris eine Leere in den Augen trägt, wie sie nur ein Vater besitzen kann, der sein Kind verloren hat. Es ist den durchweg nuancierten Leistungen der Darstellern zu verdanken, dass „Run All Night“ niemals ins Larmoyante abrutscht.


6,5 von 10 Sprüngen vom Balkon


von souli

Review: RIDE ALONG – Der Kleine und der Große sorgen für Gerechtigkeit

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Fakten:
Ride Along
USA. 2014. Regie: Tim Story. Buch: Greg Coolidge, Phil Hay, Matt Manfredi, Jason Matzoukas. Mit: Kevin Hart, Ice Cube, Tika Sumpter, Laurence Fishburne, John Leguizamo, Bruce McGill, Gary Owen, Jay Pharoah, Dragos Bucur, Gary Weeks, Bryan Callen u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 28. August 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Atlanta ist ein hartes Pflaster, doch für James Payton, dem härtesten Cop der Stadt, ist das kein Problem. Viel größer wiegt es da, dass seine kleine Schwester in einer Beziehung mit dem kleinlauten Wachmann Ben hat. Diesen Schlaffi kann James absolut nicht ausstehen. Als das Paar heiraten will und James um seine Zustimmung bittet, verlangt er von Ben, dass er ihn einen Tag lang begleitet. Auf den Straßen von Atlanta, da ist sich James sicher, wird Ben nicht lange überleben.





Meinung:
Buddy-Movies gehören in der Filmwelt gewiss nicht zu den Modeerscheinungen, wie sie immer mal wieder eine Hochphase feiern dürfen, dann aber über kurz lang von der Bildfläche verschwinden, wie es beispielsweise mit dem Sandalenfilm geschah, den Ridley Scott 2001 mit „Gladiator“ opulent reanimiert, damit jedoch keinen anhaltenden Trend abzeichnen durfte. Nein, ein Buddy-Movie will sich nicht als definiertes Zeitgeistphänomen verstehen, dafür ist diese Art von Film einfach viel zu beliebt und wird es auch immer bleiben. Man denke dabei nicht nur an Stan Laurel und Oliver Hardy, die mit ihren Auftritten in den legendären „Dick & Doof“-Streichen das Zwerchfell des Zuschauers abermalig zum Erschüttern brachten, oder auch Bud Spencer und Terence Hill, die sich in Italo-Kult-Vehikeln wie „Das Krokodil und sein Nilpferd“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ vor allem durch ihre schlagkräftigen Argumente auszeichnen sollten.

 
Na wenigstens der kleine Junge hat seinen Spaß
Einer ähnliche Popularität genießt auch der Buddy-Movie der 1980er Jahre, an dem sich moderne Streifen dieser Couleur mit Vorliebe zu orientieren versuchen. Richard Donners „Lethal Weapon“ ist wohl die primäre Inspirationsquelle, haben sich Mel Gibsons und Danny Glovers dynamische Wortgefechte doch schon längst ihren festen Platz in den Annalen der Kinematographie gesichert. Das Problem bei den heutigen Filmen jener Fasson, ist, dass ihnen der Charme, mit dem die gesamte „Lethal Weapon“-Quadrilogie reichhaltig protzen konnte, abhanden gekommen ist. Ob es nun Paul Feigs lahme Nullnummer „Taffe Mädels“ ist, der das Sujet aus femininem Blickwinkel betrachtete oder David Charhons französische Action-Komödie „Ein MordsTeam“, die über ihre guten Ansätze in Sachen Charakterzeichnung ebenfalls nicht hinaus kam. Den (neuen) Tiefpunkt erreicht in diesem Jahr allerdings Tim Storys „Ride Along“, in dem sich Ice Cube („21 Jump Street“) und Kevin Hart („Zwei vom alten Schlag“) nun in den Hauptrollen freimütig komplett zum Affen machen dürfen.

 
Ben bekommt wenig zu lachen, versucht es aber dennoch
Bezeichnenderweise – oder ist es schon wieder Realsatire? - hat es „Ride Along“ allein durch die Einspielergebnisse in den Vereinigten Staaten geschafft, das Sechsfache seines 25 Millionen Dollar Budget wieder in die Kassen zu spülen. Warum das so ist, lässt sich höchstens am Bekanntheitsgrad von Comedian und Entertainer Kevin Hart erklären, der in den USA auf mehr Gegenliebe stößt, als es der Berliner Mario Barth in Deutschland tut. Dass Kevin Hart auf der Bühne die Massen mitgehen lassen kann, ist unwiderruflich belegt, dass er auf der Leinwand den Beweis seines Schauspieltalents immer noch schuldig ist, hat sich durch die mangelhaften Auftritte in „Denk wie ein Mann“ und „Zwei vom alten Schlag“ nachhaltig betoniert. In „Ride Along“ gilt Gleiches und ein Buddy-Movie lebt nun mal auch größtenteils von der Chemie seiner (ungleichen) Hauptdarsteller. Die Chemie, die Harmonie im Zusammenspiel mit Ice Cube ist hier nicht existent, denn während Hart nur den hyperaktiven Zappelphilipp raus hängen lässt, ist Ice Cube der standardisierte Brummbär, der im Laufe der Schema-F-Dramaturgie selbstredend weichgekocht wird.

 
Ice Cube lässt Kevin Hart keine ruhige Minute
Die Frage, die man sich bei „Ride Along“ zu Anfang noch stellen darf, ist, ob man das Drehbuch, an dem ganze vier verschiedene Köpfe herumgedoktert haben, nun rücksichtslos verdammen sollte oder doch den Mut des Autorenteams bewundern, eine so abgestandene Handlung mit derart abgedroschenen, weil unzählige Male durch den Fleischwolf gedrehten Gags aufzumischen. Es sind beispielsweise Rohrkrepierer wie der „überraschende“ Rückstoß einer Waffe, mit dem „Ride Along“ sein Publikum für sich gewinnen möchte. Klamauks aus der Mottenkiste, so hinfällig und energielos dargeboten, dass sie natürlich auch keinesfalls als Hommage an goldene 80s-Tage durchgehen können, sondern einzig und allein mit dem albernen Pennälerhumor und Machogehabe Seite an Seite ins Verderben stolpern. Von kokettem Wortwitz und Situationskomik, die wirklich gut getimed und spritig daherkommt, ist in „Ride Along“ natürlich keinerlei Spur. Über die eigentliche Handlung um den mythischen Gangster-Boss Omar (Laurence Fishburne) darf gerne geschwiegen werden, denn jede einzelne Wendung ist genauso vorhersehbar, wie „Ride Along“ stumpf aus der Retorte fischt.


Eine Story ohne Drive, mit Twists, so alt wie das Kino selbst, Gags ohne Pointe und ein schäbiges Hauptgespann ohne jede Chemie: „Ride Along“ ist die peinlich-lustlose Degradation eines jeden Buddy-Movies und eine Schande für Martin Riggs und Roger Murtaugh, für Jack Cates und Reggie Hammond und sogar für Mike Lowrey und Marcus Burnett – Und das will schon was bedeuten.


2,5 von 10 Sesseln vor der Playstation


von souli

Review: TIMECOP - Mit Van Damme durch die Zeit

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Fakten:
Timecop
CA, USA, JP, 1994. Regie: Peter Hyams. Buch: Mark Verheiden, Mike Richardson. Mit: Jean-Claude Van Damme, Ron Silver, Mia Sara, Bruce McGill, Gloria Reuben, Scott Bellis, Jason Schombing, Scott Lawrence, Kenneth Welsh u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Im Jahr 2004 sind Zeitreisen in die Vergangenheit möglich. Da diese Technologie mehr Schaden als Nutzen hervorbringen kann, gibt es eine Sondereinheit der Polizei, die sogenannten Timecops. Sie sollen Manipulationen der Geschichte verhindern, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können. Einer von ihnen ist Walker. Obwohl er selbst gute Gründe hätte seine Vergangenheit zu ändern, hält er sich strikt an die Vorschriften. Im Gegensatz zu seinem Ex-Partner, den er bei krummen Geschäften in der Vergangenheit überführt. Hinter denen soll Senator McComb stecken, der sich dadurch die finanziellen Mittel erschleichen will, um als Präsident zu kandidieren. Walker fehlen allerdings noch die Beweise und McComb setzt alles daran, den lästigen Zeitwächter auszuschalten.


                                                                         


Meinung:
Wie macht man eigentlich einen guten Film mit Jean-Claude Van Damme? Schwierig. Der geborene Mime ist der belgische Spagat-Meier ja nun nicht gerade. Folglich bleibt da nur eine Möglichkeit: Hau so richtig auf die Kacke oder lass zumindest ihn sich mit den Dingen austoben, die er beherrscht. Wenn das nicht der Fall ist, wird es eng. "Timecop" versteht sich eindeutig nicht als typischer Van-Damme-Action-Film. Die Muscles from Brussels müssen nicht groß aufgewärmt werden, die paar spärlich eingestreuten Kicks bekommt der gute Mann auch noch mit der künstlichen Hüfte hin. Etwas mehr Story soll das Ganze haben und auf dem Papier klingt die so schlecht ja nun nicht. Zumindest für einen B-Genrefilm, mehr ist das hier ohnehin nicht. Mit Zeitreisen lässt sich doch eine Menge basteln. Da könnte man durch jede Menscheitsepoche jagen, von der Steinzeit bis ins Mittelalter, richtig Bambule machen und am Ende steht die Gegenwart Kopf. Denn schon "Zurück in die Zukunft" hat uns gelehrt: Nur gucken, nicht anfassen! Sonst...


Nächster Halt: Vergangenheit.
...ja, was eigentlich? Andauernd wird gemahnt, wie unglaublich gefährlich das Ändern der Vergangenheit sei, dass die Menschheit in Gefahr wäre, aber so richtig tut sich da nichts. Obwohl die Schurken nach Herzenslust ihr Ding in der Vergangenheit durchziehen, die Folgen für die Gegenwart sind eher überschaubar. Da werden diverse Einzelschicksale in leicht andere Bahnen gelenkt, das große Ganze bleibt relativ unberührt bestehen. Komisch, wenn selbst kleinste Dinge ungeahnte Folgen haben sollen. Einige Eingriffe könnten locker verursachen, dass Walker gar nicht erst zurückkehren kann, doch bei Wiederankunft ist fast alles beim alten, zumindest von den Rahmenbedingungen. Vielleicht hatten die Autoren keine Lust, sich großartig Gedanken zu machen, wäre auch viel zu anstrengend. Da werden ja nicht mal sehr offensichtliche Denk- und Logiklöcher (besonders im Verhalten der Figuren) gestopft, das wird einfach als so gegeben hingenommen. Nur mal ganz grob: Wenn ich doch durch die Zeit reisen kann (was ich ja schon tue) und auch keine Scheu (mehr) davor habe, den Ablauf zu meinen Gunsten zu verändern (kein Thema), warum mache ich es mir denn so schwer? Kleines Beispiel von vielen: Walker sollte schon mal ausgeschaltet werden. Hat nicht funktioniert. Mensch, ist ja blöd. Aber nochmal versuchen wir das nicht, obwohl wir jederzeit zu einem x-beliebigen oder von mir aus noch mal den selben Punkt reisen könnten und eventuelle Fehler nun spielend umgehen könnten. Fair-Play geht vor. Aha. Nun gut, Zeitreisefilme haben es was Logik angeht eh nie einfach und sollten nicht sooo streng seziert werden, aber das ist doch einfach zu blöd. Es geht ja praktisch die ganze Zeit so. Auch wenn das nicht das Anliegen ist, dauernd stellen sich Fragen, auf die der Film keine vernünftigen Antworten liefert...es noch nicht mal versucht.


Jean-Claude in seinem Element.
Bei einem atemlosen Action-Feuerwerk mit hohem Drive von mir aus auch noch akzeptabel, aber wie schon angesprochen, die Action ist eher rar gesäht und ohne Spektakel runtergedreht. Das konnte ein Peter Hyams mal deutlich besser. Seit "Narrow Margin" hat der eh kein Bein mehr fest auf den Boden bekommen, danach war alles maximal ganz nett ("Das Relikt"). Mit Van-Damme drehte er ein Jahr später das "Stirb Langsam"-Rip-Off "Sudden Death", der war etwas besser, definitiv knackiger. "Timecop" schafft es nicht einmal, aus seiner Idee wirklich was zu machen. Zu Beginn ganz kurz mal in den wilden Westen, dann zum Börsencrash von 1929, sonst nur in der Dauerschleife zwischen 2004 und 1994. Das spart Sets, Kostüme und Ideen, alles in einem. Bravo.
Das klingt nach einem ganz bösen Verriss, aber ein Mindestmaß an Unterhaltung hat der Streifen gerade so noch. Es gibt in der Tat noch viel größeren Schrott (auch von Le Claude) und zumindest ist das noch relativ solide Inszeniert. Nur bedenkt man, was hier alles nicht oder unzureichend genutzt wurde, wird es finster.

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