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Review: ROTER DRACHE - Altes neu aufgetischt

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Fakten:
Roter Drache (Red Dragon)
USA, 2002. Regie: Brett Ratner. Buch: Ted Sally, Thomas Harris (Vorlage). Mit: Edward Norton, Anthony Hopkins, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Ken Leung, Frankie Faison, Tyler Patrick Jones u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
FBI-Profiler Will Graham hat sich eigentlich zur Ruhe gesetzt, als ihn sein Vorgesetzter Crawford um die Mithilfe bei einem Fall bittet. Der Serienkiller „Die Zahnfee“ tötet bei Vollmond ganze Familien, die Ermittler haben keine heiße Spur. Widerwillig nimmt Graham an, steht aber bald selbst auf dem Schlauch. Da der nächste Vollmond naht, muss er einen Pakt mit dem Teufel eingehen: Er sucht die Unterstützung von Dr. Hannibal Lecter, dem kannibalischen Psychiater, den er zu Letzt hinter Gitter brachte und dabei fast sein Leben verlor.



Meinung:
Nach der von der Kritik zwar umstrittenen, kommerziell dafür sehr erfolgreichen Wiederbelebung des ikonischen, kultivierten Kannibalen Dr. Hannibal Lecter in „Hannibal“ wollte man sich die Chance auf einen weiteren Hit nicht entgehen lassen. Da ein Jahr später natürlich noch keine neue Geschichte von Autor Thomas Harris vorlag, ging man eben den Weg der Neuverwertung. Harris‘ erster Lecter-Roman wurde einfach nochmal verfilmt. Bereits 1986 entstand unter der Regie von Michael Mann mit „Manhunter“ eine filmische Adaption des Stoffs, ging seiner Zeit allerdings an den Kinokassen gnadenlos unter. Vielen Menschen war der Film gar kein Begriff, als 1991 mit der Umsetzung des Folgeromans „Das Schweigen der Lämmer“ ein Welthit geschaffen wurde, der fünf Oscars abräumte und Anthony Hopkins für seine unfassbare Interpretation des gebildeten, hochintelligenten und diabolisch-manipulativen Monsters hinter Plexiglas zum Superstar machte.


Back in the Game...
Der Neustart ist somit vom wirtschaftlichen Standpunkt bald logisch, birgt natürlich dennoch ein großes Risiko, aus unterschiedlichen Gründen. Mal unabhängig zu der teilweise zwar nachvollziehbaren, nichtsdestotrotz in der Radikalität zu massiven Unterschätzung von Michael Manns Film (dazu gleich), schon „Hannibal“ blieb weit hinter den Erwartungen zurück und musste sich einiges an herber Kritik gefallen lassen. Der Regisseurs des Film, Ridley Scott, trägt daran die geringste, um nicht zu sagen gar keine Schuld. Ganz im Gegenteil, gerade durch ihn und seine Leistung ist die Verfilmung von „Hannibal“ eigentlich mehr wert, als es die Grundlage hergibt. Der schwarze Peter zu dem deutlichen Qualitätsabsturz von „Das Schweigen der Lämmer“ zu „Hannibal“ liegt eindeutig bei Thomas Harris, der schlicht nicht das Niveau halten konnte. War „Das Schweigen der Lämmer“ in Buch und Film noch ein exzellenter Psychothriller, war „Hannibal“ bereits in der literarischen Version getrüffelter Pulp. Exploitativer Edel-Trash, den Scott bald irritierend elegant auf die Leinwand brachte und der Diskrepanz aus brutalem Blödsinn und berauschender Inszenierung eine ganz eigene Note verlieh, eigentlich doch den Geist des Buchs einfing, besser als es dieses wohl selbst geplant hatte. „Hannibal“ war extrem wüstes, teils absurdes Kino mit überkandidelten Figuren und Konstellationen, serviert als elitäres Dinner im klassischen Ambiente. Exakt damit traf Scott die merkwürdige Wechselwirkung des Hannibal Lecter auf den Punkt: Ein abscheuliches, perverses Monster, gleichzeitig der eloquente, gebildete und angepasste Weltbürger. Ein Wiederspruch in sich, was Scott damals grandios (und meistens verkannt) in Bilder verpacken konnte.


Von hinten schöner als von vorne...
Das nächste „Problem“ einer Neuverfilmung hat zwei Seiten: Obwohl „Manhunter“ damals ein Flop war, inszenatorisch ist er über jeden Zweifel erhaben. Michael Mann gelang ein betörender, beinah hypnotischer Großstadtthriller, dem er einen ganz eigenen, individuell-mutigen Stempel aufdrücken konnte. Von den Bild- und Tonarrangements mitten in seinem Entstehungszeitraum verankert und trotzdem sehr visionär, gewagt ging Mann zu Werke, tauchte die Handlung in einen aufsaugenden Strudel, dessen Klasse (flächendeckend) erst später entsprechend gewürdigt wurde. Künstlerisch ist der Film heute noch bemerkenswert, sein größtes Mängel – abgesehen von der Tatsache, dass er damals einfach eine B-Movie-Version einer noch nicht kultisch verehrten Romanvorlage war - ist aber weiterhin vorhanden. „Manhunter“ änderte speziell das letzte Drittel des Buchs extrem ab, beraubte sich selbst des ursprünglichen Finales. Mann orientierte sich am Werk von Harris, was aber nicht akribisch auf eine getreue Abhandlung fixiert. Um nun (endlich) zu diesem „Roter Drache“ zu kommen: Der ist ganz dicht am Buch, was ein klarer Vorteil ist. Denn qualitativ sind die Romane von „Roter Drache“ und „Das Schweigen der Lämmer“ nicht so weit voneinander entfernt, zumindest nicht so weit wie zu „Hannibal“. Der psychologische Schwerpunkt liegt klar bei „Das Schweigen der Lämmer“, allein durch das penible, sezierende Psycho-Duell zwischen Clarice Starling und Hannibal Lecter, von seiner durchdachten und spannungsfördernden Dynamik sind sie sich sehr ähnlich.


Maßnehmen fürs Glasauge.
„Roter Drache“ hat somit eigentlich alles, was es für einen erstklassigen Thriller braucht. Er hat eine tolle Geschichte, er hat die entsprechenden Mittel aus der Produktionskasse, einen grandiosen Cast und den Hype um Hannibal Lecter im Rücken, wo ist denn das Problem? Es klingt so schlicht, aber es ist entscheidend: Dieser „Roter Drache“ hat keine eigene Handschrift, nicht im Ansatz. Ihm fehlt es an dem brillanten Moment von Jonathan Demme sowie dem autarken Dasein von Michael Mann und Ridley Scott. Es ist eine sehr solide, brave und konforme Transformation des geschriebenen Wortes auf die große Leinwand mit (nun) viel Budget und Starpower. Der erlaubt sich keine Ausreißer, keine Fehler aber auch keine Experimente, verlässt sich rein auf seine Rahmenbedingungen und fährt damit mutlos-sicher. Brett Ratner ist dafür der ideale Mann, der hat nie und wird nie so was wie einen eigenen Stil entdecken, der macht halt. Man sieht alles, man hört alles, Text war okay, die Darsteller sind erprobt genug, super, fertig. „Roter Drache“ ist lupenreines und jederzeit spannendes Thriller-Kino, das leider zu konform und austauchbar daherkommt. Die einzigen Abänderungen sind auch nur berechnend, klar muss Anthony Hopkins als „Star“ (obwohl die besten Szenen einzig und allein Ralph Fiennes auf sich vereint) mehr Raum bekommen als in der Vorlage, selbst das ist eher ein Kritikpunkt. Erstmal ist Hopkins zu alt für die Rolle (als Prequel, also bitte, das sieht man) und „seine“ Szenen wirken bald schon dreist bei „Das Schweigen der Lämmer“ kopiert, da merkt man schon die Mutlosigkeit bzw. die Planungssicherheit, alles bloß „richtig“ zu machen.


„Roter Drache“ ist ein durchaus guter Film, aber er könnte so toll sein. Ihm fehlt nicht nur die Kirsche, sondern gleich die ganze Sahne auf dem Eis. Bei Demme hatte man alles, bei Mann und Scott fehlten entweder Kirsche, Sahne oder Eis, aber dafür gab es Gründe. Die Gründe hier sind eher schleierhaft bzw. eben nicht, da beruhend auf dem konventionellen Dasein: Guter Standard, für die Möglichkeiten schon zu wenig. 

6 von 10 brennenden Rollstühlen

Review: HANNIBAL RISING – WIE ALLES BEGANN – Demontage eines kultivierten Psychopathen

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Fakten:
Hannibal Rising – Wie alles begann
USA, UK, Frankreich, Tschechien, Italien. 2007. Regie: Peter Webber. Buch: Thomas Harris (Vorlage). Mit: Gaspard Ulliel, Gong Li, Dominic West, Rhys Ifans, Kevin McKidd, Aaran Thomas, Ivan Marevich, Stephen Walters, Richard Brake u.a. Länge: 126 Minuten (Unrated Fassung), 116 Minuten (Kinofassung). FSK: freigegeben ab 18 Jahren (beide Fassungen). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Geschichte von Hannibal Lecter. Wie wurde aus dem Sohn wohlhabender, guter Eltern solch ein Monstrum?





Meinung:
Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ von 1991 darf sich nicht nur als cineastisches Grundwissen titulieren lassen, sondern auch als ein Klassiker, der selbst den Menschen ein klarer Begriff ist, die ihre Filmaffinität nicht rund um die Uhr ausleben - oder als reine Attitüde exponieren. Hannibal Lecter ist eine Ikone des Psycho-Horrors, eine fiktive Kunstfigur, die literarisch genauso begehrt auftritt, wie sie es auch auf der Leinwand tut. Mit der Stilsicherheit eines Michael Manns („Heat“) im Schlepptau entpuppte sich der filmische Franchise-Auftakt mit „Blutmond“ 1986 als echtes Meisterwerk des Suspense-Kinos, welches dem allseits gefeierten Nachfolger „Das Schweigen der Lämmer“ sogar noch einen kleinen Schritt voraus ist. Danach ging es allerdings immer weiter bergab: „Hannibal“ von Ridley Scott war zu zäh und erklärte die Gore-Szenen zu Spannungsklimaxen, während „Roter Drache“ - eine Neuauflage von „Blutmond“ - noch durch seine exzellenten Schauspieler (Ralph Fiennes als Zahnfee!) überzeugte, darüber hinaus aber zunehmend in der Beliebigkeit versank.


Bevor jetzt Fragen kommen: Nein, das ist nicht souli
Derzeit sorgt auch die qualitativ äußerst volatile NBC-Serie „Hannibal“ für Furore, in der der dänische Mime Mads Mikkelsen („Michael Kohlhaas“, „Die Jagd“) dem kultivierten Serienkiller ein Gesicht verleiht. „Hannibal Rising – Wie alles begann“ von 2007 jedoch manifestiert den absoluten Tiefpunkt der Reihe und lässt sich ohne Mühe als pure, unverschämte Geldmacherei entlarven. Analog zur Filmproduktion nämlich schrieb Thomas Harris das Drehbuch zum Film, merzte dem nach Sensation lechzenden Publikum wegen jedwede Subtilität im Umgang mit Lecter aus und degradierte ihn zum austauschbaren Psychopathen von der Stange. Harris ist es gelungen, sein personifiziertes Opus magnum im (anti-)künstlerischen Sauseschritt zu demontieren. Alles beginnt zur Zeit des zweiten Weltkrieges, in dem Hannibals Eltern bei einem Fliegerangriff in den litauischen Wäldern zu Tode kommen und ihn mit seiner Schwester Mischa in einer abgelegenen Jägerhütte zurücklassen. Wenn sich dann ein Trupp Marodeure zu ihnen gesellt, beginnt die psychologische Simplifizierung seiner Person.


souli, äh, Hannibal findet in seiner Tante eine Vertraute
Woher sein kannibalischer Trieb kommt, kann „Hannibal Rising“ uns nicht erklären, er lässt nur Andeutungen im hanebüchenen Stil anklingen und dann hinten raus im Nirgendwo versacken. Woher die Kultiviertheit Hannibals kommt, bleibt ebenso fraglich, irgendwann jedenfalls ist er mitten in seinem Medizinstudium und obduziert Leichen. Hier wird ein Setting eingeführt, welches einzig dazu dient, Hannibal einen klischeesierten Spielraum für weitere Schweinereien zu bieten. Hannibal nämlich ist nun von Rache getrieben, möchte die Männer zur Schlachtbank führen, die einst seine kleine Schwester im illustrer Runde verspeisten und kennt dabei in seinem Sadismus keine Grenzen: Erst singt er Kinderlieder, dann dreht er ihnen den Hals um. Wer dieser Mensch wirklich ist? Das steht in den Sternen, aber nicht im Drehbuch. Zwischen platten psychologischen Signalen und mehr als unterforderten Darstellern, wird eine Thriller-Farce der minderwärtigen Klasse herausgearbeitet. Gaspard Ulliel als Hannibal darf finster gucken, bekam aber wohl keinerlei Anweisung, wohin denn überhaupt genau, Gong Li drischt permanent Phrasen, während Rhys Ifans einfach nur den Antagonisten gibt und nur böse Dinge tun muss (Kinder essen, Frauen schlagen und verkaufen, diese Dinge eben).


Bis Hannibal dann seinen alttestamentarischen Racheplan vollzogen hat und das Drehbuch ihm seine langersehnte Katharsis spendiert, vergehen viele nichtssagende und einige blutige Augenblicke. Schmerzhaft für jeden Fan der Reihe ist, wie wenig Interesse das Skript an der Figur des intelektuellen Monsters zeigt, wie wenig Aufmerksamkeit es für zwischenmenschliche Nuancen und sublime Entwicklungen es zollt. „Hannibal Rising“ kursiert einzig um das Plakative, um das Reißerische, geht jeder Inhärenz aus dem Weg und ist dramaturgisch nicht mal für den Anfängerkurs in Sachen 'Wie schreibe ich ein Drehbuch' akzeptabel. Thomas Harris beschmutzt Hannibal Lecter, zeigt sich profitgierig und fern einen jeden beruflichen Ethos. Eine Schande.


3 von 10 seltsamen Grübchen


von souli

Review: DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER - Seelenstriptease vor dem Monster

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http://skepticlawyer.ozblogistan.com.au/files/2013/10/silence_of_the_lambs_ver2.jpg



Fakten:
Das Schweigen der Lämmer (The Silence of the Lambs)
USA, 1991. Regie: Jonathan Demme. Buch: Ted Tally. Mit: Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Anthony Heald, Brooke Smith, Charles Napier, Frankie Faison, Kasi Lemmons, Roger Corman u.a. Länge: 114 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die junge FBI-Auszubildende Clarice Starling ist auf der Jagd nach dem Serienkiller Buffalo Bill. Die Ermittlungen stecken in einer Sackgasse. Deshalb soll Starling, wie einst Will Graham, den inhaftierten Dr. Hannibal Lecter zu Rate ziehen. Ein genialer Psychiater, der selbst wegen mehrerer Morde und Kannibalismus in Haft sitzt. Lecter verfügt über die Gabe, sich in die Seele und Gedankengänge anderer Menschen zu versetzen. Er willigt einer Zusammenarbeit ein, fordert dafür aber auch etwas von Starling ein. Die hat kaum eine Wahl und öffnet sich dem Monster mehr, als ihr klar ist.






Meinung:
"Die Lämmer haben geschriehen."

Der Erfolg von "Das Schweigen der Lämmer" ist durchaus erstaunlich. Nicht auf die Qualität der Verfilmung des Romans von Thomas Harris gemünzt, sondern auf seine Thematik an sich. Fünf Oscars kassierte der Film von Jonathan Demme und schaffte damit, die breite Masse für einen Film zu begeistern, der sonst wohl eher als Genre-Happen geendet wäre. Muss nichts schlechtes sein, nur schön zu sehen, dass es auch anders geht.


Vorsicht, bissig.
Demme, der danach noch den hochgelobten "Philadelphia" nachschob und anschliessend keine übergroße Rolle mehr spielte, gelang mit der Umsetzung des zweiten Romans des Hannibal-Lecter-Zyklus der ganz große Wurf. Die Verfilmung vom literarischen Vorgänger "Roter Drache" ("Manhunter") durch Michael Mann war 5 Jahre vorher kommerziell durchgefallen und somit hätte wohl kaum jemand im Vorfeld auf diesen Erfolg Wetten abgeschlossen. Demmes Film war sicherlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, geht aber auch auf Nummer sicher und ist weit weniger experimenteller inszeniert als "Manhunter". Vergleicht man hier die reine Regieleistung von Demme und Mann, ist Mann der klare Punktsieger. Insgesamt. Doch was Demme perfekt gelingt, ist die Fokussierung auf die Momente, die langfristig im Gedächtnis bleiben und der Vorlage geschuldet sind. Denn nun rückt Dr. Lecter mehr in den Vordergrund und die Szenen mit ihm und dem ehrgeizigen, gleichzeitig von inneren Dämonen zerfressenen FBI-Küken Clarice Starling sind das Prunkstück von "Das Schweigen der Lämmer".


Dem genialen Tier in Menschengestalt wird ein junges Lamm zur seelischen Schlachtbank geführt, leichte Beute für das manipulative Monster, das hinter Plexiglas nur auf seine Chance lauert, endlich wieder in den Genuss von frischer Leber mit Faberbohnen und einem ausgezeichneten Glas Chianti zu kommen. Was dann passiert, wird nur in wenigen Momenten erfasst, wird die Handlung der Fortsetzung "Hannibal" maßgeblich prägen und ist tatsächlich interessanter, als die eigentliche Killerjagd. Zwischen dem eloquenten Gentleman mit dezent soziopathischen Zügen und der verbissenen Ermittlerin entsteht eine Beziehung, die von einer Seite rein zweckdienlich ist, von der anderen Seite zur Obsession wird. 


Im Gespräch mit der Bestie.
Jetzt kommen die Darsteller ins Spiel, ohne die "Das Schweigen der Lämmer" wohl nie so weit gekommen wäre: Jodie Foster und dem wohl kleinsten (bezogen auf die eigentliche Screentime) Hauptdarsteller aller Zeiten, Anthony Hopkins. Idealbesetzungen in allen Belangen. Foster verkörpert ihre Figur mit der harten Schale und dem verletzten Kern bis in jede Nuance perfekt. Und was Hopkins da veranstaltet, ist im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich. Sein stechender, gieriger Blick geht von der ersten Sekunde an unter die Haut und direkt in die Seele. Er verschmilzt mit der Rolle. Jeder würde ihm sofort abnehmen, dass er seine Gedanken lesen kann, sich von seinen Ängsten ernährt und sie gnadenlos durch den Fleischwolf dreht. Einfach, weil er es kann und daran Spaß hat. Selten wurde so ein bedrohliches Ungeheuer mit so einer Perfektion verkörpert. Das ist gerade das Kunststück von Hopkins: Obwohl er nur wenige Szenen hat, ist er dauerpräsent und niemand würde im ersten Moment realisieren, wie klein seine Rolle (rein physisch) doch eigentlich ist. Wie ein böser Geist ist er allgegenwärtig und in den Momenten so wichtig und eindringlich, dass die Realität kurz Pause hat. Genau dann ist die Inszenierung von Demme auch perfekt, ohne auf große Spielerein zurückzugreifen (was er einfach auch nicht muss). Er überlässt Foster und Hopkins die Bühne, nur darum bemüht, Gestiken und Mimiken gezielt einzufangen und das Wortduell für sich sprechen zu lassen. Immer wieder beeindruckend.


Wer würde ihm nicht über den Weg trauen?
Dagegen fällt die Handlung drumherum fast etwas runter. Da ist "Das Schweigen der Lämmer" auch nicht überragend, aber immer auf sehr gutem Niveau. Etwas unfair, das so abzuwerten, aber der Vergleich lässt kaum etwas anderes zu. Dennoch im Ganzen ein starkes Stück. Die Story ist böse, spannend und in vielen Details auch ohne Hopkins und Foster einprägsam ("Es muss sich mit der Lotion einreiben") und besonders das Finale besticht durch eine dichte Inszenierung. Für Mainstream-Thriller-Kino ist das mehr als außergewöhnlich, von der Handlung wie den wenigen, dafür ziemlich garstigen Momenten. Wenn alles das Niveau von den Sahnestücken hätte, wäre alles andere als die Höchstwertung indiskutabel. Da dem nicht so ist und mit einer individuelleren Regie (beispielsweise eines Michael Mann) hier noch mehr machbar gewesen wäre, leichter Abzug. "Das Schweigen der Lämmer" ist zum Teil zeitlos brillant und mal einfach nur sehr gut. Aber wer kann das schon von sich behaupten?

8,5 von 10 Faberbohnen

Review: MANHUNTER - Der andere Hannibal Lecter

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Fakten:
Manhunter
USA, 1986. Regie & Buch: Michael Mann. Mit: William Petersen, Kim Greist, Joan Allen, Dennis Farina, Brian Cox, Tom Noonan, Stephen Lang, Benjamin Hendrickson, Dan Butler, Michael Talbott, David Seaman, Frankie Faison u.a. Länge: 121 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
FBI-Profiler Will Graham hat die Verhaftung des Serienmörders Dr. Hannibal Lecter fast mit dem Leben bezahlt und lebt seit dem mit seiner Familie zurückgezogen. Sein ehemaliger Vorgesetzte und Freund Jack Crawford bittet ihn nun um Hilfe. Ein Wahnsinniger hat bereits zwei Familien abgeschlachtet. Die Morde ereigneten sich bei Vollmond und alles deutet darauf hin, dass er demnächst wieder zuschlagen wird. Graham besitzt eine Gabe: Wie kein Zweiter kann er sich in die Gedankenwelt eines Mörders einfühlen und so dessen nächsten Schritte vorhersehen. Graham untersucht die Tatorte, sichtet die Beweise, doch will den entscheidenden Hinweis findet er nicht. Widerwillig greift er zum letzten Strohhalm: Den inhaftierten Dr. Lecter um Hilfe bitten. Dieser lässt sich darauf ein, hat jedoch seine ganz eigenen Pläne.


                                                                            


Meinung:
Noch bevor "Das Schweigen der Lämmer" zu einem weltweiten Hit wurde, verfilmte Michael Mann den Vorgängerroman "Roter Drache" von Thomas Harris. Der Film floppte und geriet im Zuge des Erfolgs der Filme mit Anthony Hopkins fast in Vergessenheit. 2002 wurde - nun auch mit Hopkins als Hannibal Lecter - ein Remake gedreht. Unter Kritikern gilt "Manhunter" dennoch als einer der besten Filme aus der Serie. Nicht ganz unberechtigt, doch er hat auch seine Schattenseiten.


Karneval im Irrenhaus, der 1. Platz.
Die große Stärke liegt eindeutig in der Inszenierung von Michael Mann, der zu der Zeit mit "Miami Vice" einen Straßenfeger im TV laufen hatte. "Manhunter" ist so unverkennbar 80er, durch und durch. Mann setzt nicht auf extreme Düsternis, seine Sets sind hell ausgeleuchtet, fast schon steril. Dabei jedoch elegant. Kühl-elegant. Die leichte Diskrepanz zwischen der eigentlich finsteren Handlung und deren Bebilderung erzeugt eine leichte Befremdung, hat dabei aber ungemein viel Stil und eine erstaunlich wirkungsvolle Ästhetik. Mann kreiert einige famose Szenen, die optisch schon einen leicht surrealen Touch haben. Zu markante Synthesizer-Klängen erzählt er die Jagd nach dem Serienkiller "Die Zahn-Fee" sehr konsequent aus Ermittlerperspektive und inszeniert seinen Protagonisten Will Graham als angeschlagenen, aber immer noch gierigen, einsamen Wolf, der sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Fall verbeißt. Sein Charakter steht über allen anderen Figuren, die zu Randerscheinungen werden. Sei es seine Familie, Partner Crawford, der gejagte Killer oder auch Dr. Lecter, der die späteren Geschichten als Hauptfigur tragen sollte. Zumindest bei Lecktor hält sich Mann dabei an die Vorlage von Thomas Harris, in der er (im Gegensatz zum Remake "Roter Drache", wo aus "Hopkins-Gründen" etwas mehr Hannibal eingebaut wurde) auch nur eine sehr kleine, wenn auch nicht unwichtige Rolle als böser Strippenzieher inne hatte. Klar zu schwach - womit wir bei einem der deutlichen Kritikpunkte wären - fällt die Darstellung des "Roten Drachen" a.k.a. "Die Zahn-Fee" aus. Über die Figur erfährt man nur das Notdürftigste, zudem nicht besonders eindrucksvoll von Tom Noonan verkörpert. Mann kürzt bei seinem Skript entscheidende Passagen der Vorlage, reduziert den Killer so zweckdienlich wie eben nötig. Speziell zum Ende hin fällt das sehr negativ ins Gewicht. Obwohl immer noch top inszeniert (In-A-Gadda-Da-Vida), der innere Konflikt des Killers, hervorgerufen durch die ungewohnte Beziehung zu seinem Opfer, kommt kaum zur Geltung. Vor allem enttäuscht, wie Mann alles enden lässt. Das wirkt sehr abrupt und wirklich unnötig, da es das Buch (wie auch das Remake) besser gemacht haben. Etwas unbegreiflich, warum Mann gerade hier die Schere ansetzte.


Der Doktor hat nun für sie Zeit...
Schlussendlich, wenn man nun den naheliegenden Vergleich zur Version von 2002 betreibt, muss auch auf die Besetzung eingegangen werden. Da hat der Film von Brett Ratner die Nase weit vorn. Der Cast von "Manhunter" ließt sich beileibe nicht schlecht, gegen die Top-Besetzung von "Roter Drache" ist das die zweite Geige. Gerade die "Schurken"-Rollen mit Ton Noonan als Zahnfee und Brian Cox als Lecktor erscheinen sehr farb- und konturlos. Nicht nur im Bezug auf die Neuverfilmung. Sie können nicht das Bild vermitteln, welches beim Lesen des Buchs (auch wenn das natürlich rein subjektiv ist) im Kopf entsteht. Sicher, speziell bei Lecktor ist dieses geprägt von Anthony Hopkins (wenn man zuerst die Filme gesehen hat), er war allerdings auch die Idealbesetzung. Cox wirkt nicht ansatzweise so kultiviert, elitäre und gebildet, kann das Genie mit der Bestie in sich nie derart auf den Punkt bringen. Deshalb fällt die Bewertung von "Manhunter" etwas schwer. Ein sehenswerter Film ist es allemal. Allein die Geschichte und die dichte, atmosphärisch gelungene wie eigensinnige Inszenierung haben das verdient. Da hat der Film deutlich mehr Stil als das Remake. Nur die unglücklichen Plot-Änderungen und die etwas faden Nebenfiguren stören das Gesamtbild deutlich.

6,5 von 10 Glasaugen.