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TV Wahnsinn: DIE BRÜCKE - TRANSIT IN DEN TOD (Staffel 2) - Die Grausamkeit verlorener Hoffnung

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Fakten:
Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2 (Bron a.k.a. Broen)
Schweden, Dänemark, BRD. 2013. Regie: Henrik Georgsson. Buch: Björn Stein, Camilla Ahlgren, Måns Mårlind, Hans Rosenfeldt, Nikolaj Scherfig, Maren Louise Käehne . Mit: Sofia Helin, Kim Bodnia, Dag Malmberg, Sarah Boberg, Lotte Munk, Tova Magnusson-Norling, Sven Ahlström, Lars Simonsen, Puk Scharbau, Rafael Petterson, Julia Ragnarsson u.a. Länge: 597 Minuten (5 Folgen á ca. 120 Minuten). FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Ein Frachter läuft unter der Öresundbrücke auf Grund. Statt der Besatzung findet die Küstenwache angekettete und betäubte Jugendliche aus Schweden und Dänemark. Im Krankenhaus wird klar, dass die Teenager mit einer gefährlichen Krankheit infiziert sind, die höchstansteckend ist. Die schwedische Kommissarin Saga Noren und ihr dänischer Kollegen Martin Rohde ermitteln.





Meinung:
Das ZDF macht sich. Als einer der ersten Sender Deutschlands überhaupt versuchten sich die Programmverantwortlichen daran, von ihrem Image des „Seniorensenders“ zumindest rudimentär zu trennen. Der Spartenkanal zdf_neo ging on air und auf dem Mainzer Lerchenberg, der Zentrale des zweiten deutschen Fernsehens, versuchte man ein attraktives Programm zu gestalten. Dazu wurden zig hochgelobte Formate eingekauft, die zunächst zwar nur im kleinen neo gesendet wurden, die aber später auch den Sprung ins Hauptprogramm schaften. Noch vor wenigen Jahren wäre es ein Novum gewesen, wenn im ZDF neben „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Der Alte“ oder „Siska“ auch Serien wie „Luther“ mit Idris Elba und Ruth Wilson oder „Downton Abbey“ mit Maggie Smith und Hugh Bonneville laufen würde. Mittlerweile ist es zwar immer noch nicht wirklich alltäglich, dennoch gibt es vor allem für jüngere Gebührenzahler (und Schwarzseher) mittlerweile mehrere, gute Gründe das ZDF einzuschalten. Einer dieser Gründe ist sicherlich auch „Die Brücke – Transit in den Tod“. Eine schwedisch-dänisch-deutsche Ko-Produktion, in der das ZDF beteiligt ist. Diese Kriminal-, oder besser gesagt Thriller-Serie, schaffte es bereits mit Staffel eins sich in den Köpfen und Herzen vieler Zuschauer einzunisten. Dank guter Kritiken und Quoten wurde auch die amerikanische TV-Industrie auf „Die Brücke“ aufmerksam. Das Ergebnis: „The Bridge – America“. Ein Serienremake mit Diane Kruger („Das Vermächtnis der Tempelritter“), Demian Bichir („Machete Kills“) und Ted Levine („Das Schweigen der Lämmer“).


Martin und Saga: Ein so ungleiches wie effektives Team
Da Erfolg nun mal der beste Grund ist, etwas fortzuführen, gab es 2013 von „Die Brücke – Transit in den Tod“ auch eine zweite Staffel, die nach der Ausstrahlung im ZDF, genau wie Staffel eins, nun auch fürs Heimkino verwertet wurde. Jeder der mag, kann also den zweiten Fall der beiden Kommisare Noren und Rohde nun ohne einwöchige Pause zwischen den Folgen sehen. Das ist wohl auch gut so, denn genau wie in der vorangegangen Staffel, erschufen die Serienmacher erneut ein weitumspanntes Handlungsnetz, welches zunächst wie ein undurchdringliches Dickicht aus Locations, Charakteren, Vermutungen und Absichten besteht und sich erst nach und nach entwirrt und erklärt. Dabei geht „Die Brücke – Transit in den Tod“ in seiner narrativen Weite in die Offensive. Think Big! ist das Motto, wenn militante Öko-Terroristen, große Unternehmen und mysteriöse Todesfälle sich zu einem großen Ganzen verweben. Das Markante daran sind die persönlichen Entwicklungen der darin enthaltenen Rollen. Gerade zu Beginn, wenn alles noch etwas undurchschaubar scheint, hält die Serie eine gelungene Balance aus genre-typischen Spannungsaufbauelementen und evolutionärer Charakterformung. Bei der Fülle von Figuren, die „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2“ nutzt um seine inhaltlichen Rahmen abzustecken, kommt es allerdings öfters vor, dass sich die Narration in eine Sackgasse navigiert. Das generiert deutliche Längen, vor allem innerhalb der ersten beiden Episoden.


Die Terrorzelle der Bremer Stadtmusikanten
Das komplexe Handlungskonstrukt, wird, genau wie bei der Vorgängerstaffel, erneut von den beiden Kommissaren Saga Noren und Martin Rohde getragen. Noren sticht dabei natürlich klar heraus. Als Kommissarin mit dem Asberger-Syndrom, einer Form von Autismus, sind ihr soziale Notwendigkeiten fremd. Das erschwert zwar den Umgang mit Menschen, hat allerdings auch einen klaren, nüchternen Blick zur Folge, die bei der Polizeiarbeit öfters mehr als nur hilfreich ist. Ihr dänischer Kollege erscheint da alleine schon aus narrativer Sicht als unumgänglicher Konterpart, der ihr nicht nur helfend bei den Ermittlungen zur Seite steht, sondern auch bei ihren alltäglichen Problemen mit emotionalen Fremdkörpern. Gewiss resultiert daraus auch immer wieder Komik, aber anders wie bei anderen sonderbaren Kriminalisten der Serienhistorie, nutzt „Die Brücke – Transit in den Tod“ diese Form des comic relief nur dezent und wohl dosiert. Mehr funktioniert das ungleiche Duo als Katalysator für die teils wirklich abschreckenden Verbrechen, die die Serie ihren Zuschauer serviert. Es sind zwei Perspektiven: Expansiv und Expressiv. Gemeinsam ergibt sich ein großes Ganzes und dank der gut geschriebenen Bücher, bleiben die beiden Protagonisten gleichberechtigte Kräfte innerhalb der Narration.


Nicht nur Martin und Saga stellen sich der Gefahr entgegen
Die reservierte Saga Noren und der bullige Gefühlsmensch Martin Rohde. Die Öresundbrücke, die Regisseur Henrik Georgsson immer wieder als Szenenfüller einsetzt, ragt wie ein Symbol der Verbindung aus der Serie heraus. Schweden und Dänemark, Saga und Martin. Zwei Polizisten, wie sich unterschiedlicher nicht sein könnten, aber dennoch verbunden durch eine gemeinsame Vergangenheit (die Ereignisse aus Staffel 1), die vor allem Martin noch nicht verarbeitet hat. Dies nimmt einen überaus interessanten wie intensiven Nebenstrang der Handlung ein und endet schließlich in einer tosenden Ambivalenz, die letztlich mehr Kraft innehat, als der eigentliche Hauptfall, mit dem die beiden Ermittler beschäftigen. Aber egal ob Haupt- oder Subplot, über allem legt sich Schwere. „Die Brücke – Transit in den Tod“ schwelgt in grauer Tristesse und ausweglosem Pessimismus. Die Kühle der Inszenierung erinnert an Michael Manns „Collateral“. Dort war es Taxifahrer Max (Jaime Foxx), der als verkörperte Hoffnung auf eine bessere Welt fungierte. Hier ist es Kim Bodnia als Martin, der diese Aufgabe erfüllt. Doch während Taxifahrer Max zum Helden wurde, schickt „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2“ seinen good boy einmal quer durch die trostlose Hölle Skandinaviens und lässt ihn dort alleine und gebrochen zurück. Ja, in der Serie sterben Menschen, aber noch öfters springt die Hoffnung über die Klippe.


Nicht nur das skandinavische Kino mit seinen Nicolas Winding Refns („Bleeder“), Lars von Triers („Nymph()maniac“), Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“), Thomas Vinterbergs („Die Jagd“) und Susanne Biers („Nach der Hochzeit") ist einen Blick wert. Auch viele der dortigen TV-Produktionen lohnen sich. Die zweite Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lässt daran keinen Zweifel. Staffel 2 funktioniert wunderbar als Wechselspiel zwischen groß angelegtem Krimi, bzw. Thriller und subtextuell aufgeladener Charakterstudie. Das Ergebnis ist so frostig wie mitreißend. Defätismus in Reinkultur. Damit gehört „Die Brücke – Transit in den Tod“ zu der aktuell äußerst gefragten wie erfolgreichen Seriengattung, die keine Angst davor hat, mit der Grausamkeit verlorener Hoffnung auf eine bessere Welt zu kontrahieren. Harter Tobak also, der wegen seiner erwähnten Längen schon ein wenig selbstverliebt daher kommt. Wenn aber am Ende, zum letzten Mal für diese Staffel der Abspann über das Bild der Öresundbrücke läuft, sind packende 600 Minuten zu Ende. Danach empfiehlt sich ein Sonnenbad und wenn man sich wieder damit zurecht gefunden hat, dass die Welt mehr zu bieten hat, als Fatalismus, sollte man sich auf 2016 freuen. Dann will das ZDF die dritte Staffel ausstrahlen, die 2015 produziert wird.


7,5 von 10 goldenen Fröschen

Review: FACE/OFF – IM KÖRPER DES FEINDES – John Woo wechselt seinen Stars die Visagen aus

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Fakten:
Face/Off – Im Körper des Feindes (Face/Off)
USA. 1997. Regie: John Woo. Buch: Mike Werb, Michael Colleary. Mit: Nicolas Cage, John Travolta, Joan Allen, Alesandro Nivola, Gina Gershon, Harve Presnell, CCH Pounder, Dominique Swain, Nick Cassavetes, Colm Feore, John Carroll Lynch, Danny Masterson, Thomas Jane, Chris Bauer, Margret Cho, Robert Wisdom, James Denton u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
FBI-Agent Sean Archer kann endlich den internationalen Top-Terroristen Castor Troy fassen, der vor Jahren seinen Sohn getötet hat. Doch bei der Verhaftung wird Troy stark verletzt und fällt ins Koma. Kein günstiger Zeitpunkt, denn irgendwo in der Stadt tickt eine Bombe. Um in Erfahrung zu bringen, wo die Bombe versteckt ist, lässt sich Archer auf eine waghalsige Mission ein. Mittels modernster Chirurgie nimmt er Castor Troys Aussehen an und versucht von Pullox, Castors Bruder, in Erfahrung zu bringen, wo das Bombenversteck ist. Doch der angeblich sichere Plan entpuppt sich als Himmelfahrtskommando, als der echte Castor Troy aus dem Koma erwacht und Archers Gesicht und Identität annimmt.





Meinung:
Als Virtuose des stilbewussten Action-Kinos ging John Woo mit seiner bebenden Heroic Bloodshed-Revolution und Werken wie „Hard Boiled“ oder „The Killer“ in die Annalen der Filmgeschichte ein – Hartes, testosterongeladenes und pathetisches Männerkino, welches sich ganz seinem unnachahmlichen Style verschrieben hat und jede Szene bis ins kleinste Detail penibel durchkomponierte. Doch John Woos beeindruckende Karriere erlitt einen herben Bruch, als sich nicht mehr nur der asiatische Markt nach ihm die Finger leckte, sondern auch die goldene Traumfabrik, um Woo in die heimischen Gefilde zu rekrutieren. Obwohl alles so ansehnlich begann und Streifen wie „Hard Target“ und „Operation – Broken Arrow“ noch solide Qualität für den geneigten Verfechter versprachen, häuften sich schnell Debakel wie „Mission: Impossible 2“, „Windtalkers“ und „Paycheck“ mit bleibendem Endruck. Es gab jedoch einen Film in Woos Œuvre, geradezu von essentieller Natur, mit dem er seiner HongKong-Vergangenheit auch in Amerika alle Ehre gemacht hat: „Face/Off“.


- Du bist ein Overacter. - Nein, du bist der Overacter.
Das Kino des John Woo war immer ein bis zum Anschlag konstruiertes, bis in seine Einzelheiten durchgeplant; jede Bewegung wurde eine immense Bedeutung zugesprochen und musste kohärent wie inhärent mit der charakteristischen Bildästhetik verschmelzen. Im Alter wird man zwar lockerer im Umgang mit alten Werten und Konventionen, aber wie Woo sich seinen eigenen Ruf im Laufe der amerikanischen Zeit ruinierte, ist ein bis heute anhaltendes Trauerspiel für jeden Anhänger. Balsam für die Seele ist dementsprechend der Rückgriff auf „Face/Off“, in dem er nicht nur der Auftragsarbeiter profitgieriger Studiobosse mit gebundenen Händen war, sondern eine eigene Vision verfolgen konnte, die „Face/Off“ zwar auch irgendwo zum stylischen Edel-Trash macht, aber doch deutlich mehr Substanz besitzt, als die handelsübliche Baller-Ware, in der nur der Body Count und nicht das mehrwertige Plateau interessiert – wenngleich auch „Face/Off“ ein absolut audiovisueller Film ist, dem man nun nicht als hochintelligentes Actionessay titulieren darf.


Hallelujah. Nic Cage wie wir ihn kennen und lieben
Was man allerdings behaupten darf, ist, dass „Face/Off“ zu den besten Vertretern der 90er Jahre-Actionperoide zählt, der sich zusammen mit „Terminator 2“, „Stirb langsam – Jetzt erst recht“, „The Rock“ und „Speed“ die obersten Plätze teilt. An erster Stelle fällt da natürlich direkt die prominente Besetzung auf, bei der John Woo gleich zwei der gefragtesten Stars von damals für sich gewinnen konnte: John Travolta und Nicolas Cage. Heute sind die Beiden nur noch gefallene Mimen längst vergangener Zeiten und irren zumeist durch belanglose B-Produktionen, ohne wirklich auf sich aufmerksam machen zu können, bis auf sämtliche Negativschlagzeilen, die durch die Boulevard-Presse sausen. Aber in den 90er Jahren konnte vor allem Nicolas Cage die Hochkonjunktur seiner Popularität genießen und so überkandiert agieren, wie es ihm gefallen hat: Die Welt hat applaudiert. Interessant an „Face/Off“ ist hingegen, dass sich die beiden Schauspieler gegenseitig aufeinander anpassen müssen und ihre entscheidenden Gesichtszüge, das anarchische Chaos, die seelische Zerschlagenheit, imitieren. Das endet oft im absoluten Overacting, macht aber dennoch unfassbar viel Spaß.


Pullox versucht so wansinnig zu sein wie sein Bruder
Die Geschichte rundum Gesichtstransplantationen und dem Eifer zweier Erzfeinde, basierend auf einem familiären Attentat, die immer bis zum Äußersten gehen würde, ist in ihrer rasanten Erzählung weder besonders klug, noch mit realitätstreuen Maßen zu messen. „Face/Off“ verliert sich aber auch nie aus den Augen, bleibt nachvollziehbar formuliert und lässt den Zuschauer dem Geschehen problemlos von Minute zu Minute folgen, ohne sich in narrativen Endlosschleifen zu verknoten und dem Zuschauer so ein verwebtes Wirrnis zuzumuten. Allein die Exposition beweist, dass John Woo seine alten Stärken gen Himmel streckt und die aufgesetzte Familienidylle wird in einem akkurat positionierten Ablauf vollkommen dezimiert: Mechanische Physik, und doch so unvorhersehbar affektiv. Und dieser ästhetisierten Präzision bleibt John Woo durchweg treu, zelebriert und stilisiert seine Hauptdarsteller gewissenhaft nach Strich und Faden, genau wie die bleihaltigen Konfrontationen, in denen sich die verschiedenen Abläufe innerhalb einer Schießerei effektuiert aufsaugen.


Wenn sich „Face/Off“ für kurz Zeit von seinen schlaghaltigen Actionargumenten distanziert und das dramatische Dilemma seiner beiden Hauptakteure fokussiert, ohne ins theatralische Niemandsland abzurutschen, bekommt „Face/Off“ tatsächlich eine leichte philosophische Note zugesprochen. Es stellt sich die Frage, ob das alte Leben noch einen Sinn hat, ob es noch einmal zurückerlangt werden könnte und das eigentliche Stylemanifest wird zur metaphorischen Parabel über die rivalisierte Identitätsfindung zweier Kontrahenten, die sich in ihrem eigenen Körper wiederfinden; der ehrenhafte Kampf gegen sein inneres Übel. Dabei wird den Toten die Schuhe zum Abschied gebunden, während die unschuldigen Tauben als Einleitung für das kommende Gewaltgewitter dienen. Irgendwie herrlich nostalgisch.


7 von 10 Goldenen Pistolen


von souli

Review: OLYMPUS HAS FALLEN – America, Fuck Yeah!

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Fakten:
Olympus Has Fallen
USA. 2013. Regie: Antoine Fuqua. Buch: Creighton Rotherberger, Katrin Benedikt. Mit: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Dylan McDermott, Rick Yune, Morgan Freeman, Angela Bassett Melissa Leo, Radha Mitchell, Cole Hauser, Robert Forster, Ashley Judd, Phil Austin, Finley Jacobsen u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: freigeben ab 16 Jahre. Ab 23. 10. 2013 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als Agent des Secret Service ist Mike Banning nicht nur für die Sicherheit von Präsident Benjamin Asher verantwortlich. Ihn verbindet inzwischen auch eine enge Freundschaft mit dem mächtigsten Mann der Welt. Als eines Winternachts die Limousine des Präsidenten von der Fahrbahn abkommt und in einen Fluss zu stürzen droht, hält sich Banning ans Protokoll: Er rettet Asher das Leben und opfert dafür dessen Frau. 18 Monate später: Banning ist inzwischen degradiert und ins Finanzministerium versetzt worden, als nordkoreanische Extremisten das Weiße Haus stürmen und den Präsidenten als Geisel nehmen. Bald findet sich der geschasste Agent als letzte Verteidigungslinie im Amtssitz wieder. Und nicht weniger als das Fortbestehen der freien Welt hängt von seinem Gelingen ab.




Meinung:
Man muss sich schon mit den verschiedenen Kulturen aus aller Welt vertraut gemacht haben, um gewissen Gepflogenheiten und Bräuche in gewisser Weise nachvollziehen zu können. Natürlich muss man sich ihnen nicht anpassen, vor allem nicht, wenn man sich weder mit ihnen identifizieren kann, noch in die eigene Weltanschauung passen. Wenn wir uns dann um das schwere Thema des Patriotismus kümmern, dann schlagen die Alarmglocken des europäischen Otto Normalverbrauchers erst mal in klirrenden Signaltönen aus. Bleiben wir dann auch noch auf der nationalen Ebene von Deutschland, dann ist ein Nationalstolz wie ihn die Amerikaner pflegen wohl absolut unverständlich. Man muss jedoch tiefer in die Geschichte vordringen und sich vor Augen halten, dass selbst in der heutigen Zeit, in der sich die deutschen Verhältnisse eigentlich vollständig von denen der Nationalsozialisten emanzipiert haben, immer noch die leichte Befürchtung vor einer internationalen Stigmatisierung lauert.



Gerard Butler kämpft für Amerika – Als Schotte!
Wenn man sich diese Tatsache dann einmal akkurat vor Augen führt und sich ins Gedächtnis ruft, dass der Deutsche – wie einst zur Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Lande schon beim Hissen der Nationalflagge im Vorgarten so manchen unverständlichen Blick geerntet hat  - keinen Vaterlandsstolz besitzen darf, ohne in die altbekannte Nazischublade gesteckt zu werden, dann schreit das doch noch einer kontemporären Zeitrechnung, in der viel mehr die anderen Länder nach wie vor in der engstrinigen Vergangenheit leben. Sollte Amerika dann aber mal wieder auf filmischer Basis zum patriotischen Appell blasen, dann ist jede Ehrenweisung vollkommen in Ordnung und wird vom Publikum in die höchsten Höhen gelobt – Die reziproken Mentalitäten sind enorm. Der durchaus talentierte Regisseur Antoine Fuqua hat mit seinem Action-Thriller „Olympus Has Fallen“ nun wieder eine solche Patriotenplatte in die Kinos gelassen und während in den Vereinigten Staaten die Kassen klingeln, dürfen über die Landesgrenze hinaus gerne schockiert die Köpfe geschüttelt werden, denn was hier fabriziert wurde, ist eine absolute Frechheit.


Wie gesagt: In Amerika herrscht eine vollkommen andere Geisteshaltung und alles, was das eigene Land irgendwie in Gefahr bringt, darf auf der großen Leinwand genüsslich zu Hackfleisch verarbeitet werden – Die Kinosäle toben, applaudieren, feuern den Protagonisten an. Würde sich Deutschland einen solchen Fauxpas erlauben und beispielsweise Angela Merkel (Natürlich von einer mehr oder weniger passenden Schauspielerinnen aus der Heimat besetzt) zur heroischen Killermaschine stilisieren, stünde die Welt Kopf und das wahrscheinliche (Mach-)Werk würde zwischen dem Spott und Hohn maximal ein müdes Lächeln ernten, obwohl die Ausrichtungen doch eigentlich genau dieselben sind. In „Olympus Has Fallen“ ist in die Rolle des Präsidenten dieses Mal nicht Harrison Ford oder Bill Pullman geschlüpft, sondern der an und für sich begabte Aaron Eckhart, der mit „World Invasion: Battle Los Angelos“ schon Erfahrungen in patriotischen Gefilden gemacht hat. Als Präsident Benjamin Asher ist er – genau wie sein Speaker Trumbull, der von Morgan Freeman verkörpert wird, eine vollkommen blasse Schablone, der zum Ende noch einmal die Chance gegeben wird, das Volk mit einer nationalistischen Rede anzuheizen.



Der Präsident braucht dringend Hilfe…
Im Mittelpunkt steht des Präsidenten persönlicher Bodyguard Mike Banning, der nach einem beruflichen Unfall mit einem schweren Trauma kämpfen muss, nun aber seine Chance bekommt, alles wieder gutzumachen und den Weg zurück zur eigenen Kraft zu finden. Verkörpert wird dieser Übermensch Banning von Gerard Butler, der seinen schottischen Akzent immer wieder raushängen lässt und von einem eigentlich charakteristischen Charisma rein gar nichts zur Geltung bringen darf. Wenn man seine Rolle auf ihren Gehalt reduziert, und das ist keine Schwierigkeit, finden wir uns ebenfalls im luftleeren Raum wieder; Butler gibt einen John McLane-Bryan Mills-Überfighter, der jeden umlegt, der sich ihm in den Weg stellt und ein asiatisch Antlitz besitzt. Dass so ein Charakter nur funktionieren kann, wenn das Drehbuch mit dem gewissen Etwas an Selbstironie zu Werke geht oder sich einem Umfeld dementsprechend anpasst und nicht auf reale Figuren zurückgreift, die noch eine verzogene Weltansicht offerieren, war den Drehbuchautoren Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt leider voll und ganz klar und der Schuss, der ohne Rücksicht nach hinten losgeht, wurde vollkommen bewusst von allen Beteiligten angenommen.


„Olympus Has Fallen“ verdeutlicht mal wieder mit der ganzen Kraft der amerikanischen Debilität, dass sich die Vereinigten Staaten immer und immer wieder neue Feindbilder suchen müssen, um sich ihre auf Zelluloid gebannten Schulterklopfer zyklisch vor Augen zu führen: Amerika ist unbesiegbar und verliert selbst im Angesicht des Todes nicht den Vaterlandsstolz. In Wahrheit zeigt diese heuchlerische Verfahrensweise nur, dass die paranoiden Zustände ihre dringende Bewältigung suchen, diese nur auf der großen Leinwand finden und dabei auf moralische Grundsätze konsequent gepfiffen werden kann, denn alles, was ohne amerikanischen Pass herumläuft, ist mit stählerner Brust zum Abschuss freigegeben. Die nordkoreanische Freischar wird in ihre Einzelteile dezimiert, Gerard Butler darf als tobende Kampfmaschine unzählige Extremisten kaltblütig abschlachten und am Ende wird freudig in die Hände geklatscht und ein ganzes Land feiert sich selbst. Wer auf glorifizierende, eindimensionale, exploitative und strunzdumme Propaganda steht, der darf sich das Action-Geplänkel „Olympus Has Fallen“ gerne ansehen. Für alle denkenden Menschen ist der Film hingegen ein ungoutierbarer Kotzkrampf.


1 von 10 amerikanischen Flaggen im Abendrot


von souli