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HACKSAW RIDGE - Mel Gibsons „pazifistische“ Horrorshow

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Fakten:
Hacksaw Ridge
USA. 2016. Regie: Mel Gibson. Buch: Andrew Knight, Robert Schenkkan. Mit: Andrew Garfield, Richard Pyros, Jacob Warner, Milo Gibson, Darcy Bryce, Roman Guerriero, James Lugton, Kasia Stelmach, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Jarin Towney, Tim McGarry, Tyler Coppin, Teresa Palmer, Richard Pratt, Nathaniel Buzolic uvm. Läng: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 26. Januar 2016 im Kino.


Story:
Hacksaw Ridge spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Vereinigten Staaten kämpfen nicht nur an der europäischen Front, sondern auch im Pazifik rund um Japan. Unter den jungen eingezogenen Männern, die auf den nördlichen Teil der japanischen Insel geschickt werden, ist auch Desmond T. Doss (Andrew Garfield). Er macht sich während der Kämpfe als Sanitäter im 77. Regiment der 307. Infanterie als einer von vielen Soldaten verdient. Doch eines macht Doss zu etwas Besonderem: Er trägt keine Waffe bei sich. Auch wenn sein eigenes Leben bedroht ist, weigert er sich, das Leben eines anderen Menschen zu nehmen.




Meinung:
Nun ja, ist ja nichts Neues, dass die Filmfestspiele in Venedig auf blutgeile Propaganda stehen. Als es in jüngsten Kritikerzirkeln oder eben auch auf Seiten wie Rottentomatoes hieß, dass Mel Gibson mit seiner aktuellen Regiearbeit „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ ein Jahrzehnt nach „Apocalypto“ eine mordsmäßige Rehabilitierung einheimsen würde, war zumindest das Mordsmäßige daran nicht gelogen. Seit jeher geblieben sind bei ihm nämlich vor allem der unverbesserliche Hang zum Pathos und zur katholischen Allegorie im Blutvergießen, gebettet in ein Weltbild vom Dasein im Schlachten, stets energisch zwischen Gut und Böse aufgeteilt, bei denen die vagen Grauzonen nur noch für extrem verzweifelte Apologeten Gewicht haben können, während mindestens eine Gesellschaftsgruppe wieder verprellt wird. Interessant ist dabei, dass Gibsons neuer Film in einer Zeit spielt, die Extreme für selbstverständlicher hielt, eben im zweiten Weltkrieg vom guten Amerika aus die Werte der freien Welt gegen das Grauen der Achsenmächte verteidigte, in der Natur des Krieges daher auch für Widersprüche bereit war, die dem Töten im demokratischen Auftrag einen Freifahrtschein ausgaben. Genau diesem Widerspruch versucht der Film anhand von Desmond Doss (Andrew Garfield) einen potenziellen Diskurs zu bescheren, im Endeffekt formiert sich die Gestaltung zum Narrativ selbst jedoch zum vollkommenen Widerspruch. Er schwärmt vom Pazifismus und dem Gebot „Du sollst nicht töten“, scheint diese ethischen Grundpfeiler aber nur als Vorwand aufzuspannen, ehe er seine wahre Dynamik im aufgegeilten Gemetzel der Militärmaschinerie ausspielt. Das Prozedere dorthin zeigt zumindest insofern noch einen anpassungsfähigen Mel, da seine Einleitung schon so formelhaft und austauschbar wie das Gros ähnlicher Filme ausfällt, von Look und Sound her ebenso mühelos als kontemporärer Standard vom Schlage „Unbroken“ gewertet werden kann. Selbst die unsäglich offensichtlichen Greenscreen-Kulissen dieser Tage sind vertreten, wenn Drehort Australien als Vereinigte Staaten oder später auch Japan herhalten soll.


Die technische Routine darin ist allenfalls noch solide genug wegzugucken, schließlich war ein Gibson nie so virtuos wie es sein Fokus auf Schlachtengemälde manchmal erscheinen lässt. Deshalb ist der Biopic-Baukasten vom Einzelnen für die große Sache schnell gebastelt, um gleichsam fix wie möglich zum Blut zu gelangen – und dafür muss nicht mal Krieg herrschen. Die unmissverständliche Ader des Filmemachers Gibson spritzt sich zeitgleich dazu aus, direkt auf den Grabstein des Heldenfriedhofs, wo Blut und Boden zum Veteranenschmerz gemoddet wird. Symbolik wird ohnehin ein großes wie aufgeblähtes Stichwort in der Sprache des Films, mit der Gibson Patrioten und Christen zugleich erreichen will, demnach sind die einschneidenden Lebensmomente von Desmond Doss auch vom Charakteraufbau mehr Momente als Leben, ein durch und durch versimpeltes Melodram, das die Abneigung vor der Gewalt im vom ersten Weltkrieg frustriert-traumatisierten Vater Tom (Hugo Weaving) begründet, währenddessen aber auch wortwörtlich auf die ausgestellten Gebote blickt. Das Drehbuch von Robert Schenkkan und Andrew Knight (Autor des ähnlichen „Das Versprechen eines Lebens“) bietet von den Dialogen her zumindest die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen und im Rahmen der Umstände auch ambitioniertes Schauspiel zu ermöglichen, doch authentisch ist es nur insofern, wenn die Einfachheit des damaligen Zeitgeists mit einberechnet, innerhalb des Schlachtfelds erst recht fortgeführt wird. Vorher aber probiert der Film noch wie gehabt fürs amerikanische Herzblut die Romantik zur Krankenschwester Dorothy (Teresa Palmer), die Desmond ausgerechnet dann trifft, nachdem er einem Verunglückten beim Ausbluten seiner Arterie nicht mehr zusehen konnte, den Flirt mit ihr sodann mit Blutspenden kombiniert und jenes Gespendete keck zurückverlangt, weil die gute Miss Schutte sein Herz ja so verrückt spielen lässt. Ist er nicht ein drolliger Naivling auf den Spuren von Forrest Gump? Oder eher: Romantisiert Gibson einen Fetisch zum Aderlass?


Letzteres ist eine der spannenderen Fragen im Zuge einer prekären Verantwortung, die der zweite Weltkrieg bei Eintritt in die Handlung zur Debatte stellt, im Call to Arms schon die Doss-Familie zu zersprengen droht, wenn der Vater seine Söhne wegsterben zu sehen glaubt. Die Ängste sind rechtens, die historische Relevanz des Kämpfens aber unbestritten, so kriegt Gibson den Zuschauer ohne Weiteres auf seine Seite, was natürlich dann streitbar wird, wenn der Kontext zur Gegenwart im Grunde daraus interpretieren lässt: Wer eine PTBS aus Irak hinüber getragen hat, muss dennoch einsehen, dass der IS mit allen Mitteln und Opfern besiegt gehört. Gibsons Film bereitet uns (auch gemessen am positiven Echo) vermutlich mehr auf die Zukunft der USA vor, als manch objektiver Kritiker es wahrhaben will, wenn dieser auf die Distanz im historischen Schauplatz hinweist. Gibson selbst baut jedoch noch weitere, mehr oder weniger effektive Schutzmechanismen ein, wenn sein Held humanitär agieren will und dafür hart gegen die Riten des geläufigen Soldatenlebens anzukämpfen hat. Jenes Segment darf sich als „Full Metal Jacket“-Faktor des Films behaupten, endlich auch für längere Zeit die Musik von Rupert Gregson-Williams abschalten, wenn mal nicht nach Art des Veit-Harlan-Rührstücks „Immensee“ die Sehnsucht zur Versprochenen aus der geschenkten Mini-Bibel heraus gekramt wird. Ziemlich direkt wird daher die Brutalität im zwischenmenschlichen Umgang präsentiert, wenn Drill Sergeant Howell (Vince Vaughn!) schon bei der Auswahl der Spitznamen seiner Rekruten (u.a.: Ghoul, Private Idiot, Chief) Hass, Machtspiele und Rassismus ausruft, zudem gegen die religiösen Belange Desmonds konspiriert, keine Waffe anfassen zu wollen. Dessen permanente Stärke zum Erhalt der Werte - im Angesicht zur Bürokratie sowie drangsalierenden Mitstreitern, welche ungefragt den Regeln des Krieges ergeben sind - bietet einen Kontrast, der eine ideelle Plattform für Grauzonen der human condition lanciert hätte, in Mindestmaßen auch erfüllt zu werden scheint. Stattdessen aber kommen externe Faktoren wie Soldatenehre und Glaube ins Spiel, um von der Deus Ex Machina et Deus direkt ins Blutbad zu springen.


Dort scheint Gibson dann mit David Ayer um die reißerischsten Körperzerfetzungen (u.a. am absichtsvoll genannten Gefreiten Hollywood) zu konkurrieren, wenn die Kamera vollends den Schock lebt, sogar repetitiv durchlebt. Er malt den Krieg darin schließlich so schwarz-weiß („We're not in kansas anymore“, heißt es ironischerweise), wie es vorhersehbarer und räudiger nicht sein könnte, besetzt mit einer Gegnerfront an Japanern, die im Kamikaze wie aus einem modernen Horrorfilm scheinen - einmal sind sie sogar regelrechtes Jumpscare-Futter. Wie bei „Passion Christis“ singulären „Not all jews were bad“-Momenten versucht Gibson den xenophoben Eindruck noch durch genau zwei Momente zu kippen, wenn Desmond neben seinen verletzten Kameraden auch Japanern medizinische Unterstützung zukommen lässt, doch das Gleichgewicht zu blutrünstigen Eindrücken des gegnerischen Menschenschlages ist alles andere als Zen. Klar, es ist Krieg, keine Zeit für politische Korrektheit, ist angekommen. Das Auskosten des blutigen Treibens jedoch - in Zeitlupe gebettet, permanent am Schreien, Verbrennen und Durchsieben - wirkt in einem Film über die Entsagung direkter Gewalt mehr als befremdlich und heuchlerisch. Besser wird es dann auch nicht, wenn Gibson noch um die Empathie zum Heldentum von Doss bettelt und nach Superhelden-Manier inszeniert, darin aber nur die Spitze des Eisbergs seiner größtenteils von Subtilität befreiten Signale als Regisseur aufzeigt. Das wahre Ungetüm zeigt sich nämlich im Schlussakkord, welcher in seiner Bestialität und Plattitüde für lange Zeit ungeschlagen bleiben wird, im Alleingang alles niederballert und die Japaner im Angesicht der Heiligkeit Harakiri begehen lässt – schließlich ist der Glauben kompromissbereit, wenn den guten Jungs geholfen wird, die auch nur aus Pflichtbewusstsein am Krieg teilnehmen. So kann man sich das wohl zurechtlegen und ganz von der Wahrheit weg lässt sich das Ganze ebenso nicht positionieren. Aber das ist dann doch zu wenig im Vergleich zur Kontroverse dieses Films, um dessen War-Gore als pazifistisches Heldendenkmal vermitteln zu können. Streitbarkeit an sich ist gewiss kein Widerspruch zu Qualität, zudem ist Gibsons Film beileibe auch kein Paradebeispiel für lückenlosen Jingoismus, doch eine sichere Bank ergibt sich daraus noch lange nicht. Außer offenbar in Venedig und im Herzen Amerikas.

3,5 von 10 Blutflecken

vom Witte

Review: POINT BLANK & PAYBACK - Zweimal Rache, bitte

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Fakten:
Point Blank
USA. 1967. Regie: John Boorman. Buch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O’Connor, Sharon Acker, James Sikking, Michael Strong u.a Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben a 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gangster Walker wird von seinem Komplizen Reese bei einem Coup hintergangen und endet angeschossen in der Gosse. Doch er überlebt und beginnt nach seiner Genesung damit, sich den Teil seiner Beute zurück zu holen – mit allen nötigen Mitteln.





Meinung:
Lee Marvin ist als Walker eine unerschütterlich-stoische Urgewalt. Seine Performance ist von einer derart einnehmenden Physis gezeichnet, dass sie die Mattscheibe im nächsten Moment explodieren lassen könnte. Von malerischen CinemaScope-Kompositionen nachhaltig akzentuiert, will sich dieser Walker sein Geld zurückholen, was ihm hinterrücks genommen wurde und stampft dafür mit (immer wieder von Metaphorik elektrisierten) hallenden Schritten durch ein Los Angeles der endlosen Gänge. Ebenso nihilistisch wie stilistisch setzt John Boormans Walkers Rachefeldzug in Szene, in dem er die Charakteristika des Film Noir und der Nouvelle Vague kreuzt und oberflächlich einen kaltherzigen Zynismus pflegt, dem erst durch die exzellente Farbdramaturgie eine nachhaltig emotionale Plattform geboten wird. „Point Blank“ torpediert – so wie es sich für New Hollywood gehörte – abgestandenen Normen und baut auf eine fragmentarische Narration, das mit elliptischen Sprüngen durch die Zeit hantiert und damit zuweilen in hypnotischer Suggestion den Zuschauer stimuliert. „Point Blank“ ist schon ein besonderer, ein prägender Film, der uns in eine Welt führt, in dem Vor- und Zunamen keinen Wert mehr besitzen und die Zukunft noch irgendwo in den Sternen steht. Dafür wird die Genre-Reduktion des Rache-Themas über den gesamte Bildschirm ausgenutzt, denn: Action muss nicht immer nur in der Zentrale funktionieren!


7,5 von 10 schattigen Verstecken


von souli




Fakten:
Payback
USA. 1999. Regie: Brian Helgeland. Buch: Terry Hayes, Brian Helgeland, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Mel Gibson, Maria Bello, Lucy Liu, Gregg Henry, David Paymer, Deborah Kara Unger, James Coburn, Kris Kristofferson, William Devane, Jack Conley, Bill Duke u.a. Länge: 101 Minuten (Kinoversion), 90 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren (Kinofassung), freigegebe ab 18 Jahren (Director’s Cut). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Porter wollte mit seiner Frau und seinem Kumpel Val den ganz großen Coup landen. Leider hat er nicht damit gerechnet, dass seine Frau und Val ihn hintergehen, auf ihn schießen und ihn sterbend liegen lassen. Doch Porter überlebt und sinnt auf Rache sowie seinen Teil der Beute.





Meinung:
Eine interessante, angenehm von John Boormans Klassiker „Point Blank“ losgelöste Neuinterpretation des Romans „Payback“ ist Brian Helgeland und Terry Haves mit dem ihrem gleichnamigen Rache-Thriller gelungen. Mel Gibson veranschaulicht mit seinem um 70.000 Dollar gebrachten Porter mal wieder, dass er einfach ein wunderbarer Schauspieler ist, dessen größte Stärke sein gottgegebenes Charisma ist. Porter ist keine archaische Dampfwalze wie es Lee Marvins Walker noch war, der einnehmenden Wirkung von Gibsons Spiel kann und will man sich so der so nicht entziehen. Während sich die dem Usus des Mainstreams anbiedernde Kinofassung mit aller Kraft dagegen stemmt, schön böse zu sein und mit ihren penetrant in tiefes Blau gefärbten Aufnahmen auf optischer Ebene genauso originell ist, wie violette Strähnchen im schwarzen Haar (urgs!), bricht der Director's Cut richtig straight vom Leder. „Payback“ spannt einen breite(ren) Erzählbogen, lässt in die etagenartigen Gepflogenheiten des „Syndikats“ blicken und die Menschlichkeit seines Protagonisten nicht nur im Subtext anklingen. Porter kämpft sich kompromisslos durch den Großstadtdschungel, in dem niemand von Moral redet, hier regiert nur die Korruption. Ein düsterer, lakonischer Neo-Noir, der dicke Macker schnell mal als feige Sadisten entlarvt.


6,5 von 10 Kugeln im Rücken


von souli

Review: THE EXPENDABLES 3 - Söldner-Action für alle (außer die Fans)

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Fakten:
The Expendables 3
USA. 2014. Regie: Patrick Hughes. Buch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Sylvester Stallone. Mit: Sylvester Stallone, Mel Gibson, Antonio Banderas, Jason Statham, Dolph Lundgren, Arnold Schwarzenegger, Wesley Snipes, Randy Couture, Terry Crews, Kellan Lutz, Ronda Rousey, Harrison Ford, Victor Ortiz, Glen Powell, Kelsey Grammer, Robert Davi, Jet Li, Ivan Kostadinov, Thomas Canesraro, Bashar Rahal u.a. Länge: 127 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren.
Ab 22. Dezember 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Barney Ross, Chef der Expendables, traut seinen Augen nicht. Bei einem Einsatz kommt es zu einem Wiedersehen mit seinem alten Weggefährten Conrad Stonebanks, der nun als Waffenhändler sein Geld verdient. Zwischen Ross und Stonebanks gibt es noch eine offene Rechnung, doch diese müssen Barneys Gefährten mitbezahlen. Um Stonebanks endlich zu stoppen, beginnt Ross damit neue Söldner zu rekrutieren.





Meinung:
Bevor wir uns mit der Elefantenthematik des “PG13” auseinandersetzen, soll sich der Beginn dieser Review rund um die Tonalität des dritten Teils der “Expendables“ drehen. Nachdem mit „The Expendables“ der Versuch unternommen wurde, nicht nur die alte Actiongarde auf der Leinwand zu versammeln, sondern auch stilistisch die Action der 1980 sowie -90er Jahre wiederzuerwecken, wurde mit Teil 2 die Gewichtung verlagert. War Teil eins ein rauer und relativ humorfreier Actionfilm, der noch etwas zu ungelenk und unfokussiert vor sich hin dümpelte, erwies sich das Sequel als schnelllebiges sowie durchweg amüsantes Actionkino, welches rasant und augenzwinkernd seiner bleihaltigen Prämisse folgte. Es war wahrlich eine gute Entscheidung von Mastermind Stallone, die Regie bei „The Expendables 2“ an „Con Air“-Regisseur Simon West abzugeben. Beim dritten Teil der Söldner-Reihe darf nun Patrick Hughes die Entbehrlichen ins rechte Licht rücken. Das Ergebnis ist vom Tonus wieder etwas ernster als beim direkten Vorgänger, hat allerdings ein verdammt großes Problem, welches er mit sich schleppt: ihm fehlt der Dampf!


Zwei Männer, zwei Messer, ein Wettkampf
Mit Dampf ist nicht zwangsläufig fehlende Brutalität gemeint (dazu später mehr), sondern die Tatsache, dass das Gefühl der Action, anders wie im Vorgänger, sich nie wirklich einnehmend gestaltet. Unterstrichen wird dies auch dadurch, dass „The Expendables 3“ zwar zu Beginn und beim überlangen Showdown durchaus große Geschütze auffährt, zwischen diesen beiden Polen aber meist nur schlapp und ideenlos in den Seilen hängt. Einen Großteil seiner Narration verwendet Teil drei dafür, dass Chef-Söldner Barney Ross (Stallone) zusammen mit seinem alten Freund Bonaparte (Kelsey Grammer in seinem „Expendables“-Debüt) neue, frische Kampfgefährten rekrutiert. Die meisten davon werden dargestellt von eher unbekannten Schauspielnovizen wie etwa Ronda Rousey, die eigentlich vom Ultimate Fighting kommt und quasi das weibliche Äquivalent zu Randy Couture ist. Innerhalb dieser Rekrutierungsszenerie gibt sich auch Antonio Banderas die Ehre, die hier ganz klar als Charakter fürs comic relief herhalten muss. Ein gutes comic relief kann einem Film durchaus helfen, Kurzweiligkeit zu generieren, doch Banderas als Galgo lässt sich (leider) eher als Jar Jar Binks der „Expendables“ bezeichnen. Zu zwanghaft, zu plump und vor allem zu berechenbar sind seine Auftritte gestaltet. Dabei scheint Banderas durchaus mit der nötigen Portion Laune und Spielwitz bei der Sache gewesen zu sein, doch Regisseur Hughes gelingt einfach kein gutes Pacing.


Ohne Zweifel die schönste und beste Szene im gesamten Film
Das Pacing ist wirklich das Hauptproblem des Films. Große Actionmomente werden nur selten gut aufgebaut. Dazu ist dem Film sichtbar anzumerken, dass vieles nicht mehr handmade ist, sondern aus dem Rechner stammt. „The Expendables 3“ besitzt zwar eine Story, die aus der guten, alten Zeit des Actionfilms stammen könnte, doch trotz allem wirkt der Film wie eine halbherzige Staffelübergabe an eine jüngere Generation. Diese Übergabe erfolgt aber alles andere als überzeugend. Letztlich sind die Neo-Söldner so redundant wie nutzlos und wohl einzig nur deswegen mit dabei, weil die „großen Stars“ aus terminlichen Gründen nur bedingt am Dreh teilnehmen konnten. Das Ende, so viel sei verraten, erweckt nicht wirklich den Eindruck, als ob Stallone der Jugend das Feld überlassen will. Gut so, denn Figuren wie Lee Christmas, Tall Road oder Hale Caesar sind zwar auch nur dumpfe Action-Schablonen, aber sie besitzen etwas, was den Neuzugängen komplett fehlt: Charisma.


Wesley Snipes rasiert sich wie ein echter "Expendable"
Charisma fehlt aber nicht nur den neuen Söldner, nein, Charisma fehlt dem ganzen Film. Und jetzt kommen wir auch endlich zur Thematik, die seit der Ankündigung, dass der Film in den Staaten mit eine PG13 erscheinen wird, über ihm wabert, wie Nebel über einer atlantischen Sandbank. Zunächst einmal die alles entscheidende Frage: merkt man „The Expendables 3“ an, dass hier zugunsten einer niedrigen Altersfreigabe zensiert wurde? Klare wie einfache Antwort: Ja. Vor allem im direkten Duell guter gegen böse Söldner ist deutlich anzumerken, dass brutale Spitzen entfernt wurden. Die Schnitte sind dazu teilweise recht schlampig gesetzt. Immer wieder passiert es, dass man als Zuschauer eine Klimax erwartet, doch stattdessen die Handlung einfach zu einer anderen Szenen überspringt. Das nimmt dem ganzen Actionzirkus Kraft wie  Freude. „The Expendables 3“ wirkt dadurch einfach zu sehr gezähmt (auch wenn es vielleicht nur wenige Sekunden gesamt sein mögen, die fehlen). Zur Kompensation werden zwar immer größere Waffen und Gerätschaften vor die Kameralinse gekarrt, aber „The Expendables“ definieren sich nun einmal über ihren All-Star-Cast (einhergehend mit den bekannten sowie beliebten Rollen) und die harte, kompromisslose Action, die von ironischem Witz getragen wird. Dies fehlt hier leider völlig.


„The Expendables 3“ muss in große Fußstapfen treten. Teil zwei war ohne Zweifel ein amüsantes Genre-Highlight. Doch es wird hier nicht mehr abgeliefert, als kapitales Sicherheitsdenken: Ein Film für erwachsene Actionfans, der auch jüngere Zuschauer ansprechen, bzw. erreichen, will und darüber hinaus versucht seinen gut eingespielten Cast mit uninteressanten Newcomern zu kombinieren. Beides fruchtlos, beides gescheitert. Wer nun der Schuldige dafür ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Regisseur Hughes jedenfalls dreht als nächstes das US-Remake von „The Raid“. Bleibt zu hoffen, dass er dies besser inszeniert als den dritten Teil der Söldner-Action. Aber apropos „The Raid“: wer in diesem Kinosommer Action sehen will, sollte sich eh Gareth Evans Meisterwerk „The Raid 2“ ansehen. Dagegen kommen "The Expendables" - egal welcher Teil - nicht an.


3,5 von 10 Mini-Computer fürs Handgelenk

Trailer: Alter Männer und Action satt - Neuer Trailer zu THE EXPENDABLES 3

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Nach dem üblichen Teaser-Geplänkel zeigt der neue Trailer zu „The Expendables 3“ nun endlich dass er gehörig Actionfleisch auf den Knochen hat. Im dritten Teil, diesmal unter der Regie von Patrick Hughes („Red Hill“), bekommen es die Entbehrlichen mit einem Ex-Mitglied zu tun (gespielt von Mel Gibson), der mittlerweile kräftig im Waffengeschäft absahnt. Dazu kommt dann noch Rache, Vergeltung und der ganze andere Schnickschnack. Ob Teil 3 trotz seiner PG13-Ausrichtung immer noch so bombt wie sein Vorgänger, wird sich am 21. August 2014 zeigen, dann kehrt Stallone mit seinem Team zurück. Neu an Bord sind Wesley Snipes, Harrison Ford, Kellan Lutz, Antonio Banderas und Kelsey Grammer. Wir wünschen viel Spaß mit dem Trailer.