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Review: FRANK – Freundschaft begründet sich auf Gegensätzen

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Fakten:
GB, Ireland, USA. 2014. Regie: Lenny Abrahamson. Buch: Jon Ronson, Peter Straughan. Mit: Domhnall Gleeson, Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal, Scoot McNairy, Carla Azar, Francois Civil u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 27. August 2015 im Kino.


Story:
Frank ist der exzentrische Frontmann der experimentellen Rockband Soronprfbs und buchstäblich der Kopf der Band. Denn Frank trägt ständig einen übergroßen Pappmaché-Kopf auf seinen Schultern und dies nicht nur bei den skurrilen Live-Shows, sondern auch im Alltag. Nicht mal die Bandmitglieder haben je sein Gesicht gesehen. Als der Keyboarder ausfällt, engagiert Frank spontan den Tagträumer Jon als Ersatz. Und obwohl der erste gemeinsame Auftritt zum Desaster verkommt, darf der Debütant bleiben. Hochmotiviert zieht Jon mit der Band in die irischen Wälder, um ein Album aufzunehmen. In der abgelegenen Hütte dämmert ihm allmählich, worauf er sich eingelassen hat.




Meinung: Wenn man eine Erkenntnis aus „Frank“ mitnehmen möchte, eine wirklich positive Feststellung, dann ist es wohl die Tatsache, dass Michael Fassbender („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“) angenehmerweise zu den arrivierten Hollywood-Schauspielern gehört, die ihrer Profession noch frei von Eitelkeit und Star-Allür nachgehen. Es ist bestimmt nicht der Regelfall, dass es sich ein Künstler aus der A-Liga der Traumfabrik gefallen lässt, beinahe über die gesamte Laufzeit des Films hinweg einen überdimensionalen Pappmascheekopf auf den Schultern zu tragen, der sein Gesicht natürlich vollständig unkenntlich macht und dementsprechend nur durch die Stimme eine Ahnung davon gegeben werden kann, wer sich dort eigentlich unter dem eminenten Riesenschädel verbirgt. Michael Fassbender war sich dafür jedoch nicht zu schaden, hat sich den kulleräugigen Bollerkopf überstülpt und erneut eine bestechende Darbietung abgeliefert, die – wir bringen erst im letzten Akt seine direkte Mimik in Erfahrung – gerade verdeutlicht, wie wichtig und ausdrucksstark die Körpersprache in einer ausgefächerten Performance doch sein kann.


Nur in dieser Hinsicht zeigefreudig: Michael Fassbender als Frank
Darüber hinaus aber möchte „Frank“ nicht so wirklich funktionieren, was vor allem damit zusammenhängt, dass es Regisseur Lenny Abrahamson („What Richard Did“) nicht vermeiden kann, eine typische Independent-Film-Krankheit durch seine inszenatorische Finesse und gekonnte Schauspielerführung zu neutralisieren. Das Drehbuch von Peter Straughan und Jon Ronson nämlich lässt „Frank“ zu Anfang noch als ein wirklich sympathisch-schrulliges Porträt über eine Handvoll wirklich sympathisch-schrulliger Musiker Luft holen und gewährt der Narration so, eine gewisse Eigendynamik zu evozieren, in der sich jeder der Protagonisten einfinden darf. Obgleich der von Michael Fassbender verkörperte Frank bestimmendes Gravitationszentrum der Geschichte ist, so nimmt eigentlich der Keyboarder und Songwriter Jon (Domhnall Gleeson, „Ex Machina“) die Hauptrolle ein, dessen Sicht auch wir anschließend einnehmen (das zurückhaltende Voice-Over verstärkt diesen Eindruck) und folgerichtig in den Sozial- wie Bandalltag der avantgardistischen Truppe „Soronprfbs“ eintauchen. „Frank“ begnügt sich aber nicht damit, die spleenige Gruppe in ihrem mal mehr, mal weniger skurrilen Miteinander zu dokumentieren, sondern möchte unbedingt Tieferliegendes nach außen kehren.


Bandprobe mit Köpfchen
Frank ist dabei Frontsänger, der von den anderen Mitgliedern der Band (dazu zählen sich zum Beispiel noch Maggie Gyllenhaal, Scoot McNairy und Francois Civil) beinahe schon in einer Götzenform verehrt wird und zeitweise in der Funktion eines spirituellen Führers auftritt, der seine Jünger in die entlegensten Winkel ihres Ichs führen möchte, um von dort die reinste Musik an die Oberfläche kitzeln zu können. „Frank“ erliegt überdies dem fehlgesteuerten Pflichtbewusstsein, seiner titelgebenden Figur unbedingt psychologisch auf den Zahn fühlen zu wollen und formuliert genau das aus, was dem Zuschauer aufgrund der widersprüchlichen Floskeln Franks im Verlauf der Handlung schon klar genug geworden ist: Frank leidet an einer psychischen Krankheit, für die das Drehbuch im letzten Kapitel eine reichlich erzwungene Ätiologie herleitet und den Weg zurück in Franks Elternhaus und damit auch in seine Vergangenheit ebnet. Dass dieses mentale Leiden aber keinen Einfluss auf sein musikalisches Genie genommen hat, wird dabei noch ganz besonders hervorgehoben, was Jon eben auch erkennen lässt, dass man Talent nicht erzwingen kann.



Die aufgebauschte Zweiteilung zwischen dem lakonischen Diskurs über das heutige Musikgeschäft (darin ist dann auch der Social-Media-Überdruss samt Personenkult eingebunden) und dem schwerwiegenden Charakter-Drama wirkt tonal zu ungelenk, nimmt „Frank“ den schwungvollen Esprit und damit auch immer mehr von seinem feinen Witz. Dass sich Jon zum Ende hin noch kräftig auf die eigene Schulter klopfen darf und ganz generös auf seine ehemaligen Bandkameraden (herab-)blickt, während diese nach einiger Zeit der Trennung wieder auf einer Kneipenbühne zusammengefunden haben, lässt seinen eigentlich liebenswerten Charakter irgendwie anmaßend erscheinen und drückt „Frank“ zudem eine ausgestellte Indie-Attitüde auf die Stirn, gegen die er sich in der ersten Hälfte noch erfolgreich erwehren konnte. Wirklich überzeugend wirkt der Film dann auf den Zuschauer ein, wenn er dem auf Kontrasten basierenden Gefühlsknoten zwischen Frank und Jon beinahe nebensächlich behandelt und den Dingen ihren freien Lauf lässt. Aber für so viel ungekünstelte Freiheit ist „Frank“ offenkundig nicht stark und letzten Endes auch nicht exzentrisch genug gewesen.


5 von 10 bärtigen Ersatzkeyboardern


von souli

Review: COBAIN: MONTAGE OF HECK - Die ultimative Rock-Dokumentation?

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Fakten:
Cobain: Montage of Heck
2014. USA. Regie und Buch: Brett Morgan. Mit: Kurt Cobain, Krist Novoselic, Courtney Love u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab dem 28. Mai 2015 auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Es wird versucht, Kurt Cobains Leben und Schaffen auf den Grund zu gehen. Interviews gibt es mit seinen Eltern, seiner Frau, dem Bassist von Nirvana und anderen.





Meinung:
Es ist wahrscheinlich überaus schwierig, sich dem Wesen Kurt Cobains und seinem Vermächtnis zu entziehen. Schwierig, ihn nicht interessant zu finden und manchmal gar schwierig, nicht begeistert zu sein. Von der rohen Musik, die man schnell als „Krach“ abstempeln kann, ihr dabei aber viel Wert und vor allem Wahrheit abspricht. Montage of Heck wird beinahe universell gefeiert und ist fast schon eine Sensation. Als Kinoerlebnis gedacht, wurde sie nun auf HBO ausgestrahlt, kam dennoch vereinzelt in die internationalen Kinosäle, um Fans, Musiker und Interessierte zu erfreuen und ist bald im freien Handel erhältlich.


Wirklich ein Engel, oder doch mehr ein Teufel?
Was macht eine Dokumentation zu einer guten Dokumentation? Was sind ihre Aufgaben, ihre Pflichten, wovon sollte sie Abstand halten, um nicht an Wirkung und Glaubwürdigkeit zu verlieren? Reicht es als Qualitätsmerkmal, wenn die Dokumentation dem Zuschauer eine Meinung solange eindröhnt, bis dieser am Ende der gleichen Meinung ist? Der Film ist ein mächtiges Medium mit vielen Möglichkeiten. Nicht selten wird das ausgenutzt, wie zum Beispiel Al Gores Prestige-Werk „An Inconvenient Truth“ zeigte. Zu vergleichen sind die beiden Dokumentation jedoch keineswegs, da die Intentionen grundlegend verschieden sind. Brett Morgan wollte mit dieser Dokumentation einen tiefen Einblick in den Menschen Kurt Cobain liefern. Nicht umsonst ziert ein Zitat das Plakat, das dieses zweistündige Werk als die „most intimate rock doc ever“ bewirbt. Anfangs scheint das auch zu stimmen, wenn dem Zuschauer Videoaufzeichnungen aus Kurts Kindheit gezeigt werden und Interviews mit den Hinterbliebenen aus der Familie Cobain geführt werden. Anderen Dokumentationen über Cobain wird vorgeworfen, ihn nicht als Menschen, sondern als Legende zu inszenieren, wodurch Nähe zum Zuschauer ganz einfach nicht gegeben sein kann. Das ist hier glücklicherweise anders. Man lernt über Cobains Sehnsucht, Hass und Einsamkeit. Nähe zur Person Cobain wird vor allem mit Fortschreiten der Laufzeit erreicht, wenn man ihm mit seiner Tochter und Frau beim Herumspaßen zusehen kann.


Cobain mit Töchterchen Francis Bean
Doch schon bei den Interviews bilden sich erste Schwierigkeiten. Die Interviewten wirken nämlich, mit Ausnahme von Nirvana Bassist Krist Novolesic, als würden sie die Möglichkeit nicht zur Aufklärung über Cobain nutzen, sondern um sich selbst darzustellen beziehungsweise zu erklären. Das ist befremdlich, nimmt die Freude und lindert die Überzeugung, dass man den Menschen wirklich Glauben schenken möchte. Mit der Zeit wird dies leider alles andere als besser, wodurch die Qualität der Aussagen der Interviewten abnimmt. Einzig die Eltern schaffen mit dazugehörigen Videoaufnahmen aus dem eigenen Haus ein Bild von Kurt, der als Kleinkind das Zentrum jedes Geschehens und von Anfang an hyperaktiv, emotional, sensibel, interessiert aber auch verwirrt war. Er fühlte sich ausgestoßen, abgewiesen, anders, so wie man ihn sich eben vorstellt, wenn man ihn singen hört. Mit der Zeit wurde aus ihm ein Mann, der einen Traum hatte und ihn erreichte. Doch anstatt Erfüllung erwartete ihn Enttäuschung, weil er sich mehr versprochen hatte. Die unheimlich graphischen und privaten Aufzeichnungen von Cobain schreien dem Betrachter förmlich diese zerrissene und verletzte Seele entgegen. Interessant anzusehen, alarmierend und damit stets mit dem bitteren Beigeschmack verbunden, dass es zu spät ist. Wäre es nicht um diese Kritzeleien, Zeichnungen und andere Werke; die Dokumentation wäre nicht halb so interessant.


Cobain wie man ihn kennt
Es sind nämlich diese hinterlassenen Dinge, die der Welt ein Geschenk sind, weil sie mehr über Cobain aussagen, als je irgendein Film im Stande wäre. Sie beweisen, dass Cobain ein Expressionist war, der seine innere Seele, das Ungewisse, Fremde und Extreme verarbeitete. Die Animationen der Werke sind gut, erschreckend, informativ, unterhaltsam, fordern aber auch einen aufmerksamen Zuschauer, der Willens ist, sich damit auseinanderzusetzen. Umso erschreckender ist es, dass die Dokumentation nachlässig mit diesen Notizen, Zeichnungen, etc. umgeht. Sie werden instrumentalisiert, um den Zuschauer zu manipulieren. Textzeilen von Notizen werden vollkommen aus dem Zusammenhang geblasen, um zu schocken und Eindruck zu schinden. Das ist nicht nur schade, sondern auch einer sogenannten „intimen Dokumentation“ in höchstem Maße unwürdig. Zudem strahlt der Film zuweilen die gleiche Sensationsgeilheit aus, die Cobain Zeit seines Musikerdaseins verachtete, gegen die er kämpfte. Dadurch verliert die Arbeit von Brett Morgan unheimlich viel Glaubwürdigkeit, denn so scheint es, als hätten die Macher aber auch gar nichts von dem verstanden, wofür Kurt Cobain stand. Dadurch wirkt das Werk weniger wie ein Herzensprojekt der Macher, sondern wie Kalkül, wie ein Bedienen der Massen ohne wirklichen Sinn und Verstand.


Bessere Zeiten für Cobain, trotz Chaos
„Cobain: Montage of Heck“ instrumentalisiert einen Mann, der sich gegen den Strom stemmte, gegen an arbeitete, Anarchie versprühen wollte. Dessen Anarchie schließlich instrumentalisiert wurde, was ihn verwirrte, seinem noch jungen Lebenswerk widersprach und ihn wahrscheinlich in den Suizid trieb. Diese Ironie muss man sich erst einmal verdeutlichen, bevor man diese Dokumentation dafür abfeiert, dass sie Kurt Cobain verstünde. Es stimmt, dass die Archivaufnahmen sehr interessant sind, den Menschen Cobain an sich zeigen. Auch eine Intimität zwischen Zuschauer und Cobain entsteht zuweilen. Aber dennoch lassen sich nach einem überraschend unspektakulären Ende folgende Fazits ziehen: Wer sich schon vorher mit Kurt Cobain auseinandergesetzt hat, der erfährt nicht viel Neues und kann sich nur ein paar privaten Bildern und Videos aus der Wohnung der Cobains erfreuen. Die Doku scheint die Aussagen hinter Cobains Werk entweder zu ignorieren oder unwissentlich gegen sie zu arbeiten. Beide Fälle sind gleichermaßen zu verachten, weil sie eine intime und intensive Auseinandersetzung mit der Person Kurt Cobain ausschließen. Die Dokumentation geht zuweilen kalkulierend mit Dokumenten um, damit sie die Regeln der Dramatik erfüllen kann. Da bekommt die Aussage des Regisseurs, der Film sei für das Kino gedacht, eine ganz neue Dimension. Was macht eine Dokumentation zu einer guten Dokumentation? Dies sicherlich nicht.


In Kurt Cobains Abschiedsbrief stand der Satz „It’s better to burn out than to fade away.“
Etwas, was sich die Dokumentation nicht zu Herzen genommen hat, da der Abspann anfängt und den Zuschauer mit einem seltsamen Gefühl der Unfertigkeit sitzen lässt. Fans und Interessierte erfahren hier sicherlich nicht viel Neues. Stattdessen kann man hier über zwei Stunden hinweg sein Wissen abnicken, bis der Bildschirm schwarz wird und zum ersten Mal die legendären Klänge der  Gitarre von Smells Like Teen Spirit ertönen. Wer wirklich mehr über den sagenumwobenen Menschen erfahren will, der sollte sich einen ganz bestimmten Satz zu Herzen nehmen, den Kurt Cobain in einem Interview sagt: „It’s all in the music.“


5 von 10 tollen Kritzeleien


von Smooli

Review: NOT FADE AWAY - Viel Herz und wenig Pep

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Fakten:
Not Fade Away
USA, 2012. Regie & Buch: David Chase. Mit: John Magaro, Jack Huston, Will Brill, Dominique McElligott, James Gandolfini, Brahm Vaccarella, Gregory Perri, Bella Heathcote, Christopher McDonald, Brad Garrett u.a.  Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 6 Jahren. Ab dem 26.9.2013 im Kino. 



 
Story:
Inspiriert von der Musik der Beatles und besonders der Rolling Stones gründen Douglas und seine Freunde Anfang der 60er eine eigene Band. Douglas verschreibt sich im Lauf der nächsten Jahre vollkommen der Musik, was seine konservativen Eltern schwer verärgert. Die Band hat Potenzial, doch der grosse Erfolg will sich nicht einstellen.

                                                                    



Meinung:
Mit "Die Sopranos" schrieb David Chase junge Fernsehgeschichte. Mit "Not Fade Away" erzählt er eine teils autobiographische Story, was jederzeit zu spüren ist. Das, sowie der in diesem Jahr viel zu früh verstorbene James Gandolfini, sind die Prunkstücke seines Films, der sonst leider nicht das hergibt, was der Titel verspricht. Eher im Gegenteil.


 
Die Zottel-Kids lümmeln im Grünen...
Chase lag das Projekt wohl am Herzen, seine Bemühungen um Authentizität löblich. Zeitkolorit besitzt "Not Fade Away" ohne jeden Kompromiss. Immer wieder werden reale Ausschnitte aus Film und Fernsehen eingestreut, die aktuelle Geschichte von Politik und Gesellschaft erwähnt, die Musik dieser Zeit untermalt den gesamten Film. Chase ist ein Kind dieser Zeit und hat sie am eigenen Leib erlebt, definitiv spürbar. Nur vergisst er hinter diesen romantisch-melancholischen Anekdoten einen ernsthaft interessanten Film zu erzählen. Melancholisch wird der Zuschauer nur durch die Tatsache, James Gandolfini Monate nach seinem Tod noch mal auf der grossen Leinwand zu sehen. Der bullige Charakterkopf knallt den restlichen Cast mühelos an die Wand. Nur seine Nebenrolle kann das müde Script nicht retten. Dramaturgisch wirkt das stellenweise sehr unbeholfen, was in Anbetracht der Sopranos verwunderlich ist. 


 
...die Alten lieber auf dem Sofa.
Vieles wird grob angerissen, doch letztendlich vermag der Film nie ernsthaft mitzunehmen und die zwischenmenschlich wie gesellschaftlichen Baustellen verlaufen im Nichts. Der Umbruch im Denken der Jugend, das Streben nach Veränderung, der Konflikt zwischen den spiessbürgerlichen Eltern und dem auf Revolution gestimmten Nachwuchs, alles ist da und nichts zündet länger als mal ganz kurz für den Moment. Die Handlung wirkt sprunghaft, teilweise zähflüssig und kommt ohne jegliche Höhepunkte aus. Das Ganze erscheint ziellos und kann kaum bei der Stange halten. Interessant, dass ausgerechnet der Klassiker "Blow Up" in einer Szene im Kino gesehen wird und die Protagonisten darauf hin kritisieren, dass der Film keinen Sinn machen würde. Das erscheint fast schon lustig, betrachtet man diesen Film.


 
Ja, Sinn macht er schon, nur wird hier offensichtlich nach Höherem gestrebt, was nicht erreicht wird. Etwas verstreuter Witz, viel Jugend-Romantik, aber keine vernünftige Erzählstruktur. Es zieht und schleppt sich, kein Ansatz wird tauglich bis zum Schluss gebracht. Am Ende erscheint alles banal, jedes angestrebte Dramatik wirkungslos. Dazu kommen die blassen Jungdarsteller. Sie wirken bemüht, wie der Film insgesamt, strahlen aber kaum Präsenz aus. Das passt zum Gesamtbild. Ansatzweise interessant, effektiv wirkungslos. Schade, denn Chase wollte wohl seiner Jugend ein Denkmal setzen, welches kaum den nächsten Windstoss überleben wird. Viel gewollt und wenig gekonnt.


 
3,5 von 10 beinahe Chartstürmern 

Review: THE DOORS – Oliver Stone lässt Jim Morrison in sein ruhmreiches Chaos taumeln

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Fakten:
The Doors
USA. 1991. Regie: Oliver Stone. Buch: Randall Johnson. Mit: Val Kilmer, Kevin Dillon, Kyle MacLachlan, Frank Whaley, Meg Ryan, Kathleen Quinlan, Michael Madsen, Michael Wincott, Dennis Burkley, Billy Idol, Wes Studi, Floyd Westerman, Kelly Hu, Sam Whipple, Crispin Glover, Josh Evans, Mimi Rogers, Jack McGee, Jennifer Rubin, Costas Mandylor, Karina Lombard u.a. Länge: 140 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Geschichte der kalifornischen Rockband „The Doors“ und deren Frontmann Jim Morrison, der zu einer Ikone der 1960er wurde und mit dem enormen Erfolg sowie seiner Drogen- und Alkoholsucht zu kämpfen hat.




Meinung:
Man muss sich nicht schämen und sich einer derart offensichtlichen Tatsache kleinlaut entziehen: Oliver Stone hat sich seinen populären Status in der Filmwelt redlich verdient, oder besser gesagt, er hat ihn sich vor einiger Zeit verdient gehabt – Diesen subjektive Tatbestand abzustreiten wäre wohl von einem mehr als törichten Verhalten gezeichnet. Mit Filmen wie dem mehrfach ausgezeichneten „Platoon“, „Geboren am 4. Juli“ und „JFK – Tatort Dallas“ machte er seinem angehefteten Titel, ein „politisch engagierter“ Filmemacher zu sein, wirklich alle Ehre. Dazu entwarf er Klassiker wie „Wall Street“ und „Natural Born Killers“, die den mehr als überdurchschnittlichen Gesamteindruck des Schaffens verfestigten, selbst wenn es immer einen Teil des Feuilleton geben wird, die auch die Frühwerke des Oliver Stone in ihrer Aussage als äußerst „fragwürdig“ und „romantisierend“ titulieren werden. Allerdings könnte man in der dargebotenen Form von Gesellschafts- und Politkritik auch von waschechter Polemik sprechen, die vom Regisseur systematisch mit kaltschnäuziger Zweideutigkeit konstruiert und raffiniert aufgezogen wurde.


Val Kilmers beste Rolle?
Heute ist der viel diskutierte und oft verschmähte Oliver Stone nur noch ein bedeutungsloser Schatten seiner selbst, ein willenloses Opfer der Altersmilde und dem rigorosem Konsum von betäubenden Rauschmitteln. Doch es bleibt die Erinnerung, die unverkennbaren Memoiren an die liebgewonnene Blütezeit, die niemals verstummen werden und auch nach dem hirnverbrannten Style over Substance-Debakel „Savages“ nicht abflachen, wenngleich es doch schmerzt, den Zerfall eines einst so talentierten Filmemachers miterleben zu müssen. Was die Hater Stones nicht einsehen wollen, ist ebenfalls gemeingültig: Er war immer ein Regisseur der sein Publikum durch die thematisierten Inhalte und seiner charakteristischen Umsetzung berührte, ob nun positiv oder negativ sei vorerst dahingestellt und muss an eigenen Maßstäben rezipiert werden. Inmitten seiner künstlerischen Hochphase inszeniert Stone aber einen Film, der heute zwar auch den angenehmen Status eines echten Klassikers inne trägt, sich aber gleichzeitig als stärkster Antikörper in dieser generalisierten Qualitätsnorm herauskristallisiert: „The Doors“ von 1991.


Es ist wohl unschwer zu erkennen, wem sich Oliver Stone in „The Doors“ angenommen hat: Natürlich handelt es sich in seinem gefeierten Spielfilm um die gleichnamige Band, die sich vom Jahre 1965 bis 1971 durch die moderne Musikgeschichte polarisierte und sie maßgeblich beeinflusste. Nimmt sich ein Regisseur und Autorenteam der Leinwandadaption von bedeutsamen Künstlern an, die die Welt durch ihre Machenschaften hochgradig inspirierten und in gewisser Weise auch aufrüttelten, dann wächst die gleiche Vorahnung, wie sie auch beim Schriftzug „Basierend auf einer wahren Geschichte“ entflammt: Das Kommende hat sich nicht der Realität verschrieben, sondern nur den Mechanismen Hollywoods, welche das universellen Massenpublikum höchstoberflächlich in das Leben von berühmt-berüchtigten Personen einbezieht. Dass kann letztlich alles sehr unterhaltsam sein, hat mit seinem eigentlichen Topic aber rein gar nichts mehr am Hut. Auch Oliver Stone ist in dieses Schlagloch gestolpert und entwirft ein vages Charakter-Portrait zwischen nationalem Vietnamtrauma, Flowerpoweridealen und reaktionärer Nixonära.


Sex, Drugs & Rock 'n Roll? Erstmal nur Sex and Drugs
Man muss sie nicht studiert haben, die vielfältige Vita des rebellierenden Rockpoeten Jim Morrison oder die sensationelle Chronik der legendären Doors, um relativ rasch zu registrieren, dass sich Oliver Stone hier nicht wirklich um minuziöse Themenbezogenheit in der chronologischen Aufarbeitung der außerordentlichen Rockband schert. Vielmehr porträtiert „The Doors“ ohne Umschweife den Frontmann der Band und verdichtet sich ganz auf die extremen Facetten seines bis heute von Mythen umwobenen Daseins. In „The Doors“ geht es zumeist um das selbstzerstörerische Mysterium des Jim Morrison, der sich gegen Konventionen stemmt, säuft, rauft und sich seinem unausweichlichen Untergang halsbrecherisch annähert. Dass ist dann dank Val Kilmers wirklich starker Performance und der audiovisuellen Klasse ein sehenswerter Rausch, doch seinem Titel, wie auch Morrison persönlich, wird der Film zu keiner Zeit gerecht, denn anstatt die Materie ernsthaft zu verinnerlichen, ist Stone hauptsächlich am plakativen Exzess, anstatt am psychischen Prozess interessiert.


Es ist nicht so, dass sich Oliver Stone hier komplett von allen reellen Versatzstücken loslöst um seine ganz eigene Party zu feiern, doch es ist schon äußerst auffällig, wie direkt sich Stone Inszenierung in ihre Sensationsgier formuliert: Geht es um die stillen, nachdenklichen Momente, wird „The Doors“ eigentlich immer lauter und schriller, nur um sein Publikum nicht zu langweilen. Stone selbst gab an, dass es wohl niemanden interessieren würde, einen Jim Morrison beim Verfassen seiner Texte zu zeigen, schließlich will die Kinowelt doch immer nur das Extrem vorgeführt bekommen und dabei zu sehen, wie sich Idealbesetzung Val Kilmer – der auch gesanglich Großes leistet – in den von Drogen und Alkohol verschmutzen Schattenseiten des Ruhmes wälzt. Ein Psychogramm wird weder von den Doors per se, noch von Jim Morrisons Seelenkäfig angefertigt, genau wie es weitestgehend verloren ging, ihre Musik mit politischen und gesellschaftlichen Paradigmen und Maschinerien zu assoziieren. Tobendes Spektakel reicht eben nicht, auch wenn Oliver Stone an seiner Zelebration mit Sicherheit viel Freude gehabt hat, substanziell oder emotional fordernd ist „The Doors“ nun mal rein gar nicht.


6 von 10 Bädern des Todes



Von Souli